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Samstag, 25. Oktober 2008

Hopper & friends, Paris, 24.10.08

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Konzert: Hopper & Friends
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 24.10.2008
Zuschauer: viele
Konzertdauer: wie immer pro Band 30-40 Minuten



"Eine Beerdigung ist nichts Trauriges, im Gegenteil, das ist ein Fest!"

Mit diesen Worten hatte mich der legendäre Chansonier Jaques Brel in einem kürzlich ausgestrahlten Fernsehinterview verblüfft. "Jede Art von Zusammenkunft von Menschen mit einem gemeinsamen Ziel ist eine Art Fest, das ist eine fröhliche, mutmachende Angelegenheit", ergänzte der berühmte Franzose (der eigentlich Belgier ist) und grinste breit über sein kindlich wirkendes Gesicht. Diese Worte ließen mich nicht kalt, ich dachte in den vergangenen Tagen desöfteren darüber nach. Und gerade am heutigen Freitag kamen sie mir wieder ins Bewußtsein, denn es wurde eine Gruppe zu Grabe getragen, die die französische Indierockszene in den letzten 8 Jahren zumindest im Underground stark mitgeprägt hat. Die Rede ist von Hopper, einer vierköpfigen Gruppe mit gleich zwei feurigen Ladys, Aurelia und Dorothée, an der Spitze.

Ausgerechnet in der Flèche d'or, wo die Pariser Noiserocker ihr erstes Konzert gegeben haben, wird die Geschichte von Hopper mit zwei abschließenden Konzerten zu Ende geschrieben. Traurig, traurig, obwohl nein, wir hatten ja gelernt, daß eine Beerdigung ein Fest ist!

Und zu diesem Fest hatten Hopper Freunde eingeladen. Bands, die sie mögen, mit denen sie aber in ihre Karriere nie zusammengespielt haben und befreundete Musiker. Und natürlich die Fans, die Hopper teilweise schon bis zu 10 mal auf Pariser Bühnen erlebt haben und von den Livequalitäten ausnahmslos schwärmen. Aber was sage ich da? Pariser Bühnen? Nicht nur, denn Hopper haben auf der ganzen Welt gespielt, z.B. in Kanada und dieses Jahr sogar in China! Der mit Hopper befreundete Filmer Ludomatic hat die Chinatournee in einem Dokumentarfilm festgehalten, den man über eine Leinwand in der Flèche d'or sehen konnte. Ein spannendes und charmantes Stück französischer Musikgeschichte, zu bewundern auch auf der MySpace Seite der Künstler.

Aber kommen wir zum Geschehen des heutigen Abends. Eingeleitet wurde er von Eliote & The Ritournelles, einer Pariser Folkband, die die Blogothèque als kleine Schwester im Geiste von Sybille Baier und Vashti Bunyan beschrieben hatte. Eine schöne Beschreibung, die ich allerdings nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen konnte, da Eliote & The Ritournelles unglaublich früh auf die Bühne gescheucht wurden. Als ich in der Flèche d'or eintraf, waren sie auf jeden Fall schon mit ihrem Programm durch.

Weiter ging es mit Kid Francescoli aus Marseille, die einen sphärischen und sehr hübschen Dreampop boten. Das erinnerte ein wenig an Bands wie die Trembling Blue Stars, oder Camera Obscura und war durchweg melodisch und filigran, zog aber in einem Raum wie der Flèche d'or nicht so richtig. Ein intimerer Konzertsaal hätte da besser gepasst, aber die Südfranzosen waren froh, Teil der Hopper Abschiedskonzerte zu sein. Ich persöhnlich werde den Werdegang von Kid Francescoli weiter im Auge behalten, ich denke, daß das lohnt!

Danach war aber die Zeit für den großen Auftritt von Hopper gekommen. Ich war bestens vorbereitet, denn ich hatte das zweite Album Deergirl (2008), das von dem amerikanischen Topproduzenten Ryan Hadlock (Blonde Redhead, Built To Spill, Black Heart Procession, Foo Fighters, Gossip, The Strokes) in den legendären Bear Creek Studios in Seattle aufgenommen wurde, in letzter Zeit sehr oft und mit großer Freude gehört.

Der Opener Good Vibrations For Neighbourhood Militants stammte aber von dem Debütalbum A Tea With D. und machte sofort klar, was bei Hopper angesagt ist: saftiger, höllisch rockender Indierock amerikanischer Prägung, gepaart mit französischer Melancholie. Ein diabolisches Gemisch aus Grunge, Noiserock und New Wave, das von Beginn die zahlreichen Zuschauer in der Flèche d'or begeisterte. Gleich vor meiner Nase agierte Aurelia, eine der beiden Sängerinnen und Gitarristinnen bei Hopper. Und diese Dame hat wirklich Feuer unter dem Arsch! Sie wirbelte rund 40 Minuten lang herum wie eine Wilde und lieferte sich mit Dorothée einen regelrechten Schlagabtausch. Aber bei den Parisern gibt es phasenweise auch sanftere Töne zu genießen. Malcolm beispielsweise ist eine herrliche Ballade mit einer traumhaft schönen Gitarrenmelodie. Ich fühlte mich wie auf einer Wolke und vergas fast meine Trauer darüber, daß dies heute mein letztes Konzert mit Hopper sein würde...

Gegönnt wurde mir noch einmal das tolle Colours (dem alten Bassisten Romain gewidmet), eines der besten Stücke vom Debüt, dem eine zarte Melancholie innewohnt, die sich durch das ganze Lied zieht. Gesungen wird es von Dorothée, die eine rauere, verrauchtere Stimme hat als Aurelia. Ich habe Colours immer geliebt und werde es leider in Zukunft nur noch auf CD genießen können, verdammt schade! Noch wilder als Colours rockte aber ein anderes altes Stück, nämlich Calculating Infinity. Am Ende gab es einen einzigen ekstatischen Donnerhagel aus schrammeligen Gitarren und einem hektisch galoppierendem Schlagzeug und die Haare der heißen Rockröhren wirbelten nur so durch die Luft. Wow!

Der Abschluß wurde schließlich mit einem Cover der legendären Kölner Krautrocker Can, Vitamine C, bestritten. Allerdings erkannte keiner den Song, auch ich nicht. Vielleicht müsste ich mich öfter mit deutscher Musikgeschichte beschäftigen? Aber im Moment finde ich halt eben die französische besonders spannend! Auch wenn diese um eine famose Liveband ärmer geworden ist...

Setlist Hopper, La Flèche d'or, Paris:

01: Good Vibrations For Neigbourhood Militants
02: Rock N Roll High
03: Malcolm
04: Rainy Days Smells Like Gloow
05: Part II
06: Colours
07: Life Is Not A Test
08: Tell Everybody
09: Calculating Infinity
10: Vitamin C (Can Cover)

Erwähnenswert ist schließlich noch der Auftritt des irre komischen und sehr talentierten Duos My Girlfriend Is Better Than Yours, über die ich auf diesem Blog schon mehrfach berichtet hatte. Deshalb und weil Hopper nun einmal die Hauptpersonen des Abends waren, will ich mich diesbezüglich etwas kürzer fassen.

Nur soviel: My Girlfriend Is Better Than Yours wurde auf der Bühne unterstützt von dem Bassisten Yean Yves, der auch bei Syd Matters spielt, dem Schlagzeuger Jean und Mister Syd Matters himself, John Morali, am elektrischen Piano. Diese fünf Sympathen überzeugten auf ganzer Linie mit einem interessanten Gebräu aus Frenchpop, Sixtiespop, Psychedelica, und Postrock. Ein Album ist in Planung und ich hoffe, daß das tolle Like A Rebirth darauf enthalten sein wird. Girl From South , das heute zusammen mit den Mädels von Hopper performt wurde, dürfte gesetzt sein, genau wie die Ballade Winterfarmland.

Besonders klasse war auch noch einmal der Abschluß. Der depressive Titel Everybody Wants To Die wurde durch eine fröhlichen Lalala-Singalong perfekt aufs Korn genommen.

Eine Beerdigung ein Fest? Ja, schon, aber traurig bin ich trotzdem!

01: Setlist My Girlfriend Is Better Than Yours:

01: Before
02: My Girlfriend
03: From My Sofa
04: Winterfarmland
05: Like A Rebirth
06: Girl From South
07: Black Hole
08: My Dictionary
09: Everybody Wants To Die!




Montag, 11. Februar 2008

The Von Bondies, Paris, 10.02.08

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Konzert: The Von Bondies und Hopper
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 10.02.2008
Zuschauer: ausverkauft



"Do You like Rock Music" fragen British Sea Power leicht provokativ auf ihrem neuen Album.


Nun, ich habe heutzutage keine Probleme diese Frage mit einem deutlichen "ja" zu beantworten. Und dies obwohl der Begriff Rock in Deutschland enorm gelitten hat, gerade in den 80ern, weil es den fürchterlichen Ausdruck des Deutsch-Rock gab und man zwangsläufig an Schreckgestalten wie Bap, Herbert Grönemeyer, oder Marius Müller Westernhagen denken mußte. Grauenhaft! Hinzu kam, daß das Genre negativ besetzt war durch internationale Bands wie Deep Purple, oder Uriah Heep. Fies! Als 1971 geborener und in den 80 musiksozialisierter Mensch war für mich, als ich circa. 16 Jahre alt war, klar: Rock sucks! Joan Jett sang: "I Love Rock'n Roll" und ich dachte nur: "I hate this shit". "I Love Pop!"

All dies hat sich inzwischen geändert, heute kann man mich mit dem Ausdruck Pop jagen, ich verbinde damit Plastik-Künstler aus der Retorte wie Madonna, Kylie Minogue, oder meine damalige Lieblingsband Pet Shop Boys. Wenn schon Pop, dann charmant gemachter Indie-Pop im Stile von Belle & Sebastian, oder Loney, Dear. Aber da sage ich es schon selbst: Damit es Leuten, die Individualisten sein wollen, gefällt, muß das Wörtchen Indie hinzugesetzt werden. Ist beim Rock genauso. Magst Du Rock?, könnte man viele Leute fragen und sie würden wahrscheinlich antworten: Weiß nicht so recht, wenn Du Indie-Rock meinst, dann ja. Vielleicht haben genau deshalb die Engländer von British Sea Power diese Frage in den Raum gestellt, obwohl sie ihren eigenen Stil auf ihrer MySpace Seite den Genres Indie/Alternativ/Pop zuordnen. Also nix mit Rock bei BSP! Wer an diesem herrlich sonnigen Tag in Paris wirklich Rock haben wollte, mußte ins Nouveau Casino zu den Von Bondies und nicht zu den Engländern, die zur gleichen Zeit im Café de la danse spielten. Ich geb's ja gerne zu: ich hätte gerne auf beiden Hochzeiten getanzt, sogar noch auf einer dritten, denn die tollen Holländer Alamo Race Track waren in der Maroquinerie zu Gast. Aber man kann sich ja leider nicht dreiteilen! Eine Lösung habe ich dennoch gefunden : British Sea Power sehe ich mir dann einfach zusammen mit Christoph in Deutschland an. Am 19. Februar sind sie nämlich im genialen Cooky's In Frankfurt...

Der Rocker in mir trat also schließlich den Weg ins Nouveau Casino an und ich kam gerade noch rechtzeitig zum Auftritt der wilden Pariser Sheraff. Diese spielen ungestümen, geradlinigen Garagenrock im Stile der Hives. Natürlich singen die Franzosen auf englisch, alles andere wäre auch uncool. Und gemanagt werden sie amüsanterweise von einer französischen Freundin von mir. Da ich um das Organisationstalent von Marguerite weiß, mache ich mir um die richtige Vermarktung von Sheraff keine Sorgen. Schon im Vorfeld machte sie gleich mehrfach auf den Auftritt "ihrer" Band aufmerksam. Aber das war eigentlich nicht nötig, ich wäre ohnehin gekommen, die Songs die man bei MySpace hören kann, waren nämlich schon ein guter Appetizer. Natürlich durften die Lokalmatadoren heute nicht zu lange spielen, gaben aber dafür richtig Gas und zeigten, daß sie jede Menge Energie haben. Schön für die recht junge Band, daß schon zu früher Stunde etliche neugierige Zuschauer da waren, es gab in der Vergangenheit für Vorgruppen schon wesentlich schlechtere Bedingungen im Nouveau Casino. Oft spielten die lokalen Bands dann vor sehr wenigen Besuchern. Insgesamt war der bisher zweite Auftritt in dieser Location also eine runde Sache für Sheraff und ich drücke ihnen fest die Daumen, daß zahlreiche andere Konzerte für sie folgen werden...

Nicht viel später machte sich das gemischte Pariser Quartett Hopper fertig. Kennenglernt hatte ich die melancholischen Rocker Ende 2006 im Vorprogramm der Cold War Kids und der Two Gallants. Diese Namen machen schon deutlich, daß Hopper nicht sehr französisch daherkommen , sondern klanglich sehr nah an amerikanischen Gruppierungen orientiert sind. Kein Wunder allerdings, wenn man weiß, daß die Franzosen mit Bryan Hadlock einen äußerst bekannten US- Produzenten für ihr zweites Album "Deergirl" an den Reglern hatten. Der Mann hat unter anderem schon mit Größen wie Blonde Redhead, Gossip, The Black Heart Procession und The Octopus Project zusammengearbeitet. Beste Voraussetzungen also für ein erfolgreiches Album und die damit verbundene Tournee. Der Opener "Colours" stammte allerdings nicht von dem neuen Output, sondern vom Erstling "A Tea with D. "Colours" mochte ich mit seiner zarten Melancholie und dem fein herausgearbeiteten Gitarrenriff schon immer, zumal die integrierte Melodie nichts anderes als die Titelmelodie zur Kult- TV-Serie "die Zwei" (Tony Curtis, Roger Moore) von John Barry ist. Cool!

Danach mit "Rock'n Roll High" der Einstieg in das neue Album und sofort konnte Dorothée, eine der beiden Sängerinnen von Hopper, Kostproben ihrer unglaublich rauchigen Stimme geben. Wenn das Wort "Rock-Röhre" nicht durch eine Bonnie Tyler in Mißkredit gezogen worden wäre, würde ich es durchaus gebrauchen, um Dorothées Gesang zu charakterisieren. Aber auch Aurelia, die andere Frontlady, kann ganz schön rocken (ist ja auch das heutige Thema), bloß ist ihr Kehlchen etwas geölter, weniger krazig. Beweisen konnte sie das bei dem treibenden "Good Vibrations For Neighbourhood Militants". Die beiden Herren bei Hopper, Jean, der Schlagzeuger, und Romain, der Bassist, stehen bei solch geballter weiblicher Rock-Power logischerweise im Hintergrund, obwohl gerade der Drummer über ein sehr explosives Spiel verfügt. Daß die Pariser aber auch eine sanftere Seite haben, kam bei der Ballade "On The Road" gut zur Geltung. Ein schleppendes, getragenes Stück, dem ein wenig Wüstensand an den Stiefeln klebt. Höhepunkt war für mich aber das manisch-depressive "Since You've Slid Into Eternal Slumber", das von kurzen scharfen Gitarrenriffs getragen, zwischen Verzweiflung, Wut und Hoffnung hin-und hertänzelt. Es war das vorletzte Lied des Sets und wurde von Aurelia so angekündigt: "Ich sage im Gegensatz zu dem meisten anderen Bands immer das vorletzte Stück an, dann kann man sich besser darauf einstellen, daß es bald vorbei ist". Symphatisch! Und gut war's auch!

Setlist Hopper, Nouveau Casino, Paris:

01: Colours
02: Rock'n Roll High
03: Good Vibrations For Neighbourhood Militants
04: Rainy Days Smeel Like Glue
05: Hidden Pain Behind A Shield
06: On The Road
07: Since You've Slid Into Eternal Slumber
08: Tell Everybody

Und schließlich dann der Auftritt der Von Bondies. Die Band um den langmähnigen Sänger Jason Stollsteimer hat sich seit ein paar Jahren sehr rar gemacht. 2004 waren sie mit dem Album "Pawn Shoppe Heart" und der Single "C'mon C'mon" auf der Höhe ihres Erfolges; dies war in einer Zeit in der Garagenbands Hochkonjunktur hatten. The Von Bondies schwammen mit auf dieser Welle, genau wie die Datsuns, Vines, Hives und White Stripes dieser Welt. Dannach wurde es still um Jason und seine Gruppe, die sich auch personell, vor allem am Bass, oft veränderte. Das ganze Genre war eher auf dem absteigenden Ast, obwohl sich die Hives und die White Stripes natürlich glänzend gehalten haben und große Hallen füllen. Und Jack "The White Stripes White war es auch, der das Debütalbum "Lack Of Communication" im Jahre 2001 produzierte. Die Freundschaft hielt aber nicht sehr lange und gipfelte in einer wüsten Schlägerei zwischen Jason und Jack, bei dem der Von Bondies Frontmann den Kürzeren zog. Überraschend und zwar in zweierlei Hinsicht, denn einerseits schien mir Herr Stollsteimer nach dem Konzert sehr nett und zahm (er ließ sich am Merchandising Stand blicken und war bester Dinge) zu sein und andererseits kann ich kaum glauben, daß dem großgewachsenen Mann ein kleines Männchen wie Jack White die Fresse polieren kann. Sachen gibt's...

Zuvor hatten die Von Bondies ein erwartet knackig-fetziges Set geboten und dem Publikum kaum Zeit gelassen, Luft zu holen. Natürlich gab es so einiges vom "Pawn Shoppe Heart", selbstverständlich auch den Knüller "C'mon C'mon" und zwar gegen Mitte des Konzertes, aber auch neues Material vom bald erscheinenden Werk "Love, Hate And Then There's You". Ob ihnen noch einmal ein Single - Hit gelingen wird, vermag ich aber nicht zu beurteilen. Wie auch immer, Leute mit Vorliebe für straighten Garagen-Rock kamen auf ihre Kosten und wer auf Frauen, die Bass und Gitarre spielen ("Gilrs Who Play Guitars"), steht, war auch bedient. Mit der rothaarigen Leann Banks, die nicht den Bass zupfte, sondern auch ein Duo mit Jason intonierte und der blonden Gitarristin und Keyboarderin Alicia Gbur war für jeden Geschmack etwas dabei.

"Do you like Rock Music?" -"Yes, I do, but I still like Pop, too". Und Christoph wird sehr bald auf diesem Blog auch wieder die Pop- Fans beglücken, wenn er nämlich im Anschluß über die Stars schreiben wird.



Sonntag, 4. Februar 2007

Hopper & Syd Matters, Paris, 31.01.02

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Konzert: Hopper & Syd Matters
Datum: 31.01.2006
Ort: La Flèche d'or, Paris
Zuschauer: zum Bersten gefüllt, lange Schlangen vor dem Eingang

Bei dem heutigen Konzertbericht möchte ich mich kurz fassen und das nicht etwa, weil die Bands schlecht waren, die sich in der überfüllten Flèche d'or präsentierten, sondern weil ich nicht mit langatmigen Ausführungen über Bands, die ihr vielleicht nicht kennt, nerven will.

Allesamt französische Bands heute abend übrigens, die meisten aber auf englisch singend. Mansfield TYA hatte ich leider verpasst, aber zu Hopper kam ich gerade noch rechtzeitig. Hierbei handelt es sich um eine fabelhafte Pariser Gruppe, die aber unglaublich amerikanisch klingt. Ihr Stil schwankt zwischen Blues-Rock und Grunge und sie haben auch schon für die Two Gallants eröffnet. An der Spitze steht die zierliche Dorothée, die aber eine solche Rock-Röhre ist, daß sich Courtney Love warm anziehen muß, um mit ihr zu konkurrieren.

Courtney Love, Kurt Cobain sind übrigens ein gutes Stichwort, denn das zweite Album von Hopper, was sie heute leider noch nicht im Verkauf hatten, wurde in Seattle produziert. Stattet Hopper bei myspace unbedingt einen Besuch ab und am Besten gleich auch bei Dorothées Soloprojekt The Rodeo!

Auch Syd Matters verdient Beachtung. Der bärtige Mann wird in diesem Jahr sein drittes Album auf den Markt bringen und schon die beiden Vorgänger hatten es in sich, denn er ist mit einer wunderschönen, samtweichen Stimme ausgestattet. Besonders schön auch heute abend wieder "Someday we will foresse obstacles", vom zweiten Longplayer. Auch Syd klingt sehr amerikanisch und konkurriert mit den dortigen besten Singer/Songwritern. Begleitet wurde er heute von der ebenfalls guten Pariser Band Los Chicros.

Also, informiert euch mal über diese vorzüglichen Künstler, es lohnt sich!

von Oliver


Donnerstag, 23. November 2006

Two Gallants, Cold war kids, Hopper, Paris, 22.11.06

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Konzert: Two Gallants, Cold war kids & Hopper
Datum:22.11.2006
Location: Nouveau Casino, Paris
Ausverkauft


Heute stand ein richtiger Bluesrock-Abend auf dem Programm, denn alle drei Gruppen könnte man trotz musikalischer Unterschiede unter dieses Genre zusammenfassen. Bei Bluesrock denkt man natürlich in erster Linie an Amerika und liegt damit auch meistens richtig, bei der Band Hopper jedoch nicht. Hinter dem Namen verbirgt sich nämlich ein französisches Quartett, beheimatet in Paris. Die Gruppe existiert bereits seit 1999, hat aber bisher erst ein Album mit dem schönen Titel "A tea with D" herausgegeben, welches ich nun in signierter Ausgabe besitze. Bei Hopper dominieren die Frauen, zumindest stimmlich, denn mit Aurélia Rivage und vor allem Dorothée Hannequin haben sie gleich zwei Sängerinnen, die von zwei männlichen Kollegen an Bass und Schlagzeug begleitet werden. Die zierliche Dorothée ist eine richtige Rockröhre, Vergleiche mit Courtney Love oder Dale Brodie von den Distillers erscheinen mir nicht abwegig. Der Sound der Band ist aber nicht so punkig wie bei den zuvor zitierten Ladys. Bluesangehauchter Rock trifft es schon ziemlich gut. Nicht überraschend also, daß sie Sparklehorse als Einfluss nennen. Über jedem Titel schwebt eine leichte Melancholie, vielleicht deshalb auch die Nennung der sehr sentimentalen Band Blonde Redhead als weitere Inspirationsquelle. Einen französischen Akzent hört man übrigens nicht heraus, man könnte sie wirklich für Amerikaner halten, wenn sie nicht die Ansagen auf französisch bringen würden. Mir hat ihr circa halbstündiges Set auf jeden Fall ziemlich gut gefallen und ich werde sie im Auge behalten, schon allein deshalb, weil ihr zweites Album, welches übrigens in Seattle produziert wurde (mit einem Produzenten, der u.a. schon für The Gossip gearbeitet hat), demnächst erscheinen wird.

Zu meiner Überraschung hatten die Veranstalter nach Hopper noch die Cold War Kids kurzfristig ins Programm genommen. Bei dieser jungen, amerikanischen Band handelt es sich um eine der Hoffnungen der Indieszene für 2007. Der britische NME hat sie kurzerhand schon zur besten neuen, amerikanischen Band benannt und bei MySpace haben sie bereits 200.000 Profilaufrufe und über 18.000 Freunde, obwohl ihr Debütalbum noch gar nicht erschienen ist. Entsprechend gespannt war ich natürlich auf ihren Auftritt. Der erste Song brachte den erwarteten Blues-Rock, aber einige rasante Tempowechsel und experimentelle Einlagen machten schon deutlich, daß man es hier mit einer überaus ambitionierten Gruppe zu tun hat. Kritiker werden das lieben, bei den Musikfans muß man abwarten. Der zweite Titel dann driftete plötzlich in der Mitte in eine Rap-Nummer à la Beastie Boys ab. Das Publikum war verblüfft, aber dies sollte der einzige Titel in diesem Stile werden. Ich muß an dieser Stelle mal ein paar Worte über den Sänger verlieren.

Äußerlich erinnert er mich ein wenig an den durchgeknallten Typen, der in "Natural Born Killers" an der Seite von Juliette Lewis gespielt hat. Kennt hier jemand dessen Namen? Stimmlich hat er eine erstaunliche Bandbreite, zur Verdeutlichung könnte man den knarzigen Sänger von Modest Mose nennen, aber auch Tom Waits, Jack White von den White Stripes oder den Sänger von Clap your hands say yeah. Genannte Namen verraten schon einiges über den Sound der mal bluesig, mal soulig, dann wieder rockig rüberkommt und fast immer eine leicht experimentelle Note hat. Überraschende Tempo-und-Stilwechsel sind keine Seltenheit und der Sänger setzt sich auch das ein oder andere mal an das Piano, um seine Band zu begleiten. Bei einer solchen Komplexheit fällt es mir schwer, jetzt schon ein Urteil zu bilden, denn die vier Amerikaner sind definitiv originell und innovativ, haben aber auch einen nicht zu unterschätzenden Nervfaktor.

Das Gleiche kann natürlich auch für den Haupt-Act des Abends die Two Gallants aus San Francisco gelten. Bis 22 Uhr 45 haben uns Sänger Adam Stephens und der langmähnige Drummer Tyson Vogel warten lassen, bis sie mit einer ihren unendlich traurigen Western-Balladen endlich ihr Set starteten. Bei den Two Gallants ist alles minimalistisch gehalten, es gibt nur Schlagzeug, Gitarre und Mundharmonika als Instrumente. Mehr brauchen sie aber auch nicht, um eine besondere Atmosphäre hinzuzaubern, denn beide legen sich dermaßen ins Zeug, daß man das Gefühl hat, sie hätten nichts dagegen, auf der Bühne zu sterben. Sänger Adam krächzt, jault und schreit sich die Seele aus dem Leib und Drummer Tyson headbangt regelrecht über seinem Schlagzeug. Soviel Einsatz und Hingabe sieht man selten, auch wenn es musikalisch zuweilen etwas amateurhaft erscheint. Aber gerade dieses Rohe, Unfertige, Spröde macht den besonderen Charme aus. Mein persönliches Higlight kommt mit "Steady rollin" schon an zweiter Stelle, ein Lied so herzzerreissend schön, daß auch noch dem hartgesottenstem Cowboy die Tränen kommen könnten.

Danach leider ein kleiner Leerlauf, da teilweise einfach nur instrumentell geschrammelt wird oder aber langsame Endlos-Songs (oft bis zu 10 Minuten) die Geduld etwas strapazieren. Zum Glück lassen sie es aber dann mit "Las Cruces Jail", der ersten Single, so richtig krachen und insbesondere die Songzeile " I put you in my collection of regrets" hat es mir wieder angetan. Sehr schön auch "The Prodigal Son" und "Waves of grain", die einen noch einmal gedanklich tief in den wilden Westen tragen. Das gesamte Set haben sie übrigens den Cold war kids gewidmet, die sie anscheinend sehr schätzen. Ein tolles Konzert einer sympatisch kauzigen Band!


von Oliver



 

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