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Montag, 30. Oktober 2023

Allo Darlin', Ramsgate, 27.10.23

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Konzert: Allo Darlin'
Ort: Ramsgate Music Hall
Datum: 27.10.2023
Dauer: 85 min ca.
Zuschauer: 125 (ausverkauft)



Oft weiß man ja erst, wie gut etwas war, wenn es nicht mehr da ist. Von dem Miraculi-Käse behaupten das viele. Bei Allo Darlin' war das ganz anders. Als die Band 2016 ihr Ende ankündigte und drei Abschlusskonzerte in London spielte, war uns allen sehr bewusst, was da verloren gehen würde. 

Allo Darlin' waren in den knapp zehn Jahren ihres Bestehens vermutlich die wichtigste Indiepop-Band, wenn man Indiepop im eigentlichen Sinn definiert und nicht als "Popgruppe ohne Plattenvertrag." 

Auf der Fahrt nach Ramsgate überlegte meine Reisegruppe, die schon 2016 zu den letzten drei Konzerten gefahren war, wie wir Allo Darlin' kennengelernt hatten. Trotz intensiver Recherche von Facebook-Chats und Konzertberichten gelang uns das nicht zweifelsfrei. Alle drei Konzerte in Köln hatte ich gesehen, startend mit dem im AStA-Café mit den Smittens 2010. Der zweite Köln-Auftritt fand in den Hängenden Gärten 2012 statt, der letzte in einem Ausweichkeller der Hängenden Gärten 2014. Dazwischen sah ich die australisch-englische Band beim End of the Road Festival und natürlich beim Indietracks. 

Als sich Allo Darlin' auflösten, war Bassist Bill nach Australien zurückgezogen, aufs Land, allerdings in eine Gegend, in der die Spinnen sehr groß aber nicht so sehr tödlich sind. Sängerin Elizabeth stammt aus Queensland (Spinnen klein und sehr tödlich, alles andere auch, unabhängig von der Größe), war aber erst nach Italien und dann nach Norwegen gezogen. Gitarrist Paul und Schlagzeuger Michael blieben in England. praktikabel war das für die Band alles nicht.

Michael hat mittlerweile in Ramsgate in Kent ein Studio. Grund für den außergewöhnlichen Ort für eine Reunion war allerdings der zehnjährige Geburtstag der Ramsgate Music Hall. Allo Darlin' hatten 2013 das erste Konzert in diesem kleinen Konzertsaal gespielt. Natürlich war das erste Konzert nach sieben Jahren sofort ausverkauft. Bevor das große am nächsten Tag in London angekündigt wurde, schob der Veranstalter in Kent noch eine Matinée am Freitag dazwischen. Wir wollten der alten Tradition des Konzerttripels folgen und kauften für alle drei Tickets. 

Das Nachmittagskonzert fand um 15:30 statt. Unser Tag am Meer hatte regnerisch angefangen und wurde immer schöner. Als wir in die Music Hall kamen, war draußen wunderschönes Spätsommerwetter. Drinnen war es erst einmal sehr dunkel. Trotzdem kapierten wir schnell, wie winzig der Konzertsaal ist. 125 passen rein, hätte ich raten müssen, hätte ich 50 geschätzt. 

"Es ist sehr emotional und bedeutungsvoll für uns! Wir haben geübt... zwei Tage lang. Und man sagt ja, dass es wie das Radfahren ist, bis dann... Ok, wir fangen an!" 

Und wie! Wonderland ist seltener mein Allo-Darlin'-Lieblingslied als andere, war aber alleine wegen des Titels so passend. Wir waren sofort wieder im Indiepop-Wunderland. Wer die Band schon einmal live gesehen hat, wird den dauernd lachenden Bill vor Augen haben. So sahen wir alle aus! Capricornia, auf Platte ein Hit, ist live noch viel besser. Beim Essen hatten wir uns unterhalten, was unsere liebsten Lieder der Band sind, was man halt so macht. Unsere Liste war allerdings lang. Denn anders als die meisten ihrer Kollegen, sind alle drei Allo-Darlin'-Alben komplett frei von nicht-Hits. Deswegen war es vollkommen egal, dass ein ganzer Schwung Lieblinge fehlte, If loneliness was art, The Polaroid song, Henry Rollins don't dance, My sweet friend, History lessons, es war ja schon perfekt. 

Elizabeth fragte ihre Kollegen immer wieder, was das Radfahren mache. Mit Sicherheit waren sie vor dem Konzert nervös, auch wenn es dafür keinen Grund gab, sie spielten ja auf extrem sicherem Geläuf, man spürte aber nichts von Verunsicherung. Elizabeth und Bill hätten die auch mit ihrem Strahlen und ihren Ansagen und Anekdoten sehr gut verdeckt. 

Für einige Lieder kam "das fünfte Bandmitglied" Geiger Dan Mayfield auf die Bühne. Dan lebt jetzt praktischerweise auch in Ramsgate. Er war aber auch am Samstag in London dabei, wie schon bei den Konzerten 2016. Andere Gastauftritte gab es auch erst in London aber - auch wenn ich mich wiederhole - es war ja schon perfekt!

Die Single Darren, die auf keinem der drei Alben ist, beendete das Set nach 70 Minuten. "Good afternoon!" 

Neil Armstrong, Dreaming und Kiss your lips waren die drei Zugaben des ersten der drei neuen Allo-Darlin'-Konzerte. 2016 beim vorletzten Auftritt hatte Elizabeth Dreaming damit angekündigt, dass Bill das zum letzten Mal singen werde. Wie gut, dass diese Vorhersage Quatsch war! 

Unter den wenigen Konzerten, die ich 2023 gesehen habe, waren mit Heavenly schon ein paar echte Knüller. Wenn ich aber genug für eine Top-10 gesehen hätte, wären dreimal Allo Darlin' auf den ersten Plätzen, das Nachmittags-Konzert am Freitag in Ramsgate war das beste. Und ich vermisse die Band schon jetzt wieder, obwohl sich ihre Lieder den Job als Ohrwurm bei mir abwechseln. 

Setlist Allo Darlin', Ramsgate Music Hall, Ramsgate:

01: Wonderland
02: Capricornia
03: Crickets in the rain
04: We come from the same place
05: Europe
06: Some people say
07: The letter
08: Let's go swimming
09: Tallulah
10: Kings & Queens
11: Silver dollars
12: My heart is a drummer
13: Bright eyes
14: Darren

15: Neil Armstrong (Z)
16: Dreaming (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Allo Darlin', London, 10.12.16 (abends):
- Allo Darlin', London, 10.12.16 (15 Uhr)
- Allo Darlin', Köln, 01.12.14
- Allo Darlin', Ripley, 25.07.14
- Allo Darlin', Köln, 21.11.12
- Allo Darlin', Paris, 10.07.12
- Allo Darlin', Wien, 04.03.11
- Allo Darlin', Paris, 25.02.11
- Allo Darlin', Köln, 28.07.10
- Allo Darlin', Paris, 27.07.10



Donnerstag, 15. Dezember 2016

Allo Darlin', London, 10.12.16

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Konzert: Allo Darlin' (mit The Hayman Kupa Band)
Ort: MOTH-Club, London
Datum: 10.12.2016, 20 Uhr Show
Dauer: Allo Darlin' 90 min, The Hayman Kupa Band knapp 35 min
Zuschauer: 300 (ausverkauft)



Wenn ich mir vorher ausgemalt hätte, wie das perfekte Abschieds-Konzert am Allo Darlin'-Wochenende aussehen müsste, das wäre dabei herausgekommen:


Um halb sechs hatten wir die letzten Töne des ersten Konzerts gehört, um acht standen wir wieder vor der Bühne. Support des zweiten Teils der Abschieds-Veranstaltung war The Hayman Kupa Band. Auch dies war eine ausgezeichnete Wahl, da die beiden Hauptpersonen - Darren Hayman und Emma Kupa (eigentlich Cooper) - zum nahen Umfeld von Allo Darlin' gehören. 

Das Konzert der beiden, die von einer Schlagzeugerin und einem Bassisten begleitet werden, begann wunderschön. Das erste Lied Reach out sang nur Emma, Darren begleitete sie mit ruhigen Gitarrenklängen. Emmas Stimme ist speziell, keine klassisch-schöne Popstimme. Und genau das macht sie so toll! Darrens Gesang passt ganz wunderbar dazu. Das nächste Lied Let's do nothing war das erste Duett mit voller Band. Darren, bekannt durch seine Zeit bei Hefner, trug dem Anlaß des Konzerts angemessen einen dreiteiligen Anzug. "Das ist etwas, das ich von James Hetfield von Metallica gelernt habe. My guitar matches my tanktop and my tie!" 

Emma und Darren sind Frontleute, die Situation in der Hayman Kupa Band sei aber besonders. "Everyone is in five bands, I'm in five bands, nothing special." Die THKB sei aber die einzige seiner Bands, in der er Gitarrensoli spielen dürfe, erklärte Darren nach dem tollen Draw the line. Das Solo da war nicht schlimm, er drohte aber mehr an! "They think it's too much, you think it's too much, I think it's too much!"

Viertes Lied, vierter Knüller: A tent of blankets, ein perfekter Pop-Song, wieder von beiden gesungen. Das übernächste Stück war mein Liebling des Konzerts: Then we kissed, das ich auf keine Veröffentlichung gefunden habe. Dabei hatten sie dabei vorher ein paar Abstimmungsprobleme. "It's la la laa la?" - "No, it's more like laaaa laaa la la la." "This is normal." Emma und Darren waren trotzdem zufrieden. "I'd say it's in the Top-5 gigs - out of six."



Vor No more bombs (super!) schlug Darren ein Bühnen-Bingo mit Bandfloskeln vor: "This is a new song!" - "We haven't done this one many times before (we haven't)" - "How are you doing?" - "Hello Hackney!"


Als Hayman Kupa Band haben Emma und Darren bisher zwei Singles veröffentlicht. Die zweite (Someone to care for) war das letzte Lied des kurzen aber fantastischen Konzerts. "I'm an asshole, I forget names, I forget faces."



Vor dem letzten Lied lobten die beiden Allo Darlin', Darren: "2016! Why? One more thing! I love Allo Darlin' too. Kind of."

Setlist The Hayman Kupa Band, MOTH-Club, London:

01: Reach out
02: Let's do nothing
03: Draw the line
04: A tent of blankets
05: Overs now overdue
06: Then we kissed
07: No more bombs
08: Someone to care for

Als Allo Darlin' auftraten, war deren Bühnenoutfit nicht mehr überraschend. Die "Allo", "Darlin'", "Herzchen" und "you"-Shirts trug die Band auch schon bei der frühen Show. Aber natürlich war den vier, die wie viele aus der Indiepop-Szene auch Musikfans sind (Bill Botting ist jedes Jahr Gast beim Indietracks), bewußt, daß ein guter Teil des Publikums mindestens zwei der Shows sehen würde. Daher gab es natürlich nicht die gleiche Setlist. Statt mit If loneliness was art begann das späte Konzert mit Wonderland, bevor mit We come from the same place das erste "neue" Stück gespielt wurde. Beim Matinee-Konzert hatte Elizabeth manchmal bei Ansagen und Liedern eine leicht flattrige Stimme, sie schien extrem bewegt zu sein. Beim zweiten wirkte es auf mich so, als würde die Band den Auftritt noch mehr genießen. Das ist aber vermutlich Unsinn. 

Vor dem ersten Lied hatte die Frontfrau gebeten, nicht mit dem Mitsingen zu warten, dafür sei jetzt keine Zeit mehr, es sei das vorletzte Konzert. Wir sollten also bitte von Beginn an mitsingen!

Nach dem großen Mitsing-Hit Capricornia spielte Elizabeth mit der Tatsache, daß sie wußte, daß viele auch am Nachmittag schon da waren. "Das nächste Lied singt Bill, vermutlich zum letzten Mal! Bitte bejubelt ihn, immer wenn er singt!", die gleiche Ansage wie mittags und dadurch urkomisch! Der Jubel für den schnauzbärtigen Bassisten war riesig, Dreaming wunderschön. Dummerweise blieb aber kaum Luft, dies zu genießen, weil gleich danach Bright eyes, das Duett mit Gitarrist Paul kam, das eines meiner Wunschlieder (neben History lessons) für das Abschieds-Wochenende war.


Darren Hayman war natürlich noch da, also brachten Allo Darlin' dem Sänger ihr Ständchen Darren (als 7" Picture disc erschienen - mit einem gezeichneten Darren auf der Platte). "Let's make Darren feel very awkward!"

Emma bekam danach einen Gastauftritt bei Silver Dollars, fabelhaft! Auch Geiger Dan, der am Vormittag immer mal wieder auf die Bühne kam (und auf zwei Platten mitgearbeitet hat), wurde zum Beispiel für Some people say hochgerufen. 




Gegen Ende des Sets bekam dann auch Darren Hayman seinen richtigen Gastauftritt. Er sang gemeinsam mit Elizabeth das Allo Darlin' Cover Wu Tang Clan seiner Band The French (B-Seite von Darren). 

Die letzte Single Hymn on the 45 beendete wieder den Hauptteil des Konzerts. Dazu kam die Saxophonistin auf die Bühne - "The one and only other Emma Cooper."

Tallulah - ergänzt um Country roads ("Central Queensland, beautiful beaches") war wieder die erste Zugabe, My heart is a drummer mit kompletter Band die zweite. Diesmal kamen die Allo Darlins noch zu einem dritten Lied (Kiss your lips) zurück.

An das Wochenende werde ich mich lange zurückerinnern, an dieses Konzert besonders. Immer wenn ich denke, musikalisch alles gesehen zu haben, kommen solch weltbewegende 90 Minuten! Das wäre ein würdiges letztes Konzert der Bandgeschichte gewesen, aber es kam ja noch eines.

Setlist Allo Darlin', MOTH-Club, London:

01: Wonderland
02: We come from the same place
03: Crickets in the rain
04: Capricornia
05: Dreaming
06: Bright eyes
07: Some people say
08: Darren
09: Silver Dollars (mit Emma Kupa)
10: Still young
11: Europe 
12: Let's go swimming
13: Wu Tang Clan (The French Cover) (mit Darren Hayman)
14: Hymn on the 45

15: Tallulah (Elizabeth solo) (Z)
16: My heart is a drummer (Z)

17: Kiss your lips (Z)


Links:


- aus unserem Archiv:
- Allo Darlin', London, 10.12.16 (15 Uhr)
- Allo Darlin', Köln, 01.12.14
- Allo Darlin', Ripley, 25.07.14
- Allo Darlin', Köln, 21.11.12
- Allo Darlin', Paris, 10.07.12
- Allo Darlin', Wien, 04.03.11
- Allo Darlin', Paris, 25.02.11
- Allo Darlin', Köln, 28.07.10
- Allo Darlin', Paris, 27.07.10
- Mammoth Penguins, Köln, 20.10.16



 




Dienstag, 13. Dezember 2016

Allo Darlin', London, 10.12.16

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Konzert: Allo Darlin' (mit Night Flowers)
Ort: Moth-Club, London
Datum: 10.12.2016, 15 Uhr Show
Dauer:Allo Darlin' 90 min, Night Flowers knapp 35 min
Zuschauer: rund 300 (ausverkauft)



Als ich Allo Darlin' 2009 oder 2010 zum ersten Mal wahrnahn, war die australisch-englische Band eine sehr nette Indiepop-Gruppe mit vielen guten Liedern. Je mehr Stücke, Platten und Konzerte dazu kamen, desto größer wurde meine Liebe für Elizabeth, Paul, Bill und Michael. Allo Darlin' waren nicht mehr bloß eine von vielen Indiepop-Bands, sie waren DIE Indiepop-Band.

Nach dem wundervollen Debüt Allo Darlin' erschien 2012 der wundervolle Nachfolger Europe und 2014 dessen wundervoller Nachfolger We come from the same place. Das dritte Album war bereits schwierig, weil Sängerin Elizabeth Morris, die der Musik wegen aus Queensland nach England gezogen war, mittlerweile nach Italien gezogen war. Irgendwann in dieser Phase entstand wohl die Idee, Allo Darlin' zu beenden.

Im September eröffnete die Band ihren Fans das Ende: "Dear all, After eight years of playing, laughing, driving, dancing, singing and generally having the time of our lives, we are calling it a day. We will be playing our last show at the Scala in London, December 11th 2016." Ich stand damals in einer Schlange in der Bank und gab meinen Warteplatz auf, um mein Ticket mit dem Handy zu buchen. Ich wollte um nichts in der Welt dieses letzte Chance verpassen, all die großen Hits noch einmal zu hören, Elizabeths Ukulele und den hüpfenden Bill Botting zu sehen.

Die Band hatte nicht damit gerechnet, daß die Scala ausverkauft werden würde. Bei Facebook kommentierten Allo Darlin' immer wieder, es gebe genügend Tickets für alle. Eine Fehleinschätzung, denn das Konzert im 1.000er Club war ruckzuck ausverkauft. Daß die Band und ihr Label FortunaPOP! nicht damit gerechnet hatten, zeigte sich auch daran, daß es eine Weile dauerte, bis zwei Zusatzshows organisiert waren, sie sollten am Samstag im neuen MOTH Club in Hackney stattfinden. Beide. Eine um 20 Uhr und eine am Nachmittag um drei.


Wenn schon, denn schon. Wir waren natürlich zur Kaffeezeit da und wollten auch schon das erste Konzert sehen. 

Der MOTH Club (MOTH steht für Memorable Order Of Tin Heads) war früher ein Club für Südafrika-Veteranen. An den Wänden hängen Rangabzeichen und anderen militärische Erinnerungen, der Club selbst ist zweigeteilt, in eine winzige Bar vorne und einen wundervollen Saal mit Sitzecken am Rand, einer aus goldglitzernd bemalten Decke aus Rundbögen und einer mit Lametta im Hintergrund dekorierten Bühne. Wunderschön!


Die Nachmittags-Show war für uns so attraktiv, weil die fantastischen Night Flowers als Support auftraten. Für Eltern dagegen war das das perfekte Konzert, weil sie ihre Kinder mitbringen konnten. Das nutzen viele, überall standen Mütter und Väter mit teilweise arg jungen Kindern. Ich hatte vorher nie Konzerte besucht, bei denen Kinder gewickelt oder gestillt wurden. Allerdings wäre es schöner gewesen, wenn die Eltern ihren Säuglingen auch Ohrenschutz angezogen hätten. Es war enorm laut und viele der Kleinkinder hatten nichts in den Ohren.

Um 15 Uhr begannen Night Flowers, die ich natürlich auch vom Indietracks Festival kannte, woher auch sonst? Night Flowers kommen aus London und haben bisher nur Singles und EPs veröffentlicht. Die letzte Single Glow in the dark... leuchtet im Dunklen. Die fünf Night Flowers eröffneten das Konzert mit Amy, der B-Seite der neuen Single. Die Band hat zwei Sänger, Keyboarderin Sophia Pettit und Gitarrist Greg Ullyart wechseln sich ab. Ein wenig erinnern Night Flowers an die Pains Of Being Pure At Heart, sie sind live aber weniger krachig als die Pains. Beide Bands verbinden die verträumt-schönen Melodien. 


Das kurze Set war sehr schön, die Einladung an Night Flowers geschmackssicher. Allerdings hatte sie noch einen anderen Hintergrund. Greg vertrat Bill Botting als Bassist, als dessen Frau das erste Kind bekam. Er sei ihr fünftes Mitglied, erklärte Elizabeth Morris später.

Night Flowers waren ein perfekter Auftakt unseres Adieu Darlin' Wochenendes. Einzig schade war, daß Wahnsinns-Lieder wie Embers fast ein wenig untergingen, weil danach noch so viel Brillantes folgen sollte.

Setlist Night Flowers, Moth Club, London:

01: Amy
02: Single beds
03: Hey love (neu)
04: Sleep
05: Glow in the dark
06: Embers
07: Sitting pretty
08: Cruel wind

Die kommenden anderthalb Stunden sollten ein Lehrstück werden, wie man sich als Band stilvoll von seinen Fans verabschiedet.


Um vier Uhr kamen die vier Musiker auf die Bühne. Sie trugen T-Shirts mit "Allo" (Paul), "Darlin'" (Michael), Herzchen (Elizabeth) und "you" (Bill).

Wie emotional die Frontfrau war, merkte man ihr bei jeder Ansage und auch beim Singen an. Da war von Lachen bis Kloß im Hals alles vertreten. Dazu die ein wenig absurde Situation, daß die rechte Hälfte des Saals wie eine Krabbelgruppe aussah, es war besonders!



Allo Darlin' begannen mit If loneliness was art und dem Polaroid song vom ersten Album. Elizabeth bat schnell darum, daß wir mitsingen, nötig war das nicht. Auch bei dem nachfolgenden Kings and Queens, das vom schrecklich unaufmerksamen Publikum bei einem Konzert auf Tour mit den Wave Pictures in New Haven handelt (welche andere Band könnte so Lieder schreiben?), nicht. 


Ich bin kein riesiger Freund von mitfilmenden Konzertbesuchern. Von Capricornia erhoffe ich mir einen Mitschnitt! 300 Zuschauer und vier Musiker herrlich laut, es war wunderschön! Capricornia handelt von der Hochzeit von Elizabeths Schwester in Australien, zu der Allo Darlin' als Hochzeitsband "gebucht" waren. Es habe ein sehr langes Feuerwerk gegeben ("mein Vater liebt Feuerwerk!") und eine ganze Menge Coversongs von Allo Darlin'.

Den Text zu Woody Allen musste Elizabeth aus einer CD vom FortunaPOP!-Stand nehmen, um ihn wieder zu lernen. Die Band war (muß man leider jetzt sagen) natürlich viel zu stilvoll, um eine 0815-Setlist zu spielen, es fanden sich viele Perlen im anderthalbstündigen Programm.

Einer der kleineren Songs war Angela vom dritten Album, toll! Einer der großen Hits ist dagegen Dreaming, das erste Lied der ersten Platte. "Bill wird das singen. Es könnte sein, daß er dieses Stück jetzt zum letzten Mal singt! Bitte zeigt Bill, wie es Euch gefällt, wenn er singt!" Also gab es lauten Jubel, sobald der Gesangspart des Bassisten einsetzte. Bill grinste unter seinem Schnorres breiter und breiter! Danach kam sofort Silver Dollars, ein anderer Live-Knüller. Beim nachfolgenden Europe war ein Gastgeiger (Dan) auf der Bühne.

Und es ging auf dem Niveau weiter. Nur Hits, keine Füller. Die letzten drei Songs zum Beispiel: erst die erste Single Henry Rollins don't dance, dann My heart is a drummer und zum Abschluß die letzte Single Hymn on the 45, die doch noch auf Vinyl bei FortunaPOP! erschienen war. Dazu spielte Emma Cooper Saxophon, allerdings nicht die Emma Cooper, die unter Künstlername Emma Kupa später mit ihrer The Hayman Kupa Band auftreten sollte.

Nach kurzer Pause kam Elizabeth zurück und sang Tallulah alleine an der Ukulele. Die anderen drei kamen gut gelaunt zurück und spielten gemeinsam Kiss your lips.

Ach, es war ein fantastischer Nachmittag! Ich hatte vorher gedacht, daß es vielleicht keine Top-Idee ist, die gleiche Band zweimal am Tag zu sehen. Um 17:30 Uhr hielt ich es für die beste Idee meines Lebens!

Setlist Allo Darlin', MOTH Club, London:

01: If loneliness was art
02: The Polaroid song
03: Kings and Queens
04: Capricornia
05: Woody Allen
06: Angela
07: Crickets in the rain
08: Wonderland
09: Dreaming
10: Silver Dollars
11: Europe
12: Let's go swimming
13: My heart is a drummer
14: Henry Rollins don't dance
15: Hymn on the 45

16: Tallulah (Elizabeth solo) (Z)
17: Kiss your lips (Z)


Links:


- aus unserem Archiv:
- Allo Darlin', Köln, 01.12.14
- Allo Darlin', Ripley, 25.07.14
- Allo Darlin', Köln, 21.11.12
- Allo Darlin', Paris, 10.07.12
- Allo Darlin', Wien, 04.03.11
- Allo Darlin', Paris, 25.02.11
- Allo Darlin', Köln, 28.07.10
- Allo Darlin', Paris, 27.07.10




Dienstag, 2. Dezember 2014

Allo Darlin', Köln, 01.12.14

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Konzert: Allo Darlin'
Ort: Ausweichkeller der Hängenden Gärten von Ehrenfeld, Köln
Datum: 01.12.2014
Dauer: gut 85 min
Zuschauer: vielleicht 130



Oh, was ist Allo Darlin' doch für eine fantastische Band! Vor einigen Wochen erschien mit We come from the same place das dritte Album der australisch-englischen Indiepop-Gruppe. Mit einigen der neuen Songs waren Elizabeth, Bill, Paul und Mike im Juli Headliner meines Lieblingsfestivals Indietracks. Seit ihrem letzten Köln-Konzert vor gut zwei Jahren hat sich zumindest bei der Frontfrau das Leben geändert. Sängerin Elizabeth hat geheiratet und ist mit ihrem Mann nach Florenz gezogen. Die Aufnahmen der Platte und das anschließende Touren erforderte logistischen Aufwand, der neu war. Denn auch wenn Elizabeth und Bill (Bass) aus Australien stammen, lebten sie - wie die beiden Engländer Paul und Mike - in London. Die letzten drei Songs der Platte schrieb Elizabeth bereits in Italien, man merkt ihnen das neue Umfeld aber nicht an. Was mich ungemein beruhigt.

Daß Köln weiterhin Ziel der Europa-Tour ist, beruhigt mich genauso! Viele Termine in Deutschland gab es nämlich wieder einmal nicht. Nur Augsburg am Vorabend und Köln zum Tourabschluß. Begonnen hatten die Konzerte mit der neuen Platte in den USA (vor bis zu 400 Zuschauern), anschließend in der (alten, neuen und vorübergehenden) Heimat und zum Schluß in Frankreich, der Schweiz, Österreich, Augsburg und Köln.

Das Kölner Konzert sollte wie das letzte in den Hängenden Gärten von Ehrenfeld (bester Kölner Kneipenname!) stattfinden. Daß die kleine Bar mit ihrer Kapazität von 60 zu klein für Allo Darlin' sein würde, war mir klar. Der Vorverkauf, der diesmal auch Auswärtige wie mich berücksichtigte und die Möglichkeit einer Reservierung bot (beim letzten Mal war es ein Drama, weil nirgends Informationen zum Vorverkauf zu finden waren und plötzlich bei last.fm verkündet wurde, es sei ausverkauft) lief aber wohl so gut, daß der Veranstalter ein Ausweichquartier organisierte, um mehr Zuschauer aufnehmen zu können. Der neue Konzertort war ein Kellerraum mit dunklen Balken, einigen Sofas und einer Bar. Wenn die Bühne höher gewesen wäre, wäre er vermutlich perfekt für das Konzert gewesen. 

Die fehlende Sicht war für mich nicht dramatisch. Ich gehe nicht aus optischen Gründen zu Konzerten. Daß man hinten in den letzten Reihen - wir hatten vorher ein Interview mit Elizabeth und Mike geführt und kamen unmittelbar vor Konzertbeginn erst zurück und wollten uns nicht vordrängeln - aber die Musik fast gleichlaut wie die Gespräche an der Bar hörte, war mehr als mies. Natürlich weiß ich, daß bei Konzerten in einer Kneipe die Geräuschkulisse, die nichts mit Musik zu tun hat, hoch ist. Ich mag das nicht, ich weiß es aber. Und daß das die Gäste der Gärten dann mit in den Konzertkeller gezogen sind. Aber muß man sich wirklich dann so laut unterhalten? 10 Euro Eintritt sollten doch eigentlich diejenigen rausfiltern, die das Konzert nicht sehen und stattdessen Kneipengespräche führen wollen. Ich verstehe das nicht. Gut, wer sich so gar nicht für das Konzert und den Künstler interessiert, weiß dann natürlich auch nicht, wie selten man die Chance hat, Allo Darlin' zu sehen, wie wenige Stationen deren Touren haben und daß dafür sogar Leute anreisen. Wie besonders so ein Abend also für viele ist. Aber es ist wohl auch egal.

Beim Interview vorher hatte Elizabeth gesagt, daß die Konzerte die schlimmsten seien, bei denen man keine Aufmerksamkeit bekomme. Vorne war es wohl besser, hinten klang es wie eine Bahnhofskneipe.

Daß das Konzert (netto) trotzdem sehr gut war, lag an der wundervollen Band! Elizabeth und Bill standen (Hörensagen!) wackelig auf Getränkekisten bzw. Boxen, Australier surfen eben gerne, die beiden Briten saßen. Waren die neuen Lieder beim Indietracks noch ungewohnt (bis auf Kings & Queens hatte ich noch keines vorher gehört), sind sie mir nach häufigem Hören mittlerweile sehr vertraut. "A record is not just a record", ne? Daß die neuen Songs anders aufgenommen worden sind, bei gemeinsamen Aufnahmen im Studio, also quasi live, weiß ich nur, weil ich es gelesen habe. Aufgefallen wäre es mir nicht. Aber ich höre We come from the same place mindestens genauso gerne wie die Vorgänger. Schlecht kann diese schlichtere Heransgehensweise also nicht sein. 

Meine beiden aktuellen Lieblingssongs der Platte - so etwas wechselt ja bei Lieblingsplatten immer mal wieder - sind Bright eyes, das herzzerreißend schöne Duett von Elizabeth und Gitarrist Paul und History lessons. Sie kamen gleich nacheinander. Spätestens da ärgerte mich der Bahnhof in meinem Rücken nicht mehr - oder die mitpfeifende Frohnatur neben mir am Anfang. 

Daß brillante Songs wie Bright eyes oder Capricornia es nicht ins Radio schaffen, ist eine Katastrophe. Denn auch wenn die Band Erfolge hat - die zweite Platte Europe war 2012 die verkaufsstärkste Platte bei Rough Trade - gehen alle vier Musiker anderen Jobs nach, vom Musikmachen können sie nicht leben. Elizabeth gibt beispielsweise Englisch-Unterricht in ihren neuen Heimat Italien.

Nach den beiden neuen Lieblingen stimmte Elizabeth einen alten an, stoppte aber sofort wieder. "Letztes mal, als wir in den Hängenden Gärten gespielt haben, hat jemand bei diesem Lied Kazoo gespielt. Bist du heute auch da?" - "Jaaa!" - "Bitte spiel' heute nicht Kazoo"! Tallulah ist eines der ruhigsten Stücke der Band und eines, das wie viele andere sehr viel nachdenklicher ist, als die munteren Melodien und die Ukulele vermuten lassen. "I'm wondering if I've already heard all the songs that'll mean something and I'm wondering if I've already met all the people that'll mean something." Die Kassette mit Tal(l)ulah drauf bezieht sich wohl auf Talulah Gosh, mit deren Sängerin Amelia Fletcher Elizabeth kurzfristig in der Band Tender Trap spielte. Kleine, wundervolle Twee-Pop-Welt!*

Daß ich mich beim letzten Mal über das Kazoo-Solo aufgeregt hatte (hier nachzulesen), hatte mir die Kritik beschert, keinen Spaß zu verstehen, blah blah blah. Elizabeth ist also offenbar auch keine rheinische Frohnatur.

Die Songauswahl war perfekt - das ist aber auch nicht schwer bei einer Band, die nur Hits hat. Crickets in the rain oder Half heart necklace, die ich bisher auf der neuen Platte wenig beachtet habe, sind live nicht weniger toll als Dreaming oder Wonderland oder Europe oder wie sie alle heißen!

Das tollste unter den tollen Stücken ist aber My heart is a drummer, das letzte Lied vor den Zugaben. Da schreiben sie solche Songs und können nicht davon leben. Unfassbar! Und Cro und Clueso füllen ein paar Tage vorher jeweils die Kölnarena.

Das wunderschöne Some people say und Kiss your lips (diesmal ohne das kurze, eingebundene Call me Al Cover - puh!) und nach erneuter Pause Darren zum Schluß beendeten das Konzert. Ihr hinter mir, Ihr habt etwas verpasst! Eure Gespräche waren sicher sehr wichtig und anregend, diese vier komischen Leute auf der anderen Seite des Raums haben aber wirklich ein vorzügliches Konzert gespielt!

Setlist Allo Darlin', Die Hängenden Gärten von Ehrenfeld**, Köln:

01: Wonderland
02: Half heart necklace
03: We come from the same place
04: Angela
05: Europe
06: Kings & Queens
07: Bright eyes
08: History lessons
09: Tallulah
10: Crickets in the rain
11: Capricornia
12: Dreaming
13: Let's go swimming
14: My heart is a drummer

15: Some people say (Z)
16: Kiss your lips (Z)

17: Darren (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Allo Darlin', Ripley, 25.07.14
- Allo Darlin', Köln, 21.11.12
- Allo Darlin', Paris, 10.07.12
- Allo Darlin', Wien, 04.03.11
- Allo Darlin', Paris, 25.02.11
- Allo Darlin', Köln, 28.07.10
- Allo Darlin', Paris, 27.07.10

* vollkommen berechtigte Korrektur von Rainer, daß sich Tallulah natürlich auf das Go-Betweens Album bezieht! Aber meine zurechtgelegte Erklärung hätte so schön gepasst... Betriebsblind im Twee-Pop-Land.
** Ausweichkeller


Fotos: Archiv




Samstag, 26. Juli 2014

Allo Darlin', Ripley, 25.07.14

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Konzert: Allo Darlin'
Ort: Midland Railway Centre, Ripley (Indietracks Festival)
Datum: 25.07.2014
Dauer: knapp 65 min
Zuschauer: 500 - 600



Als Allo Darlin' als einer der Headliner des Indietracks-Festivals angekündigt wurden, fand ich im Internet (also bei Facebook) Reaktionen wie "oh nein, die schon wieder!" Diese Einleitung versteht niemand - kaum einer kennt in Deutschland Allo Darlin', warum die bei einem Festival das sein sollen, was die Toten Hosen bei Rock am Ring sind, ist nicht vermittelbar. Allo Darlin' hatten bereits zweimal auf dem von Eisenbahn- und Twee-Pop-Liebhabern veranstalteten Indietracks gespielt, einem Festival, bei dem ansonsten Bands auftreten, die mir trotz meiner Affinität zu dieser Musik und meinen nicht so kleinen Konzerthintergrund in der Regel nichts sagen. Im diesjährigen Lineup kenne ich erstaunlich viele Musiker (vielleicht 15 %) zumindest dem Namen nach - was aber vor allem daran liegt, daß die Headliner mir etwas sagen. Freitag Allo Darlin', Samstag Dean Wareham und Sonntag die Hidden Cameras.

Allo Darlin' hatte ich bisher zweieinhalb mal gesehen und direkt in mein Musik-Herz geschlossen. Die herrlichen Melodien und die wundervolle Stimme von Sängerin Elizabeth begeistern mich auf Platte und live. Daß die australisch-englische Band Indietracks headlinen würde, war für mich also eine gute Nachricht!

Das Indietracks ist anders als alle anderen Festivals, die ich kenne. Am ehesten kommt das Phono Pop in Rüsselsheim dem nahe. Beide fühlen sich nicht nach Festival an (sondern eher nach einem Sonntag im Park mit guter Musik). Das Indietracks beginnt an dem kleinen Bahnhof Butterley Station am Rande von Ripley in Derbyshire. Wäre es in Deutschland, fände es vermutlich in Daun in der Eifel statt. Am Bahnhof wartet man auf einen der privaten Pendelzüge, die die fünf Minuten entfernte Swanwick Junction anfahren. Auf dem Gelände dieses Eisenbahnmuseums steht eine Freilichtbühne, eine Handvoll Eßstände, ein Merch- und ein Workshopzelt, eine Bar in einem Zugabteil und zwei Bühnen in einer kleinen Kirche und in einer Werkstatt-Halle. So unaufgeregt, wie diese Beschreibung klingt, ist das ganze Wochenende. 

Wir hatten die erste Band TeenCanteen (die sehr gut gewesen sein muß) verpasst und begannen unseren Abend mit Spearmint und den Chills. Um kurz vor halb zehn begannen Allo Darlin' auf der Outdoor Stage (deren Vorplatz vermutlich kleiner ist als die Garderobe von Metallica bei Rock am Ring). Das Konzert begann gut zehn Minuten später, es würde also für Indietracks-Verhältnisse spät werden. Im vergangenen Jahr endeten die Konzerte um zehn, danach gab es zwei Stunden Disco, um Mitternacht war ganz Schluß. An Anwohnern kann das nicht liegen, um das Gelände stehen nur alte Eisenbahnen, es gehört zum Konzept.

Allo Darlin' veröffentlichen 2014 ihr drittes Album. Die ersten drei Stücke, die die Band spielte, werden vermutlich auf ihm veröffentlicht werden. Kings & Queens, das erste Lied, gibt es bereits auf einer 2012er Single, die anderen beiden (We come from the same place und Crickets in the rain) kannte ich nicht. Schwer, nach dem ersten Hören dazu viel zu sagen. Die Stücke klingen nach Allo Darlin' und machten Spaß. Mehr ist ja auch nicht nötig.

Auch später folgten zwei mir unbekannte Lieder, History lessons und Bright eyes, die beide toll waren. 

Mit den ersten beiden Platten haben Allo Darlin' ein so großes Repertoire an abwechslungsreichen Pop-Perlen, daß das einstündige Headline-Konzert extrem unterhaltsam und hitlastig war. Aber Festival-Headliner ist dann ja noch einmal etwas anderes als ein eigenes Konzert. Also baten die vier zu Silver Dollar Emma Kupa, die Sängerin von Standard Fare, einer 2013 aufgelösten Indiepop Band aus Sheffield. Emma und die Allo Darlin's hatten großen Spaß, das Duett war musikalisch nicht grandios, die Gastsängerin passte stimmlich nicht gut und lag einige Male mit Tönen daneben. Aber egal, es machte trotzdem Spaß. Als Emma weg war, kamen mit Katie und David von den Just Joans die nächsten Gäste auf die Bühne. Gemeinsam spielte man If you don't pull von der Band aus Motherwell, die Sonntag spielt. Das gemeinsam geschmetterte Stück (auch vom enorm textsicheren Publikum) war einer der Höhepunkte des Konzerts!

Darren und die Zugabe Kiss your lips (mit Call me Al-Cover mittendrin) beendeten die Show. Ich bin voreingenommen bei Allo Darlin', hätte den Auftritt aber auch geliebt, wenn ich das nicht wäre. Schade, daß man für einen Festivalauftritt dieser großartigen Band in die englische Pampa reisen muß. Wobei... warum schade? Besser kann ein Festivalwochenende ja nicht sein. In den nächsten Tagen mehr von Zügen, Jutetaschen und kommenden Lieblingsbands!

Setlist Allo Darlin', Indietracks Festival:

01: Kings & Queens (halbneu)
02: We come from the same place (neu)
03: Crickets in the rain (neu)
04: Wonderland
05: Capricornia
06: History lessons (neu)
07: Dreaming
08: Bright eyes (neu)
09: My heart is a drummer
10: Tallulah
11: Silver dollar (mit Emma Cooper / Standard Fare)
12: If you don't pull (The Just Joans Cover mit Katie & David / The Just Joans)
13: Darren

14: Kiss your lips (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Allo Darlin', Köln, 21.11.12
- Allo Darlin', Paris, 10.07.12
- Allo Darlin', Wien, 04.03.11
- Allo Darlin', Paris, 25.02.11
- Allo Darlin', Köln, 28.07.10
- Allo Darlin', Paris, 27.07.10



Donnerstag, 22. November 2012

Allo Darlin', Köln, 21.11.12

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Konzert: Allo Darlin' & Making Marks
Ort: Die hängenden Gärten von Ehrenfeld, Köln
Datum: 21.11.2012
Dauer: Allo Darlin' 80 min, Making Marks knapp 20 min
Zuschauer: 60 (ausverkauft)


2012 sind sicherlich viele tolle Platten erschienen. So genau weiß ich das aber nicht, weil bei mir vor allem Europe von Allo Darlin'* läuft. Wieder und wieder. Was soll ich da auch blöde Experimente machen, wenn ich doch weiß, was ich an der zweiten Platte der englischen Indie-Pop Gruppe habe?

Vor ein paar Monaten war ein Konzert der in London ansässigen Band in Münster angekündigt, kurz danach aber wieder gestrichen worden. Als Allo Darlin' dann schließlich bei Facebook nach einem Konzerttermin in Köln suchten und zu meiner Erleichterung schnell ein Auftritt angekündigt wurde (während ich noch überlegte, ob ich mir das zutrauen sollte), war alles gut! Die Band zur Platte des Jahres würde ich also doch noch live sehen. Als auf der Website der Kneipe, in der das Konzert stattfinden sollte, keine Vorverkaufsinfos folgten, dachte ich mir nichts Böses, bis ich kurz später bei lastfm lesen musste, daß das Konzert bereits ausverkauft wäre. Standortnachteil Landleben und riesengroße Katastrophe!


Ich schreibe einen Konzertbericht, man ahnt, es gab noch eine Karte für mich (dank einer guten Fee!), ich war mit selten großer Vorfreude zeitig in den hängenden Gärten vom Ehrenfeld, einer Bar mit kleiner Bühne im hinteren Teil, die ihren Namen durch an der Decke befestigte Rosen rechtfertigt. Sehr schön! Die Bühnenecke ist wie ein kleines Wohnzimmer (Typ: Oma mag es gemütlich) inklusive eines Sofas eingerichtet. Dort war bereits aufgebaut, als ich ankam.


Auch auf die Vorgruppe Making Marks, die früher einmal mylittlepomy hießen, hatte ich mich extrem gefreut. Die norwegische Tweepop-Band hatte ich im April 2011 als Vorprogramm von Asobi Seksu gesehen, die sie massiv an die Wand spielten. mylittlepony hatten damals gesagt, es sei ihre Strategie, im Frühjahr durch Deutschland und im Herbst durch Spanien zu touren; als Norweger hielten sie das aus klimatischen Gründen für clever. Ob die falsche Jahreszeit der Grund dafür war, daß Making Marks nur als Duo auftraten weiß ich nicht, jedenfalls betraten um halb neun nur Sängerin Nina und einer der beiden Gitarristen (Ola oder Simen, ich weiß es nicht) die Wohnzimmerbühne.

Die fünf gespielten Lieder der beiden gefielen mir sehr gut, wobei Making Marks in voller Bandbesetzung erst ihren ganzen Charme ausspielen. Außerdem waren die 19 Minuten ihres Konzerts wirklich nur ein Appetitanreger und kein volle Vorspeise. Eine mündige Bürgerin in der Nachbarschaft, die vermutlich eine zu gute Rechtschutzversicherung hat, erlaubt nur Konzerte bis halb elf, also wurde vorne gekürzt.

Allo Darlin' traten mit der kompletten Mannschaft an. Neben Sängerin Elizabeth Morris sind dies Schlagzeuger Paul Rains (Bart), Gitarrist Mikey Collins (Bart) und Bassist Bill Botting (Walross-Schnauzbart). 

"Making Marks haben uns eingelullt, wir beginnen daher auch ruhig", klang viel böser, als es sicher gemeint war, die ersten beiden Stücke des Konzerts Some people say und Let's go swimming waren aber langsam, erst mit Neil Armstrong begann der schmissige Teil des Sets. Allo Darlin' sind so sehr Indie-Pop, wie ihr Name, das Styling der Bandmitglieder und die Texte der Stücke vermuten lassen. Wundervoll! Wer singt schon Lieder über Pop-Kassetten im Auto? Biffy Clyro sicher nicht. An Allo Darlin' ist alles, wirklich bis in kleinste Detail liebenswert!

Christoph, sachlich bleiben!

Bei den ersten Stücken, auch denen die flotter sind, spielte die gebürtige Australierin Elizabeth Ukulele. Erst zum wundervollen** Capricornia schnallte sie sich eine E-Gitarre um, die nach drei Liedern wieder gegen die Ukulele ausgetauscht wurde.


Die Minigitarre hatte unter anderem den Vorteil, daß es sich mit ihr besser hüpfen lässt! Immer wieder hüpften Elizabeth und der proppere Bill synchron auf der Stelle.

Auch wenn er nicht sprang, war es herrlich, dem Bassisten zuzugucken, in dessen sehr charismatischen Gesicht eine scheinbar ausgezeichnete Laune abzulesen war, er strahlte rund um seinen Schnurrbart.

Ich fange gar nicht erst an, beste Lieder rauszupicken, sie waren es alle. Was soll ich auch zu Neil Armstrong oder If loneliness was art, Wonderland oder all den anderen sagen? Oder dem Polaroid Song?

Mittendrin kündigte Elizabeth ein Cover ihrer australischen Landsleute Go-Betweens an. Das war das gute fremde Lied des Abends. Mitten in Kiss your lips bauten Allo Darlin' das totgenudelte You can call me Al von Paul Simon an, das mir früher schon gehörig auf den Keks ging. So eingebettet in ein schönes Lied und gespielt im Stil einer fabelhaften Band, ging das nervöse Ding aber auch schon viel besser.

Vor den Zugaben verschwand die Band gar nicht erst, der Raum war zu klein, das Sofa auf der Bühne zu verlockend. Dort und auf dem Boden blieben die drei Männer sitzen, während Elizabeth nur mit Ukulele einen meiner Lieblinge anstimmte. "And you were searching something to sing to as the radio played another terrible song. But lucky for you, you found the tape with Tallulah on..." Blöderweise nutze das ein blonder Besucher für einen 15-Minuten-Ruhm Auftritt und unterbrach Elizabeth mit lautem Gesang der Bratwurst Zeile und einem Kazoo-Solo. Die Sängerin brachte das merklich aus dem Tritt, sie reagierte allerdings erstaunlich und vorbildlich gelassen, bat nur irgendwann, damit aufzuhören. Manchmal bin ich schon wahnsinnig glücklich, daß mir zum vollem Ausleben meiner rheinischen Frohnatur oft der Mut fehlt. Schade, schade um dieses wundervolle Lied.

Auf (guten) Zuruf hin (danke!) spielten alle vier Darlins dann noch ihre uralt-Single Henry Rollins don't dance, obwohl Bill vorher erklärte "we found out, he actually does!"

Nach 80 Minuten und fünf vor der Klage der Wutnachbarin, die laut Elizabeth mal feiern gehen solle, verließ die Sängerin die Bühne. Ihr Bassist erkärte, wenn sie einmal gehe, sei es vorbei. Ich hätte mir das noch stundenlang anhören können, aber so ist das nun mal bei Lieblingsbands.

Danke dafür, sie nach Köln geholt zu haben, gute Fee! Ohne wäre das Musikjahr nicht richtig gewesen.

Setlist Allo Darlin', Die hängenden Gärten von Ehrenfeld, Köln:

01: Some people say
02: Let's go swimming
03: Neil Armstrong
04: Europe
05: The Polaroid song
06: If loneliness was art
07: Capricornia
08: Wonderland
09: Dive for your memory (The Go-Betweens Cover)
10: Silver dollars
11: Kings and queens
12: Woody Allen
13: My heart is a drummer
14: Still young
15: Kiss your lips (mit You call me Al (Paul Simon Cover))

16: Tallulah (Z)
17: Henry Rollins don't dance (Z)

Links:

- Allo Darlin', Paris, 25.02.11
- Allo Darlin', Köln, 28.07.10
- Allo Darlin', Paris, 27.07.10


* Reihenfolge sehr wichtig!
** benutze ich hier oft. Aber sonst passt ja auch nichts.


Samstag, 21. Juli 2012

Here We Go Magic & Allo Darlin', Paris, 10.07.12

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Here We Go Magic & Allo Darlin'

Ort: Le Trabendo, Paris

Datum: 10.07.12
Zuschauer: Hmm, vielleicht 300?



So, was ist jetzt von Here We Go Magic zu halten? Ist das eine überragend gute Indie-Band? Oder nur eine unter vielen? Das französische Musikmagazin Magic steht total auf die Amerikaner, wählt die Platten jeweils zu Alben* des Monats und hob sie in diesem Jahr sogar auf ihr Titelblatt. Ob die recht haben? (was immer das in Bezug auf die Einschätzung von Musik, Bands und Alben auch heißen mag).

Nach dem Konzert im Pariser Trabendo bin ich immer noch nicht wirklich schlauer. Da hielten sich aufregende Phasen und leichte Durchhänger die Wage. Durchgängig packend war es jedenfalls nicht, obwohl ein paar Titel schon ziemlich gut rüberkamen. Das Beste ereignete sich ganz zum Schuß, denn an die euphorisierende Zugabe Fangela kam nichts ran.


An Einsatzfreude magelte es der Band gewiß nicht, die war nicht zu bemägeln. Eine bunt und neu zusammengewürfelte Band übrigens, in der auch die französische Musikerin Lena Deluxe (Roken is Dodelijk , solo) am Keyboard zum Einsatz kam. Ihc fragte mich, ob das die Stammbesetzung war, oder ob die Formation ein wenig aus der Not heraus geboren wurde. Wie auch immer, am Zusammenspiel der Gruppe lag es eh nicht, daß ich manchmal etwas abschaltete.

Man höre nur einen Titel wie Make Up Your Mind, der war zwar flott und zackig, wiederholte sich aber irgendwann nur noch und plätscherte am Ende recht ereignislos vor sich hin. Ich glaube da wollte Luke Temple zu sehr den Krautrocker raushängen lassen Gleiches Bild bei Hibernation, das sich unter einem psychedelischen Schleier versteckte und ziemlich langweilte, weil nicht viel passierte. Tunnelvison war da schon wesentlich prickelnder und erinnerte an Animal Collective, hatte aber auch genug Eigenes.

Gerne mochte ich die Ballade Alone But Moving, da konnte Sänger Luke Temple gut seine brüchige Stimme (eine Mischung aus Paul Mc Cartneys und Paul Siomns Gesangesorgan) zum Einsatz bringen und sentimental croonen, das es eine Freude war.


Letztlich war die Schlußphase wirklich am stärksten. Da wurde auf die Tube gedrückt und an dern Catchyness-Schraube gedreht, mit Collector, How Do I Know und natürlich Fangela die mitreißendsten Stücke abgefeuert. Die Stimmung war in dieser Phase dann auch wirklich ausgelassen. So hätte ich mir das eigentlich durchgängig gewünscht. Immer wenn die Gruppe auf den Punkt kam, die experimentellen Schlenker wegließ und ihre poppige Seite zeigte, konte sie auftrumpfen. Die trüben Psychedelic- Phasen waren hingegen immer gewisse Downer.


In der Champions- League der Indierockbands spielen Here We Go Magic also noch nicht, denn vergleichbare Formationen wie Grizzly Bear, Field Music oder Animal Collective sind faszinierender.


Und Allo Darlin'? Die sind toll, keine Frage, aber verspätungsbedingt sahe ich von ihnen an diesem 12. Juli nur 4 Stücke, zu wenig um mir ein stichhaltiges Urteil zu erlauben. Was mir allerdings auffiel war, daß Sängerin Elzabteh Morris nicht ganz so wild und überschwenglich war wie sonst. Vermutlich raubt ihre das lange Touren ein wenig die Kräfte, kein Wunder wenn man weiß, wie sie sonst mit ihrer Ukulele durch die Clubs dieser Welt fegt!

Setlist Allo Darlin', Le Trabendo, Paris:

01: Neil Armstrong
02: Let's Go Swimming
03: Europe
04: The Polaroid Song
05: Capricornia
06: Wonderland
07: Some People Say
08: Silver Dollars
09: Still Young
10: My Heart Is A Drummer

Setlist Here We Go Magic, Trabendo, Paris:

01: Surprise
02: Make Up Your Mind
03: Hibernation
04: Tunnelvision
05: Alone But Moving
06: Over The Ocean
07: Hard To Be Close
08: A Different Ship
09: Collector
10: How Do I Know

11: Fangela

* Diskografie: Here We Go Magic (2009), Pigeons (2010), The January EP (2011), A Different Ship (2012)

Aus unserem Archiv:

Allo Darlin', Wien, 04.03.11
Allo Darlin', Paris, 25.02.11
Allo Darlin', Köln, 28.07.10
Allo Darlin', Paris, 27.07.10
Here We Go Magic, Latitude-Festival, 16.07.10
Here We Go Magic, Paris, 13.07.09




Samstag, 26. Februar 2011

Allo Darlin' & Please Don't Blame Mexico & La Féline & The Airborne Toxic Event, Paris, 25.02.11

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Konzert: Allo Darlin' & Please Don't Blame Mexico & La Féline & The Airborne Toxic Event

Ort: la Flèche d'or, Paris

Datum: 25.02.11

Zuschauer: mittlerer Andrang, etwa 250

Konzertdauer: pro Band rund 40 Minuten



Ich habe vor diesem Konzert darüber nachgedacht, wie Musiker und auch das Konzertpublikum mit emotionalen Tages- Schwankungen umgehen.


Wie ist das eigentlich, wenn eine Band fröhliche, stimmungsvolle Musik macht, am Tage des Konzertes aber hundemüde und eher niedergeschlagen ist? Geht man dann trotzdem raus, setzt ein breites Grinsen auf und tut so, als könne man die ganze Welt umarmen? Oder spult man das Programm ein wenig lustlos runter und hofft, daß die Leute das nicht so merken?

Und ist es nicht leichter, traurige und langsame Musik zu schreiben, so daß man sich nicht verstellen muss, wenn man schlapp und ausgebrannt ist?

Ähnliche Fragen für die Konzertgänger. Was wenn man eigentlich Bock auf saftigen, lauten Rock hat, genau an dem Tag an dem man ein niedliches softes Twee Pop Konzert gebucht hat? Stellt man sich dann vor die Bühne und sagt: "oh guck mal wie putzig und charmant?!" Oder denkt man innerlich: " Metallica (auf dem Foto) oder Slayer, das wär's jetzt?

Auf den heutigen 25. Februar 2011 bezogen. Ich hatte eigentlich Bock auf laute, fies jaulennde Gitarren und hörte auf dem Weg zur Location in der Metro Queens Of The Stone Age und Foo Fighters auf meinen Kopfhörern. Verzweifelt suchte ich nach Slayer, aber die hatte ich komischerweise nicht auf meinem I-pod. Angel Of Death wäre so geil gekommen. Zu dumm nur, das heute vor allem mit Please Don't Blame Mexico und Allo Darlin' eher Süßwarenpop als Metal auf dem Programm stand.

La Féline - Mystery Train from marthetmartin on Vimeo.



Aber los ging es erst einmal mit der Französin Agnès Gayraud aka La Féline. Ein großgewachsenes brünettes Mädel mit E-Gitarre und schöner Stimme. Sophie Marceau mit Jane Birkin Kehlchen. So in etwa. Ich hatte sie vor ein paar Monaten schon einmal im Trois Baudets gesehen und war nicht 100 % überzeugt von ihr. Heute aber gefiel sie mir ausgezeichnet. Zusammen mit zwei männlichen Bandmitgliedern am Synthesizer und am Schlagzeug zelebrierte sie sinnlichen, melancholischen und melodieverliebten Gitarrenpop, abwechselnd auf englisch und französisch vorgetragen (und zwar oft innerhalb des gleichen Liedes!). Es war zum mit der Zunge schnalzen! Ihr Songmaterial war variabel und entsprach ziemlich genau ihrer stilistischen Selbsteinschätzung auf Myspace: Folk Rock, New Wave, Pop. Von allem etwas. Blondie, Blonde Redhead, Calexico, François Breut, Stereolab, Metric, verschiedenste Einflüsse vermengten sich und ergaben eine prickelnde Mischung, die mit viel Authenzität dargeboten wurde. La Féline hat zwei EPs auf ihrer Habenseite, Wolf & Wheel ist davon der letzte Output.



10 Minuten später machten sich die Australier/Engländer Allo Darlin' bereit. Deren australische Sängerin schien vom Touren müde und kauerte eine ganze Weile auf der Bühne, bevor es losging. Sie hatte sich ihrer Schuhe entledigt und performte auf weißen Strümpfchen, die Löcher hatten und den Blick auf einen rotlackierten Zehennagel freigaben.

Ein Wirbelwind mit Ukulele, diese Elizabeth, die heute aber zu kämpfen hatte. Der Tourbus der Band war kürzlich zu Schrott gegangen und die Sorgen um das finanzielle Heil, schienen ihr zuzusetzen. Dennoch- und das ist ihr sehr hoch anzurechnen-, gab sie ihr Allerletztes, hopste auf den Zehenspitzen, wirbelte hin und her und gab so dem Publikum was es erwartete: Entertainment, gute Laune, Stimmung. Und hier sind wir beim oben angerissenen Thema. Wie fühlt es sich für eine fröhliche Musik machende Band an, wenn man eigentlich totmüde und down ist und lieber Bock hat, zu schlafen? Bestimmt nicht so gut, aber da muss man in der Showbranche durch.

Allo Darlin' schaften es jedenfalls trotz der Nöte um ihr Transportmittel, den Gästen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern und ein paar Leute zum Tanzen zu bringen. Im Set gab es sogar zwei nagelneue Lieder, (Europe, You're Still Young) die mir auf Anhieb gut ins Ohr gingen und den Kurs des letzten Albums fortsetzten. 60 ies Pop mit jeder Menge Charme, Romantik und Catchyness. Eine Weile gab ich mich Tagträumen hin, bekam ob der frischen Musik Frühlingsgefühle und stellte mir vor, wie ich, 18 jährig, mich mit einem hübschen Mädchen treffe, auf einer blühenden Wiese halt mache und wir uns zärtlich küssen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich ihre kleinen festen Brüste streicheln, so daß sich bei ihr die Knospen aufrichten, ehe ich jäh in die Realität zurückgeholt wurde: fast vierzigjärig, fett geworden und längst verheiratet (zumindest immerhin mit einer tollen Frau, ich glückspilziger Bastard!). You're Still Young sangen indess Allo Darlin' auf der Bühne, aber ich hatte Probleme, das in meinem Falle zu glauben...

Setlist Allo Darlin', La Flèche d'or, Paris:
01: If Loneliness Was Art
02: The Polaroid Song
03: Silver
04: Europe
05: Kiss Your Lips
06: Dreaming
07: Still Young
08: SP Say
09: Drummer


Die Jungs von (Please) Don't Blame Mexico, die nun auf dem Programm standen, haben allerdings die Jugend noch auf ihrer Seite, wenngleich auch sie keine Küken mehr sind. Mitte bis Ende zwanzig dürften Maxime Chamoux und seine Begleitband (Thomas Pirot-Schlagzeug, Raphael Ankierman- Bass) alt sein und Maxime hat in den letzten Jahren auch bei anderen Projekten viel Erfahrung gesammelt. Der Pianist und Sänger gehört zu den bei Cityslang gesignten Toyfight, ist aber auch Klavierspieler und Backgroundsänger der hinreißenden Mina Tindle. Und so ähnlich klingen dann auch (Please) Don't Blame Mexico. Hier wie dort frischer, unschuldiger und melodienverliebter Pianopop der berauschenden Sorte mit dem Hauch French Touch, der die Sache so liebenswürdig macht. Die englischen Texte werden natürlich auch bei PDBM nicht wie bei Shakespeare ausgesprochen, sondern mit dem typisch fanzösischen Akzent versehen. Das hat Witz, das hat Pfiff und so ist es auch kein Wunder, daß das gerade erschienene Debütalbum Concorde sehr gute Kritiken (Magic, Voxpop) eingefahren hat. Ein paar (wenn man's genau nimmt eigentlich ziemlich viele) der darauf enthaltenen Tracks kennt man als Fan schon von früheren EPs (Carolina Now 2009, Michel Foucault 2007), aber es wäre auch zu schade gewesen, stimmungsvolle Kracher wie Durango, Bribing Lonesome Drivers oder The Behinders außen vor zu lassen, zumal die EPs in winziger Stückzahl erschienen waren.

Schade bloß, daß trotz einiger guter Songs der Funken nicht so richtig überspringen wollte. Das Gute-Laune-Paket fand in mir heute nicht den richtigen Empfänger, mir fehlte der Dampf, die Spielfreude, die ich bei Toyfight so zu lieben gelernt hatte. Gegen Ende des Sets wurde es dann aber stimmungsvoller, denn kein Geringerer als Olivier Marguerit (der Gitarrist der famosen Syd Matters) spielte Trompete und es gab sogar noch einen Geiger, der die Sache zusätzlich aufpeppte. So wußte dann auch der letzte Titel The Protocol so richtig zu überzeugen und sorgte dafür, daß mein Interesse an (Please) Don't Blame Mexico intakt bleibt, zumal das Album ohnehin uneingeschränkt empfehlenswert ist. Demnächst spielen sie als Support der Shout Out Louds, schau' mer mal, ob ich da dabei sein werde...

(Please) Don't Blame Mexico | A Take Away Show | Part 1 from La Blogotheque on Vimeo.



Setlist (Please) Don't Blame Mexico, La Flèche d'or, Paris:

01: Safari
02: Behinders
03: Weekend
04: Michel Focault
05: Pointillism
06: Elephant Man
07: Distant Trees
08: 1991
09: Durango
10: Panorama
11: The Protocol

The Airborne Toxic Event aus den USA standen als letzte Band auf dem Zettel. Etliche Zuschauer hatten sich schon auf den Heimweg gemacht und so spielte die kommerziell sicherlich erfolgreichste Band des Abends vor den wenigsten Leuten.

Die Amis waren schon seit Anfang Februar in Europa, waren auch durch Deutschland getourt (u.a. Köln/Luxor, Frankfurt/Das Bett) und hatten in Paris in verschiedenen Locations (International, La Machine du Moulin Rouge, La Flèche d'or) drei Konzerte gegeben, bei denen ich aber nicht dabei war.

Mein erster Eindruck: positiv. Die Band spielte tight und druckvoll auf und ich erfreute mich an dem Geigenspiel der einzigen Dame und der whiskeygetränkten Reibeisenstimme des Muskel-Shirt tragenden Sängers. The Airborne Toxic Event vermittelten den Bums, den ich zuvor vermisst hatte.

Dann aber drehte sich das Blatt. Die Attitüde des Sängers (eine Kreuzung aus Bruce Springsteen und Robbie Wilimas) ging mir zunehmend auf die Nerven.
Er machte auf dicke Hose und obercool und auch die anderen Musiker posten affektiert was das Zeug hielt. Nun fiel mir auch auf, wie bombastisch und hymnisch die Songs waren. Bombast, Pathos, Stadionrock, alles Dinge die ich nicht leiden kann. TATE wirkten wie der Missing link zwischen den Kings Of Leon (würg!) und den Killers (noch viel mehr würg!!). Ihre Show fiel ineinander wie ein Soufflé. Vielleicht hatte ich mich zu sehr von dem unglaublich knackigen Po der Keyboarderin blenden lassen, denn als ich die Seiten wechselte und nicht mehr ihr Hinterteil direkt vor meine Augen sah, merkte ich, das im Sound der Band viel heiße Luft drin war.

Daumen also eher runter. Wobei sie definitiv nicht so glatt und banal wie die Killers sind und der Sänger wirklich eine interessante Stimme hat (zumindest live, bei MySpace klingt sie viel weniger rau). Eine Band die man sich geben kann, aber nicht muss.

Setlist The Airborne Toxic Event, La Flèche d'or, Paris, 25/02/11:

01: All I Ever Wanted
02: Wishing Well
03: Numb
04: All For A Woman
05: It Doesn't Mean A Thing
06: The Kids Are Ready To Die
07: Wednesday
08: Sometime Around Mignight
09: All At Once

10: Missy




 

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