Samstag, 23. Juni 2007

Good Books, Fields, The Harrissons, Paris, 21.06.07

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Konzert: Good Books, Fields, The Harrissons (Inrocks-Indie Club)
Datum: 21.06.2007
Ort: La Maroquinerie + Le Nouveau Casino, Paris
Zuschauer: mäßig besucht (Maroquinerie), sehr voll (Nouveau Casino); der Eintritt war jeweils frei

Die alljährlich in ganz Frankreich (und seit einiger Zeit auch in Berlin) stattfindende Fète de la musique ist im Großen und Ganzen schon eine feine Sache. Eintritte in die diversen Clubs sind grundsätzlich gratis und auch auf den Straßen und in unzähligen Cafés wird musiziert und gefeiert. Meistens friedlich und vergnügt, leider aber auch ab und zu krawallig, weil ein paar Idioten zu tief ins Glas schauen und Leute aufmischen...

Das bunte Treiben auf den Straßen hatte anscheinend auch Auswirkungen auf den Busverkehr, denn mein geliebt/gehasster Bus 96 kam mal wieder nicht, so daß ich den Weg von "File du Calvaire" bis zur Rue Boyer zu Fuß bestritt. Und besagte Rue Boyer, in der die Maroquinerie liegt, erreicht man nur, wenn man die steile "Rue de Menilmontant" erklimmt. Das verschaffte mir die Gelegenheit, Einblicke in die auf dem Weg liegenden Straßencafés zu bekommen, in denen eine Menge los war. Teilweise sah ich bengalische Feuer, die stammten von den arabischen Würstchenverkäufern, die ihre Merguez auf den Bürgersteigen und Plätzen brieten. An "normalen" Tagen wird so etwas nicht geduldet, aber heute war alles etwas anders, bunter, lauter, schriller...

In der Maroquinerie selbst war dann gar nicht mal so viel los, trotz des freien Eintritts. Andererseits war es auch mal angenehm, bequem in dem Laden zirkulieren zu können. Zumindest die gesamte Pariser Indie-Ausgehszene war aber versammelt, um den Klängen von Good Books und anschließend denen von Fields zu lauschen. Pierre, ein extrem fleißiger Konzertgänger war z.B. da, aber auch Meg, die ebenfalls kein einziges Konzert ausfallen läßt und natürlich Robert Giles, der Starphotograph von Photosconcerts.com. Besonders toll fand ich, daß diese ganzen Pariser unseren Blog kennen, ohne daß ich ihnen davon zuvor berichtet hätte. (Diese Freude gestehe man mir bitte zu!) Sie sind einfach über Google auf der Suche nach Setlisten auf uns gestoßen, so auch Stéphan, der seit sechs (!) Jahren freiberuflich (bzw. freihobbymäßig) sämtliche Pariser Konzerte auf Videokassetten bannt. Sein Archiv umfasst über 600 (!) Gigs, wie er mir nicht ohne berechtigten Stolz erzählte. Leider darf er seine Filme nicht öffentlich machen, daß sei in Frankreich ein juristisches Problem, ganz im Gegensatz zu Deutschland (ist das in Deutschland wirklich so unproblematisch?).

Die Good Books machten unterdessen richtig schönen Indie-Pop mit gelegentlich elektronischen Einschlag und gefielen mir auf Anhieb. Sänger und Gitarrist Mr. Cooke (so steht es auf der MySpace Seite) der noch extrem jung ausieht (weil er erst 19 ist), bemühte sich redlich zwischen den Titeln einige Sätze auf französisch zu sprechen, was ihm auch wirklich passabel gut gelang. Er passt anscheinend in der Schule im Französisch-Unterricht gut auf! Sein Gesangespartner (und Bassist) ist Mr. Porter, der mit seinem rundlichen Gesicht, der Brille und den langen blonden Haaren irgendwie an ein Mitglied der Kelly Family erinnerte. Zum Glück hatte dies aber keine entsprechenden Auswirkungen auf die Musik der Good Books. Die Band aus Birmingham erinnert eher an Coldplay, Keane, Snow Patrol und Thirteen Senses, obwohl sie laut ihrer MySpace Seite lieber neben Pulp, den Magic Numbers oder den Mystery Jets eingeordnet werden wollen. Schubladen hin, oder her, die Musik des Quartetts hat genug Eigenständiges und vor allem Charme, um zu gefallen. "Leni" war bereits in Großbritannien im Jahre 2006 ein mittlerer Hit, aber auch die neue Single "Passchendaele" und "The Illness" sind hörenswert. Schade, daß sie vor Ort keine CDs verkauften, es gab nur T-Shirts und Einkaufstaschen aus Baumwolle. Letztgennante fand ich allerdings so hübsch, daß ich mir gleich zwei davon kaufte, sehr zur Freude der Band, die den Merchandising Stand selbst betrieb...

Hübsch war dann im Anschluß auch die isländische Sängerin, der überwiegend englischen Band Fields. Thorunn Antonia ist eine unfassbar gut aussehende Blondine, die bei Fields singt, aber auch Keyboard spielt. Sie hat es mit ihrer ansprechenden Erscheinung und der fabelhaften Stimme bereits in die Coolness-List des NME 2006 gebracht. Begonnen wurde das Set mit der bereits als Single erschienenen Nummer "If You Fail, We All Fail". Ich liebe dieses Lied, wie ich überhaupt von dem wavig-psychedelischen Indie-Rock von Fields begeistert bin. Wer das Quintett nicht kennt, stelle sich eine New-Wave Band vor, die noisige, zuweilen stonerrockige, oder auch elektronische Elemente miteinbezieht. Als vergleichbare Bands würde ich Battle, The Organ, The Maccabees, Sonic Youth und die Howling Bells nennen...

Eines ihrer besten Stücke wurde an zweiter Stelle bebracht: "Brittlesticks", welches schon auf ihrer Debüt-Ep "Songs For The Fields" vertreten war. Ein treibendes Lied, mit einer wunderbaren Melodie, gesungen von Thorunn und Nick Peill, der zusammen mit der Isländerin die Vocals der Fields beisteuert.

Auch "Isabel" stammte von genannter Ep, bevor mit "Schoolbooks" ein Song vom ersten richtigen Album "Everything Last Winter" kam. Man kann sich auf der MySpace Seite der Band fast das komplette Album anhören. Macht davon Gebrauch, es lohnt sich! Leider verfüge ich selbst noch nicht über den Longplayer, so daß mir einige Lieder des Sets unbekannt waren. Es hörte sich aber alles vielverprechend an... "Song For The Fields" sagte mir dann aber nochmal was, stammte es doch ebenfalls von der EP. Ohne Zweifel nach wie vor eines ihren besten Lieder, da sinnlich, explosiv und in gewisser Weise myteriös. "The Death" beschloss das leider etwas zu kurze Set dann und Fields hatten mich wieder ein Stück mehr von ihnen überzeugt.

Setlist Fields Paris:

01: If You Fail, We All Fail
02: Brittlesticks
03: Isabel
04: Schoolbooks
05: Knives
06: Weave
07: Feathers
08: Charming The Flames
09: Song For The Fields
10: The Death

Anschließend ging es für einige noch Richtung Bastille, wo die Dead 60s draußen auftraten. Ich persönlich schlug den Weg Richtung Nouveau Casino ein, wo die Harrssons spielten. Schon nach ein bis zwei Liedern stellte ich eine musikalische Querverbindung zu Paul Weller, bzw. aktueller den Arctic Monkeys und Bromheads Jacket her. Mein Eindruck täuschte nicht. The Harrissons stammen wie die arktischen Affen aus Sheffield und spielen straighten schrammeligen Indie-Rock mit leichtem Ska-Einschlag und Texten, die von der Vorstadttristesse und dem Alltag in einer grauen, englischen Stadt handeln. Gefiel mir nicht übel, was das Quartett da so veranstaltete, obwohl ich ihretwegen die letzte U-Bahn verpasste und auf Grund chronischem Taxi-Mangels den Weg vom Nouveau Casion bis zu mir nach Hause zu Fuß bestreiten mußte. Ich brauchte 1 1/2 Stunden! That's Rock n' Roll!

von Oliver


Freitag, 22. Juni 2007

Razorlight, Paris, 20.06.07

12 Kommentare

Konzertbericht Razorlight

Datum: 20.06.2007
Ort: L'Olympia, Paris
Zuschauer: wahrscheinlich ausverkauft


Der Eurostar bringt ja in der Regel eher Pariser nach London, um dort tolle Konzerte zu erleben als umgekehrt. Wenn man aber vorher auf dem O2 Wireless Festival in der britischen Hauptstadt war, muß man halt den Zug Richtung Frankreich nehmen, um Razorlight im Pariser OLympia zu erleben. Fast hätten Cécile und ich übrigens den Eurostar verpasst, weil es das alte Männchen von der Security für notwendig hielt, meinen kompletten Koffer in Zeitlupentempo auszupacken und zu filzen. Ein hoher Preis für eine scheinbare Sicherheit, wie ich finde! Al Qaida ist eh cleverer als der Westen und heckt sicherlich schon neue Gemeinheiten aus, die nicht in Zügen, oder Flugzeugen stattfinden werden. Aber gut, Job ist Job, leider muß das heutzutage wohl so durchgeführt werden und uns wurde zumindest höflich ein guter Tag gewünscht... Ob wir den noch haben würden? Schließlich kamen wir ziemlich übermüdet und leicht genervt vor dem Olympia an, wo erstaunerlicherweise kaum eine Menschenseele mehr rumlungerte. War das Konzert etwa nicht ausverkauft? Hmm, weiß nicht so genau, drinnen war es zum Glück aber dann voller. Das Publikum schien mir zum Großteil aus circa 14-18 jährigen Mädchen zu bestehen. Wahrscheinlich die Phase, in denen Frauen ohne Hemmungen für Rockstars schwärmen und gerne den Verstand verlieren, wenn der Sänger einen flachen Bauch, oder knachigen Po hat. Zusammen mit einer Gitarre entsteht daraus ein explosiver Cocktail, der nicht selten die Gören der Länge nach umhaut.

War heute aber nicht der Fall, ohnmächtige Mädchen habe ich keine gesehen! Was aber nicht heißt, daß Johnny Borell nicht wieder einige Frauen in Verzückung versetzt hat, vor allem ab dem Zeitpunkt, an dem er nur mit seiner weißen, engen Jeans und mit nacktem Oberkörper vor den Ladies stand...

Bis zur Entblößung mußten sich aber die Girlies bis Lied Nr. 7 "L.A. Waltz" gedulden, vorher rockte Johnny mit seinen Razorlights mit Hemdchen rum. "In The Morning, you know you would remember a thing, in the morning you know it's gonna be all right", schallte es aus tausenden Kehlen, als der Opener einsetzte. Von Beginn an sprang der Funke über, meine Müdigkeit war wie weggeblasen. Wofür Maximo Park neulich fast eine Stunde brauchten, benötigten Razorlight gerade einmal 1 Sekunde: Stimmung erzeugen, die Leute mitreißen! Oft wurden Razorlight in der Musikpresse in letzter Zeit dafür verrissen, daß ihr Sound, ihr Songwriting zu simpel seien, da erging es ihnen nicht anders als ihren Kollegen Kaiser Chiefs. Gerade dieses direkte, schnell einprägsame Element in den Liedern scheint mir aber die Erfolgsformel für fetzige Konzerte zu sein. Kaiser Chiefs und Razorlight sind einfach "catchy as hell" und haben Hits, Hits, Hits! Da können die Journalisten schreiben, was sie wollen!

Wer kann schon steif rumstehen, wenn ein Kracher wie "Golden Touch" abgefeuert wird? Ich nicht und die hübschen Mädels der Pariser Band Plasticine auch nicht. Gleich hinter mir tanzten nämlich die drei Grazien, Katty, Natty und Louise, die attrakive Bassistin, ausgelassen zu der mitreißenden Musik, die aus den Boxen dröhnte. Wie ich später von Louise erfuhr, durfte die Girlgroup kürzlich für Razorlight in New York eröffnen! Was für eine Ehre für die blutjunge Band!

Weiter im Text: "oh, oh, oh, ohohoho, back to the start, back to the start again I go", jodelte Johnny und im Olympia ging so richtig die Post ab. Wesentlich Anteil daran hatte der unfassbar dynamische Drummer Christian, der mit einem höllischen Tempo auf seine Schießbude einprügelte, aber auch der schwedische Gitarrist Björn, der - mit stoischem Blick - energisch in die Saiten griff, half kräftig mit, daß es hier krachte.

Beim wesentlich schneller als üblich gespielten "L.A. Waltz" war es aus weiblicher Sicht dann endlich so weit: das Hemdchen von Johnny fiel und sein muskulöser Oberkörper kam zum Vorschein. Da guckten einige Mädchen schon genauer hin und auch ich hätte gerne einen ähnlich geringen (nämlich nicht vorhandenen) Körperfettanteil! Kein Gramm Fett! Wie macht der das? Ist der Bursche etwa magersüchtig? Selbst im Sitzen keine einzige Speckfalte! Aber Schluß jetzt mit Körperlichem und zurück zur Musik. Ähnlich in Verzückung wie die Mädels beim Anblick des halbnackten Rockers, geriet ich beim Erklingen des Hits "Somewhere Else". Die Single hierzu ist damals zwischen den beiden Alben erschienen, ist aber inzwischen auf einer neuen Fassung des glänzenden Debüts "Up All Night" enthalten. Allein dieses fetzige Stück lohnt die erneute Anschaffung der CD! Ein noch größerer Hit kam danach ...., klar, ich spreche von "America".

Als die melancholischen Gitarren zu Beginn des Stücks erklangen, schrieen etliche Mädchen im Olympia wie damals ihre Mütter (oder Großmütter), wenn die Beatles auftraten! Verdammter Ohrwurm, dieses "America", auch wenn es extrem radiotauglich ist. Aber scheiß drauf, es zieht einfach immer noch ungeheuerlich!

Eine extrem lange Version von "In The City" beschloß dann das offizielle Set, bevor die Band unter tosendem Applaus die Bühne verließ. Zuvor hatte Herr Borell noch ein turnerisches Kunststück vollbracht, als er während eines Liedes auf eine Box stieg, um von dort aus den Fans in den oberern Reihen einzuheizen.

Die erste Zugabe bestritt Johnny dann gewohnt alleine. Nur mit seiner Klampfe bewaffnet sang er mit Inbrunst "Fall, Fall, Fall". Meine persönliche Lieblingszugabe kam aber ganz am Ende: "Stumble And Fall" ließ mich noch einmal das Tanzbein schwingen und war ein perfekter Ausklang für ein sehr gelungenes Konzert.

Razorlight sind live eine sichere Bank, davon können sich gerne auch mal die Lästerer selbst überzeugen...

Setlist Razorlight Paris

01: In The Morning
02: Hold On
03: Golden Touch
04: Back To The Start
05: Dont' Go Back To Dalston
06: Before I Fall To Pieces
07: L.A. Waltz
08: I Can't Stop This Feeling I've Got
09: Pop Song 2006
10: Somewhere Else
11: America
12: In The City

13: Fall, Fall, Fall (Z)
14: Vice (Z)
15: Stumble & Fall (Z)

von Oliver

Links:

- mehr Fotos
- Razorlight in Köln (2006)
- Razorlight in Paris (2007)
- Razorlight in Heidelberg (2007)



Mittwoch, 20. Juni 2007

Bright Eyes, Wiesbaden, 19.06.07

21 Kommentare
Konzert: Bright Eyes
Ort: Schlachthof Wiesbaden

Datum: 19.06.2007

Zuschauer: nicht ausverkauft


Ich muß mich erst einmal outen: Ich bin kein großer Bright Eyes Fan, dafür habe ich mich bisher viel zu wenig mit Conor Obersts Musik beschäftigt. Große Neugierde und die Angst, etwas zu verpassen (wie schon das Kölner Konzert des Amerikaners) siegten aber über meine enorme Müdigkeit und ließen mich nach Wiesbaden fahren. Im Internet des Schlachthofs (so heißt der Veranstaltungsort, ich kaufe Fleisch nicht direkt beim Erzeuger) stand, daß das Konzert pünktlich um neun beginne und es keine Vorgruppe gebe.

Um neun war ich dann auch vor dem Schlachthof, der sich langsam füllte. Das Gebäude hat zwei Konzertsäle: Einen kleinen, in dem ich vor ein paar Jahren einmal Klee gesehen habe, und einen großen, langen, schlauchförmigen Raum, der vor allem luftig ist, was im Sommer ja nicht so verkehrt ist. Der große Saal sollte aber Dienstag bei weitem nicht voll sein, man hatte überall bequem Platz. Durch mehrere Tageslichter war es im Raum noch taghell, auch, als dann gegen halb zehn die zu Conor gehörenden Musiker auf die Bühne kamen. Das Publikum hatte während der Zeit vorher bei jedem auftauchenden Roadie, der noch mal eine der Gitarren stimmen wollte, geklatscht. Eine schrecklich nervende Sache, finde ich. Als ob durch diese unglaublich subtile und pfiffige Idee Künstler früher auftreten würden. Das gehört verboten, so wie rhythmisches Klatschen und ähnlich unerträgliche Unsitten.

Was da um halb neun auftrat, schien mir halb Omaha zu sein. Conor Oberst hatte eine Streichergruppe (zwei Celli und eine Violine), Bass, zweite Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Flöte, Percussion und Schlagzeug mitgebracht, elf Musiker standen also auf der Bühne, wenn ich mich nicht verzähle. Ich hatte zwar bei Oliver schon gelesen, daß auch in Paris Streicher dabei waren, hatte aber kein Rundfunkorchester erwartet. A propos Erwartungen: Ich wußte nicht recht, was da auf mich zukommen würde. Die beiden Pole erschienen vorher Malcolm Middleton auf der einen und Sufjan Stevens auf der anderen Seite zu sein, also die ruhige Singer/Songwriter-Nummer oder eben die vielen Instrumente und der entsprechend dickere Sound. Es war der Sufjan-Pol - und der noch ausgeprägter.

Das Eröffnungsstück kannte ich gleich: "Clairaudients" von der aktuellen CD. Überhaupt bestand das Set des Abends hauptsächlich aus Liedern von "Cassadaga". Von den zahlreichen Vorgängeralben spielte die Band vor den Zugaben nur einige wenige Lieder ("I won't ever be happy again", "The calendar hung itself" oder "I believe in symmetry"). Was die meisten vorgetragenen Lieder gemeinsam hatten, war das bombastische Arrangement. Während des Großteils des Konzerts kamen alle anwesenden Musiker zum Einsatz, nur bei den "zurückgenommeneren" Stücken spielte Conor nur mit spärlicher Begleitung. Wie wenig der ganze Auftritt mit einem spartanischen Singer/Songwriter zu tun hatte, zeigt sich alleine schon im durchgestylten Outfit der Band. Alle Musiker trugen weiße Sachen, Conor Oberst weiße Hose und weißes Hemd (Christina: Das ist eine Welle!). Nur der Gitarrist hatte einen weißen Kaputzenpulli mit schwarzen Punkten an.

Durch den bombastischen Klang wirkte die Musik überwältigend. Zumindest auf mich als Wenigkenner. Ob Hardcore Bright Eyes Fans, dem viel abgewinnen konnten, kann ich nicht beurteilen, ich war allerdings oft beeindruckt, manchmal sogar ansatzweise ergriffen. So richtig einschätzbar war das Publikum für mich nicht. Natürlich gab es nach den Liedern Applaus, der war aber sicher nie ausufernd. Oft sah man Leute hin und herwippend. Also keine Ahnung, wie es der Allgemeinheit gefallen haben mag.

Nach einer guten Stunde, dreizehn Liedern (auf der offiziellen Setliste standen zehn, ich bin aber sicher, daß vor "Lime Tree" noch ein, mir nicht bekanntes Lied gespielt wurde) und spärlichen Ansagen (u.a. der Erwähnung einer Reise nach Kuba, aber "nicht in den Guantanamo-Teil, denn dann wäre er ja nicht zurückgekommen, sondern in den Teil, in dem man Zigarren rauchen und an Cognac nippen kann") endete das Konzert. Nach sehr kurzer Pause kam eine kleine Besetzung wieder, um die drei Lieder der Zugabe zu spielen, u.a. das grandiose "First day of my life". Die Zugaben dauerten sicher 25 Minuten und waren ein hörenswerter Abschluß.

Ich bereue es überhaupt nicht, meine Müdigkeit ignoriert zu haben, um das Konzert zu sehen. Es war ein hochinteressantes Erlebnis. Aber es wunderte mich auch nicht, wenn es einige schrecklich fanden.

Setlist Bright Eyes Wiesbaden:

01: Clairaudients - Kill or be killed
02: Hot knives
03: Four winds
04: I won't ever be happy again
05: Middleman
06: Cleanse Song
07: If the brakeman turns my way
08: No one would riot for less
09: Make a plan to love me
10: The calendar hung itself
11: ???
12: Lime Tree
13: I believe in symmetry

14: First day of my life (Z)
15: Stray dog freedom (Z)
16: At the bottom of everything (Z)



Dienstag, 19. Juni 2007

Kaiser Chiefs, London, 17.06.07

4 Kommentare

Konzert: Kaiser Chiefs (Wireless Festival)

Ort: Hyde Park, London
Datum: 17.06.2007
Zuschauer: 20.000


In diesen herrlichen Büchern über Dinge, die man gemacht haben muß, bevor man stirbt, stehen gewöhnlich Dinge wie "ein Buch schreiben", "zu den Niagara-Fällen reisen" oder "Aida in Verona sehen". Für mich gehört seit Sonntag "'Ruby' live in England erleben" zu den zehn wichtigsten Punkten, die auf eine solche Liste gehören, keine Frage.

Die Kaiser Chiefs (die "world famous Kaiser Chiefs" natürlich) waren Sonntag abend Headliner des letzten Tags des ab Donnerstag parallel in Leeds und London stattfindenden Wireless Festivals. Als die Band aus Leeds begann, war das Programm auf den anderen Bühnen bereits beendet, sodaß sich das Festival für die letzten anderthalb Stunden vor der Hauptbühne konzentrierte. Um viertel vor neun fiel der riesige Vorhang mit dem Las Vegas Schriftzug "Kaiser Chiefs" und Ricky und Kollegen erschienen.

Irgendwie schien es, als hätte sich die Mehrheit der Festivalbesucher tagsüber für den Abend geschont. Natürlich war auch bei den Konzerten der Editors, der Good Shoes, der Twang (da besonders) oder der Cribs Stimmung, es war aber alles eher zurückhaltend. Bei den Kaiser Chiefs war es sofort so, wie Ricky es sich wünschte: "Do you sing along?"

Erstes Lied war "Everyday I love you less and less", das kurz nach Beginn stoppte. Das Licht auf der Bühne ging aus, und es sah nach Stromausfall aus. Das war aber nur Teil der Show, denn es ging schnell und laut weiter. Nach "Heat dies down", das natürlich auch prima zog, kam "Ruby". Das Festival findet am östlichen Rand des Hyde Parks statt. Ich bin sicher, daß nicht nur die Bewohner der angrenzenden Park Lane in den nächsten Minuten immer wieder "Ruby, Ruby, Ruby, do you, do you, do you, do youuuu?" in
schrecklich störender Lautstärke gehört haben. Es war fantastisch.

Das nächste Highlight erschien in Person des vollkommen durchgeknallten japanischen Sängers der Polysics. Hayashi (ich glaube, der war es) hatte das Bühnenoutfit der Polysics an, einen orangefarbenen Overall und hüpfte wie ein Aufziehmännchen bzw. wie ein aus Takeshis Castle entsprungener Wasauchimmer über die Bühne und brüllte den angeblich japanischen Text (nämlich "Na na na na naa") mit, es war unglaublich komisch. Dann machten Ricky und der orange Mann Hampelmann-Übungen (kennt die noch
jemand? In den späten 70ern mußten wir den noch in der Grundschule machen). Mich erinnerte das ein wenig an die verrückte Bühnenshow von Gogol Bordello ein Jahr vorher auf der gleichen Bühne. Bei "Na na na na naa" ist mir aufgefallen, wie schwer es ist, gleichzeitig mitzugröhlen und zu lachen. Aber es ging nicht anders...

Der Rest des Abends war ein einziges Gesinge. Irgendeine englische Zeitung hat Montag geschrieben, es sei erstaunlich, daß die eigentlich abgenutzten Lieder noch so gut funktionierten. Die
Visions und ähnliche deutsche Musikzeitungen mit intellektuellem Auftrag haben die "Kirmesmusik" der Kaiser Chiefs ja ordentlich verrissen. Entweder bin ich früher zu den falschen Kirmessen gegangen, zu wenig tiefsinnig oder was auch immer, mir haben die anderthalb Stunden jedenfalls höllisch gut gefallen.

Zu den Höhepunkten des restlichen Sets gehörten zweifelsohne "Modern way" "The angry mob" und "I predict a riot". "Take my temperature", das seit dieser "Saison" neu bzw. wieder im Programm ist, und "Retirement" bildeten den vorläufigen Abschluß. Und danach waren die Engländer
komisch. Denn viele gingen! Vor den ersten Zugaben! Und es war klar, daß es welche geben würde, denn Kaiser Chiefs Konzerte enden doch immer mit "Oh my god"! Aber die Engländer kennen ihr eigenes Kulturgut wohl nicht gut genug, zumindest die nicht, die gingen. Es war dann vor den Zugaben auch merkwürdig still, bis nach elend langer Zeit die Band zurückkam. "Oh my god" war dann die dritte Zugabe und zog gut, war aber nicht die beste Live-Version, die wir bisher gesehen hatten. Aber auch ohne das letzte Sahnehäubchen war es blendend. Und ich habe auf meiner Liste der Dinge, die noch zu tun sind, einen prominenten Platz abhaken können.

Setlist Kaiser Chiefs Wireless Festival London:

01: Everyday I love you less and less
02: Heat dies down
03: Ruby
04: Heat dies down
05: Na na na na naa
06: I can do it without you
07: Born to be a dancer
08: Modern way
09: Everything is average nowadays
10: The angry mob
11: Highroyds
12: I predict a riot
13: Take my temperature
14: Retirement

15: Try your best (Z)
16: Thank you very much (Z)
17: Oh my god (Z)

Links:

- Kaiser Chiefs in Paris (2006)
- Kaiser Chiefs Radiokonzert in Wuppertal
- Kaiser Chiefs noch mal in Paris (2007)



Editors, London, 17.06.07

2 Kommentare
Konzert: Editors
Ort: Hyde Park London (Wireless Festival)
Datum: 17.06.2007
Zuschauer: etwa 15.000

Die Editors sind groß geworden. Am kommenden Wochenende in Glastonbury spielen Sie Samstag abend als vorletzte Band auf der Other Stage vor Iggy Pop (aber nach Maximo Park). Am Abschlußtag des Wireless Festivals war die Band aus Birmingham als vorletzte Gruppe auf der großen Bühne angesetzt, noch bevor die zweite CD in England erschienen ist.

Am Sonntagabend ergab sich das einzige größere Problem des Festivalzeitplans, denn der Beginn des Auftritts der Editors überschnitt sich mit dem der ebenfalls aus Birmingham stammenden Twang. Ich wollte beide gerne sehen und war auch rechtzeitig (aber mit viel Mühe, weil da jeder hinwollte) im Zelt, das als zweite Bühne diente. Da The Twang aber zehn Minuten später begannen, mußte ich schweren Herzens nach zwei Liedern gehen, um die Editors nicht zu verpassen. Außer den vielleicht 3000 bis 4000 Zuschauern, die im oder um das Twang Zelt standen, hatte sich der Rest der Festivalbesucher dann auch vor der Hauptbühne versammelt.

Das Konzert begann (wie Köln) mit Bones. Aber anders als in Köln wirkte die Menge
eher zurückhaltend. Ich stand nicht mittig vor der Bühne, da war die Stimmung später dann auch gut, am Rand war es eher mau. Von den neuen Stücken, die gespielt wurden ("An end has a start", Escape the nest", "The racing rats" und "Smokers outside the hospital doors"), kam nur "Smokers" (als Single veröffentlicht) richtig gut an. Eine riesige Fanbasis, die schon bei anderen Konzerten gewesen ist, war Sonntag wohl nicht im Hyde Park (hoffentlich sind die Editors Fans nicht deckungsgleich mit den Muse Fans und waren Sonntag bei einem der Wembley Konzerte, denn ich will nicht, daß die Editors sich Richtung Muse entwickeln!)

Die Hits des ersten Albums waren auch beim Laufpublikum bekannt und funktionierten dementsprechend gut. Der Auftritt insgesamt war sehr solide, ich bin nur nicht sicher, ob die Editors Musik machen, die Headliner-Qualitäten hat. Ich glaube, dafür ist der Stil zu anspruchsvoll. Tom Smiths Bühnen"show" hat sicher das Format auch für große Bühnen. Er zappelte wieder kräftig hin und her, das volle Programm! Sehr nervös gemacht hat mich, daß Tom in Großaufnahme auf den Videoleinwänden manchmal etwas wie Bono aussah.

Ein gutes Konzert, undankbares Publikum - Köln war jeweils besser!

Setlist Editors London (Wireless Festival):

01: Bones
02: All sparks
03: An end has a start
04: Blood
05: Escape the nest
06: Bullets
07: The racing rats
08: You are fading
09: Munich
10: Smokers outside the hospital doors
11: Fingers in the factories

Links:

- Editors in Paris (Rock en Seine) 2006
- Editors in Köln 2007





 

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