Dienstag, 8. Mai 2007

Hanne Hukkelberg, Paris, 07.05.07

Konzert: Hanne Hukkelberg
Datum: 07.05.2007
Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Zuschauer: circa 80


Aus diversen Gründen, die nicht unbedingt auf einem Konzertblog erkläutert werden müssen, war ich heute eher trauriger und genervter Stimmung, trotz der eigentlichen Vorfreude auf Hanne Hukkelberg. Ich erwähne das, weil der Gefühlszustand vor einem Konzert immer auch einen Einfluss auf die Laune während des Gigs haben kann. Ziemlich betrübt kam ich dann auch an der Türe des im Pigalle-Viertels gelegenen Divan Du Monde an. Als ich in meine rechte Gesäßtasche griff, um die dort verstaute Eintrittskarte dem Einlasser vorzuweisen, wurde mein Zustand auch nicht besser. Im Gegenteil, ich fühlte bei dem Griff nämlich...nichts! Das Billet muss mir aus Versehen herausgefallen sein...

Was tun? Wie ein begossener Pudel nach Hause trotten und Trübsal blasen? Oder ein neues Ticket kaufen? Ich entschied mich für die zweite Variante, weil die Hörproben, die ich von den beiden Alben "Little Things" und "Rykestrasse 68" gemacht hatte, extrem vielversprechend waren und mir auch eine Aufbesserung der Tournee-Kasse von Hanne Hukkelberg sinnvoll und verdient erschien. Ich kann es schon vorab sagen: ich hatte richtig entschieden! Bevor die kleine Norwegerin allerdings auftrat, gab es statt einer Vorgruppe die Austrahlung einer Reportage vom Coachella Festival 2005 auf einer Video-Leinwand. Das war auch ein Novum für mich! Zunächst langweilte ich mich etwas, aber dann wurde die Sache doch ziemlich lustig, denn Noel "Oasis" Gallagher wetterte in gewohnt direkter und unverblümter Art, gegen die politischen Statements, die der ebenfalls auftretende Saul Williams zum Besten gab. "Hey, sorry, aber ich gehe doch nicht zu einem Gig, um die politischen News vorgetragen zu bekommen", knurrte er dem Reporter in einem Backstage-Interview zu dem Thema ins Mikro. Das erinnerte mich an ein anderes Bonmot, dass Noel in Richtung Bono, verlauten liess: "Lass uns mit der Politik in Ruhe und spiele "One" ( "Bono shut up and play "One"!).

Danach bekam das überwiegend hinter Biergartentischen sitzende Publikum (ich Depp stand natürlich blöd rum, weil schon alle Stühlchen besetzt waren) noch Ausschnitte von Auftritten von Bright Eyes, Pixies, Red Hot Chilli Peppers, Arcade Fire und den Flaming Lips zu sehen. Das war durchaus kurzweilig, vor allem der spektakuläre Auftritt von Wayne "Flaming Lips" Coyne, dem Oberguru der Musikszene. In einer überdimensionalen Luftblase (die aber aus Kunststoff war) bewegte er sich crowdsurfend über das johlende Publikum. Das war wirklich total abgefahren, aber auch "Rebellion" von Arcade Fire kam extrem gut. Meine Laune war inzwischen schon etwas besser geworden. Nach dem mir elend lang erscheinenden Filmabspann wurde dann die Leinwand nicht mehr gebraucht, schliesslich kam von nun an nichts mehr aus der Konserve. Im Gegenteil, es war alles sehr originell was Hanne und ihre vier musikalischen Begleiter uns da so bieten sollten. Beim ersten Blick auf die Bühne hatte mich schon ein auf Sattel und Lenkrad abgestelltes, altes Klapperfahrrad stutzig gemacht. Wozu sollte das denn wohl gut sein? Ich würde es bald erfahren: es diente als Musikinstrument! Wie so einige andere kuriose Dinge auch. Zum Beispiel wurde der Deckel eines Mülleimers "zweckentfremdet". Oder eine einem Apfel täuschend ähnlich sehende Rassel benutzt! Auch ein liebliches Glockenspiel kam zum Einsatz, neben Akkordeon, Tuba, Piano, Kastagnetten und und und...

Eine wundersame Welt in die uns das zierliche Persönchen mit dem süssen Pferdeschwanz da entführte... Begann auch schon ganz esoterisch mit einem Meeresrauschen bei dem Eröffnungsstück "Berlin". Berlin, da hat sie gelebt ein halbes Jahr lang und es hat ihr anscheinend so gut gefallen, dass sie gleich ihr zweites Album nach einem Stassenzug im Prenzlauer Berg benannt hat: Rykestrasse (68). Ganz in der Nähe wohnt ja auch meine Schwester. Hallo Karin übrigens, geht's Dir gut?

Berlin muss einer Norwegerin paradiesisch billig vorkommen, wenn man allein die Immobillienpreise von Oslo und Berlin vergleicht, von den Lebenshaltungskosten ganz zu schweigen...

Falls ihr Hanne Hukkelberg noch nicht kennt, fragt ihr Euch vielleicht, wo man sie musikalisch einordnen kann. Hmm, vielleicht hilft ein wenig Namedropping. CocoRosie zum Beispiel, Stina Nordenstam, Joanna Newsom, Brisa Roché, auch Björk könnte man da nennen. Das sind aber wirklich nur Orientierungshilfen, denn der Stil der Norwegerin ist doch sehr eigen. Beim Stück "Obelix" zum Beispiel, habe ich mich gefragt, wie sie (oder ihre Freundin am Glockenspiel) das Katzenschnurren zu Beginn so gut hinbekommt. Vielleicht sollte ich demnächst mal meinen Kater d'Artagnan mitnehmen? Auch das imitierte Schreibmaschinengetippe auf "The Northwind" war klasse und dann dazu noch das wundervolle Akkordeon. Da könnte ein alter Seebär schon melancholisch werden. Ich wurde das übrigens auch, aber auf relative angenehme Weise, die Musik wirkte wie Balsam auf meine Nerven. Kurios auch, das komplett auf norwegisch gesungene Stück "Boble". In dieser Sprache hatte ich bisher noch kein Stück live dargeboten bekommen!

Ganz konzentriert darauf, wie Hanne die Speichen des Fahrrades bearbeitete, um Töne zu erzeugen, bekam ich gar nicht so richtig mit, dass sie mit "Break my body" ein Pixies-Cover spielten. Dafür erkannte ich allerdings die zweite Cover-Version des Abends, die als erste Zugabe gespielt wurde. Es handelte sich um "All day and all of the night" von den Kinks! Mit "Words" ging dann ein fabelhaftes Konzert zu Ende, das den Tag mit einer versönlichen Note beendete.

Setlist Hanne Hukkelberg:

01: Berlin
02: Cheater's
03: Cast Anchor
04: Pirate
05: Balloon
06: Obelix
07: Boble
08: Ease
09: Professor
10: Northwind
11: Break My Body (Pixies Cover)
12: Ticking Bomb

13: All day and all of the night (Kinks Cover) (Z)
14: Words (Z)

von Oliver

Links:

- Hanne Hukkelberg in München



1 Kommentare :

oliver r. hat gesagt…

Boble, Christoph, nicht Bobbele ;-)

 

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