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Mittwoch, 5. November 2014

The History Of Apple Pie, Frankfurt, 04.11.14

2 Kommentare

Konzert: The History Of Apple Pie
Ort: Ponyhof, Frankfurt
Datum: 04.11.2014
Dauer: 40 min
Zuschauer: 11 



"Was Ihr nicht wusstet: wir haben nur Euch zu diesem Konzert eingeladen!" erklärte Stephanie Min das überschaubare Publikum im Ponyhof in Frankfurt. Wir waren elf, manchmal sogar zwölf Zuschauer. Vor anderthalb Jahren in Köln hatten 20 Leute die Londoner Indiepop-Band im mtc sehen wollen. Eine Schande! Wenn in den anderen drei Städten nicht dramatisch mehr Zuschauer waren, werden wir die Band wohl nicht mehr in Deutschland sehen. Also wir elf.


Anfang 2013 hatten The History Of Apple Pie ein durch und durch wundervolles Debütalbum veröffentlicht. Der Nachfolger Feel something erschien Ende September und enttäuschte mich sehr. Statt voll krachiger Lieder ist die zweite Platte ein Pop-Album. Viel vom Charme des Debüts war leider nicht viel übrig, wobei dies vermutlich ein wenig unfair ist, da Out of view ein so tolles Album ist. Mit einem prophetischen Titel, wie sich jetzt zeigt.

Trotzdem wollte ich die Band natürlich sehen - die Sucht.


Um kurz nach neun kamen die fünf Musiker auf die Bühne. Sonderlich motiviert wirkten sie nicht, aber wer will ihnen das verdenken? Die beiden Gitarristen hampelten rum und machten Unsinn. Einer jubelte nach dem ersten Lied, der andere hatte riesigen Spaß, daß neben ihm auf der Bühne eine Tür war. Manchmal lehnte er sich aber auch nur gegen die Wand während er spielte. 

Wie zu befürchten war, spielte die Band fast ausschließlich Stücke vom neuen Album. Aber live und schrammelig gefielen die mir allerdings deutlich besser als auf Platte! Man sollte eben eine Band immer nur bewerten, nachdem man sie auf der Bühne erlebt hat!

Auch wenn die neuen Stücke live sehr gut waren, waren die beiden besten Stücke alt. Glitch und vor allem Some kind (eine B-Seite) stachen deutlich heraus. Lieblinge wie Mallory oder See you fehlten zwar (außer den beiden alten Liedern kam alles von der aktuellen Platte), das Konzert war trotzdem kaum schlechter als das vor anderthalb Jahren - The History Of Apple Pie machen Spaß live! Schade, daß das niemand nachvollziehen können wird! Dabei sollten sich in einer Stadt wie Frankfurt doch wirklich mehr als eine Handvoll Leute mit gutem Musikgeschmack finden.

Zugaben der Band gab es nicht. Nach 40 min endete Before you reach the end mit einer Effekt-Orgie der beiden Gitarristen, zu der Stephanie nur ruhig auf der Bühne stand. Danach ging sie gemeinsam mit der Bassistin weg, ihre drei Kollegen spielten aber noch ein gejammtes Liedchen ohne Text (und Sinn) und tanzten dazu auf der Bühne.

Da ich nicht davon ausgehe, daß alle Zuschauer auch Eintritt bezahlt haben, hätte ich die Band zu gerne noch mit Merchkäufen unterstützt - aber das hatte ich alles schon. Da kleine Bands heutzutage wohl nur noch von Konzerten und Merch-Verkäufen leben können, war der Abend besonders frustrierend. Wieviel Talent wohl künftig strandet, weil sich Musiker diesen Job nicht mehr leisten können? Nur damit wir auf dem Handy in miesester Qualität mit unseren riesigen Kopfhörern überall Musik kostenlos streamen können und bloß keinen Cent an deren Urheber zahlen müssen.

Setlist The History Of Apple Pie, Ponyhof, Frankfurt:

01: Come undone
02: Tame
03: Special girl
04: Keep wondering
05: Glitch
06: Snowball
07: Some kind
08: Jamais vu
09: Before you reach the end

Links:

- aus unserem Archiv:
- The History Of Apple Pie, Köln, 12.05.13
 


Montag, 24. Juni 2013

Best Kept Secret Festival, 22. und 23.06.13

3 Kommentare

Festival: Best Kept Secret Festival 
Datum: 22. und 23.06.2013 (Tag 2 & 3)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft) 


von Dirk aus Mönchengladbach


Samstag

Auch der 2.Tag des Festivals konnte die ohnehin schon hohen Erwartungen erfüllen. Da mir leider keine "echte" Tastatur zur Verfügung steht, heute eine etwas kürzere Zusammenfassung. Beginnen wir den Bericht von hinten nach vorne, da die Eindrücke der Nacht noch frisch und besonders überzeugend waren. 

Obwohl ich mich bewusst gegen die grossen Acts wie ALT J und Damien Rice entschieden hatte, endete der Abend mit einer Bombe. Savages, die ich vor kurzem schon in Köln im Club erleben durfte, gingen im kleinen Zelt einfach nur durch die Decke. Pünktlich und passend gingen die Damen um 0:00 auf die Bühne und lieferten einen derart intensiven, druckvollen und harten Postpunkgig ab, dass vielen beim Tanzen die Bierbecher um die Ohren flogen. Meiner Meinung nach eine der besten Livebands zur Zeit und definitiv in 2 Jahren auf jeder Hauptbühne des Planeten...zu Recht. 

Fast genauso toll auch Melody's Echo Chamber deren verträumter Pop live ganz gross klingt und deren Band das ganze ebenfalls in einem Feedbackfinale ausklingen lässt. Auch hier ganz klar Potential für die Hauptbühne, gerade auch wegen der sympatischen und charismatischen Frontfrau. Seine Band The History of Apple Pie zu nennen, mag man als gewagt bezeichnen können, aber eigentlich ist es egal. Berühmt wird dieses Multikulti-Shoegazerorchester wohl leider sowieso nicht, ich mag die grossartige Platte und den gestrigen Auftritt trotzdem sehr. 

Doch kommen wir nun auch zu den Flops des Tages: Die Allah-Las durften auf der grossen Hauptbühne auftreten, konnten in mir aber keinen Zauber entfachen. Zu belanglos finde ich diese Retromasche bei der ich weder tanzen noch zuhören möchte. Dann lieber ein paar echte Retroscheiben auflegen oder Nick Waterhouse zuhören. Zuhören war auch bei den Swans schwierig, erstens weil Sänger Michael Gira so über die Bühne stolpert, dass man ihm sofort Hilfe anbieten möchte, andererseits diese dröhnenden oft halbstündigen Titel auf einem Festival einfach überfordern. Nichts gegen komplexe Arrangements, aber Mogwai haben dazu wenigstens Melodien und Spass auf der Bühne. 

Im stabilen, guten Mittelfeld wie immer Two Door Cinema Club und Efterklang, die beide vor riesigem Publikum auf der Hauptbühne antraten... da kann man nichts falsch machen, aber es gibt halt auch keine Überraschungen. Als einer der ersten durfte gestern dann noch Indians eröffnen, und erspielte sich alleine mit Keyboard einen Achtungserfolg. 

Sonntag

Das Pendeln mit dem Fahrrad (man ist ja schließlich in Holland) zwischen Hotel und Festival mit „Verpflegungsauto“ vor dem Gelände sollte sich auch am dritten Tag auszahlen, da das Wetter leider nicht besser wurde. Waren die Temperaturen für ein Festival eigentlich gut (nicht zu warm, aber auch nicht zu kalt), kam am Sonntag leider doch noch vereinzelt der große Regen dazu.. 

Da mein Hauptaugenmerk aber sowieso den Zeltbühnen TWO und THREE lag, keine wirkliche Einschränkung. Und so erlebte ich zur Mittagszeit auf der THREE eines der skurrilsten Konzerte seit Jahren. Autre Ne Veut, hinter dem sich, wie ich jetzt ergoogelte, eigentlich das Pseudonym von Arthur Ashin aus Brooklyn verbirgt und keine echte Band, waren mir durch ihre tolle Platte Anxiety aufgefallen. Und das, obwohl ich sonst weder etwas mit Autotune, Nu-Soul oder ähnlichem anfangen kann. Daher wollte ich der Live-Umsetzung eine Chance geben. Und dann stehen auf der Bühne ein mit bösem Blick die Zuschauer musternder Sänger mit umgedrehter Baseballkappe, eine blondierte Lady die aus einem David Lynch Filmset zu stammen scheint und ein Drummer in vollem White-Trash Gedächtnisanzug (Käppi, Shirt, abgeschnittene Jeans, Vollbart). Das Publikum staunt, aber dann knallen einem auch schon die Töne des besten Songs (Play by Play) entgegen. Mutig als Start denkt man noch doch dann merkt man erst wie gut das alles ist... ich will gar nicht auf alle Einzelheiten eingehen (der Pathos, das teilweise Gelächter im Publikum, das Winden auf dem Bühnenboden), es war super... aber wirklich empfehlen kann ich es auch keinem, sehr eigenartig... aber dafür geht man ja auf Festivals... 

Kommen wir nun wieder zu normalen Menschen, und nachdem die Local Natives auf der Hauptbühne etwas unter dem Starkregen zu leiden hatten, war es Zeit für die Palma Violets. Normal ist hier auch relativ, aber zumindest auf der Insel würden diese Jungs nicht weiter auffallen. Schlecht gekleidet und reichlich betrunken gab es hier genau das, was man erwartete. Die jährliche British Sensation mit Songs wie Chicken Dipper und Rattlesnake Highway. Hier waren keine Molltöne am Start und Zeit einfach mal das Bier auf die Bühne zu werfen, um willenlos zu tanzen. Zur Musik: Exakt wie die Libertines, bitte nur Heroin durch Bier ersetzen. 

Danach war ein persönlicher Kleidungswechsel erforderlich, daher verpasste ich leider den DJ, den ich eigentlich unbedingt sehen wollte: Cashmere Cat. Aber es wurde Zeit für den großen Headliner Sigur Ros. Da will man ja nicht aussehen wie ein durchschnittlicher Festivalbesucher, wenn Jonsi sein bestes Jacket aus dem Schrank holt. Sigur Ros begleiten mich seit vielen Jahren, seit dem ersten Konzert auf Bierbänken im Gebäude 9 bin ich Ihnen verfallen. Allerdings immer eher wegen der Konzerte, die mich noch nie enttäuscht haben. Es ist einfach ein Wunder, dass diese Band mittlerweile vor einem Festivalpublikum bestehen kann, ohne auch nur einen Schritt von der Vision ihrer Musik abzuweichen. Vieles wurde schon geschrieben, meistens hat es mit Engeln, Elfen und anderem Quatsch zu tun, meiner Meinung nach ist aber die pure Musikalität und die völlige Hingabe zur eigenen Kunst/Musik die alle in Ihren Bann zieht. Leider können hier Beschreibungen gar nichts von dem ausdrücken, was man bei Sigur Ros Konzerten erlebt. Meistens schießen einem bereits im ersten Song Tränen in die Augen, in der Mitte des Sets liegt ein Rocker einem Gothicmädel weinend im Arm und zum Schluss sitzt man noch mindestens 30min vor der Bühne ohne zu wissen warum...

Sigur Ros spielen heute ein paar neue Stücke, die wieder vor Melodien strotzen und haben natürlich Streicher, Bläser, einen Chor, tolle Visuals und zwei Schlagzeuger dabei. Jonsi bügelt die Gitarre und obwohl wieder keinerlei verbale Interaktion mit den Zuschauern erfolgt, fühlt man sich persönlich eingeladen, dieser Musik beiwohnen zu dürfen. Ein Traum von einer Band. 

Sigur Ros Setlist, Best Kept Secret Festival:

01: Yfirborð 
02: Brennisteinn 
03: Glósóli 
04: Sæglópur 
05: Ísjaki 
06: Hrafntinna 
07: Varúð 
08: Hoppípolla 
09: Með Blóðnasir
10: Kveikur 
11: Festival 
12: Popplagið 

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Keiner schafft es in Deutschland, so ein schönes Festival für 15.000 Menschen auszurichten. Und das bei der ersten Ausgabe, wo Probleme auch gerne verziehen werden. Ich habe keinmal an einem Getränkestand oder einer Toilette gewartet, es gab KEINE Dixieklos, keine Werbestände von Sponsoren, nicht mal Werbebanner. Ein 0,3 Bier kostete 3 EUR und man konnte an mindestens 50 PRIVATEN Essensständen kulinarisch einmal um die Welt reisen... ich bin nächstes Jahr wieder da.


Montag, 13. Mai 2013

The History Of Apple Pie, Köln, 12.05.13

1 Kommentare

Konzert: The History Of Apple Pie
Ort: mtc, Köln
Datum: 12.05.2013
Zuschauer: 20
Dauer: The History Of Apple Pie 40 min, Taiga 43 min




Da war ich doch ein wenig optimistisch, als ich einem Freund, der mitkommen wollte, den Zeitplan des Abends mailte: "Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr, Ende 21.35 Uhr." Da weder die Website des Clubs, noch die Veranstaltungsseite bei Facebook etwas von einer Vorgruppe geschrieben hatte und überall stattdessen "Beginn 21 Uhr" stand, war ich überzeugt, daß der Abend kurz werden würde. Um kurz nach halb neun kam ich am mtc auf der Zülpicher Straße an, um zu sehen, daß die Clubtür noch geschlossen war. Einen Moment später ging sie auf, weil die Band zum Essen ging. Na super, da ging er dahin, der kurze Abend.


Es wurde fast zwanzig nach neun, bis die ersten Musiker erschienen. Dummerweise war es eine dreiköpfige Band aus Osnabrück, die ich mir, weil ich ja nun mal da war, auch ansehen wollte. Deren erster Satz enthielt aber "der Mann im Mond", woraufhin ich fluchtartig den Kellerclub verließ, um vor der Tür auf das Ende des kurzen Vorprogramms zu warten. Auch oben bekam ich noch genug mit, besonders die Textzeile, die mit "ich bin ein Clown" begann, begeisterte aus der Ferne. Taiga spielten fast eine Dreiviertelstunde (und damit länger als die Hauptgruppe). Warum man als Veranstalter an einem Sonntagabend eine Vorgruppe aufbieten muß, verstehe ich nicht. Das dann aber noch nicht einmal zu erwähnen, ist schon unverschämt.


Jedenfalls fingen The History Of Apple Pie schließlich nach halb elf an, also zu einem Zeitpunkt, an dem ich schon wieder zu Hause sein wollte. 

The History Of Apple Pie stammen aus London und haben im Februar ihr Debütalbum Out of view veröffentlicht, das bei mir seitdem hoch und runter läuft. Out of view ist so etwas wie ein Pains Of Being Pure At Heart Album mit weiblicher Stimme und ohne die ganze großen Smash-Hits. Zumindest dachte ich das am Anfang. Je häufiger ich die Platte höre, umso weniger gilt die zweite Hälfte meiner Theorie. Mallory, See you oder Do it wrong sind große Ohrwürmer und müssen sich vor niemandem verstecken.


Wie sich die fünf Musiker live schlagen würden und ob sie ihre Hits auch ordentlich auf die Bühne bringen würden, war die Frage, die ich mir während der langen Warterei stellte. Ich muß noch einmal die großartigen Pains Of Being Pure At Heart zu bemühen. Live kann die Band um Sänger Kip Berman enorm viel Spaß machen, es kann allerdings auch ordentlich in die Hose gehen. Wenn die Gruppe zu leise spielt und gesanglich nicht in großer Form ist, klingt Kip schief. Beim Latitude Festival vor ein paar Jahren war das der Fall, das Konzert war ein großer Flop. Wenn der Sound nicht gut abgemischt ist, werden die vielen Gitarren schnell breiig. Auch das kann einen Abend schnell versauen. Da ich wegen des Zeitplans und der Clown-Mann-im-Mond-Band schon auf Krawall gebürstet war, hätte so etwas meiner Laune den Rest gegeben.


Daß die Londoner keinen Soundcheck machen konnten, steigerte die Chancen auf einen miesen Auftritt noch einmal.

Es kam allerdings anders. Als The History Of Apple Pie schließlich anfingen, war der Klang trotz der drei Gitarren und der nicht gerade rausgebrüllten Stimme von Sängerin Stephanie Min viel besser als erwartet. Es gab ab und zu (ungewollte) Rückkopplungen, Stephanies Gesang klang ab und zu (bei Do it wrong) einen Tick schief, allerdings trübte das meinen Gesamteindruck der Band mit dem schönen Namen keinen Deut. Besonders toll war neben Mallory und See you der Schluß mit den beiden ineinander übergehenden Stücken I want more und Before you reach the end. 


40 Minuten, keine Zugabe, so hatte ich mir das vorgestellt. Daß es musikalisch gut werden würde, hatte ich gehofft. Der Rest war sehr doof und vollkommen unnötig. Da muß sich dann auch niemand wundern, wenn nur 20 Leute das Risiko eingehen, Sonntagabend ins mtc zu gehen. Ich werde mir beim nächsten Mal auch sehr überlegen, ob ich mir das noch einmal antue.

Was ich nicht kapiert habe, war die Sache mit dem Licht. Das mtc hat für einen Club dieser Größe eine schöne Ausleuchtung der Bühne. Daß in der ersten halben Stunde niemand an der Lichtanlage rumspielte und die Musiker von dauerhaft leuchtenden roten und blauen Spots anstrahlte, gefiel mir gut. Das war foto- und guckfreundlich. Um elf begann dann offenbar die Schicht des Beleuchters. Mit dem vorletzten Lied fing es an zu blinken. Für die nächsten zehn Minuten. Warum auch immer.


Setlist The History Of Apple Pie, mtc, Köln:

01: I'm not alone
02: The warrior
03: Mallory
04: Tug
05: See you
06: Do it wrong
07: Glitch
08: I want more
09: Before you reach the end



 

Konzerttagebuch © 2010

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