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um
16:55
Konzert: PINS
Ort: Blue Shell, Köln
Datum: 25.02.2016
Dauer: knapp 50 min
Zuschauer: auch knapp 50
Am Donnerstag war Euroleague-Abend. Mein Verein hat donnerstags spielfrei. Für Konzerte muß man sich glücklicherweise nicht qualifizieren, also stand ich vor einer Bühne.
In Köln spielte heute eine Band aus Manchester, die ich schon einige Male gesehen hatte, allerdings noch nie mit einer eigenen Show. Meine PINS-Premiere war beim Best Kept Secret Festival 2014, im vergangenen Jahr supporteten sie Sleater Kinney und Best Coast. Spätestens bei diesen beiden Konzerten hatten PINS sich in meinem Buch der guten Bands festgespielt. Daß ich mir den Auftritt im Blue Shell also nicht entgehen lassen würde... keine große Überraschung.
2014 machte die Band mir live Spaß, seitdem wird sie live aber immer noch besser. Im Vorprogramm von Sleater Kinney nicht sofort mit dem ersten Lied des Hauptprogramms wieder vergessen zu sein, ist schließlich schon eine Kunst.
Das Konzert im Blue Shell begann ohne Vorgruppe um kurz nach halb zehn. Schrecklich viele Zuschauer waren nicht gekommen, vielleicht 50. Das ist im Blue Shell besonders doof, da die Bands aus dem Backstage-Bereich durch den Saal auf die Bühne gehen müssen. Aber PINS spielten, als wären wir ein ausverkauftes Apollo.
Bei meinem ersten Konzert hatten mich PINS an Savages erinnert. Damals hat das vielleicht noch ein wenig gehinkt, heute gleicht vor allem der Gesang von Gitarristin Faith Holgate dem von Jehnny Beth. PINS sind eine Spur weniger wütend, die Song-Themen im Gegensatz zu Savages mehr Grrrl als Riot. Gemeinsam haben die beiden Bands aber zum Beispiel ihre vorzügliche Live-Qualität. Viele bessere englische Garagen-Bands kann man zur Zeit sicher nicht bei uns sehen.
PINS spielten neben Songs der beiden Platten und von Singles bzw. EPs das Misfits-Cover (Hybrid moments), das live gesetzt zu sein scheint, und ein neues Stück. Den Title hatte ich als als "Triple" verstanden (ein Fußball-Song?), das Lied heißt aber wohl Trouble.
Mit PINS kann man nichts falsch machen. Die Band werde ich vermutlich noch häufig sehen, bis mein Verein donnerstags wieder Fußball spielt.
Setlist PINS, Blue Shell, Köln:
01: Molly
02: Young girls
03: Curse these dreams
04: Shoot you
05: Too little too late
06: LuvU4Lyf
07: Trouble (neu)
08: Get with me
09: Girls like us
10: Mad for you
11: Oh Lord
12: Waiting for the end
13: Dazed by you
14: Hybrid moments (Misfits Cover) (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- PINS, Köln, 02.11.15
- PINS, Antwerpen, 21.03.15
- PINS, Hilvarenbeek, 21.06.14
um
20:16
Konzert: Best Coast
Ort: Luxor, Köln
Datum: 02.11.2015
Dauer: Best Coast 70 min, PINS 30 min
Zuschauer: vielleicht 200 (nicht ausverkauft)
Die meisten der obskuren kleinen Bands, über die ich schreibe, sind nur in unserem kleinen Indie-Reservat überhaupt bekannt. Die durchschnittliche Zuschauerzahl meiner Konzerte eines Jahres wird irgendwo zwischen 200 bis 400 liegen. In Deutschland sind die meisten dieser Bands kleiner als in ihrer Heimat (mit Ausnahme von Adam Green und solchen Phänomenen wie Katzenjammer - vermutlich) aber es bewegt sich alles in den gleichen Sphären. Best Coast - das wurde mir erst in den vergangenen Tagen klar - sind da eine große Ausnahme. In seiner Heimat wird das kalifornische Duo als Pop-Band, die durchaus im Mainstream stattfindet, wahrgenommen. Best Coast Stücke laufen im Radio - und zwar in dem, in dem auch Madonna oder Taylor Swift laufen. Vor gut zwei Wochen erst hatte die Band alt-j in der ausverkauften Hollywood Bowl supportet. Vor 17.000 Zuschauern.*

Bei uns ist Best Coast in meiner Wahrnehmung eine der vielen kleinen, sehr liebenswerten Indiebands, die in viel zu kleinen Clubs spielt. Oder genauer: die gar nicht erst nach Deutschland kommt, weil der Aufwand für die paar Zuschauer einfach zu groß ist. Zuletzt hatten Bethany und Bobb nur in Berlin gespielt. Ihr einziges Köln-Konzert bisher fand 2010 im mtc statt. Warum ich das verpasst habe (zumal die wundervollen Sky Larkin Support waren), kann ich mir nicht mehr erklären. Eines meiner beiden Best Coast Konzerte bisher fand aber ein paar Tage später beim ATP von Belle & Sebastian (Bowlie 2) statt, für eine weitere Gelegenheit, das ungleiche kalifornische Duo zu sehen, mussten wir nach Brüssel fahren.

Ich war also sehr euphorisch, Best Coast endlich in Köln zu sehen. Als der Support bekanntgegeben wurde, stieg meine Vorfreude noch weiter. PINS aus Manchester sind eine der tollsten Bands, die ich im vergangenen Jahr kennengelernt habe. Aus Verlegenheit hatte ich die punkige Frauenband beim Best Kept Secret Festival gesehen und war angetan. Als Vorgruppe von Sleater-Kinney überzeugten mich PINS mit vielen neuen Songs und einer deutlich krachigeren Ausrichtung endgültig. Da auch PINS so eine Band sind, die eigentlich groß sein müsste, die es aber vermutlich nicht wird, ist die Chance gering, die Britinnen regulär, also mit einer eigenen Show bei uns zu sehen (uns: außerhalb Berlins). Perfekt also, sie auf diesem Wege nach Köln zu schicken.

PINS begannen um Punkt acht. Wie zuletzt bei Sleater-Kinney besteht die Band mittlerweile aus fünf Musikerinnen, zwei Gitarristinnen, einer Bassistin (der ursprünglichen - bei der Sleater-Kinney Tour fiel sie wegen eines Unfalls aus, dafür sprang Becky von Fear Of Men ein), einer Keyboarderin und einer Schlagzeugerin. Auf Platte sind die Stücke der Gruppe vielleicht manchmal brav und popig, live sind es ausnahmslos Kracher! Die halbe Stunde, die PINS hatten, war atemberaubend gut, Oh Lord mit Abstand das beste Live-Lied seit Ewigkeiten!
PINS wirken auf der Bühne ein wenig wie die Long Blondes. Irgendetwas (vermutlich die Sängerin) löst bei mir immer wieder diese Assoziationen aus. Sobald aber die Schlagzeugerin die Stücke anzählt, ist da nichts mehr von gekünsteltem Casting-Quatsch. Die Musikerinnen mögen sehr jung und sehr cool sein, sie sind aber vor allem sehr gut. Und sie haben verflucht gute Lieder.
Neben Oh Lord waren Dazed by you, Too little too late und Girls like us (mit souveränem und vollkommen unpeinlichen Cindy Lauper Ende) besonders brillant. Das kleine herrlich punkige Misfits-Cover Hybrid moments bildete einen treffenden Schlußpunkt.
Setlist PINS, Luxor, Köln:
01: Get with me
02: Young girls
03: Oh Lord
04: Too little too late
05: Molly
06: Dazed by you
07: Waiting for the end
08: Girls like us
09: Hybrid moments (Misfits Cover)
Auch Best Coast klingen live ganz anders als auf Aufnahmen. "Wir verstehen uns als Rockband" hatte mir Bethany Cosentino am Nachmittag bei einem kurzen Interview gesagt. Best Coast sind eigentlich nur Bethany und Gitarrist Bobb Bruno. Zu den Aufnahmen des im Mai erschienenen dritten Albums California nights stieß Schlagzeuger Brady Miller dazu. Live komplettieren ein Bassist und ein weiterer Gitarrist (Brett Mielke und Joe Bautista** von den tollen Whirr) die Band. Joe Bautista spielt zwar auch Keyboard, allerdings nur bei einem Lied. Bei neun der ersten zehn Stücke kamen also drei Gitarren zum Einsatz. Da von "Rockmusik" zu sprechen, ist also nicht weit hergeholt. Ich mag das dritte Album ohnehin sehr gerne, durch die gitarrigere Instrumentierung gewannen Stücke wie Heaven sent noch einmal kräftig dazu. Ausgerechnet das Shoegaze-Lied der Platte (der Titelsong) war mir aus Gitarrenperspektive etwas zu schwach auf der Brust, da spielte Joe Keyboard.

In der zweiten Konzerthälfte legte Bethany ihre Gitarre oft ab. Meist bei den schwächeren Stücken des Abends. Was nun Ursache und Wirkung ist, weiß ich nicht. I don't know how zum Beispiel oder Our deal gehörten zu den Liedern, die nicht gegen die Knüller wie When will I change, In my eyes (trotz fehlender Bethany Gitarre) oder Feeling ok ankamen. Da hatte das Konzert ein paar Längen.
Leider standen wir auf der falschen Seite. Wir konnten nämlich Bobb leider zu schlecht beobachten. Der introvertiert wirkende Gitarrist ist, wenn ich das als Laie richtig beobachten kann, ein grandioser Musiker. Die beiden, Bethany und Bobb, sind nach eigenen Aussagen grundverschieden. Ihr Songwriting funktioniert so, daß Bethany Lieder schreibt, sie Bobb schickt und der sie überarbeitet. Eine Band aus der selben Stadt stellt man sich anders vor, ich wenigstens. Aber auch das Best Coast Modell scheint ausgezeichnet zu funktionieren. Auf der Bühne steht Bobb auch ganz am Rand. Erst als Bethany nach dem letzten Stück When will I change die Bühne verließ, stand der Gitarrist mehr im Mittelpunkt und ließ mit seinen Kollegen einen herrlichen Gitarrenkrach entstehen. Irgendwann gingen auch sie von der Bühne, der Krach blieb, bis Best Coast wieder zu den Zugaben zurückkamen.

Nach dem wundervollen Boyfriend, der zweiten Zugabe, ging die Sängerin wieder als erste. Bobb und Joe blieben und machten Lärm, ganz herrlich! Ganz zu Schluß bastelte Bobb die Gitarre an die Decke.
Trotz des Jammerns über ein paar Längen gefiel mir auch der Hauptteil des Abends sehr gut. Der Saal hatte sich nach der Vorgruppe auch noch recht gut gefüllt. Aber leider nicht gut genug, daß solche tollen Bands häufiger nach Deutschland kommen. Das ist die doppelte Bestrafung für den kollektiven Musikgeschmack bei uns. Wir werden der miesen Musik im Radio ununterbrochen ausgesetzt und dürfen dann gute Musik auch seltener und seltener live sehen, weil zu wenige hingehen.
Setlist Best Coast, Köln:
01: Heaven sent
02: The only place
03: Fine without you
04: Crazy for you
05: Goodbye
06: So unaware
07: California nights
08: When I'm with you
09: Do you love me like you used to?
10: Dreaming my life away
11: I don't know how
12: Fade away
13: Fading fast
14: In my eyes
15: Feeling ok
16: Our deal
17: Jealousy
18: When will I change
19: Bratty B (Z)
20: Boyfriend (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Best Coast, Brüssel, 22.09.12
- Best Coast, Paris, 23.04.11
- PINS, Antwerpen, 21.03.15
- PINS, Hilvarenbeek, 21.06.14
* warum auch immer alt-j die anlocken!
** ich hoffe, das waren sie auch wirklich!
um
15:55
Konzert: Sleater-Kinney
Ort: Trix, Antwerpen
Datum: 21.03.2015
Dauer: Sleater-Kinney 85 min, PINS gut 40 min
Zuschauer: gut 1.000 (nicht ganz ausverkauft)
Je mehr Bands sich wiedervereinigen, desto häufiger hört man, wie unnötig so etwas doch ist. Die wollten ja alle nur das große Geld machen und seien musikalisch eh nicht mehr relevant. Ich sehe das (vielleicht, weil ich in den 90er Jahren so gut wie kein Konzert gesehen habe) ganz anders. Solange eine Band gut ist, ist sie auch relevant. Ganz einfach. Und das große Geld wünsche ich jeder Band, die ich mag. Das ist deren Beruf und den machen sie hervorragend, also sollen sie gefälligst auch gut damit verdienen. Die Realität ist ja leider eine andere.
Auch über die Sleater-Kinney Reunion hatte ich mich riesig gefreut. Sie kam für mich überraschend, meine Reaktion, natürlich eines der wenigen Festlandskonzerte sehen zu wollen, dann aber nicht. Wir einigten uns schnell auf Antwerpen. Eine Stadt in striking distance an einem Wochenende, das klang gut.
Das Trix ist ein moderner Konzertbau in direkter Autobahn-Nähe. Und wie alle Benelux-Auftrittsorte, die ich kenne, ist es ein Beispiel dafür, wie sehr unsere westlichen Nachbarn auch nicht-E-Musik fördern. Jede niederländische und belgische Stadt hat solche Konzertgebäude, die einzig zum Zweck, Rockkonzerte zu veranstalten, gebaut wurden - von der öffentlichen Hand. Bei uns fördert die lieber die Formel eins oder fordert Steuergelder für die Sicherstellung der Grundversorgung aller mit Fußballübertragungen. Aber wir sind trotzdem das Land der Dichter und Denker, glaube ich.
Auch das ganze Drumherum eines Konzertabends ist in Belgien vorbildlich. Wir mussten zwar unsere E-Tickets noch gegen Bändchen tauschen, was ein wenig lästig war aber schnell ging. Taschenkontrollen oder etwa Leibesvisitationen gibt es aber genausowenig wie die Politik der Betreiber, die Besucher über die Startzeiten der Bands im Unklaren zu lassen, damit die früh kommen und viel Bier trinken.

Der Innenraum des Trix fasst wohl 1.000 Zuschauer, es dauerte aber lange, bis der Saal annähernd voll war. Viele verpassten damit die Chance, die hervorragende Vorgruppe PINS aus Manchester zu sehen. Ich hatte PINS im vergangenen Sommer beim Best Kept Secret Festival gesehen und sehr gemocht. Damals erinnerte mich die junge britische Band an Savages oder die Dum Dum Girls oder irgendetwas dazwischen. Natürlich kaufte ich mir ihr tolles Album Girls like us, aber natürlich hörte ich das hinterher viel zu selten. Umso glücklicher war ich, als vor einigen Wochen bekannt wurde, daß die Engländerinnen Sleater-Kinney auf der ganzen Tour supporten würden.

PINS spielten gut 40 Minuten und obwohl mein anderes Konzert erst neun Monate her ist, war dieser Auftritt komplett anders. Die Band hatte zwei neue Mitglieder, eine Keyboarderin und eine andere Bassistin und von den Liedern kannte ich kaum eines. Viele Stücke scheinen neu zu sein. Was geblieben ist, ist die fantastische Live-Qualität der Band (und der Lieder). Wenn man als junge Band bei Support-Auftritten in riesigen Hallen auf einen Großteil der veröffentlichten Stücke verzichten kann, spricht das für Selbstvertrauen und Talent.
Herausragende Stücke waren Oh Lord, Too little too late (das einen wundervollen Tempowechsel hat) und Girls like us am Ende. Sängerin Faith erinnerte mich gesanglich nicht mehr an Savages, ihre Stimme klang punkiger, bilde ich mir ein.
Wir standen vor der irre unterhaltsamen Gitarristin Lois, die jedes Lied mitschmettert - stumm vor sich hin - und nur ab und zu in ein Mikro singt. Daher fiel mir erst spät auf, daß die neue Bassistin auch die von Fear Of Men ist, Becky. Nach dem Konzert erfuhr ich, daß die eigentliche Musikerin sich ein Bein gebrochen habe.
Besonders eindrucksvoll fand ich die Souveränität, mit der PINS auftraten. Die riesige Bühne schien sie nicht weiter zu beeindrucken. Wenn da nichts schiefgeht, werden PINS eine Ecke größer als bisher. Einzig die Keyboarderin wirkte manchmal ein wenig unsicher. Als sie bei Girls like us gemeinsam mit Lois Gitarre spielte und ins gleiche Mikro sang, musste sie immer zwischendurch auf ihre Griffe gucken. Gitarre scheint sie noch nicht lange live zu spielen, wenigstens nicht singend.
Setlist PINS, Trix, Antwerpen:
01: Lost lost lost
02: Get with me
03: Young girls
04: Curse these dreams
05: Oh Lord
06: Too little too late
07: Wild nights
08: Got it bad
09: Dazed by you
10: Waiting for the end
11: Hybrid moments (Misfits Cover)
12: Girls like us
Als zwei Stunden später Sleater-Kinney zu den Zugaben zurück auf die Bühne kamen, sagte Carrie Brownstein sie seien als Band wieder da, "weil sie noch nicht alles gesagt hätten." Das mag eine übliche Floskel sein (a-ha werden ihr Comeback vermutlich ähnlich begründen), bei Sleater-Kinney glaube ich die aber. Vermutlich wäre auch das neue Album bei weitem nicht so gut, ginge es hier vor allem ums Geld.
Sleater-Kinney spielten Stücke aller Platten mit Ausnahme des Debüts. Erstaunt hat mich dabei vor allem, wie wenig Unterschiede zwischen den neuen und den alten Liedern festzustellen sind, obwohl der Altersunterschied vermutlich* immer mindestens 10 Jahre beträgt (The woods, das bis Januar aktuellste Album ist von 2005). Das ist mir aber ehrlicherweise erst hinterher aufgefallen. Während des knapp anderthalbstündigen Konzerts war keine Zeit, über irgendetwas nachzudenken. Pausen und Ansagen passen nicht ins Konzept eine Punk- (oder wie ich irgendwo las Postpunk-) Band.

Doch, einen (wichtigen) Unterschied gab es bei den neuen Stücken. Bei denen stand naämlich neben den beiden Gitarristinnen Corin Tucker und Carrie Brownstein und Schlagzeugerin Janet Weiss eine Gastmusikerin auf der Bühne. Auch bei der handelt es sich um eine alte Bekannte, um die wundervolle Katie Harkin von Sky Larkin, die ich für eine der talentiertesten jungen Musikerinnen halte. Zuletzt war sie als zusätzliche Keyboarderin mit den Wild Beasts unterwegs, auf der kompletten Sleater-Kinney Tour spielt sie eine weitere Gitarre und ab und zu Keyboard und Rassel. Nicht nur, weil sie manchmal alle drei Instrumente gleichzeitig spielen musste, war ihr Job anstrengend. Katie ging siebenmal von der Bühne (aber sie kam dann auch immer wieder zurück - puh!).

Etwas Angst hatte ich vor dem Konzert vor den großen Rockstar-Posen, die mir auch gute Bands ordentlich vermiesen können. Ich weiß nicht mehr, wie es bei Wild Flag war, der Band, die Janet und Carrie eine Weile betrieben und mit der sie im Gebäude 9 waren. Corin Tucker ist die ruhige der beiden Gitarristinnen. Vielleicht hat sie auch keine Gelegenheit für Unsinn, weil sie die Haupt-Verantwortung für den Gesang trägt. Carrie dagegen kickte ab und zu die Beine wahnwitzig hoch, riss (nur einmal glücklicherweise) ihre Gitarre in die Senkrechte, stand bei Words and guitar minutenlang auf einem Bein oder lehnte bei Entertain ihr ganzes (bescheidenes) Gewicht auf ihr Instrument, das sie scheinbar in den Bühnenboden rammen wollte. Selbst das heikle Thema Rockgesten lösten die drei Amerikanerinnen also äußerst stilvoll. Die synchronen Roboter-Bewegungen von Carrie und Katie beim sagenhaften Surface envy und später bei Gimme love waren wunderbar und meilenweit von Ekel-Rockposen (bzw. Ekelrock-Posen) entfernt!

Schade irgendwie, daß PINS vor solch eine brillanten Band spielen mussten. Deren hervorragendes Konzert verblasst in meiner Erinnerung nämlich jetzt schon, weil ich nur noch die coolen Punkrockerinnen aus Washington (und Katie) vor Augen habe.
Wer solche Comebacks für nicht relevant und cool genug hält, bestraft sich selbst mit dem ständigen Hinterherrennen hinter dem neuesten heißen Scheiß, den in drei Jahren kein Mensch mehr kennt.
Setlist Sleater-Kinney, Trix, Antwerpen:
01: Price tag
02: Fangless
03: Oh!
04: The end of you
05: Ironclad
06: What's mine is yours
07: No anthems
08: One beat
09: A new wave
10: Youth decay
11: Bury our friends
12: Rollercoaster
13: No cities to love
14: Words and guitar
15: Get up
16: Surface envy
17: Entertain
18: Jumpers
19: Gimme love (Z)
20: I wanna be your Joey Ramone (Z)
21: Dig me out (Z)
22: Modern girl (Z)
23: One more hour (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- PINS, Hilvarenbeek, 21.06.14
um
17:04
Konzert: PINS
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 21.06.2014
Dauer: 35 min
Zuschauer: 400 vielleicht
Samstags um 13.30 Uhr mäht man den Rasen oder wäscht sein Auto. Oder man kauft die Nackensteaks für den Grillabend. Aber man steht ganz sicher nicht in einem kleinen Zelt in einem Safari-Park und guckt vier Frauen zu, die Bierdosen in der Hand halten und krachige Musik spielen. Irgendetwas scheint da bei mir erheblich schiefgegangen zu sein, und auch wenn das nicht überall leicht vermittelbar ist: mein Nachmittag war natürlich tausendfach besser! Eine kluge Band beschrieb mich vor einigen Jahren. "Jeder ist in seiner eigenen Welt, aber meine ist die Richtige!"

Die vier Musikerinnen mit den Bierdosen sind PINS und kommen aus Manchester. Sie klängen wie eine Mischung aus den Dum Dum Girls und Savages, behauptete das Programmheft und obwohl ich die Referenzen in Festival-Apps nie nachvollziehen kann, traf es das recht gut, Sängerin Faith Holgate hört ich wirklich ein wenig nach Jehnny Beth an. PINS klingen aber weniger wütend als Savages. Von Bands wie den Dum Dum Girls, La Sera, Best Coast und wie diese tollen Gruppen alle heißen, unterscheiden sich PINS durch eine deutlich rockigere Instrumentierung. Und wenn man zwischen zwei tollen Dingen gelagert ist, ist es wenig überraschend, daß man auch toll ist - PINS machten mir trotz der fiesen Anfangszeit großen Spaß!

Die Engländerinnen haben im vergangenen Jahr ihr Debütalbum Girls like us bei Bella Union veröffentlicht und spielten einige Stücke der Platte. Allerdings war das Set deutlich abwechslungsreicher. Bands mit einem Album spielen ja normalerweise nur Stücke davon - und vielleicht eine alte Single oder ein Cover, um das Programm zu füllen. PINS hatten nur vier Lieder der LP im Programm, ein paar B-Seiten, Singles, einen neuen Song (Curse the dreams) und ein Misfits Cover. Ob sie die anderen Lieder nicht gerne oder nicht gut spielen oder die Singles und B-Seiten lieber mögen? Ich weiß es nicht, es ist aber auch vollkommen egal, weil mich das Set von A bis Z überzeugt hat. Dabei war gerade das Misfits-Cover der scheinbar fröhlichste Song des kurzen Programms (hörte man nicht dem Text zu).

PINS sind neben Sängerin Faith Schlagzeugerin Sophie, Bassistin Anna Donigan und Gitarristin Lois Donald, mit gelbblonden Haaren und breitestem Grinsen die auffälligste der Musikerinnen. Lois sang und brüllte das ganze Konzert über mit. Meist aber vollkommen lautlos, fern von jedem Mikro. Einmal, als sie wieder (scheinbar) laut wie der Chor der Schwarzmeerflotte mitschmetterte, hielt Faith ihr ein Mikro hin, was zu einem großen Lachanfall der Gitarristin führte. Ich fühlte mich als großer Freund der Kunst des lautlosen Mitsingens so bestätigt - und ertappt.
PINS werde ich wiedersehen. Wofür doch so ein Samstagnachmittag gut ist! Und wieder einmal ist es vollkommen irrelevant, ob die Band nach irgendetwas klingt, was es schon einmal gab. Sie klingt gut, das reicht mir. Einzig eines stört mich. Das beste Lied (House of love) scheint auf keiner Veröffentlichung zu sein. Das ebenso tolle Say to me ist immerhin auf einer der EPs der Band zu finden.
Setlist PINS, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:
01: Lost lost lost
02: Curse these dreams (?) (neu)
03: House of love
04: Get with me
05: Say to me
06: Luv U 4 Lyf
07: O Lord
08: Girls like us
09: Hybrid moments (Misfits Cover)
10: Shoot you
11: Waiting for the end