Konzert: Lizzie And The Yes Men Ort: Le Bus Palladium, Paris Datum: 21.04.12
"Mensch, Bruderherz, du hörst immer so traurige Musik, kein Wunder, daß du schwermütig wirst".
Diesen Spruch meiner Schwester muss ich mir öfter anhören, wenn wir uns denn mal sehen. Und er stimmt irgendwie ja auch, denn ich höre in der Tat oft ziemlich deprimierendeMusik.
Aber ich bin wandelbar und kann auch anders. Am vergangenen Samstag zum Beispiel. Da standen die ungemein frischen, euphorisierenden und wahnsinnig charmanten Briten von Lizzie And The Yes Men im kultigen Pariser Bus Palladium auf dem Programm. Ich hatte ihnen den Vorzug vor dem überaus melancholischen Schweden Loney Dear gegeben, der im Café de la Danse seine Schwermut verbreitete. Statt Katzenjammer also Frohsinn und Frühlingsgefühle. Und das tat mir gut!
Nach der durchaus gefälligen Vorband Secretive aus Frankreich (bei der mir aber vor allem die Blumentattoos der Sängerin an den hinteren Waden in Erinnerung geblieben sind) ging es dann gegen 22 Uhr 30 auch mit Lizzie und ihren Ja- Männern los.
Zunächst spielten die Herren ein längeres Gitarren-Intro, bevor dann die Diva Lizzie die Bühne betrat und mit ihren langen Beinen und ihrem todschicken Kurzhaarschnitt alle Blicke auf sich zog. Was für eine charismatische Frau! Eine neue Twiggy, eine Retro-Ikone! Und sie kann auch singen. Ihre Stimme versetzte uns in die 1960 er Jahre zurück, ließ uns an die Supremes, die Ronettes oder die Shirelles denken, während der flotte Gitarrensound der Männer eher dem Post Punk Revival à la Franz Ferdinand oder den Kaiser Chiefs zuzuordnen war. Alles kam wahnsinnig zackig und Laune machend rüber, Durchhänger oder musikalische Längen gab es nicht.
Ein Highlight an vierter Stelle. You And I Both Know begann mit einem dunklen, markanten Basslauf, bevor Lizzies Gesang und wilde Schrammelgitarren einsetzten und den Song gewaltig nach vorne peitschten.
Hits in diesem Stile gab es reichlich, was meine Vorfreude auf ein Album, das irgendwann im Laufe des Jahres 2012 erscheinen soll, massiv schürte.
Die Single Broadwalk dürfte aber schon vorher für hohe Wellen Sorgen. Der unbeschwerte und unwiderstehliche Pfeifsound, die absolut packende Melodie und die Tanzbarkeit könnten das Lied schon bald auf jeden I-pod, in jede Indie-Disco katapultieren. Man sah so einige Leute im Publikum bei dieser Klasse-Nummer mitwippen, kein Wunder!
Meine Schwester könnte stolz auf mich sein. Keine traurige Musik an diesem Samstag, keine Schwermut, sondern gute Laune pur.
Super Abend, klasse Band!
Setlist Lizzie And The Yes Men, Bus Palladium, Paris
01: Intro 02: Misdemeanour 03: Take What I Can Get 04: You And I Both Know 05: Trouble 06: Nasty Boy 07: Let Me Go 08: Baby No Go 09: Deserts 10: Loneliness 11: Broadwalk
Konzert: Lizzie And The Yes Men Ort: Le Baron, Pris Datum: 16.04.2012 Konzertdauer: etwa 45 Minuten
Das Musikgeschäft ist kein Ponyhof. Diese Erfahrung mussten heute auch die trendigen Engländer Lizzie And The Yes Men machen, die extra für den kleinen, aber feinen Gig von London nach Paris gekommen waren und dies per Bus, der 8 Stunden für die Strecke hin und auch wieder zurück braucht.
Aber es galt, sich und die unfassbar ohrwurmigen Songs in der französischen Metropole bekannt zu machen. Da muss man gewisse Stapazen auf sich nehmen und sich vor fremden Publikum von seiner Schokoladenseite präsentieren. Und das taten die Londoner auch.
Das, was die blonde und sehr blauäugige Sängerin Lizzie und ihre Jungs da ablieferten war wahrlich alles andere als schlecht, um nicht zu sagen: super! Surf Pop sollte das sein, so habe ich es irgendwo gelesen. Mir kam eher der Filmemacher Tarantino in den Sinn, denn die schmissige Musik der Briten hätte ich mir perfekt in Pulp Fiction vorstellen können. Aber auch die Supremes und 60ies Pop passten als Referenz sehr gut. Und auch eine Spur Franz Ferdinand und Bands vom Postcard Records Label wie z.B. Orange Juice gab es im Soundbild von Lizzie herauszuhören.
Auf jeden Fall klangen die Songs sehr frisch, und Lizzie erwies sich als exzellente Frontfrau mit Charisma, Energie und viel Charme. Mit ihrem Glitzertop, dem Lederröckchen und den Ballerinas war sie sexy und schick aber nicht vulgär angezogen, während ihre Bandkollegen alle mit weißen Hemden und Krawatten aufliefen. Eine stilvolle Gruppe, die aber nicht nur durch ihre Eleganz, sondern auch sehr packende Songs zu glänzen wußte. Zwei bis drei Lieder waren definitiv potentielle Hits. The Broadwalk war sogar so grandios, daß ich ins Schwärmen geriet. The Last Shadow Puppetsche Gitarren + eine super Pfeifmelodie + das Sixties- Parfüm, dagegen war kein Kraut gewachsen. Ein Hammer!
Etwa 45 Minuten legten sich die Engländer trotz der späten Uhrzeit udn den Reisestrapazen voll ins Zeug, schienen sich zu amüsieren wie Bolle und machten mich verdammt neugierig auf Tonträger. Zu kaufen gab es aber nichts. Bisher gibt es wohl nur in England erhältliche Singles, während das Debüt-Album erst in ein paar Wochen erscheinen soll. Ich werde es mir zulegen, soviel ist klar!!
Tolle Entdeckung!
Setlist Lizzie And The Yes Men, Paris, 16.04.12:
01: Intro 02: Misdemeanour 03: Take What I Can Get 04: You And I Both Know 05: Trouble 06: Nasty Boy 07: Let Me Go 08: Baby No No 09: Deserts 10: The Loneliness 11: The Broadwalk
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
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