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Sonntag, 10. April 2011

Patrick Wolf, Wien, 08.04.11

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Konzert: Patrick Wolf & Rowdy Superstar
Ort: WUK, Wien
Datum: 08.04.11
Zuschauer: ausverkauft, mehr als 500
Konzertdauer: Patrick Wolf ca. 90 Minuten

Patrick Wolf und Wien, das ist eine Bilderbuch-Partnerschaft. Wie schon vor zwei Jahren war das WUK wieder in Rekordzeit ausverkauft und womit? Mit Recht. Der Engländer lieferte abermals ein tolles Konzert ab, das Publikum tat das Seinige dazu, am Ende stand einmal mehr ein maßstab-gleicher Abend. Mehr dazu (und Fotos) ganz bald!

Setlist Patrick Wolf, Wien, 08.04.11:

01 Armistice
02 Time Of My Life
03 To The Lighthouse
04 The Bachelor
05 Tristan
06 Accident & Emergency
07 Vulture
08 Souvenirs
09 Slouching Towards Bethlehem
10 House
11 The Bluebell
12 Bluebells
13 The Days
14 Who Will?
15 Together
16 Bermondsey Street
17 Magic Position

18 Hard Times (Z)
19 The City (Z)
20 Bloodbeat (Z)


Sonntag, 13. Februar 2011

Iron & Wine, Wien, 10.02.11

2 Kommentare

Konzert: Iron & Wine (mit Tift Merritt)
Ort: WUK, Wien
Datum: 10.02.11
Zuschauer: restlos ausverkauft, 500
Konzertdauer: Tift Merritt 3o Minuten, Iron & Wine 100 Minuten

Wäre Sam Beam's Musik irgendwo in den Ecken härterer Musik verortet, würde man jetzt sagen, der Südstaatler hätte heute mit Iron & Wine alles niedergefegt. Aber so? Über den Weltschmerz hinweggetröstet? Unruhige Herzen versöhnt? Lauter Hilfsausdrücke! Am Besten ließe sich wohl eine Songzeile zitieren, die des Publikums Gemütszustand annähernd beschreibt: "Eyes wide open, naked as we came."
Aber um nicht das Ende entgegen jeder Tradition vorwegzunehmen alles schön der Reihe nach: Ich musste mich ordentlich beeilen, um rechtzeitig von der Uni ins glücklicherweise nur zehn Straßenbahnminuten entfernte WUK zu gelangen, wollte ich doch auch die als Support engagierte Songwriterin Tift Merritt sehen, von der an dieser Stelle bereits geschwärmt wurde.
Ging sich dann alles aus, es war aber auch schon dermaßen viel los, dass gute Plätze rar gesät waren und maibaumlange Kerle das Spiel zusätzlich erschwerten. Auch kein Problem, ich hatte mich schon darauf eingestellt, mir den Hals verrenken zu müssen, um Blicke auf die Frau erhaschen zu können.

Und ja: Tift Merritt ist eine ganz fesche, das hat auch unser Pariser Experte für weibliche Beine - Oliver Peel - schon bestätigt. Kommen wir also lieber zu den künstlerischen Vorzügen: Völlig alleine steht Madame Merritt auf der Bühne und bündelt in kargem Licht die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums. Ihre Stimme ist kräftig, klar und sehr bestimmt - und bot dennoch viel Raum für Projektion, Identifikation, Eigeninterpretation.

Drei Fremdwörter, die für diesen Auftritt von Bedeutung waren, Tifts Musik ist allerdings bodenständig im besten Sinne. Ihre Klasse beruht vor allem auf ihrem herausragenden Gesang und den Geschichten, die sie damit erzählt. Instrumentell setzt sie eher auf einfach gestrickte Songs und das ist durchaus auch etwas Gutes! Vor allem wenn mit Iron and Wine noch eine Band wartet, die bisweilen durchaus mit komplexen Strukturen herausfordert!

Und so wusste Tift Merritt an Gitarre und (bei zwei Songs) am Piano zu gefallen, spielte viel von ihrem aktuellen Werk See You On The Moon, sowie einige ältere Songs. All das begleitet von geäußertem Wohlgefallen der Menschen im Parkett. Und so ließ sich die sympathische Frau aus den Staaten ebenfalls nicht lumpen und meinte, sie hätte sich nie vorstellen können, einen solchen Anklang in Wien zu bekommen. Wenn sie also ihr Versprechen wahr macht und eines Tages an die Seine zieht, wäre man ihr in Wien jedenfalls nicht böse, wenn sie alle paar Monate mal in die Stadt kommt!

Nach einer halbstündigen Pause, die man dazu nutzte, vor die Maibäume zu gelangen, kamen dann Iron & Wine die Stiegen hinunter und bekamen gleich mal gewaltigen Applaus. Schön, dass sich die Leute zu solchen Vorschusslorbeeren hinreißen lassen, aber ob das wohl noch steigerbar ist?

Wird sich alles weisen, begonnen wurde das Set mit Rabbit Will Run, und bis auf etwaige Hasen lief alles wie am Schnürchen. Sam Beam zauberte mit seiner Stimme, der Sound war fast von Beginn an perfekt, die Damen und Herren an den Instrumenten in bester Laune - die Marschrichtung war von Anfang an klar.

Danach folgte - glaube ich - Red Dust, wobei ich mir nicht ganz sicher bin. Setlist.fm verkauft das in der übernommenen Setlist dennoch als Wahrheit, aber da ich entgegen der alten Weisheit auch selbstgefälschten Statistiken nicht traue, bleibts hier dabei: Kann auch ein anderes Stück vom Album mit Calexico gewesen sein!

Mit vielen neuen Stücken vom verstörend starken Album Kiss Each Other Clean und dem Besten aus dem bisherigen Werk ging es weiter, begeisternd die Ausgestaltung der Songs. Wie sich da Perkussionsinstrumente von einem Moment auf den anderen von treibenden Akteuren zu sanften Kuschlern wurden, wie das Saxophon sich zwischen laut und leise hin und her wog, Sam Beam's Stimme in Falsett und Flüsterton. Hm, schade, dass das englische "great" ethymologisch nicht ganz dem deutschen Gegenüber entspricht: Es war nämlich wirklich ganz große Kunst, nicht nur großartig, sondern Kunst! Und zwar keine verstaubte, sondern eine zum Angreifen. "Beautiful" kam es aus dem Publikum, zusätzlicher Ansporn für die Truppe auf der Bühne.

Was folgte war die derzeitige Single Walking Far From Home, die mit Jubel begrüßt wurde, der sehr schnell wieder abflaute. Nicht aus Enttäuschung oder so, nein, aus purem Selbstnutzen. Der singende Cineast trug den Song nämlich alleine und beinahe gehaucht vor. Da gab es keine fetten Backing-Chöre wie in der Studioversion, was es gab, das war Sam Beam. Und als der Song vermeintlich zu Ende war, schalteten sich die Musiker im Hintergrund ein und schraubten sich gemeinsam mit ihrem Vordermann in noisige Höhen, für ein paar Minuten meinte man, bei Mogwai und Konsorten zu sein.

Voll auf der Höhe der Zeit also Frontmann Beam, der, als eine kurze technische Pause vom Publikum für Songwünsche genutzt wurde, meinte, Vienna sei "still an idea city, full of surprises" (nette Ansage, danke!), sich dann umdrehte und ein paar Akkorde in Richtung seiner Hintermannschaft zupfte, um schließlich (wieder dem Publikum zugewandt) zu verkünden, die kurze bandinterne Konferenz sei beendet und dann halt doch einen ganz anderen Song als den gewünschten spielte. Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründ ich einen Arbeitskreis! Dass da oftmals andere Ergebnisse, als vom Volk gewünscht, herauskommen können, ist ja nichts Neues...

Da Setlist und Dramaturgie im Aufbau aber allererste Klasse waren, gabs nichts zum Meckern, der Reihe nach wurden jetzt die Lieblingssongs abgefeuert, bis es dann eben hoch überzeugend hieß: "Eyes wide open, naked as we came."
Staunend und berührt, emotional völlig nackt (im Sprachgebrauch ehemaliger österreichischer Finanzminister auch: supernackt) stand man da, Iron & Wine waren ohne viel Federlesens verschwunden.

Und ein paar Minuten und crescendoartigen Beifall später wieder da. Zumindest Sam Beam, der ganz und gar nicht zynisch dankte, er könne wohl machen was er wolle und trotzdem den größten Applaus ernten, und was jetzt folgte war der stärkste Moment des gesamten Konzerts: Flightless Bird, American Mouth.
Totenstill war es, als er sang, was in meinen Augen der großartigste Song der Band ist. Und als mit dem letzten Ton diese gerührte Stille von einem über Becher stolpernden Besucher aufgehoben wurde, schnell allfällige Tränen aus dem Gesicht gewischt wurden und sich stattdessen glückliches Lächeln auf den Gesichtern breit machte, wusste man: Hätte Sam Beam auch noch Glad Man Singing angestimmt, hätte das auf alle Beteiligten zugetroffen.

Ein sehr gutes, furchtbar schönes Konzert, das alle Erwartungen erfüllt, die musikalische Neuerfindung bestätigt und alte Stärken ausgebaut hat. Auch wenn ihr Konzert in strömendem Regen am Frequency 2008 wohl noch einen Tick mehr an der Tür zur Ewigkeit kratzte, was Iron & Wine da im WUK ablieferten, wird 2011 wohl noch für viele als Maßstab herhalten müssen.

Setlist Iron & Wine, Wien:

01: Rabbit Will Run
02: Red Dust (?)
03: Big Burned Hand
04: House By The Sea
05: Love And Some Verses
06: Weary Memory
07: Boy With A Coin
08: Walking Far From Home
09: Cinder And Smoke
10: Tree By The River
11: In My Lady's House
12: Me And Lazarus
13: He Lays In The Reins
14: Burn That Broken Bed
15: Free Until They Me Down
16: Fever Dream
17: Naked As We Came

18: Flightless Bird, American Mouth (Z)


Die ersten beiden Fotos (Sam Beam in Farbe und Tift Merritt in s/w) stammen von Oliver Peel und sind Archivfotos aus Paris, die restlichen Bilder sind von Patrick und ebenjenem Abend im WUK. Danke euch!

Freitag, 4. Februar 2011

Francis International Airport & Diver, Wien, 02.02.11

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Konzert: Francis International Airport & Diver
Ort: WUK, Wien
Datum: 02.02.11
Zuschauer: mindestens 350

Dass es mir Anliegen ist, Francis International Airport auch den werten Lesern aus Köln und Paris ans Herz zu legen, dürfte in meinen Jahresbestenlisten durchgeklungen sein. Hier wird dieses mit einem Bericht des gestrigen Abends fortgesetzt, der einerseits ein wenig enttäuschte, andererseits auch neue Seiten der Melancholiker hervorkehrte und vor toller Kulisse stattfand.

Aber der Reihe nach: Die Agentur
ink.music hatte den Auftritt kurzfristig vom Foyer in den Hauptsaal des WUK verlegt, da er etwa eine Woche zuvor ausverkauft war. Schnelle Zungen behaupten gar, der Besuch europäischer Berufskollegen bei Österreichs größter Indie-Agentur hätte bei der Redimensionierung der Publikumskapazitäten eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Völlig egal eigentlich, man durfte sich auf den möglicherweise größten Auftritt von Francis International Airport in Wien freuen.

Als Support hatte man
Diver angekündigt, ebenfalls lokale Musiker, von denen ich zwar noch nie was gehört hatte, die aber sehr hübsche Songs darboten und dafür vom ausgesprochen gut gelaunten Publikum viel Applaus ernteten und das Wohlgefallen dazu nutzten, ihre soeben erschienene „selbst genähte“ EP No Release zu bewerben. Also der Ausdruck „einfach gestrickte Songs“ ist mir ja geläufig, was man unter einem genähten Tonträger versteht kann ich leider nicht berichten, da die EP nach dem Konzert ratzfatz ausverkauft war und mir nicht mal ein Blick auf das edle Teil vergönnt war.

Seis drum, vermutlich wird man noch öfter von Diver hören, die harmonisch sanften Songs erinnerten stark an eine Band, die in Form eines Covers auch gewürdigt wurde: an die
Kings of Convenience.

Publikumsdichte und Enthusiasmus in selbigem stiegen erwartungsgemäß mit Beginn der Hauptattraktion des Abends, die Verlegung in den Saal schien sich angesichts der mehreren hundert Besucher ausgezahlt zu haben.
Standesgemäß wurde das Set mit dem aktuellen Album-Opener
All Your Lines End In Me eröffnet, bevor gleich als zweiter Song mein Lieblingssong der neuen Platte gespielt wurde, Feet of Clay nämlich. Leider zeigte sich bereits hier, dass die Akustik und der Sound größerer Locations der Musik nicht wirklich zuträglich ist. Ist natürlich völlig subjektiv und man kann es den Herren von FIA auch nicht verdenken, dass sie vor größerem Publikum spielen wollen. Aber für mich jedenfalls nimmt der fast gezwungenermaßen breitere Sound viel von dem, was ich an dieser Band lieb gewonnen habe, er wirkt der brüchigen Stimme eines Markus Zahradnicek weite Strecken entgegen und lässt das gesamte Instrumentarium weniger fragil und zart klingen, als es auf dem Album der Fall ist. Und klar: das neue Album In the Woods baut generell auf wesentlich kräftigere Klangfarben auf, als es beim Erstling We are Jealous, we are Glass der Fall war. Man zitiert nunmehr andere Einflüsse (Grizzly Bear, Beach House) als zuvor (Death Cab for Cutie, The Shins) und hat viel, viel Geld aus privaten Ersparnissen in ein professionelles Studio gesteckt, um das Ergebnis möglichst perfekt klingen zu lassen. Und dennoch besaßen die drei Auftritte der Band, die ich im Herbst allesamt in kleineren Räumen gesehen hatte, genau die erwähnten Attribute.

Heute war der Lichtblick (apropos: die Lichttechnik war gewohnt großartig, FIA haben da einen hervorragenden Mann in der zweiten Reihe) in dieser Hinsicht Words on Logs, der einzige Song des alten Albums, der aktuell auf Konzerten zu hören ist. Auch der ist schon mal besser, ergreifender rübergekommen, stellte aber für mich dennoch das Highlight dar.

Weiter ging es mit neuerem Material, viel Anklang im Publikum fand – nach kurzen technischen Schwierigkeiten - besonders Amnesiacs, das mit „It’s gonna be a great great deal for all of us“ eine Textzeile aufweist, die – quasi ein aufgelegter Elfmeter – von einer Mehrzahl der Kritiker als Statement in ihre Rezensionen aufgenommen wurde. Vom heutigen Abend ließe sich allerdings eher Words on Logs zitieren: „What happened last night, I can’t remember?

Gut, stimmt eigentlich nicht, ich habe das alles noch ziemlich gut im Kopf, auch die Setlist: Es folgte sehr bald die Single
Monsters, von der es übrigens ein ganz hervorragendes Video gibt, und dessen Popularität sich in hoher Publikumsbeteiligung niederschlug.

Ein Cover von
The Cure und zwar Lovesong wurde dann zum Besten gegeben, welches mir wirklich gut gefiel und der Menge im Saal ebenso. „You make me feel like I’m whole again…
Wer sich an Parallelen zwischen
Zahradnicek und Robert Smith versuchen wollte, täte dies jedenfalls nicht völlig zu unrecht.
Bug stellte daraufhin den Schlusspunkt des regulären Sets dar, allzu lange zwangen die Franziskaner das Publikum aber dann nicht dazu, ihre überwältigenden Begeisterungsstürme durchzuhalten und standen rasch wieder auf der Bühne.

City of Fog, einer meiner anderen aktuellen Lieblinge, war somit Zugabe #1, erfüllte leider auch nicht ganz meine Erwartungen, meine Lieblingsstelle (nach gut 55 Sekunden, wers wissen will) fiel leider auch nicht so aus, wie ich sie im Herbst schon gehört hatte. versuchen

Scheint außer mir nicht großartig jemanden gestört zu haben, den Zuneigungsbekundungen der Besucher nach zu schließen, hat man es bei
Francis International Airport endgültig mit den Indie-Helden der Stadt zu tun.

Und so ging ein Konzert zu Ende, das auf der einen Seite großen Spaß machte, schließlich waren Menschen auf und vor der Bühne gleichermaßen voneinander angetan, andererseits mich zumindest mit einer Spur von Enttäuschung zurückließ. Ich will ja eigentlich auch gar nicht, dass das jetzt hochdramatisch klingt, ich kann mich ja auch sehr darüber freuen, dass die Band stetig bekannter und beliebter wird. Jedenfalls war der Auftritt nicht ganz nach meinem Geschmack, ich freue mich schon wieder auf kleinere Auftritte.
Und bis es soweit ist, darf weiterhin die Plattenspielernadel meine kaputtgeliebte
We are Jealous, we are Glass bearbeiten…

Setlist Francis International Airport, WUK, Wien:

01: All Your Lines End In Me
02: Feet of Clay
03: Words On Logs
04: Art of
Unlearning
05: Solaris
06: Amnesiacs
07: Pipeland
08: Monsters
09: Cure-Cover
10: Bug

11: City of Fog (Z)
12: Celluloid (Z)


Francis International Airport kommen übrigens im Frühjahr auch nach Deutschland, Holland und Belgien. Ausgewählte Termine:



19.04.11: Druckluft, Oberhausen
21.04.11: JOC, Ieper (BE)
22.04.11: Melkweg, Amsterdam
23.04.11: Lido, Berlin
24.04.11: Astra Stube, Hamburg
27.04.11: Hafen 2, Offenbach
06.05.11: Atomic Café, München

Bei den Fotos handelt es sich um Archivfotos von Patrick, aufgenommen im Haus der Musik letzten Oktober. Danke Patrick!


Samstag, 23. Oktober 2010

Shout Out Louds, Wien, 22.10.10

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Konzert: Shout Out Louds, Dag För Dag
Ort: WUK, Wien
Dauer: Dag För Dag 40 Minuten, SOL 90 Minuten
Datum: 22.10.2010
Zuschauer: alles voll, 500


Es ist ja wirklich was Schönes, alle paar Tage auf ein Konzert gehen zu können, aber die Vorfreude geht so sehr leicht verloren. Früher war das doch anders, da hat
man wochenlang auf den Abend hingefiebert, die jeweilige CD zu Dauerrotation verdammt...

Ein Gefühl, dass ich in letzter Zeit nicht mehr oft hatte. Bei den Shout Out Louds schon.

Es war im kalten Winter 2008 und es war im WUK. Mein erstes Konzert, genau die gleichen Bands wie heute. Es war ein toller Abend. Einer, an den nur ganz wenige danach herankamen, einer, dem die Shouties auch bei ihren Festivalauftritten nicht das Wasser reichen konnten.

Auf ihrer Tour zu
Work im Frühjahr schaute für Wien dann leider "nur" eine exklusive Radio-Session im Funkhaus raus, hierfür Tickets gewinnen: mission impossible.

Karten fürs Frequency Festival zu bekommen stellt dagegen zwar kein Problem dar, ob man sich mit dem Massenauflauf in der Provinz aberein Freude macht ist die andere Frage. Jedenfalls wurde nach dem Auftritt der Shout Out Louds, dem ich als Teil des Massenauflaufs beiwohnte und den ich ein wenig leidenschaftslos fand, ein neuer Wien-Termin verlautbart. Eine schöne Sache!
Wieder im WUK, wieder mit Dag För Dag. Auch die Außentemperaturen gaben ihr Bestes, den Abend jenem 08 möglichst ähnlich (brr, kalt) zu gestalten. Auf diesen Aspekt hätte man zwar liebend gerne verzichtet, aber man sollte ja noch ordentlich ins Schwitzen kommen.
Und im Foyer war es auch warm.

Vor einer bereits gut gefüllten Halle begannen dann Dag För Dag als Trio ihr Set, einen Schlagzeuger hatte ich allerdings nicht in Erinnerung. Wenn ich mich recht erinnere, hatte man es bei Dag För Dag früher mit dem schwedisch-amerikanischen Geschwisterpaar Sarah und Jacob Snavely zu tun. Der Drummer, ob neu oder nicht, sorgte jedenfalls für ziemlich Dampf, während Sarah in einem 80ies/Disco/Retro-Kleid herumglitzerte und mit Jacob scherzte.
Der erste Song war ein instrumentales Intro, das auch ein bisschen die Marschroute vorgab. Esklang alles schwer nach shoegaziger Ungehobeltheit, eigentlich klingt das ganze Album so, mein Fehler, dass ich nur ihre erste EP besitze. Auf dieser fanden sich vier nette, zierliche Songs, die mir sehr gefallen. Mit der neuen Lage musste ich mich erst arrangieren, das dauerte aber zum Glück nicht lange. Das neue Boxed Up In Pine gefiel mir so z.B. ganz gut, während die beiden Geschwister Instrumente tauschten fanden sie auch immer wieder Zeit für kleine Scherzchen, so beklagten sie etwa, dass Wien derart weit im Osten läge, um im nächsten Moment skurrile Vampir-Geschichten zu erzählen. Sehr erheiternd, aber vielleicht wähnten sich die Schweden gar in Transsylvanien? Jedenfalls luden sie alle, die sich blutsaugerisch veranlagt fühlten, ein, nach dem Konzert zum Merch-Stand zu kommen, um dort ein bisschen zu plaudern.
Es täte ihnen sehr leid, dass sie durch Sarahs Schwangerschaft nicht unmittelbar nach Erscheinen des Albums getourt hätten, deshalb hätten sie jetzt noch mehr Freude am ganzen Tourleben. Ted von SOL durfte das bestätigen, war er doch "zufällig" gerade auf der Bühne.
Nach 40 Minuten endete die Freude dann mit - dem alten - Ring Me, Elise. Ein Abschluss, der mir fast am Besten gefiel. Dag För Dag haben ihre Chance als Support für die großen Geschwister von den Shout Out Louds wieder gut genützt und einige schöne Songs ausgepackt.

Auf den Hauptact musste das mittlerweile prall gefüllte WUK allerdings noch ein wenig warten. Ein einziger Roadie nahm seine Arbeit ernst und bereitete gewissenhaft alles für das Hochfest vor. Die Stimmung war bereits blendend, von Kälte auch keine Spur.

Begeisterungsstürme gabs dann schon, als der Fünfer aus Stockholm die Stiegen hinabkam. Die höchst ansehnliche Bebban voran wurde Platz genommen, um gleich loszulegen. Hierfür auserkoren ward Candle Burned Out, ein Song des aktuellen Albums.
Eine gute Wahl für den Beginn, eine klassische Aufwärmübung. Denn als die ersten Töne von Tonight I Have To Leave It, vor zwei Jahren übrigens Opener gewesen, erklangen, gab es kein Halten mehr. So demonstrativ wurde mit schwedischen Mini-Fahnen vor Sänger Adams Gesicht herumgewachelt, dass dieser gar nicht anders konnte, als es sich im Publikum bequem zu machen. Die alten Songs, speziell aus der Hitfabrik „Our Ill Wills“, kommen einfach am Besten an. Besonders das Intro mit den Kuhglocken ist immer was Tolles.

Weiter ging es mit einem neuen Song, bezeichnenderweise Show Me Something New. Darin ist unter anderem vom jünger werden die Rede, was zumindest auf das Publikum nicht zutraf. Genauso, wie die neuen Songs reifer und erwachsener klingen, ist auch die Zuhörerschaft mitgealtert. Wenn jemand behauptet hätte, es wären eins zu eins die selben Leute im Publikum wie beim letzen Konzert, hätte ich das sicher nicht hinterfragt. Zwei Jahre älter und wieder einen derartigen Spaß an den Tag gelegt, das gefällt.

In dieser Art und Weise ging es weiter, Altes, Neues und ganz Altes wurde gespielt, gegen Mitte des Sets dann auch Normandie. Ein absolutes Lieblingslied. Und auch ein wenig programmatisch, heißt es da doch „how can such a nordic city make me sweat“. Eine schöne Umschreibung des Hier und Jetzt. Draußen kalt, drinnen die Sauna in blau-gelb.

Mit Fall Hard kam dann auch das erste Stück des neuen Albums, das richtig ausgelassen betanzt wurde, unmittelbar danach The Comeback. Danach gabs zum Ausruhen ein paar gelassenere Songs, bis mit Impossible, und zwar wirklich der ganzen siebenminütigen Version, nicht der kürzeren Live-Version. Verständlich, dass sich die Band danach zurückzog und nach mehreren Minuten intensiver Beifallsbekundungen ihr eigenes Comeback vollbrachten.

Das sich Please Please Please in der Zugabe wiederfand, war wohl keine große Überraschung. Aber schön. Mit Seagull und Walls endete dann ihr Set, das um einiges länger war, als an den Abenden zuvor.

Und so ließ man im Foyer, mit den Schweden, ein schönes Konzert ausklingen, dass die Vorfreude vollkommen rechtfertigen konnte und das vor allem gezeigt hat, dass Band und Publikum, auch wenn sie gereift sein mögen, einander immer noch lieben.

Eine Freundin zitierte hernach die Band und sagte, das Konzert sei "like a punch in the face"gewesen, ein Schlag ins Gesicht also, so gut war es. Mag die Musik vielleicht nicht die anspruchsvollste unter der Sonne sein, mit guter Laune und unverbogener Ehrlichkeit kann man so einiges wett machen. Wien und das WUK wurden ihrem Ruf als Heimspiel der Shouties jedenfalls wieder gerecht, bleibt nur zu hoffen, dass bis zum nächsten regulären Konzert nicht wieder zwei Jahre vergehen...

your love is just...impossible...

Danke für die Bilder an Patrick!

Setlist Shout Out Louds, WUK, Wien:


01: Candle Burned Out
02: Tonight I Have To Leave It
03: Show Me Something New
04: South America
05: Very Loud
06: Four By Four
07: Normandie
08: Paper Moon
09: Fall Hard
10: The Comeback
11: Throwing Stones
12: 1999
13: There's Nothing
14: Shut your Eyes
15: Impossible

16: Please Please Please (Z)
17: Seagull (Z)
18: Walls (Z)

Aus unserem Archiv:

-
Shout Out Louds, Köln, 20.08.10
-
Shout Out Louds, Frankfurt, 29.03.10
-
Shout Out Louds, Paris, 01.04.08
-
Shout Out Louds, Köln, 18.09.07
-
Shout Out Louds, Haldern, 04.08.07



Samstag, 10. Oktober 2009

Patrick Wolf, Wien, 05.10.09

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Konzert: Patrick Wolf
Ort: WUK, Wien
Datum: 05.10.2009


von Julius aus Wien

Welchen Stellenwert Patrick Wolfs Konzert zu Wien in der österreichischen Indieszene hatte, zeigte sich mir allein daran, dass zwei Freundinnen aus dem fernen Kärnten, die nur zu den ganz wichtigen Konzertterminen in den Norden pilgern, weder Kosten noch Mühen gescheut haben, um im WUK dabei zu sein. Dass sich ihre weite Anreise voll bezahlt machen sollte, sei hier gleich vorweg genommen. Weiter geht es aber nun wieder halbwegs getreu mit der konservativen Methode namens „Chronologie“.

Fast etwas zu genau nehmen die Deer Tracks das Gebot der Pünktlichkeit, überpünktlich stehen die drei Frauen auf der Bühne. Aber sind das wirklich drei Damen? Ganz links werkt ein Wesen an Keyboard und Synthesizer, dass sich während der ersten zehn Minuten ganz gut als langhaarige Schönheit macht, zu schnell lässt man sich von oberflächlichem wie Stöckelschuhen, wallendem, schwarzem Haar und perfektem Make-up täuschen. Schlussendlich entlarvt die lange, knochige Nase David Lehnberg als Transvestiten, ist man doch selbst mit einem derartigen Pinocchio-Teil gesegnet.

Gemeinsam mit Elin Lindfors, beide aus der schwedischen Provinz, zaubert er unter dem Namen „The Deer Tracks“ wunderbare Traummusik aus dem sprichwörtlichen Zylinder. Das dazugehörige weiße Kaninchen ist zusätzlich noch multiinstrumental bewandert, elektronisch versiert und hat eine exzellente Ausbildung der Harmonielehre genossen. Hitverdächtige Tracks wie „Yes This Is My Broken Shield“ oder „Slow Collision“ erinnern an bereits etablierte Klangtüftler wie die deutschen Notwist, den gesamten isländischen Musikerhaufen und an die wunderbaren Antlers, die hiermit allen schwer ans Herz gelegt seien. Einziges Problem wäre da die von Natur aus gegebene Unvereinbarkeit eines friedlichen Zusammenlebens von Wolf und Kaninchen? Weit gefehlt, hat doch Patrick Wolf (eigentlich Apps mit Nachnamen) seinen Supportact für die Tour zum neuen Album „The Bachelor“ selbst auserwählt. Viel zu kurz hat das putzig-flauschige Tierchen allerdings Auslauf, nach guten 20 Minuten war Schluss und der Klangteppich wurde eingerollt, ein Umstand, der wohl leider aus der unverständlich langen Umbauzeit (über einer halben Stunde, in der nur während der letzten fünf, sechs Minuten eingespielt wurde) resultierte.

Aber ich merke schon, dass das Niveau meiner Wortspiele ins Bodenlose abrutscht, wir gehen wohl besser gleich zum primären Programmpunkt dieses Abends über, zu jenem Londoner Herren, der, wie mittlerweile ausreichend erwähnt sein sollte, den Künstlernamen Wolf trägt. Als Paradiesvogel, exzentrische Diva und begnadeter Selbstdarsteller, aber auch als jähzorniger und eigensinniger Bühnenmensch bekannt, sind die Erwartungen verständlicherweise hoch, man verspricht sich nicht nur einen musikalisch den Alben entsprechenden, ergo großartigen Auftritt, sondern auch eine ordentliche Portion Charakter.
Dieser wurde auch nicht zu knapp aufgetischt, los gings aber ganz konventionell: Nachdem der Reihe nach die ganze Band vom Backstageraum, der im WUK nicht hinter, sondern über der Bühne zu finden ist, hinunter geklettert ist und sich warm gespielt hat, schritt auch der große Star des Abends erhaben hinab, bekleidet mit allerlei merkwürdigem Textil, das sich zum Großteil recht schnell von seinem Träger verabschieden sollte. So erzählt dieser auch ganz gern von seinen früheren Besuchen in Stripclubs als Inspirationsquelle, ganz so weit ging er aber bei seinem Konzert nicht, da hat er wohl entweder seine gute Kinderstube (?) berücksichtigt oder Rücksicht auf das teilweise recht junge, speziell weibliche (welch Überraschung) Publikum genommen. Ok, langer Satz, jetzt kommt die wichtige Information: die Achselbehaarung war der intimste Körperbereich, der zur öffentlichen Begutachtung gelangte. Etwas schamhaft ob des gewaltigen (Lach-)Erfolges seiner Entblößung rechtfertigt er sich dann etwas unbeholfen: „When I’m excited, I want to be naked.“ Wie gut, dass das jetzt keineswegs zweideutig aufgefasst werden konnte!

Die Setlist ließ ebenfalls keine Wünsche offen, war anfangs aber noch nicht wirklich außergewöhnlich. Das scheint sich auch Patrick Wolf gedacht zu haben,
denn plötzlich stimmte er auf seinem viersaitigen Streichinstrument, umgangssprachlich Geige genannt, unter Kennern auch unter Violine bekannt, den Inbegriff aller Wienerlieder an: „O du lieber Augustin!“ Von da an herrschte unter den sonst für ihre unterkühlte Art bekannten Hauptstädtern grenzenloser Jubel bis zum Ende. Jaja, dem gemeinen Wiener reicht ein perfektes Konzert offensichtlich nicht, da muss schon ein wenig die Patriotismuskeule geschwungen werden. Denn diese kam, da sie nun einmal schon gezogen war, noch öfter zum Einsatz. Hübsche Anekdoten aus der Zeit, als er (u.a. mit den Wiener Philharmonikern) sein bislang vorletztes Album „The Magic Position“ aufnahm. Bei einem durch und durch lebensfreudigen Menschen, wie es Patrick Wolf zweifelsohne ist, dürfen da natürlich auch die Oden an den Glühwein im Schneetreiben nicht fehlen. Doch da Patrick Wolf nun mal Patrick Wolf ist und nicht etwa Tomte ist erheblich mehr Zeit für Songs als für Ansagen vorgesehen – was man von der Hamburger Schule ja generell nicht behaupten kann...

Der Bachelor spielte sich jedenfalls durch ein ganz bezauberndes Set mit mehreren Kostümwechseln, einem eindeutigen Hang zur Pose und zum Narzissmus und viel geäußerter Zuneigung gegenüber seinen Fans.
In dieser Hinsicht ähnelt Patrick Wolf sehr einer anderen Pop-Größe – dem wunderbaren Altherren Morrissey. Besonders wenn er seinen Verehrerinnen in der ersten Reihe über das Haupt streicht, dem Publikum dann wieder gänzlich den Rücken zukehrt und schließlich seinen Oberkörper freimacht glaubt man, einen etwas modischer veranlagten Mozzer vor sich zu haben. Und schließlich tragen ja beide den selben Vornamen.

Als es dann an der Zeit ist, Abschied zu nehmen, lässt sich der Patrick dieses Abends noch zu einer Ansage hinreißen, die man getrost als über das Durchschnittsmaß an Publikumsbeweihräucherung hinausgehend ansehen kann: Er, der Mensch mit klassischer Musikausbildung und einer Schwäche für Vivaldi und Bach, liebe Wien, es sei die Welthaupstadt der Musik und wir alle sollen unsere einzigartige Kultur bewahren, denn sie sein alles was wir haben.

Auch wenn ich ihm hier nicht vollends zustimmen kann wirkte alles, was aus seinem Mund kam, absolut ernst gemeint und teilweise richtig rührend. Dass er aber trotz allem noch ein Insulaner ist machte ein in edlem schwarz-weiß gehaltenes Streifenkostüm klar, dessen Streifen über der Taille in einem Union Jack zusammenliefen. Gäbe es diesen Umstand nicht, Wien würde Patrick Wolf für diesen unvergesslichen Abend sofort einbürgern. Als schönes Schlusswort eignen sich hier ein paar Zeilen der „Wiener Zeitung“, dem hauseigenen Blatt der Republik Österreich, ein normalerweise emotionsloses Wirtschafts- und Verlautbarungsdruckwerk: „Dass der klassisch geschulte Musiker, auf dessen Konto bereits vier Alben verbucht sind, seinem Publikum reichlich Honig ums Maul schmiert, wird zwar naturgemäß mit viel Jubel bedacht. Nötig gewesen wäre das aber nicht – der in jeder Hinsicht als Heimspiel zu bezeichnende Auftritt wäre ohnehin zum Triumph geraten.“Who Will?

Setlist Patrick Wolf, WUK, Wien:

01: Bluebells

02: Wolf Song
03: Damaris
04: Tristan
05: O du lieber Augustin!
06: The Bachelor
07: The Sun Is Often Out
08: Paris
09: Count Of Casuality
10: Battle
11: Bloodbeat
12: Theseus
13: Hard Times
14: The Magic Position

15: Kriegspiel (Z)

16: Stars (Z)
17: Vulture (Z)

Fotos: Oliver Peel. Aufgenommen beim Festival Rock en Seine 2009.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Patrick Wolf, Paris, 30.08.09
- Patrick Wolf, Köln, 21.04.07





Sonntag, 4. Oktober 2009

Sophia, Wien, 29.09.09

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Konzert: Sophia & Dark Captain, Light Captain
Ort: WUK, Wien
Datum: 29.09.2009
Zuschauer: etwa 400



von Julius aus Wien

Sophia und Wien sind eine wunderbare Kombination. Im Februar lud der Radiosender FM4 – wohl nicht ganz zufällig – am Valentinstag zur exklusiven „Radiosession“ ins Radiokulturhaus. Wer den Saal in erwähntem Gebäude kennt, sowie um die beachtliche Fanschar von Robin Proper-Sheppard weiß, kann sich vorstellen, dass gewaltiger Andrang auf die streng limitierten Karten herrschte. Noch dazu handelte es sich ja um eine komplette Akustikshow mit Streichquartett. Genug Gründe eigentlich, um bei der Kartensuche leer auszugehen. Umso mehr freute ich mich, als im vergangenen Juni ein neuerlicher Besuch der Herren angekündigt wurde, diesmal ein reguläres Konzert, dennoch mit Streichquartett.

So wie mir scheint es im Februar vielen ergangen zu sein, denn das WUK war gut gefüllt und das trotz zweier Konkurrenzveranstaltungen mit zugkräftigeren Namen. Aber das WUK hat nun mal – nicht zuletzt dank seiner konsequenten Bookingpolitik – eine solide Basis aus Stammgästen, auch viele reifere Semester.

Als Support durfte – wie auch in Deutschland - die Ostlondoner 5-Mann-1-Frau-Truppe „Dark Captain Light Captain“ ran. Mehrstimmiger Gesang, von sakral bis Falsett, ist ja immer noch schwer in Mode und die Nähe zu den allgegenwärtigen Fleet Foxes können auch die Engländer nicht leugnen. Doch so blutjung wie die Sub Popper aus Seattle sind unsere Freunde mit dem antithetischen Namen vermutlich nicht mehr, einwandfrei belegen lässt sich das leider nicht, denn ein Großteil der Herrenriege stellt den Typus Mann dar, den man alterslos nennt: unspektakulär gekleidet, legere Sandalen und auch in den Angesichten findet sich kein verrätischer Hinweis auf das wahre Alter. Kurz: DCLC könnten alles zwischen 20 und 50 Jahren sein. Einzig die Trompeterin, ein anmutiges Mädchen, ist eindeutig um die 20.

Genauso unspektakulär wie ihr äußeres Auftreten gestaltet sich denn auch ihre Musik. Hübsche Harmonien, unauffällige Loops und minutenlange, verträumte Instrumentalsolos. Sehr schön zum Anhören, aber langfristig werden es die Londoner nicht zu großer Bekanntheit bringen. Zu verwechselbar sind alle Songs, einer gleicht dem anderen. Als Opener an diesem Abend gingen sie voll in Ordnung, da hat es schon Schlechteres gegeben und das Publikum quittierte den halbstündigen Auftritt denn auch mit gehörigem Applaus, so wie im Theater, wenn eine solide Inszenierung geboten wurde, aber der ganz große Wurf ausblieb, denn das Theater schien die angestammte Heimat vieler Besucher zu sein, auch mehrere Herren im tiptop Anzug wurden gesichtet.

Gegen neun Uhr betritt dann Robin die Bretter, die die Welt bedeuten, nicht zum ersten Mal an diesem Abend allerdings, denn er hat es sich nicht nehmen lassen, die Gitarren selbst einzuspielen. Mit ihm kommt seine Band – das Sophia Collective – und das erwähnte Streichquartett auf die Bühne. Ebendessen Besetzung ist die eines klassischen Streichquartetts: Zwei Geigen, ein Cello und ein Bratsche.Robin hat Zeit, dass merkte man gleich zu Beginn, als er sich Zeit nahm, um seine Beziehung zu Wien zu erläutern und sich an jenen Abend im Februar zu erinnern, das bisher beste Konzert auf der Tour zum neuen Album, wie er meinte.Mit The Sea wurde dann Abschied von der Vergangenheit genommen und das Hier und Jetzt im heimeligen WUK begrüßt. Swept Back stellte dann den ersten Höhepunkt dar, nur die Fotografen im Fotograben, eine Einrichtung, die im WUK sonst glücklicherweise nie eingesetzt wird, beeinträchtigten die Sicht doch erheblich. Nach Signs hatten die werten Herren glücklicherweise genug Impressionen festgehalten und gingen ihres Weges. Ungleich näher fühlte man sich somit dann, als Robin mit geschlossenen Augen bei Ship in the Sand Schiffbruch erlitt. Ganz große Gefühle kamen da auf, zu denen sich dann auch Meister Proper bekannte: „I love it, when it’s all quiet and somebody in the first row whispers the lyrics. That’s why I’m doing this.“

Von da an konnte er auf viele weitere Mitsänger bauen, nicht nur, weil mit Storm Clouds und Oh My Love zwei Songs folgten, die man gemeinhin als „Hits“ bezeichnet.

Gemächlich und unaufgeregt ging es weiter, ohne dahinzuplätschern bewegten sich das Sophia Collective mit Streicherunterstützung und Vocalist Robin selbst durch die Setlist. Selbst die, für Sophia’sche Verhältnisse, lauteren, „noisigeren“ Stellen wirkten nicht grob. Oder, um es mit einem Kritiker eines Wiener Feuilletons zu sagen: „Sophia sind leise, auch wenn sie laut sind.“ Eine Aussage, die gewollt widersprüchlich und vor allem künstlich scheint, aber ins Schwarze trifft. Auch wenn Robin Proper-Sheppard sein Leid öffentlich in Szene setzt und seine Emotionen nicht zurückhält, merkt man doch, was für einen außergewöhnlich ruhigen Charakter man vor sich hat. Das Werkzeug dieses Menschen ist die Schwermütigkeit und das Subtile, wer auf die wildere Variante der Gefühlsauslebung steht, wird mit Sophia weniger anfangen können.

Dann folgte eine Premiere: Obwohl sie den Song auf der Tour noch nie gespielt hätten, würden sie jetzt Dreaming zum Besten geben, kündigt Robin an, einen nicht besonders komplexen Song, wie er selbst gestand. Eine junge Dame hätte ihn tags zuvor nach der Show in Berlin angesprochen und gefragt, warum man immer vergeblich auf Dreaming warte, worauf Robin ihr versprach, ihr den Song zu widmen, wenn sie ihn spielen würden. Dies geschah auch, Robin und seine Akustikgittare bestritten Dreaming allein auf der Bühne. Man darf hoffen, dass die werte Berlinerin über Umwegen erfahren wird, welche Ehre ihr zuteil wurde.

Nach fast zwei Stunden Spielzeit (natürlich inklusive Robins charmanten Geplaudere) ging mit If A Change Is Gonna Come ein sehr schöner Abend zu Ende, an dem es wenig bis nichts auszusetzen gab und an dessen Ende man sich eher wünschte, einer der neuen Sophia-Songs wäre Realität: „There are no Goodbyes.“

Setlist Sophia, WUK, Wien:

01: The Sea
02: Swept Back
03: Signs
04: Ship in the Sand
05: Storm Clouds
06: Oh My Love
07: Desert Song No. 2
08: Leaving
09: Pace
10: Obvious
11: Dreaming
12: I left you
13: The River Song

14: Heartache (Z)
15: Lost (She Believed in Angels) (Z)
16: Something (Z)
17: If a Change is gonna come (Z)


Links:

- Sophia am 12.02.09 in Köln




 

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