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Samstag, 11. Februar 2012

Tennis, Paris, 09.02.12

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Konzert: Tennis
Ort: Le Point Ephémère, Paris

Datum: 09.02.2012

Zuschauer: ausverkauft! 300 also



Tennis ist mein Lieblingssport und wird es auch immer bleiben. Infiziert vom Tennis-Virus wurde ich durch das legendäre Wimbledon Finale 1980 zwischen Björn Borg und John McEnroe, das ich als Knirps vor dem Fernseher sah. Der Schwede war damals mein großes Idol, aber schon bald interessierte ich kleiner Lüstling mich auch für die Damen-Tour. Eine der besten Spielerinnen dieser Zeit war die Amerikanerin Tracy Austin, die mir mit ihren feinen Gesichtszügen, den blonden Zöpfchen und den luftigen (selbstgenähten!) Kleidchen auch optisch gefiel.

Über 30 Jahre sind inzwischen ins Land gegangen, Tennis verfolge ich immer noch, Tracy Austin habe ich aber fast völlig vergessen. Bis zum heutigen Tag. Da erinnerte mich nämlich ausgerechnet Alaina Moore, die Sängerin einer amerikanischen Band namens Tennis, an eben jene Spitzenspielerin der frühen 1980er Jahre. Der Look (eine Bluse und eine enge schwarze Legginghose) und die feinen Gesichtszüge waren die Assoziationspunkte, die üppig gelockten Haare ließen eher an eine Darstellerin aus Denver Clan als an Tracy denken.


Zusammen mit ihrem blonden und Gitarre spielenden Ehemann Patrick Riley und zwei weiteren Musikern an Orgel/Keyboard und Schlagzeug agierte die Keyboarderin und Sängerin auf der nicht sonderlich großen Bühne des Pariser Point Ephémère. Der Laden war ausverkauft und platzte fast aus allen Nähten, was aber den gar nicht mal so verkehrten Nebeneffekt hatte, daß man die eisige Kälte und den vor der Tür zugefrorenen Canal Saint Martin schnell vergas und alsbald aufgewärmt war, ja am Ende fast schwitzte.


Die vier Musiker beglückten das Pariser Publikum mit charmanten und sonnendurchfluteten Sixties-Popnummern mit enormen Zartschmelz und tollen Orgelmelodien. Viel zum Gelingen trug die piepsig-markante Stimme von Alaina bei, die wenn es sein musste, aber auch fester und durchdringender eingesetzt wurde. Verblüffenderweise erinnerte sie mich ab und zu an Michael Jackson aus seiner Jackson Five Phase. Da gab es durchaus Spurenelemente von Motown Pop in der Musik von Tennis, was das Allerschlechteste nicht war, denn so grenzte man sich stilistisch von ähnlichen Acts wie den Dum Dum Girls, La Sera oder der garagiren Best Coast ab.


Performt wurden Stücke von beiden Alben, vom Erstling Cape Dory aber auch vom brandfrischen Neuling Young & Old den man am Merch für lediglich 10 Euro ewerben konnte. Herausragend von Cape, Dory sicherlich das zuckersüße, luftige Marathon, aber auch Pigeon und Baltimore klangen so unverschämt unschuldig wie der erste Kuss. Das 2012 Werk hatte seine stärksten Momente in dem leichftüßigen und tanzbaren Robin, der sentimentalen Ballade My Better Self und dem souligen Petition (hier passte die Assoziation zu den Jackson 5 genau).

My Better Self by tennisinc

Performancetechnisch am besten waren die beiden Stücke, bei denen Alaina hinter ihrem Keyboard hervorkam und nur mit Mikro in der Hand ungemein grazil, wahnsinnig beweglich und sinnlich tanzte. Das kleine Persönchen hatte Rhythmus im Blut, aber auch Feuer und Leidenschaft in die Wagschale zu werfen. Da flog die Lockenpracht in alle Richtungen!

Die Stimmung war trotz all dieser Qualitäten nicht unbedingt ausgelassen, aber viele Leute hatten hinterher ein Lächeln auf den Lippen und sprachen fast unisono von einem gelungen Konzert voller Charme und einer sympatischen Band!

Mit Tennis kann man eben nix falsch machen. Nie.

Bei Pitchfork kann man das komplette neue Album im Stream anhören, klick!


Setlist Tennis, Point Ephémère, Paris:

01: Baltimore
02: Robin
03: Never To Part
04: Pigeon
05: Deep In The Woods
06: Petition
07: Marathon
08: High Road
09: Bimini Bay
10: Water Birds
11: Origins
12: Traveling
13: Dimming light
14: My Better Self



Sonntag, 30. Januar 2011

Tender Trap & Betty And The Werewolves, Paris, 29.01.11

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Konzert: Tender Trap & Betty And The Werewolves, Paris, 29.01.11

Ort: International, Paris
Datum: 29.01.11
Zuschauer: sehr viele


Der Sternekoch Antony Bourdain hat in seinem amüsanten Besteller "Geständnisse eines Küchenchefs" herrlich zynisch über das Samstagspublikum gelästert. "Unkultivierte Banausen, Deppen aus der Vorstadt, unerträgliche Gutdurchesser", so oder so ähnlich nannte er die Leute, die am Samstag sein Restaurant frequentierten. Er hasste diesen Menschenschlag, hätte ihn am liebsten auf den Mond geschossen, wußte aber andererseits genau, daß diese tölpelhaften Typen für den Umsatz sorgen, von dem sein Laden unter der Woche zehrte.

Beim Konzert von Tender Trap im International musste ich das ein oder andere mal an Bourdins Worte denken. Selten bin ich so oft von ahnunglosen Mitbürgern gefragt worden, wie denn der Name der Band sei, die dort oben auf der Bühne stehe, wo die her kämen und ob man die kennen müsse. Samstagsabendgesindel halt eben. Feiste Gutdurchesser. Leute ohne Kultur. Der elitäre Musiknerd rümpft über den Anblick dieser Blödmänner angewidert die Nase. Auch mein langjähriger Konzertgängerfreund Philippe, Musikexperte par excellence, hatte hinterher nur abschätzige Worte für diese Typen übrig. Die Barkeeper und die Location "International" werden da anders gedacht haben. Gutdurchesser saufen nun einmal gerne und viel und lassen die Kassen klingeln. Zu dumm nur, daß die Kerle im Suff auch auf die Idee kamen, die Refrains und Singalongs von Tender Trap nachzugröhlen, selbst als die schon bei einem ganz anderen Lied waren.

Aber wie war das Konzert in musikalischer Hisicht? Und wie haben sich Betty And The Werevolves geschlagen?

Zu Betty And The Werevolves kann ich leider nicht sehr viel sagen, außer vielleicht, daß die Sängerin einen wunderschönen Pagenschnitt hatte, wie ich ihn liebe. Der Zugang zum Bereich vor der Bühne war von hunderten Mitbürgern versperrt und mir blieb nur der räudige Platz auf der Treppe. Von hier aus konnte ich durch die Glasscheibe beobachten, was auf der Bühne passiert, viel hören konnte ich allerdings nicht. Passend zum Headliner Tender Trap ging es bei Betty und ihren Werwölfen aber natürlich auch um Sixties Pop/Garagenrock.
Die niedlich lächelnde Gitarristin der Band konnte ich zwanzig Minuten später genauer beäugen, denn sie wirbelte auch bei Tender Trap, obwohl sie nicht zum regulären Line Up zählt. Der Rest der Truppe, vor allem John Stanley, Rob Pursey an Bass und Gitarre und natürlich die kurzhaarige Sängerin Amelia Fletcher, gehörten aber zur Gründungsformation. Auch die im Stehen spielende Schlagzeugerin Katrina Dixon ist fester Bestandteil von Tender Trap. Elizabeth Morris fehlte hingegen.

Die fünf Musiker fackelten nicht lange und hauten ihre garagigen Twee Pop Stücke mit den Bababa-, Sha-La-La und Wahoohoos- Singalongs raus.
Das Allermeiste stammte von ihrem letzten Output Dansette Dansette, mit Talking backwards gab es aber auch was vom 2006er Output & Billion People und die Zugabe Oh Katrina kam von Film Molecules (2002). Das Set war durchgängig catchy, charmant und kurzweilig und gefiel mir außerordentlich gut. Ich war sogar dermaßen angetan, daß ich hinterher drei CDs und eine Single zum absolut fairen Preis von 30 Euro erstand. Bandleaderin Amelia Fletscher höchstpersönlich erledigte den Merch von der Bühne aus, verzauberte durch ihr strahlendes Lächeln und ihr angenhemes Wesen und wünschte mir noch einen schönen abend. Dieser wurde übrigens von den aufgeweckten Mädels (und dem einen Jungen) von Another Sunny Night veranstaltet. Allesamt Indiepop Fans, die hier und heute ihr drittes Konzert im International organisierten und bereits am 19 März erneut mit einem Leckerbissen aufwarten können. Dann kommen nämlich die Felt Tips! Schön! Und es wird wieder voll werden, denn es ist erneut ein Samstag. Der Ausgeh- Tag für Gutdurchesser schlechthin.

Link:

Bloggerorakel Eike vom Klienicum prophezeit, daß Tender Trap eine große Zeit bevorsteht. Klick!!

Setlist Tender Trap, Another Sunny Night # 3, Paris:

01: Counting The Hours
02: 2 to the n
03: Talking Backwards
04: Could This Be?
05: Dansette Dansette
06: Grand National
07: Bye Bye Xmas Day
08: Girls With Guns
09: Suddenly
10: Fireworks
11: Do you Want A Boyfriend?

12: Oh Katrina



Donnerstag, 2. September 2010

Red Shoe Diaries & The Cavalcade, Paris, 01.09.10

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Konzert: Red Shoe Diaries & The Cavalcade

Ort: L'international, Paris,
Datum: 01.09.2010
Zuschauer: viele, ungefähr 250


So. Nach so vielen Festivals mit großen Namen und Tausenden von Zuschauern gibt es auf dem Konzerttagebuch endlich mal wieder was für Fans des kleinen, feinen Indiepops. Bei den feisten Massenveranstaltungen des Sommers tauchen tolle Twee- Bands wie die Red Shoe Diaries oder The Cavalcade so gut wie nie auf. Sie werden plattgewalzt von Gruppen mit einem üppigen Marketingetat und und gewievten Managern. Schön, daß es im International anders zugeht!

Verantwortlich für das charmante Line Up des heutigen Abends waren 4 junge Pariser namens Joanny, Clémence, Marion und Emilie, die ihre Konzertreihe Another Sunny Night nennen und heute ihren zweiten Gig im International organisierten. Ende Juli hatten sie mich bereits durch die Programmierung von den Smittens und Allo Darlin' begeistert und heute schafften sie es erneut, mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Die Macher der Another Sunny Night haben aber auch wirklich einen exquisiten Geschmack! Ihre Lieblingskünstler nennen sich unter anderem Belle & Sebastian (logisch, bei dem Namen!), The Field Mice, Teenage Fanclub, The Smiths, The Pastels oder Camera Obscura und ihre favorisierten Label Sarah Records, Postcard Records, Cloudberry oder Slumberland. Entzückender geht es kaum!

Logisch, daß auch die heutigen Konzerte den Stilrichtungen Twee/60ies Pop/Indiepop zuzuordnen waren. Die Franzosen Lovely Rita hatte ich verpasst, aber zu den Engländern The Cavalcade stand ich pünktlich auf der Matte. Hinter dem Bandnamen verbergen sich zwei junge Herren namens Craig Phillips und Stephen Birtchnell, die frisch und unbeschwert aufspielten und so unschuldig und zart wie der erste Kuss klangen (man verzeihe mir meine platte Metapher, aber irgendwie passt sie hier). Felt, The Smiths und die Young Marble Giants heißen ihre Lieblingsgruppen und von diesen steckte auch einiges im Sound von The Cavalcade. Ihr Set gefiel mir gut, hätte allerdings etwas fetziger sein können. Manchmal fehlte einfach das Schlagzeug, um mehr Abwechslung und Pfeffer in die Sache zu bringen. Dennoch lohnt sicherlich die Anschaffung ihres kürzlich erschienenen Debütalbums Many Moons von denen sie so einige träumerische Lieder spielten. Ein gelungener Auftakt!

The Cavalcade live in Deutschland:

29.09.2010: Wimp Club @ Ostpol, Dresden
30.09.2010: Let's Kiss And Make Up, Berlin
19. 10.2010: Prinz Willy, Kiel


Als letzte Band gingen die Red Shoe Diaries an den Start. Und die waren richtig dufte! Fünf junge Musiker aus Nottingham, England, die den zauberhaftesten Pop spielten, den man sich nur vorstellen kann. Ein blonder Hüne sang den Großteil der Texte, aber auch die unverschämt niedliche Dame in der von Männern dominierten Band trällerte herzallerliebst ins Mikro. Umwerfend charmant wie sie tanzte, die 60er Jahre, sie leben noch! Sämtliche Songs waren so dermaßen süffig und lieblich, daß ich Glückshormone en masse aussonderte. Hach, das war wirklich was fürs Herz! Aber auch die Tänzer kamen auf ihre Kosten, denn zu den schwungvollen Nummern konnte man herrlich mitwippen. Toll, diese Red Shoe Diaries! Wer die nicht mag, frisst auch kleine Kinder! Logisch, daß ich nach dem viel zu schnell zu Ende gehenden Konzert unbedingt ihre Debüt EP haben musste. Auch hier zeigte sich, daß bei den heutige aufgetretenen Gruppen alles mit Hand und Liebe gemacht wurde: Der Bassist schrieb mir noch schnell mit einem schwarzen Textmarker die Namen der Titel auf die Rückseite des Pappcovers. Das hatten sie wohl im Tourbus auf dem Weg nach Paris nicht mehr geschafft. Ist das nicht enzückend?

Setlist Red Shoe Diaries, L'International, Paris, Another Sunny Night # 2:
01: Parisian
02: Underage Disco
03: Penpals
04: Fossils
05: Infinity + 1
06: Rainy
07: Ice & Snow
08: Snow Bird
09: Fireflies
At Dawn



Donnerstag, 24. Juni 2010

Bird On The Wire, Paris, 21.06.10

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Konzert: Bird On The Wire

Ort: Le Pop In, Paris
Datum: 21.06.10
Zuschauer: circa 40
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


"Dutch people hate germans", sagte ich zu dem jungen Engländer Thos Henley, der zusammen mit seiner schwedischen Freundin, ein paar anderen Skandinavierinnen und Holländern auf den Treppenstufen in der Nähe des Pop In saß und auf den Beginn des Konzertes der niederländischen Band Bird On The Wire wartete. Thos nickte zustimmend und fügte schmunzelnd hinzu: "You know what Oliver? English people hate germans too." Dann ruderte er aber wieder etwas zurück und ergänzte: "I love you, but my father can't stand the germans because of the war and everything"...

Manchmal ist es hart, Deutscher zu sein. Aber wir sind es ja gewohnt, unbeliebt zu sein und leben irgendwie ganz gut damit. Im Grunde genommen können wir nur positiv überraschen und wenn wir uns aufgeschlossen und höflich verhalten, stellen Holländer, Franzosen, Engländer etc hinterher fest: "Die Deutschen sind doch gar nicht so verkehrt. Sie haben viel mehr Humor und Selbstironie als wir dachten."


Inzwischen war es fast 22 Uhr geworden und die Leute begaben sich langsam aber sicher ins Pop In, ein Laden, in dem das Publikum sehr jung und international ist. Im Gewölbekeller des Pubs finden die Konzerte statt und weil diese keinen Eintritt kosten, finden sich hier viele Studenten ein. Die Qualität der angebotenen Gigs ist erstaunlich hoch. Ich habe schon viele vorzügliche Künstler gesehen, Laura Marling, Sam Amidon oder This Is The Kit seien nur beispielshaft erwähnt. Wie mir wohl Bird On The Wire gefallen würden? Die Frage war schon nach den ersten Takten beantwortet: unverschämt gut!! Das Trio, eine großgewachsene Brünette am Schlagzeug (Akkordeon, Glockenspiel), eine bildhübsche Blondine an der Gitarre und am Keyboard und ein blonder Jüngling an der elektrischen Gitarre spielte unfassbar frisch auf und zauberte eine prima Stimmung in den Gewölbekeller. Für den Gesangespart war die Blondine namens Rosa hauptverantwortlich. Ihre Stimme war so schön und unschuldig, daß ich Schmetterlinge im Bauch hatte! Assoziationen an Alison Statton oder Isobelle Campbell kamen mir in den Sinn, bloß daß bei den Holländern alles noch amateurhafter und somit charmanter wirkte. Man merkte sofort, daß die drei Musiker unfassbar viel Spaß am Musizieren hatten und diese Spielfreude war hochansteckend. Sensationell wie das brünette Mädel auf ihr Schlagzeug draufknallte, daß mir fast die Ohren wegflogen! Und welch tolle Melodien der Bursche aus seiner Elektrischen zauberte! Ein Genuß, eine Wonne, ein Ohrenschmaus! Wahnsinn, ich hätte vor Freude Luftsprünge machen können! Dabei kannte ich vorher keine einzigen Titel. Jedes, aber wirklich jedes Lied war der schönste kleine Popsong der Welt. Das ganze Set über dachte ich nur daran, daß ich mir unbedingt die CD besorgen müsse. Aber es gab leider keine! Soweit sind die drei Jungspunde noch nicht, obwohl sie schon so viel tolle Nummern zusammenhaben. Ich ließ es mir nicht nehmen, Sängerin Rosa Ronsdorf zu erklären, daß mir das Konzert wahnsinnig gut gefallen hatte. Sie war total happy und sehr nett und wollte wissen, wo man meinen Konzertreview lesen könne. Ich erzählte ihr vom Konzerttagebuch, aber sie erklärte, daß sie kein Deutsch könne. Ihre Schwester (die bei einem Lied auch mitspielte) hingegen schon, denn sie wohne in Berlin. Junge Holländer zieht es also auch in unsere deutsche Kapitale. Wenn das nicht der Beweis dafür ist, daß wir Deutsche inzwischen viel positiver wahrgenommen werden und so langsam aber sicher die Negativklischees der mürrischen, kleinkarierten und stimmungsfeindlichen Antipathen wiederlegen können.

Sehr schön!

- Noch viel mehr Fotos von Bird On The Wire, klick!



Mittwoch, 10. März 2010

Lake & St. Petersburg, Paris, 09.03.10

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Konzert: Lake (St. Petersburg)

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 09.03.2010
Zuschauer: leider nur 20 oder so, sehr schade!



Totales Kontrastprogramm zum gestrigen Konzertabend. Statt Luxusboutique, Shampus und Peter Doherty gab es Clubkelleratmosphäre, Bier und die wunderbare Indie-Pop Band Lake. Hier und heute fühlte ich mich doch deutlich wohler als bei dem Fashionweek-Gesindel von gestern. Jammerschade bloß, daß sich optimistisch geschätzt höchstens 20 Leute eingefunden hatten. Für das Espace B muß einfach noch deutlich mehr die Werbetrommel gerührt werden, sonst steht zu befürchten, daß hier bald die Lichter ausgehen. Aber so negativ wollen wir gar nicht denken, zumal es an dem Programm und den Preisen nicht liegen kann, denn die Künstler sind oft hochkarätig und der Eintritt für Pariser Verhältnisse äußerst moderat (zwischen 5 und 10 Euro).

Mit Lake aus Washington hatten die Programmgestalter einen ganz besonderen Leckerbissen aufgetischt. Feinster Twee-Pop mit unverschämtem Charme und Akteuren, die sich innerhalb kürzester Zeit in die Herzen der (wenigen) Zuschauer spielten. Allein ihr famoses Label K Records bürgt für Qualität, schließlich veröffentlichen dort prima Künstler wie Rose Melberg und ihre früheren Bands, Karl Blau, Kimya Dawson und Jeremy Jay, um nur ein paar zu nennen. Lake brachten jedenfalls keine Schande über K Records, sondern untermauerten den guten Ruf des Ladens. Von Anfang bis Ende sprühten die vier jungen Menschen vor Spielfreude und waren allesamt bestens aufgelegt. Eine ungemein sympatische und lustige Truppe mit der Halbschwedin Ashley Eriksson als Hauptsängerin, die sich aber diesen Job auch mit Eli Moore teilte. Beim Genuß ihres Sets kamen einem die tollsten Indie Pop Bands in den Sinn. Man dachte wohlig an die Pastels, Belle & Sebastian, aber auch die Softies, oder (bei Madagascar) an The Whitest Boy Alive. Einfach herrlich, ihr luftiger, aber dennoch erdiger Sound, der unglaublich viel Sonne gesehen hat. Die gespielten Stücke waren mir vorher gänzlich unbekannt, gefielen aber fast durchgängig auf Anhieb. Witzigerweise hatte die Band die Setlist auf die Kreidewand hinter der Schlagzeugerin geschrieben, so daß das Publikum mitverfolgen konnte, welcher Song als nächster dran war. Ashley machte sich einen Spaß daraus, zu erfragen, was denn wohl jetzt gespielt würde. Ein Franzose sprach aber den Titel Remote (Control Cars) so falsch aus, daß die Amis gar nicht verstanden, was der Frenchie meinte. Der Song war übrigens super, aber der nachfolgende gefiel mir noch einen Tick besser. Christmas Island war so was von schön, daß ich dahinschmolz. Aber Lake ließen nun nicht mehr locker und schickten das beschwingte Don't Give Up hinterher. In mir wuchs immer mehr das Gefühl, da gerade eine neue Lieblingsband zu sehen. Stundenlang hätte ich den vier Sympathen zuhören können, aber das war zeitlich natürlich nicht drin. Dafür spendierten sie mit Madagascar aber noch eine Zugabe, die mich ein wenig an den Groove von The Whitest Boy Alive erinnerte, was überhaupt nicht verkehrt war!

Anschließend kaufte ich am Merch alles, was ich kriegen konnte, darunter eine Vinysingle und zwei Alben. Den aktuellen Output Let's Build A Roof hatten sie gar nicht dabei, weil es in Tschechien wohl Probleme mit dem Zoll gab und sie nicht alle Alben einführen durften (komisch, oder?). Da liegt der Verdacht nahe, daß sich jetzt tschechische Zöllner den tollen Twee Pop von Lake reinziehen. Ein amüsanter Gedanke, nicht wahr?

Setlist Lake, Espace B, Paris:

01: The Roof Caves In
02: Dead Beat
03: Breathing
04: Roger
05: Remote Control Cars
06: Christmas Island
07: Don't Give Up
08: Pilgrim's Day

09: Madagascar

Links:

- Pitchfork.com über Lake - Let's Build A Roof

- Das Klienicum über K Records und Lake. Klick!
- Entzückender Videoclip, Lake - Christmas Island
- Lake, Madagascar live

Ausgewählte Konzerttermine von Lake (ohne Gewähr):

15.03.2010: Café Video, Gent
16.03.2010: Live In Your Living Room, Groningen (wahrscheinlich eine House Show)
17.03.2010: Lades, Kopenhagen
18.03.2010: 1000 Fryd, Aalborg
19.03.2010: Blä, Oslo
20.03.2010: TBA, Göteborg
21.03.2010: Hornstull Strand, Stockholm
24.03.2010: Haus III & 70, Hamburg
25.03.2010: Schokoladen, Berlin
26.03.2010: Ostpol, Dresden
31.03.2010: King Georg, Köln (Christoph, nix wie hin!)



Samstag, 18. April 2009

Camera Obscura, Paris, 17.04.09

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Konzert: Camera Obscura

Ort: Le Truskel, Paris
Datum: 17.04.2009
Zuschauer: vielleicht 80?
Konzertdauer: ca. 20-25 Minuten



Tracyanne: "We gonna play some new songs for you"- Oliver: "Great, they are brilliant!"- Tracyanne: "How do you know them?"- Oliver: "I saw your concert yesterday @ The Maroquinerie" Tracyanne: "Ah, ok, that's good!"

Dieser Dialog fand heute im Pariser Truskel zwischen mir und Tracyanne Campbell statt. Die Sängerin und Gitarristin von Camera Obscura scheint es wohl nicht sonderlich zu mögen, wenn Leute aus irgendwelchen Quellen die neuen Songs über das Internet downloaden, bevor das Album offiziell erscheint. Zumindest in Frankreich ist My Maudlin Career nämlich noch gar nicht erhältlich und deshalb schien sie verwirrt und auch ein wenig mißtrauisch zu sein, daß Leute behaupten, die neuen Stücke schon zu kennen. Aber als ich sagte, daß ich sie eben schon beim gestrigen Konzert in der Maroquinerie gehört hatte, schien sie erleichtert...

Gleich vor meiner Nase spielte die hochcharmante schottische Twee Pop- Band ein akustisches Konzert, bei dem zwar der Trompeter fehlte, ansonsten aber fast alle Bandmitglieder an Bord waren. Der Schlagzeuger spielte anstatt zu trommeln diverse Percussions, die sehr rothaarige Keyboarderin Carey Lander agierte wie gewohnt (bloß heute mit Brille, die sie gestern nicht anhatte) an ihren Tasten, der kahlköpfige Gitarristin Kenny McKeeve zupfte wunderschöne Melodien aus seinem Instrument und der bullige Bassist Gavin Dunbar agierte dezent im Hintergrund und war - obwohl eines von drei Gründungsmitgliedern - kaum zu sehen.

Die gut gemachte Musikzeitschrift Magic hatte dieses Gratis-Event organisiert und filmte auch fleißig, so daß auch Leute, die leider nicht kommen konnten, das Ganze später nachverfolgen können (hier dann wohl). Geboten wurden fünf ohrwurmige Neuheiten, die mir auf Anhieb ganz wunderbar gefielen. Schon gestern hatte ich schnuppern dürfen an Leckerbissen wie James, Forests & Sands und French Navy und schon sehr bald werde ich diese süchtig machenden Melodien und die tolle Stimme von Tracyanne nicht mehr aus dem Ohr bekommen, da bin ich sicher! Wenn man diese runden Popsongs hört, könnte man glatt nostalgisch werden und sich in die sechziger Jahre zurücksehnen, als die Frauen noch diese tollen geblümten Kleider trugen und man gemeinsam händchenhaltend im Kino Popcorn aß. Hach, muß das romantisch gewesen sein...

Auffällig war wie schon gestern, daß die Band zwar nette Songs schreibt und performt, ansonsten aber eher etwas launisch ist. Sympatische Leute, ja, aber keine Dauerlächler. Vielleicht wollen Tracyanne und Carey in ihren Klamotten nicht für Stewardessen der Bristish Airways gehalten werden, möglicherweise liegt diese gewisse Reserviertheit aber auch daran, daß man eigentlich recht schüchtern ist. Tracyanne war im Gesicht ziemlich errötet, ich konnte es direkt vor ihr stehend nur allzugut sehen! Sie hatte wohl Lampenfieber und fand es seltsam, daß die Fans so dicht dran waren. Das war wiederum süß und von ihren wunderschönen blauen Augen hatte ich ja schon gestern geschwärmt! Andererseits war sie es, die das Publikum bat, doch näher an den improvisierten Bühnenrand ranzutreten. "You can get closer, we don't smell", meinte sie auf ihre trockene Art.

Ich glaube für die Mehrheit der Anwesenden zu sprechen, wenn ich sage, daß wir eine wundervolle halbe Stunde mit den Glasgowern verlebt haben, daß das neue Album wirklich gelungen ist und auch in der Livedarbietung überzeugt.

Camera Obscura gratis und aus nächster Nähe, was will man als Fan von entzückendem Indie Pop eigentlich mehr??

Setlist Camera Obscura, Le Truskel, Paris:

01: You Told A Lie
02: James
03: Let's Get Out
04: Forests & Sands
05: French Navy


Mehr Fotos von Camera Obscura hier




 

Konzerttagebuch © 2010

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