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18:02
Konzert: The Last Shadow Puppets
Ort: Lowlands Festival
Datum: 21.08.2016
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.20.000
Zu den schönsten Momenten bei regelmäßigen Konzertbesuchen gehört noch immer, einer Band zuzusehen, die genauso viel Spaß zu haben scheint wie das Publikum. Solche Abende sind in Zeiten von endlosen Tourneen und ganzjährig stattfindenden Festivals selten geworden, aber es gibt sie noch.
Die Bühne ist bereitet und die Streicher (ebenfalls bester Laune) spielen sich noch warm, da erschüttert ein donnernder Applaus das Zelt. Die Arctic Monkeys sind in den Niederlanden besonders berühmt und hunderte freundliche Mädchen warteten nicht ohne Grund neben mir, mit ihren armverschränkend, etwas missgelaunten Freunden auf die zwei großartigen Frontmänner Alex Turner (Arctic Monkeys) und Miles Kane (The Rascals).
Die beiden stürmen von rechts auf die Bühne, Miles beginnt noch im Laufen zu spielen, die Streicher steigen ein und die Band beginnt mit einer orchestralen und zugleich stürmischen Version von "Calm like you".
Beide Herren spielen im weiteren einen perfekt auf Ironie und ihre Vorbilder ausgerichteten Set, der aber auch als eigenständiger Auftritt voll überzeugen kann. Gekleidet als eine Mischung aus den jungen "Brian Ferry" und "Robert de Niro", mit schwarzer Buntfaltenhose und blütenweißem Hemd und natürlich dauerhaft Zigarette rauchend, ist Alex Turner noch einen Ticken cooler als der sonst als Modepapst bekannte Kane. Dieser steht am Ende mit blankem Oberkörper unter seinem hellblauen Jacket da, Goldkette inklusive.
Was folgt, ist die vielleicht kurzweiligste Stunde des Festivals. Auch wenn nicht alle Songs zünden, die Hits sind umso größer und die oben angesprochene Spiellaune will nicht enden. Fast in jedem Song wissen die Zwei königlich zu unterhalten. Einmal wickelt sich Turner gar sein Mikrofonkabel wie eine Fessel um die Beine, um sich dann auf die breiten Schienen der Fernsehkameras zu legen, während diese langsam auf ihn zufahren. Ein herrliches Bild.
"Aviation" und "The Age of Unterstanding" folgen recht früh im Set, am Ende wird ein wenig gestreckt und die Streicher sind wegen des Gitarrenlärms kaum noch wahrnehmbar. Da aber alle Mätzchen der Show dienen, (ja, das darf und muss auch mal sein) ist das sehr launige Ende mit einer zerschossenen Version von "In my room" verzeihlich und auch der spontane Spott, (oder die Verehrung) dies wurde nicht ganz klar, gegenüber dem folgenden Headliner LCD Soundsystem ging im Feedback von Kane leider unter.
Trotzdem war es toll diese Musiker außerhalb ihrer sonst starren Bandkonzepte, mit einer derartigen Lust an Ironie und ohne Perfektion aufspielen zu sehen. Ein Triumph, wie ihn wahrscheinlich nur englische Bands bieten können.
Fotos: Michael Graef
The Last Shadow Puppets, Brüssel, 19.10.08
The Last Shadow Puppets, Paris, 26.08.08
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02:04
Konzert: The Last Shadow Puppets (& Ipso Facto)
Ort: Cirque Royal /Koninklijk Circus, Brüssel
Datum: 19.10.2008
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: Ipso Facto 30 min, The Last Shadow Puppets 70 min
Als die ersten Nachrichten über die neue "Supergroup" The
Last Shadow Puppets irgendwann Anfang des Jahres gehört habe, war ich sicher, daß niemand diese Band brauche und Alex Turner sich lieber weiter seinen Arctic Monkeys widmen solle. Schreiend komisch fand ich allerdings, wie ehrfürchtig jeder Journalist und Nachrichtenverbreiter mit Alex' Partner Miles Kane, "dem Sänger der Rascals!" umging. Die meisten von denen hatten (mangels Veröffentlichungen) niemals ein Lied der Rascals gehört, der Titel Rascals-Sänger wurde aber benutzt, als handele es sich um Morrissey oder John Lennon. Hui, der Rascals Sänger!
Im April hörte ich dann die Debütplatte der Last Shadow Puppets (von den Rascals gab es noch keine) erstmals und war ganz kleinlaut und demütig, denn The age of the understatement ist schlichtweg grandios. Und was die Brillanz von Miles Kane angeht, hatten alle Musikjournalisten recht, zwar aus Versehen, aber das ist ja egal.
Recht schnell wurde dann ein Konzert im Königlichen Zirkus in Brüssel angekündigt. Es kostete kein langes Nachdenken, Karten dafür zu bestellen, das Konzert sollte einer der Höhepunkte des Jahres sein.
Der Cirque Royal ist ein runder Theater- oder Zirkus-Bau mitten in Brüssel. Vom
Botanique, dem anderen hervorragenden Konzertort, ist das Gebäude nicht weit entfernt. Innen besteht der Raum aus zwei Ebenen, dem runden Stehplatzbereich mit Sitzplatztribünen außen und dem Oberrang, der sehr steile Stuhlreihen hat. Obwohl der Saal damit ein recht großes Fassungsvermögen hat, wirkt er sehr intim. So entschieden wir uns dann auch gegen Stehplätze und setzten uns in die oberste Reihe des Innenraums und hatten perfekte Sicht auf die nahe Bühne.
Und kaum saßen wir, kamen auf die Minute pünktlich vier junge Frauen, die drei im Bühnenvordergrund (Sängerin Rosalie, Bassistin Samantha und Keyboarderin
Cherish) mit strengem Pagenschnitt. Dahinter versetzt saß Schlagzeugerin Victoria. Die vier bilden Ipso Facto, eine Band, auf die ich seit langem neugierig bin. Ich hatte auch schon einmal die Chance in Berlin, stand am Club, erfuhr da aber von den Ordnern, daß die Band den Flieger verpasst hatte.
Ipso Facto haben meine Erwartungen sehr gut erfüllt. Die Londonerinnen sind zwar weniger elektronisch, als ich gedacht hatte, es war allerdings nicht schlimm, daß meine Vorstellung da nicht erfüllt wurde. Ich kannte keines der Lieder der Engländerinnen, war aber sofort hin und weg von der Stimme von Sängerin Rosalie Cunningham. Natürlich
liegt da der Vergleich mit Siouxsie Sioux auf der Hand, weil Rosalie schon wie die Wave Ikone in der Hongkong Garden Phase klingt. Die Musik allgemein hat aber eine sehr eigene Note. Mir gefielen vor allem die Gitarrenriffs, die Tempo- und Rhythmuswechsel. Da ich die Titel der Lieder nicht kannte und Rosalies Ansagen köstlich genuschelt und vollkommen unverständlich waren, kann ich leider nichts zu einzelnen Stücken sagen. Bzw. wenig, denn das Startlied Introducing gefiel mir sehr, die neue Single Six & three quarters mit ihrem schmissigen Rhythmus auch. Das letzte Stück klang fast ein wenig nach Country, es war ganz hervorragend!
Leider endete das Vorprogramm nach einer halben Stunde. Die hat mir aber sehr gefallen, eine CD der jungen Frauen werde ich auf jeden Fall kaufen!
Der Soundmann der Band, Marco, nannte mir nachher die Lieder, die Ipso Facto gespielt haben, die Reihenfolge passt aber wohl nicht zu meinen Notizen. Auf seine Frage "Did you like it?" habe ich ihm erzählt, daß ich die Gruppe schon einmal in Berlin sehen wollte ("Ohhhh, we missed the plane!" ), und daß Oliver sie vor den Long Blondes verpasst hatte ("Ohhhh, we were too late!").
Setlist Ipso Facto, Cirque Royal /Koninklijk Circus, Brüssel:
01: Introducing
02: Circle of fiths
03: Six & three quarters
04: Balderdash
05: Harmonise
06: Ears and eyes
07: Queen Sophia The Last
08: (Eyes of theblind) ?
(Reihenfolge stimmt nicht!)
Wäre es nur um Miles, Alex und ihe drei Begleiter gegangen, hätte die Umbaupause
wohl auch nur ein paar Minuten dauern können. Allerdings reisen die Last Shadow Puppets nicht alleine, sie werden von einem 15-köpfigen Orchester begleitet. Kaum waren Ipso Facto verschwunden (um dann an der Theke unter den Tribünen Bier zu kaufen!), bauten sich hinter einem Vorhang auf der Bühne Musiker auf, vor allem Geigerinnen, unzählige Geigerinnen! Vor dem Vorhang passierte nicht viel. Zwei Mikros und ein paar Monitorboxen wurden aufgebaut, Schlagzeug und Keyboard standen schon vorher auf ihren Plätzen.
Um fünf nach neun wurde es dann stockdunkel im Saal und die ersten Orchestertöne erklangen. Schon das kurze Introstück hatte den typischen kino-theatralischen Klang der Last Shadow Puppets, dir kurz danach auf die Bühne liefen, so wie Kumpels, die von einem Fußballspiel kommen. Ich hatte bisher erst einmal erlebt, daß eine Band
das Betreten des Saals in dieser Weise gemacht hat, sich unterhaltend und lachend - bei The Verve in Glasgow. Die fünf, vor allem Miles und Alex schienen sehr viel Spaß zu haben.
"We're The Last Shadow Puppets", mit langgezogenem U, begrüßte uns Alex. Ansonsten hielt sich der Arctic Monkey aber unglaublich sympathisch zurück. Er machte klar, daß Miles der Frontmann der Last Shadow Puppets ist. Eine Zurückhaltung eines Stars, die sicher nicht alltäglich ist, und ihm meine größte Hochachtung einbringt.
Beide hatten enorm viel Spaß! Man merkte aber auch Miles an, daß die Band schon
das ein und andere belgische Bier getrunken hatte, denn der Rascal hatte ordentlich einen im Tee - aber auch das auf eine sympathische Art.
Musikalisch war von den Bierchen nichts zu merken - jedes Lied ein Volltreffer! Ich hatte die Diskussion über den neuen Bond-Song nie verstanden, über Amy Winehouse und Mark Ronson, dann über Alicia Keys und Jack White. Das Album der Last Shadow Puppets ist schließlich eine Bewerbungs-CD für künftige Bonds. Live schaffen es Miles und Alex dank ihres überragenden Spiels
und des aufregenden Orchesters, diesen großen Klang perfekt wiederzugeben. Die beiden Stimmen harmonieren bestens, da ist kein schlampiges Genie zu entdecken, es wurde echte Kunst geboten.
Und das Publikum honorierte das! Gab es zwar am Anfang noch ab und zu die immer gleiche lustige Szene, daß bei Lieder, die Miles singt, an den Stellen, bei denen Alex Backgroundparts hat, großer Jubel ausbrach, erkannten die begeisterten Zuschauer doch an, daß die Last Shadow Puppets nicht Alex Turners Zweitband sind.
The age of the Understatement war natürlich ein frühes Highlight, die Single ist schließlich ein Überlied. Trotzdem stach es nicht zu sehr hervor, weil der Rest eben
auch brillant ist. Calm like you zum Beispiel! Welch ein Knaller! Oder der sicherlich extrem schwierige Start bei Only the truth, bei dem das Timing extrem wichtig ist. Es paßte punktgenau!
Das außergewöhnlichste Stück des Abends war aber sicher das Lee Hazlewood / Nancy Sinatra Cover Paris Summer. Anders als in der besungenen Stadt war nicht die Sängerin der Kills Miles' Duett-Partnerin, sondern Rosalie von Ipso Facto (die Live-Version aus Paris ist auf der aktuellen
Single B-Seite). Ich hatte das Lied vorher noch nie gehört und war sofort ergriffen und tief beeindruckt. Rosalies Stimme fügte sich ausgezeichnet in den Sound der Last Shadow Puppets ein. Ein wahnsinniger Hit!
Neben Liedern von der CD spielten die Last Shadow Puppets ein paar B-Seiten, darunter das Bowie-Cover In the heat of the morning. Cover mögen die beide ohnehin. Auch She's so heavy von den Beatles spielten sie, zum ersten Mal überhaupt. Die B-Seiten fallen gegenüber den Albumtracks in keiner Weise ab. Hang the cyst zum
Beispiel mit seinen treibenden Gitarren und der wechselnden Melodie (und dem Glockenspiel!) ist ein Glanzpunkt, der eigentlich nicht auf einer Single-Rückseite versauern dürfte.
Und dann immer wieder diese köstlichen Ansagen von Miles. Dessen Ansagestimme ist deutlich dreckiger als seine Singstimme. Das war einfach großartig! Als sie vor den Zugaben (oder währenddessen) wieder einmal grinsend und kumpelhaft auf der Bühne standen und die Begeisterung genossen, schrie Miles nur noch "Brussels! Brusssssels!" und riss die Faust dabei hoch. Meine Lieblingskonzertszene des Jahres, glaube ich! Köstlich aber auch die Schwierigkeiten, die der Sänger hatte, gegen
Ende seine Gitarre umzuschnallen, der Gurt hatte sich verheddert. Irgendwer half, und weiter ging es.
Zugaben waren ein Leonard Cohen Cover (Memories) und die zweite Single Standing next to me. Grandios! Ganz sicher ein Konzert des Jahres! Wer die Chance hat, eines der kommenden Konzerte zu sehen, hin! Amsterdam und Glasgow sind nicht weit...
Aber für uns galt BRUSSELS!
Setlist The Last Shadow Puppets, Cirque Royal /Koninklijk Circus, Brüssel:
01: In my room
02: The age of the Understatement
03: Calm like you
04: Black plant
05: Gas dance
06: Only the truth
07: Paris summer (mit Rosalie Cunningham) (Lee Hazlewood / Nancy Sinatra Cover)08: Separate and ever deadly
09: Hang the cyst
10: I want you (She's so heavy) (Beatles Cover)
11: My mistakes were made for you
12: I don't like you any more
13: In the heat of the morning (David Bowie Cover)
14: The chamber
15: The time has come again
16: Meeting place
17: Memories (Leonard Cohen Cover) (Z)
18: Standing next to me (Z)
Links:
- Die Last Shadow Puppets in Paris
- Die Long Blondes ohne Ipso Facto in Paris
- mehr Fotos
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02:45
Konzert: The Last Shadow Puppets (Vorgruppe: Ipso Facto)Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 26.08.2008
Zuschauer: ausverkauftKonzertdauer: 62 Minuten
"Unverschämter Melodienreichtum mit Sonnenbrille auf der Nasenspitze", so (oder so ähnlich) hat Eike vom wunderbaren Klienicum die Last Shadow Puppets einmal beschrieben.Dieser Satz bringt es auf den Punkt: Der Sound der Last Shadow Puppets, ein Projekt von Alex "Arctic Monkeys" Turner und Miles "The Rascals" Kane, ist in der Tat hochmelodiös, extrem lässig und sonnendurchflutet. Wer das Album The Age Of The Understatement kennt, wird da nicht widersprechen können.
Fraglich war allerdings, ob die talentierten jungen Briten die Qualitäten des Albums auch live umsetzen könnten. Die Pariser waren wieder einmal verwöhnt, sie hatten ähnlich wie die Engländer beim Festival in Leeds/Reading die frühe Gelegenheit, den Arctic Monkey - Boss und seinen Kumpel von den Rascals live zu erleben und dies zu überprüfen. Und welcher Ort könnte besser geeignet sein, als das altehrwürdige Pariser Olympia, um den geschliffenen Retro-Sound perfekt darzubieten? "This music is meant to be played in old theaters" hatte Alex Turner schon vor ein paar Monaten verlauten lassen. Wie Recht er damit hatte!
(Relativ) alt war aber zum Glück nur das Olympia selbst, denn von mir und ein paar anderen "Oldies" abgesehen, sah man fast ausschließlich junges, enorm trendiges Publikum. Gespannt wie ein Flitzebogen warteten die stylishen Kids auf Miles und Alex, die Helden des Abends. Zunächst aber gehörte die Bühne vier hübschen jungen Frauen aus London. Ipso Facto, so ihr Name, hätte ich eigentlich schon vor ein paar Wochen als Vorgruppe der Long Blondes in der Maroquinerie geboten bekommen sollen, aber damals kamen die Mädels (angeblich) wegen einer Reifenpanne zu spät.
In einem Bulletin bei MySpace behaupteten sie allerdings hinterher, dass sie eigentlich rechtzeitig eingetroffen seien und spielbereit waren. Lediglich der Manager der Long Blondes habe sie daran gehindert, wie geplant aufzutreten...
Heute gab es aber weder einen Reifenpanne, noch einen grimmigen Tourmanager der Last Shadow Puppets und so stand der Performance von Ipso Facto nichts im Wege. Lediglich das Pariser Publikum zeigte sich recht reserviert, was aber auch daran lag, dass der Sound der schwarzhaarigen Mädchen mit den akkuraten Pagenköpfen sehr düster und unterkühlt daherkommt.
Nichts wozu man tanzen oder mitsingen konnte, dennoch aber recht hübsch und anprechend gemacht. Früher, zu Zeiten von Siouxsie und den Banshees hätte man New Wave dazu gesagt, heute redet man eher vom Post Punk Revival. Ähnliche aktuelle Gruppen lassen sich durchaus finden, nennen könnte man unter anderem die bereits erwähnten Long Blondes (aber weniger rund und auf Hit getrimmt), die bereits aufgelösten The Organ (aber weniger schmachtend), oder auch die tollen und nach wie vor unterbewerteten Girls von Electrelane. Ebenso wie bei den Letztgenannten gibt es immer wieder überraschende Tempowechsel und in diesen Momenten hat dann die jeweilige Schlagzeugerin ihren großen Auftritt. Interessanterweise saß die Drummerin bei Ipso Facto nicht wie üblich im Hintergrund, sondern vorne rechts, auf Augenhöhe zu den anderen.Wer Lust auf Ipso Facto bekommen hat, sollte einfach in die Songs auf der My Space Seite reinhören, dort findet man auch Little Puppet, ein Lied von dem ich sicher weiß, das es gespielt wurde.
Anschließend wurde eifrig umgebaut. Eine Plexiglasscheibe wurde angebracht und später sollte man wissen wieso. Annähernd 20 (!) Streicher/innen nahmen dann nämlich im hinteren Teil Platz, während die Bühne vorne den Last Shadow Puppets gehörte. Als erster marschierte James Ford ein, ein braunhaariger Lockenkopf,
der nicht nur Produzent der Arctic Monkeys (2. Album) und der komischen Klaxons, sondern auch aktiver Teil des Elektro-Duos Simian Mobile Disco ist. Danach ließ sich ein Bassist in Anzug und dünner 70 ies-Krawatte blicken, der mich optisch ein wenig an Carl "Dirty Pretty Things" Barat erinnerte.
Schließlich kamen auch endlich die beiden Köpfe der Last Shadow Puppets hereingeschlurft. Miles Kane von den Rascals nahm auf einem Stühlchen in der Mitte Platz, während Alex Turner am rechten Bühnenrand Position bezog. In der Folge spielte meistens Miles die elektrische - und Alex die akustische Gitarre, manchmal wechselten die beiden aber auch.Schon der Auftakt mit Calm Like You war weniger "calm" als es der Titel nahelegte, aber noch wesentlich schwungvoller trumpfte die Band mit der Hitsingle The Age Of The Understatement auf.
Statt schnarchnasiger Unterhaltung für Frührentner gab es heute also flotte Rhythmen von jungen für junge Leute. Die Menge johlte und nahm die Einladung zum Tanzen zu dem von James Bond inspirierten Retro-Sound gerne an. Ich war überrascht, soviel Dynamik hatte ich nicht unbedingt erwartet! Erst mit The Chamber, das an fünfter Stelle kam, wurde das Tempo gesetzter und man konnte ein wenig durchatmen. Auch Gas Chamber, ein Song, der nicht auf dem Album enthalten ist, begann recht ruhig, steigerte sich dann aber zu einem treibenden Stampfer. Miles Kane war dabei immer der äußerlich aktivere Musiker.
Während Alex eine ruhige und coole Kugel zu schieben schien, riss der Rascals Mann nicht selten seinen Mund weit auf und bewegte sich auch wesentlich hektischer und hibbeliger als der ungemein gelassen wirkende Arctic Monkeys Boss. Stimmlich lag en sie aber gar nicht allzu weit auseinander, was für eine harmonische Melodieführung sorgte. Überhaupt die Melodien: Was kann es Schöneres und Eleganteres geben als ein Lied wie My Mistakes Were Made For You,
bei dem man den Eindruck hatte, einen modernen Klassiker zu hören, den es schon immer gab?Insofern hätte man gar keine wirklichen Klassiker gebraucht, aber um dem Publikum mehr Musik für ihr Geld zu bieten ( das Album ist gerade einnmal 35 Minuten lang!), gab es zusätzlich zwei Coverversionen. Zunächst spielte man noch innerhalb des regulären Sets My Little Red Book von der psychedelischen Kultband Love und die erste Zugabe wurde mit
In The Heat Of The Morning (fast gänzlich von Miles Kane gesungen) von David Bowie bestritten, einer B-Seite der Last Shadow Puppets.Außerdem hatte Alison Mosshart aka VV von der stylishen Band The Kills einen vielumjubelten Gastauftritt. Wenn mich nicht alles täuscht, trällerte sie bei dem Stück Paris Summer mit und bewies, dass sie nicht nur geil aussieht, sondern auch mit Stimme aufwarten kann. Das Pariser Publikum, das auf lässige Weise gut gekleidete Menschen liebt, hatte jedenfalls seine helle Freude an VV!
Ich persönlich erfreute mich in der Folge vor allem wieder an den geschmackssicheren Liedern von den Last Shadow Puppets, die das Kunststück geschafft haben, Ennio Morricone mit James Bond zu kreuzen. Das Resultat ist verblüffend, wie unter anderem Separate And Ever Deadly bewies!Ganz vorzüglich und vermutlich das beste Stück des Abends war aber das den offiziellen Teil beendende Standing Next To Me, zu dem auch noch einmal das Publikum sehr gut mitging.
Dann verliessen die jungen Herren vorübergehend die Bühne, bevor sie selbstverständlich noch einmal zurückkamen. Schon die Tatsache, dass das Orchester (das von Owen "Final Fantasy" Pallett arangiert worden war) sitzenblieb verriet, dass es noch ein Dessert geben würde. Und was für eins: In The Heat Of The Morning von Bowie ist eigentlich viel zu gut für eine B-Seite und auch live ein Zungenschnalzer! Mit In My Room hatte es sich dann aber endgültig ausgealexturnert und ausgemileskanet.Eine feine Sache! Setlist The Last Shadow Puppets, Olympia, Paris:01: Calm Like You02: The Age Of The Understatement03: Black Plant04: Only The Truth05: The Chamber06: Gas Dance07: My Mistakes Were Made For You08: Paris Summer09: CYST10: Separate And Ever Deadly11: I Don't Like You Anymore12: My Little Red Book (Love Cover)13: The Meeting Place14: Time Has Come Again15: Standing Next To Me16: In The Heat Of The Morning (David Bowie Cover) (Z)17: In My Room (Z)Links:
- Mehr Fotos von den Last Shadow Puppets hier