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Freitag, 28. Januar 2011

Bird On The Wire & SuperBravo, Paris, 25.01.11

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Konzert: Bird On The Wire & SuperBravo

Ort: L'International, Paris
Datum: 25.01.11

Zuschauer: etwa 150





Die Kratzer, die mein Selbstvertrauen als (relativ) frischgebackener Konzertpromoter durch den sehr mäßig besuchten Gig am Vortage im Espace B bekommen hatte, wurden am heutigen 25. Januar postwendend mit Balsam zugepudert.

"Oliver Peel is a hero, a legend, he makes bands", oder "Oliver is the best booker in the world", solche (natürlich völlig übertriebenen) Sätze, gingen runter wie Öl. Schon schmeichelhaft, daß Leute so etwas von mir behaupten, aber die unverhältnismäßigen Komplimente nahm ich natürlich trotzdem gerne an, da die letzten Tage psychisch und physisch enorm fordernd waren und ich Aufmunterung gut gebrauchen konnte. Dennoch werde ich energisch dagegen angehen, die Bodenhaftung zu verlieren und mir auf Lob allzuviel einzubilden. Zumal ich selbst einigen anderen engagierten Leuten zum Dank verpflichtet bin. Da wäre zunächst Vincent zu nennen, mein Partner von Mon Petit Club, mit dem ich zusammen den insgesamt vierten Konzertabend im International auf die Beine gestellt habe.* Wie er in der Vorbereitung gewuselt und gewirkt hat, das war schon große Klasse. In seiner kargen Freizeit hat er die schmucken Flyer drucken lassen, permanent für das Konzert getrommelt und bis zum letzten Tag Handzettel verteilt. Am meisten beindruckt hat er mich mit einer Szene, die sich mittags beim Soundcheck ereignete. Armelle Pioline aka Superbravo stand bereits auf der Bühne, um den Sound zu testen, da sah Vincent das plötzlich direkt vor der Tür des International ein Parkplatz frei wurde. Er sprintete die Treppenstufen zu Armelle runter, ließ sich die Autoschlüssel geben und parkte den Wagen der Sängerin um. Vincent, der voiturier. Was für ein Service! Mensch, der Junge kann anpacken! Und wie er nach dem Konzert als DJ die Leute zum Tanzen und Feiern brachte, war beeindruckend. Er hatte genau das Feeling dafür, was die Leute brauchten, um in Stimmung zu kommen und servierte es ihnen punktgenau. Alle johlten und lagen sich in den Armen. Freundschaften (und Liebschaften?) wurden im Handumdrehen geschlossen. Selbst der in Paris lebende britische Sänger Thos Henley (sein erstes Album wird demnächst erscheinen, berichtete er mir freudstrahlend) ließ sich blicken und hatte seine Fans mitgebracht, die im Laufe des Abends ordentlich becherten.

Desweiteren muss auch unbedingt Clô alias Onewomanpictures geannt werden, die Bird On The Wire an drei nachfolgedne Tagen auf äußerst charmante und gekonnte Weise filmte und so ein wunderbares Tourdokument schuf, an dem ich mich gar nicht satt sehen kann.

Und schließlich meine Freunde von den Oliverpeelsessions, die sich heute zu meiner großen Freude zahlreich im International eingefunden hatten.

Aber kommen wir zu den Konzerten, schließlich sind wir hier ja nicht bei einer Oscarverleihung. Absolutes Highlight nach der gelungenen Einleitung durch Armelle Pioline aka SuperBravo war natürlich der Auftritt der jungen Holländer Bird On The Wire. Rosa (Gesang, Akustikgitarre Orgel, Melodica), Thijs (E-Gitarre, Gesang) und Nina (Schlagzeug, Percussions, Glockenspiel, Melodica) sind meine Helden dieser tristen Spätjanuartage. Sie brachten Licht und Farbe ins Dunkel, haben mit ihren drei Konzerten meine kühnsten Erwartungen übertroffen und im Handumdrehen einige neue Fans hinzugewonnen. Wenn man alle 25 Demo CDs absetzt, dann muss man so einiges richtig gemacht haben. Dabei biedern sie sich keineswegs an, sondern spielen scheinbar simple, aber dennoch so bewegende Folkpopsongs mit Wildwestnote. Die drei Amsterdamer haben definitiv das gewisse Etwas. Trotz ihres jungen Alters machen sie allein bühnentechnisch schon was her. Bandleaderin Rosa Ronsdorf beispielsweise hat ein unglaubliches Charisma. Sie ist eine Mischung aus Pipi Langstrumpf und Stilikonen von Alfred Hitchock Filmen. Ihr Augenaufschlag ist betörend und ihre Austrahlung kühl, aber sinnlich, sexy aber nicht verrucht. Sie umgibt eine mysteriöse Aura, die vollkommen faszinierend ist. Sie ist gleichzeitig nett und natürlich, aber dennoch ein wenig unnahbar und distanziert. Ihre Blicke sind schwer zu deuten. Erkennt man in ihren wundervollen blauen Augen Trauer und Melancholie oder Verträumtheit und Sanftheit?

Die zweite Frau in der Band ist ebenfalls auffällig. Nina ist 1,80 groß und hat unglaublich schöne Hände mit langen, feinen Fingern, mit denen sie auf äußerst gelungene Weise das Glockenspiel erklingen lässt, oder filigran und perkussiv trommelt. Ihr Haupt wird von schweren Rastazöpfen geschmückt, die sie sich vor 5 Jahren in Amsterdam hat flechten lassen. Ein auf den ersten Blick eher schüchternes und stilles Mädchen, das aber an einigen schelmischen Schmunzlern erkennen ließ, daß sie keineswegs stoisch ist.

Und dann gibt es noch Thijs, den einzigen jungen Mann in der Band, der gerade einmal 19 Jahre auf dem schmalen Buckel hat und schon so ausgebufft spielt wie ein Alter. Er ist für das feine Artwork der Band verantwortlich, gestaltet die Webseite und die Cover der Demo CDs und kann auch prima zeichnen. Ein Sympath, der als letzter zu der Girlgroup gestoßen ist.

Heute gab es sogar noch einen vierten Musiker auf der Bühne. Den amerikanischen Trompeter Zach hatten Bird On The Wire lediglich zwei Tage zuvor bei der Oliver Peel Session kennengelernt. Der ungemein attraktiv aussehende junge Mann war keineswegs nur Zierrat, sondern sorgte mit seinem Trompetensolo bei dem abschließenden Song Words für ein furioses Finale.

Überhaupt die Songs von Bird On The Wire. Alle toll. Mal beschwingt und tanzbar (Strange Days) mal kontemplativ und melancholisch (No Man's Land), mal sanft und träumerisch (Choose Now), immer herzerwärmend. Hier passt einfach alles zusammen. Die sehnsüchtige Melodica, das liebliche Glockenspiel, die alte Vintage Orgel, die melodische Gitarre und vor allem die Stimmen von Rosa und Thijs. Der Applaus im Publikum wurde logischerweise von Lied zu Lied größer. Ein farbiger Mitbürger war gar so angetan (oder war er einfach nur besoffen?), daß er vorne am Bühnerand zu jedem Lied mit ausschweifender Gestik tanzte, was die Band verschmitzt grinsend aus den Augenwinkeln beobachtete.

Am Ende hatten alle ein Lächeln auf den Lippen, die Band, die Besucher und sogar Konzertfotografenzar Robert Gil, der hier völlig überraschend aufgekreuzt war.

Bei der Aftershow erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Bird On The Wire wünschten sich etwas von Gainsbourg (Vincent ließ draufhin prompt die Stöhnnumer Je t'aime moi non plus laufen), dann auch Love Will Tear Us Apart von Joy Division und um ihnen heimatliche Gefühle zu bereiten, ließ ich mit Northern Territory von Alamo Race Track, einen Titel einer anderen fabelhaften holländischen Band laufen. An der Bar lernte ich dann noch eine hübsche Münchnerin kennen und lud sie prompt zur nächsten Oliver Peel Session ein ("ich lüsterner alter Mann" wird Eike jetzt vermutlich wieder ausrufen). Alles war perfekt gelaufen. Nur ein Taxi für die Band zu bekommen, daß den ganzen Instrumentenkram auflädt, gestaltete sich um 2 Uhr nachts als ziemlich schwierg und langwierig. Dann aber kam es und lud die jungen Menschen ein. Draußen regnete es und Wasser lief meine Wangen runter. In den Regen hatten sich Tränen gemischt. Freudentränen, weil das Konzert so gut gelaufen war und Tränen der Wehmut, weil ich mich von meinen liebgewonnenen Musikern schon wieder verabschieden musste. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Die Zukunft gehört ihnen.

*Camille, unser dritter Mann fehlte krankheitsbedingt. Gute Besserung!





Mittwoch, 15. Dezember 2010

SuperBravo & Tristan Poupee & Hausmann Tree, Paris, 13.12.10

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Konzert: SuperBravo & Tristan Poupée & Hausmann Tree

Ort: La Loge, Paris

Datum: 13.12.10

Zuschauer: 40-50 oder so



Es ist schon ziemlich erstaunlich: wenn Franzosen auf englisch gesungene Popmusik machen, hört man immer sofort, daß die Autoren aus Frankreich kommen. Und ich meine jetzt nicht den niedlichen (schrecklichen?) Akzent, sondern die zarte Melancholie, die quasi allgegenwärtig ist.
Eine Melancholie, die sich von der schwermütigen russischen deutlich unterscheidet. Die Französische ist immer ein großes Stück leichter, sinnlicher, erotischer und klingt so wie Roséwein schmeckt. Ok, meine Vergleiche sind scheiße, aber ich glaube ihr wißt, worauf ich hinaus will, oder? Stilprägend in dieser Hinsicht waren ganz klar Serge Gainsbourg und Jane Birkin. Sie hauchte immer, als würde sie von Oliver Peel höchstpersönlich beglückt und er brummelte mit der Zigarette in der Schnüss so genüßlich als würde er gleich kommen. Ein in Musik vertonter Liebesakt. Natürlich denke ich insbesondere an den berühmten Chanson Je t'aime...moi non plus, den Gainsbourg 1967 zunächst zusammen mit Birgitte Bardot gestöhnt hatte,, bevor 1969 die aus England stammende Birkin den weiblichen Gesangespart übernahm.

Gut dreißig Jahre später singen die meisten Franzosen auf englisch, aber die Grundstimmung ist immer noch ähnlich. Man liebt nach wie vor sinnliche Frauenstimmen und tiefe Männerstimmen. Insofern kam man heute in der Loge voll auf seine Kosten. Armelle Pioline aka SuperBravo hauchte ihre Zeilen süßlich ins Mikro, während Jean Pierre Petit alias Tristan Poupée die Texte eher tief und rauchig brummelte. Der Begleitsound dazu melancholisch, traumversunken, sehnsüchtig. Amüsanterweise klingen heutzutage vor allem Blonde Redhead (sie Japanerin, die beiden Brüder Italiener) besonders französisch, so daß die abschließend auftretenden Haussmann Tree einen ständig an Kazu Makino und die Pace- Zwillinge denken ließen.



Aber mal der Reihe nach. Begonnen hatte den Konzertabend SuperBravo. Die Sängerin von Holden auf Solopfaden hatt erst kürzlich eine schöne Oliver Peel Session geliefert und spielt seitdem immer vor vollem Haus. Ha ha, schön wärs! In Wahrheit muss sie natürlich wie unzählige andere Indiemusiker weiterhin um jeden Fan und Plattenkäufer kämpfen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Aber vielleicht hat sie ja heute ein paar neue Anhänger hinzugewonnen, denn die Stücke ihres ersten Albums A Space Without Corner wurden alles andere als übel zum Vortrage gebracht. Richtig begeistert bin ich von Pilgrim, einer Ballade, die sie auch bei unsere Session gespielt hatte (siehe Video) und die heute besonders schön interpretiert wurde. Man muss wissen, daß Armelle alle Instrumente (nun ja eigentlich sind das nur Akustikgitarre und Melodica) selbst spielt, einzelne Passagen dann aber sampelt und an der entsprechenden Stelle abruft (Ist ja modern heute sowas).

Trotzdem geht bei solchen Spielchen immer mal was daneben und so trat die Gute einmal zur falschen Zeit auf ihre Pedale. Aber halb so schlimm, denn selbst ein hochtalentierter Musiker wie Peter Broderick hat kürzlich in der Flèche d'or auch nicht immer ganz das richtige Timing erwischt. Die flotte Disconummer Cars kam trotzdem gut rüber und richtig stark war das Daniel Johnston Cover The Beatles, das Armelle ins Programm aufgenommen hatte, weil John Lennon bekanntlich vor 30 Jahre auf so gemeine Weise um sein Leben gebracht worden war.

Insgesamt ein schönes Konzert von SuperBravo.

Armelle hatte aber noch nicht fertig, denn sie kam auch in der nun auftretenden Band von Tristan Poupée zum Einsatz. Deren Chef Jeanne Pierre begann mit französischem Gesang und beendete das Set auch in der Sprache Molières, sang ansonsten aber alle Texte auf englisch. Sämtliche Lieder wurden von einem esoterischen Orgelsound begleitet, während Armelle im Stehen trommelte und Percussions spielte. Die Musiker (zwei davon, der Chef und der Orgler, sind auch bei der französischen Chansonsängerin Barbara Carlotti beschäftigt) schufen eine atmosphärisch dichte Klanglandschaft, die von der oben beschriebenen typisch französischen Melancholie durchzogen war und überzeugten mit einigen sehr gelungenen Stücken. Auch hier verfolge ich den weiteren Werdegang.

Hausmann Tree schließlich boten das vielleicht beste Konzert des Abends. Beatles meets Blonde Redhead, so in etwa könnte man vielleicht beschreiben, wie das Ganze klang. Ein Vierer aus Paris, der von einem extravaganten Orgler angeführt wurde und auch einen (für französische Verhältnisse) recht beleibten Gitarristen in seinen Reihen hatte, der ganz vorzügliche kleine Melodien aus seiner schönen schwarz-weißen Rickenbacker rauskitzelte. Der Pfundskerl sang auch ab und zu mit einer tollen Falsettstimme und ist im Übrigen auch Mitglied der Band Rover, die in diesem Jahr in französischen Indiekreisen von sich reden machte. Der Basser war wohl nicht etatmäßig. Ich glaube er hieß Esteban und ist ansonsten auch schon in anderen Gruppen zum Einsatz gekommen.



Ob eine Band wie Hausmann Tree (die in Paris bereits im legendären Olympia im Vorprogramm sielen durfte) mal irgendwann nach Deutschland kommt und dortige Bühnen beehrt, ist fraglich, aber zumindest wird Oliver Marguerit 2011 in Germany auftreten. Der famose Gitarrist von Syd Matters saß heute im Publikum, war wegen Hausmann Tree gekommen (ein Ritterschlag?!) und geht mit Syd Matters im Februar 2011 auf Tour durch deutsche Städte. Darauf darf man sich freuen und es wird sicherlich auch ein wenig von der typisch französischen Melancholie zu spüren sein...




Sonntag, 21. November 2010

SuperBravo & Unbunny, Paris, 20.11.10

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Konzert: SuperBravo (Sängerin Holden) & Unbunny

Ort: Ein Wohnzimmer irgendwo in Paris
Datum: 20.11.2010
Zuschauer: um die 40 oder so
Konzertdauer: pro Künstler je 45 Minuten





In einem Buch über Etikette und Benimm habe ich mal gelesen, das man es nicht machen soll, aber ich tue es trotzdem: Ich lobe diesmal an erster Stelle meine Frau. Sie war (genau wie ich im Übrigen) sehr müde und abgekämpft von der Arbeitswoche und nervlich extrem dünnhäutig. Lust, Baguettes für 40 Leuten vorzubereiten, hatte sie deshalb nur sehr bedingt. Dennoch hat sie ingesamt 15 Stangenbrote auf kreative Weise mit schmackhaften Zutaten belegt, eine hausgemachte Mayonnaise hergestellt und die Leute bestens verköstigt. Aber nicht, daß ihr denkt, ich würde mich wie ein Pascha zurücklehnen und diesen Teil der Sessions komplett der Frau im Hause überlassen. Die Einkäufe erledige ich alleine und die Damen in der Boulangerie (Bäckerei) schauten mich schon etwas seltsam an, als ich mit einem riesigen Sack mit 15 Baguettes unter dem Arm den Laden verließ. In der anderen Hand hatte ich zwei Blumensträuße, weil ich immer frische Blumen für die Musiker und die gesamte Atmosphäre haben möchte. Dann fiel mir ein, daß ich auch noch Pfeffer und Salz besorgen musste, was zur Folge hatte, daß ich in einem knackvollen Supermarkt hinter Leuten anstehen musste, die ihre gesamten Wocheneinkäufe an diesem Samstag erledigten. Zu Hause angekommen, stellten wir zehn Minuten später fest, daß uns die Butter ausgegangen war. Die Atmosphäre war angespannt (um es einmal vorsichtig auszudrücken), zumal ich die Künstler für 17 Uhr geladen hatte und es inzwischen bereits 16 Uhr 45 war. In diesem Moment hätten wir wirklich am liebsten alles hingeworfen und uns im Bett die Decke über den Kopf gezogen. Dann funktionierte Céciles iphone nicht mehr, ein Drama für sie, sie ist süchtig nach diesem Ding! Außerdem wollten uns ja auch Gäste anrufen. Zu allem Überfluss fand ich meine Haustürschlüssel nicht mehr, obwohl ich eine viertel Stunde nach ihnen suchte. Mit dem Schlüsseln meiner Frau rannte ich in den kleinen Supermarkt um die Ecke, der gerade dabei war zu schließen. Glücklicherweise konnte ich die zwei Päckchen Butter noch erstehen. Kurz nach 5 stand dann Armelle alias SuperBravo vor unserer Haustür. Die Baguettes waren noch nicht fertig. Nett wie sie ist, packte sie sofort mit an und half bei den Vorbereitungen mit. Als wir aber einen kurzen Soundcheck durchführen wollten, bemerkte sie, daß sie ihr Mikro vergessen hatte und das brauchte sie für ihre gesampelten Passagen unbedingt. Also fuhr sie kurzerhand in ihre Wohnung zurück. Hilfe, es war alles so chaotisch! Die Gäste tröpfelten ein, aber die Künstler waren nicht da! Mist! Normalerweise zitiere ich sie immer extra eine Stunde früher zu uns, um alles in Ruhe vorzubereiten. Superbravo war also wieder weg und Unbunny noch nicht da. Ein kleines Drama, aber vor meinen Gästen tat ich so, als sei ich bestens drauf, obwohl ich innerlich bebte. Achso: hatte ich erwähnt, daß die Glühbirne im Bad kaputtging? Da wo sich die Gäste nach dem Toilettengang die Hände waschen, you know? Und die Konstruktion so scheiße ist, daß man erst eine Vorkehrung abmontieren muss (wozu man eine Leiter braucht), bevor man die neue Birne anbringen kann?! Zeit dafür hatten wir keine. Wie auch? Also stellte ich behelfsweise ein kleines Teelicht ins Bad. Ach irgendwie lief alles schief!



Aber es wurde alles gut...

Wie gut, erzähle ich, wenn ich ausgeschlafen bin. Achso: ich habe meine Haustürschlüssel wiedergefunden. Sie waren in die Sofaritze gerutscht.



Freitag, 8. Oktober 2010

Erevan Tusk & Peasant, Paris, 07.10.10

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Konzerte: Erevan Tusk & Peasant (SuperBravo, Chris Pureka)
Orte: La Loge & l'Espace B

Datum. 07.10.2010
Zuschauer: jeweils etwa 30



Wieder mal ein vollgepacktes Programm für euren Konzertblogger an diesem 7. Oktober! Um 19 Uhr spielten in der Loge die Franzosen Erevan Tusk und ab 21 Uhr liefen im Espace B gleich drei Künstler auf. Zeitlich schien mir das alles machbar, aber es gab ein paar Widrigkeiten, die dazu führten, daß ich nicht alles mitbekam, was heute so geboten wurde. Ein Brand auf meiner U-Bahnlinie sorgte für einen Stromausfall, der denVerkehr für eine halbe Stunde unterbrach und mich viel zu spät zum Konzert von Erevan Tusk kommen ließ. Verdammt schade, denn die von Sänger MiJ angeführte Truppe drückt musikalisch bei mir auf die richtigen Knöpfchen. Sie spielen reinrassigen Indierock mit folkiger Noten und kanadischen Vorbildern. Ihre Lieblingsbands heißen unter anderem Wolf Parade, Sunset Rubdown und Handsome Furs, na klingelt's da irgendwo? Aber Erevan Tusk sind keine Raubkopierer, sie haben aus ihren Einflüssen einen wunderbaren Sound kredenzt, der zweifelsohne internationale Klasse hat. Ich mag so ziemlich alles an ihnen, ihre Melancholie, die Meldodien, die erlesen arrangierten Songs. Mij ist mir im vergangen Jahr schon mit seiner anderen Band Starboard Silent Side sehr positiv aufgefallen, jetzt gibt es also zwei Projekte von ihm, die ich nicht aus den Augen (und Ohren) verlieren darf.

Heute gab es am Ende auch noch ein Neutral Milk Hotel Cover, King Of Carrot Flowers, vorgetragen zwischen den entzückten Zuschauern, die für 6 Euro voll auf ihre Kosten kamen.

Danach betrieb ich noch reichlich Smalltalk, schloß nette neue Kontakte und zog mit einer Bekannten Richtung Espace B ab,
schließlich war der Abend noch jung. Nicht gerade um die Ecke das Espace B und auch hier ließen mich die Pariser Verkehrsbetriebe ein wenig im Stich. Geschlagene 15 Minuten mussten wir auf den nächsten Bus warten, einen mittlere Katastrophe in Paris! Als wir am Ort des Geschehens eintrafen, war die Französin Armelle Pioline alias SuperBravo mit ihrem Set schon fast durch. Zwei sanfte Lieder auf der Akustikgitarre gab es noch von der Holden Sängerin dann war leider Schluß. Holden ist eine in Frankreich höchst erfolgreiche Band, die auf französisch singt, SuperBravo das Soloprojekt von Armelle und hier zwitschert sie fast ausschließlich in englisch. Ich mag ihre Stimme und Ausstrahlung, mehr als diese Allgemeinplätze kann ich auf Grund der Kürze des begutachteten Sets nicht als Kommentar beisteuern.

Anschließend trat die Amerikanerin Chris Pureka auf, aber auch von ihrem Konzert bekam ich nicht allzu viel mit. Ich hatte mich vor der Tür des Clubs festgequatscht und dann überfiel mich zu allem Überfluß auch noch eine brutale Hungerattacke. Ich hatte einen Teller Spaghetti Bolognese auf dem Tresen gesehen und wollte im Stile eines kleinen Kindes sofort genau das Gleiche. Erst wiesen mich die Barkeeper ab, sagten die Küche habe geschlossen und Nudeln gäbe es nur für die Künstler. Als ich dann aber von meinem quälenden Hunger berichtete und meinen treudoofen Dackelblick aufsetzte, hatten sie Mitleid und brachten mir auch einen Teller. Als ich aufgegessen hatte, war Chris Pureka aus Massachusetts schon mit ihrem Programm durch. Ihre Musik klang nicht übel!

Dann war die Zeit für Damien deRose aka Peasant gekommen. Den jungen Singer/Songwriter hatte ich zur Tour zu seinem Vorgänger-Album On The Ground schon einmal auf einer Bühne gesehen, heute aber ging es um die Promotion für sein neuestes Werk Shady Retreat. Dennoch gab er dennoch so einige Leckerbissen von On The Ground, das ich wirklich ziemlich oft gehört habe. Richtig tolle melancholisch-unschuldige Lieder sind da drauf, zum Beispiel das an Elliot Smith erinnernde Raise Today, das verträumte The Wind und die betörende Ballade Exposure er auch heute performte. Ungewöhnlich war allerdings wo er spielte, nämlich nicht auf, sondern vor der Bühne! Er performte quasi durchgängig zwischen den Zuschauern, völlig unplugged. Es hatte zuvor Probleme mit dem Gitarrenverstärker gegeben, weshalb sich der Bursche mit der wundervollen Falsett- Stimme dazu entschied, den Stecker rauszuziehen, das Mikro auszuschalten und sich mit seiner Klampfe unters Volk zu mischen. Kurios und intim!

Sein neues Album soll übrigens granatenhaft toll sein, da ich die Songs aber vorher nicht kannte, berührten sie mich etwas weniger als das mir bekannte Material.

Peasant sollte jeder Folkfan auf seinem Schirm haben, der Junge ist talentiert und angenehm bescheiden!

Setlist Peasant, Espace B, Paris:

01: We're Good
02: Raise Today
03: The Stars
04: The Wind
05: Tough
06: Prescriptions
07: Doesn't Mean
08: Into The Woods
09: Hard Times
10: Exposure

Aus unserem Archiv:

Peasant, Paris, 29.09.2009


Link:

- Das Klienicum über Peasant



 

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