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Mittwoch, 2. März 2011

Those Dancing Days, Köln, 01.03.11

2 Kommentare

Konzert: Those Dancing Days
Ort: Luxor, Köln
Datum: 01.03.2011
Zuschauer: recht gut besucht
Dauer: Those Dancing Days knapp 55 min, Blackberries 40 min


Kommende Woche erscheint Daydreams And Nightmares, die zweite Platte der schwedischen Frauenband Those Dancing Days. 2008 hatte ich die fünf Stockholmerinnen im MTC gesehen und war von Konzert und von ihrer ersten EP sehr begeistert. Danach verlor ich die zwischenzeitlich bei Wichita untergekommenen Those Dancing Days ein wenig aus den Augen. Vor gut einem Jahr begegnete Sängerin Linnea mir dann als Gastsängerin auf einer der God Help The Girl Singles von Belle & Sebastian Sänger Stuart Murdoch wieder (sie ist auch das Covergirl der Single).

Und dann kam das für mich in so vielen Belangen herausragende Bowlie Festival im Dezember in Südengland. Dazu hatten Belle & Sebastian ihre liebsten Bands eingeladen, und dazu gehörten Those Dancing Days. Deren nächtliches Konzert in Minehead war herausragend, obwohl ich hundskaputt war und irgendwann aufgeben musste. Am nächsten Abend erlebte ich Linnea aber noch einmal, weil sie als Gastsängerin bei Belle & Sebastian auftrat und Lazy Lane Painter Jane sang - magic!

Seitdem sind die Schwedinnen wieder fest in meinem Buch der guten Bands untergekommen; es gab also keine Chance, das heutige Konzert zu verpassen, es war gesetzt.


Vorher hatte ich am Nachmittag Sängerin Linnea und Gitarristin Rebecka interviewen können. Als wir über unterschiedliche Konzerterlebnisse in verschiedenen Teilen der Welt sprachen, behauptete ich, das Publikum in England sei euphorischer und erzeuge mehr Stimmung als das deutsche. Rebecka und Linnea widersprachen heftig. Das deutsche Publikum sei viel aktiver und tanze und feiere, Engländer stünden meist gelangweilt und überkritisch rum. Ich war zu höflich, das für ausgemachten Unsinn zu erklären. Keine schlechte Entscheidung, denn als TDD ihre Show begannen, fing das Luxor an zu toben und hielt das bis zum letzten Ton durch. Dancing days eben.

Die Stimmung war nicht grundlos so gut, denn die Mischung aus alten und neuen Stücken - allesamt großartig - , vor allem aber der Bühnenauftritt der jungen Frauen war hervorragend! Keine Frage, warum Wichita diese Band, die musikalisch vielleicht nicht richtig ins Programm passt, unter Vertrag genommen hat. Oder warum zumindest für einen der Musiker von Belle & Sebastian TDD zu den fünf Bands zählten, die er fürs Bowlie einladen wollte.

Während Linnea und Keyboarderin Lisa vor allem wild tanzten und Bassistin Mimmi und Gitarristin Rebecka wie Heavy-Musikerinnen agierten, ist Schlagzeugerin Cissi der heimliche Star eines Liveauftritts der Band. Sie schlägt in einem solch irren Tempo auf ihre Trommeln, wie ich es selten erlebt habe; 50 Minuten Dauerfeuer. Hinter dem Merchtisch wirken die fünf so nett und schüchtern, auf der Bühne losgelassen, entwickeln sie eine sagenhafte Energie.

Mir war das neue Album noch nicht furchtbar gut vertraut, weil ich es erst zweimal vor dem Konzert gehört hatte.
Daydreams And Nightmares unterscheidet sich aber nach den ersten Eindrücken vom Vorgänger vor allem durch eine immer wieder vorkommende düstere Note. Durch Linneas tiefe Stimme (live auch heute perfekt, jeder Ton saß) hat der eigentlich fröhliche 60's Pop der Band ohnehin schon einen dunklen Einschlag, der ihm den entscheidenden Pfiff verleiht. Die neuen Stücke, Forest of love zum Beispiel, wirken aber auch jenseits des Gesangs schon mysteriöser, was mir ganz ausgezeichnet gefällt.

Andere Knüller unter den Neuheiten waren I'll be yours (wohl am ehesten klassischer schwedischer Pop), die Single Fuckarias und Can't find entrance.

Nach dem Bowlie Wochenende, bei dem ein sagenhaftes Konzert das nächste jagte, hatte ich Angst, daß vieles an meiner Begeisterung für die Auftritte mit der dreitägigen Dauereuphorie zu erklären ist und die nächsten Konzerte der gleichen Bands später in den üblichen Clubs hier enttäuschen würden. Zwangsläufig. So wie
Getränke, die man im Urlaub liebt und mit nach Hause nimmt, wo sie nichts mehr taugen. Those Dancing Days funktionieren auch noch nach dem Urlaub. Im Gegenteil glaube ich, daß die Band immer besser wird. 2008 habe ich sie als sehr gut in Erinnerung behalten, so gut wie zur Zeit aber ganz sicher nicht. Wenn man dann noch berücksichtigt, wie jung die Musikerinnen sind, daß sie 2008 vermutlich noch zur Schule gingen, wird von Those Dancing Days noch sehr viel zu erwarten sein.

Zwei Kleinigkeiten hätten besser sein können: der Sound war schrecklich breiig, das Mikro klang, als habe es viel Hall, der da nicht hingehörte. Und zweitens fehlte Maccabees Sänger Orlando Weeks für sein Duett mit Linnea!

Während des Interviews haben wir gewitzelt, wen die Band einladen würde, wenn sie
ein All Tomorrow's Parties Wochenende gestalten dürfte (so wie Battles, Les Savy Fav und Caribou im kommenden Dezember). Nach dem Konzert gab mir Rebecka die Liste mit den 40 Bands, die sie einladen würden**, überschrieben mit Those Dancing Days' ATP. Mal gucken, ob sie irgendwann gefragt werden, wundern würde es mich nicht.

Wie die Karriere der Vorgruppe The Blackberries verlaufen wird, kann ich nicht einschätzen. Ich kann mir vorstellen, daß die vier Männer, die einheitliche Uniformjacken und unterschiedlich farbene Jeans trugen (weiß, rot, gelb und mint), gerne in Konzertberichten als Libertines aus Solingen bezeichnet würden. Dafür fehlt mir allerdings ausreichend Begeisterung. Ansätze, vor allem Melodien, waren ok, der Gesang (egal von wem; drei der Musiker sangen) war mir
aber nicht gut genug, die Instrumentensoli zu gewollt. Der Fairness halber muß ich aber sagen, daß meine Aufmerksamkeit schon von dem Moment an weg war, als ich vor Konzertbeginn die Leuchtreklame mit Bandlogo sah. Ab ausverkaufter 5.000er Halle nehme ich so etwas hin, vorher ist das albern und ein Zeichen fehlender Demut vor der eigenen Rolle.

Setlist Those Dancing Days, Luxor, Köln:


01: Reaching forward
02: Run run
03: Keep me in your pocket
04: Home sweet home
05: Forest of love
06: Can't find entrance
07: Hitten
08: When we fade away
09: I'll be yours
10: Help me close my eye
11: I know where you live
12: I know where you live pt. 2
13: One day forever

14: Fuckarias (Z)
15: Those dancing days (Z)

Links:

- mehr Fotos
- Those Dancing Days, Köln, 17.08.08


** dazu mehr in Kürze, wenn das Interview online gestellt wird!





Montag, 18. August 2008

Those Dancing Days, Köln, 17.08.08

3 Kommentare

Konzert: Those Dancing Days
Ort: mtc, Köln
Datum: 17.08.2008
Zuschauer: ca. 60 bis 70
Dauer: etwa 40 min


Kürzlich habe ich einmal nachgesehen, aus welchen Ländern die Bands kommen, die
ich dieses Jahr live gesehen habe. Dabei ist mir mit Schrecken aufgefallen, daß Schweden mit neun Bands ganz furchtbar unterrepräsentiert ist. Höchste Zeit also, das aufzuhübschen.

Aber natürlich waren Statistikfrisuren nicht Grund, Those Dancing Days aus Stockholm im mtc in der Zülpicher Straße in Köln (rheinisch-korrekt heißt es aber "auf der Zülpicher Straße") anzuschauen, es war die EP Those Dancing Days, die im vergangenen Jahr erschienen ist, und die fünf ganz vorzügliche Indie-Pop Stücke enthält. Etwas später erschien die Single Run Run mit zwei weiteren Liedern. Das Gesamtwerk der Schwedinnen beschränkt sich damit bisher auf knapp 20 Minuten Musik. Die haben es allerdings in sich! Vor allem den Titelsong Those Dancing Days bekommt man so schnell nicht mehr aus dem Kopf, aber auch die restlichen Lieder zeugen von ganz viel Talent und gutem Geschmack.

Ich weiß nicht, ob die Band schon einmal in Köln aufgetreten ist, ich glaube aber nicht, weil ich das sicher bemerkt hätte. Ganz sicher bin ich, daß ich noch nie Konzerte im mtc erlebt habe - das hätte ich mir sicher gemerkt. Der Club spielte in den vergangenen zwei, drei Jahren musikalisch kaum eine Rolle, zumindest für die Bands, die ich gerne mag. Auch die Schwedinnen sollten ursprünglich im Blue Shell auftreten, wurden aber hochgebucht ins mtc. Als wir gegen neun in der Kellerkneipe eintrafen, fiel erst einmal der ekelhafte Biergestank auf. So riecht es vermutlich unter den Tischen von Oktoberfestzelten, an denen Australier und Amerikaner saßen. Dieser Biergestank, der ganz hervorragend mit dem klebrigen Boden harmonierte, wurde aber weiter hinten, also Richtung Bühne, von dem leckeren Geruch nach benutzten Klosteinen abgelöst. Vom Regen ins Urinal quasi...

Sich vorne aufzuhalten war aber auch ohne diese Frühlingsgerüche unmöglich, da mit Beginn der Vorgruppe ein derart infernalischer Krach losbrach, daß die wenigen, die vorne standen, fluchtartig zurückeilten. Dabei war die Vorgruppe The Audience gar nicht schlecht. Die Band aus Franken hat gute Lieder, spielt die live sehr brauchbar und sorgt für Stimmung. Warum zum Teufel aber die Lautstärke so unmenschlich weit hochgeregelt wurde, daß es auch mit Ohrstöpseln unerträglich war, mag verstehen wer will. Ich jedenfalls nicht. Es war vollkommen daneben - und der nächste Minuspunkt für diese stinkige Kneipe. Audience Sänger Bernd Pflaum versuchte es zwar irgendwann noch mit einem "kommt doch mal näher", das half aber offenbar auch nicht mehr. Genau weiß ich das aber nicht, wir waren da schon auf dem Weg an die Luft.

Ich hätte schon beim Wacken-2004-T-Shirt des mtc Mitarbeiters stutzig werden sollen...

Zeitgleich mit der Hauptgruppe gingen wir dann wieder zurück in den Stinkekeller.
Unten verschwanden die jungen Schwedinnen im Backstagebereich, während ein Helfer Handtücher und Flaschen aufstellte und sich dabei in mein Herz arbeitete. Er ließ nämlich aus einer der Flaschen die Kohlensäure raus, ein Bandmitglied hat also einen Assistenten, der diese fiesen Blubberblasen aus den leckeren Getränken rausläßt. Wir waren uns sicher, daß das einer der tollsten Jobs in der Indie-Pop Szene ist! Ich war ein wenig versöhnt.

Als es dann um 22.15 Uhr losging, kam gleich viel mehr Versöhnliches. Those Dancing Days sind dermaßen erfrischend und gute Laune machend, wie ich es mir
nur erträumen konnte. Herrlich! Die fünf Frauen, die sich größtenteils aus der Schule kennen, begannen mit einem mir unbekannten Lied namens Falling in fall demnächst erscheinenden Album (das In Our Space Hero Suits heißen wird).

Danach folgte das Lied der mir bekannten sieben, das ich am wenigsten mag, Tasty boy. Aber auch das gefiel mir plötzlich ganz ausgezeichnet. Bei diesem ice-cream Text fühle ich mich am ehesten an die immer wieder genannte Referenz Pipettes erinnert, kann die aber insgesamt nicht nachvollziehen. Eher erinnern mich Those Dancing Days an die (guten) Long Blondes, also ganz an deren Anfang, nur daß deutlich mehr
Dancing Days Mitglieder ihre Instrumente ordentlich beherrschen. Ich glaube, die Stimme von Sängerin Linnea weckt bei mir diese Assoziationen. Denn ähnlich wie der von Long Blondes' Frontfrau Kate Jackson ist der Gesang recht tief und gibt den eigentlich durchweg fröhlichen Liedern einen leichte nördlich-molligen, fast melancholischen Touch. Und gut ist diese Stimme! Trotz vielen Getanzes war Linneas Singerei präzise und nicht ansatzweise wackelig.

Außerdem gehören zur Band Bassistin Mimmi, die recht herb aussah und wirkte, als
sei sie zu konzentriert, um Spaß zu haben. Ganz anders Schlagzeugerin Cissi, die immer freundlich wirkte! Die beiden Co-Stars der Band sind aber die leicht durchgeknallt wirkende Keyboarderin Lisa und die immer nur strahlende und einer Lätta-Werbung entsprungene Gitarristin Rebecka... Lisa erinnerte mich äußerlich an Alison aus dem Breakfast Club und tanzte mit weit ausgestreckten Armen, wenn sie nicht ihre Orgel-Parts zu spielen hatte. Es war ohnehin ein lustiges Getanze. Linnea mit ihren Wuschellocken hüpfte auch ununterbrochen über die Bühne.

Neben vier Liedern von der ersten EP, Run Run und dessen B-Seite Home sweet home spielten Those Dancing Days immerhin vier unveröffentliche Stücke, die mir
ausnahmslos gefielen und die, wie zum Beispiel Space Hero suits großes Potential haben.

Eine junge Band, die großartige Singles hat, offenbar ein gutes Album aufgenommen hat und all das gutaussehend, sympathisch und musikalisch kompetent spielen kann, ist doch ein Traum! Und das waren sie! Ich bin ganz sicher, kein One-Hit-Wonder erlebt zu haben. Swedesplease.net schreibt zurecht, daß es vollkommen unverständlich ist, warum Lykke Li und nicht Those Dancing Days internationale Anerkennung erfahren. Wie wahr!

Und wenn es wahr ist, daß sich Gegensätze anziehen, passten ja sogar die tolle Band und der eklige Club zueinander.

Setlist Those Dancing Days, mtc, Köln:

01: Falling in fall

02: Tasty boy
03: Home sweet home
04: Keep me i.y.p. (?)
05: Hitten
06: I know where you live
07: Run run
08: Space Hero suits
09: Those dancing days

10: Discho' (Z)




 

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