Sonntag, 22. Juni 2014

Amatorski, Hilvarenbeek, 21.06.14

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Konzert: Amatorski
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 21.06.2014 (12.15 h)
Dauer: 37 min
Zuschauer: vielleicht 500




Belgien galt und gilt (die Mannschaft spielt gerade) so vielen Experten bei der WM als Geheimfavorit, daß die Wettmacher-Quoten auf eine Turniersieg der Mannschaft vermutlich winzig sind. Wenn ich davon schwärme, daß eine der besten Bands, die ich kenne, aus Belgien kommt, ernte ich regelmäßig ungläubige Blicke. Fußball traut man unseren Nachbarn zu, Indie-Musik nicht unbedingt. 


Daß Amatorski während der WM bei einem Festival mit dem Namen "Best Kept Secret" auftraten, passte da wunderbar ins Bild.


Ich habe die Gruppe aus Gent bisher leider erst zweimal gesehen, beide Konzerte waren wundervoll. Weil die Band aus Gent für mich so schwer erreichbar ist, war es keine Frage, daß mein Festival-Tag extrem früh anfangen würde. Amatorski waren um 12.15 Uhr auf der Zeltbühne angesetzt. Die Festivalorganisatoren machen dies offenbar bewußt, lassen also dafür zu bekannte Bands gleich am Tagesanfang spielen, um die Leute vom Campingplatz aufs Gelände zu bekommen, wusste ein Freund.


Als Amatorski auf die Bühne kamen, war das Zelt noch ziemlich leer, es füllte sich aber flott, sodaß es von oben vermutlich nicht allzu peinlich aussah. Die Band trat nur zu dritt auf, mit Sängerin Inne Eysermans, Gitarrist Sebastiaan Van Den Branden und Schlagzeuger Christophe Claeys. Bassist Hilke Ros fehlte. Ich weiß nicht, ob Amatorski nur noch ein Trio sind oder ob Hilke nur heute abwesend war.


Die Band mit dem polnischen Namen hat im April ihre zweite Platte From clay to figures veröffentlicht. Das Album besteht wie der herausragende Vorgänger tbc aus einer Mischung aus wundervollen Popsongs, verhutschelten Klavier-Stücken und kleinen Instrumental-Liedern. Es gehört nicht viel Expertentum dazu, den Belgiern enormes Talent zu attestieren, ins solch jungem Alter schon zwei solch fantastische Platten geschrieben zu haben (und EPs, einen Soundtrack).

Eines der ruhigen Klavier-Lieder stand ganz am Anfang, U-Turn von From clay to figures. Wie viele der Amatorski-Lieder war vor allem das Schlagzeug dabei sehr dezent und zurückgenommen, im Vordergrund standen Innes Stimme und ihr Klavierspiel.

Wild birds dagegen ist eines der Lieder mit Junge/Mädchen-Gesang, ein wundervolles Duett, ein großer Popsong, der im Radio liefe, wenn das Radio Wert auf gute Musik legte. Danach kam etwas Besonderes: auf der ersten Platte gibt es das Stück Cheapest soundtrack, das einen Hidden track enthält (der offenbar Anthem heißt). Auf tbc ist Anthem herrlich verhutschelt, mit hingehauchtem Gesang erinnert es an Julee Cruises Falling. Die Liveversion war deutlich überarbeitet und hörte sich fast wie ein neuer Titel an.

Warszawa (auch vom neuen Album) spielen Amatorski schon lange. Auch der Song wird einmal auf einem Best-of erscheinen, es ist einer der Hits der Band. Danach - und auch das ist typisch - baute Inne ein kurzes Instrumental-Lied (Boy/girl) ins Festival-Set ein. Nach Fragment kamen die ersten (und neben dem überarbeiteten Anthem einzigen) Lieder von meinem heißgeliebten tbc, zunächst Never told, das ebenfalls ganz anders als auf Platte klang (der Anfang ist neu!) und das wundervolle Peaceful mit einem irre schönen langen Instrumental-Ende. Beide Stücke sind echte Perlen!

Den Abschluß bildete Hudson, das vielleicht popigste Lied der neuen Platte und ein wunderschöner Abschluß der kurzen Matinée.


Ja, dafür lohnte es sich definitiv, früh anzureisen! Amatorski sind ohne Zweifel eine der spannendsten Bands unserer Zeit, auch wenn die Musik nicht spannend im Sinne von laut daherkommen ist. Der Reiz der Amatorski-Lieder liegt vielmehr in ihren wundervollen Melodien und Instrumentierungen. Amatorski wird vermutlich daher in Deutschland ein (echter) Geheimtipp bleiben. Aber die Band macht so viel mehr Spaß als ihre Fußball-Kollegen! Und Musik ist ja allemal wichtiger als Fußball! (huch 1:0 Belgien in diesem Moment).

Setlist Amatorski, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:

01: U-turn
02: Wild birds
03: Anthem (Cheapest soundtrack)
04: Warszawa 
05: Boy/girl
06: Fragment
07: Never told
08: Peaceful
09: Hudson

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Amatorski, Stuttgart, 04.10.13
- Amatorski, Wien, 03.10.13
- Amatorski, Frankfurt, 30.09.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13


Jonah Matranga, Montabaur, 19.06.14

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Konzert: Jonah Matranga
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 19.06.2014
Dauer: Zweimal über eine Stunde
Zuschauer: 27



Eigentlich wollte ich das alles nicht.

Obwohl unser erstes Wohnzimmerkonzert mit Pelle Carlberg wider Erwarten optimal verlaufen war, weshalb ich zukünftigen ähnlichen Unternehmungen nicht grundsätzlich negativ gegenüber stand, hätte ich mir eine Pause gewünscht. Ich dachte, wir warten ab, bis Herbst oder nächstes Jahr, damit man sich auch sicher sein kann, dass wieder genügend interessierte Gäste kommen.

Jonah Matranga war aber einer von zwei Wunschkünstlern, die uns von Gästen des ersten Konzerts genannt worden waren (Roxette erschienen uns weniger realistisch). Zufällig sahen wir, dass er auf seiner Homepage eine Europatournee ankündigte, mit der Bitte, ihn zu kontaktieren, wenn man Ideen hätte. Mein Freund brachte mich trotz meiner Bedenken mit einem Trick (das Konzert müsse überhaupt nicht zwingend bei uns Zuhause stattfinden, denn auch der Kollege mit dem Wunsch habe Interesse gezeigt) dazu, den amerikanischen Musiker anzumailen. Ich schrieb also meine E-Mail, wobei ich mir ziemlich doof vorkam - wie ein Kind, das seinen Lieblingsstar zum Geburtstag einlädt. Es kam keine Antwort, wir vergaßen die Sache. Man kann ja niemand vorwerfen, wenn er keine Lust hat, ein Wohnzimmerkonzert bei Fremden in Deutschland zu geben.



Dann kam - nach vier Wochen - doch noch eine Antwort, und zwar eine positive. Das klänge alles ganz prima, Hauskonzerte mache Jonah sowieso am liebsten, und wir sollten uns einen der noch freien Termine der Europtournee aussuchen. Als ich nun gegenüber meinem Freund zur Sprache brachte, dass das Konzert doch eigentlich gar nicht bei uns stattfinden sollte, meinte er, der betreffende Kollege sei verreist, deshalb müssten wir das nun schnell allein organisieren. Also eben doch bei uns.

Tatsächlich wurden meine Sorgen, niemand werde nach der recht kurzen Pause schon wieder zu uns kommen wollen, um erneut einen Mann mit Gitarre singen zu hören, bald entkräftet, denn die Gästeliste füllte sich recht schnell, sogar mit einigen langjährigen Fans des Künstlers, der bereits in einer ganzen Reihe von Band gespielt hat. Zu unser großen Überraschung kündigte sich einige Tage vor dem Termin sogar ein Fan an, der uns überhaupt nicht kannte, sondern auf Jonahs Website über das Konzert gelesen hatte.



Ein bisschen aufregend wurde es dann noch am Abend selbst, denn wir hatten Jonah samt Fahrer für 18 Uhr zum Abendessen eingeplant, ab 19 Uhr rechneten wir mit den Konzertgästen. Da unser Haus aber natürlich keinen Backstagebereich hat, wurde ich ziemlich nervös, als zur Essenszeit vom Musiker noch nichts zu sehen war und es später und später wurde. Letztlich regte ich mich aber, wie fast immer, umsonst auf, und alle Abläufe funktionierten halbwegs, auch, wenn es zeitlich eng wurde. Beim nächsten Mal (denn tatsächlich hat mein "Booker" bereits die nächste Band organisiert) müssen wir den Zeitplan ein wenig strecken.

Jonah Matrangas Eintreffen verpasste ich, weil ich gerade mit Nudeln kochen beschäftigt war, weshalb ich mich später fragte, zu welchen Zeitpunkt er wohl seine Schuhe ausgezogen hatte. Später erfuhr ich, dass er wohl bereits barfuß aus dem Auto gestiegen war.


Sein aktuelles Album heißt "You and me are two", wobei "are two" ein Wortspiel mit R2(D2) ist und der kleine Roboter aus Star Wars sowohl das Albumcover ziert als auch eine musikalische Rolle spielt. Jonah hatte selbst einen kleinen R2D2 dabei, wir hatten aber praktischerweise selbst einen riesigen Pappaufsteller der Figur besorgt und sammelten das Eintrittsgeld in einer R2D2-Tasse ein, so dass es an diesem Abend nicht an Roboterdekorationen mangelte. Auch die Einladung, die wir potenziellen Interessenten gegeben hatten, war passend mit R2D2 dekoriert gewesen.

Nachdem alle Gäste eingetroffen waren, konnte auch das Konzert beginnen. Jonah begrüßte uns auf Deutsch und betonte mehrfach den interaktiven Charakter des Abends, man dürfe sich jederzeit Lieder wünschen und auf beliebige Art kommunizieren. Los ging es dann erst einmal mit "I Really Love Yr Company" vom aktuellen Album, es folgte Johnny Cashs "I Still Miss Someone". Für "Bitte ein Kuss" nutze Jonah erstmals einen mp3-Player, um zusätzliche Beats einzuspielen, was dann noch mehrmals passierte. Das Lied handelt von einer Beziehung mit einer Deutschen namens Christiane, die nicht mehr besteht - aber der Song ist geblieben.

Auffällig war, neben der extremen Freundlichkeit, Dankbarkeit und Begeisterung des Künstlers, die uns bereits in seinen E-Mails überrascht hatte, die Inbrunst und Emotionalität der Darbietung, die sich gegen Ende oftmals in eine Art Brüllen (das aber immer noch den Ton traf) verwandelten. Für die Zuhörer war es beeindruckend, meine Katzen bevorzugten es allerdings, sich das Konzert im Schlafzimmer unter der Bettdecke anzuhören.


Zu "Every Mistake" erfuhren wir, dass das Lied von bedingungsloser Liebe handelt, genauer gesagt von der Liebe Jonahs zu seiner Tochter, aber nicht von einem hehren, letztlich bedeutungslosen Konzept aus Popsongs, sondern der Schwierigkeit einer solchen Liebe in der Realität. Insbesondere die Eltern im Publikum waren darüber nach eigenen Angaben tief gerührt. Bei "14-41" gab es einen ziemlich schrägen Versuch, die Zahlen des Songs (der sich um die Bedeutungslosigkeit von Alterskonzepten dreht) auf Deutsch aufzusagen, was nicht allzu gut funktionierte, aber für Lacher sorgte.

Schließlich traute sich auch endlich jemand, einen Wunsch zu äußern, allerdings war das "Deafening" ein ziemlich harter Song mit Schrammelgitarren von Jonahs früherer Band Far, den er sich so gar nicht als akustisches Gitarrenlied vorstellen konnte. Stattdessen gab es zunächst ein ruhigeres Lied vom selben Album ("At Night We Live"). Jonah erkundigte sich anschließend, ob es nun genehm sei, eine Pause zu machen - im Vorfeld hatte er mich bereits gefragt, wie lange er denn spielen solle, was ich nicht so recht beantworten konnte, weshalb ich nur scherzhaft "vier bis fünf Stunden" gesagt hatte. Er hatte ebenso unernst geantwortet "Und am Ende ein Schlagzeugsolo!". Man durfte also gespannt sein.


Nach "Stay" (das quasi als Wunsch ans Publikum gedacht war) gab es dann die Pause, in der der erste Merchandise (auch hier nicht autorisierte Star Wars Devotionalien) verkauft wurde und die ersten die Chance nutzten, mit dem Künstler zu sprechen. Beim Kauf von Platten und anderen Fanartikeln zeigte sich für die Gäste, dass es geradezu schwierig war, hier Geld auszugeben. Sowohl Jonah selbst als auch sein Fahrer betonten immer wieder, man solle einfach geben, was man könne, und wer bereits "Eintritt" bezahlt hatte, konnte seine CD eigentlich auch umsonst bekommen. Viele Gäste bemühten sich redlich, die Preise ein wenig hochzuhandeln. Jonah zog sich anschließend kurz zurück, um zu üben, und präsentierte anschließend eine Weltpremiere, eine akustische Version von "Deafening".

Während im ersten Teil des Sets Lieder von Jonah und seinem Soloprojekt onelinedrawing dominiert hatten, widmete er sich nun den Songs seiner früheren Bands New End Original, Far und Gratitude, weil sich in der Pause einige Fans dieser Bands zu erkennen gegeben hatten. Jonah erklärte, er wisse, dass seine Musik nicht in vielen Plattenregalen vorhanden sei, dass es ihn aber freue, dass sie seinen wenigen Fans häufig viel bedeute. "Better Than This" mit seinem Refrain "I'm better than nothing and nothing is better than this..." war ein Geschenk an Menschen, die emotionalen Verletzungen überstehen mussten. Außerdem stammt es von einem Album namens "Thriller", weshalb es auch ein Zitat aus Michael Jacksons "Wanna Be Startin' Somethin'" enthielt. In "#1 Defender" baute er kurz Neil Youngs "Heart Of Gold" ein.

Dann kam auch der kleine R2D2 zu seinem Einsatz, denn in "Smile" ersetzt sein Gezwitscher (also in Wirklichkeit R2D2-Gezwitscher vom mp3-Player) jaulende Gitarren im Stil von Eddie van Halen (der für die Aufnahmen leider nicht zur Verfügung stand).


Zum Schluss zog er den Stecker aus dem Verstärker und bot "Lukewarm" unplugged dar. Für "Sing" brauchte er noch nicht einmal eine Gitarre, sondern nutzte seinen eigenen Körper, Fußbaden, Wand, Tisch oder Gläser als Rhythmusinstrumente. Nach weit über 2 Stunden Konzertdauer kehrte er für "So Long" noch einmal zurück. Nach weiteren Plattenverkäufen und Gesprächen sowie der Aussage Jonahs, dieses sei das beste Konzert der Tournee gewesen, begann die Gästeschar langsam, sich aufzulösen, wobei Jonah sich bei vielen einzeln bedankte und fast alle zum Abschied geknuddelt wurden. Was für ein toller Abend mit einem gleichermaßen begeisterungsfähigen wie authentischen Künstler!

Setliste Jonah Matranga, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: I Really Love Yr Company
02: I Still Miss Someone (Johnny Cash Cover)
03: Bitte ein Kuss
04: No Hurry
05: Every Mistake
06: I Want You To Be My Witness
07: 14-41
08: Free
09: At Night We Live (Far)
10: Stay

11: Deafening (Far)
12: Halo (New End Original)
13: #1 Defender (New End Original) / Heart Of Gold (Neil Young Cover)
14: You're What Went Right
15: Hostage (New End Original)
16: The Greatest Wonder (Gratitude)
17: Better Than This (New End Original) / Wanna Be Startin' Somethin' 18: (Michael Jackson Cover)
18: Smile
19: Lukewarm (New End Original)
20: Sing

21: So Long (Z)


Bilder: Dirk von Platten vor Gericht


Freitag, 20. Juni 2014

Les concerts pour la fête de la musique le 21 juin à Paris (sélection)

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Les concerts pour la fête de la musique le 21 juin à Paris (sélection)


La fête de la musique divise toujours un peu (exactement comme Lana del Rey (photo par Eric D. ©, qui va jouer à L'Olympia) Un de plus beaux jours musicaux pour les uns, fête superflue et surpeuplée pour les autres. Et un des plus grand problèmes chaque année: où aller exactement ? Où auront lieu les meilleurs concerts? Il y a un grand choix dans chaque quartier, mais la qualité est assez inégale Pour vous faciliter la tache, je vous propose un agenda avec  des concerts qui pourraient devenir chouettes.

- Olympia: 

16 h: Isaac Delusion/Cyril Mokaeiesh/Asa 
17 h: Arkadin (nouveau projet avec des membres de Coming Soon)
19h20: Jeanne Cherhal
20h: Lana del Rey
21h30: Agnes Obel
23; Philippe Katerine
0h30: Breton

Le Rendez Vous Toyota:

19h: Blind Test
21h: Breton
22h: Jamaica

Esplanade des Invalides

22h: Klô Pelgag

Abracadabar:

16h30-18h30 Alma Forrer und Anouk Aïata 

Gare Montparnasse: (Facebook event ici)

18h: Les Lignes Droites
18h30: The Distroy
19h15: Own Eerie

Espace B:

Travel Check, Paul Jacobs, Dusty Mush, Kaviar Special

Place Denfert-Rocherau, Le Fair Fete La Musique

Pendentif et Odezenne et Rocky et Griefjoy

Comptoir Du 7ème:

20h30: Vanille

Devant l'Hôtel de Ville de Neuilly sur Seine:

19h: Renan Luce, Juveniles et Theodore, Paul et Gabriel

Bar Ourcq:

21h: Wilfried

Place de la Republique Vanves:

17h: She Dreams In Vedas

Place d'Aligre:

22h: Moziimo:

Place de Saint Cloud, scène RATP:

14 h: Timothée Levi

Institut Finlandais:

18h30: The Very Rich Hours

Saintes: 

16 h: June Madrona et Flowers From The Man Who Shot Your Cousin





Violent Femmes, Brüssel, 19.06.14

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Konzert: Violent Femmes
Ort: Ancienne Belgique, Brüssel
Datum: 19.06.2014
Dauer: 95 min
Zuschauer: gut 1.500


"warning: if the following record album didn’t change your life, ignore this blog. my enthusiasm will make no sense to you" (Amanda Palmer)*



Violent Femmes änderte weder meine Berufswahl, meine Essens-, Frauen- oder meine Sportmannschaften-Vorlieben, Violent Femmes prägte aber meinen Musikgeschmack wie kaum eine andere Platte und rette mich aus den Klauen der Radio-Belanglosigkeit. Und damit änderte sie mein Leben.


Die Band dazu hatte ich weder in den spätern 80ern noch danach sehen können. Einmal war es knapp. Vor gut zehn Jahren spielten die Amerikaner ein Konzert in London als ich dort war. Das Konzert war ausverkauft und die Gewissheit, sie irgendwann später zu sehen, verhinderte einen teuren Schwarzmarktkauf. 2009 lösten die Violent Femmes sich auf, meine Chance schien dahin. Umso schneller reagierte mein Abzugsfinger, als vor einigen Monaten ein Konzert in Brüssel angekündigt wurde. Nein, nicht noch einmal!


Und so standen wir trotz des England-Spiels an einem Donnerstagabend im AB in Brüssel und waren gespannt. Ich hatte mir bis zum Nachmittag keinerlei Livevideos angeguckt. Ich wollte auf alle Fälle fahren und nicht durch Bilder von miesen Auftritten genötigt werden, zu Hause bleiben. Ich hatte auch nichts gelesen, keine Setlisten angeguckt und war vollkommen unvorbereitet - als Selbstschutz. Lediglich in ein Video von einem Auftritt der Dresden Dolls "mit Freunden", das ich am Nachmittag geschickt bekommen hatte, hatte ich reingesehen. Der Konzertmitschnitt aus Tasmanien entpuppte sich als gemeinsamer Auftritt von Dresden Dolls und Violent Femmes mit Amanda Palmer am Mikro, bei dem die erste Platte komplett gespielt wurde. Am anderen Ende der Welt.


Fünf Minuten vor dem angekündigten Beginn betraten Gordon Gano, Brian Ritchie und Dresden Dolls Schlagzeuger Brian Viglione die Bühne, begleitet von John Sparrow auf einer Kistentrommel.

"When I'm out walking I strut my stuff and I'm so strung out" - wie oft habe ich diesen Plattenbeginn gehört! Mit den ersten Takten war das Konzert großartig! Meine Befürchtungen, die alten Männer könnten es versauen, waren sofort weg. Blister in the sun war live genauso aufregend wie auf Platte und wurde frenetisch gefeiert (und mitgegröhlt)! Bei Kiss off und spätestens dem nachfolgenden Please do not go war auch mein Tasmanien-Neid weg. Die Violent Femmes spielten gerade ihr Debüt komplett und chronologisch. Der Abend würde so viel besser werden als nur keine Enttäuschung!



Der ruhig und seriös wirkende Sänger Gano, der rumtigernde Hippie Ritchie, anfangs mit Hütchen und meist mit akustischem Bass und der viel jüngere Viglione, der das abgespeckte typische VF-Schlagzeug ohne Bassdrum bediente, dabei oft extrem überqualifiziert wirkte und dies mit besonders viel Elan ausglich - es war ein sagenhaft intensives (dämliches Musikjournalisten-Wort, zu dem mir keine gute Alternative einfällt) Erlebnis. 


In der Mitte von Confessions kamen fünf weitere Musiker auf die Bühne, bewaffnet mit recht nerdhaften Blasinstrumenten. Geleitet wurde die Gruppe vom Stooges-Saxophonisten Steve Mackay. Brian Ritchie spielte zu Confessions eine riesige Holzflöte.


Bis To the kill sagten sie Musiker nichts. Daß auch das drittletzte Stück des Albums euphorisch gefeiert worden war, erstaunte Gordon Gano. "Nobody likes this song. But you like ist."

Zu Gone daddy gone ging Brian Ritchie ans Vibraphon. Ich bin nicht ganz sicher, ob er alles dabei live spielte, es klang zu perfekt. Aber da der Rest des Konzerts so brillant war, liege ich mit diesem Verdacht vermutlich falsch. Seinen Basspart spielte währenddessen einer der anderen Musiker.

Zu Good feeling griff Gordon erstmals zur Geige, die er aber meist als Ukulele spielte. 



"Das war unser erstes Album. Wir haben nämlich vor 31 Jahren unser erstes Konzert in Europa in Brüssel gespielt!"



Ich war nicht ganz sicher, wie weit ich die Band in den 90ern verfolgt hatte. Irgendwann hatte ich sie aus den Augen verloren und neue Platten nicht mehr gehört (warum auch, das Debüt würde ja eh nie mehr erreichbar sein). Die ersten vier Alben kannte ich, zwei, drei und vier hatte ich aber sicher seit 20 Jahren nicht mehr gehört. Trotzdem kannte und erkannte ich fast alles. Dieses "ach, genau!"-Erlebnis, das so typisch für solche Konzerte alter Lieblinge ist.



Der zweite Konzertteil begann mit dem umjubelten Jesus walking on the water, bevor Gordon sich ein Banjo umschnallte und den Country death song ankündigte. "Halt! Sie kennen das schon, wir müssen das nicht spielen!" Er stimmte es trotzdem noch einmal an, er habe schließlich sein Banjo extra aus Banjoland mitgebracht.

Aus der zweiten Konzerthälfte ragten neben Hallowed ground das ewig lange Gimme the car heraus. Da Schlagzeuger Brian in der Mitte des Stücks nichts zu tun hatte, tanzte er einmal quer über die Bühne. Natürlich habe ich den alten Drummer nie live erlebt, der Dresden Dolls Trommler war aber solch ein Knüller, daß mir dieser Verlust nicht auffiel.

American music bildete nach extrem kurzweiligen 90 min den Schlußpunkt. Man müsse um halb elf aufhören. Daher gab es auch nur eine Zugabe, die es aber in sich hatte.  Gorden klimperte ein wenig auf der Geige rum und niemand erkannte etwas. Irgendwann wurde daraus der Beginn von Blister in the sun. Das erste Stücke würde auch das letzte sein, allerdings in einer alternativen Version. In einer schlechteren. Aber da die andere ja auch gespielt worden war, war es ein Gewinn!

"Do you like american music?" - Wenn sie so ist unbedingt! Es war ein berauschendes Konzert und nicht bloß ein nicht-peinlicher Altherren-Gig. Dazu das glücklich mitsingende Publikum... Wenn das Hören einer Platte vor 25 Jahren dazu führt, heute solche Abende zu erleben, dann war sie wohl offenbar lebensverändernder, als man das einem Brocken Vinyl zutraut. Aber hört ihr (die ihr das ohnehin nicht lest) ruhig weiter alle Revolverheld und James Blunt! Veränderung ist ja auch irgendwie Mist.

Setlist Violent Femmes, Ancienne Belgique, Brüssel:

01: Blister in the sun
02: Kiss off
03: Please do not go
04: Add it up
05: Confessions
06: Prove my love
07: Promise
08: To the kill
09: Gone daddy gone
10: Good feeling

11: Jesus walking on the water
12: Country death song
13: Hallowed ground
14: Life is an adventure
15: Old mother Reagan
16: Freak magnet
17: Gimme the car
18: Black girls
19: I held her in my arms
20: American music

21: Blister in the sun (anders) (Z) 

* gleiches Album, anderer Blogeintag. Hier nachzulesen!


Donnerstag, 19. Juni 2014

The National, Brooklyn, 17.06.14

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Konzert: The National (celebrate Brooklyn)
Ort: Prospect Park Bandshell, Brooklyn, New York
Datum: 17.06.2014
Dauer: The National 110 min, Phosphorescent 40 min
Zuschauer: ausverkauft, vielleicht 5.000

 

von Claudia aus Stuttgart

„Es ist so großartig, wenn man zu seinem eigenen Gig mit dem Fahrrad kommen kann!“ 


Aaron Dessner ist glücklich, dass The National heute ihr erstes von drei Heimspielen in Brooklyn haben und wir sind glücklich, dass wir dabei sein können. Es ist heiß in New York an diesem Dienstag, gut 30 Grad und das bei bekannt hoher Luftfeuchtigkeit. Um unsere Kräfte zu schonen, waren auch wir im Rahmen unseres Touriprogramms mit dem Fahrrad unterwegs. Start in Manhattan über die Williamsburg Bridge, fancy Williamsburg mit seinen chassidischen Juden im südlichen Teil, DUMBO und über die Brooklyn Bridge zurück. Radfahren im Big Apple. Wer hätte gedacht, dass es tatsächlich so viele markierte Radwege hier gibt. Wer’s nachmachen will, dem sei Frank’s Bikeshop aller wärmstens empfohlen! Der Mann ist ein New Yorker Urgestein. 

Aaron ist vielleicht wirklich mit dem Fahrrad da und meint auf Nachfrage von Sänger Matt Berninger, dass er für später auch mit der ausreichenden Beleuchtung ausgestattet sei. „I got even two!“ 


Der Prospect Park liegt mitten in Brooklyn, mit wunderschönem Baumbestand. Ein Naherholungsgebiet. Im Sommer werden hier jede Menge kostenlose Konzerte veranstaltet und um das zu finanzieren, wird für die eine oder andere Veranstaltung zwischendurch auch mal Eintritt verlangt, so auch für die drei Tage, die The National mit unterschiedlichen Vorbands hier in ihrer Bandhomebase Brooklyn spielt. Vermutlich werden es die letzten Konzerte in New York City im Rahmen der Trouble-Will-Find-Me-Tour sein. 


Als wir in unseren luftigen Sommerkleidchen mit Sommerpicknick ausgestattet kurz nach 6 am Park ankommen, gibt es bereits eine riesiglange, höchst disziplinierte Schlange am Eingangsbereich, alt und jung, Kinderwagen, hip und weniger hip, eine typische The-National-Mischung. Der für die Konzerte abgesperrte Bereich ist eigentlich recht übersichtlich. Die geteerte, pefekt sichtgeeignet ansteigende Fläche vor der Bühne bis zum Mischturm fasst vielleicht 2000 Menschen. Wir laufen am seitlich offenen VIP-Zelt vorbei, in dem gerade gegessen wird. Teile von Band und Crew sitzen entspannt an den Tischen. Statt auf einer der umliegenden Rasenflächen unsere Picknickdecke auszubreiten, entscheiden wir uns für den Bereich direkt vor der Bühne. Das sollte später für entspanntes Stehen in der dritten Reihe reichen. 


Pünktlich um 7 fängt Matthew Houck aka Phosphorescent an zu spielen. Mit ihm stehen 7 Musiker auf der Bühne, die zwischendurch noch von 3 Blechbläsern unterstützt werden. Houck hat sich dafür den Trompeter und den Posaunisten von The National ausgeliehen. Das Set ist nicht schlecht, überzeugt aber nicht wirklich. Die Musik klingt austauschbar, nach gutem alten Classic American Rock und leider geht Phosphorecents Stimme bei der vorhandenen Überinstrumentalisierung ziemlich unter. Manchmal wäre weniger vielleicht doch mehr. Wir hätten gut und gerne auf eines der beiden Keyboards verzichtet. 


Nach kurzem Umbau betritt The National die Bühne. Die Videoleinwand ist im Vergleich zu den europäischen Konzerten etwas kleiner und besteht aus unterbrochenen Teilstücken. Der Wirkung tut es keinen Abbruch und der eigens für die Tour engagierte Videotechniker/-künstler macht auch an diesem Abend wieder einen grandiosen Job. 

Gleich das dritte Lied wird eines der absoluten Highlights des Abends. Matt Berningers Hand weist in die Ferne. „Das nächste Lied ist gleich dahinten, hinter dem Park entstanden.“ „This goes to our neighbors!“ wirft Aaron Dessner ein. Es handelt sich um The Geese Of Beverly Road vom Durchbruchalbum Alligator. Die Straße liegt irgendwo ganz in der Nähe des Dessnerschen Hauses und der Song entstand wohl in einer ähnlich schönen Sommernacht. Mit den „Gänsen“ sind Autoalarmanlagen gemeint, die von irgendwelchen Kids in so einer Nacht ausgelöst wurden. Der Song könnte nicht besser zu diesem Abend inmitten von Brooklyn passen. Gänsehautmoment. 

Wie auch schon in Mannheim braucht es ein paar Lieder bis der Sound wirklich stimmt und Matt Berninger ganz in seiner Trance angekommen ist. Die Weißweinflasche steht vor den Drums in einem dieser typischen US-Cooler und getrunken wird aus wenig stilvollen roten Plastikbechern oder später direkt aus der Flasche, die achtlos in hohem Bogen in die Kühlbox zurückgeworfen wird. 


Einer der packendsten Momente ist Afraid of Everyone, der Song der die Ängste des damaligen Neuvaters spiegelt. Schon so oft live gehört, aber heute ergreift mich die Emotionalität des Berningerschen Vortrags mit voller Wucht. 


Die gesetzten Songs der Tour werden auch heute durchgehend gespielt, wobei ja auch hier immer wieder kleine Änderungen vorgenommen werden. Insofern gibt es zwar keine großen Überraschungen, aber die Dichte und die Arrangements sind nach wie vor fantastisch. Unglaublich schön bleibt die in Luxemburg erstmalig gespielte Live-Fassung von Hard To Find. Wirklich toll auch der Einsatz des Geigenbogens an der E-Gitarre durch Bryce Dessner bei Slow Show. Überhaupt liefert Bryce einen immer showtauglicheren Einsatz mit seinen Gitarren ab. Nicht nur herrlich zu hören, sondern auch herrlich anzuschauen. 


About Today ist auch so ein Gänsehautlied! „Hey are you awake. Yeah I’m right here. Well can I ask you about today.“ Für die Klavierbegleitung bitten die 5 einen alten Freund und Wegbegleiter auf die Bühne, dessen Namen wir leider nicht genau verstanden haben. 


Kurz fragen wir uns, ob der Prospect Park mit seiner verschwitzten Menschenmenge und die viel strengeren amerikanischen Regeln wohl das Bad in der Menge zulassen. Als erste Zugabe spielt die Band Santa Clara von der Viginia-EP. Ein weiterer Gänsehautmoment. „It’s alright to see a ghost.“ Danach geht’s zu Mr. November ab durch die Zuschauerreihen. Auch eine offensichtliche Platzwunde an der Stirn nach der ersten Runde vermag einen Berninger nicht aufzuhalten. Bei Terrible Love - mit Phosphorescent als Gastgitarrist - ist die linke Seite dran und als ihm Aaron danach ein Handtuch reichen will und auf die Schläfe deutet, wischt er es brüsk zur Seite. This man is on fire und die Weißweinflaschen auch mal wieder leer. 

Bei Vanderlyle wird nochmal deutlich, dass wir uns in einem englischsprachigen Land befinden. Wir hatten’s fast vergessen. Wunderschön. 

Auf dem Weg nach draußen, zurück zur Subway machen wir noch am Merchstand Halt. Als Erinnerung an diesen herrlichen Sommerabend in New York ergattern wir die letzten beiden Siebdruckplakate, Specialedition for tonight! Es hat bestimmt immer noch 28 Grad. 

Setlist The National, Prospect Park, Brooklyn, New York:  

01: Don’t Swollow The Cap 
02: I Should Life in Salt 
03: Geese Of Beverly Road 
04: Bloodbuzz Ohio 
05: Demons 
06: Sea Of Love 
07: Hard To Find 
08: Afraid Of Everyone 
09: Conversation 16 
10: Squalor Victoria 
11: I Need My Girl 
12: This Is The Last Time 
13: Green Gloves 
14: Abel 
15: Slow Show 
16: Pink Rabbits 
17: England 
18: Graceless 
19: About Today 
20: Fake Empire 

21: Santa Clara (Z) 
22: Mr. November(Z) 
23: Terrible Love (Z) 
24: Vanderlyle Cry Baby Geeks (Z)


Links: 

- aus unserem Archiv:
- The National, Köln, 11.06.14
- The National, Mannheim, 01.06.14
- The National, Paris, 18.11.13
- The National, Brüssel, 17.11.13
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Düsseldorf, 05.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07



 

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