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Mittwoch, 17. Dezember 2014

The New Pornographers, Köln, 05.12.14

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Konzert: The New Pornographers
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 05.12.2014
Dauer: The New Pornographers 80 min, Mini Mansions gut 45 min
Zuschauer: ca. 300



Auf Autofahrten höre ich meist Musik mit meinem alten iPod. Weil nicht nur dessen Batterie sondern auch die Software oft spinnt, stürzt das Gerät immer wieder ab. Nach dem Reset dauert es ein paar Minuten, bis er wieder da ist. Musikalisch ist der Neubeginn immer gleich: I'm not talking von A.C. Newman. Vermutlich wäre das Stück mein meistgehörtes, wenn wenigstens das Weiterleiten an last.fm klappen würde.


Auch ein anderes meiner besonders häufig in diesem Jahr gehörten Stücke hat mit dem kanadischen Musiker zu tun. War on the east coast von den New Pornographers, die Newman vor einigen Jahren mitbegründet hat, ist eines der besten Lieder 2015 (auch wenn das Jahr ja lange noch nicht vorbei ist). Geschrieben hat es allerdings nicht A.C. Newman, War on the east coast stammt von Dan Bejar (Destroyer), einem der anderen zahlreichen (Indie-) (Super-) Stars bei den New Pornographers. Das neben Destroyer vermutlich berühmteste Mitglied ist Neko Case, die auf Platten und dem nordamerikanischen Kontinent regelmäßig mitsingt, Europa-Touren der New Pronographers aber meidet. An ihrer Stelle übernimmt Carl Newmans Nichte Kathryn Calder (Immaculate Machine) alle weiblichen Gesangparts. 


"Wer und wie viele?" ist also immer die typische Frage vor einem Auftritt der Kanadier. Beim ersten Konzert der New Pornos im Gebäude 9 seit 2007* standen sieben Musiker auf der Bühne. Kathryn Calder, Dan Bejar und Carl Newman, Bassist John Collins (der u.a. mehrere Tegan and Sara Platten produziert hat und bei Destroyer mitspielt), ein Schlagzeuger, ein Keyboarder und ein weiterer (vierter? fünfter?) Gitarrist. 


Als die sieben um 21:40 Uhr begannen, hatten wir schon ein gut 45 minütiges Support-Programm der Band Mini Mansions aus Los Angeles erduldet. Mini Mansions fielen durch drei Dinge auf: 1) Kreuzfahrt-Entertainer-Outfits (der singende Schlagzeuger trug einen weißen Anzug, der Bassist einen roten - 2) eine unverschämt scheußliche Version des Blondie Evergreens Heart of glass und - 3) eine bescheidene, mannhohe Leuchtreklame mit dem Bandnamen, bei der ich mich gefragt habe, was die Fluggesellschaft wohl dafür verlangt hat, das Ding einmal um den Globus zu verschiffen. 

Musikalisch war es enorm beliebig bzw. bis auf ein Lied sogar ziemlich mies. Daß der trommelnde Sänger normalerweise der Bassist der Queens Of The Stone Age ist, änderte daran nichts. 


An Stelle der Deko setzte die Hauptgruppe dann Hits, das klügere Konzept, wie ich finde. Die Setlist des fast anderthalbstündigen Konzerts war eine souveräne Mischung einiger neuer Stücke und der Hits aller Vorgängerplatten. So macht man das eben in einer Supergroup.

Dan Bejar war höchstens bei jedem zweiten Lied auf der Bühne. Hatte er nichts zu tun, ging er nach hinten und rauchte. Es roch in jeder Destroyer-Pause nach Qualm.


Live sind die New Pornographers sehr viel rockiger als auf Platte. Erst wollte ich "lauter" schreiben, das machte aber keinen rechten Sinn. Also war auch im Gebäude 9 nichts vom "Hausfrauen-Rock" zu hören, als den mein Konzertnachbar die Musik der Band vorher bezeichnet hatte. Auch die etwas schwächeren Stücke der neuen Platte gefielen mir so deutlich besser als aus dem neurotischen iPod. 


Es war ein wirklich gutes Konzert. Beim Basket- und Football benutzen amerikanische Sportreporter gerne den Begriff Go-to-guy für einen Spieler, der immer als sichere Anspielstation des Quarterbacks oder Aufbauspielers erreichbar ist, den der also auch in großer Bedrängnis immer erreicht. Das sieht dann nicht so spektakulär aus wie ein 60 m Pass, bringt aber sicheren Erfolg. Die New Pornographers sind eine meiner Go-to-Bands. Man darf da keine Bühnenshow (oder Leuchtreklame) und kein Publikum, das nur beim neuesten heißen Scheiß erscheint, erwarten, man bekommt aber sicher ein sehr gutes Konzert geboten!

Setlist The New Pornographers, Gebäude 9, Köln:

01: Brill bruisers
02: Myriad harbour
03: Moves
04: Dancehall domine
05: War on the east coast
06: Use it
07: All the old showstoppers
08: Jackie, dressed in cobras 
09: Another drug deal of the heart
10: The laws have changed
11: Fantasy fools
12: Testament to youth in verse
13: Sweet talk, sweet talk
14: Backstairs
15: Silver Jenny Dollar
16: Champions of red wine
17: Born with a sound
18: Mass romantic

19: Ballad of a comeback kid (Z)
20: Sing me Spanish techno (Z)
21: The bleeding heart show (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The New Pornographers, Barcelona, 28.05.10
- The New Pornographers, Köln, 25.11.07
- The New Pornographers, Paris, 30.09.07


Samstag, 29. Mai 2010

The New Pornographers, Barcelona, 28.05.10

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Konzert: The New Pornographers

Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 28.05.2010
Zuschauer: sehr viele für 18.15 Uhr
Dauer: 60 min


Eines der Konzerte, die alleine die Fahrt nach Barcelona gerechtfertigt hätten! Was für eine zauberhafte Band!

Ein ausführlicher Bericht folgt!

Setlist The New Pornographers, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: Sing me Spanish techno
02: Up in the dark
03: Use it
04: The laws have changed
05: The crash years
06: All the old showstoppers
07: Sweet talk, sweet talk
08: Challengers
09: Testament to youth in verse
10: Your hands (together)
11: My rights versus yours
12: A bite out of my head
13: The slow descent into alcoholism
14: Moves
15: Mass romantic
16: The bleeding heart show

Links:

- The New Pornographers, Köln, 25.11.07
- The New Pornographers, Paris, 30.09.07




Montag, 26. November 2007

The New Pornographers, Köln, 25.11.07

9 Kommentare

Konzert: The New Pornographers

Ort: Gebäude 9 Köln
Datum: 25.11.2007
Zuschauer: viel zu wenige, vielleicht 100


Irgendwie hatte ich mir das Gebäude 9 mal wieder voller vorgestellt, schließlich sollte mit den New Pornographers eine sehr namhafte Band in Köln auftreten. Um halb neun (in der Hoffnung, die Kanadier würden dann um neun auftreten), war zwar die Bar im Gebäude 9 schon ganz gut gefüllt, dabei blieb es dann aber auch erst einmal.

Die Hoffnung auf frühes Insbettgehen hatte sich dann erledigt, als wir erfuhren, daß eine Vorgruppe Air France auftreten sollte. Air France stellten sich dann als Er France aus Düsseldorf heraus und begannen um kurz nach neun mit einer irre langen Setlist. Bevor sie anfingen, standen auf der Bühne schon drei Keyboards, zig Gitarren und auf dem Boden lagen zwei Melodicas (rot und hellblau,
traumhaft!). Er France (ich hasse eigentlich solche Wortwitze) bestehen aus Sängerin Isabelle Frommer, die ein Kleid in Jugendherbergs-Bettwäsche Optik trug (rot-weiß kariert), Bassist Daniel Decker (der ein Hemd aus dem gleichen Stoff anhatte, solches Stoffteilen ist vermutlich CO2 freundlich), Gitarrist André Tebbe und einem Schlagzeuger, dessen Namen ich nicht kenne (laut myspace haben sie zwei, da war aber nur einer, ganz sicher).

Wie genau die Musik war, kann ich nicht sagen. Isabelles Stimme war zu leise, daher fiel es mir schwer, den Songstrukturen zu folgen. Dazu kam, daß sie nur dann sang, wenn sie nicht Keyboard spielte (und umgekehrt). Wenn sie dann also sang, hatte sie das Problem, das viele Sänger ohne Instrument haben, sie machte alberne Sachen mit ihren Armen, meist Nordic-Walking-Trockenübungen. Das hat mich so sehr abgelenkt, daß ich mich der Musik nicht richtig widmen konnte. Ob Isabelle Französin oder Deutsche ist, ist mir nicht klargeworden. Ihre Ansagen hatten anfangs einen Akzent (die Ansagen waren Geschichten der Art Kleiner Prinz light), der dann aber nach und nach wegfiel. Der war also vermutlich gefaked. Egal, Isabelle zappelte sich einen ab, die Musik klang eigentlich recht gut, Gitarrist und Bassist posten auch viel rum und so waren die gut 50 Minuten ihres Auftritts entschieden zu lang.

Setlist Er France Köln:

01: Spiel mir Deine Musik
02: Alles ist gut
03: Never hiding
04: Man in black
05: M. Canon
06: Puppeteer
07: Your faustian side
08: Fais le pari
09: The man and the wolf
10: I came to get my due
11: Ein Käfig voller Narren

Nach kleinem Umbau (zwei der Keyboards, die Gitarren und - viel wichtiger - die
Melodicas gehörten schon zu den New Pornographers) trat die Band aus Vancouver dann um kurz vor halb elf auf. Das Gebäude 9 war bis dahin besser gefüllt, es war aber überall sehr viel Platz. Da an den Wänden überall Plakate hingen, daß die Band "leider" kein Rauchen wünsche, war die Luft auch einmal wohltuend gut, obwohl natürlich trotzdem geraucht wurde.

Die New Pornographers sind ja eine der Bands, bei denen man nicht weiß, wer da so auf der Bühne stehen wird (wie Broken Social Scene z.B.). Ich hatte vorher schon gelesen, daß Sängerin Neko Case nicht dabei sein sollte. Den Part der weibliche Stimme
übernahm an ihrer Stelle Kathryn Calder. Ich habe zwar Neko Case nie live gesehen, kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, wie sie besser sein könnte als ihr "Ersatz", denn Kathryn war schlicht fabelhaft!

Die Band, die in Köln auftrat, bestand (wohl) aus Sänger und Gitarrist Carl Newman, John Collins (Bass und Gitarre), Todd Fancey (Gitarre), Kurt Dahle (Schlagzeug), Blaine Thurier (Keyboard, Mundharmonica und Melodica) und eben Kathryn Calder (Gesang, Keyboard und Akkordeon).

Das absolut wundervolle Programm begann mit einem meiner Lieblinge, nämlich "
All the things that go to make heaven and earth" vom neuen Album "Challengers." Natürlich lag auch der Schwerpunkt des Konzerts auf Liedern der im August erschienenen Platte.

Mit uns redete Carl nicht furchtbar viel, er schien fast ein wenig schüchtern (obwohl er überhaupt nicht so aussieht). Die kleinen Danksagungen übernahm anfangs alle die Keyboarderin. Untereinander redeten die Musiker aus Vancouver aber viel - und sie schienen dabei außerordentlich gute Laune zu haben. Am spaßigsten wirkte dabei der sehr aufgekratzte Schlagzeuger, der auch immer wieder auffiel, weil der die hohen Background Parts sang und dabei ein herrliches Gesicht machte. Er hatte aber auch andere wichtige Aufgaben: bei "Adventures in solitude" hüpfte er plötzlich auf, ging von der Bühne - und kam mit einer Handvoll Bier wieder zurück.

Natürlich liebe ich auch "Spirit of giving" sehr, wird da schließlich St. Christopher erwähnt. Das Stück begleitete Kathryn mit einem Akkordeon. Aber auch ohne Akkordeon war der Sound der Stücke fabelhaft. Die
Stimmen der beiden Sänger passen traumhaft zu einander. Vieles war ganz einfach so, wie die Stars im Gebäude 9 hätten sein können, hätten sie die Hände von dem gelassen, was sie da verführt hatte.

"The bleeding heart show" scheint der
Standard-Abschlußsong zu sein. Kathryn jedenfalls winkte, verabschiedete sich und verließ die Bühne. Allerdings war sie damit alleine, denn Carl erklärte uns, für einen Fernseh- oder Radioauftritt in Frankreich hätten sie ein Lied einstudiert ("they forced us to play it") und legte einen Zettel mit dem Text auf den Boden. Kathryn kam lachend zurück und entschuldigte sich: "It thought it was our last song!"

Das Zusatzlied war dann vielleicht eine Probe unter Wettkampfbedingungen. Es war das ELO-Cover "Don't bring me down", Stadionmusik der Sorte, die ich nicht mag. Das Cover war ziemlich erträglich, natürlich besser als das Original - und der Abschluß des Konzerts. Zumindest der vorläufige, denn natürlich gab es Zugaben. Die Band wäre niemals ohne Zugaben durchgekommen, denn das Publikum war von Anfang an in bester Stimmung. Im Saal war ja leider reichlich Platz, das hatte aber den Vorteil, daß die 96, die bei der Vorgruppe noch ruhig rumstanden, dann auch tanzten. Isabelle von Er France stand dann auch im Publikum, vermutlich um zu sehen, was man als singende Keyboarderin so mit den Händen machen kann, wenn man kein Nordic Walking mag...

Ich hatte wirklich nicht gedacht, daß mich vom Konzert-Jahresrestprogramm noch etwas so sehr begeistern kann. Aber es hat - und wie!

Setlist The New Pornographers Köln:

01: All the things that go to make heaven and earth
02: Use it
03: Electric version
04: Jackie, dressed in Cobras
05: All the old showstoppers
06: Challengers
07: The laws have changed
08: My rights versus yours
09: Spirit of giving
10: Mass romantic
11: Adventures in solitude
12: Testament to youth in verse
13: Mutiny, I promise you
14: Sing me Spanish techno
15: The bleeding heart show
16: Don't bring me down (ELO Cover)

17: Twin Cinema (Z)
18: The slow descent into alcoholism (Z)

Links:

- The New Pornographers am 30.09.07 in Paris
- mehr Fotos



Montag, 1. Oktober 2007

The New Pornographers, Paris, 30.09.07

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Konzert: The New Pornographers

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 30.09.2007
Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung


Ich hasse Sonntage! Habe sie immer gehasst! Sie sind oft so ereignisarm, so fad, so trist. Als ich noch Schüler war, graute es mir vor der neuen Woche an der Penne, als Wehrpflichtiger wußte ich, daß am nächsten Tag wieder strammstehen angesagt war und als Student litt ich an Sonntagen unter meinem Kater (unter dem suffbedingten Phänomen, nicht dem Tier).

Was kann man an diesem Tag also schon machen? Als guter Christ könnte man in die Kirche gehen, als Musikfan vielleicht auf ein Konzert. Geht auch beides? Manchmal ja, gestern zum Beispiel, da war ich erst auf einer Taufe und am Abend in meiner geliebten Maroquinerie. Die New Pornographers hatten sich angekündigt und das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, zumal das neue Album "Challengers" wirklich gelungen ist. Leicht beschwipst von dem Gläschen Champagner, daß mir nach der Taufe gereicht wurde, machte ich mich recht pünktlich auf den Weg in die Rue Boyer, wo mein "Lieblingsmusikschuppen" liegt. Als ich eintrat, sah ich eine zierliche junge Frau, die nur bewaffnet mit einer roten Gitarre betörend schöne, aber auch sehr traurige Folk-Lieder intonierte. Ihre Schuhe hatte die Süße wohl zu Hause vergesssen, sie saß nämlich barfüßig auf ihrem Stühlchen. Vergessen hatte sie auch, sich erst einmal vorzustellen, was sie im Laufe ihres Sets dann auch tat, nachdem eine Offizielle sie darauf hingewiesen hatte. "Achso, man signaliert mir gerade, daß ich mal meinen Namen sagen soll, also ich heiße Marie-Flore." Ihr tadelloser Akzent machte deutlich, daß sie Französin war, ihre Lieder trug sie allerdings allesamt auf englisch vor, ohne daß man merkte, daß sie nicht in ihrer Muttersprache sang. Gespielt wurden alle Stücke, die man auf ihrer MySpace Seite finden kann, also "Airport", "Half Past Three" und "Empty Walls", aber auch noch ein paar andere mehr, hört Euch das mal an!

Da mich der Auftritt der Französin neugierig gemacht hatte, wollte ich ihre Set-List abgreifen. Vorne lag ein weißer Zettel, denn ich dafür hielt. Es handelte sich aber um die Setlist der ausgezeichneten Pariser Band Los Chicros, die anscheinend vorher schon gespielt hatten.

Hier ist sie:

01: Anna
02: Diskonoise
03: Without You
04: New Orleans
05: Mountains
06: What's New
07: Like The Sun
08: What I've Done

Danach dann endlich die New Pornographers, allerdings ohne Daniel Bejar (Destroyer) und auch ohne Neko Case, die vermutlich anderweitige Verpflichtungen hatten. Ober-Pornomann A.C. Newman war hingegen mit von der Partie, man kann ja schließlich nicht jeden ersetzen. Mein Hauptaugenmerk galt aber einer sehr charmanten jungen Dame an den Keyboards, die auch die Gesangesparts von Neko Case übernahm. Kathryn Calder heißt das schöne Kind mit dem zauberhaften Lächeln und den feingliedrigen Händen, sie nimmt bei den New Pornographers eine immer wichtigere Rolle ein. Wenn es stimmt, was man so bei Wikipedia liest, ist sie die Nichte des Sängers Carl Newman, aber allemal attraktiver. Herr Newman selbst ist ein stämmiger rothaariger Typ, der wenn es nach dem Äußeren geht irischen Ursprungs sein könnte. Der Bursche erinnerte mich irgendwie an Ex-Tenisstar Jim Courier und den mochte ich ja damals auch sehr. Überhaupt ein sehr netter Haufen, diese Kanadier, die heute zu sechst auftraten. Die Besetzung wurde komplettiert durch einen bärtigen Bassisten, einen recht pummeligen Keyboarder, einen weiteren Gitarristen und einen Drummer, der ziemlich witzige Grimassen schnitt und während eines Liedes eine Zigarrete rauchte, die er irgendwann ausspuckte.

Das Set war bunt gemischt und enthielt Stücke aller vier Alben, wobei das Hauptaugenmerk natürlich dem Neuling "Challengers" galt. Von diesem Werk stammte auch der vorzügliche Opener "All The Things That Go To Make Heaven And Earth", der gleich die Richtung vorgab. Erfrischender und mitreißender Power-Pop war angesagt und dies von Anfang bis Ende, Zeit zum Luftholen blieb kaum. Mit "Use It" vom Vorgängeralbum "Twin Cinema" wurde ein weiteres frühes Glanzlicht gesetzt, was insbesondere die ausgelassen tanzenden Amerikaner in der ersten Reihe verzückte. "This spot is shit" meinte A.C. Newman plötzlich und wies auf den Platz vor seinem Mikro. Er war der Meinung, daß die Akkustik an dieser Stelle des Raumes am schlechtesten sei und wollte gleich wissen, was denn "shit" auf französisch heiße. "La merde", schallte es ihm aus etlichen Kehlen entgegen und frohgelaunt über das neugelernte Wort wiederholte er noch einmal. "This spot ,c'est la merde!" Dann fiel ihm plötzlich auf, daß man diesen Satz ja auch falsch verstehen könnte und deshalb stellte er noch einmal klar, daß sich sein Kommentar nur auf diese eine bestimmte Stelle beziehe, keinesfalls auf die gesamte Location. Überhaupt waren die Kanadier guter Dinge und zu Scherzen aufgelegt. "Ich bin heute durch Paris gelaufen und sagte ständig "Excusez-moi", weil man dies ja in Frankreich so macht, die Franzosen sind halt höfliche Menschen. Wenn ich hingegen den gleichen Satz in Kanada benutze, gucken mich die Leute gleich schief an, als wollte ich ihnen was..."

Neben den köstlichen Anekdoten vergnügte ich mich aber natürlich auch an vielen tollen Titeln der Band. Besonders postiv fielen " My Rights Versus Yours" und "Unguided" auf, aber auch das Ende hatte es in sich. So bestach "Twin Cinema" durch sein markantes Gitarrenriff, "Sing Me Spanish Techno" durch seine ungestüme Lebensfreude und "The Bleeding Heart Show" durch seine zarte Melancholie.

Das fachkundige und ziemlich textsichere Publikum (viele Amerikaner) war begeistert und klatschte die Symphaten auch noch einmal für eine Zugabe heraus. Um welchen Song es sich hierbei handelte, werde ich nachreichen.

Fest steht auf jeden Fall, daß die New Pornographers den perfekten Soundtrack für einen ungeliebten Sonntag lieferten und so diesen Tag deutlich erträglicher machten.



Setlist The New Pornographers, Paris, Maroquinerie:

01: All The Things That Go To Make Heaven And Earth
02: Use It
03: The Electric Version
04: All The Old Showstoppers
05: Jackie, Dressed In Cobras
06: Challengers
07: The Laws Have Changed
08: My Rights Versus Yours
09: The Spirit Of Giving
10: Mass Romantic
11: Unguided
12: Testament To Youth In Verse
13: Mutiny, I Promise You
14: Twin Cinema
15: Spanish Techno
16: The Bleeding Heart Show

Video: The New Pornographers (mit Neko Case) live



 

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