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Mittwoch, 13. August 2025

Heimspiel Knyphausen Festival 2025

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Konzert: Heimspiel Knyphausen
Ort: Eltville
Datum: 25.07-27.07.2025
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft


Giesbert lädt ein – und wieder füllt sich der Draiser Hof mit Klang, Kunst und ganz viel Seele. Vom 25. bis 27. Juli 2025 verwandelte sich das Weingut Baron Knyphausen wieder in einen der stimmungsvollsten Orte für Musikliebhaber:innen zwischen Reben, Rhythmus und Riesling. 

Rund 2.500 Gäste fanden sich ein – das Festival war restlos ausverkauft. Heimspiel eben, auch wenn angesichts der eher düsteren Wetterprognosen zuletzt sogar noch Camperticktest von privat zu privat zu bekommen waren. 

Die FAZ nannte es treffend „ein besonderes Fest“ – ein Festival, das sich bewusst klein hält, ohne dabei an Relevanz zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Statt Massenspektakel: echte Gläser, Kindertribüne, Picknickdecken und na klar Gummistiefel. 


Und ein Line‑Up, das nicht auf Retro-Nostalgie, sondern auf aktuelle Klangmomente setzt. Kuratiert mit Herz und Haltung – von Gisbert zu Knyphausen und Benjamin Metz. Schon am Donnerstag: Anreise, Aufbau, Wiedersehen. Obstwiese für Familien, Sportplatz, Pensionen oder Hotel für alle anderen. Die Stimmung war sofort da. Der Bühnengraben diesmal passend von Johannes und seinem Team platziert und auch und Doro als Stage Managerin war wieder an Bord. Mehr Überblick, mehr Ruhe – vor wie hinter der Bühne. 


Und wie immer: ein Festival, das wächst, ohne sich zu verbiegen. Noch bevor der erste Ton erklang, klapperte es: Andi Substanz aus Münster – Poetry Slammer, Lyriker und Maschinenpoet – war an allen drei Tagen präsent. Zwischen Open Doors und dem ersten Gig setzte er sich mit seiner Reiseschreibmaschine unter Bäume und zwischen Bänke, nahm Stichworte entgegen und tippte Gedichte. Direkt, persönlich, liebevoll. Eine neue (?) Festivaltradition zum Mitnehmen. Und ein Beweis dafür, dass beim Heimspiel nicht nur Musik, sondern auch Poesie in der Luft liegt. 

Der Freitag begann mit einer leisen Wucht: Edna Million eröffnete das Festival – und war meine ganz persönliche Überraschung. Eine Performance, so reduziert wie eindringlich. Eine Stimme, die nicht gefallen will, sondern erzählt. Und das mit einer Tiefe, die bleibt. Danach: Tonbruket. Die schwedische Band mit Jazzwurzeln und Postrock-Vision schuf einen Raum, in dem sich Genres auflösten und das Publikum einfach hineinfiel. Ihr Auftritt war dabei nicht zufällig – Gisbert selbst hatte sich Tonbruket explizit gewünscht, ein Herzensact. Und dieser Wunsch zahlte sich aus: Das Zusammenspiel von atmosphärischer Klangarchitektur, instrumentalem Erzählen und musikalischer Weite war pure Festivalmagie. 


Zum Abschluss des ersten Abends dann Warhaus. Die Band beendete den Tag mit melancholischer Grandezza – belgischer Nachdenklichkeit, cineastischem Sound und einem Auftritt wie ein gutes Buch: dunkel, dicht, nachwirkend. Warhaus wurde 2016 als Solo-Musikprojekt von Maarten Devoldere, Frontmann der belgischen Band Balthazar, ins Leben gerufen. Teile der Songs wurden damals sogar mit der Stammband eingespielt. Schon das Debütalbum „We Fucked a Flame into Being“ (2016) war eine künstlerische Wucht – dunkel, elegant, intellektuell aufgeladen. 2024 folgte die vierte Platte: „Karaoke Moon“. Der Titel ist nicht nur Zitat, sondern Konzept – denn Karaokeeinlagen mit dem Publikum gehören seitdem gern ins Live-Set. 


Auch beim Heimspiel wurde das Mikro im besten Sinne geteilt. Der Samstag begann auf dem Rhein: Heimspiel-Liner mit Hannes Wittmer. Zwei Konzerte, zwei Fahrten, viele Gänsehautmomente – zwischen Wasser, Wind und Weinglas. Wittmer, vielen noch bekannt als Spaceman Spiff, begleitet die Morgenfahrt nicht nur musikalisch, sondern auch thematisch mit Tiefe: Seine Songs setzen gesellschaftskritische Akzente, erzählen aber zugleich mit großer Offenheit von psychischen Erkrankungen wie Depressionen. 

Damit richtet sich sein Blick nicht nur auf das Schöne, sondern auch auf die dunkleren Seiten des Lebens – achtsam, poetisch, klar. Ein Einstieg ins Festival, der unter die Haut ging. Zurück am Hof eröffnete Philippa Kinsky – klar, eigen, aufrichtig. 


Danach: Samuel Nicholson, gewohnt intensive und für alle ein herausragender Act. Und dann kam die zweite große Überraschung: Nils Keppel. Ursprünglich sprang er für die sehnsüchtig erwarteten Personal Trainer ein – die Indie-Helden aus Amsterdam, bekannt für überbordende Liveshows, orchestrale Setups und viel Krach mit Köpfchen. Doch was als Lückenfüller begann, wurde zum Volltreffer. 

Nils überzeugte mit Charisma, klarer Sprache und musikalischer Wucht auf ganzer Breite. Später am Abend: Isolation Berlin – zum ersten Mal live beim Heimspiel, nach ihrem legendären, kontaktlosen Auftritt bei „Heimspiel Daheim“ während der Pandemie, damals gefilmt von Drohnen, moderiert von Christiane Falk (radioeins). 


Jetzt standen sie endlich vor echtem Publikum – roh, ehrlich, laut. Und den Abschluss des Tages setzte Noga Erez. Headliner, Haltungsträgerin, Ausnahmekünstlerin. Geboren in Israel, nicht im Einklang mit der Politik ihres Landes, dennoch immer wieder auch Zielscheibe von Anfeindungen. Ihre Performance: kompromisslos, klug, kraftvoll. Und ein starkes Zeichen in einem Musikbusiness, das Frauen nach wie vor strukturell benachteiligt. 


Nicht so beim Heimspiel – hier ist Diversität Programm. Auch kulinarisch wurde am Samstag einiges geboten: Im Weinlager der Vinothek fand die exklusive Käse-Wein-Probe statt – mit Klassikern wie Stilton, Comté und Löffelgorgonzola, begleitet von gereiften Tropfen bis zur Trockenbeerenauslese von 2010. In der Vinothek selbst dann die süße Variante: Wein x Macarons – sechs Sorten, von Crème Brûlée bis Pistazie, abgestimmt auf Riesling, Spätburgunder und sogar einen Carménère aus Chile. 

Eine Überraschung für Zunge und Kopf, mit viel Wissen & Charme serviert. Der Sonntag begann erneut poetisch mit Andi Substanz, bevor Karl die Große sich mit Bläsern, Tiefe und einem riesigen, charmanten Augenzwinkern direkt ins Herz des Publikums spielten. 

Chartreuse, bereits im Vorjahr beim Kaltern Pop Festival gesehen (und sofort verliebt), zeigten sich erneut sensibel, klangvoll, nah – bald zudem auch wieder beim Haldern Pop zu hören. 


Zum Abschluss dann International Music: Stilbrüche, Stiltreue, Spiel mit der Erwartung. Zwischen Krautrock, NDW und Indie fand sich die Musik selbst neu – und wir mittendrin. Und wer zwischen all dem lieber zum Pinsel als zum Picknickkorb griff, konnte bei der sonntäglichen Sektverkostung mit Aquarellmalerei unter dem Motto „Genießen und Malen“ zur Ruhe kommen. 

Ein stilles Highlight am Rande – prickelnd und pigmentiert zugleich. 


Heimspiel Knyphausen 2025 war wieder ein Fest der leisen Stärke. Musikalisch wie kulinarisch, organisiert mit Herz, Haltung und einem Blick fürs Detail. Kein Festival für Masse – aber ganz sicher eines für Menschen, die Musik erleben und Gemeinschaft spüren wollen. 

Ganz im Zeichen dafür, dass dieses Liebhaberfestival reift – wie guter Wein. Vom 31. Juli bis 2. August 2026 ruft der Draiser Hof  wieder. Zwischen Musik, Worten, Aromen und Menschen. Der Sommer wird wieder nach Heimspiel schmecken. 

Bericht und Fotos: Denis Schinner]


Donnerstag, 28. November 2024

Kaltern Pop Festival - Kaltern (IT) - 26.10.-28.10.2024

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Konzert: Kaltern Pop Festival 2024
Ort: Kaltern am See (IT)
Datum: 26.10.-28.10.2024
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: voll


Es ist schon immer eine Herausforderung, dieses Festival. Letzte Herbstferienwoche Nordrhein Westfalen ist dafür immer blockiert und der Rückweg ist dann zeitlich ganz knapp bemessen, so denn schulpflichtige Kinder oder Lehrkräfte mit involviert sind. Nützt aber alles Nix! 

Das Kaltern Pop Festival ist außerhalb von Pandemien und abseits von familiären Jubelterminen eine feste Größe im Festivalkalender. Zudem ist es natürlich auch das Festival mit dem schönsten Drumherum im schönsten Dorf Südtirols, 

Der erste Abend des Ankommens gehört stets der Begegnung. Freunde aus allen Himmelsrichtungen treffen sich in Kaltern und der näheren Umgebung zum Wein und gutem Essen in den hervorragenden Lokalitäten des Ortes. Zum Stern, dem Rottenbacher Hof, im Weißen Rössl, der Weinschmiede, dem Drescher Keller oder zur Linde. 

Viele weitere müssten hier wohl noch genannt werden. Doch am Ende des Tages versammeln sich alle bei Stefan und Peter in der Kaltern Pop Bar. Oder wie es eigentlich heißen müsste: dem Fixstern des Kaltern Pop Festivals! 

Lasst uns hier immer zusammenkommen ! Die Eröffnung des Festivals durch Cantus Domus aus Berlin ist ein absoluter Pflichttermin. Klassik oder Moderne, Bach oder Batkovic, dieser großartige Chor lässt nichts aus und es  niemanden in der Franziskanerkirche, der nicht angefasst wirkt. Das ein und das andere Tränchen wird verdrückt oder verwischt. Standing Ovation! 

Viel Zeit bleibt nicht um das Südtiroler Weinmuseum aufzusuchen. Glücklicherweise geht es danach bergab zu Fitzgerald & Rimini aus der Schweiz. Das Duo poesiert Lieder voller Bilder, die um die Welt gehen und durch die Zeiten springen. Bosporus - Milli, die Hooligan aus UK - Typhus - Klangwelten mit Akkuschrauber und Laptop… dazu eine verrucht sinnliche Stimme. Alles mehr als schick. 
Wieder bergauf zum Vereinshaus. Turbo Trööt - Balkan Brass Punk.  Funktionierte letztjährig als Open Air und als Walking Act großartig. Auf der Bühne im Vereinshaus war es für mich eher nicht passend. Aber die Band tat alles um mich zu überzeugen. 

Wieder bergabwärts zu Zoll & Saturn - Eine fantastische "One Man" Loop Show. Hat mich allerdings auch ein wenig an Emil erinnert. Wo war der eigentlich in diesem Jahr…? 

Für Font (US) allein hätte sich die Anreise gelohnt. Holy Shit! Alles was mit zwei Drumsets daherkommt gilt es zu inhalieren. Dunkel. Kraftvoll. Indie. Fantastisch! 

Für die Geschichten voller Dreck und Schund, gepaart mit grenzenloser Ehrlichkeit, Wiener Schmäh und Rotzigkeit steht Voodo Jürgens. Gnadenlos gut! „denn es ist mir Wurst wo du herkommst oder was du macht. Hauptsache ist, dass du jetzt da bist!“ Stell dir vor… Voodoo Jürgen träfe Udo Jürgens. David und Stefan. Das wäre ein Ereignis.

Neuer Tag - und neue Startschwierigkeiten nach dem gestrigen, feuchten Ausklang in der „Kaltern Pop Bar“. Da kommt ein wenig Sonnenschein zu guter Musik mit Gringo Mayer und Gina Été im Innenhof des Ansitz Windegg gerade recht. Bei heißen Maronen und einem Lagrein lässt sich der Nachmittag entspannt angehen. 

Deutlich intensiver ging es dann im Vereinshaus bei Godwin weiter. Das Soloprogramm von Rob Godwin ist so dermaßen gefühlseinfließend dicht und fast filigran, wäre, ja wäre da nicht dieser eindringliche Bariton. Untermalt von Lambert am Klavier fasste dieses Konzert alle dermaßen an, dass tatsächlich über weite Strecken kein Gespräch, keine übliche Unruhe oder Bewegung zu verspüren war. 
Ganz anders bei St.Paul Tschäss Band. Die Lokalmatadore lieferten besten Jazz im Weinmuseum. Zurück im Vereinshaus begeistert Mel D. ein etwas verschüchtertes Publikum. Warum auch immer, es dauerte ein wenig, bis der Funken übersprang, aber dann war es ein wunderschönes Fenster ins Überallhin. Duo Udite. Der Slot im Weinmuseum brauchte Mut! 

Die vertonte Lebensgeschichte zweier italienischer Frauen brachte den ein oder anderen zum genussvollen Verstummen. Keine leichte  Kost, Aber wer die Beiden und ganz besonders Bettina im weiteren Festivalverlauf bei dem ein oder anderen Konzert getroffen hat, der konnte die durchdringende Begeisterung für dieses Festival erleben. Und als sie ein schallendes „Bravo“ Fabrizio Cammerata entgegenschmetterte, konnte man erleben, mit welcher Leidenschaft Kunst überall und zu jeder Zeit aufgesogen wird.
Adam French - nach vielen Jahren war er mal wieder in Kaltern und brachte mit eingängigem Sound schnell alle auf seine Seite. Für viele war er ein absolutes Highlight des Wochenendes. Beim Verlassen zur Umbaupause überraschten Ben e Blame & the Sugar Shame im Foyer mit gutgegartem Selbstaufgelegten. Zappelnd lässt sich die Stunde Umbau gut überdauern… 

Wer ein Medley, ein Best Off von Gisbert zu Knyphausen, Kid Kopphausen, Gisbert zu Knyphausen & Band und Husten brauchte, der war hier richtig. Dazu ein Set zusammen mit Cantus Domus. Eines steht fest. Es gibt Künstler an denen ich mich wohl nicht satthören kann - Gisbert zu Knyphausen gehört unweigerlich dazu.

Die traditionell samstägliche Matinee im Fest- und Ballsaal des früheren Grandhotel Penegal war fast überfüllt. Dicht an dicht wollten gefühlt diesmal wohl alle Besucher diese einzigartige Stimmung mitnehmen, und die Künstler in leisem Arrangement erleben. 

Chartreuse, Gina Été, Mel D., Adam French, Fabrizio Cammerata, Gisbert zu Knyphausen und Cantus Domus verzauberten für zwei Stunden die ohnehin klangvolle Welt noch ein Stückchen mehr. Nach der kurvenreichen Abfahrt vom Mendelpass durfte sich das verwöhnte Publikum einen weiteren Set von Fabrizio Cammerata leisten - ein opulenter und großartiger Auftritt des kleinen, großen Italieners mit seiner Wahnsinnsstimme, großer Gestik und noch noch größerem Chor. Cantus Domus in der Franziskanerkirche schaffte herausragend den Übergang zum letzten Abend. Ein Fest in absoluter Reife. Schwerer und gehaltvoller ist kein Lagrain. 

Nominiert auch für das beste Lichtdesign des Festivals. In dunklem Rot und Blau tauchte man mit Gina Etá in sanfte und wunderbar tragende elektronische Klangwelten ab, begleitet von einem Streicherinnentrio und ihrem kongenialen Partner…..und dabei immer mit einem gewinnendes Lächeln im Gesicht.


Die dahinterstehende Wut bricht sich nur selten Bahn. Bisou Gina ! Für Chartreuse tanzen sich die Massen im Foyer des Vereinshauses bei einem Surprise Surprise Act mit Ben E Blame & Sugar Shame warm. Was die Briten dann ablieferten blieb lange hängen. Und dabei kamen die vier völlig unpathetisch und nahbar daher. Wir werden sie im Blick behalten. 

Adam French im Klostergarten der Franziskanerkirche. Verlegt vom innen und außen beschreibt wohl ganz gut das Set. Der Garten war gefüllt und in tiefstes Rot gehüllt. Drei Sets in drei Locations die unterschiedlicher kaum sein können. Er bespielt sie alle. Endless Wellness (AUT) - Bester deutschsprachiger Indiepunk. Sie tanzen und fühlen die Enge der Bühne. Mit einem Unterschied: sie erscheinen gnadenlos optimistisch. Rufen! Wecken! Vereinen! 

Und so endet KalternPop 2024 für mich. Ein Gruß geht noch an Zolf & Saturn. Dem finalen Slot trauerte ich auf dem Brennerzubringer nach. Ich hätte mich so gerne noch ein wenig treiben lassen.


Dienstag, 6. August 2024

Heimspiel Knyphausen Festival - Eltville - 26.07.-28.07.24

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Konzert: Heimspiel Knyphausen Festival
Ort: Eltville
Datum: 26.07.-28.07.24
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft


Gisbert lädt ein. Frederik öffnet die Pforten, Benjamin und Anna kuratieren und produzieren. Ein tolles Team bringt alles aufs Gelände. Auf ein Neues in 2024. Das Weingut Baron Knyphausen, direkt am Rhein gelegen mit dem feinen Sinn für musikalischen Geschmack und nicht nur für guten Riesling, begrüßt einmal im Jahr eine treue Fangemeinde zu gutem Essen, besten Weinen und hervorragendem Lineup. 

Newcomer, gestandene Singer-Songwriter, Hamburger Schule und immer wieder überraschende Topacts, über die sich alle freuen, aber die irgendwie nie jemand auf dem Zettel hat. Brockhoff, Dekker, Die Sterne, Gisbert himself oder Emilíana Torrini. Auch so geht LineUp.


Anreise am Donnerstag. Base auf der Obstwiese. In diesem Jahr gänzlich Familien vorbehalten, alle anderen können erstmals ein zweites Camp auf dem Sportplatz bevölkern. Erster Überblick und einmal "Hallo" im Headquarter I (der Vinothek) und im Headquarter II (dem Produktionsbüro). Völlig neu ab diesem Jahr ein Graben vor der Bühne. Ich feiere ihn. Und mit Doro kommt eine Fulltime Stagemanagerin.

Zwei Neuerungen, die auf den immer professionelleren Impact dieses außergewöhnlichen Liebhaberfestivals hinweisen. Freitagmorgen und es regnet. Gehört ja dazu. Dennoch startet alles entspannt. Frühstück, Hardware einrichten, ein Glas Wein… 16:00 Uhr Einlass. 

Brockhoff als Opener. Beim OBS wetterbedingt noch aus der Ferne vom FOH gehört und fotografiert, nun erstmals im neuen Festivalgraben. Die Hamburgerin zieht schnell die Aufmerksamkeit auf sich. Mit 23 Jahren das Heimspiel so souverän zu eröffnen, spricht für sich und ihr Potential. Ihre Songs musikalisch ausgereift, stimmlich ginge bestimmt noch etwas.


Ganz anders Dekker. Der fotoscheue amerikanische Singer-/ Songwriter Brookln Dekker zeigt sich von seiner fast besten Seite. Üblicherweise mit seiner Ehefrau Rue Royals unterwegs, seit 2020 mit Erscheinen des Debütalbums „Slow Reveal: Chapter One“ auch Solo. Ein wenig genervt wirkend spielte er sein Set routiniert durch. Und dennoch sind alle hin und weg. Kein Wunder, der zelebrierte Indie-Folk findet den Takt zum Publikum. Dies ist eben ihre Insel.


Gisbert Knyphausen & Band sind der Headliner am ersten Tag. Wenn eine Band nach Jahren wieder zusammenkommt, das Publikum nicht weiß, ob es Regen oder Tränen im Gesicht sind, dann braucht es keinen Text mehr. Der Abend verklingt dabei ganz wunderbar. 

Samstagmorgen und es regnet schon wieder. Warum auch nicht? Dennoch, Haare und Hardware richten und ab zur Reederei Robert Stolz, am Anleger Eltville unterhalb der Burg Kratz. Wahl-Düsseldorfer Rob Godwin spielt sein neustes Projekt, abseits von The Slow Show. Irgendwie, aber zunächst alles verzögert. Rob hatte die Ruhe weg und der Regen ließ nach. Als das Set startete war dann doch irgendwie alles wie immer. Stimmlich ließ Rob nichts vermissen. 


Dabei klangen die Songs noch einen Tick dunkler und tiefer als sonst. Wenn das überhaupt noch möglich sein konnte. Aber ohne Graben und Bühne, dicht davor konnte es schnell, ganz intensiv werden. Konzerte auf dem Heimliner sind eben auch ganz besondere Konzerte.

KaBi & Kuchen mit Anna und Jana, sowie Wein & Käse mit Stefan und Katharina im Rahmenprogramm des Heimspiels. Zwei grossartige Weinproben mit viel Hintergrundwissen und besten Weinen aus dem Rheingau, feinstem Backwerk aus dem Geisenheimer Plattenstübchen und klar, Käse aus dem Eltviller Käseladen. KaBi steht übrigens für Riesling Kabinet und passt tatsächlich besser zum Kuchen als Kaffee. Das Ende vom Lied war jedoch, dass ich mich derart verspätete, dass Soft Loft diesmal ohne mich zurechtkommen mussten. 

Susan O‘Neil; Für mich im nun schon dritten Konzert wächst die irische Songwriterin immer mehr über sich hinaus. Tiefgründig und stimmgewaltig zieht sie die geneigte Hörerschaft in ihren Bann. Es ist begeisternd.


Die Sterne vertreten in diesem Jahr, die zur Zeit heiß diskutierte Hamburger Schule und Frank Spilker macht kurzen Prozess mit der musikalischen Zeitreise durchs Wirken und nichts Müssen. 

Timber Timbre gab es für mich nur aus der Ferne zu verfolgen. Die engen Vorgaben der Band um Taylor Kirk wollten keine Fotografen im Graben. Sei’s drum. Die erste Reihe wird es gefreut haben, bot sich doch nun von Beginn an ungestörter Folkblues mit reichhaltigen musikalischen Facetten. Mal düster, fast morbide, dann wieder poppig daherkommend. Ein eindrucksvolles Rundumsorglospaket. 

Wer wie ich Calexico noch nie live erlebt hat, war erstmal beeindruckt. Eine souveräne Kapelle, die mexikanischen Mariachi, Folk-, Tex-Mex, Country Rock und Latin Jazz vereint. Das musst du erstmal so machen und damit so erfolgreich eine Vielzahl von Festivalbühnen bespielen. Wenn am Ende des Konzertes sowohl Susan O’Neill als auch Festivalmacher Gisbert zu Knyphausen auf die Bühne zu gemeinsamer Performance gebeten werden, dann ist ein musikalisches Erlebnis perfekt, und ein großartiger Abschluss eines dichtbepackten und verregneten Festivalsamstags gelungen.


Am Sonntag schaut dann endlich die Sonne vorbei und traditionell früh, nach Yoga mit Nina und dem Wellness-Frühstück startet mit Willow Parlo die erste Band des Tages. Die Hamburger stehen für verträumten Indie-Pop, und Frontfrau Noemi Bunk bietet dazu stimmlich etwas an, was tatsächlich nachklingt. Meine persönliche Überraschung an diesem Wochenende. 

Der Songwriter Enno Bunger vertont bedeutsame Meilensteine seines Lebens im Piano Pop Style. Tiefsinnig und melancholisch. Nicht selten traurig und tränenrührend. Um der Schwere auch mal die Last zu nehmen, kommt schon mal das Applausometer zum Einsatz und das Publikum darf abstimmen, ob der nächste Song von Depressionen handeln oder die Klimakrise besingen soll. 

Aber ein wenig Selbstironie ist bei dieser Tragik wohl notwendig und hilft nebenher auch dem geneigten Festivalbesucher nicht den Glauben an "… am Ende wird alles gut…" zu verlieren.


Zum grandiosen Abschluss des diesjährigen Heimspiels lässt Emilíana Torrini Miss Flower über Freundschaft, Liebe, Begehren und letztendlich doch beständige Unabhängigkeit erzählen. Das Ganze wird eingerahmt mit Songs aus ihrer jetzt schon langen Bühnenkarriere. Ein ganz ein feiner Abschluss. 


Und dann war es das auch schon wieder. So schnell wie sich am Freitag die Wiese mit Picknickdecken und Familien gefüllt hatte, so schnell leerte sie sich auch wieder. Jeder hatte die wunderbaren Festivalweingläser und den Festivalriesling in der limitierten Edition im Gepäck. Eine großartige Tradition des Heimspiels. Aufräumen, Aftershow und ab nach Hause. 

Sämtliche Spenden, und auch das hat Tradition, ob in bar oder als Pfandspende, gingen in diesem Jahr übrigens an die Eltviller Tafel. 


Am 01.08.2024 startet schon der VVK für das Heimspiel Knyphausen vom 25.-27.07.2025. Schnell sein lohnt sich, das Festival ist seit Jahren stets ausverkauft und wir freuen uns jetzt auf die nächste Ausgabe.

Text und Fotos: Denis Schinner

Donnerstag, 5. August 2021

Heimspiel Knyphausen, Eltville-Erbach, 29.07. - 01.08.21

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Festival: Heimspiel Knyphausen 2021
Ort: Draiser Hof, Eltville-Erbach
Datum: 29.07. - 01.08.2021
Zuschauer: 300 bis 500





Alles auf Anfang! Alles Neu!
- von Denis Schinner - 

Vier Tage. Zwei Bands je Tag. Maximal 500 Besucher. Alle sitzen. Wo soll dass alles noch ein Festivalfeeling entwickeln lassen? Und doch stellt sich (Vor)Freude ein. Bilder vom Aufbau der, zugegebenermaßen recht klein wirkenden, Bühne, das LineUp wird Spaß machen, freies und nicht vorzubestellendes Catering, ein kleines Rahmenprogramm und Wein, Wein, Wein…Irgendwie doch vieles wie früher. Ein kurzer Plausch mit Frederick, Benjamin, Stefan und Anna über die Vorbereitungen und ein paar Eckdaten. Es ist nicht ausverkauft. Für Donnerstag und Sonntag ist noch die Abendkasse geöffnet. Sicherlich ein Resultat der coronabedingten Umstellungen. Die Leute werden sich erst langsam wieder auf Menschenansammlungen einlassen können. Das Heimspiel dauert dieses Jahr vier Tage und Kinder zahlen erstmals den vollen Preis, aufgrund der Vorgaben des Gesundheitsamtes. Denn jede Person zählt. Das hat alles Konsequenzen. Aber die Branche muss starten und jedes wiedererwachende Festival versprüht Hoffnung, auch für diejenigen Macher und Organisatoren, die aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht wieder starten können oder dürfen. 

Tag 1 - Es startet noch entspannter als erwartet. Am Donnerstag waren nur ca. 300 Besucher über den VVK auf dem Gelände. Feste Platzierungen über markierte Tische und Bänke mit ausreichend Abstand sollen die Einhaltung der aktuell in Hessen geltenden Coronaregeln mit absichern. Dazu komplette Registrierung aller vor Ort. Nichts was störend wirkt. Nein, absolut nicht. Die Organisatoren vor Ort haben ganz Arbeit geleistet um ein möglichst unbeschwertes Festivalerleben möglich zu machen. Hut ab! 



Stefanie Shrnk
- dunkelschöner Sound mit Texten voller Schwermut…allein sein ist auch blöd aber zusammen fällt irgendwie auch noch schwer… Und wenn es dann doch noch möglich ist, sich auf der ohnehin kleinen Bühne sich nochmal zu verdichten, dann spricht das für, Ja wofür eigentlich? Der Sound und die Textur passten doch sehr zum Auftakt. Irgendwie tastend, irgendwie unsicher, irgendwie etwas wankelmütig. Steine im Schuh, schmerzende Knie, Wimpern im Auge - wann kommt der Flow zurück? Spucky Action und die Katze von Jesus… manchmal etwas verwirrende Texte, man muss dran bleiben im zu folgen. Geht sitzend fast gut. Zur Zugabe ergänzt endlich eine Gitarre den Sound und es wird leichter und heller. Die Überleitung zum Hauptact des 1. Tages, die Höchste Eisenbahn, mit denen Stefanie vor zwei Jahren zusammen noch auf Tour waren, gelingt nun doch unproblematisch. 



Die Höchste Eisenbahn - Die sommerlichen Festivalgefühle steigern sich beinahe ins fahrlässig Unermessliche, als das Kollektiv anspielt. Abstände verschwimmen kurzzeitig, die Masken fallen und pure Gesichtsnacktheit offenbart sich bei dieser absolut unterbewerten Band! Der ein oder andere spielerische Patzer wird selbstkritisch zwinkernd aufs Homeoffice geschoben. Aber die Kapelle feiert sich und den Abend und alle feiern mit! Erlösend! 

Tag 2 - der Tag startet tiefenentspannt auf der Campingwiese am Weingut. Noch keine 10 Mobile sind am Morgen vor Ort. Kein Gedränge an der Dusche. Alle gechillt! Also ein wenig den Rhein auf und ab. Irgendwo auf einen leichten Riesling einkehren und es sich gut gehen lasse. Auf dem Weg zur 16:00 Uhr Weinprobe dann noch ein bisschen Soundcheck von Gisbert & Kai lauschen und dabei feststellen, dass just auch Texte von Schubert eingespielt werden, die früher mal in der Schule zelebriert wurden. Dejavue quasi… 

Die kleine aber feine Weinprobe führt über vier Stationen mit vier Weinen durch die Geschichte des Gutes und des produzierten Weines. Zweimal an dem Wochenende führt die Weinprobe einen kleinen Kreis von Interessierten an Reben, Trauben, Kessel und Tank, Gährung und Reife heran. Diese netten kleinen Rahmenprogrammpubkte haben sich in all den Jahren des Heimspiels bewährt und wären unter normalen Umständen sicherlich üppiger ausgefallen. So aber - Lieben Dank an Stefan für die Führung und an Eila für die kunstvolle Öffnung der Flaschen! 

Die nun schon erprobte Platzzuordnung schafft weitere Entspanntheit. Des Deutschen liebste Beschäftigung im Urlaub, das Ausbreiten von Handtüchern auf Plätzen, Liegen oder Picknickdecken entfällt hier gänzlich. Alle 500 Besucher:innen (ausverkauft) schlendern entspannt durch die Reihen und suchen ihre gebuchten Tischnummern… 



Ole - Ich wünsche Dir alles Gute und viele Tage am Meer! Was braucht es mehr? Außer vielleicht ein Piano und einen Oli Schulz, der das Tape rauskramt und Gisbert nahe ans Ohr legt. Ein wunderbares leises, lautes, vor allem tiefes Konzert zum Mitlauschen und um dem Rauschen des Meeres hinterherzuhören. Danke! 



Gisbert zu Knyphausen & Kai Schuhmacher - das Schubert Programm, entstanden nach einer Anfrage vo Kai vor rund zwei Jahren, passte sicherlich in die Zeit. Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt. So lässt sich sicherlich die Romantik treffend zusammenfassen. Opulent im Wort und mit dem Arrangement auch opulent im Spiel. Das gesamte Programm, mit Flügel, Streichern, Posaune, E-Gitarre und Drums begleitet, zeichnet das ständige Auf- und Ab zu Schuberts Lebzeiten und transportiert in die Neuzeit. Unterbrochen wird das Set durch etliche bekannte Stücke von Gisbert, zu denen das Publikum Platz immer wieder verlässt und tanzen möchte. Und so reagiert auch das Publikum entsprechend. Mal jauchzend - mal (zu Tode) betrübt. Mal sitzend - mal tanzend! Und man fragt sich, ob der Abend nicht doch noch mehr Leichtigkeit gebraucht hätte. 

Tag 3 - Seepferdchenprüfung. Auf ins Freibad! Bis zum Abend mit erneut 500 Besucher:innen ist viel Zeit und somit erreicht das Entspannungslevel ungekannte Tiefen. Überhaupt entwickelt sich dieses Festival zum entspanntestes Festival ever! 



Ätna - nach deren krankheitsbedingter Absage, wir waren wirklich untröstlich 😢, schickte sich mit Finn Ronsdorf einer an, die Festivalherzen zu erobern, den bislang nur Kenner oder Besucher des letzten ENES kennen mochten. Stimmlich herausragend, eröffnete er dem Publikum 45 Minuten zwischen Staunen, Schmunzeln und absoluter Gebanntheit. Sicherlich viel mehr als nur ein Ersatz!
 


Sophie Hunger - wie gewohnt mehrsprachig zieht die Schweizerin Ihr Publikum vom ersten Akkord an in Ihren Bann. Das neue Album Halluzinationen spielt sie in der Aufnahmebesetzung mit ihr an der Gitarre, Julian Satorius an den Drums, dazu Piano, Horn und fünf Sänger:innen um Marc Beriybill (Cliffs) im Back - der Zauberchor, am Stück und leitet zum Schluss mit dem Codewort „HOPE“ über in die Realität der Neuzeit. Sie schlägt sofort eine Brücke zu jedem, zu jeder Einzelnen im Publikum und genießt dabei die Präsenz. Nichts wird dem Zufall überlassen, neben dem obligatorischen Gitarrenwechsel, werden selbst die Becken an den Drums getauscht um andere Klangfarben erzeugen zu können, sprachlicher Wechsel, mal zart, mal wild und abrupt. Die Backupsingers mal ausgestellt, mal im Vordergrund wenn sich Sophie ans Piano setzt und die Sicht freigibt. 



Der Abend klingt aus mit einer wunderschönen Playlist, tönend aus einer vermeintlich herren-, oder damenlosen Tasche auf einer Weinzeltgarnitur. Es wird (mit Abstand) getanzt und da ist es wieder, das Gefühl der Leichtigkeit und des zu Hause seins. Danke den/derunbekannten Playlistersteller:in! 

Tag 4 - Nun doch etwas geschafft von den vorangegangenen Tagen, glücklicherweise ohne Ausfälle, was durchaus mit der Qualität der probierten Weine zu tun haben dürfte, geht es auf die Zielgeraden. Shopping in der Vinothek, noch ein Café in der Strandbar und ein wenig Soundchecklauscherei bei den wunderbaren Black Sea Dahu. WoMo abfahrbereit richten und auf zum legendären Tisch 32 mit neu gewonnen Musikfreunden aus Magdeburg und Darmstadt. Die feste Zuordnung der Tische und Plätze hätte auch ins Auge gehen können. Danke an Stefanie & Matthias, Petruna & Hanno, Helena oder Michael für die sehr kurzweilige Zeit und den gemeinsamen Spaß! 



Lúisa - feinster Indiepop aus Hamburg. Bereits das zweite Mal nach 2017 beim Heimspiel, damals noch solo, heute von Matze am Bass und Lasse an den Drums unterstützt. Lieder vom Kommen, Bleiben und Gehen. Mal als Chanson getarnt, mal kraftvoll tanzbar. Schöööön! 


Black Sea Dahu - Mein ganz persönliches Finale. Die Züricher Band um die drei Geschwister liefern seit Jahren wirklich, wirklich grandiose Konzerte ab. Dabei nehmen sie die Zuhören mit in ungeahnte Tiefen und tauchen mit ihnen ganz ein in das komplette Gefühlsspektrum. Das Ganze wird sorgfältig und dicht arrangiert mit einem hörbaren Verständnis für das Ganze. Die Zugaben beziehen alle mit ein. Die Bühne wird ins Dunkel gelegt, eine Passage mit dem Publikum wird eingeübt und die Band und die Musik verschmelzen mit dem gesamten Festival. Eine weitere Zugabe wird ohne Probe gespielt. Dass dies möglich wird, zeigt die ganze Qualität von Black Sea Dahu. Denn der Song erscheint erst in rund zwei Monaten ;) 




Was bleibt am Ende? Mich beschleicht das Gefühl einiges gerne in die „neue“ Festivalzeit mit hinübernehmen zu wollen. Weniger Besucher, mehr Platz, Genuss und Qualität, überhaupt mehr Qualität bei begrenzter Quantität! Und ich bemerke bei mir eine Veränderung dahingehend, dass ich Konzertbesuche wohl zukünftig eher nach Orten wähle und nicht mehr nur ausschließlich nach den Bands. So könnten sich die Orte mit den besten Konzepten durchsetzen. Konzepte die Sicherheit und Unbeschwertheit fördern und nicht noch den letzten Euro herausholen müssen. Eben Orte wie das Weingut Baron Knyphausen! Mein Dank gilt Frederick, Benjamin, Stefan, Anna und all den nicht genannten Macher:innen dieses famosen kleinen, feinen Festivals! See you I’m nächsten Jahr! Es war wunderbar! Fühlt Euch gedrückt! Die ganze Galerie in Kürze auf www.desc-photography.com




Dienstag, 5. November 2019

Kaltern Pop Festival 2019, Kaltern

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Konzert: Kaltern Pop Festival 2019
Ort: Kaltern
Datum: 24.-26.10.2019
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: div.


Bericht und Fotos von Denis Schinner: KalternPopFestival 2019 Auflage 5. Fünf KalternPopFestivals waren ursprünglich geplant. Dann Strich drunter und schauen was bleibt. Ein Experiment der Extraklasse. Die kleine Schwester des #hpf (Haldern Pop Festivals). 

Die Verdichtung besten (musikalischen) Geschmacks. Nicht nur eine Fülle von Konzerten, sondern eine Harmonie des ausgeklügelten LineUp‘s. Es gibt keine wirklichen Headliner, so als ob diesmal der gesamte musikalische Feingeschmack entscheiden muss, ob es weiter geht. 

Der Start nach Kaltern beginnt eigentlich schon am Freitag. "Zeche Carl" in Essen, Stefan Honig (D) als Support von The Slow Show (UK). Welch ein grandioser Einstieg in diese Woche. Stefan Honig gewohnt locker und entspannt, auch im Gespräch zwischendurch. Musikalisch sowieso herausragend. Und ja, es ist natürlich etwas anderes als mit "Tour of Tours" oder zu zweit unterwegs. Dann The Slow Show. Unglaubliche Dichte. Phantastische Harmonie und Rob‘s Bariton. Seit Jahren für mich unerreicht. Die Zeche Carl war etwas klein für meinen Geschmack. Das Konzert folglich schon lange ausverkauft und ich bin erneut hin und weg. Und diesmal nicht nur von dem grandiosen Set. 

Mit gut 700 Bildern auf den Speicherkarten geht es nach Hause. Lieben Dank an Anna! Weiter geht es mit dem WoMo Richtung Voralpen. Gut 550 Kilometer sind auf der Uhr und wir fahren in Biberach runter und landen in Schiessen. Der eigentliche Stellplatz ist dunkel und langweilig, zum drehen brauchen wir ein paar Meter und dann sehen wir es. Das Brauhaus von Schiessen. Eine ausreichend großer Parkplatz. WoMo eingeparkt und ab in die Wirtsstube. Diverse halbe Helle, Wurstsalat, Bratwurst und Kartoffelsalat später, dürfen wir auf auf dem Parkplatz stehen bleiben. Lieben Dank an Carina Hopp! Auf dem offiziellen Brauereiplatz hätten wir nicht besser stehen können. Hier die Koordinaten für diejenigen, die der hauseigenen Metzgerei einen Besuch abstatten möchten: Bräuhaus, Kirchpl. 4, 89297 Roggenburg. 


Weiter geht es am nächsten Morgen nach Füssen. Japanieren an den Königschlössern, Leberknödelsuppe in der Tourimeile Füssens, Blick auf die Alpen, Stellplatzsuche und weiter geht es am nächsten Morgen nach Meran. 

Und dabei den ersten Blick auf den Zeitplan des kpf19 riskiert. Und siehe da...ich habe wieder mal keine Ahnung wie das gehen soll. Ich werde programmtechnisch abspecken müssen. Das dichte Programm hat natürlich den Vorteil, dass sich die geneigten Zuhörer verteilen werden. Kleinere Spielorten werden davon profitieren. 

Zuletzt waren diese oft sehr voll und Besucher mussten warten oder wurden abgewiesen. Nicht so schön für ein neues Lieblingsfestival. Später auf dem Jaufenpass dann eine kleine zufällige Kaffeepause mit den Böggering/Wieseners aus dem Niederrheinischen. Ebenfalls Kalternenthusiasten. Das hat doch schon wieder Spaß gemacht 😉 Noch ein Tag in Meran und Bozen verbummelt und dann endlich  in Kaltern angekommen. 

Der erste Lagrain in der KalternPopBar zum „Lustigen Krokodil“ bei Stefan Florian und seinem Mannen. So geht Kaltern. PS: Und das am eigenen 20.Hochzeitstag. Mittwoch morgen wachen wir im WoMo mitten im Wochenmarkttrubel in Kaltern auf. 


Der Opener des ersten Tages ist zunächst klassisch. Cantus Domus in der Franziskanerkirche. Ein 35 Minuten Slot für klassisch chorale Stücke, auch mit (wein)glasigen Instrumentals, bis hin zu Bon Iver Interpretation.

Später dann Linde im Weinmuseum – ein eher experimentelles Klangarrangement des StarGaze Mitglieds Linde im Zusammenspiel etlicher Stargaze Kolleg*innen. In weiten Teilen dicht arrangiert mit (fast) allem was dieses Ausnahmeorchester zu bieten hat. Mandao Delaou - Feinste Klangvirtuosen. Im Zentrum steht hier die Schweizer Hang. Sehr spannender Aufritt. 


Woods of Birnham boten dann den ersten wirklichen Pop des Tages und hatten schon sichtlich Spaß dabei, das Publikum zu bespielen. Insbesondere die Frühgeborenen waren hin und weg. Und nebenbei. Nach Garda ist dies für mich die zweite, sehr empfehlenswerte Band aus Dresden in diesem Jahr.


Brandt Brauer Frick - drumgeschwängerte Beats. Das dritte Mal in diesem Jahr und ich kann mich nicht wirklich daran satthören. Bunspecht - Der Name ist Programm - Schöne bunte Vögel mit allerlei Hirnfusseln. Sie sind von Herz aus Romantiker und sind verrückt genug sich in dieser Welt zu verlieben. Und schließlich sei eine Briefbombe sei das romantischste der Welt, denn sie befreit dich von ihr selbst. Am Ende schreien wir AbraKadrabra und SimSalaBim bis wir alle verschwunden sind.

Letztendlich noch Ben E. Blame and Sugar Shame alias Ben Testrut und Markus Zucker. Die beiden legen nun schon seit Anbeginn der Kalterner Zeit Donnerstags im KuBa auf und machen so richtig Party. Und so zappelt er aus, der erste Festivaltag. 

Tag 2. Während sich die halbe Festivalgemeinde auf den Weg zur Weinprobe in die Kellerei Kaltern aufmacht, zieht es mich in die andere Richtung. Franziskanerkirche und Fyodor Biryuchev sowie im Anschluss Nicolas Müller & Cantus Domus. Biryuchev, ein schon recht kompletter Tastenvirtuose verzaubert den Kirchenraum in ein kleines Konzerthaus. Es gelingt ihm solo am Klavier, mit E-Piano und seinem McBook ein nahezu komplettes Orchesterarramgement aufzurufen. Unterbrochen wird das teils opulente Arrangement nur durch sein herausragendes Solospiel. Das vollzog er dann aber auch absolut entrückt, dass er von der Regie aufs Ende hingewiesen werden musste. 25 Min über der Zeit.

Nicolas Müller & Cantus Domus: Neben Covern von Justin Vernon (Bon Iver) und Elbow spielt er natürlich das neue eigene Material über Ängste, Männlichkeit und gebrochene Herzen. Und auf jede Träne wird ein Glas geleert und sagt den Skeptikern: jeder Tag hat sich gelohnt. Mein erstes wirkliches Highlight.


Some Sproud - wirklich gut gemachter Indiepop einer recht jungen Combo, der vor allem die Mädels in den ersten Reihen nicht losließ. Während Frontmann Joschi allein schon die Blicke auf sich zog, blieb die Band musikalisch eventuell unter ihren Möglichkeiten, etwas mehr Druck hätte dem Ganzen gut getan. 

Unvorbereitet wie ich war, überraschte mich danach bei Jungstötter ein stimmlich eindringlicher Gesang, den ich irgendwo zwischen Velvet Underground und Nick Cave (jetzt hängt die Latte aber extrem hoch) einordnen würde. Zwischendurch bat er noch um weniger Bühnenlicht und spielt ein vollkommen entschleunigtes Set ab. 

Priests: Wem steht der Leopardenlook, richtig: dem Leoparden. Hier kommt wieder was in Mode, was längst aussortiert gehört. Dazu Marylinstyle und bums-fertig ist der Eyecatcher. Doch dann endet die Geschichte auch schon. Musikalisch alles sauber, aber stimmlich noch mit Luft nach oben. Daran änderte auch der wiederkehrende Wechsel zwischen Frontfrau 1 und Frontfrau 2 nichts.


Lewsberg: Ich wusste ja schon, dass die fotografischen Möglichkeiten bei diesem Set begrenzt sein werden. Aber musikalisch ist dieses Kollektiv von hypnotischer Strahlkraft, dass ich die Kameras eingepackt habe und mich habe etwas treiben gelassen. Zudem erweitern sie die alte Regel, dass zwei Akkorde Punk und drei Akkorde Blues sei. Auch mit nur einem Akkord lässt sich Hypnopop basteln. 

Tag 3. Alles packen lautet die Devise. Nach dem letzten Konzert wird es mitten in der Nacht losgehen in Richtung Heimat. Aber erstmal die Matinee im Grandhotel Penegaal -Wir erinnern uns - Sissis Ballsaal!

Wie zuletzt auch findet die gefühlt komplette Festgemeinde in dem wunderschönen Ballsaal irgendwie Platz und lauscht den phantastischen Sets von Adam French, der wunderbar souligen Stimme von Odette Peters, Jack Curley, der mit dem Publikum nach Alice ruft, Wendy McNeill und ihrem creepy Lupo, zuletzt eingerahmt von den wunderbaren Stargazern, die sich selbst noch mit Bachinterpretionen hervortun und damit dem Saal die passende klassische Note verpassen. Astronautalis gesellt sich dazu und sorgt für grandiosen Klassik-HipHop. Für den Loop wird ein Drummer benötigt und Barry aus dem Publikum kommt auf die Bühne. 


Mit einem vor zwei Tagen gebrochenen Arm und endlosem Selbstvertrauen gibt er den Takt vor. Was ein Spaß zum Abschluss einer erneut grandiosen Matinee auf dem Penegal und man fragt sich zurecht...Ist das noch ein Festival ? 

Rilan & The Bombardiers - im neuen Spielort, der Aula Magna, bester Funk aus Harlem (NL) und die Aula kriegt sich gar nicht mehr ein. 


Für Fortuna Ehrenfeld ist es schon der zweite Besuch auf dem kpf. Folglich der Umzug vom KuBa ins Vereinshaus. Deutlich poesievoller und elektronischer ausgerichtet als bei den letzten von mir besuchten Konzerten, begeisterten sie mit Witz, Charme und Pyjama. Seit drei Wochen sind sie auf Tour und auch die T-Shirts gab es nur noch in XXS.

5KHD - technisch, experimentell, grell verzerrte Klangwelten. Schon sehr speziell. Und dann nochmal Nicolas Müller. Diesmal mit großem Besteck und der ersten eigenen Show mit dieser, seiner neuen Band. 

Mit seinen Texten rührt er viele zum Nachdenken und selbst in den kurzen Pausen zwischen einzelnen Songs ist der Saal seltsam ruhig. Er regt dazu an , zu trauern und zu lieben, zu fühlen und weinen. Diese Konzerte sind Herzensangelegenheiten. 

Shortparis: Der Ausklang des dritten Tages konnte entweder ruhiger, mit Adam French oder Wendy McNeill angegangen werden, oder mit den eher brachialen Elektrodrumjüngern, einer der besten russischen Livebands (arte.tv). 

Etwas viel Drama für meinen Geschmack, aber die Jungs schafften einen Abschluss über den man sicherlich noch länger nachdenken wird. Das #kpf19 endet hier für mich. 


Und es spricht vieles für eine Neuauflage im nächsten Jahr. Es gibt die ersten eigenen Motivbecher, Das Lustige Krokodil scheint nun ganzjährig zur KalternPopBar gereift zu sein und der Lottowein verspricht als Hauptgewinn Tickets und Übernachtung für das #kpf20. 

Wir freuen uns sehr und danken allen Schaffenden für diesen herausragenden Jahresabschluss!

Denis Schinner Webseite mit diversen Fotos



 

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