Montag, 20. Februar 2012

Blouse & Active Child, Paris, 19.02.12


Konzert: Blouse & Active Child
Ort: Le Point Ephémère

Datum: 19.02.2012

Zuschauer: etwa 300, sehr voller Club



Nur so là là war das Konzert von Blouse aus Portland/Oregon. Ich bin da in meiner Einschätzung sicherlich immer etwas kritischer und strenger (erbsenzählerischer?) als mein Freund Christoph, der die gleiche Band vor ein paar Wochen in Luxemburg als hervorragend empfunden hat. Aber er legt da andere Kriterien an als ich. Wenn es verhuscht klingt, mit Puderzucker übergossen ist und mit einer lieblichen Frauenstimme gesäuselt wird, ist er schnell Feuer und Flamme. Alles nachvollziehbar und ok.

Für mich aber muss mehr hinzukommen, um von einer super Band und einem ebensolchen Konzert zu sprechen. Ich suche nach Alleinstellunsgmerkmalen, einer eigenen Identität, Ecken und Kanten, Stellen an denen man sich reiben kann und zusätzlich eine starke Bühnenpräsenz. Alles Qualitäten, die Blouse abgehen. Sie klingen stark nach dem 80 er Jahre Sound mit dem wir musikalisch sozialisiert wurden, nach The Cure, The Smiths, Joy Divison/New Order und Girlgroups, die eben jene Bands in den vergangenen Jahren imitiert haben, wie Au Revoir Simone, The Organ, Ladytron, Puro Instinct etc. Auch ist ihre Musik so durchgängig hübsch und lieblich, daß sie niemandem weh tut und die Sängerin und Gitarristin Charlie Hilton (eine Schwester von Paris? Nö!) ist nicht gerade die charismatischste Person, die ich je auf einer Bühne gesehen habe.


Dennoch möchte ich nicht verhehlen, daß es auch einige gute Momente im recht kurzen Set der Amerikaner gab. Immer wenn das Tempo etwas forciert wurde, man aus dem dreampoppigen Nebel ausbrach und mit polterndem Peter Hook Bass nach vorne spielte, setzten Blouse Highlights. So bei den beiden Ohrwürmern Time Travel und Videotapes (nein, nicht Videgames, das ist von Lana bzw einer Griechin!). Da kam dann auch so etwas ähnliches wie Stimmung im Publikum auf. Ansonsten war meistens andächtiges Zuhören und Dahinträumen angesagt.

Die Resonanz der Zuschauer war dann hinter fast auch einstimmig: ganz nett, aber nicht berauschend. Nichts, was man unbeingt gesehen haben muss.


Als Headliner ging dann nach Blouse Pat Grossi aka Active Child an den Start. Zusammen mit zwei Mitmusikern kredenzte er ungemein kuriose Musik. Er spielte Harfe, sang dazu eunuchenhaft hoch, während die anderen beiden bollernde Synthesizer und ein künstlich klingendes Schlagzeug beisteuerten. Bon Iver meets Zola Jesus! Oder so. Die seltsame Mischung machte mich am Anfang noch neugierig, nervte aber nach einer Weile mehr oder weniger stark. Als Pat Grossi im Mittelteil seine Harfe verließ und ebenfalls Keyboard spielte, wurde es regelrecht grottig. Eurodisco? Nein danke! Erst im letzten Abschnitt gab es wieder ein paar relativ gelungene Stücke und die Zugabe, ein fulminantes Instrumentalstück, war regelrecht großartig. Insgesamt ging der Daumen bei Active Child aber eher nach unten.

Alles in allem ein durchwachsener Konzertabend, den die recht miesen Elektropopper NZCA/Lines (Hot Chip light) eröffnet hatten.

Konzerttermine Active Child:

23.02.2012: Karlstorbahnhof, Heidelberg
24.02.2012: BeatPol, Dresden
25.02.2012: Gleis 22, Münster
26.02.2012: Gebäude 9, Köln
28.02.2012: Atomic Café, München
29.02.2012: Uebel & Gefährlich, Hamburg
03.03.2012: Privat Club, Berlin

Aus unserem Archiv:

Blouse, Luxemburg, 11.02.12



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