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02:42
Konzert: The Hand & Ichi & Andy SkellamOrt: Le 7 ième Ciel, eine Terrasse über den Dächern von Paris mit Blick auf Sacré CoeurDatum: 24.05.2010Zuschauer: etwa 25 (18 Frauen und 7 Männer oder so, was für eine Quote!)Konzertdauer: Ingesamt über 2 Stunden
Was für ein herrlicher Frühsommerabend in Paris! Perfekt, wenn man ihn wie ich und ein paar andere Glückliche auf einer spektakulären Dachterrasse verbringen kann und frei Sicht auf Sacré Coeur hat. Aber nicht nur die Aussicht war atemberaubend, sondern auch das musikalische Programm! Le 7ième Ciel, eine private Veranstaltung, die ähnlich wie die Oliver Peel Sessions funktioniert, hatte Musiker aus dem englischen Bristol und den Japaner Ichi zu Gast.
Bei sensationell gutem Wetter und einer leichten Brise, die für angenehme Abkühlung sorgte, saß man bei Laternenlicht draußen und lauschte feierlich den sanften Klängen der erlesenen Musiker. Eine unglaublich heimelige Atmosphäre machte sich breit und man war in der Tat dem siebten Himmel (7ième Ciel) sehr nahe. Die Gastgeber, ein sehr nettes Pariser Pärchen mit einer riesigen und bestens bestückten CD- und Plattensammlung (besonders toll fand ich die alten Singles von Barbara und Jaques Brel), hatten sich große Mühe gegeben und Salate, Quiches und Kuchen vorbereitet.
Andy Skellam, den jeder einzelne unserer Leser schon von einer Oliver Peel Session her kennt (wie, nein??), machte den Anfang und bestach erneut durch sein feines Fingerpicking und seine sanfte Stimme, die wohlig an Nick Drake erinnerte. Gecovert hat er den früh verstorbenen Engländer allerdings nicht, sondern auf Wunsch von Kate "This Is The Kit" Stables, Bob Dylan, der heute Geburtstag hatte. Lag ihm aber nicht so ganz, er brach den Song vorzeitig ab, weil er meinte, daß die Lieder von Dylan alle zu viel Text hätten. Ansonsten performte er eigenes Material mit dem Highlight Chase Your Tales, ein Duo mit der famosen Rachael Dadd.
Ich kann die Musik von Andy Skellam wirklich jedem nur empfehlen, der Kerl hat was!
Das Gleiche kann man natürlich auch von dem Japaner Ichi behaupten. Wobei es bei ihm deutlich weniger klassisch zugeht als bei Skellam. Ach ich untertreibe: Ichi ist der verbüffendste Künstler, den ich je gesehen habe! Er spielt (oft gleichzeitig) Steel Drum, Mundharmonika, Xylophon, Tischtennis (kein Scheiß!), Trompete (und dann singt er wie Satchmo), bläst Luftballons auf,
blöckt wie eine Ziege zu seiner Kuhglocke, benutzt einen alten Taperecorder, eine selbstgebastelte Harfe und ein ungewöhnliches Akkordeon. Und er singt auch. Auf japanisch, mit einer krassen Stimme. Sein Schnäuzer ist nur angeklebt, zum Glück.
Ansonsten ist bei ihm alles echt, oft improvisiert und so eigenständig wie bei keinem zweiten Musiker. Gab es so etwas vorher schon einmal? Hmm? Was überhaupt? Wie könnte man den Stil beschreiben? Free Jazz? Freak Folk auf japanisch? Ambientmusik? Hier passt keine vorgefertigte Schublade, also ist es besser, wenn sich jeder einmal seine Stücke bei MySpace in Ruhe anhört oder, noch besser, die Livevideos guckt. Die Zuschauer hatten jedenfalls einen Heidenspaß im 7 ième Ciel!
Dann kamen The Hand, bestehend aus der Folksängerin Rachael Dadd und dem Barden Wig Smith (eigentlich heißt er Will Smith, ohne Witz, aber mit dem will er nicht verwechselt werden, obwohl Leute spaßeshalber um ein Cover von Men In Black baten), der genau wie Toumani Diabaté auf einer afrikanischen Kora rumzupft. Die Stimmen von Rachel und Wig passen perfekt zueinander und auch ihr Banjospiel und seine Performance auf der Kora gehen eine wunderbare Symbiose ein. Ich mag die beiden unglaublich gerne, sowohl musikalisch, als auch menschlich. Selten so nette, aufgeschlossene und natürliche Menschen getroffen. Anspieltipps, die auch heute dargeboten wurden: Maroosia und On We Skip.
The Hand sind zusammen mit Ichi auf ausgedehnter Tour durch Europa* und kamen heute aus der Schweiz. Entsprechend müde waren sie (und erwähnten ganz neidisch, daß Ichi wie eine Katze sei und als Einziger überall pennen könne) und gaben trotzdem ihr Bestes.Insgesamt eine super Veranstaltung und so Gott will bin ich schon am Freitag wieder auf der schönen Dachterrasse zu Gast.*Ihr Weg wird sie sogar bis zum Glastonbury Festival führen!Link:- Oliver Peel Session mit Rachael Dadd, This Is The Kit, Andy Skellam und Whalebone Polly, klick!Aus unserem Archiv:The Hand, Paris, 09.06.09The Hand, Paris, 11.03.09Rachael Dadd, Paris, 11.03.09Rachael Dadd, Paris, 06.03.09Ichi, Paris, 09.06.09
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14:38
Konzert: The Hand & Ichi & This Is The KitOrt: Le Pop In, ParisDatum: 09.06.2009Zuschauer: der Keller war voll!Konzertdauer: insgesamt weit über 2 Stunden
Vor ziemlich genau 3 Monaten hatte ich ja bereits an dieser Stelle in den höchsten Tönen von This Is The Kit, Rachael Dadd, The Hand und Wahlebone Polly (das gemeinsame Projekt von This Is The Kit und Rachael Dadd ) geschwärmt und die flotte Truppe machte heute erneut Station im Pariser Pop In, nachdem sie erst kürzlich die Bar 25 in Berlin beehrt hatten.
Den wunderbaren Folkabend eröffnete Kate Stables aka This Is The Kit, die aus Bristol, UK, stammt, aber seit einigen Jährchen in Paris lebt. Ihr Paradeinstrument ist das Banjo und mit Songs an diesem pluckernden Instrument legte sie auch los, aber recht schnell wechselte sie zur elektischen Gitarre und trug teilweise ungewohnt rockige Songs vor, die auf ihrem zweiten, noch nicht veröffentlichten ,Album landen dürften. Am Debüt Krulle Bol, das Kultproduzent John Parish (PJ Harvey), fabriziert hatte, konnte man sich das Herz wärmen, aber die bloße Einstufung von This Is The Kit als Folksängerin schien mir schon damals zu eng. Die stets zöpfchentragende Engländerin entwickelt sich nämlich kontinuierlich weiter, verbessert ihr Songwriting und macht inzwischen auch Songs, die man unter dem Bergiff Indierock verorten könnte.
Ich bin auf ihr neues Werk sehr gespannt und kann den Release kaum erwarten. Bis dahin vertröste ich mich aber mit dem bisher bekanntesten Lied der Künstlerin nämlich Birchwood Beaker, das die französisch singenden Belgier Soy Un Caballo gecovert haben (A Travers La Neige). Es ist als Vinyl Single in schickem Weiß erhältlich und hat ein wunderschönes Cover. Das mit viel Gefühl vorgetragene Original bleibt aber weiterhin ein Highlight und begeisterte heute abend nicht nur mich!
Gegen Ende des Sets bat Kate Stables schließlich ihre englische Freundin Rachael Dadd auf die Bühne zu treten, um gemeinsam 3 Lieder ihres Projekts Whalebone Polly vorzutragen. Wie herrlich das war! Die beiden traumhaft schönen Stimmen der beiden harmonieren auf das Wundervollste und das Banjospiel von Rachael ist atemberaubend sicher und präzise. In den letzten Jahren habe ich etliche Künstler am Banjo agieren sehen, aber niemand bedient dieses Instrument so spielerisch leicht, so elegangt, so filigran. Racheal Dadd und Kate Stabbles zusammen, das ist geballte Lebens-und Spielfreude im Doppelpack! Die beiden Mädels verstehen sich prächtig, lächeln unentwegt und sind so natürlich und ungekünstelt wie man sich das nur wünschen kann.
Man Herz schlägt regelmäßig höher, wenn ich sie über die Bühne fegen sehe. Kaum eine andere "Girlgroup" hat mich je glücklicher gemacht, Rachael und Kate schaffen es, noch dem letzten Grieskram ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Ich bin Fan, riesiger Fan und kann das Erscheinen der zweiten EP (vorgesehen für den September) kaum erwarten!
Auch die anschließend startenden The Hand (Album Berries From The Rubble) mag ich sehr. Logisch, singt und spielt dort doch ebenfalls Rachael Dadd mit. Aber bei The Hand gibt es auch einen Hahn im Korb und der glänzt an einem außergewöhnlichen Instrument. Die Rede ist von Wig Smith, der seiner Kora (ein harfeähnliches Instrument) mit ein paar gekonnten Fingerpicks lieblichste Töne entlockt.
Wig und Rachael harmonieren ebenfalls ganz wunderbar miteinander und die Stimmen bilden einen hübschen Kontrast. Wig singt ein wenig wie ein Geistlicher oder Chorsänger, wenn man ihm zuhört, fühlt man sich fast wie in der Kirche. Manchmal bleiben die beiden aber auch stumm und lassen nur ihre Instrumente sprechen. Bei Hovering Wasp erzählen sie beisspielsweise die Geschichte einer Wespe, ohne Texte dafür zu benötigen. Am schönsten ist es aber letztlich doch, wenn sie so herrlich zusammen singen wie auf Maroosia. Liege ich da völlig falsch, wenn ich sage, daß mich das Ganze an mittelalterliche Minnesänge erinnert? Hmm, wahrscheinlich gerate ich mit dieser Einschätzung auf's Glatteis, fest steht aber,
daß die Musik von The Hand etwas stark Altertümliches hat. Ich liebe diese Band! Und dieses Jahr spielen sie sogar in Glastonbury!!
In der nachfolgenden Pause gab es Gelegenheit, sich den hübsch dekorierten Merchandising Stand näher anzusehen. Rachael ist nicht nur Musikerin, sondern stellt auch Textilien her. Ihre CDs bekommt man für einen kleinen Aufpreis in entzückenden Stoffhüllen ausgehändigt und es gibt auch tolle Sticker und Ähnliches.
Völlig vertieft in die Betrachtung der feinen Kunstobjekte,
reagierte ich völlig perplex, als plötzlich die Tür aufging und ein Bursche auf Stelzen Richtung Bühne marschierte. Lautes Gelächter machte sich unter den Zuschauern breit und erst beim genaueren Hinsehen erkannte ich, daß es sich bei dem Akrobaten um den Japaner Ichi handelte, der vorher schon ein paar Gastauftritte hatte. Nun war er mit seinem ganz eigenen Spektakel an der Reihe und das war prall gefüllt mit verblüffenden Kuriositäten! Da war zunächst einmal der abgefahrende Look des Asiaten. Er hatte sich einen Schnorres angepappt und seinen Kopf zierte eine Bedeckung, wie man sie aus Marokko kennt, bloß daß bei seinem Teil eine Art Korken das Ganze abschloß.
Köstlich! Ichi hatte sich hinter einem reich gedeckten Tisch voller seltsamer Instrumente positioniert. Es gab ein Kinderxylophon, eine Mohrrübe (in die er später reinbeißen sollte!), ein kleines Keyboard und einen Tischtennisschläger(!). Was wollte er damit bloß anfangen? - Na klar, Tischtennis spielen! Mit sich selbst! Völlig abgefahren, wie alles was Ichi so anstellte!
Er klöppelte auf alles drauf, was nicht niet-und nagelfest war, bediente sich einer Steel Drum, die esoterisch anmutende Geräusche erklingen ließ, trompetete, benutzte einen alten Taperecorder, auf dem eine Französich-Lern-Kassete lief (Hinatabito), bließ Luftballons auf und performte auch auf einem kuriosen Teil, das aussah wie eine aus einem Topf und Schnüren zusammengebastetelte Harfe.
Sein Gesang bestand aus verrückten Mickimauslauten oder auch dem Imitieren von Louis "Satchmo" Armstrong, worüber ich mich hätte totlachen können! Ich glaube ich würde noch bis zu den Sommerferien hier schreibenderweise sitzen, wollte ich alle Gags im Einzelnen beschreiben. Deshalb empfehle ich einfach nur, sich unbedingt einmal Ichi live anzusehen, oder wenigstens seine experimentelle CD zu erwerben. Wenn man den Künstler anschreibt, schickt er sie mit Sicherheit den Fans zu! Klasse!
- Mehr Fotos von Ichi hier
- " " Whalebone Polly hier
- " " This Is The Kit hier
- " " The Hand hier
Aus unserem Archiv:
This Is The Kit & Rachael Dadd in Paris am 11.03.2009
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01:40
Konzert: This Is The Kit & Whalebone Polly & The Hand
Ort:Le Pop In, Paris
Datum: 11.03.2009
Zuschauer: geschätzte 60-70
Konzertdauer: insgesamt fast drei Stunden!
Ob ich für Kate und Rachael arbeiten würde, fragte mich ein französischer Zuschauer ganz interessiert in einer Pause während des wunderbaren Folk- Konzertabends im Pariser Pop In."Nein, leider nicht, ich bin lediglich Fan der beiden und This Is The Kit kenne ich auch schon eine ganze Weile", antwortete ich wahrheitsgemäß. "Diesbezüglich kann ich dich wirklich gut verstehen", sagte er augenzwinkernd und fügte hinzu, daß er die beiden erst am Vortage bei einem Konzert in einm Buchladen für sich entdeckt hatte, der praktischerweise gleich vor seiner Haustüre lag.
Ein Konzert in einem Buchladen? - Ja, richtig gelesen, Kate Stables aka This Is The Kit und ihre englische Freudin Rachael Dadd tingeln schon seit ein paar Tagen durch Pariser Librairien und beglücken Leseratten ausnahmsweise mit Ohrenschmaus statt mit Lektüre. Und dies auch noch völlig gratis, ein herzliches Lächeln und ganz viel Freude am Musizieren inklusive!Ich selbst hatte bei einer unglaublich charmanten Session im CD Laden Ground Zero (Bericht hier!) vor ein paar Tagen Blut geleckt und war schon ganz aufgeregt, Kate und Rachael wiederzusehen. Die beiden Freundinnen hatten mir einen ganz wunderbaren Tag bereitet und ich war fest entschlossen, heute CDs von Rachael Dadd zu kaufen, wozu ich kürzlich nicht mehr gekommen war, weil der CD Laden schloss.
Die Banjospielerin Rachael Dadd stammt aus dem englischen Bristol, hat inzwischen zwei Alben unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht, Summer/Autumn Recordings im Jahre 2005 und After The Ant Fight 2008 und verfolgt auch noch zwei andere Projekte, an denen sie maßgeblich beteiligt ist. Zum einen Whalebone Polly, das tolle Damendoppel bestehend aus ihr und Kate Stables von This Is The Kit und zum anderen The Hand, ein Duo, welches sie zusammen mit dem Kora-Spieler Wig Smith bildet.
Mit Whalbone Polly, deren erstes Album man gratis für den Kauf von Alben von Rachel oder Kate obendrauf bekam, konnte es dann auch losgehen. In allen Einzelheiten malte ich mir bereits aus, wie ich bei mir zu Hause die gekauften CDs von Rachael Dadd, The Hand und Whalebone Polly hören und genießen würde. Hach, was für ein Fest mich da erwartete! Krülle Bol von This Is The Kit hatte ich ja schon seit langem, da brauchte ich nicht mehr nachzulegen.
Auf Krülle Bol gibt es auch den Song Our Socks For Evermore und den haben Whalebone Polly in einer veränderten Fassung noch einmal neu aufgenommen. Heute wurde aber ganz überwiegend neues , noch unveröffentlichstes Material gespielt. Nur ein einziges Lied stammte von Recordings With The Windows Open, dem Debütwerk.
Das war aber eher eine Randnotiz, denn nach den umwerfend guten Eindrücken, die ich heute und kürzlich gewonnen habe, bin ich überzeugt davon, daß die beiden eigentlich nur traumhaft schöne Lieder schreiben können.Und live kommt gibt es zusätzlich noch die überschäumende, fast kindlich zu nennende Spiel-und Lebensfreude von Kate und Rachael zu bewundern, die nur noch durch die ganz wundervollen Stimmen der Folksirenen getoppt wird.
Die beiden Goldkehlchen ergänzen sich ganz hervorragend, bilden tolle Harmonien und legen ihren Gesang über das meist dezente Banjo-oder Gitarrenspiel. Es ist eine pure Wonne ihnen zuzuhören- und zu sehen!Circa 30 Minuten lang durfte man das Ganze in vollen Zügen genießen, dann war erst einmal ein Päuschen angesagt. Ein Blick auf die kleine, kaum erhöhte Bühne, wies schon darauf hin, was gleich zu bewundern sein würde. Man sah nämlich ein riesiges hölzernes Instrument auf dem ausgelegten Teppichboden,
das einen langen Stil und ein kürbisförmiges Ende mit einem Loch in der Mitte hatte. Es handelte sich um eine Kora, ein harfeähnliches afrikanisches Instrument, von dessen Existenz ich bisher nur in Zusammenhang mit Toumani Diabaté gehört hatte.
Live hatte ich noch nie einen Kora-Spieler erlebt. Das sollte sich nun ändern, denn der junge, aber bereits recht kahle Wig Smith performte jetzt zusammen mit Rachael Dadd. Ganz wie Kate und Rachael sind auch die beiden ein tolles Pärchen, unglaublich liebenswürdig, höflich und mit sehr viel Talent gesegnet. Die Musik von The Hand ist dabei einen Hauch experimenteller als diejenige von Whalebone Polly. Bei manchen Songs gibt es längere Instrumentalpassagen, in denen die Kora von Wig und das Banjo von Rachael eine spannende Ehe eingehen. Aber auch Wig hat eine ganz wunderbare Stimme.
Wenn er singt, klingt das fast wie bei einem Messdiener oder Chorknaben und zusammen mit der engelsgleichen Stimme von Rachael fühlt man sich fast, als sei man bereits im Paradis angekommen. Ich war entzückt und völlig eingenommen von dem begeisternden Vortrage und wenn ich nicht -
wie zuvor Rachael versprochen- Fotos geschossen hätte, wäre meine innere Ruhe perfekt gewesen. Die kesse Engländerin spannte mich aber noch ein wenig mehr ein, als mir lieb war. Sie machte nämlich plötzlich zwischen zwei Liedern ihre Tasche auf und reichte mir ihren kleinen Fotoapparat, wohlwissend, daß ich selbst schon mit meinem Teil wie wild rumknipste. "Oliver, could you take some pictures of us?", fragte sie mich in ihrer herzlichen Art und mit ihrem wunderschönen englischen Akzent und da konnte ich natürlich nicht nein sagen.
Ich hatte also nun zwei Apparate gleichzeitig und war bepackt wie ein Esel. Zwei Songs später versuchte mich mich deshalb dezent der Kamera von Rachael zu entledigen, denn ihr kleines Ding schoss - vorsichtig ausgedrückt - nicht besonders scharfe Bilder. Ich gab sie ihr zurück, woraufhin sie vor Lachen losprustete und laut vernehmbar ausrief: "Yeah, you're right, Oliver, my camera is shit!" Um das nicht so stehenzulassen, sagte ich dipomatisch: "Oh no, it's just that the light is difficult. That's not the same thing." Aber sie hatte mich durchschaut und grinste nur...
Ich hätte sie knuddeln können, aber da ich in meinem musikalischen Urteil unabhängig bleiben will und deshalb immer eine gewisse Distanz zu den jeweiligen Musikern wahre, unterließ ich das. Außerdem musste sie ja noch Banjo spielen und bei einem Lied sogar Ukulele, genau wie ihr Partner Wig, der ebenfalls in einer Szene auf der Minigitarre brillierte.Vorgetragen wurden übrigens fast ausschließlich Songs von dem Album Berries From The Rubble, das ich wirklich sehr empfehlen kann. Maroosia ist darauf ein Highlight,
aber auch der Opener And Fold, bei dem die Instrumentierung besonders schön gelungen ist. Eine zeitlose Perle, die mich von nun an immer begleiten wird. Nie mehr will ich den Gesang von Rachael und Wig missen, die beiden sind jetzt schon eine der Entdeckungen des Jahres für mich und eine schönere Stimme als die von Rachael Dadd habe ich in meinem ganzen Leben (fast) noch nie gehört!Setlist The Hand01: Little Feet Running02: If He Did Go03: The Wind Blows The Same Way04: New Song05: Maroosia06: And Fold07: Hoovering Wasp08: On We Skip
Es war schon circa. 23 Uhr als This Is The Kit, die Headlinerin des Konzertabends mit ihren eigenen Songs an den Start ging. Aber eingespielt war sie ja, schließlich stand sie schon zusammen mit Rachael als Whalebone Polly auf der Bühne. Natürlich kam auch Rachael wieder mit hinzu, um Kate zu unterstützen, aber es gab noch eine dritte charmante Dame zu bewundern. Ich rede von Erica Buettner, einer reizenden jungen Amerikanerin, die wie Kate seit ein paar Jahren in Paris lebt und Musik macht. Erica spielt bei ihren Solokonzerten meistens Akustikgitarre oder Banjo, heute aber durfte sie zeigen, daß sie auch auf der Querflöte brilliant ist.
Ihre anfängliche Nervosität war also vollkommen unbegründet. Nach einem gelungenen Auftakt mit Creeping Up Our Shins kam schon gleich das vielleicht schönste Lied von This Is The Kit, Birchwood Beaker, das in der heutigen Version mit der Flöte sogar noch wundervoller war. Außerdem sang ja Rachael im Background mit und machte den Hörgenuß perfekt. Die beiden zusammen geben den Albumtiteln von Krülle Bol noch einmal zusätzlich Biss, die Liveversionen sind anders als aus der Konserve und klingen frischer und euphorisierender denn je. Auch Two Wooden Spoons wurde traumhaft gut neuinterpretiert und am Ende kam sogar Wig mit seiner Kora hinzu, während Rachael Klarinette spielte.
Welch grandiosen, vielseitig begabten Musiker das doch sind! Kein Wunder, daß sowohl Wig Smith als auch Wahlebone Polly dieses Jahr die Ehre erfahren, beim kultigen Glastonbury Festival zu spielen! Und wir bekamen sie in Paris drei Stunden lang umsonst. So etwas nennt man "Leben wie Gott in Frankreich!"...Setlist This Is The Kit, Pop In, Paris:01: Creeping Up Our Shins02: Birchwood Beaker03: With Her Wheels Again04: Greasy Goose05: Our Socks Forever More06: Easy Listening07: Two Wooden Spoons08: White Ash Links:
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