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um
09:22
Konzert: Saint Etienne
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 30.07.2016
Dauer: 70 min
Zuschauer: viele hundert
Jeder hatte sich auf Saint Etienne als Headliner gefreut, wirklich jeder. Ich liebe Saint Etienne, halte das aber immer für eines meiner guilty pleasures. Ich mag auch Vanessa Paradis oder Camouflage*, kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, daß das andere aus meinem musikalischen Dunstkreis auch tun. Saint Etienne sind die eine Dance-Band, die souverän die eklige Eurodisco unpeinlich indiefiziert hat. Aber es ist und bleibt nun mal eurodisconahe Musik und die kann ja eigentlich niemand mögen - außer es ist auch sein guilty pleasure.
So ganz verstehe ich es also nicht, warum jeder Saint Etienne liebt, die Entscheidung der Indietracks-Macher, die Band zu ihrem einzigen echten Headliner im Jubiläumsjahr (10) zu machen, machte aber großen Sinn, denn der Platz vor der Hauptbühne war knallvoll, weil sich - richtig - jeder auf Saint Etienne gefreut hatte.
Ich hatte ganz vergessen, daß ich die Band zuletzt in Barcelona gesehen habe. Meine aktuellsten Erinnerungen gehen zurück zum Bowlie 2, wo ich mich fremdgeschämt hätte, wenn ich den Begriff nicht so schrecklich fände. Sarah Cracknell stand damals im Stau, kam viel zu spät an und hatte in der Aufregung einige Texte vergessen. Es war schrecklich!
Der Auftritt beim Indietracks war das Gegenteil von schrecklich! Ich habe eine Karte für Saint Etienne im Oktober, spiele aber mit dem Gedanken, die wieder loszuwerden, weil es nicht besser werden wird als in Ripley.
Die Band war gut gelaunt, in guter Form, die Setlist perfekt, der Ort eh, das Publikum schrecklich nett. Nein, besser wird's nicht mehr.
Ich hatte ein wenig damit gerechnet, daß Saint Etienne wie im Herbst ein Foxbase-Alpha-Set spielen würden. Von der Platte mit dem wundervollen Cover, die dieses Jahr immerhin 25 wird, standen aber nur drei Songs auf dem Programm. Es war ein klassisches Best-Of. Und weil die Band, anders als in Glasto zum Beispiel Headliner war, spielte sie 70 Minuten - und Zugaben.
Saint Etienne waren in großer Besetzung nach Ripley gekommen. Neben Sarah, Pete Wiggs und Bob Stanley standen Sängerin Debsey Wykes (von der in den späten 70ern gegründeten Band Dolly Mixture), eine Cellistin, ein Geiger, ein Gitarrist und ein dritter Keyboarder auf der Bühne. Bei meinen bisherigen Konzerten war die Mannschaft immer deutlich kleiner gewesen.
Hinter Bob und Pete stand nur schlicht "Saint Etienne", die gleiche Bühnendeko von vor vier Jahren. Bei manchen Liedern liefen Videosequenzen. Ansonsten waren riesige Luftballons in grün und weiß auf der Bühne und ab Who do you think you are? in der Luft.
Saint Etienne spielten gut gelaunt alle Hits, zumindest fehlte mir keiner. Und es lag nicht an den kalten Temperaturen, daß das Indietracks tanzte. Jeder liebte Saint Etienne, sang mit, tanzte und strahle übers Geischt. Der Headliner war perfekt gewählt und das richtige Geburtstagsgeschenk der Macher an sich und uns.
Irgendwann in der Mitte des Sets kündigte Sarah ein neues Lied an. "Don't be afraid". Dive war nicht zum Fürchten, ich musste nur dabei besonders grinsen, weil das Lied einen Refrain hat, der sehr an Tanze Samba mit mir erinnert.
Ich glaube nicht, daß ein anderes Festival Saint Etienne in den vergangenen Jahren zum Headliner gemacht hat. Ganz sicher gibt es aber keins, bei dem die Ordner am Fotograben-Eingang (naja, DER Ordner) tanzen und in die Luft springen.
Nach einer Stunde Konzert kamen Saint Etienne zu zwei Zugaben zurück, Hobart paving und He's on the phone.
Auch wenn vielleicht die hohe Gage, die nötig war, Saint Etienne in dieser riesigen Besetzung nach Ripley zu holen, einen anderen "namhaften" Headliner (aus der Kategorie The Primitives oder Vaselines) verhindert hat - Freitag und Sonntag waren The Spook School und The Aislers Set die letzten Bands - war es eine perfekte Idee, am zweiten Abend Tanzmusik einzuladen. Mein mit Abstand bestes Saint-Etienne-Konzert bisher!
Setlist Saint Etienne, Indietracks, Ripley:
01: Nothing can stop us
02: Hug my soul
03: Pale movie
04: Like a motorway
05: Lose that girl
06: Girl VII
07: You're in a bad way
08: Dive (neu)
09: Who do you think you are?
10: Tonight
11: Join our club
12: Sylvie
13: Only love can break your heart
14: Hobart paving (Z)
15: He's on the phone (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Saint Etienne, Barcelona, 02.06.12
- Saint Etienne, Minehead, 10.12.10
- Saint Etienne, Berlin, 07.08.09
* Stand: 1990 oder 91
um
19:25
Konzert: Saint EtienneOrt: Primavera Sound Festival, BarcelonaDatum: 02.06.2012Zuschauer: anfangs ziemlich wenige vor der HauptbühneDauer: 75 min
23 Uhr ist Primavera-Primetime. Saint Etienne zu dieser Zeit auf der Hauptbühne anzusetzen, ist... mutig. Allerdings auch irgendwo konsequent, da um acht die Kings of Convenience an gleicher Stelle ihren Simon & Garfunkel-Pop weitestgehend
akustisch ohne Band vortrugen. Warum also nicht auch die Tanznummer aus den 90ern zur besten Zeit auf der großen Bühne? So kann ein Indie-Festival auch bei der Programmgestaltung so richtig indie sein.Die Kings Of Convenience spielten noch vor vollem Haus. Gegenüber der Bühne ist eine ansteigende Wiese, auf der im Sonnenschein weitere Menschenmassen saßen. Anschließend strömte der Pulk vor allem zu Beach House, vergaß aber, zu Saint Etienne zurückzukommen. Als ich einmal nicht abgehetzt von der Mini Stage wieder vor der San Miguel ankam, war es leicht möglich, noch in die Mitte zu kommen (auch ohne andere wegzuschubsen). Bei anderen Konzerten blieb kurz vorher nur der Rand - oder das Drängeln. Also der Rand.Saint Etienne gehören zu den Guten, sind aber auch immer ein Guilty pleasure gewesen. Eigentlich hört man als aufrechter Indie-Hörer keine Tanzmusik, mag sie auch noch so charmant (oder twee) sein. Daher guilty. Aber Saint Etienne hatten eben
immer große Hits, also nicht auf das achten, was andere sagen und Saint Etienne lieben (pleasure).2010 hatte ich eigentlich mit der Band abgeschlossen. Auf dem prächtigen, von Belle & Sebastian kurartierten ATP in Minehead, passten Saint Etienne weniger zum musikalischen, als zum baulichen Umfeld. Da war nichts Glänzendes und Liebenswertes (außer Sarahs Glitzerkleidchen); vor allem die Frontfrau wirkte, als seien sie und die Ferienanlage, deren beste Zeit auch lange vorbei war, Schwestern im Geiste. Vor 20 Jahren toll. Sarah war viel zu kurzfristig angereist, stand im Stau, das Konzert wurde verschoben. Als sie dann schließlich da war, verpasste sie Einsätze und vergaß irgendwann sogar den Text. Vor ein paar Jahren bin ich mal aus Versehen in eine Mediamarkt Hausmesse geraten, auf der ein abgehalfterter NDW Star vor zwei Verkäufern und einen Kunden auftrat. Saint Etienne versprühten an diesem Dezembertag ähnlich viel Charme und Glamour.
Ihre Bestätigung fürs Primavera begeisterte mich trotzdem sehr. Was interessiert mich schon mein Liebesentzug von gestern? Das sind schließlich Saint Etienne! Auch
das neue Album, das erste seit 2005, kaufte ich mir aus Vorfreude, brach beim Hören aber ab, um sie zu bewahren.
Saint Etienne kamen zunächst zu viert auf die Bühne. Neben Sarah, Bob & Pete stand Debsey Wykes (Dolly Mixture) als Background-Sängerin rechts am Rand. Wie Sarah trug sie ein Pailletten-Kleid und glitzerte. Am Anfang, als ich noch sehr skeptisch war, kamen die beiden Frauen mir wie in die Jahre gekommene Revue-Girls vor. Diese Feder-Boa, an der Sarah rumspielte... puh!
Aber dann setzte die Musik ein, der Platz begann zu tanzen und wir gingen immer mehr in den Eurodisco-Klängen der Band auf. Indie-Ace of Base ist gar nicht böse gemeint, aber letztlich beschreibt es die Gruppe recht gut.
Die beiden Frauen und die Männer im Hintergrund an den Synthies spielten einige Stücke vom neuen Album, an die ich mich nicht recht erinnere und viele alte Hits - oft mit neuem Beat unterlegt.
Es machte so viel Spaß, daß es ganz schnell vollkommen egal war, was mir vorher noch über die Frauen im Kopf rumspukte. Daß es nicht schlimm war, daß bei einigen
Liedern hauptsächlich Debsey sang (und Sarah tanzte). Daß Sarahs "It's Gin Tonic Time!" komisch war, so wie sie es gemeint hatte (und nicht tragisch, wie man es auch interpretieren könnte). Beim 2010er Desaster hätte das ins schlechte Bild gepasst, in Barcelona war alles besser und das Konzert ein großer Spaß!
Vollkommen klar, daß die Band nach einer Stunde, nachdem Nothing can stop us verklungen war und sie die Bühne verlassen hatte, zu Zugaben zurück kam. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die vier Bestager* und ihr merklich jüngerer Gitarrist, der bei ein paar Liedern mitspielte (Pete & Bob blieben hinter ihren Pulten), längt den Headliner-Job erspielt. Toll war es!Setlist Saint Etienne, Primavera Sound Festival, Barcelona:01: Like a motorway02: Popular
03: Burnt out car
04: Tonight
05: Spring
06: Mario's Café
07: Who do you think you are
08: Haunted jukebox
09: When I was seventeen
10: You're in a bad way
11: A good thing
12: Sylvie
13: Only love can break your heart
14: DJ
15: Nothing can stop us
16: I've got your music (Z)
17: He's on the phone (Z)Links:- aus unserem Archiv:- Saint Etienne, Minehead, 10.12.10- Saint Etienne, Berlin, 07.08.09
* das wollte ich hier schon immer mal unterbringen
um
17:20
Konzert: Saint EtienneOrt: Butlins Minehead, Bowlie 2 (präsentiert von ATP und Belle & Sebastian)Datum: 10.12.2010Dauer: 45 minWie schmal der Grat zwischen toll und fies doch oft ist, mußte ich am ersten Bowlie-Tag leidvoll erfahren. Als Saint Etienne gemeinsam mit Camera Obscura spät noch bestätigt wurden, war mein Traumlineup so gut wie beisammen. Saint Etienne, wie toll! Ein wenig
hatte ich damit spekuliert, daß die Indiedance-Band Teil des Belle and Sebastian Wochenendes sein würde, als ich im September irgendein britisches Indie-Revolverblatt durchgesehen hatte, war da nämlich auf einer Seite eine Bowlie Anzeige und auf der nächsten ein Hinweis auf eine kurze England-Tour von Saint Etienne unmittelbar im Anschluß.Im vergangenen Jahr hatte ich Saint Etienne in Berlin gesehen und war sehr angetan. Die Engländer waren so, wie ich sie mir gewünscht hatte, sie schafften es, ihre Musik auch live hervorragend umzusetzen. Dazu kam mit Sarah Cracknell eine grazile, sehr elegante Erscheinung am Mikro, an der mich noch nicht einmal die alberne Federboa gestört hatte.Diesmal war genau dieses elegante Wesen das Problem, sie war nämlich erst einmal gar nicht da. "Wir können noch nicht anfangen, weil die wichtigste Person noch fehlt. Sarah ist aus Oxford mit dem Auto unterwegs und stand im Stau, sie ist allerdings
jeden Moment da," teilte ein Helfer mit, worauf aus dem Publikum ein herrlicher Kommentar von einer dunklen Männerstimme kam: "I know the words!" Der Saal lachte - noch. Irgendwann kam Sarah, sie trug Boa und ein Glitzerkleid, allerdings endete der Glamour damit auch bereits. Die Sängerin wirkte von Beginn an fahrig, das Besondere des Berliner Konzerts fehlte vollkommen - und weil es so deutlich wurde, wie schwach die Performance war, schadete das der Musik selbst
auch kräftig, ohne den Hingucker Sarah Cracknell und ihre Lässigkeit wurden die Lieder ziemlich brutal bloßgestellt. Gratwanderung zwischen coolem Indiedance und Eurodisco - und beim Bowlie schlug das Pendel in die falsche Richtung.Leider wurde es bei Only love can break your heart besonders fies, Sarah vergaß nämlich den Text. "No idea, no idea", stammelte sie nur noch; es war schrecklich! "Not my day!" Natürlich kann das passieren, auch die Ankündigung,
wegen des Staus (hatten andere Bands glücklicherweise nicht!) kürzer zu spielen, hätte sicher niemanden geärgert, wenn nicht Sarahs miese Performance gewesen wäre. So aber, nach Rückkopplungen, die mir den Rest gaben, war mir das Konzert schnell egal und ich - zwei Lieder später - glücklich, daß Saint Etienne nur 45 Minuten spielen würden."I know the words"... Vielleicht hätte man wirklich den Mann aus dem Publikum nehmen sollen, ach Unsinn, ganz sicher hätte man das machen sollen, es hätte den Unterhaltungswert massiv gesteigert.
Setlist Saint Etienne, Bowlie 2, Butlins Minehead:
01: Who do you think you are
02: Spring
03: Girl VII
04: This is tomorrow
05: Nothing can stop us
06: You're in a bad way
07: Milk bottle symphony
08: Only love can break your heart
09: Like a motorway
10: Making out to DJ
11: She's on the phone
um
15:17
Konzert: Saint EtienneOrt: Flughafen Tempelhof (Berlin Festival)Datum: 07.08.2009Zuschauer: sicher 4.000Dauer: ca. 60 min
Helden, die wie Helden auftraten. Mein (und nicht nur mein) Grund, zum Berlin Festival zu fahren, hat bestätigt, daß dies keine Schnapsidee war! Wundervoll, wie die drei Indie-Dance Ikonen einen Flughafen-Hangar in eine gute-Laune-Halle verwandelten! Nicht bloß ein Haken hinter eine Lieblingsband auf der ewigen To-Do-Liste, ein großartiges Erlebnis, von dem ich in Kürze mehr erzähle!
Setlist Saint Etienne, Berlin Festival, Flughafen Tempelhof:
01: Burnt out car
02: Heart failed (in the back of a taxi)
03: Nothing can stop us
04: Only love can break your heart
05: Spring
06: This is tomorrow
07: Girl VII
08: Good thing
09: She's the one
10: Method of modern love
11: Like a motorway
12: Sylvie
13: He's on the phone
Links:
- Fotos von Saint Etienne beim Berlin Festival