Mein mittlerweile viertes Konzert der Isländerin sóley sollte an diesem Pfingstmontag in der Berliner Volksbühne stattfinden. Besonders gut in Erinnerung blieb mir ihr Konzert im mittlerweile geschlossenen Szene-Club Horst im Jahre 2012. Nun ist sie mit ihrem neuem Album "Ask The Deep" auf Tour und meine Erwartungen waren hoch angesetzt. Oftmals überlegen sich Musiker, die in die Volksbühne gebeten werden, etwas ganz besonderes für ihren Auftritt. Oftmals laden sie Gastmusiker ein oder kommen gleich mit Chor oder Kammerorchester auf die Bühne. Diesen "Luxus" gönnte sich an diesem Abend nur der Support Óbó, welcher mit großem Aufgebot sein gelungenes Debüt gab. sóley wiederum kam in gewohnter Manier mit ihren "Stammmusikern" am Schlagzeug und Gitarre. Sie selbst positionierte sich statisch hinter ihrem Keyboard nebst der gerne ausgiebig eingesetzten Loop-Station. Gefallen haben mir ihr Neuinterpretationen der alten Lieder. Dabei insbesondere "Kill The Clown", welches durch die Entschleunigung an Dramatik gewann. Auch die neuen Lieder gefielen beim ersten Hören. Aufgelockert wurde der Abend durch den sóley-typischen trockenen und selbstironischen Humor. Ein für mich grosser Kritikpunkt ihres Konzertes war die verpasste Chance in der Volksbühne etwas "besonderes" zu erschaffen - jenseits von gewohnter Tour-Routine. Aber vielleicht ist das nicht sóleys Weg. Vielleicht mag sie die Kontrolle über ihre intime Musik und den morbiden Pop behalten. Alles in allem ein gelungenen Abend. Kurzentschlossene können sóley am 27.5. in Frankfurt und am 28.5. in Köln erleben. Impressionen des Abends finden sich nach dem Seitenumbruch (weiterlesen):
We Have Band aus Manchester hatten gestern in Berlin ihren Tourauftakt. Dabei wurde viel getanzt und geschwitzt. Weitere Tourtermine in Deutschland sind:
21.05. Dresden - Beatpol 22.05. Mainz - Open Ohr Festival 23.05. München - Theatron-Festival Ein paar Impressionen des Abends haben wir fotografisch festgehalten: (Weitere Informationen anklicken!)
Konzert: Alt-J Ort: Berlin Lido Datum: 01.10.2014 Dauer: 80 Min. Zuschauer: ca. 300
Bekanntschaft machte ich mit Alt-J das erste Mal im kleinen Comet Club - als Vorband von Big Deal - vor vielleicht 30 Zuschauern. Dass diese Band kurze Zeit später im Handumdrehen das Astra ausverkaufen würde, ist für mich zu diesem Zeitpunkt kaum vorstellbar gewesen.
Und so stehe ich zwei Jahre und ein Album später im Berliner Lido und bin Gast einer exklusiven Show. Um die Exklusivität noch weiter zu steigern, konnte man für dieses Event nur Gästelistenplätze gewinnen. Und so befand ich mich in der typischen Gesellschaft bei solchen Events: Euphorische Fans gepaart mit Leuten die bei der Lotterie einfach mal mitgemacht haben.
Nur sehr selten bin ich bei Konzerten schon im Vorfeld so aufgeregt wie ich es bei Alt-J an diesem Abend war. Ihre Musik lief bei mir in den vergangenen Wochen rauf und runter - was vielleicht am ehesten vergleichbar mit meiner Depeche Mode Phase wäre - nur liegt diese schon Ewigkeiten zurück. Und so bin ich überglücklich, als Alt-J die Bühne betreten und mit Hunger Of The Pine den Abend gefühlvoll beginnen lassen. Sofort erliege ich dem Charme ihrer vielschichtigen Musik. Im rotgelben Halbdunkel kann man die Band kaum erkennen. Weiter geht es mit dem dynamischeren Fitzpleasure und Something Good. Die wenige Konversation mit dem Publikum, überlässt die Band, wie üblich, Gus Unger-Hamilton. Mich persönlich würde es auch eher verwundern, wenn die Band durch große Worte oder Gesten das Publikum „anheizen“ würde. Und so bleiben Alt-J sich treu und für mich authentisch. Und authentisch ist auch ihr eher statisches Auftreten.
Bis auf Thom Green, der sich am Schlagzeug von Beginn an verausgabt, verharrt die Band an ihren Positionen.
Mit Matilda folgt eines meiner Lieblingslieder ihrer ersten Platte gefolgt von Bloodflood Pt 1+2, die so wunderschön ineinander übergehen. Und so sauge ich jeden Ton in mich auf, als wäre ich musikalisch fast verdurstet und achte gar nicht mehr auf all die weltlichen Dinge - und sei es nur meine Jacke ausziehen in dem sich immer weiter aufheizendem Lido.
Um mich herum schaue ich in selige Gesichter. Do not spray into eyes, I have sprayed you into my eyes ruft die Menge zu Taro. Gänsehaut macht sich auf meinem Rücken breiter und breiter. Mit The Gospel Of John Hurt endet das reguläre Set und wird nach großen Applaus mit dem Cover Lovely Day fortgesetzt. Nara und Leaving Nara folgen, um dann mit allen im Finale zu Breezleblock lautstark Please don't go, please don't go I love you so, I love you so zu rufen.
Es ist erst Anfang Oktober und vielleicht verfrüht ein Konzert des Jahres festzulegen - aber bei Alt-J kann ich das ruhigen Gewissens tun, denn dieses Konzert wird dieses Jahr definitiv nicht mehr übertroffen werden können.
Die Musik von Alt-J berührt mich nicht nur auf Vinyl. Es gelang ihnen ihre komplexen und sehr unterschiedlichen Musikstile mit ihrer sympathischen Authentizität und dennoch Professionalität so vorzutragen, dass ich immer wieder Gänsehaut bekam. Stimmlich bewegend und rhythmisch exzellent untermalt. Alt-J sind nicht diese typischen Modepüppchen, die mit viel zu viel Eyeliner ihren Weltschmerz daherheucheln. Alt-J sind für mich die Jungs, die man auf dem Schulhof beieinander stehen sah, ein wenig pummlig, mit Brille, unförmigen Klamotten und vielleicht auch ein wenig schüchtern. Und warum soll man die Bühnen nur lauter optischen Retorten überlassen, die in einer Gleichförmigkeit bei mir oft nur Langeweile auslösen. Wer sich selbst ein Bild von Alt-J machen möchte, der bekommt Anfang 2015 Gelegenheit dazu. In Offenbach, Köln, Hamburg, Berlin und München machen sie dafür Station. Setlist: Hunger Of The Pine Fitzpleasure Something Good Left Hand Free Dissolve Me Matilda Bloodflood Bloodflood Pt. 2 Interlude I (SheSheShe) Tessellate Every Other Freckle Taro Warm Foothills The Gospel Of John Hurt - Lovely Day Nara Leaving Nara Breezeblocks
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
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