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Donnerstag, 25. Juni 2015

Sophie Hunger, Berlin, 18.06.2015

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Konzert: Sophie Hunger
Ort: Berlin
Datum: 18.06.2015
Dauer: ca. 100 Minuten
Zuschauer: ausverkauft

Konzertbericht: Merle; Fotos: Markus


Schon am frühen Abend standen etliche Zuschauer erwartungsvoll mit ihrem Ticket in der Hand vor dem Kesselhaus, sie warteten darauf, zum Sophie Hunger Konzert eingelassen zu werden, das um 21:15 beginnen sollte. Die Stimmung war gut und die ersten Reihen schon wenige Minuten nach der Öffnung besetzt – Vorfreude und gespannte Erwartung waren deutlich spürbar. Mit der kanadischen Vorband „Mark Berube“ stieg die Spannung noch weiter, voller Ungeduld wurde Sophie Hunger herbeigesehnt. 
Und nur um wenige Minuten verspätet stürmten Sophie Hunger und Band mit voller Energie die Bühne und eroberten sie schon mit dem ersten Stück „ Supermoon“, dem Titelsong ihres kürzlich erschienenen, gleichnamigen Albums. 

Anfangs präsentierte sie viele Stücke ihres neuen Albums, auffallend dabei waren Klangeffekte, sphärische Geräusche, erzeugt mit Gitarre, Klavier, Synthesizer, Klarinette und Flügelhorn, und einfühlsam akzentuiert vom Schlagzeug. Mal wirkt es abstrakt, dann sehr originell, oft ziemlich kompliziert und immer wieder kann die Formation auch durch einfache und direkt Ehrlichkeit überzeugen – Sophie Hungers Band hat sich auch bei diesem Konzert selbst übertroffen! 
Etwa ab der Mitte des Konzerts wurden auch ältere Songs wie „ le vents nous portera“ dargeboten, die Sophie Hunger mit überzeugender Leichtigkeit in neuen und ganz anderen Farben interpretierte. 

Gebannt und fasziniert begaben sich die Zuschauer mit Sophie Hunger und ihrer Band auf eine musikalische Reise durch ein Meer von Emotionen. Es war mit Händen zu greifen, wie das Konzert im Verlaufe des Abends zu einem unvergeßlichen Abenteuer für das Publikum wurde, das sich dann auch entsprechend dankbar zeigte. Kraftvoll und mit einer große Portion unverblümter Ehrlichkeit, viel Ironie,Provokation, Tiefgang und Ernsthaftigkeit, ohne viel zu sprechen, präsentierten sich Sophie Hunger und Band in Berlin auf der Bühne des Kesselhauses. Man durfte für einen Moment an ihrer unerschöpflichen Phantasiewelt teilhaben sich durch ihre Musik und poetischen Meisterwerke ihre Sicht der Welt erklären lassen. 
Bei alledem steht Sophie Hunger steht mit unvergleichbarer Offenheit und festem Selbstbewusstsein auf der Bühne, wie man es nur bei sehr wenigen Musikern erlebt. Sie spielt ihre Lieder nicht nur, sondern lebt sie und damit sich. Unverkennbar war dies in Stücken wie „Love Is Not The Answer“ und „Superman Woman“ oder „ Spaghetti mit Spinat“ - alles Stücke aus ihrem neuen Album. 

Das insgesamt etwas ältere Publikum blieb bis zum Schluss im Bann ihrer Musik und schaffte es auch, die Musikerin mit Band noch zwei weitere Male für mehrere Zugaben auf die Bühne zu holen, bei denen sie dann auch eines meiner persönlichen Lieblingslieder, nämlich „ 1983“ spielte: „Irgendwann habe ich entdeckt, dass ich mit Gesang die Menschen wütend, traurig oder fröhlich machen kann“ - womit die 32-jähige Schweizer Musikerin völlig recht hat - und dafür sind wir ihr sehr dankbar. Ein sehr gelungenes Konzert.


Links:

- aus unserem Archiv:
- Sophie Hunger, Stuttgart, 20.04.2013
- Sophie Hunger, Karlsruhe, 01.03.2013
- Sophie Hunger, Berlin, 19.02.2013
- Sophie Hunger, Paris, 29.01.2013 
- Sophie Hunger, Berlin, 19.11.2012 
- Sophie Hunger, Paris, 10.11.2012 (französisch)
- Sophie Hunger, Paris, 10.11.2012 (deutsch) 
- Sophie Hunger, Paris, 09.03.2012 
- Sophie Hunger, Paris, 06.12.2010
- Sophie Hunger, Haldern Festival, 14.08.2010
- Sophie Hunger, Paris, 02.06.2010 
- Sophie Hunger, Köln, 29.09.2009 
- Sophie Hunger, Köln, 09.05.2009 
- Sophie Hunger, Paris, 23.03.2009 
  

Mittwoch, 27. Mai 2015

Fotoalbum: sóley & Óbó, Berlin 25.05.2015

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Konzert: sóley (Support Óbó)
Ort: Volksbühne
Datum: 25.5.2015




Mein mittlerweile viertes Konzert der Isländerin sóley sollte an diesem Pfingstmontag in der Berliner Volksbühne stattfinden. Besonders gut in Erinnerung blieb mir ihr Konzert im mittlerweile geschlossenen Szene-Club Horst im Jahre 2012. Nun ist sie mit ihrem neuem Album "Ask The Deep" auf Tour und meine Erwartungen waren hoch angesetzt. Oftmals überlegen sich Musiker, die in die Volksbühne gebeten werden, etwas ganz besonderes für ihren Auftritt. Oftmals laden sie Gastmusiker ein oder kommen gleich mit Chor oder Kammerorchester auf die Bühne. Diesen "Luxus" gönnte sich an diesem Abend nur der Support Óbó, welcher mit großem Aufgebot sein gelungenes Debüt gab. sóley wiederum kam in gewohnter Manier mit ihren "Stammmusikern" am Schlagzeug und Gitarre. Sie selbst positionierte sich statisch hinter ihrem Keyboard nebst der gerne ausgiebig eingesetzten Loop-Station. Gefallen haben mir ihr Neuinterpretationen der alten Lieder. Dabei insbesondere "Kill The Clown", welches durch die Entschleunigung an Dramatik gewann. Auch die neuen Lieder gefielen beim ersten Hören. Aufgelockert wurde der Abend durch den sóley-typischen trockenen und selbstironischen Humor.
 Ein für mich grosser Kritikpunkt ihres Konzertes war die verpasste Chance in der Volksbühne etwas "besonderes" zu erschaffen - jenseits von gewohnter Tour-Routine. Aber vielleicht ist das nicht sóleys Weg. Vielleicht mag sie die Kontrolle über ihre intime Musik und den morbiden Pop behalten. Alles in allem ein gelungenen Abend.
Kurzentschlossene können sóley am 27.5. in Frankfurt und am 28.5. in Köln erleben.

Impressionen des Abends finden sich nach dem Seitenumbruch (weiterlesen):



Montag, 13. Oktober 2014

Alt-J, Berlin, 01.10.2014

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Konzert: Alt-J
Ort: Berlin Lido
Datum: 01.10.2014
Dauer: 80 Min.
Zuschauer: ca. 300



Bekanntschaft machte ich mit Alt-J das erste Mal im kleinen Comet Club - als Vorband von Big Deal - vor vielleicht 30 Zuschauern. Dass diese Band kurze Zeit später im Handumdrehen das Astra ausverkaufen würde, ist für mich zu diesem Zeitpunkt kaum vorstellbar gewesen. Und so stehe ich zwei Jahre und ein Album später im Berliner Lido und bin Gast einer exklusiven Show. Um die Exklusivität noch weiter zu steigern, konnte man für dieses Event nur Gästelistenplätze gewinnen. Und so befand ich mich in der typischen Gesellschaft bei solchen Events: Euphorische Fans gepaart mit Leuten die bei der Lotterie einfach mal mitgemacht haben. 


Nur sehr selten bin ich bei Konzerten schon im Vorfeld so aufgeregt wie ich es bei Alt-J an diesem Abend war. Ihre Musik lief bei mir in den vergangenen Wochen rauf und runter - was vielleicht am ehesten vergleichbar mit meiner Depeche Mode Phase wäre - nur liegt diese schon Ewigkeiten zurück. 
Und so bin ich überglücklich, als Alt-J die Bühne betreten und mit Hunger Of The Pine den Abend gefühlvoll beginnen lassen. Sofort erliege ich dem Charme ihrer vielschichtigen Musik. Im rotgelben Halbdunkel kann man die Band kaum erkennen. Weiter geht es mit dem dynamischeren Fitzpleasure und Something Good. Die wenige Konversation mit dem Publikum, überlässt die Band, wie üblich, Gus Unger-Hamilton. Mich persönlich würde es auch eher verwundern, wenn die Band durch große Worte oder Gesten das Publikum „anheizen“ würde. Und so bleiben Alt-J sich treu und für mich authentisch. Und authentisch ist auch ihr eher statisches Auftreten. 

Bis auf Thom Green, der sich am Schlagzeug von Beginn an verausgabt, verharrt die Band an ihren Positionen. Mit Matilda folgt eines meiner Lieblingslieder ihrer ersten Platte gefolgt von Bloodflood Pt 1+2, die so wunderschön ineinander übergehen. Und so sauge ich jeden Ton in mich auf, als wäre ich musikalisch fast verdurstet und achte gar nicht mehr auf all die weltlichen Dinge - und sei es nur meine Jacke ausziehen in dem sich immer weiter aufheizendem Lido. 

Um mich herum schaue ich in selige Gesichter. Do not spray into eyes, I have sprayed you into my eyes ruft die Menge zu Taro. Gänsehaut macht sich auf meinem Rücken breiter und breiter. Mit The Gospel Of John Hurt endet das reguläre Set und wird nach großen Applaus mit dem Cover Lovely Day fortgesetzt. Nara und Leaving Nara folgen, um dann mit allen im Finale zu Breezleblock lautstark Please don't go, please don't go I love you so, I love you so zu rufen. 

Es ist erst Anfang Oktober und vielleicht verfrüht ein Konzert des Jahres festzulegen - aber bei Alt-J kann ich das ruhigen Gewissens tun, denn dieses Konzert wird dieses Jahr definitiv nicht mehr übertroffen werden können. Die Musik von Alt-J berührt mich nicht nur auf Vinyl. Es gelang ihnen ihre komplexen und sehr unterschiedlichen Musikstile mit ihrer sympathischen Authentizität und dennoch Professionalität so vorzutragen, dass ich immer wieder Gänsehaut bekam. Stimmlich bewegend und rhythmisch exzellent untermalt. 
Alt-J sind nicht diese typischen Modepüppchen, die mit viel zu viel Eyeliner ihren Weltschmerz daherheucheln. Alt-J sind für mich die Jungs, die man auf dem Schulhof beieinander stehen sah, ein wenig pummlig, mit Brille, unförmigen Klamotten und vielleicht auch ein wenig schüchtern. Und warum soll man die Bühnen nur lauter optischen Retorten überlassen, die in einer Gleichförmigkeit bei mir oft nur Langeweile auslösen. 
Wer sich selbst ein Bild von Alt-J machen möchte, der bekommt Anfang 2015 Gelegenheit dazu. In Offenbach, Köln, Hamburg, Berlin und München machen sie dafür Station.

Setlist:

Hunger Of The Pine
Fitzpleasure
Something Good
Left Hand Free
Dissolve Me
Matilda
Bloodflood
Bloodflood Pt. 2
Interlude I (SheSheShe)
Tessellate
Every Other Freckle
Taro
Warm Foothills
The Gospel Of John Hurt
-
Lovely Day
Nara
Leaving Nara
Breezeblocks


Donnerstag, 18. September 2014

Samaris, Berlin, 17.9.2014

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Konzert: Samaris
Ort: Berlin Privatclub
Datum: 17.9.2014
Dauer: 70 Min.
Zuschauer: ca. 100



Ach - die Isländer. Allesamt musikalische Wunderkinder. Dazu gehören meiner Meinung nach auch die wunderbaren Samaris, die ich an diesem Abend zum zweiten Mal in Berlin genießen durfte. Nach dem sehr vollen Konzert in der Berghain/Kantine nun im Privatclub, der sich allmählich auch füllte, bis es kurz nach halb neun losging. 
Samaris - das sind Sängerin Jófríður Ákadóttir, Klarinettistin Áslaug Rún Magnúsdóttir und der Mann an den Elektro-Reglern Þórður Kári Steinþórsson.

Nun - irgendwas mit Elektro und Stimme ist ja keine Seltenheit mehr. Dillon, Zola Jesus, Sohn und soley fallen mir da spontan ein. Was Samaris so besonders macht ist die Klarinette, die ihrer Musik die besondere Note verleiht und welche ich - im Gegensatz zu Christoph - auch schon unabhängig von Samaris zu schätzen wusste.
Als Samaris die karge Bühne des Privatclubs betreten, sind sie lustig kostümiert - wie auf einer Faschingsparty im Studentenklub. Besonders die Sängerin sieht mit ihrer Beindekoration doch arg nach einem Satyr aus. Meinen persönlichen Geschmack hat es nicht getroffen und so schiebe das Ganze dann doch noch auf die Suche nach dem eigenen Stil.
Aber, lieber Privatclub, was gar nicht geht ist, dass ihr einen hässlichen Tisch für die Technik in die Mitte der Bühne stellt und obendrauf eine Europalette legt. Nicht mal ein schnödes schwarzes Tuch war es euch wert, um dieses zu kaschieren. Es wirkte dann doch arg improvisiert. Schämt euch!

Die Band wird das ganze Konzert über nur von hinten angestrahlt. Das würde bei einer größeren Bühne sicherlich toll aussehen, in der intimen Atmosphäre des Privatclubs hat es etwas von Versteckspiel. Musikalisch können Samaris auch an diesem Abend überzeugen. Stimmlich ist die Sängerin genau wie Klarinettistin sehr überzeugend. Die Elektrorhythmen sind eindringlich, interessant, aber auf Dauer doch sehr ähnlich.  Die neuen Lieder reihen sich nahtlos zu ihrem Debütalbum ein. So dass es durchaus Sinn macht, wenn die "alten" Lieder auch als solche angekündigt werden. Die Dominanz der Elektrorhythmen walzt zwischendurch immer mal wieder alles nieder. Auch ist mir die Abhängigkeit an die vorgegebenen Samples zu groß und kreative Spielfreude kann nur begrenzt aufkommen. Das wirkte im Berghain noch anders, kann aber auch täuschen.

Ja - all das ist jammern auf sehr hohem Niveau. Samaris sind etwas besonders Schönes und der Abend war mehr als gelungen. Gerade der Gesang in Landessprache hat für meine Ohren etwas angenehm einlullendes. Dennoch würde ich mir für künftige Konzerte einen weiteren Entwicklungsschritt wünschen. Ob es ein weiteres (klassisches) Instrument wäre oder eine zusätzliche Stimme, mag ich nicht beantworten. Das, was heute noch für mich besonders und schön ist, würde aber mit der Zeit verfliegen. Zu viele andere Musiker versuchen sich zur Zeit am Elektro-Kuchen.

Aus unserem Archiv:
Samaris, Köln, 16.9.14



 

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