Konzert: Emmy the Great Ort: Köln - MTC Datum: 04.04.2016 Dauer: 70 min Zuschauer: 20 Emmy the Great heißt mit richtigem Namen Emma-Lee Moss. Der Künstlername ist natürlich eher ein Witz und spielt vielleicht auf das übertriebene Ego-Gehabe einiger männlichen Rapper an. Emma mit so etwas in Verbindung zu bringen ist natürlich völlig abwegig. Aber um Namen ging es viel an diesem Abend. Emmy the Great hat bereits mehrere Alben veröffentlicht und mit vielen anderen Künstlern (Ash, Noah and the Whale) gearbeitet. Ihr neues Album "Second Love" übertrifft aber alles vorangegangene. Es ist voller toller Pop-Songs die überall auf der Welt funktionieren würden. Das passt in so fern, da Emma als Kind sowohl in England als auch in Hong Kong aufgewachsen ist und diverse Sprachen beherrscht.
"Second Love" wäre also eine wirklich aussichtsreiche CD wenn ich Besitzer einer Plattenfirma wäre, zumal ja weibliche Künstler (Lorde, Lana del Rey) gerade hoch im Kurs stehen. Und was passiert ? Gar nichts. Keine Rezensionen in Magazinen, keine Plakatierung des Konzertes, keine Werbung...gar nichts.
Daher ist es kein Wunder, dass sich im sowieso schon kleinen MTC Kellerclub in Köln gerade mal 20 Personen eingefunden haben. Nicht mal der obligatorische Local-Support wurde gebucht. Emma ist zum Glück bester Laune als sie zusammen mit ihrem Gitarristen gegen 21:30 die Bühne betritt. Sofort beginnt sie mit deutschen Ansagen (deutsch war ihre Fremdsprache auf der englischen Schule), daher möchte sie auch dabei wieder Fortschritte machen. Später erfragt sie noch unsere Namen, die ausgewählten Nelle und Guido kennt sie leider nicht, war aber auch schwierig.
Emma spielt zunächst selber viel Gitarre, später mehr auf ihrem winzigen Keyboard. "Dinosaur Sex" folgt schon als zweiter Song, danach zum Glück viel vom neuen Album. Klingt die CD manchmal, neben der erwähnten "Lana del Rey" (Swimming Pool) auch etwas düsterer in Richtung "Beach House", fehlt dieser Soundaspekt live fast völlig. Es ist ruhiger, moderner und schönster melodiöser Pop, den man in größeren Hallen mit mehr Instrumentierung noch klangvoller untermalen könnte. Emma bittet uns dann noch um Mithilfe. Sie besitzt seit Jahren ein Demo, deren Besitzer sie leider nicht ermitteln kann. Sie spielt den Song, er ist toll, aber von uns erkennt ihn auch keiner. Wer mit raten möchte findet unter Soundcloud Emma`s Cover zum Download. Sollte jemand das Werk kennen, bitte Emma auf Facebook anschreiben !! Am Ende wird noch ein Wunsch aus dem Publikum erfüllt. Emma spielt trotz der spärlichen Zuschauerzahl den kompletten Set, auch nicht die Regel.
Danach wird am Merchstand, den sie von der Bühne aus selber eröffnet noch über alle Aspekte des Lebens und der Musik gefachsimpelt, sie ist unfassbar locker und strahlt über beide Backen . Hoffentlich im Sommer wieder.
Konzert: Emmy The Great & Anna Aaron (Susanna Sundför) Ort: La Flèche d'or, Paris Datum: 23.11.2011 Zuschauer: 250 vielleicht?
Emmy The Great. Ist sie das wirklich? Großartig? Darüber will ich mich in Kürze hier auslassen. Natürlich und sympathisch ist sie jedenfalls nicht, zumindest in Paris kam sie nicht so rüber. Stattdessen wirkte sie schnippisch, hochnäsig und arrogant. Vermutlich bildet sie sich etwas auf ihr blendendes Aussehen ein und ihre Freundschaft mit Tim Wheeler von Ash.
Interessanterweise berichten aber Beobachter, die bei einem Konzert in Köln dabei waren, daß sie dort sehr charmant und herzlich auftrat. Hmm. Schlecht gepennt in der Nacht vor Paris? Möglich ist das. Tourende Musiker sind einem großen Stress ausgesetzt, reisen unkomfortabel und bekommen oft nicht ausreichend Schlaf. Da ist es kein Wunder, wenn man manchmal gereizt und pampig ist. Im Falle von Emma-Lee Moss aka Emmy The Great kann es aber durchaus eine große Rolle spielen, daß die junge, ursprünglich aus Hongkong stammende Frau, so früh Im Rampenlicht stand, vor allem in ihrer Heimat England. Wenn man von allen Seiten hört, daß man so toll ist und so entzückend aussieht, dann kann man schon mal die Bodenhaftung verlieren. Zumal Großbrittanien der einzige Markt ist, in dem noch ein wenig Geld steckt und Platten verkauft werden. Und Platten hat Emmy schon so einige veröffentlicht. Insgesamt stehen nun 4 Eps und zwei Alben zu Buche. Das letzte heißt Virtue und davon stammte dann natürlich auch der Löwenanteil der Stücke. Ein Werk, welches mit lobhudelnden Kritiken nur so überschüttet wurde. Zumindest in Teilen kann man das Nachvollziehen. Paper Forest z.B, ist in der Tat ein Knüller, sowohl in der Konserve als auch live. Zur Umsetzung bedurfte es neben Emmy eines zuszätzlichen E-Gittaristen, der zwar schöne, sehr atmosphärische Melodien spielte, sonst aber eher gesichtslos blieb. Die ganze Aufmerksamkeit zog die bildhübsche Asiatin auf sich. Sie sah aber auch wirklich extrem sexy aus! Gülden glitzender kurzer Rock, coole schwarze Boots, lilanes Glitzertop und darüber eine Jeansjacke. Ein Hingucker! Schade aber, daß sie kaum Augenkontakt zum Publikum aufnahm, sondern mit ihren wundervollen Rehaugen anscheinend ins Leere guckte. Es wäre deutlich mehr rübergekommen, wenn sie nicht so distanziert und kühl aufgetreten wäre. Ich hatte fast den Eindruck, sie achte bei jedem Schritt darauf, wie sie aussieht und wie sie auf den Konzertfotos wirkt. Ein echtes Barbie Girl, lediglich in der dunklen Variante!
Zurück zu den gespielten Liedern. Hier muss auf jeden Fall auch We Almost Had A Baby erwähnt werden. Ein Stück vom Debütalbum First Love, das sixtiespoppig und romantisch daherkam und bei einigen Leuten im Publikum schmachtvolle Blicke auslöste.
Auch alles andere als übel: der Pfeifsong Mia, ebenfalls von First Love und die abschließende schmachtende Ballade Trellick Tower, bei der Emmy textlich so sehnsüchtig fragte: "and I'll keep praying 'til the language dies, praying cause your'e so high, can I spend my life trying to climb you?
Ich persönlich fragte mich eher: "can I spend my life trying to understand why a young girl calls herself great, although she has still so much to learn?"
Aber es standen außer Emmy The Great auch noch andere junge Damen auf der Bühne an jenem 28. November. Die Norwegerin Susanna Sundför war als Erste auf die Zuschauer gehetzt worden, aber zu diesem Zeitpunkt weilte ich noch im Kino. Im Moment läuft in Paris gerade das Festival du Cinéma Allemand und ich hatte netterweise eine Einladung für den Eröffnungsabend bekommen, an dem der absolut bezaubernde Film Westwind lief. Vom Kino bis zur Flèche d'or war es ein weiter Weg, so daß ich erst zu Anna Aaron erschien. Und selbst diese junge Lady hatte bereits seit etwa einer viertel Stunde angefangen.Was ich aber noch zu hören und zu sehen bekam, weckte meine Neugierde. Ich erlebte das Konzert einer jungen selbstbewußten Pianistin aus der Schweiz, die eine mehrköpfige Band um sich scharte. Ihre Stimme war außergewöhnlich, leicht soulig/bluesig/jazzig und insofern dem Kehlchen von Sophie Hunger nicht unähnlich. Melancholische Balladen und flotte und eingängige Pop/Rocknummern (besonders toll: Seamonsters) hielten sich die Wage und die Band hatte ab und an richtig Bock, loszurocken. Anna verfügt über ein gehöriges Charima und kam entsprechend begeisternd rüber. Das zierliche Persönchen hielt ihre Truppe zusammen und auch filigrane Arrangements klappten fantastisch. Ich persönlich hatte eine Schwäche für die getragenen Stücke wie Joanna, in die Anna besonders viel Gefühl und Sehnsucht legte, aber auch Uptempo Tracks wie King Of The Dogs wurden immer wieder eingestreut.
Aber wo ordenet man Fräulein Aaron jetzt stilistisch ein? Was sind die Referenzen? Sophie Hunger könnte man nennen, aber auch Regina Spektor, Cat Power, Fiona Apple, PJ Harvey, oder Joan As A Police Woman. Letztlich aber - und das ist das Schöne- klingt Anna sehr eigen. Ihre Stimme transportiert so viele persönlichen Emotionen, daß es mir schwer fiel, nicht gerührt zu sein.
Daumen hoch für Anna Aaron!
Setlist Emmy The Great, La Flèche d'or, Paris
01: Eastern Maria 02: Dinosaur Sex 03: Paper Forest 04: Desert Prom 05: We Almost Had A Baby 06: Mia 07: First Love 08: North 09: Trellick Tower
Setlist Anna Aaron, La Flèche d'or, Paris:
01: Elijah's Chant 02: Holy Mother 03: Sea Monsters 04: Solo 05: Fire Over The Forbidden Mountain 06: Joanna 07: Mary Ruth 08: King Of The Dogs 09: Where Are You David
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