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Mittwoch, 13. August 2025

Heimspiel Knyphausen Festival 2025

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Konzert: Heimspiel Knyphausen
Ort: Eltville
Datum: 25.07-27.07.2025
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft


Giesbert lädt ein – und wieder füllt sich der Draiser Hof mit Klang, Kunst und ganz viel Seele. Vom 25. bis 27. Juli 2025 verwandelte sich das Weingut Baron Knyphausen wieder in einen der stimmungsvollsten Orte für Musikliebhaber:innen zwischen Reben, Rhythmus und Riesling. 

Rund 2.500 Gäste fanden sich ein – das Festival war restlos ausverkauft. Heimspiel eben, auch wenn angesichts der eher düsteren Wetterprognosen zuletzt sogar noch Camperticktest von privat zu privat zu bekommen waren. 

Die FAZ nannte es treffend „ein besonderes Fest“ – ein Festival, das sich bewusst klein hält, ohne dabei an Relevanz zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Statt Massenspektakel: echte Gläser, Kindertribüne, Picknickdecken und na klar Gummistiefel. 


Und ein Line‑Up, das nicht auf Retro-Nostalgie, sondern auf aktuelle Klangmomente setzt. Kuratiert mit Herz und Haltung – von Gisbert zu Knyphausen und Benjamin Metz. Schon am Donnerstag: Anreise, Aufbau, Wiedersehen. Obstwiese für Familien, Sportplatz, Pensionen oder Hotel für alle anderen. Die Stimmung war sofort da. Der Bühnengraben diesmal passend von Johannes und seinem Team platziert und auch und Doro als Stage Managerin war wieder an Bord. Mehr Überblick, mehr Ruhe – vor wie hinter der Bühne. 


Und wie immer: ein Festival, das wächst, ohne sich zu verbiegen. Noch bevor der erste Ton erklang, klapperte es: Andi Substanz aus Münster – Poetry Slammer, Lyriker und Maschinenpoet – war an allen drei Tagen präsent. Zwischen Open Doors und dem ersten Gig setzte er sich mit seiner Reiseschreibmaschine unter Bäume und zwischen Bänke, nahm Stichworte entgegen und tippte Gedichte. Direkt, persönlich, liebevoll. Eine neue (?) Festivaltradition zum Mitnehmen. Und ein Beweis dafür, dass beim Heimspiel nicht nur Musik, sondern auch Poesie in der Luft liegt. 

Der Freitag begann mit einer leisen Wucht: Edna Million eröffnete das Festival – und war meine ganz persönliche Überraschung. Eine Performance, so reduziert wie eindringlich. Eine Stimme, die nicht gefallen will, sondern erzählt. Und das mit einer Tiefe, die bleibt. Danach: Tonbruket. Die schwedische Band mit Jazzwurzeln und Postrock-Vision schuf einen Raum, in dem sich Genres auflösten und das Publikum einfach hineinfiel. Ihr Auftritt war dabei nicht zufällig – Gisbert selbst hatte sich Tonbruket explizit gewünscht, ein Herzensact. Und dieser Wunsch zahlte sich aus: Das Zusammenspiel von atmosphärischer Klangarchitektur, instrumentalem Erzählen und musikalischer Weite war pure Festivalmagie. 


Zum Abschluss des ersten Abends dann Warhaus. Die Band beendete den Tag mit melancholischer Grandezza – belgischer Nachdenklichkeit, cineastischem Sound und einem Auftritt wie ein gutes Buch: dunkel, dicht, nachwirkend. Warhaus wurde 2016 als Solo-Musikprojekt von Maarten Devoldere, Frontmann der belgischen Band Balthazar, ins Leben gerufen. Teile der Songs wurden damals sogar mit der Stammband eingespielt. Schon das Debütalbum „We Fucked a Flame into Being“ (2016) war eine künstlerische Wucht – dunkel, elegant, intellektuell aufgeladen. 2024 folgte die vierte Platte: „Karaoke Moon“. Der Titel ist nicht nur Zitat, sondern Konzept – denn Karaokeeinlagen mit dem Publikum gehören seitdem gern ins Live-Set. 


Auch beim Heimspiel wurde das Mikro im besten Sinne geteilt. Der Samstag begann auf dem Rhein: Heimspiel-Liner mit Hannes Wittmer. Zwei Konzerte, zwei Fahrten, viele Gänsehautmomente – zwischen Wasser, Wind und Weinglas. Wittmer, vielen noch bekannt als Spaceman Spiff, begleitet die Morgenfahrt nicht nur musikalisch, sondern auch thematisch mit Tiefe: Seine Songs setzen gesellschaftskritische Akzente, erzählen aber zugleich mit großer Offenheit von psychischen Erkrankungen wie Depressionen. 

Damit richtet sich sein Blick nicht nur auf das Schöne, sondern auch auf die dunkleren Seiten des Lebens – achtsam, poetisch, klar. Ein Einstieg ins Festival, der unter die Haut ging. Zurück am Hof eröffnete Philippa Kinsky – klar, eigen, aufrichtig. 


Danach: Samuel Nicholson, gewohnt intensive und für alle ein herausragender Act. Und dann kam die zweite große Überraschung: Nils Keppel. Ursprünglich sprang er für die sehnsüchtig erwarteten Personal Trainer ein – die Indie-Helden aus Amsterdam, bekannt für überbordende Liveshows, orchestrale Setups und viel Krach mit Köpfchen. Doch was als Lückenfüller begann, wurde zum Volltreffer. 

Nils überzeugte mit Charisma, klarer Sprache und musikalischer Wucht auf ganzer Breite. Später am Abend: Isolation Berlin – zum ersten Mal live beim Heimspiel, nach ihrem legendären, kontaktlosen Auftritt bei „Heimspiel Daheim“ während der Pandemie, damals gefilmt von Drohnen, moderiert von Christiane Falk (radioeins). 


Jetzt standen sie endlich vor echtem Publikum – roh, ehrlich, laut. Und den Abschluss des Tages setzte Noga Erez. Headliner, Haltungsträgerin, Ausnahmekünstlerin. Geboren in Israel, nicht im Einklang mit der Politik ihres Landes, dennoch immer wieder auch Zielscheibe von Anfeindungen. Ihre Performance: kompromisslos, klug, kraftvoll. Und ein starkes Zeichen in einem Musikbusiness, das Frauen nach wie vor strukturell benachteiligt. 


Nicht so beim Heimspiel – hier ist Diversität Programm. Auch kulinarisch wurde am Samstag einiges geboten: Im Weinlager der Vinothek fand die exklusive Käse-Wein-Probe statt – mit Klassikern wie Stilton, Comté und Löffelgorgonzola, begleitet von gereiften Tropfen bis zur Trockenbeerenauslese von 2010. In der Vinothek selbst dann die süße Variante: Wein x Macarons – sechs Sorten, von Crème Brûlée bis Pistazie, abgestimmt auf Riesling, Spätburgunder und sogar einen Carménère aus Chile. 

Eine Überraschung für Zunge und Kopf, mit viel Wissen & Charme serviert. Der Sonntag begann erneut poetisch mit Andi Substanz, bevor Karl die Große sich mit Bläsern, Tiefe und einem riesigen, charmanten Augenzwinkern direkt ins Herz des Publikums spielten. 

Chartreuse, bereits im Vorjahr beim Kaltern Pop Festival gesehen (und sofort verliebt), zeigten sich erneut sensibel, klangvoll, nah – bald zudem auch wieder beim Haldern Pop zu hören. 


Zum Abschluss dann International Music: Stilbrüche, Stiltreue, Spiel mit der Erwartung. Zwischen Krautrock, NDW und Indie fand sich die Musik selbst neu – und wir mittendrin. Und wer zwischen all dem lieber zum Pinsel als zum Picknickkorb griff, konnte bei der sonntäglichen Sektverkostung mit Aquarellmalerei unter dem Motto „Genießen und Malen“ zur Ruhe kommen. 

Ein stilles Highlight am Rande – prickelnd und pigmentiert zugleich. 


Heimspiel Knyphausen 2025 war wieder ein Fest der leisen Stärke. Musikalisch wie kulinarisch, organisiert mit Herz, Haltung und einem Blick fürs Detail. Kein Festival für Masse – aber ganz sicher eines für Menschen, die Musik erleben und Gemeinschaft spüren wollen. 

Ganz im Zeichen dafür, dass dieses Liebhaberfestival reift – wie guter Wein. Vom 31. Juli bis 2. August 2026 ruft der Draiser Hof  wieder. Zwischen Musik, Worten, Aromen und Menschen. Der Sommer wird wieder nach Heimspiel schmecken. 

Bericht und Fotos: Denis Schinner]


Dienstag, 6. August 2024

Heimspiel Knyphausen Festival - Eltville - 26.07.-28.07.24

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Konzert: Heimspiel Knyphausen Festival
Ort: Eltville
Datum: 26.07.-28.07.24
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft


Gisbert lädt ein. Frederik öffnet die Pforten, Benjamin und Anna kuratieren und produzieren. Ein tolles Team bringt alles aufs Gelände. Auf ein Neues in 2024. Das Weingut Baron Knyphausen, direkt am Rhein gelegen mit dem feinen Sinn für musikalischen Geschmack und nicht nur für guten Riesling, begrüßt einmal im Jahr eine treue Fangemeinde zu gutem Essen, besten Weinen und hervorragendem Lineup. 

Newcomer, gestandene Singer-Songwriter, Hamburger Schule und immer wieder überraschende Topacts, über die sich alle freuen, aber die irgendwie nie jemand auf dem Zettel hat. Brockhoff, Dekker, Die Sterne, Gisbert himself oder Emilíana Torrini. Auch so geht LineUp.


Anreise am Donnerstag. Base auf der Obstwiese. In diesem Jahr gänzlich Familien vorbehalten, alle anderen können erstmals ein zweites Camp auf dem Sportplatz bevölkern. Erster Überblick und einmal "Hallo" im Headquarter I (der Vinothek) und im Headquarter II (dem Produktionsbüro). Völlig neu ab diesem Jahr ein Graben vor der Bühne. Ich feiere ihn. Und mit Doro kommt eine Fulltime Stagemanagerin.

Zwei Neuerungen, die auf den immer professionelleren Impact dieses außergewöhnlichen Liebhaberfestivals hinweisen. Freitagmorgen und es regnet. Gehört ja dazu. Dennoch startet alles entspannt. Frühstück, Hardware einrichten, ein Glas Wein… 16:00 Uhr Einlass. 

Brockhoff als Opener. Beim OBS wetterbedingt noch aus der Ferne vom FOH gehört und fotografiert, nun erstmals im neuen Festivalgraben. Die Hamburgerin zieht schnell die Aufmerksamkeit auf sich. Mit 23 Jahren das Heimspiel so souverän zu eröffnen, spricht für sich und ihr Potential. Ihre Songs musikalisch ausgereift, stimmlich ginge bestimmt noch etwas.


Ganz anders Dekker. Der fotoscheue amerikanische Singer-/ Songwriter Brookln Dekker zeigt sich von seiner fast besten Seite. Üblicherweise mit seiner Ehefrau Rue Royals unterwegs, seit 2020 mit Erscheinen des Debütalbums „Slow Reveal: Chapter One“ auch Solo. Ein wenig genervt wirkend spielte er sein Set routiniert durch. Und dennoch sind alle hin und weg. Kein Wunder, der zelebrierte Indie-Folk findet den Takt zum Publikum. Dies ist eben ihre Insel.


Gisbert Knyphausen & Band sind der Headliner am ersten Tag. Wenn eine Band nach Jahren wieder zusammenkommt, das Publikum nicht weiß, ob es Regen oder Tränen im Gesicht sind, dann braucht es keinen Text mehr. Der Abend verklingt dabei ganz wunderbar. 

Samstagmorgen und es regnet schon wieder. Warum auch nicht? Dennoch, Haare und Hardware richten und ab zur Reederei Robert Stolz, am Anleger Eltville unterhalb der Burg Kratz. Wahl-Düsseldorfer Rob Godwin spielt sein neustes Projekt, abseits von The Slow Show. Irgendwie, aber zunächst alles verzögert. Rob hatte die Ruhe weg und der Regen ließ nach. Als das Set startete war dann doch irgendwie alles wie immer. Stimmlich ließ Rob nichts vermissen. 


Dabei klangen die Songs noch einen Tick dunkler und tiefer als sonst. Wenn das überhaupt noch möglich sein konnte. Aber ohne Graben und Bühne, dicht davor konnte es schnell, ganz intensiv werden. Konzerte auf dem Heimliner sind eben auch ganz besondere Konzerte.

KaBi & Kuchen mit Anna und Jana, sowie Wein & Käse mit Stefan und Katharina im Rahmenprogramm des Heimspiels. Zwei grossartige Weinproben mit viel Hintergrundwissen und besten Weinen aus dem Rheingau, feinstem Backwerk aus dem Geisenheimer Plattenstübchen und klar, Käse aus dem Eltviller Käseladen. KaBi steht übrigens für Riesling Kabinet und passt tatsächlich besser zum Kuchen als Kaffee. Das Ende vom Lied war jedoch, dass ich mich derart verspätete, dass Soft Loft diesmal ohne mich zurechtkommen mussten. 

Susan O‘Neil; Für mich im nun schon dritten Konzert wächst die irische Songwriterin immer mehr über sich hinaus. Tiefgründig und stimmgewaltig zieht sie die geneigte Hörerschaft in ihren Bann. Es ist begeisternd.


Die Sterne vertreten in diesem Jahr, die zur Zeit heiß diskutierte Hamburger Schule und Frank Spilker macht kurzen Prozess mit der musikalischen Zeitreise durchs Wirken und nichts Müssen. 

Timber Timbre gab es für mich nur aus der Ferne zu verfolgen. Die engen Vorgaben der Band um Taylor Kirk wollten keine Fotografen im Graben. Sei’s drum. Die erste Reihe wird es gefreut haben, bot sich doch nun von Beginn an ungestörter Folkblues mit reichhaltigen musikalischen Facetten. Mal düster, fast morbide, dann wieder poppig daherkommend. Ein eindrucksvolles Rundumsorglospaket. 

Wer wie ich Calexico noch nie live erlebt hat, war erstmal beeindruckt. Eine souveräne Kapelle, die mexikanischen Mariachi, Folk-, Tex-Mex, Country Rock und Latin Jazz vereint. Das musst du erstmal so machen und damit so erfolgreich eine Vielzahl von Festivalbühnen bespielen. Wenn am Ende des Konzertes sowohl Susan O’Neill als auch Festivalmacher Gisbert zu Knyphausen auf die Bühne zu gemeinsamer Performance gebeten werden, dann ist ein musikalisches Erlebnis perfekt, und ein großartiger Abschluss eines dichtbepackten und verregneten Festivalsamstags gelungen.


Am Sonntag schaut dann endlich die Sonne vorbei und traditionell früh, nach Yoga mit Nina und dem Wellness-Frühstück startet mit Willow Parlo die erste Band des Tages. Die Hamburger stehen für verträumten Indie-Pop, und Frontfrau Noemi Bunk bietet dazu stimmlich etwas an, was tatsächlich nachklingt. Meine persönliche Überraschung an diesem Wochenende. 

Der Songwriter Enno Bunger vertont bedeutsame Meilensteine seines Lebens im Piano Pop Style. Tiefsinnig und melancholisch. Nicht selten traurig und tränenrührend. Um der Schwere auch mal die Last zu nehmen, kommt schon mal das Applausometer zum Einsatz und das Publikum darf abstimmen, ob der nächste Song von Depressionen handeln oder die Klimakrise besingen soll. 

Aber ein wenig Selbstironie ist bei dieser Tragik wohl notwendig und hilft nebenher auch dem geneigten Festivalbesucher nicht den Glauben an "… am Ende wird alles gut…" zu verlieren.


Zum grandiosen Abschluss des diesjährigen Heimspiels lässt Emilíana Torrini Miss Flower über Freundschaft, Liebe, Begehren und letztendlich doch beständige Unabhängigkeit erzählen. Das Ganze wird eingerahmt mit Songs aus ihrer jetzt schon langen Bühnenkarriere. Ein ganz ein feiner Abschluss. 


Und dann war es das auch schon wieder. So schnell wie sich am Freitag die Wiese mit Picknickdecken und Familien gefüllt hatte, so schnell leerte sie sich auch wieder. Jeder hatte die wunderbaren Festivalweingläser und den Festivalriesling in der limitierten Edition im Gepäck. Eine großartige Tradition des Heimspiels. Aufräumen, Aftershow und ab nach Hause. 

Sämtliche Spenden, und auch das hat Tradition, ob in bar oder als Pfandspende, gingen in diesem Jahr übrigens an die Eltviller Tafel. 


Am 01.08.2024 startet schon der VVK für das Heimspiel Knyphausen vom 25.-27.07.2025. Schnell sein lohnt sich, das Festival ist seit Jahren stets ausverkauft und wir freuen uns jetzt auf die nächste Ausgabe.

Text und Fotos: Denis Schinner

Donnerstag, 5. August 2021

Heimspiel Knyphausen, Eltville-Erbach, 29.07. - 01.08.21

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Festival: Heimspiel Knyphausen 2021
Ort: Draiser Hof, Eltville-Erbach
Datum: 29.07. - 01.08.2021
Zuschauer: 300 bis 500





Alles auf Anfang! Alles Neu!
- von Denis Schinner - 

Vier Tage. Zwei Bands je Tag. Maximal 500 Besucher. Alle sitzen. Wo soll dass alles noch ein Festivalfeeling entwickeln lassen? Und doch stellt sich (Vor)Freude ein. Bilder vom Aufbau der, zugegebenermaßen recht klein wirkenden, Bühne, das LineUp wird Spaß machen, freies und nicht vorzubestellendes Catering, ein kleines Rahmenprogramm und Wein, Wein, Wein…Irgendwie doch vieles wie früher. Ein kurzer Plausch mit Frederick, Benjamin, Stefan und Anna über die Vorbereitungen und ein paar Eckdaten. Es ist nicht ausverkauft. Für Donnerstag und Sonntag ist noch die Abendkasse geöffnet. Sicherlich ein Resultat der coronabedingten Umstellungen. Die Leute werden sich erst langsam wieder auf Menschenansammlungen einlassen können. Das Heimspiel dauert dieses Jahr vier Tage und Kinder zahlen erstmals den vollen Preis, aufgrund der Vorgaben des Gesundheitsamtes. Denn jede Person zählt. Das hat alles Konsequenzen. Aber die Branche muss starten und jedes wiedererwachende Festival versprüht Hoffnung, auch für diejenigen Macher und Organisatoren, die aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht wieder starten können oder dürfen. 

Tag 1 - Es startet noch entspannter als erwartet. Am Donnerstag waren nur ca. 300 Besucher über den VVK auf dem Gelände. Feste Platzierungen über markierte Tische und Bänke mit ausreichend Abstand sollen die Einhaltung der aktuell in Hessen geltenden Coronaregeln mit absichern. Dazu komplette Registrierung aller vor Ort. Nichts was störend wirkt. Nein, absolut nicht. Die Organisatoren vor Ort haben ganz Arbeit geleistet um ein möglichst unbeschwertes Festivalerleben möglich zu machen. Hut ab! 



Stefanie Shrnk
- dunkelschöner Sound mit Texten voller Schwermut…allein sein ist auch blöd aber zusammen fällt irgendwie auch noch schwer… Und wenn es dann doch noch möglich ist, sich auf der ohnehin kleinen Bühne sich nochmal zu verdichten, dann spricht das für, Ja wofür eigentlich? Der Sound und die Textur passten doch sehr zum Auftakt. Irgendwie tastend, irgendwie unsicher, irgendwie etwas wankelmütig. Steine im Schuh, schmerzende Knie, Wimpern im Auge - wann kommt der Flow zurück? Spucky Action und die Katze von Jesus… manchmal etwas verwirrende Texte, man muss dran bleiben im zu folgen. Geht sitzend fast gut. Zur Zugabe ergänzt endlich eine Gitarre den Sound und es wird leichter und heller. Die Überleitung zum Hauptact des 1. Tages, die Höchste Eisenbahn, mit denen Stefanie vor zwei Jahren zusammen noch auf Tour waren, gelingt nun doch unproblematisch. 



Die Höchste Eisenbahn - Die sommerlichen Festivalgefühle steigern sich beinahe ins fahrlässig Unermessliche, als das Kollektiv anspielt. Abstände verschwimmen kurzzeitig, die Masken fallen und pure Gesichtsnacktheit offenbart sich bei dieser absolut unterbewerten Band! Der ein oder andere spielerische Patzer wird selbstkritisch zwinkernd aufs Homeoffice geschoben. Aber die Kapelle feiert sich und den Abend und alle feiern mit! Erlösend! 

Tag 2 - der Tag startet tiefenentspannt auf der Campingwiese am Weingut. Noch keine 10 Mobile sind am Morgen vor Ort. Kein Gedränge an der Dusche. Alle gechillt! Also ein wenig den Rhein auf und ab. Irgendwo auf einen leichten Riesling einkehren und es sich gut gehen lasse. Auf dem Weg zur 16:00 Uhr Weinprobe dann noch ein bisschen Soundcheck von Gisbert & Kai lauschen und dabei feststellen, dass just auch Texte von Schubert eingespielt werden, die früher mal in der Schule zelebriert wurden. Dejavue quasi… 

Die kleine aber feine Weinprobe führt über vier Stationen mit vier Weinen durch die Geschichte des Gutes und des produzierten Weines. Zweimal an dem Wochenende führt die Weinprobe einen kleinen Kreis von Interessierten an Reben, Trauben, Kessel und Tank, Gährung und Reife heran. Diese netten kleinen Rahmenprogrammpubkte haben sich in all den Jahren des Heimspiels bewährt und wären unter normalen Umständen sicherlich üppiger ausgefallen. So aber - Lieben Dank an Stefan für die Führung und an Eila für die kunstvolle Öffnung der Flaschen! 

Die nun schon erprobte Platzzuordnung schafft weitere Entspanntheit. Des Deutschen liebste Beschäftigung im Urlaub, das Ausbreiten von Handtüchern auf Plätzen, Liegen oder Picknickdecken entfällt hier gänzlich. Alle 500 Besucher:innen (ausverkauft) schlendern entspannt durch die Reihen und suchen ihre gebuchten Tischnummern… 



Ole - Ich wünsche Dir alles Gute und viele Tage am Meer! Was braucht es mehr? Außer vielleicht ein Piano und einen Oli Schulz, der das Tape rauskramt und Gisbert nahe ans Ohr legt. Ein wunderbares leises, lautes, vor allem tiefes Konzert zum Mitlauschen und um dem Rauschen des Meeres hinterherzuhören. Danke! 



Gisbert zu Knyphausen & Kai Schuhmacher - das Schubert Programm, entstanden nach einer Anfrage vo Kai vor rund zwei Jahren, passte sicherlich in die Zeit. Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt. So lässt sich sicherlich die Romantik treffend zusammenfassen. Opulent im Wort und mit dem Arrangement auch opulent im Spiel. Das gesamte Programm, mit Flügel, Streichern, Posaune, E-Gitarre und Drums begleitet, zeichnet das ständige Auf- und Ab zu Schuberts Lebzeiten und transportiert in die Neuzeit. Unterbrochen wird das Set durch etliche bekannte Stücke von Gisbert, zu denen das Publikum Platz immer wieder verlässt und tanzen möchte. Und so reagiert auch das Publikum entsprechend. Mal jauchzend - mal (zu Tode) betrübt. Mal sitzend - mal tanzend! Und man fragt sich, ob der Abend nicht doch noch mehr Leichtigkeit gebraucht hätte. 

Tag 3 - Seepferdchenprüfung. Auf ins Freibad! Bis zum Abend mit erneut 500 Besucher:innen ist viel Zeit und somit erreicht das Entspannungslevel ungekannte Tiefen. Überhaupt entwickelt sich dieses Festival zum entspanntestes Festival ever! 



Ätna - nach deren krankheitsbedingter Absage, wir waren wirklich untröstlich 😢, schickte sich mit Finn Ronsdorf einer an, die Festivalherzen zu erobern, den bislang nur Kenner oder Besucher des letzten ENES kennen mochten. Stimmlich herausragend, eröffnete er dem Publikum 45 Minuten zwischen Staunen, Schmunzeln und absoluter Gebanntheit. Sicherlich viel mehr als nur ein Ersatz!
 


Sophie Hunger - wie gewohnt mehrsprachig zieht die Schweizerin Ihr Publikum vom ersten Akkord an in Ihren Bann. Das neue Album Halluzinationen spielt sie in der Aufnahmebesetzung mit ihr an der Gitarre, Julian Satorius an den Drums, dazu Piano, Horn und fünf Sänger:innen um Marc Beriybill (Cliffs) im Back - der Zauberchor, am Stück und leitet zum Schluss mit dem Codewort „HOPE“ über in die Realität der Neuzeit. Sie schlägt sofort eine Brücke zu jedem, zu jeder Einzelnen im Publikum und genießt dabei die Präsenz. Nichts wird dem Zufall überlassen, neben dem obligatorischen Gitarrenwechsel, werden selbst die Becken an den Drums getauscht um andere Klangfarben erzeugen zu können, sprachlicher Wechsel, mal zart, mal wild und abrupt. Die Backupsingers mal ausgestellt, mal im Vordergrund wenn sich Sophie ans Piano setzt und die Sicht freigibt. 



Der Abend klingt aus mit einer wunderschönen Playlist, tönend aus einer vermeintlich herren-, oder damenlosen Tasche auf einer Weinzeltgarnitur. Es wird (mit Abstand) getanzt und da ist es wieder, das Gefühl der Leichtigkeit und des zu Hause seins. Danke den/derunbekannten Playlistersteller:in! 

Tag 4 - Nun doch etwas geschafft von den vorangegangenen Tagen, glücklicherweise ohne Ausfälle, was durchaus mit der Qualität der probierten Weine zu tun haben dürfte, geht es auf die Zielgeraden. Shopping in der Vinothek, noch ein Café in der Strandbar und ein wenig Soundchecklauscherei bei den wunderbaren Black Sea Dahu. WoMo abfahrbereit richten und auf zum legendären Tisch 32 mit neu gewonnen Musikfreunden aus Magdeburg und Darmstadt. Die feste Zuordnung der Tische und Plätze hätte auch ins Auge gehen können. Danke an Stefanie & Matthias, Petruna & Hanno, Helena oder Michael für die sehr kurzweilige Zeit und den gemeinsamen Spaß! 



Lúisa - feinster Indiepop aus Hamburg. Bereits das zweite Mal nach 2017 beim Heimspiel, damals noch solo, heute von Matze am Bass und Lasse an den Drums unterstützt. Lieder vom Kommen, Bleiben und Gehen. Mal als Chanson getarnt, mal kraftvoll tanzbar. Schöööön! 


Black Sea Dahu - Mein ganz persönliches Finale. Die Züricher Band um die drei Geschwister liefern seit Jahren wirklich, wirklich grandiose Konzerte ab. Dabei nehmen sie die Zuhören mit in ungeahnte Tiefen und tauchen mit ihnen ganz ein in das komplette Gefühlsspektrum. Das Ganze wird sorgfältig und dicht arrangiert mit einem hörbaren Verständnis für das Ganze. Die Zugaben beziehen alle mit ein. Die Bühne wird ins Dunkel gelegt, eine Passage mit dem Publikum wird eingeübt und die Band und die Musik verschmelzen mit dem gesamten Festival. Eine weitere Zugabe wird ohne Probe gespielt. Dass dies möglich wird, zeigt die ganze Qualität von Black Sea Dahu. Denn der Song erscheint erst in rund zwei Monaten ;) 




Was bleibt am Ende? Mich beschleicht das Gefühl einiges gerne in die „neue“ Festivalzeit mit hinübernehmen zu wollen. Weniger Besucher, mehr Platz, Genuss und Qualität, überhaupt mehr Qualität bei begrenzter Quantität! Und ich bemerke bei mir eine Veränderung dahingehend, dass ich Konzertbesuche wohl zukünftig eher nach Orten wähle und nicht mehr nur ausschließlich nach den Bands. So könnten sich die Orte mit den besten Konzepten durchsetzen. Konzepte die Sicherheit und Unbeschwertheit fördern und nicht noch den letzten Euro herausholen müssen. Eben Orte wie das Weingut Baron Knyphausen! Mein Dank gilt Frederick, Benjamin, Stefan, Anna und all den nicht genannten Macher:innen dieses famosen kleinen, feinen Festivals! See you I’m nächsten Jahr! Es war wunderbar! Fühlt Euch gedrückt! Die ganze Galerie in Kürze auf www.desc-photography.com




Montag, 5. August 2019

Heimspiel Knyphausen Festival, Eltville, 26.-28.07.19

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Konzert: Heimspiel Knyphausen Festival
Ort: Eltville/Rhein
Datum: 26.07.-28.07.2019
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ca. 2.000 ausverkauft



Die Nachlese zum Heimspiel Knyphausen 2019:  Bekanntermaßen flippe ich nicht gerade vor Freude aus, wenn es heißen würde: „...willst du mich auf einem 80.000er Festival vertreten?“ Von "Roskilde" oder auch dem "Sziget" mal abgesehen. Aber wenn die Frage kommt: "Hättest du Lust und Zeit zum Heimspiel nach Eltville zu fahren ?", dann geht mir schon das Herz auf. 

Mein inneres musikalisches Kind jubelte sehr. Bedeutet es doch, eines der sympathischsten, kleinen Genießerfestivals zu besuchen, die Deutschland zu bieten hat. Einerseits so groß, dass namhafte Künstler vors Ohr kommen, aber doch so klein und fein, dass sich Neues und Interessantes entdecken lässt.



Das Ganze zu einem fairem Preis und mit einem absoluten "Genußrahmen" versehen, wie es sich sonst nur noch beim "Kaltern Pop Festival" finden lässt. Ach ja, und im Oktober 2018 bereits innerhalb von 36 Stunden ausverkauft zu sein, könnte ja auch ein Qualitätsmerkmal sein.

Das Festival blickt auf eine noch junge Tradition zurück. Es begann mit Solokonzerten des deutschen Singers Gisbert zu Knyphausen, der auf dem Hof aufgewachsen ist, der jetzt das Festivalgelände darstellt.

Draiser Hof,  auf der Grenze zwischen Eltville und Erbach im Rheingau, erster Wirtschaftshof des Zisterzienserklosters Eberbach, und heute Sitz des Weingutes Baron Knyphausen. Jährlich kehrt Gisbert zu Knyphausen in den Rheingau zurück und begeistert dann mit seiner Musik und seiner Musikauswahl. 



Es entstand der Wunsch auch befreundete Bands und Solokünstler einzuladen. Damit war das Heimspiel zu Knyphausen geboren. Im Jahr 2014 wurde aus der eintägigen Veranstaltung erstmals ein ganzes Festivalwochenende. Der Draiser Hof wurde um eine bedeutende Tradition reicher. In den vergangenen Jahren hat sich das "Heimspiel Knyphausen" einen exzellenten Ruf als Musikfestival erworben und zieht seither Jahr für Jahr Musikfans aus dem ganzen Bundesgebiet auf das wunderschöne Weingut am Rhein. 

Eine charmante Familie und ein sehr nettes Team verwandeln den Familiensitz in eine kleine Oase ohne den üblichen Festivaltrubel. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich mit dem erweiterten Line up (u.a. waren Element Of Crime, Kettcar, Olli Schulz, Sophie Hunger, Kante und die irischen Villagers zu Gast), der Kreis der Fans dieses Festivals auch musikalisch stark erweitert. 

In diesem Jahr präsentierten die Heimspiel-Organisatoren um Gisbert ein spannendes Line Up. Das Ganze wurde flankiert: zum Beispiel mit Pre-Festival Dinner oder auch Lunch, einer maritim musikalischer Bootsfahrt, oder der exklusiver Frühstückstüte. 

Dazu beste Weine und einfach ein gewisser Chic. Apropos: beste Weine - als Biertrinker musst du dich auf diesem Festival schon umstellen, sprich: es gibt nur Wein. 



Freundlich begrüßt wird man am Eingang mit dem obligatorischen, ersten von drei Tagesgläsern. Und wo Menschen zusammenkommen ist auch Gelegenheit Gutes zu tun. Was für die einen "Sea Watch" oder "Viva von Aqua" ist, ist für das Heimspiel die lokale "Philipp-Kraft-Stiftung".

Ziel war die Sammlung von 1000€ für den Jugendpark der Kulturen. Der JuPaKu bietet einen Begegnungsort für junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, mit und vlt. (noch) ohne Heimat. Vorbehalte abbauen und um Verständnis und Vertrauen aufzubauen. 

Eine sinnvolle und tolle Aktion. Weitere Infos unter www.philip-kraft-stiftung.de Eine entspannte Eröffnung durch Gisbert, den Bruder und den Vater, der noch ein wenig Historie zum Draiser Hof besteuert und dann ging es auch schon los mit Ilgen-Nur.

Der Sound der Hamburger war anfänglich noch ein wenig schwach auf der Brust. Der präsentierte Indie-Pop wirke etwas gefällig, jedoch gebührt der ersten Band des Festivals bei weit, weit über 30‘ dann doch aller Respekt. Zumal alles entspannt und freundlich ablief.



Danach folgten die Damen von Gurr. Das Grungepostpunkkollektiv (oder kennt jemand tatsächlich Slacker-Pop?) zündet den ersten Turbo. Als Intro wurden Nirvana Tribut gezollt und die Besucher wurden freundlich aber bestimmt von ihren Picknickdecken gebeten und los ging’s. Überhaupt , die Picknickdecken. Diese gehören wohl zum Heimspiel wie ein Schwarm Mücken zu einem stehenden Gewässer - So will es das Gesetz! 



Was in früheren Jahren sicherlich gut funktioniert hat, kommt so langsam aber sicher an die Grenze des Belastbaren. Denn sofern man nicht ganz stumpf die Decken quert, muss man schon genau hinsehen, wohin man hier tritt. Der Einladung zum Crowdsurfen an Gisbert und den ein oder anderen Mutigen aus dem ersten Reihen folgten pogende Eltern, deren Kinder Hunger hatten, und diese öffentlich ausgerufen ließen. Was für ein Spaß! 

Das gesamte Set wechselte zwischen eigenen Stücken und den zum Teil genial interpretierten Covern, z.B. Fettes Brot mit ihrem „Jein!“ Es machte eine Unmenge Spaß und zum Ende wurden dann nochmal Ilgen-Nur auf die Bühne gerufen. Die Vorfreude wächst auf das Haldern Pop Festival. Gurr werden dort die HaldernPopBar abbauen.



Tocotronic. Einer der Gründe, warum ich an diesem heißesten Wochenende überhaupt das Wohnmobil bewegt habe, überzeugen restlos. Weit über 20 Jahre Bühnenerfahrung und unzählige herausragende Songs begeistern hier spielend die versammelten Musikenthusiasten. 



Und das ist dann auch die Zeit, zu der die Generationen zusammenrücken, die Weingläser klingen lassen und den Abend gemeinsam "electroguitarmässig" erklingen lassen. Was du auch machst - mach es nicht selbst! 

Kein wirkliches Motto für diesen Abend, aber dennoch genial einfach getextet und wie gemacht für ein Festival, das alle mit Gisbert zu Knyphausen verbinden, aber alles läuft nur, weil viele tolle Menschen sich so sehr engagieren.

Nullmillimeter als Opener und Orientierung für den Samstag, Tag 2. Teilweise langjährige Freunde und Weggefährten Gisberts finden sich zu einem neuen Bandprojekt zusammen und zelebrieren Texte über die Liebe und das Leben. Herausragend liebevoll und treffend. Tja, und wer’s nicht hören mag - „...Stell dich in die Ecke und heul doch!...“ Alleine der Name ist schon genial - Theodor Shitstorm. 

Imposanter Auftritt des Duetts mit tiefen, nicht nur eigenen, Texten. Es scheint zudem eine besondere Beziehung zu Reinhard May zu geben, dem Liedermacher aus, man höre: (West)Berlin. Immer wieder wird er bemüht. Dabei erscheint der Tiefgang der Texte mal verspielt, mal packend. Und nix für ungut, aber am Schlagzeug sitzt heute die beste Vertretung der Welt.

Sie hat sich anscheinend aushilfsweise eingearbeitet und spielt alles so sauber, dass es eine Freude ist. Am Ende entscheiden aber die Kinder. Oder eher die Kinderlieder. „...Ich habe keinen Hunger, ich habe keinen Durst - ich will einfach meine Extrawurst!...“ Wer weiß schon, dass diese Band auch Kinderlieder auf CD einspielt oder beim WDR an einem Kinderliedercontest mitgewirkt hat.

ClickClickDecker - schlichter, schön schnörkelloser Deutschsprech. Und seit Udo Lindenberg endlich auch mal wieder Kinder auf der Bühne. Es waren die Kinder des Drummers. Sehr schöne Hamburg-Berliner Kombination. Und der Geburtstag vom Bassmann wurde auch noch besungen. 

Another Sky - Vergleiche hinken ja bekanntlich, aber wer die Briten bisher noch nicht auf dem Zettel hatte und sich fragt, wo lassen sie sich einnorden,  muss dann zwangsläufig die Line zu London Grammar ziehen. Ein wunderbares Konzert mit ganz eigenem Charme und stimmlichem Zauber !

Es war das erste Deutschlandkonzert der vier Londoner*innen und es wird mit Sicherheit nicht das Letzte bleiben. (Auch beim Halder Pop noch zu bestaunen).



Genau wie Brandt Brauer Frick - die herausragenden Elektrospezialisten bilden den grandiosen Abschluss des heutigen Tages. Stimmungsvoll knallen die Beats über das Anwesen und bis in die letzte Reihe wird getanzt, gewippt oder zumindest technokratisch der Fuß bewegt. Der abendlich stimmungsvolle Gig war ein grandioser Tagedeckel. Der Tag geht zu Ende wie er begonnen hat - mit Schweiß und Regen auf der Stirn. 



Der Tag 3 beginnt in der Nacht wieder mit Regen. Es wird "ein Tag wie ein Schwein". Nur nochmal zur Erinnerung: Fortuna Ehrenfeld gehört nicht nur für mich zum Besten, was die deutschsprachigen Bühnen derzeit zu bieten haben. Die Knyphausens Matinee startet mit den Kölner Textpoeten und auch wenn ich mittlerweile schon einigen Konzerten lauschen durfte, ich werde dieser Musik wohl nicht so schnell überdrüssig. 

Während Jenny Thiele und Paul Leonard Weißer bereits am Samstag anreisten, bretterte Martin Bechler in der Nacht aus Hamburg heran. Alles kein Zuckerschlecken. Fortuna Ehrenfeld sehen sich ja selbst noch als sehr junges "Unternehmen" und das führt dann auch schonmal dazu, sich viel Stress anzutun. 

Das anschließende meet and greet dauert fast 1,5 Stunden und immer noch schweißnass gebadet verabschiedet sich Martin, nicht ohne ein Merci mit seinem Edding auf meinem Shirt zu hinterlassen. Ich werde es wohl nie wieder waschen.... ?!



Nils Frevert. Dem deutschen Singer/Songwriter gebührt der Abschluss eines insgesamt tollen Festivals. Doch zunächst fällt erst einmal der Strom aus. Die  Akkorde waren gespielt und dann Stille auf dem Platz. Wer in der ersten Reihe stand konnte zumindest noch ein improvisiertes Akustikset verfolgen. 



Nils Frevert versucht die Zeit irgendwie entspannt zu füllen, während im Hintergrund die Stromversorgung wieder hergestellt wird. Frevert textet und spielt sicherlich in der Tradition der Hamburger Schule, der nicht nur seine frühere Band Nationalgalerie angehörte, sondern auch der Headliner vom Freitagabend, Tocotronic. Klein ist die Welt, aber denke daran - du kannst nicht immer 17 sein. 



Mit zwei Kisten Knypausener Riesling unterm Arm ging es beseelt und doch auch ein wenig müde zurück auf die Autobahn. Das „bis nächstes Jahr!“ ging mir beim Verabschieden dann doch recht leicht über die Lippen....

Bericht und Fotos: Denis Schinner 


 

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