Donnerstag, 20. September 2007

Ash & Sportfreunde Stiller, Köln, 19.09.07



Konzert: Ash & Sportfreunde Stiller
Ort: Palladium, Köln
Datum: 19.09.2007
Zuschauer: vermutlich ausverkauft, knallvoll


Angenommen, ich wäre großer Fan der Sportfreunde Stiller, vielleicht seit vergangenem Jahr, dann wäre der Konzertabend im Palladium ein perfekter gewesen. Ich hätte eine tolle Vorgruppe erlebt, die schon einmal richtig Stimmung gemacht hätte und danach die Sportis (die ich dann so nennen würde), zwei Stunden lang ein Hit nach dem anderen!

Ich allerdings war wegen der tollen Vorgruppe da, wegen Ash aus Irland. Ash hatte ich vor vielen Jahren zum ersten Mal gesehen, danach lange nicht, um sie dann in diesem Jahr gleich zweimal live zu erleben. Die Sportfreunde Stiller mögen die Band offenbar ähnlich gerne wie ich, denn sie haben sie als Wunschsupport für ihre Tour ausgewählt. Ash sind in meinen Augen auch eine Gruppe für große Bühnen wie im Palladium, daher hat es mich besonders gefreut, daß der Laden voll war, auch schon zu Beginn.

Mehr noch hat mich erfreut, daß die Musik der drei Iren auch bei den Sportfreunde Stiller Freunden (eher Freundinnen, der Laden sah aus wie bei einem Kooks Konzert) gut ankam. Vorne vor der Bühne wurde ziemlich schnell viel getanzt, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, daß viele Leute "Burn baby burn" oder "Orpheus" kannten.

Ich stand nah an Bassist Mark Hamilton, über dessen Verrenkungen ich mich wieder köstlich amüsiert habe. Mich errinern seine Bewegungen an einen Bodybuilder, der sich immer wieder in Posen wirft. Oder an ein Fotomodell. Herrlich! Mark und Sänger Tim Wheeler sind ununterbrochen in Bewegung, Tim läuft eher rum, während Mark mal wieder in die Knie geht, ein Bein auf den Monitor stellt oder andere Posen einnimmt. Aber man merkt der Band eben auch 15 Jahre Erfahrung an, denn bei einen Hampeleien, sitzen die Lieder perfekt, stimmt jeder Einsatz.

Grausam, das ist aber vermutlich wieder ein Palladium-Problem, war allerdings der Sound, Ash klangen dumpf und leise. Also nicht wirklich leise, allerdings konnte man vor den Boxentürmen ohne Probleme (und Gehörschutz) stehen, was dann später bei den Sportfreunden überhaupt nicht mehr ging.

Am Anfang des Ash-Teils dachte ich, die Band spiele ihr Standard Set. Mit "End of the world" kam dann aber die erste Überraschung, die zweite gleich danach bei "Kung Fu", denn da fehlte das Kampfgeschrei-Zeugs am Anfang. Die dritte Überraschung war eine unangenehme, denn Ash spielten "Oh yeah" nicht. Tim sagte zwar nach "
Renegade cavalcade" zwar "Oh yeah, thank you", es kam aber nicht. "Girl from Mars" war natürlich wieder mein Höhepunkt, ein Lieblingslied, wie immer einfach wundervoll, da gilt auch bei mir: "I still love you 'Girl from Mars'!"

Setlist Ash Köln:

00: Intro
01: Burn baby burn
02: You can't have it all
03: Orpheus
04: End of the world
05: Kung Fu
06: A life less ordinary
07: Blacklisted
08: ? (wird nachgereicht)
09: Renegade cavalcade
10: Girl from Mars
11: Twilight of the innocents

Nach dem ruhigen Ende des ersten Konzertparts mit Ashs "Twilight of the innocents" folgte erst einmal Hektik: Sicher 15 Roadies hievten den ganzen Boxen-, Instrumente- und Podestkram von der Bühne, darunter auffallend viele weibliche Helfer (heißen die Roadinen?). Auf die eingentliche Bühne des Palladiums wurden dann drei kleinere rollbare und schon komplett mit Technik und Instrumenten bestückte Podeste gefahren, quasi Instant-Stages. Natürlich hat beim Aufbau jeder vorne nachgesehen, ob Mehmet Scholl bei den Helfern ist, er macht ja schließlich ein "Praktikum" bei den Sportfreunden - er war nicht.

Um zehn ging dann das Licht für die drei Bayern aus. Peter, Florian (Schlagzeug) und Rüdiger (Bass) stellten sich jeder auf sein Rollenpodestdings und starteten mit "Der Titel vom nächsten Kapitel". Und es brauchte wirklich nicht viel, um den Saal zum Toben zu bringen. So ausgelassen habe ich das Palladium wahrscheinlich noch nie gesehen. Gleich beim ersten Lied wurde gepogt, es dauerte nicht lange, bis die ersten Crowdsurfer auftauchten. Das kam bei der Band an. Peter bedankte sich für die Stimmung mit "Wir freuen uns wie faltige Schneebären", was auch immer das sein mag.

Bei einer Band, die Fußball zu einem großen Themenschwerpunkt macht, bleibt es nicht aus, daß auch das Publikum sich wie im Stadion benimmt. Als Peter irgendwann die Leute auf der Empore grüßte, brüllte der Saal "Scheiß Tribüne", was ihn dazu brachte, sich über die Zweiklassengesellschaft im Palladium aufzuregen: "Kommts gefälligst runter Ihr faulen Säcke!" Die Band hatte insgesamt scheinbar viel Spaß. Vor " 7 Tage, 7 Nächte" spielte Rüdiger ein bißchen "California" und "Final Countdown", bevor das Lied startete, Peter wollte irgendwann wissen, ob wir von Kölsch auch Durchfall bekämen und das "ver...... Lied" "Sodom" hätten sie auch noch nie "so gut wie heute gespielt."

Irgendwie fehlte aber dann doch Mehmet Scholl. Es kamen nämlich regelmäßig Mehmet Scholl Sprechchöre. Das brachte Peter dazu, etwas klarzustellen: "Hey, der Typ sitzt rotzbesoffen hinten unter der Treppe. Der ist dem Tourleben nicht gewachsen." Dabei blieb es dann auch. Auch beim letzten Lied des regulären Sets erschien der Fußballer nicht - und da wäre eine Steilvorlage gewesen. Ich hätte es toll gefunden, wenn Mehmet den "Ich Roque" Part gesprochen hätte...

Nach ganz kurzer Pause ("wir gehen kurz von der Bühne"), folgten zwei Zugaben mit acht (!) Liedern, zu Beginn ein Bob Marley Cover ("
Redemption Song"), das die drei auf einer der Teilbühnen halbakustisch spielten. Der erste Zugabenblock endete mit dem unvermeidlichen 54-74-90-2010, allerdings instrumental. Die Band ließ das den Saal singen. Das fand ich sehr schön. Danach leerte sich das Palladium zusehens, viele rechneten wohl nicht mit mehr. Aber es folgten noch einmal vier Titel, am Ende "Legenden".

Irgendwie halte ich die Sportfreunde Stiller für eine Art deutsche Kaiser Chiefs, nicht nur wegen des Fußballbezugs. Denn auch die Bayern machen eigentlich Kirmesmusik (kein Schimpfwort!). Und sie können einen riesigen Saal wie das Palladium mitreißen. Auch wenn Peter gesanglich bei weitem nicht an Ricky rankommt ("Ihr habt das eindeutig besser als ich gesungen"), drängt sich der Vergleich auf, weil beide Bands es verstehen, für richtig Stimmung zu sorgen. Ich bin sicher auch nach gestern kein Fan, ich bin aber beeindruckt, wie gut es die drei schaffen, eben nicht nur ihren WM Hit runterzuspielen.

Setlist Sportfreunde Stiller Köln:

00: Intro
01: Der Titel vom nächsten Kapitel
02: Alles roger
03: Ein kleiner Schritt
04: (Tu nur das) Was Dein Herz Dir sagt
05: 7 Tage, 7 Nächte
06: Komm schon
07: Sodom
08: Wie lange sollen wir noch warten
09: 995er Tief über Island
10: Fahrt ins Grüne
11: Fast wie von selbst
12: Mo(nu)ment
13: Wunderbaren Jahren
14: Anders als auf Ansichtskarten
15: Ein Kompliment
16: (Intro: Marmor, Stein & Eisen bricht) Ich Roque

17: Redemption Song (Bob Marley Cover) (Z)
18: Wellenreiten (Z)
19: Auf der guten Seite (Z)
20: 54-74-90-2010 (instrumental) (Z)

21: Siehst Du das genauso? (Z)
22: Frühling (Z)
23: 1. Wahl (Z) (Outro: Seven nation army)
24: Legenden (Z)

Fotos und Links folgen!


1 Kommentare :

oliver r. hat gesagt…

Unglaublich, den "Redemption Song" von Bob Marley hat Chris Cornell beim Highfield-Festival auch gecovert!

Scheint sehr in Mode zu sein, wann kommt Elton mit seiner Version um die Ecke?

Abgesehen davon würde ich es eher als Glücksfall betrachten, daß Mehmet Scholl nicht den "Ich Roque-Part" übernommen hat, bei seiner Stimme...

 

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