Montag, 13. Februar 2012

Alina Orlova, Paris, 11.02.12


Konzert: Alina Orlova
Ort: Le Café de la Danse, Paris

Datum: 11.02.2012

Zuschauer: etwa 300

Konzertdauer: ungefähr 80 Minuten



Ach, Alina, du machst mit mir, was du willst! Drei Konzerte, dreimal das Herz gebrochen, ein Hattrick, bravo!


Aber wie soll ich auch ankommen gegen diese monströse slavische Schwermut, diese atemberaubenden Pianoballaden, diesen herzzereißend hohen Kate Bush Gesang? Nein, auch dieses mal hatte ich keine Chance. Spätestens nach fünf gespielten Liedern war ich wieder drin in dem Alina-Fieber, das mich damals am 8. November 2010 an gleicher Stelle erstmalig gepackt hatte. Mit glasigen Augen saß ich erneut da und war völlig hingerissen von diesem unverschämt charmanten Wunderkind aus Litauen, das in der Nähe von Tschernobyl aufgewachsen sein soll. Eine zugleich sensible aber auch feurige junge Dame, die es kaum auf ihrem Klavierstühlchen hält und die so gerne ihr lockiges Haar hin und her schüttelt. Manchmal headbangte sie regelrecht hinter ihrem Flügel. Die Emotionen, die sie rüberbringt sind jedes mal nahezu greifbar. Der lithauischen und auch der russischen Sprache nicht mächtig, verstand ich natürlich kein Wort und selbst wenn sie (was recht selten vorkam) mal in englisch intonierte, glitten die Lyrics an mir vorbei. Aber das war zweitrangig, wichtiger war die wahnsinnige Zärtlichkeit, Beseeltheit und der Wehmut im Gesang der jungen Frau. Der ging mir ganz nah.


Alina Orlova - Menulis par val3rie-live

Aber sie war nicht allein gekommen, hatte einen Violinisten und einen Drummer/Percussionisten dabei, zumindest bei den meisten Stücken. Ihre tollen Lieder am Piano wie Slepynes, Menulis, Nesvarbu oder Ramamua kannten wir Fans (vor allem die russischen und lithauischen im Publikum) natürlich alle, neu war mir allerdings das Stück, das Alina am Akkordeon performte. Folckner, so der Titel, den eine spätere Internetrecherche ergab. Mit dieser unwiderstehlichen Schunkelnummer konnte sie locker Beirut Konkurrenz machen, ach was sag ich da, es war herzerweichender als alles was Zach Condon bisher geschrieben hat! Diese unwiderstehliche schwermütige Melodie, dieser wehklagende Gesang, das Akkordeon, die Geige, hach, es war schon wieder zu schön um wahr zu sein!


Alina Orlova - Folckner en live à l'Hospice... par exportMusic

Einen ähnlich starken emotionalen Effekt hatte Sirdis auf mich. Die wundervolle Pianomelodie trug mich ganz weit fort und ließ mich fast erschaudern. Ich war wie von tausend Blitzen getroffen, segelte wie eine bekiffte Brieftaube über die Dächer der Stadt und hatte meine Schwierigkeiten, wieder auf die Erde runterzukommen.

"These are songs to jump out of the window, but in a beautiful way", kommentierte Orlova ironisch, aber sehr treffend ihren Stil und sorgte damit für so einige Schmunzler.

Alina Orlova oder die Schönheit der Depression. Mindestens 80 Minuten ging das so und es war wundervoll.


Danke dir, Alina, für dieses von drei Zugaben gekrönte, mit einem herrlichen Blumenstrauß gewürdigte Konzert, das sicherlich wieder in meinen Jahres Top Ten landen wird. Und es ist ja erst Februar!

Aus unserem Archiv:

Alina Orlova, Paris, 16.05.11
Alina Orlova, Paris, 08.11.10






1 Kommentare :

gudrun.thaeter hat gesagt…

Oliver, du machst mich soooooo neidisch!!! Alina Orlova... live... und es war schön...

 

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