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um
23:12
Konzert: The Coathangers
Ort: mtc, Köln
Datum: 02.06.2017
Dauer: gut 60 min
Zuschauer: vielleicht 100
Meine erste Begegnung mit den Coathangers war merkwürdig. Die Punkband aus Atlanta supportete die wundervollen Thermals im Gebäude 9 in Köln. Mir war der rotzige, oft gebrüllte Punk in der Theorie viel zu wild, die drei Frauen schüchterten mich auch ein wenig ein, das Konzert war aber trotzdem fantastisch. Zwei Wochen später beim nächsten Thermals-Konzert wusste ich, was mich bei der Vorgruppe erwartete, und auch der Auftritt war perfekt!
Oft gehört habe ich die Coathangers in den letzten sechs Jahren nicht. Weil zu wenige Gelegenheiten kamen, die Band live zu sehen. Denn auf Platte ist das alles gut, auf einer Bühne aber viel besser! Als eine kurze Deutschland-Tour angekündigt wurde, war ich hin und weg, als das Konzert am Vorabend in München ganz kurzfristig warum auch immer abgesagt wurde, nervös. Ich kam einiges nach der angekündigten Einlaß-Zeit am mtc an, vor der Tür standen noch eine ganze Menge Leute, auch Nichtraucher. Der Einlaß hatte sich also mal wieder verschoben (mtc-Krankheit), denn freiwillig steht man nüchtern nicht auf der Zülpicher Straße.
Aus Beginn 21:00 h wurde 21:30 h, dann aber immerhin ohne Vorgruppe. Die drei Amerikanerinnen (2011 waren es noch vier) trugen einheitliche Shirts, was bei mir immer Casting-Assoziationen hervorruft (The Pipettes...). Wäre ich zufällig ins mtc getaumelt und hätte diesen Gedanken gehabt, wäre er spätestens nach dem ersten Lied weggewesen.
Das erste Stück Johnny sang Gitarristin Julia Kugel ("Crook Kid Coathanger"), das zweite Schlagzeugerin Stephanie Luke ("Rusty Coathanger") und so wechselte sich das eine ganze Weile ab zwischen den beiden. Bassistin Minnie Coathanger (Meredith Franco) sang am Anfang nur begleitend und später in den Liedern, in denen sie die Hauptsängerin war, nur sehr kurze Sequenzen.
Die meisten Lieder stammten von der 2016 erschienenen Platte Nosebleed Weekend, Der Titeltrack, das wundervolle Perfume (das mich an die B-52's erinnerte), Make it right, die besten Lieder des Konzerts, sind alle auf dem Album. So richtig leicht war es aber nicht, die Lieder auseinander zu halten, was gut ist, weil eben alle viel taugen und herrlich punkig waren. Irgendwann in der zweiten Hälfte des Konzerts wechselten die Frauen immer wieder ihre Positionen. Aber dadurch änderte sich wenig. Mal sang Rusty auf dem Platz der Bassistin ohne Instrument, das Lied klang aber nicht anders als der Rest. Also toll.
Als die Band zu den Zugaben zurückkam, spielte sie erst ein sehr altes Stück (Nestle in my boobies) und danach das perfekte Cover mit Sex beat vom Gun Club. Das wäre der perfekte Abschluß gewesen, der recht volle Saal hatte aber noch nicht genug, also kamen sie zurück und spielten noch einmal zwei Lieder - am Ende das poppigste Lied Captain's dead, das ganz grandios war.
Mir fällt nie viel zu den Coathangers ein, warum auch immer. Aber je häufiger ich die Band sehe, desto lieber mag ich sie. Es kommen also sicher noch ein paar schlechte Konzertberichte hier.
Setlist The Coathangers, mtc, Köln:
01: Johnny
02: Dumb baby
03: Smother
04: Down down
05: Nosebleed weekend
06: Burn me
07: Make it right
08: Perfume
09: Wipe out
10: Springfield cannonball
11: Watch your back
12: Follow me
13: ?
14: ?
15: Shut up
16: Cheap cheap
17: Squeeki tiki
18: Nestle in my boobies (Z)
19: Sex beat (Gun Club Cover) (Z)
20: Hurricane (Z)
21: Captain's dead (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- The Coathangers, Frankfurt, 15.04.11
- The Coathangers, Köln, 03.04.11
um
00:46
Konzert: The ThermalsOrt: Sinkkasten, FrankfurtDatum: 15.04.2011Zuschauer: sehr vollDauer: The Thermals knapp 70 min, The Coathangers 40 min
"Best audience on the tour, seriously!" urteilte Sänger Hutch irgendwann. Normalerweise gebe ich nichts auf solche Schmeicheleien, heute hatte der Mann, der beim Singen so herrlich den Mund verzieht, aber sicher vollkommen recht. Schwer vorstellbar, daß die Thermals vor noch euphorischerem Publikum gespielt haben.
Im Sinkkasten in Frankfurt war ich bisher einmal. Malajube hatten da gespielt, also eine Pflichtveranstaltung. Die Kanadier waren damals auch toll, die beiden (sehr) lokalen Vorgruppen eine Zumutung und der Club, nunja, sehr speziell. Sessel rund um die Tanzfläche, ein in einem Gitterkorb sitzender DJ, eine Aufteilung wie in Event-Kneipen (ein schrecklicher Euphemismus), so etwas sieht man
nicht alle Tage, zumindest nicht, sofern man nicht sportkegelt.
Heute war alles eine Ecke weniger aufregend. Ich kannte der Club ja bereits, ich kannte die Vorgruppe und ich kam so spät, daß ich erst kurz vor deren Auftritt da war. Keine Zeit also, Kuriositäten anzusehen.
Die Coathangers aus Atlanta hatten mir vor zwei Wochen in Köln schon Spaß gemacht. Mein damaliger Eindruck bestätigte sich auch heute. Eigentlich macht das Geschreie vor allem der Gitarristin Julia deren Musik für mich unhörbar, es gefiel mir aber trotzdem gut, warum auch immer. Eines der Stücke (in dem ein Hurricane
vorkommt), war richtig klasse, dem Rest gebe ich demnächst mal eine Chance. Aber live würde ich mir das Quartett vermutlich immer wieder ansehen.
Zum Auftritt der Thermals kann und muß ich auch nicht viel schreiben. Sie machen eben das, was sie immer machen. Sie spielen 70 Minuten lang Hits, sind laut, sind schnell, machen keine großen Pausen zwischen den Liedern und bringen die Leute zum Tanzen. Und das macht sie schlicht und ergreifend zu einer der besten Livebands, die ich kenne. Bühnenshow braucht es nicht, dafür haben weder Band noch Publikum Zeit. Das wenige, was man beobachten kann, ist dann aber trotzdem köstlich. Sänger Hutch verzieht wie erwähnt in atemberaubender Weise das Gesicht. Seine Kollegin Kathy am Bass hüpft auf der Stelle und Schlagzeuger Westin steht ab und zu auf und feuert das Publikum an. Mehr nicht, aber das tut es eben auch.
Im Vergleich zu Köln war die Setlist variiert. Die drei schienen auch zwischendrin noch etwas umzustellen,
ich weiß allerdings nicht was, weil ich die ausliegende Liste nicht gesehen habe. Im Gebäude 9 hatten die Thermals noch die beiden Balladen des letzten Albums nacheinander gespielt, dadurch war eine fünfminütige Luftholpause entstanden. Dieses Mal waren sie verteilt, es fiel also nicht weiter auf, daß es auch (zwei) langsamere Stücke im Gesamtwerk gibt.
An meinen Beschreibungen merkt man, daß mir nicht viel zu diesem Auftritt einfällt. Normalerweise spricht so etwas gegen die Band (und den Autor). Das Konzert heute war perfekt, die Stimmung im Saal großartig. Alles andere ist irrelevant (ausführlicher Berichte findet ihr unten unter "Links"!).
Setlist The Thermals, Sinkkasten, Frankfurt:01: Returning to the fold02: It's trivia03: Brace and break04: We were sick05: I let it go06: Not like any other feeling07: Only for you08: I don't believe you09: Our trip10: Every stitch11: Never listen to me12: Here's your future13: I might need for you to kill14: A stare like yours15: St. Rosa and the swallows16: Your love is so strong17: Back to gray18: How we know19: Overgrown, overblown!20: Now we can see21: A pillar of salt22: No culture icons (Z)23: Goddamn the light (Z)Links:
- aus unserem Archiv:
- The Thermals, Köln, 03.04.11
- The Thermals, Bochum, 23.10.09
- The Thermals, Haldern, 15.08.09
- The Thermals, Berlin, 08.08.09
- The Thermals, Rüsselsheim, 21.07.07
- The Thermals, Köln, 19.12.06
- The Thermals, Paris, 02.12.06
- mehr Fotos
um
00:28
Konzert: The ThermalsOrt: Gebäude 9, KölnDatum: 03.04.2011Zuschauer: ausverkauftDauer: The Thermals knapp 70 min, The Coathangers 40 minSehr viel besser kann ein Konzertabend wirklich nicht sein!Vor knapp zwei Jahren waren die Thermals zuletzt in Deutschland, die aktuelle Tour promotet Personal life, das mittlerweile fünfte Album der Band, das im vergangenen September erschienen ist. Im Gebäude 9 war das Trio aus Portland
bereits mehrfach, ausverkauft war es allerdings vermutlich bisher noch nicht. Trotz der halbjährigen Lücke zwischen Albumveröffentlichung und Tour locken die Thermals also auch ordentlich Publikum an, es hat sich eben herumgesprochen, daß die Truppe ganz hervorragende Konzerte spielt.Von der Vorgruppe The Coathangers aus Atlanta kannte ich bisher nichts außer dem Namen. Vielleicht hätte ich mir deren Auftritt nach kurzem Reinhören auch geschenkt, ich hätte dadurch 40 hochunerhaltsame Minuten verpasst! The Coathangers sind Julia Kugel (hellblaue Gitarre), Stephanie Luke (Schlagzeug), Meredith Franco (Bass) und Candice Jones (Keyboard). Extravagant sah zunächst nur Schlagzeugerin Stephanie aus. Mit halbrasiertem Kopf und vielen bunten Bildern auf dem Körper wirkte sie einschüchternd. Dagegen sahen die anderen drei sehr brav aus. Das änderte sich aber
schnell, spätestens, als Julia (geringeltes Oberteil) beim ersten Stück in ihr Mikro brüllte, als gelte es, jemandem auf der anderen Rheinseite um Hilfe zu rufen. Die Gesangsparts wechselten nach und nach (nur Keyboarderin Candice sang nie erste Stimme), der Stil des Gesangs blieb allerdings gleich, die jeweilige Sängerin brüllte sich das Zwerchfell aus dem Leib!Die punkige Melodien der Südstaatlerinnen gefielen mir sehr gut, insbesondere ein sehr langes Stück in der Mitte. Den Geschrei würde ich auf Platte vermutlich nicht gut ertragen, live waren die Lieder toll, die Band unterhielt mich hervorragend! Manchmal sang Julia mit breitem Tremolo und glich damit stimmlich Dead Kennedys Sänger Jello Biafra, mal hörten sich Lieder in wenig nach einer punkigen Version der Dresden Dolls (Cabaret-Punk), mal wegen der Keyboard
Melodien nach Saloon-Punk. Zwischen den Stücken schnauzten sich die vier Musikerinnen mal an, lachten viel und schienen zufrieden. Nicht zu unrecht, der Auftritt war nämlich sehr kurzweilig und unterhaltsam. Manchmal müssen potentielle Lieblingsbands offenbar nicht mal Musik machen, die ich auf Platte gerne haben wollte. Die Thermals sind schnell erzählt: 70 Minuten, 23 Hits, also alles wie immer. Allerdings gab es einen gravierenden Unterschied zu früher: auf ihrer aktuellen Platte haben Kathy, Hutch und Westin zwei neue Stilmittel entdeckt, die Ballade und das mehr als 3:00 Minuten lange Lied (wobei die Länge Folge des Tempos ist). Da für die Thermals die einfache, oft überprüfte Formel "nur Hits!" gilt, sind auch Not like any other feeling oder Never listen to me echte Knüller, obwohl sie eindeutige Vertreter der Kuschelrock-Phase der Amerikaner sind. Konzerte erlauben jetzt also auch eine gewisse Dramartugie. Vor den Balladen jagte das Trio zwanzig, fünfundzwanzig schnelle Nummern raus,
heute konnte zwischendurch kurz der Fuß vom Gas genommen werden, weil die beiden langsamen Neulinge nacheinander kamen.
Von Personal life hatten es einige Lieder ins Set geschafft, allerdings merkte man, daß die Veröffentlichung schon eine Weile zurückliegt, es dominierte nämlich eindeutig älteres Material.
Obwohl das Gebäude 9 ausverkauft war, war es vorne sehr angenehm. Es drängelte sich nichts und in der Mitte war genug Platz fürs pogende Volk. Ab dem dritten Lied wurde heftig getanzt, die Stimmung war ganz ausgezeichnet, aber das ist natürlich auch nicht schwer zu erreichen, wenn man das Repertoire der Thermals hat.
Neben den Mitgröhlhymnen Now we can see und Your love is so strong (vom neuen
Album) kam Here's your future besonders gut an und war mein Liebling des Abends. Dabei fiel mir auch zum ersten Mal auf, daß die Coathangers hinter der Bühne rechts hockten und kräftig mitgingen. Man konnte immer mal wieder winkende und schunkelnde Arme sehen, die Mädels hatten nicht nur an ihrem Auftritt viel Spaß.
Wer zu den Thermals geht, erwartet keinen feinsinnigen Abend wie bei Bands die deutlich mehr arty sind (Beach House zum Beispiel, deren ausgezeichnetes letztes Album in den Pausen lief). Aber das schmälert die Qualität des Konzerts in keiner Weise, die Thermals sind eine der besten Livebands, die ich bisher erlebt habe. Die neue Tiefe, die die Balladen mit sich bringen, schadet dem Spaß in keiner
Weise, im Gegenteil zählt Never listen to me auch live zu meinen Lieblingen.
Daß diese Live- (und Studio) Qualitäten so honoriert werden, gefällt mir. Und solchen (angenehmen) ausverkauften Shows der drei möchte ich noch sehr sehr oft sehen, sie zählen nämlich immer sicher zu den besten Konzerten des Jahres. My love is so strong, liebe Thermals!
Setlist The Thermals, Gebäude 9, Köln:01: Time to lose02: Returning to the fold03: I don't believe you04: It's trivia05: Brace and break06: We were sick07: I let it go08: Our trip09: Every stitch10: Not like any other feeling11: Never listen to me12: Here's your future13: I might need for you to kill14: An ear for baby15: A stare like yours16: Power lies17: Your love is so strong18: St. Rosa19: How we know20: Overgrown, overblown!21: Now we can see22: Pillar of salt23: Back to gray (Z)24: No culture icons (Z)Links:
- aus unserem Archiv:
- The Thermals, Bochum, 23.10.09
- The Thermals, Haldern, 15.08.09
- The Thermals, Berlin, 08.08.09
- The Thermals, Rüsselsheim, 21.07.07
- The Thermals, Köln, 19.12.06
- The Thermals, Paris, 02.12.06
- mehr Fotos
Termine:
05.04.11 Evreux, L'Abordage
06.04.11 Paris, La Maroquinerie
07.04.11 Lyon-Oullins, Le Clacson
09.04.11 Marmande, Garorock Festival
11.04.11 Aarau, Kiff
12.04.11 Munich, Hansa 39
13.04.11 Wien, Flex
14.04.11 Nuernberg, K4 Festsaal
15.04.11 Frankfurt, Sinkkasten