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Donnerstag, 19. September 2019

Amanda Palmer, Stuttgart, 18.09.19

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Konzert: Amanda Palmer (Solo)
Ort: Theaterhaus in Stuttgart
Datum: 18. September 2019
Dauer: 180 min
Zuschauer: etwa 600


Am Morgen nach dem Abend mit Amanda Palmer teile ich Holgers Skepsis: wie soll ich einen Bericht schreiben, der dem erlebten gerecht wird? Aber zum Glück hat die inhaltliche Beschreibung schon Christoph erledigt im Konzertbericht aus Offenbach. Im Spannungsbogen und in vielen Details war es in Stuttgart ähnlich. Amanda wollte mit dem Publikum über die richtig wichtigen Sachen sprechen, ihr eigenes Erleben und ihre Erfahrungen als Beispiel dafür zeigen, was uns das Leben als Frau zumutet und wie wir in dem vielen Dunkel trotzdem irgendwie klar kommen und sogar so etwas wie Glück und Freude festhalten.


Ein großes Problem dabei ist: das ist ein weites Feld und schon während der Tour in Amerika hatte sich gezeigt, immer wieder kollidieren äußere Grenzen wie die Schließzeit von Theatern mit dem, was eigentlich an Material da ist und als Puzzlestein nötig. In Stuttgart waren genau 3 Stunden Programm möglich und Amanda ließ deshalb schon die Seeräuber-Jenny am Anfang weg. Später wurde auch die Pause gestrichen und trotzdem passte das Ende nicht optimal in die damit verbleibende Zeit. Ich wusste ohnehin vorher, dass ich meinen eigenen Zeitpunkt für den Weg zum Bahnhof etwas vor 23 Uhr wählen musste.
 

Erstaunlich war, wie schnell die Zeit verging. Und obwohl ich etwa drei Viertel der Geschichten schon kannte, hatte es doch etwas eigenes, alles in einen mäandernden Spannungsbogen verpackt und verdichtet neu zu hören und im Zusammenspiel neu zu bewerten. Natürlich blieb mir als Ohrwurm für den Heimweg "At least the Baby didn't die".


Aus unserem Archiv:
Amanda Palmer, Offenbach, 13.09.19
Amanda Palmer, Somerville, 05.03.15
Amanda Palmer, Eschwege, 08.11.13
Amanda Palmer, Zürich, 30.10.12
Amanda Palmer
, Paris, 06.02.09
Amanda Palmer, Paris, 23.10.08
Amanda Palmer, Heidelberg, 14.10.08 



Montag, 16. September 2019

Amanda Palmer, Offenbach, 13.09.19

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Konzert: Amanda Palmer
Ort: Capitol, Offenbach
Datum: 13.09.2019
Dauer: 110 min & gut 60 min
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft - vielleicht 700



"Das war das heiterste Lied des Abends," warnte uns Amanda Palmer nach dem ersten Stück ihres Konzerts vor. Es war die Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper. "Und wenn dann der Kopf fällt, sag' ich 'hoppla!'" Sie wolle einen Deal mit uns eingehen. Sie werde viel erzählen, oft auch sehr Trauriges. Wenn es zu heftig werde, sollten wir sie unterbrechen und "Amanda, I'm too sad" unterbrechen, sie werde dann umgehend die ersten Takte von Coin-operated boy spielen. Es sei ihr Job als Künstlerin, ins Dunkel zu gehen und Licht zu machen, betonte sie einige Male. Es war sehr dunkel, es war aber auch viel Licht. Wir mussten sie nur dreimal unterbrechen.

Amanda Palmers neues Album There will be no intermission erschien im März. Die Abende mit der Amerikanerin waren aber ausdrücklich nicht als reine Musikveranstaltungen angekündigt worden. Inspiration für diese Art Auftritt hatten ihr wohl Veranstaltungen von Nick Cave in Australien und Bruce Springsteen ("don't judge me!") auf dem Broadway. Gerade Springsteen, zu dem sie früher eine sehr ablehnende Haltung gehabt habe, bis sie mit viel Nachdruck dazu gebracht worden sei, Nebraska zu hören, habe sie sehr beeindruckt.
Nach Die Seeräuber-Jenny erzählte Amanda von ihrer Kindheit und Jugend, vom Bruder, der der erste musikalische Einfluß war, und ihren musikalischen Horizont erweiterte. "Amanda, Madonna is ok. But you have to listen to The Cure!" Als sie während des Studiums in Köln gelebt habe, erweiterte das ein deutscher Freund: "Amanda, The Cure is ok. But you have to listen to Einstürzende Neubauten!" - "And Nick Cave."

Amanda erzählte von ihren ersten musikalischen Gehversuchen, davon, daß sie die Tasten am Klavier ihrer Mutter zerstört habe. Ganz aktuell fragten besorgte Veranstalter sie noch, daß sie doch eine Punk-Pianistin sei. Um das zu untermalen, spielte sie Runs in the family, bei dem sie auf die Tasten des Flügels eindrosch.

Und dann immer wieder Geschichten, die an die nächsten Lieder heranführten. Oder richtiger: Lieder, die ihre Lebensereignisse verarbeiteten. Darauf, die komplett wiederzugeben, verzichte ich, die Show sollten sich alle, die sich für Amandas Musik interessieren ohnehin selbst ansehen! Sie erzählte vom Anschlag auf den Bostoner Marathon, zehn Blocks von ihrer Wohnung entfernt. Sie hatte danach ein Gedicht über den jüngeren der beiden Attentäter geschrieben und war danach Reaktionen ausgesetzt, die sie nicht erwartet hatte. Danach spielte sie Bigger on the inside auf der Ukulele am Bühnenrand. Sie erzählte von einem mehrtägigen Besuchsprogramm in einem riesigen Gefängnis in Massachusetts, bei der sie einer Gruppe von Mördern zugeordnet war. Am zweiten Tag war sie spät dran und überfuhr auf dem Weg ins Gefängnis ein Eichhörnchen, konnte es wegen der Zeitnot nicht mit einer Eichhörnchen-Beerdigung bestatten und erzählte im Gesprächskreis mit den Gefangenen davon. Die nannten sie danach "Amanda, the squirell killer."


Die Dresden Dolls Sängerin erzählte von Abtreibungen, von den Kliniken, in denen sie dafür war, vom Tod. Und dann "Coin operated boy, sitting on the shelf, he is just a toy but I turn him on and he comes to life." Bei der dritten Notbremse dieser Art rief sie "fuck you! You should be sad!" 

Als Amanda über ein Kind nachdachte, hatte sie nur in Transitbereichen von Flughäfen Konzakt zu Kindern. Und die guckten alle immer Frozen. Sie traf sich "zu Feldstudien" damals mit ihrer Freundin Melissa Auf der Maur und fragte die, wie sie die Erziehung ihrer Tochter organisiere, vor allem diese Frozen-Sache. "Wir haben nur einen VHS-Rekorder an unserem Fernseher und nur Fellini-Filme." Das passende Lied wolle sie aus drei Perspektiven mit uns singen, u.a. aus Sicht einer Mutter und deren Fötus'. "Trust me! I'm a professional!" Das Lied kannten alle außer mir, es war Part of your world aus dem Disney-Film Arielle. Dazu drehte sich die Disko-Kugel hoch über Amanda.


Der erste Teil endete mit einem der skurril-schönsten Konzertmomente. Die Sängerin erzählte, sie sei nach der Geburt ihres Sohns Anthony (genannt Ash) zu Freunden gefahren, damit Ash alle wichtigen Menschen in seinem Leben kennenlernen sollte, all die komischen Onkels. Bei ihrem Freund Jason Webley, machten die beiden - na klar! - einen Songwriting-Wettbewerb. Er scheiterte und schrieb nur einen halben Song (über einen Donut-Laden), ihrer wurde elf Minuten lang und heißt und ist A mother's confession. Am Ende sangen wir alle minutenlang "at least the baby didn't die" und das war wunderschön!

In der Pause liefen The Cure, es wurde also wieder kurz heiter.

Nachdem Amanda umgezogen zurückkam, spielte sie Coin-operated boy komplett und ohne Grund. Danach folgten zwei weitere Lieder der neuen Platte, zunächst das mich ein wenig an There is a light (was schön passte) erinnernde Drowning in sound, bei dem sie sich am Ende weit vor aufs Klavier beugte und von da beleuchtet wurde. And it never goes out. Danach Voicemail for Jill. Als sie das nächste Stück anstimmte, lachte der ganze Saal außer mir. Lass jetzt los musste ich googeln, es ist eines der Lieder aus Frozen, der wie ich gestern erfahren habe, als ich die Geschichte erzählt habe, ein ziemlich emanzipierter und queerer Film ist.

Obwohl der Frozen-Song schon ein schöner Abschluß gewesen wäre, kam Amanda zurück und spielte als Zugabe The ride. Ein noch schönerer Abschluß!

Wer einen lala-Mitsing-Abend erwartet hatte, fühlte sich vermutlich nicht wohl. Wenn wir unter guter Unterhaltung immer nur leichte Kost verstünden, würden wir nicht The Smiths, The Cure und The Organ so lieben. Wenn nur immer in traurigen Momenten jemand Coin-operated boy spielte. Aber damit muß man eh vorsichtig sein. "Das nutzt sich irgendwann ab, ruft nicht zu oft rein!" 

Setlist Amanda Palmer, Capitol, Offenbach:

01: Die Seeräuber-Jenny (Kurt Weil / Bertolt Brecht Cover)
02: Runs in the family
03: Bigger on the inside
04: Oasis
05: Part of your world (Jodi Benson Cover)
06: Machete
07: A mother's confession

08: Coin-operated boy (Dresden Dolls)
09: Drowning in the sound
10: Voicemail for Jill
11: Lass jetzt los (Willemijn Verkaik Cover)

12: The ride (Z)

Links:

-
Amanda Palmer, Somerville, 05.03.15
- Amanda Palmer, Eschwege, 08.11.13
- Amanda Palmer, Zürich, 30.10.12
- Amanda Palmer, Paris, 06.02.09
- Amanda Palmer, Paris, 23.10.08
- Amanda Palmer, Heidelberg, 14.10.08 
- The Dresden Dolls, Highfield, 15.08.08




Sonntag, 8. März 2015

Amanda Palmer, Somerville, 05.03.15

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Konzert: Amanda Palmer, Support PWA BTTM
Ort: Cuisine en locale in Somerville (MA)
Datum: 5. März 2015
Zuschauer: ausverkauft


Bericht und Bilder von Tillmann - vielen Dank!

Insgeheim hatte ich ja gehofft, dass es während meiner Zeit in Boston mit einem Konzert von Amanda Palmer klappen würde! Und siehe da...

Mitte Februar hatte Amanda Palmer angekündigt, in einem neuen, kleinen, feinen Lokal in Somerville, MA, zwei Konzerte zu spielen; ganz in der Nähe von Frau Palmers erstem Appartement, als sie noch die lebende Statue gab. Die Konzerte sollten sicherlich auch auf die recht junge Location aufmerksam machen: Cuisine en locale ist eine Mischung aus Restaurant-Catering-Dienst, welches ausgefallene Speisen (z.B. Beetza — Pizza mit Rote-Beete-Belag) anbietet und nebenbei ab und an Konzerte veranstaltet.



Wir waren zwei Stunden vor Einlass da, um auch fein essen zu können. Angenehmer Nebeneffekt: wir bekamen viel vom Soundcheck mit; dieser ließ auch auf einige Dresden Doll Songs hoffen! Um 19:00 war Einlass — und der Saal war ruckzuck voll. Für Getränke mussten wir tatsächlich fast eine halbe Stunde anstehen. 


Die Vorband PWR Bottom begann gegen 20:30 und hui hui hui — das war ein Erlebnis. Die Zwei-Mann-Kombo aus Schlagzeug und Gitarre war irre. Der Gitarrist trat in Frauenkleid, Stöckelschuhen und bemaltem Gesicht auf. Was er auf seiner Fender Jaguar spielte und dabei auch noch sang — das war sehens- und hörenswert. Der Schlagzeuger in Latzhosen (und nur in Latzhosen) erinnerte äußerlich ein bisschen an einen jungen Brian Viglione und überhaupt schienen beide sehr inspiriert vom Punk Cabaret. Die beiden harmonierten fantastisch zusammen und hatten irre viel Spaß. Es ist wirklich schwer, den Spielspaß zu beschreiben. 


Die Ansagen waren so sehr unter der Gürtellinie, dass der ganze Saal nur schwer aus dem Kichern kam. Neben uns in der ersten Reihe stand übrigens die Oma des Gitarristen, welche vor Stolz bald platzte. Höhepunkt waren Instrumententausch und Verstärkung von Bassistin Angelina, welche irgendwie entfernt an Amanda P. erinnerte. Das letzte Lied war ein Cover (kannten wir aber nicht), bei welchem der Gitarrist bereits vorab fragte, ob Stagediving okay sei — klar, antwortete das Publikum. Als Amanda Palmer das Intro ansetzen wollte, sagte sie: ‘Du kannst doch nicht gleich zu Beginn stagediven.’ ‘Sei ruhig — du bist ja berühmt. Ich hab nen Minderwertigkeitskomplex.’



Nach dieser geballten Ladung Spielfreude mussten wir sehr, sehr lange ’10 min’ warten, ehe Amanda P. zurück auf die Bühne kam. Sie begann allein mit Ukulele und Songwünschen aus dem Publikum. Ich bin kein großer Freund dieses Instrumentes und war froh, dass sie sich auf drei Lieder beschränkte und dann zum Piano wechselte. Die meiste Zeit erzählte sie zu Beginn jedoch Geschichten und stoppte mitten in den Liedern, um noch eine Story zu erzählen — ich fand das persönlich etwas nervig, aber dem Großteil des Publikums schien es gefallen zu haben. Erst als sie PWR BTTM zurück auf die Bühne holte, fiel ihr ein: ‘hey.. we should play some more music’. Und dann wurde es richtig super. 



Sie hatten nämlich zusammen einige Songs von Amandas Solo-Alben geprobt, aber vor allem auch ein paar Dresden Dolls Sachen. Es fiel den Jungs dann auch sehr schwer, als Amanda sie wieder von der Bühne schickte, um Me & the Minibar und Chandelier (im Original von Sia) feierlich vorzutragen — in Anlehnung an Alkoholismus. Es folgten noch viele weitere kleine Experimente mit Gastmusikern, doch für mich waren die letzten beiden Songs ganz klar der Höhepunkt: zunächst Dirty Business, welches PWR BTTM unbedingt aufführen wollten. Es war absolut energiegeladen und endete nahtlos in einem Klavierpart, welcher ein riesiges Intro zu Half Jack wurde. Wir saßen mittlerweile schon etwas hinter der Bühne und genossen das Lied zutiefst.


Uns gefiel der Abend um so besser, je länger er lief. Amanda Palmer verfiel in immer größere Spielfreude und wurde dabei von den Jungs von PWR BTTM prächtig unterstützt — welche für sich allein schon eine große Entdeckung des Abends waren. Es ging am Ende einfach nur noch darum, gute Musik zu machen — no bullshit, wie Amanda Palmer sagen würde und das war klasse. Natürlich profitierte das Konzert auch davon, dass Amanda Palmer in Boston lebt; die ganze Atmosphäre war angenehm familiär.

Und übrigens: von den Dresden Dolls wird es wohl demnächst wieder etwas zu hören geben! Derzeit sei Brian Viglione in den Flitterwochen, aber im Frühling könne man mit ’some new stuff’ rechnen. ‘That’s as vague as it’s gonna get.’


Setlist:
In My Mind
Do You Swear to Tell the Truth...
Oasis w/ PWR BTTM
Killing Type w/ PWR BTTM
Astronaut w/ Oliver
Ampersand
Bed Show duet with Harry

Massachusettes Ave
Me & the Minibar
Chandelier (Sia cover)

Dirty business w/PWR BTTM
Half Jack w/ PWR BTTM 


Links zu Mitschnitten aus dem Konzert



Aus unserem Archiv:
Amanda Palmer, Eschwege, 08.11.13
Amanda Palmer, Zürich, 30.10.12
Amanda Palmer
, Paris, 06.02.09
Amanda Palmer, Paris, 23.10.08

Amanda Palmer, Heidelberg, 14.10.08 
The Dresden Dolls, Highfield, 15.08.08



Mittwoch, 4. März 2015

Amanda Palmer, Heidelberg, 14.10.08

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Konzert: Amanda Palmer mit Danger Ensemble, 
    Lyndon Chester, Zoë Keating 
Support: Jason Webley und Zoë Keating
Ort:  Karlstorbahnhof Heidelberg
Datum: 14. Oktober 2008
Zuschauer: etwa 500



Ich bekenne: Amanda Palmer ist meine Heldin - ganz unumschränkte Herrscherin auf meinem persönlichen Olymp (naja, es gibt auch noch einen persönlichen Helden, aber das tut hier nichts zur Sache, zumal sich beide kürzlich künstlerisch fanden - aber das ist eine andere Geschichte.)

Daß sie bei den ganz wenigen Terminen zu ihrem erstens Soloalbum Who killed Amanda Palmer in Deutschland ausgerechnet in Heidelberg Station machte... Unglaublich... Und tatsächlich erwies sich der Abend ist so euphorisierend wie als Kind der Weihnachtsabend. 



Aber eins nach dem anderen!

Die Veranstalter hatten Beginn 21 Uhr, Einlass ab 20 Uhr verbreitet. Als wir 20:30 Uhr ankamen, spielte aber schon eine laute Band (Battle Circus aus Auckland in Neuseeland), der Saal war  gefüllt und das Publikum bester Stimmung. Mal was anderes, als ewig darauf zu warten, daß endlich die Show beginnt. Darauf, daß man auf Amanda trotzdem noch eine ganze Weile warten sollte, war ich als fleißige Blogleserin mental vorbereitet. Gespannt wartete ich darauf, den einmaligen Jason Webley life zu erleben und ich wußte auch schon aus Berichten anderer Konzerte, dass Zo
ë Keating sich nicht darauf beschränkt, Amanda zu begleiten, sondern als Support solo ihr Cello in ganz eigener Manier traktiert.

Die Band, die bei unserem Eintreffen aufspielte, war insofern nicht ganz die Klasse Band, auf die ich mich eingestellt hatte, wobei sie mich unter anderen Umständen sicher hätten auf ihre Seiten ziehen können. Gute, starke Stimmen und frisch aufgespielt, aber insgesamt mehr gegen- als miteinander. Die Abstimmung der Instrumente gab mir nicht die Chance, die Stücke wirklich zu hören. Es spricht für die freundliche Stimmung im Publikum, daß die Band trotzdem ordentlich gefeiert wurde.




Wir mußten dann auch gar nicht lang auf meinen ersten Star warten. Es wurde kurz umgebaut und dabei noch einige Mätzchen mit dem Publikum angestellt. Schon stand - freundlich angesagt und vom Publikum begrüßt  auf Amandas "Gedenkfeier" - Jason Webley mit seinem Akkordeon auf der Bühne und nutzte seine halbe Stunde um mit dem Publikum ordentlich abzufeiern.  Gemeinsam wurde gesungen und geschunkelt (getreu dem Motto Dance While the Sky Crashes Down) und wer noch nicht benommen genug vom Alkohol war, bekam als Kur zwölf Drehungen um die eigene Achse verordnet... Eine andere Rezensentin fand den passenden kurzen Satz Cabaret around a gypsy campfire might describe him adequately... Wir sangen zusammen das Trinklied

When the glass is full,
Drink up! Drink up!
This maybe the last time
We see this cup.
If God wanted us sober,
He'd knock the glass over,
So while it is full we drink up!

Jadade, jadada.......

A toast to Mary,
A girl I once loved,
Oh Lord, why do things have to die?
If drinking beer,
Could bring her back here,
I'd drink the damn place dry,
Yes, I'd drink the damn place dry!


Danach wurde es mit Zo
ë Keating eher ruhig und abgespact. Mit ihrem elektronisch verstärkten und abgenommenen Cello baute sie verschiedene Loops zusammen und wieder auseinander und alle lauschten ganz andächtig und klatschten hinterher als wären sie traurig, daß es schon vorbei sein sollte, dabei war doch abzusehen, daß nun der Höhepunkt kommen würde. Doch zunächst erschienen zu elektronisch verstärkter Geige und Cello die vier Gestalten des Danger Ensembles auf der Bühne. Ich kann es sicher nicht angemessen in Worte fassen aber youtube gibt jedem die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von Amandas "Auferstehung" zu machen. Was für ein Auftakt!



Es folgte Amanda in gewohnt radikal expressiver Weise (trotz Gipsfuß aufgrund einer kleinen rechts-links-Schwäche im Straßenverkehr in Irland) an ihrem Keyboard, begleitet meist von Geige und Cello mit den Songs ihrer Soloplatte, einigen Dresden Dolls Liedern und Covern. Unvergeßlich dabei insbesondere Guitar Hero wegen der unglaublichen performance, Coin operated boy mit den Burschen als Kiss for Cash im Publikum, ein todtrauriges Blake Says (It's still Cold in Alaska...) und ebenso nachdenklich Strength through music wo eine Liste der Toten des Shootings an der Virginia High verlesen wurde. Diese Lieder werde ich wohl nicht mehr ohne die eindringlichen Bilder des Danger Ensembles vor meinem inneren Auge hören können.
 

Unbeschwert heiter, fast albern, wurde es u.a. bei Rihannas Umbrella-Song und mein privater Höhepunkt war eine absolut souverän und auf den Punkt stimmig präsentierte Seeräuber Jenny. Abgerundet wurde der Spaß durch eine Fragestunde: Amanda beantwortete Fragen, die zuvor am Merchandisestand in ein Urne eingeworfen werden konnten.



Es wurde um Zugaben gekämpft und sie wurden Runde um Runde gewährt und glücklich mitgesungen zu Bon Jovis Living on a prayer und schließlich eine Ukulele-Premiere: Radioheads Creep als dritte und allerallerletzte Zugabenrunde.

Setlist:
01: Astronaut
02: Ampersand
03: Blake Says
04: Bad Habit
05: Mrs O
06: Strength Through Music
07: Guitar Hero
08: Seeräuber-Jenny (Dreigroschenoper)
09: Coin-Operated Boy
10: Have to drive
11: Zwischenspiel
12: Half Jack
13: Umbrella (Rihanna - Cover

14: Ein Stuhl in der Hölle (Einstürzende Neubauten) Z
15: Livin' on a Prayer (Bon Jovi) Z

16: Another Year Z
17: Girl Anachronism Z

18: Creep (Radiohead) Z

(Alle links führen zu Konzertmitschnitten des Abends in Heidelberg) 

Im Anschluß gab es noch Autogramme und Fotos mit Fan-Stunde. Amanda sah ein bißchen abgekämpft aus, sagte aber später in ihrem Blog: Everybody is in a generally blessed-out mood because our show in Heidelberg was magic... the best one of the tour. Beat London. We were high.


Das Mysterium, warum es eigentlich einen Heidelbergstop gab, klärte sich auch noch wie folgt (ich zitiere aus ihrem Blog, aber sie sprach darüber auch während des Konzerts):


   I briefly lived in Heidelberg when I was 22. I'd just graduated from college and had been offered a scholarship to Heidelberg University. I didn't want to go to school really, but they were offering me free money. And I was not ready to get a job. And I sort of loved germany. I decided to accept it and go. I spent the summer in Harvard Square, street performing. I fell in love with Jonah.  That was not handy. I left him in September and installed myself at a little student dorm in Heidelberg, waiting for classes to start. About 5 days after my arrival, I decided I'd made a huge mistake. I didn't want to go to grad school. I didn't want to live in Heidelberg. I wanted to go home, continue being in love, start my life as a musician. I wondered if I was just afraid, or menstrual, or blinded by naïve feelings. And I was firmly entrenched in a new plan. The people who had given me my scholorship had gone out of their way to hook me up with an apartment, money, insurance, a bank account... 

   I sat at Café Journal for several hours a day, scribbling in my blank black book, trying to decide what to do. I tried to tune into my gut. My gut changed it's mind every few hours. I hated my own guts. I finally just took the plunge. I took a deep breath and I left, having only lived there for about three weeks. I am glad.

Und wie froh wir erst sind, daß Du uns in Heidelberg so einen Abend geschenkt hast!



Weiterführende links zur Minitour 2008

Bericht aus Heidelberg
Fotos aus Heidelberg

Fotos aus Berlin
Fotos aus Dublin


Montag, 11. November 2013

Amanda Palmer, Eschwege, 08.11.13

2 Kommentare

Konzert: Amanda Palmer and the Grand Theft Orchestra mit Support Gillian Grassie
Ort: Eschwege-Oberhone
Datum: 8. November 2013
Dauer: 30min + 45 min
Zuschauer: 70

 
Click for English version below
 
Das war eine lange Geschichte. Mit einem wunderschönen Ende. Ein Abend, der mir lange aus dem Herzen leuchten wird. Vielen Dank an Strahli, Mathias und alle anderen Gäste und natürlich an Amanda und ihre Jungs!



Während der Kickstarter Kampagne für das Rockalbum von Amanda Palmer im Mai 2012 gab es die Option, Hausparties zu buchen. Das meint privat organisierte Parties, an denen Amanda teilnehmen und wo sie musizieren würde - das Datum so abgesprochen, dass es in die Tourpläne passt. Der Ablauf der jeweiligen Abende je nach Lust, Möglichkeiten und Laune recht frei gestaltet. Insgesamt 34 solche Abende wurden gebucht für Orte in fast allen Teilen der Welt. Schon während die Kampagne noch lief, gab es Anzeichen dafür, dass eine Gruppe sich daran versuchen würde, das Geld und die Leute aufzutreiben für eine Party in Eschwege. Ich behielt das immer im Auge, aber ohne Termin war es mir zu unsicher. Mit der Absage der europäischen Tourdaten im März 2013 rückte ohnehin alles in nicht näher spezifizierte Ferne. 


Aber dann kam am 1. Mai endlich die Nachricht über Twitter, dass es am 8. November klappen würde und ich sagte sofort zu, dabei sein zu wollen, markierte mir den Termin rot im Kalender und war seitdem zappelig. Es gab immer mal wieder Pläne und Neuigkeiten. Es formierten sich Fahr- und Wohngemeinschaften. Essen und Trinken wurde abgesprochen.


Zwischendurch gab es immer wieder Berichte und Fotos von anderen Houseparties, die meine Vorfreude am köcheln hielten. Andererseits ist die Situation, sich mit wildfremden Leuten mitten in der Pampa zu verabreden auch ein bisschen Furcht einflößend. Es könnte auch schrecklich enttäuschend werden und dann kommt man da ja auch nicht so einfach wieder weg...


Die Spitze der Furcht wurde im Vorfeld für mich dadurch abgebrochen, dass wir uns zu viert verabredet hatten, eine Ferienwohnung zu teilen. Auch wenn wir uns vorher nicht kannten, waren wir uns schon sympatisch und es war eine schöne Vorstellung, dass ich wußte, wenn ich ankomme warten drei nette Leute auf mich.



Tatsächlich war es genau so, ein bisschen wie nach Hause kommen. Und ab da war die Vorfreude endlich perfekt. Wir kamen zu viert in der Scheune am Ende der Welt an, wo schon fast alle versammelt waren. Der Tourbus stand im Hof und es lag eine gespannte Erwartung in der Luft. Dadurch, dass der Termin zwischen Shows in Krakow und Mailand lag (dorthin würden sie in der Nacht weiterfahren), war die ganze Band für den Abend angesagt und wir waren uns einig, dass wir das grandios fanden. Außerdem hatten wir zwar einen ziemlich verregneten Tag erwischt, aber die Temperaturen waren für November eher mollig. Da die Scheune nicht für Feiern bei winterlichen Temperaturen gemacht ist, waren wir darüber doch sehr erleichtert. Handschuhe und Extra-Wollsocken konnten in der Tasche bleiben.


Gegen 20:20 Uhr war es dann so weit, Amanda und ihre Jungs kamen zur Party, die mit einem Set von Gillian Grassie begann. Sie hatte für die Gelegenheit eine Harfe mitgebracht (auf CD ist die Musik sehr aufwendig arrangiert). Alle versammelten sich ihr zu Füßen und genossen die etwas spröde aber dabei auch innige Musik. Bei dem Jefferson Airplane Cover White Rabbit füllte für eine lange Ewigkeit ihre Stimme den ganzen - riesigen - Raum mit solcher Kraft, dass ich mit Gänsehaut erstarrte und mich fragte, ob das vielleicht schon der schönste Moment des Abends gewesen sei. Einfach wahnsinnig ergreifend und beeindruckend!



Nach dem etwa 30 minütigen Set gab es Massagen von David Franklin ... und Gespräche, Essen und Getränke. 



Sehr interessant war der Moment, als die Band langsam anfing, das Set vorzubereiten und die Anlage gerade noch mit dem Sail away von Enyas Orinoco Flow musikalische Unterhaltung bot, was erst Amanda am Piano aufnahm und schließlich das ganze Publikum begeistert mitsang. Wäre ein supergeiles Intro gewesen, aber es ging dann leider doch nicht so schnell los. 


Das eigentliche Set begann etwa 22:45 Uhr und lieferte für mich ausschließlich Highlights und heißgeliebte Stücke. Natürlich ging die Meute ab und sang begeistert mit. Für Astronaut und Good day durfte die Gastgeberin sich einen Wunsch erfüllen und nahm den Platz am Schlagzeug ein. Und war super! Ich hätte es ja schon aus Aufregung versemmelt, aber sie war super cool und souverän. 


Die Party ging weiter mit einer kleinen Pause und dann Gute-Laune-Mitgröhl-Liedern der Band und der Partygäste wie Billy Jean (Chad Raines zum hinschmeißen komisch), Be my baby now, Come together, Wild thing, 7 Nation army, Eisgekühlter Bommerlunder usw. Meine persönlichen Lieblinge darunter eindeutige Eisbär und 99 Luftballons. Und unnachahmlich cool Jherek Bischoff am Bass. Gegen 0:30 Uhr wurden die Massen ein bisschen müde und es gab noch Gelegenheit für Gespräche mit Amanda am Rande der allgemeinen Verbrüderung bis kurz nach 1 Uhr.





So etwas ist wohl eher eine einmaliges Erlebnis und diese Wolke des Glücks aller anwesenden war fast körperlich spürbar den ganzen Abend greifbar da. Alle rieben sich sozusagen permanent die Augen, ob es nun wirklich wahr geworden war und ich bin sehr froh, dass ich der Pampa eine Chance gegeben habe.


Setlist
1: Killing type
2: Walk on the wild side (Lou Reed cover)
3: Want it back
4: Astronaut
5: Good day (Dresden Dolls)
6: Map of Tasmania
7: Blister in the sun (Violent Femmes cover)
8: Polly (Nirvana cover)
9: Should I stay or should I go (The Clash cover)


Aus unserem Archiv:
Amanda Palmer & GTO, 30. 10. 2012 
Amanda Palmer, Paris, 06. 02. 2009
Amanda Palmer, Paris, 23. 10. 2008
Dresden Dolls, Hohenfelden, 23. 08. 2008 



Andreas Beste made the following Video of Pictures:


English version:

This has been a loooong story. With a lovley ending. An evening that will gleam from deep inside my heart for a long while. Many, many thanks to Strahli, Mathias and all the other guests - and to Amanda and her boys.

The Kickstarter Campaign for Amanda Palmer's Rockalbum in May 2012 offered the possibility to book so-called house parties. These are mostly privately organized parties, where Amanda promised to take part and to play some music. The date had to be organized in a way to fit into her schedule. Each of the evenings would be filled with whatever came to the mind of the organizers. 34 of thoses parties were booked for places scattered all over the world.

Already during the campaign there were signs, that there is a group of people in Germany trying to find the money and collect people to organize an Amanda house party in Eschwege (near Kassel). I tried to keep in the loop, but without having a precise date it was only a vague possibility. And then the cancellation of the European leg of the tour for March 2013 postponed everything to a nonspecific future.

But then, on May first, there were great news on Twitter: November 8th 2013 would be the date. Of course, I immediately ordered my ticket, marked the day red and started to feel fidgety for the next months. Some plans formed, news trickled in. There evolved travel groups and people agreed to share flats. Drinks and food were discussed and responsibilities distributed.

Meanwhile there were reports and pictures of other house parties which kept my anticipation up and going. On the other hand, it really was a bit scary to make an appointment with people I did not know at all in the middle of nowhere. It could be disappointing and I would not have any opportunity to leave that place on my own...

The tip of my fears was slightly chamfered by the appointment to share an appartment for the night of the party with three others. We did not know each other personally but we had grown a bound in organizing our stay. The day before we got messages from the first two which had already arrived and it was a really nice idea to be expected by three nice people when arriving there after my long travel.

Indeed, it felt like coming home and my fears had vanished that moment completely. Later that evening we arrived together at the barn at the end of the world, were the crowd was already almost complete. The tourbus was  parked in the farmyard and a feeling of high expectations was  palpable physically. Since the date was fixed inbetween the stay of the band in Krakov and the show in Milano the next evening (so they would leave our barn in the night to make the 1000 km to Milano) we had the pleasure to meet the full band in addition to Amanda. We agreed that that was just amazing. The day had been rainy but we were lucky (and very aware of that) to have comparably high temperatures for November since the barn was not built for parties in wintery weather. We could leave woolen gloves and extra socks in our bags.

Around 20:20 o'clock the musicians entered our party, which started properly with a set of music by Gillian Grassie. She had brought her harp (on CD the music is richly arranged). Everybody sat down at her feet and enjoyed the partly brittle partly very warm and intimate music. With the Jefferson Airplane cover White Rabbit her voice filled the huge space forever with a power that gave me goosebumps. I asked myself if maybe this was already the best moment of the evening. It was poignant and awesome.

After that half hour we were offered massages by David Franklin... we talked, enjoyed the food and a drink. When the band started to prepare the instruments an interesting moment evolved from the Sail away (from Enya's Orinoco Flow) , which was the tune of the music system in that moment. Amanda playfully took it to the keyboard and only seconds later everybody joined in singing it. This would have been the world best Intro to a live set imaginable, but unfortunately things stopped there and took some more time to make everything work fine. The Set of Amanda and the GTO started around 22:45 and consisted of hits and beloved songs. Of course, everybody joined in enthusiastically. We sang from the bottom of our hearts and our host had the privilege to join Amanda in Astronat and Good day at the drumset. It was absolutely professional and I was in awe that she was cool enough to deliver in that moment since I in her position would have dropped the ball for sure.

The party continued with a short break and a session of number one hits of all musical periods such as Billy Jean (Chad Rains was super funny), Be my baby now, Come together, Wild thing, 7 Nation army, Eisgekühlter Bommerlunder etc. My personal highlights among them Eisbär and 99 Luftballons. Jherek Bischoff was super cool at the base. Around 0:30 people started to get a bit tired. There was still time for some minutes of talk with Amanda and heartfelt good byes all around until shortly after 1:00.

Such an evening is probably a once in a lifetime experience and the happy cloud on which everybody was celebrating was touchable. Everybody was filled with wonder to the brim: it really was happening! I am really happy to have given the middle of nowhere a chance giving me the night of my life.


 



Dienstag, 2. Juli 2013

Konzertankündigung Amanda Palmer

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Amanda Palmer und ihr Grand Theft Orchestra machen sich wieder auf die Socken.



Nachdem Amanda Palmer im letzten Jahr ihr aktuelles Album Theater is Evil veröffentlicht hatte, war sie damit im Sommer und Herbst 2012 auf bunter Tour mit speziellen Konzerten für Unterstützer ihrer Crowdfunding-Aktion, einer Wanderausstellung und schließlich einigen "normalen" Gigs. Allerdings waren schon weit zahlreichere Konzerte für das Frühjahr und den Sommer 2013 angekündigt. 

Leider kam dann am Nikolaustag die Absage der Tour: "so, you may have seen this coming if you’ve been following the blog. i’m canceling the upcoming year of touring so that i can stay with my friend anthony while he faces cancer treatment and whatever else is about to happen."

Sie hat die Tourpause für vieles mehr genutzt. Zu Silvester spielten sie ein ganzes Prince-Album, es gab einige Auftritte - auch zusammen mit Neil Gaiman - und einen vielbeachteten TED-Beitrag (3,7 Mio Aufrufe in vier Monaten):




Nun geht die Wartezeit aber zu Ende und die abgesagten Konzerte werden nachgeholt. Deutschland ist zwar erst im Herbst dran, aber schon in den nächsten Tagen wird die bunte Truppe Venues im Einzugsgebiet des Konzerttagebuchs rocken. Ihr solltet Euch das in keinem Fall entgehen lassen!

Außerdem gibt es noch einige wenige Plätze für die Hausparty mit Amanda in Eschwege im November (Kontakt: afp.eschwege@gmx.de). Ich werde dort sein und bin schon gespannt wie ein Flitzebogen und hab gleichzeitig ganz weiche Knie, wenn ich daran denke.
 
Tourdaten im Sommer und Herbst:

04.07. Graz - PPC
05.07. Wien - Arena Wien Open Air
07.07. Utrecht - Tivoli
08.07. Luxembourg - Rockhal
09.07. Paris - Le Cigale


Reklame von Amanda selbst

29.10. Hamburg - Grünspan
31.10. Copenhagen - Pumpehuset
01.11. Köln - Gloria   
02.11. Brussels - Botanique / Orangerie
04.11. Berlin - Kesselhaus
12.11. München - Ampere    


Aus unserem Archiv:

Amanda Palmer, Zürich am 30.10. 12 Fotos von Melanie
Amanda Palmer, Paris am 06.02. 09 Fotos von Oliver
Amanda Palmer, Paris am 23.10. 08 Fotos von Oliver



Donnerstag, 1. November 2012

Amanda Palmer, Zürich, 30.10.12

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Konzert: Amanda Palmer and the Grand Theft Orchestra
Ort: Abart in Zürich 
Datum: 30.10.2012
Zuschauer: ausverkauft, ca. 500
Dauer: 100min

Wie könnte ich meine Pulsadern aufschneiden wenn ich nicht aufhören kann zu tanzen?
 

So beginnt die Platte zum Konzert und so ist das mit Frau Palmer: voll auf die zwölf, unter dem macht sie es nicht: Tanzen zum überleben, Musik als Netz, das uns im Leben hält und uns als menschliche Wesen verbindet. Dafür bewundere ich sie seit langem, bin immer neu fasziniert, angesteckt, aufgeschreckt, begeistert und befinde mich mit ihren Ansichten und ihrer Person im Dialog. Und das obwohl ich sicher nicht verdächtig bin "so eine" zu sein - also so laut, anarchistisch, theatralisch, und in dickköpfiger Punk Attitüde.

Amanda Palmer ist für mich zu einer Gefährtin geworden, die mir näher steht als sich nachvollziehbar begründen läßt. Begonnen hat alles mit der Musik der Dresden Dolls, die ich auch heute noch (nach 10 Jahren)  einfach nur göttlich finde. Der Umbruch durch Web 2.0 war für mich zu großen Teilen ein Übergang zu mehr Interaktionsmöglichkeiten und Ausprobiererei um mit dieser Band in Kontakt zu sein (daneben gab und gibt es nur noch zwei andere Projekte, die ich ähnlich intensiv verfolgte). Und in dieser Zeit sind wir durch so viele Diskussionen und sozusagen durch dick und dünn gegangen, dass ich die Musik natürlich nach wie vor wichtig finde, aber inzwischen die Person dahinter eigentlich noch viel interessanter für mich ist. Ich stelle jedem Leser hier frei, das für total bescheuert oder übertrieben (oder meinethalben naiv) zu halten. Zum Glück erlaubt das Konzerttagebuch ja total subjektiv gefärbte Berichte.

Für eine derartig enge Bindung erscheint meine Liveerfahrung mit ihr merkwürdig dünn - bisher hatte ich nur im Sommer 2006 (zu Drummer Brian Vigliones Geburtstag) und im Herbst 2008 Gelegenheiten ergriffen. Aber diese beiden Konzerte waren jedes in seiner Art grandios. Mit den Dresden Dolls hatten wir sie ganz kurz entschlossen im Spiegelzelt in Hamburg gesehen (damals waren wir in Paderborn zu Haus) und es war wirklich der absolute ekstatische Wahnsinn. Im Herbst 2008 kam sie mit ihrem Soloprojekt ''Who killed Amanda Palmer?'' nach Heidelberg in den Karlstorbahnhof. Da wir zu der Zeit in Heidelberg wohnten, war das wie ein Gottesgeschenk (zumal sie in dieser ersten Testtour nur 4 Konzerte in Deutschland spielte), das man natürlich nicht ausschlagen kann. Das Konzert war auf mehreren Ebenen Augen öffnend und absolut einmalig (sie selbst nannte es hinterher magisch). In meinem inneren Kino laufen dazu immer noch mehrere emotionale Filme ab und berühren mich aufs Neue tief. Das Prinzip der Rockkonzerts wurde aufgebrochen und erweitert und geblieben ist mir davon auch noch die Musik von Zoe Keating und Jason Webley (beide auch als interessante Personen und Gefährten). Als Indiz dafür, wie eindrücklich der ganze Abend war, möchte ich hier anführen, dass mir erst beim erneuten sichten des alten Berichtes (*) wieder einfiel, dass sie das Konzert an Krücken gespielt hat. Normalerweise wäre doch so ein Detail dominant genug, um in Erinnerung zu bleiben...

Nun ist seit 2008 ganz schön vieles und interessantes passiert um Amanda Palmers Musik und ihre Person. Ich nehme mir die Freiheit, das hier auszulassen. Wichtig für den Bericht ist, dass Amanda Palmer 2012 als Rockband im Stil der 80er als ''The Grand Theft Orchestra'' auftritt unterstützt durch Michael McQuilken am Schlagzeug, Jherek Bischoff am Bass, Chad Raines an der Gitarre und weiteren Helfern im Hintergrund. Die Tour zum aktuellen Album ''Theatre is evil'' ist eingebettet in einen Rahmen von zum Album in Auftrag gegebener Kunst, die an verschiedenen Orten ausgestellt wurde, einer Reihe von Hauskonzerten und intimen Konzerten mit überraschendem und einzigartigem Linup und Ablauf. Mir blutete wirklich das Herz, als es mein Zeitplan einfach nicht zuließ, im Juni in Berlin daran teilzuhaben.

Als schließlich der Vorverkauf zu den Herbstkonzerten in Europa begann, war ich gerade in Prag. Trotzdem musste ich mich ganz fix entscheiden, wo ich sie sehen wollte (dass ich sie sehen wollte, war keine Frage). In die engere Wahl kamen Berlin, Zürich und Köln. Vielleicht auch noch Paris oder Prag. Es wurde Zürich, weil ich hoffte, dass das kleine Venue sich besonders lohnt und dass es mir Gelegenheit gibt, mal wieder in das schöne Zürich zu fahren. Außerdem hatte ich so eine vage Hoffnung, dass es in Zürich vielleicht nicht so voll wird (es war auch das einzige Konzert, wo es dann noch Karten an der Abendkasse gab). Hinterher stellte sich heraus, dass Köln vom Zeitpunkt her doch die einfachere Wahl gewesen wäre (**), denn es war total kompliziert, den Mittwoch nach dem Züricher Konzert frei zu räumen (naja, zur Not kann man auch 6:00 Uhr einen durchgehenden ICE von Zürich nach Karlsruhe nehmen und ist fast pünktlich 9:00 Uhr im Büro). Was in der Zwischenzeit leider auch klar wurde - wegen der aktuellen Musik musste ich das Konzert nicht so unbedingt sehen. Mit der neuen Platte bin ich auch nach 3 Monaten noch nicht so recht warm geworden bis auf ein oder zwei Stücke. Aber man kann ja hoffen, dass sich das live ganz anders anfühlt. Und ich denke, dass aus den einführenden Zeilen auch klar geworden ist: ich musste schon deshalb zum Konzert, weil ich mit eigenen Augen sehen musste, wie es Amanda geht.

Eine angenehme Facette daran, Fan von Amanda zu sein ist, dass es einfach ist, andere Amanda-Anhänger zu erreichen. Schon seit Urzeiten gibt es ein Forum über das alles mögliche organisierbar ist und passend zur Tour gibt es nun auch eine App, auf der sich viele Dinge erledigen lassen rund um Amandas Musik und die Konzerte. Eine eigene Community sozusagen. Darüber hatte ich eine Couch in Zürich gefunden, die mir (und meinem Schatz) ein Züricher Konzertbesucher für die Nacht anbot. Weiterer Vorteil (außer dass Gastfreundschaft einfach immer großartig ist) war, dass ich damit auch alle möglichen Infos frei Haus bekam, die ich mir sonst mühsam hätte zusammensuchen müssen. z.B. welche Straßenbahn ich nehmen kann und ob sich ein Tagesticket lohnt (und wie das heißt) und wie man dann nach dem Konzert noch heimkommt (***).

Schließlich war es soweit und ich saß nach zwei ziemlich verrückten Tagen voller Diskussionen und schwelendem Streit im Job im Zug nach Zürich. In dem Moment hatte ich doch gewisse Zweifel, ob es so eine gute Idee war. Ich war eigentlich ziemlich fertig, eine extrem kurze Nacht war vorprogrammiert, ich würde einen wildfremden behelligen und das wegen Musik, die mir nicht mal so richtig gefällt. Es war auch schon klar, dass es mir in jedem Fall viel zu laut sein würde (das finde ich nach wie vor echt belastend). Mein Schatz hatte aus diesem Grund einen Rückzieher gemacht und ließ mich allein losziehen - damit war auch der Hintergedanke passé ihm bei dieser Gelegenheit mal das schöne Zürich zu zeigen (ich war schon mehrfach dienstlich dort und im Januar zu einem nordischen Konzertabend - er noch nie). Und wie es dann so ist, wenn man einmal dabei ist, den Kopf hängen zu lassen: im Bahnhof von Emmendingen hatte unser ICE einen unplanmäßigen Halt. Schnell stellte es sich heraus, dass wir wegen Personenschadens zwischen Emmendingen und Denzlingen hier wohl wenigsten 90 min verbringen würden, evt. auch länger. Innerlich brach in hysterisches Lachen aus. Ich dumme Nudel hatte mir einen Tag Urlaub genommen und ordentlich Fahrgeld investiert, um vielleicht noch die Zugaben zu sehen... Naja, Dummheit gehört halt bestraft!

Andererseits wurde ich in dem Moment auch seltsam ruhig. Wenn es bei nicht mehr als 130 min Aufenthalt blieb, würde ich wohl Amandas Auftritt noch sehen und nur die Möglichkeit verpassen, mich weit vorn zu platzieren. Dem Set des Supportes trauerte ich nicht wirklich hinterher. Diese innere Rechnung im Kopf überließ ich mich für  insgesamt etwas mehr als 2 Stunden dem wittertainment von Simon Mayo und Mark Kermode von der BBC und brachte etwas Abstand zwischen den Ärger und mich. Schließlich ging es mit 135 min Verspätung weiter und es war etwas spannend, ob ich den einen Anschluß in Basel bekommen würde, der mich wohl gerade noch rechtzeitig ins Züricher Abart bringen würde. Aber tatsächlich klappte es ab da alles wie am Schnürchen. Der Anschluss klappte auf 5 Min, in Zürich fand ich den Ticketautomaten wo ich ihn in Erinnerung hatte und die Strassenbahn fuhr nach Plan. So war ich tatsächlich 21:25 Uhr im Abart. Dort war Jherek Bischoff gerade noch in den letzten Zügen und gab eine Zugabe während ich mein Ticket einlöste.

Das war also noch einmal gut gegangen. Drin war es dann allerdings unglaublich gerammelt voll.
Leider nutzten auch nur wenige die Umbaupause dazu, draußen eine zu rauchen. Es wurde sehr sehr schwierig, so weit vorzurücken, dass ich irgendetwas auf der Bühne sehen konnte. Ich erlebte das Publikum als ziemlich ungehobelt. Keiner machte Platz, dafür wurde ich regelrecht rumgeschubst wenn ich mit meinem Rucksack zwischen den Beinen nicht sofort sprang wenn jemand sich rücksichtslos vorbeischob. Man sieht aber an den Fotos, dass ich schließlich eine annehmbare Position fand. Blöd war auch, dass schon die Pausenmusikberieselung so unglaublich laut war, dass ich die Ohrstöpsel brauchte und dass tatsächlich 30 min auf der Bühne nix geschah (nachdem der Umbau fertig war) - das Publikum wurde schon unruhig.

Aber als es gegen 22:10 Uhr endlich losging musste ich doch selig lächeln, denn während sich auf der dunklen Bühne die Band eingeschlichen hatte, war Amanda von hinten in den Saal gekommen im hellen Kimono und begann das Set mit Ukulele und einem vielstrophigen deutschen Volkslied! Das gab ordentliches Gejohle und viele Sympathiepunkte. Aber gleich im Anschluss musste ich blitzartig meinen Ohrschutz an den Start bringen, denn es gab ein rockiges Intro und Lichtshow und ab da erst einmal zwei Reißer vom neuen Album. Die Rockerattitüde wurde ordentlich zelebriert aber dann auch wieder gebrochen. Z.B. weil sich das Publikum ''Eisbär'' wünschte (was nun einmal kein Rocksong ist) oder weil das Keyboard ausstieg und man schnell improvisieren musste und das Keyboard wechseln (das ist wohl auch in Berlin passiert) und bei einem ganz alten Lied ''Missed me'' wo pro Strophe die Instrumente gewechselt wurden
(vielleicht mein persönlicher Höhepunkt an dem Abend zusammen mit der Fassung von ''Astronaut''). Amanda sagte, dass dies das kleinste Venue der Tour sei und sie ja quasi auf das Publikum schwitzen würden (bis auf Jherek Bischoff, der in seinem Smoking nie schwitzt). 
 
Nach einer Weile schickte Amanda ihre Jungs in eine Pause an die Bar und nahm Wünsche für einen Soloteil an. Da ist die Frau in ihrem Element und lässt sozusagen das Publikum aus der Hand fressen. Und für diese Teile hat sich auf alle Fälle auch die Anfahrt gelohnt.

Nach etwa einer Stunde gab ich dann etwas entnervt auf, weil ich das geschubse leid war und suchte mir einen ruhigen Fleck in der hintersten Ecke. Das Publikum schien aber sonst mehr als zufrieden, denn es wurde Song um Song frenetisch abgefeiert und schließlich Zugaben herbeigeklatscht. Als letzte Zugabe gab es schließlich das Radiohead-cover ''Creep'' (was auch in Heidelberg der Rausschmeisser war, da hatte sie die Ukulele gerade für sich entdeckt) und alle sangen lauthals mit - was für ein gelungener Abschluss des Abends! 

Amanda versprach, später noch Zeit zu haben und auch ihre Jungs würden noch an die Bar kommen. Es dauerte dann auch nur etwa 15 min bis sie das Versprechen wahr machte und mich damit beeindruckte, wie sie mit jedem, der auf sie gewartet hatte, aufrichtig und interessiert sprach, Witze machte, Leute drückte, sich an vergangene gemeinsame Treffen erinnerte und Fragen beantwortete. So fragte z.B. jemand danach, wie sie es geschafft hatte, die Show in London zu spielen nachdem sie erfahren hatte, dass eine enge (noch sehr junge) Freundin ganz überraschend im Schlaf verstorben war.

In aller Ernsthaftigkeit, die man sich wünschen kann, wurde diese Frage von ihr beantwortet. Ich saß die ganze Zeit etwa 1,5 m entfernt auf einer Bank und habe mir das in aller Ruhe und auch mit stillem Glücksgefühl angesehen und angehört. Ich denke, es geht ihr gut. Und das macht mich froh. Und in der Summe hat sich der Abend in Zürich dann doch mehr als gelohnt. Wo uns die Reise noch hinführen wird, Amanda?


Bemerkungen: Das Album gibt es als freien Download (pay what you want) oder mit Bonus-Coverversionen für mindestens 1 USD (weil dann auch noch Tantiemen an die Bands zu zahlen sind, deren Lieder gecovert werden)


Weitere Bild- und Tondokumente zum Abend im Abart:
Fotos  hier von Melanie Schmidt und hier von Moritz Bichler
Zwei Videos (ebenfalls von Melanie) zu Eisbär und  Coin operated boy

und ein schönes Video vom Eingang mit Ukulele   (zusammen mit dem Übergang zur Rockshow)


Und was habe ich in Paris bzw. Köln verpasst?
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(*) der alte Bericht zum nachlesen
(**) und ich hätte die Karte meiner besseren Hälfte, die dann doch gekniffen hat an Christoph weitergeben können...
(***) ich hatte vorher über Couchsurfing gesucht, aber dort findet man einfach keine gut sortierten Ergebnisse, die sichern, dass man im Stadtgebiet von Zürich ist und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ankommen kann und der allerallerbilligste Schlafplatz im Hostel im Schlafsaal ist auch etwa 40 CHF pro Person



 

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