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Dienstag, 24. September 2013

CocoRosie, Köln, 21.09.13

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Konzert: CocoRosie
Ort: Gloria, Köln
Datum: 21.09.2013
Dauer: ca. 100 min
Zuschauer: ca. 600 



von Ursula von neulich als ich dachte

Letzte Woche hatten Menschen im Raum Hessen/NRW die möglicherweise einmalige Chance auf einen CocoRosie-Hattrick: Nachdem die Schwestern Bianca und Sierra Casady zunächst an zwei Abenden im Frankfurter Mousonturm aufgespielt hatten, gastierten sie Tags drauf im Kölner Gloria. Ich allerdings bin mit einem einzigen CocoRosie-Konzert skurrilitätsmäßig bereits völlig ausgelastet und hatte das Duo auch erst im Mai auf der Bühne erlebt, und so begab ich mich nur auf Konzert Nummer 3 - in Köln hatte ich die beiden (nach Frankfurt, Wien und Mannheim) immerhin noch nicht gesehen. 

Im Gloria war bei unsere Ankunft die Bühne bereits sichtbar auf CocoRosie vorbereitet: Neben Harfe, Keyboards und Flügel hatte man mitten auf der Bühne auch eine Schminkkommode mit Spiegel platziert, auf der einige seltsame Utensilien und ausgestopfte Vögel zu sehen waren. Außerdem lief quer durch den Bühnenraum eine Wäscheleine, an der einige Kleidungsstücke hingen. Keine Frage, wir waren beim richtigen Konzert. 

Für die Betrachtung der Bühnendekoration blieb uns auch noch einiges an Zeit, denn CocoRosie ließen auf sich warten. Erst gegen viertel vor 9 (statt des auf den Tickets angegebenen Beginns um 20 Uhr) erklommen zunächst der asiatische Pianist/Keyboarder/Posaunist Tak(uya Nakamura) und der stets im Liveprogramm vorhandene Beatboxer Tez die Bühne. Es folgte zunächst nur Sierra, die wie gewohnt überschwänglich über die Bühne hopste und dann sogleich ihren Gesangspart zu Child Bride aufnahm. Erst als sie bereits sang, kam auch Bianca auf die Bühne, nahm traditionsgemäß keine Notiz vom Publikum und hing noch etwas mitgebrachte Wäsche auf. Dann begab auch sie sich ans Mikrophon. 

Alle vier Musiker trugen zu diesem Zeitpunkt identische schwarzweiß gestreifte Kittel im Sträflingsstil und dazu irgendeine Form von Leucht-Makeup. Die Kittel fielen jedoch schon bald, und während uns Bianca im Laufe des Abends so gut wie jedes Kleidungsstück von der Wäscheleine vorführte (Korsage mit Rock und Zylinder, lange Männerunterhose mit Hosenträgern, Latzhose, Slogan-T-Shirts, Burka, Nachthemd), durchlief auch Sierra etliche Kostümwechsel (unter anderem sah man sie im Hochzeitskleid und Bauchfrei mit bunten Leggings und einem Unterrock, am beeindruckendsten war eine Art Gesichtsdiadem), aber das kennt man von den beiden ja bereits. 

Neu war für uns dagegen, dass sich die Casady-Schwestern zwischendurch auch immer wieder an die Schminkkommode begaben, die also keine reine Bühnendekoration darstellte. Zuerst malten sie einander übertrieben große Lippen, dann wurden mit Zahnlack Gebisslücken kreiert und schließlich die Leuchtschminke immer großflächiger aufgetragen. 


Nach sechs Songs vom aktuellen Album Tales of a Grass Widow folgte mit Ana Lama ein neues Lied, für dessen Vortrag Bianca zur Burka griff. Danach folgte der traditionelle Soloauftritt von Tez, dessen Leucht-Makeup in einem grünen Wimpernkranz bestand. Dass er um den Hals einen riesigen goldenen Zahn trug, wäre in einem anderen Kontext sicher ungewöhnlich, im Rahmen eines CocoRosie-Konzertes scheint es aber kaum erwähnenswert. 

Nach diesem Intermezzo bauten CocoRosie auch ältere Songs ins Set ein (Undertaker, Grey Oceans, K-Hole), griff Bianca zur Pungi (bei God has a Voice, She speaks to me), trug Sierra einen Titel (R.I.P. Burn Face) mit dem Rücken zum Publikum an der Schminkkommode vor und legten beide beim letzten Lied des Hauptteils seltsame, furchterregende Federmasken an (We are on Fire). 

Sierra wirkte wie immer fröhlich und aufgedreht und sparte nicht an theatralischen Gesten, sie sprach auch immerhin zweimal zum Publikum ("Dankeschön" und "Auf Wiedersehen"). Bianca vermittelte durch ihre Teilnahmslosigkeit ebenfalls wie immer den Eindruck, als gebe es für sie Schöneres als Liveauftritte, sie stellte aber mehrmals die Mitmusiker vor. 

Um eine Zugabe musste das Publikum recht lange bitten, die beiden kehrten aber für Werewolf schließlich nochmals auf die Bühne zurück. Anschließend wurde wieder lange geklatscht und gejubelt, aber schließlich ging dann doch das Licht an, ohne dass man die Band noch einmal zu sehen bekommen hätte. Vielleicht war ja wegen des sehr späten Konzertbeginns eine weitere Zugabe nicht möglich. Auf der Setliste wäre mit Turn Me On noch eine weitere Zugabe vorgesehen gewesen, was möglicherweise dazu führte, dass man uns so lange klatschen ließ, ohne das internationale Signal für "Da kommt nichts mehr" (Licht und Konservenmusik an) einzusetzen. 

Nach diesem etwas unbefriedigenden Ende erwähnte mein Freund auch noch, dass seine beiden Wünsche an den Abend - eine Live-Performance von Terrible Angels und eine Kostümvariante mit Geweih - leider nicht erfüllt worden seien. Er wird also wohl in absehbarer Zeit wieder ein CocoRosie-Konzert sehen wollen ... 



Setlist CocoRosie, Gloria, Köln:

01: Child Bride 
02: End Of Time 
03: Harmless Monster 
04: Tears For Animals 
05: After The Afterlife 
06: Gravediggers 
07: Ana Lama 
- TEZ solo - 
08: Villain 
09: Far Away 
10: Undertaker 
11: Grey Oceans 
12: God Has A Voice, She Speaks Through Me 
13: Poison 
14: R.I.P. Burn Face 
15: Smokey Taboo 
16: K-Hole 
17: We Are On Fire 

18: Werewolf (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- CocoRosie, Stuttgart, 13.09.13
- CocoRosie, Berlin, 24.05.13
- CocoRosie, Paris, 12.07.12
- CocoRosie, Wien, 27.07.10
- CocoRosie, Paris, 27.09.07
- CocoRosie, Paris, 10.04.07

- Fotos: Dirk von Platten vor Gericht




Dienstag, 17. September 2013

CocoRosie, Stuttgart, 13.09.2013

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Konzert: CocoRosie
Vorband: Anna Gemina
Ort: Wagenhallen, Stuttgart
Datum: 13.09.2013
Dauer:106 Minuten (CocoRosie), 47 Minuten (Anna Gemina)
Zuschauer: einige hundert (fast ausverkauft)


   
Ein großes visuelles Erlebnis ist die postmoderne Tanztheater-Pop-Show der Casady-Schwestern von CocoRosie. Das und eine musikalische Herausforderung: 
Mit dem virtuosen Beatboxer Tez und einem Keyboarder, der zusätzlich alle Arten von Samples einwirft und hin und wieder zur Trompete greift, stehen Sierra und Bianca Casady – die die Band in Paris gründeten, mittlerweile aber in New York zuhause sind – auf der Bühne, nachdem einen zuvor eine gefühlte Ewigkeit sphärische Dunstklänge mit monotoner Penetranz einschläferten. 
Das ungewöhnlich umfangreiche Vorprogramm bestritt im Vorfeld das lokale Duo Anna Gemina um die Sängerin Anna Illenberger und Tokyotower am MacBook, der in jüngster Zeit mit Hüttenzound Furore in der Stuttgarter Musikszene macht, mit einer Art 90s Trip-Hop, der beim Publikum ankommt, ohne dass dieses in Ekstase ausbricht. Mit dem Intro des Hauptacts ändert sich die Stimmungslage schlagartig, CocoRosie eröffnen mit „Child Bride“ und die – im besten Sinne – queeren ersten Reihen toben. 


Sierra sitzt an der Harfe, singt hohe Töne, während ihre Schwester einen Hauch des Timbres der südafrikanischen Avantgarde-Trash-Diva ¥o-Landi Vi$$er von Die Antwoord versprüht. 
Politisch ist die Show der Feministinnen jederzeit. Die Soundeffekte sind zu Beginn geradezu überwältigend, werden nur von den Video-Projektionen an der weißen Wand hinter der Bühne übertroffen. Versteckt in Mikrophonständern oder einem Spiegel heben Kameras mit einem zusätzlichen visuellen Aspekt das Gesamterlebnis auf eine höhere Stufe. 
Zumindest denkt man das am Anfang. An einer quer über die Bühne gespannten Wäscheleine hängen diverse Kostüme. Es gehört zum Konzept der kreativen Schwestern, immer wieder in andere Rollen zu schlüpfen, das Make-Up zu variieren, sich auf der Bühne umzuziehen (von Clown'esker Maskerade bis zu orientalisch angehauchter Kristallästhetik) und die eigenen Texte zu betonen oder manchmal auch zu konterkarieren. 


 Indische Folklore trifft auf Jazz, Electropop auf Hip-Hop: CocoRosie lassen sich nicht kategorisieren. Ähnlich wie Björk stilisieren sich die Schwestern als Künstlerinnen, denen das enge Korsett der Popmusik egal ist. Die Fans lieben das Unbestimmte und strömen auf Konzerte weltweit. Kollaborationen mit Antony Hegarty und Devendra Banhart passen da glänzend ins Bild. 
Songs mit bizarren Namen und Texten rauschen an einem solchen Abend  an einem vorbei, zwischendurch sorgt Beatboxer Tez, der sich über den ganzen Abend als Genie seiner Zunft beweist, mit einer Solo-Perfomance für das Highlight des Abends. 

Barfuß tänzelt Bianca über die Bühne, gibt mal die keifende Hyäne um an andere Stelle engelsgleich über den Dingen zu schweben, während ihre Schwester wie ein ruhigerer Gegenpol wirkt. 
 Ebenso wie die starke Bühnenpräsenz und charismatische Performance gehört der Glaube an gerade eingeschlagene Wege zum Konzertkonzept dieser Tour. Nostalgiker müssen sich gedulden, bis es Altbewährtes zu hören gibt. Fast die gesamt erste Hälfte des Abends in den fast ausverkauften Wagenhallen steht im Zeichen des aktuellen, bei City Slang erschienen, Albums „Tales of A GrassWidow“
 Die Lyrik ist stets um Kritik bemüht, strotzt nur so vor skurrilen Geschichten, doch fordert mich das Ganze nach einer Zeit zu sehr. Ich spüre wie meine Aufmerksamkeit stetig sinkt, wie mich Müdigkeit übermannt, die letztlich dafür sorgt, dass ich auf den Auftritt der Nerven in den Waggons wenige hundert Meter von der Halle entfernt verzichte. 
Nach eineinhalb aufwühlenden Stunden ist meine Konzentration dahin, die letzte Viertelstunde verbringe ich in einem sphärischen Trancezustand, bis mich die pulsierende Energie des bekannten Hits „Werewolf“ aus der Lethargie reißt. 


Die ersten Reihen toben, schenken dem Gesamtkunstwerk CocoRosie nach den Zugaben tosenden Applaus. Man muss die Klasse des Projekts ehrlich anerkennen, die Fähigkeit brisante Themen in ungewöhnliche Popmusik zu transferieren bewundern, auch wenn der Abend einem letztlich lehrt, dass es auf knapp zwei Stunden gerechnet nicht vollends munden muss. 
Am Merchestand gibt es die Erstauflage einer feministischen Zeitung der Schwestern zu kaufen – und Tarot-Karten. Ein Hoch auf die Kreativität, ein Toast auf die kulturellen Schmelztiegel New York und Paris. 




Links:
- aus unserem Archiv:
- CocoRosie, Paris, 10.04.2007
- CocoRosie, Paris, 27.09.2007
- CocoRosie, Wien, 27.07.2010
- CocoRosie, Paris, 12.07.2012
- CocoRosie, Berlin, 24.05.2013



Samstag, 25. Mai 2013

CocoRosie, Berlin, 24.05.2013

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Konzert: CocoRosie (+Valgeir Sigurdsson)
Ort: Berlin Huxleys Neue Welt
Datum:24.05.2013
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: 30+120 Minuten


CocoRosie erneut in Berlin. Nach drei im vergangenen Jahr ausverkauften Shows hintereinander, ist der Tourauftakt in Berlin zum neuen Album Tales Of A GrassWidow wohl kein Zufall. Statt zuletzt im Heimathafen, wird dieses Mal ins mittlerweile eher stiefmütterlichen Huxleys Neue Welt geladen. In den 90ern kam man als Konzertgänger kaum ums Huxleys herum. Das hat sich nun gravierend geändert und so kam beim Betreten der Räume ein großer Moment der Nostalgie in mir hoch. Legendär war für mich  u.a. das Sonic Youth Konzert mit Stereolab als Vorband. Vielleicht auch legendär, da es außer einer Wand von Gitarrengeschrabbel kaum etwas zu vernehmen gab. Da hoffte ich heute auf deutlich mehr Klangkunst.
Die beiden letzten CocoRosie Konzerte gefielen mir außerordentlich gut - auch wenn sie es mit der indischen Folklore doch recht dick aufgetragen haben. Es wirkte nicht peinlich. Statt indischer Folklore wurde zu Anfang des heutigen Konzertabends den Isländer Valgeir Sigurdsson geboten, welchen ich schon vor einer Weile im Radialsysteme V bestaunen durfte. Der beliebte Mix aus Klassik-Elementen und Elektrosounds ist seine große Stärke. So fusioniert er auch gekonnt (auch provokativ) Elektrosounds mit Klaviereinlagen. Zwischendurch strapaziert er doch recht arg mit massiven Bässen, die an der Grenze zum Nase bluten standen. Dann auch hochfrequentes Fiepen, bei der sich massenhaft die Ohren zugehalten wurde. Vielleicht wollte Herr Sigurdsson einfach nur eine ordentliche Duftmarke setzen in Kenntnis an die doch recht spielerischen Sounds der Casady Schwestern. Das ist ihm sicherlich gelungen, wenn mir auch sein Konzert in den Radialsystemen deutlich besser gefallen hat. Ein teils verwirrtes Publikum klatschte teils vor entzückter Bewunderung und aus Überforderung.

Ein Metallzaun trennt das Publikum unnötigerweise von der Bühne. Das schafft eine distanzierte Atmosphäre, die in meinen Augen unnötig gewesen ist. Einzig die Fotografen und der Kameramann mögen davon profitiert haben. Schaue ich um mich herum, so entdecke ich doch eine recht stattliche Anzahl von frisch rasierten Frauenköpfen. Das CocoRosie auch als Ikonen der Lesben-und Schwulenbewegung gelten, ist heute Abend gut erkennbar. Eine angenehm offene Atmosphäre schafft dieser kunterbunte Publikumsmix.
Nach 30 Minuten Pause und einem gehirnwaschenden in Endlosschleife befindlichen Sound, kommen endlich die ersten Musiker von CocoRosie auf die Bühne. Neben Valgeir Sigurdsson ist der Beatboxer Tez auch wieder dabei. Der Abend beginnt mit Child Bride. Ich war gespannt was sie die beiden Schwestern an Kostümierung für den heutigen Abend überlegt haben. Ohne mich wirklich auszukennen, würde ich sagen, dass Sierra einen schwarzen Body mit Strumpfhose bis zu den Knien trug. Darüber einen kiminoartigen Mantel. Sie platzierte sich direkt an der Harfe und sphärische Klaäge ertönten aus ihrem Zupfen und Gesang. Bianca trug einen langen dünnen Kittel, der eher an Fabrikarbeiterin erinnerte als an eine Abendgarderobe. Viel interessanter war dagegen ihr Kopfschmuck. Eine Mischung aus beleuchtetem Geweih bzw. Zweigen mit lauter kleinen LEDs. Das sah am Anfang doch recht eigenwillig aus, aber dafür liebe ich CocoRosie, dass sie sich immer wieder für die Bühne irgendetwas besonderes überlegen. Und diese beleuchtete Krone war einfach unheimlich schön anzusehen.


Das neue Album gefällt mir richtig gut. Und mit End Of Time spielen sie auch gleich eines meiner Lieblingslieder des Albums. Tez ist wieder voll in seinem Element. Ohne ihn - und da bin ich mir ziemlich sicher, würde der Sound von CocoRosie sehr viel verlieren. Bei Harmless Monster geht mir richtig das Herz auf. "And it´s alright to recognize me"...
Wenn ich jetzt sagen würde, dass das Publikum distanziert reagierte, so ist das wahrlich übertrieben, aber die überschwängliche Euphorie macht sich (noch) nicht wirklich breit. Das mag auch daran liegen, dass das neue Album erst am gleichen Tag des Konzerts veröffentlich wurde und alles noch neu und interessant klingt. After The Afterlife und Gravediggress kommen überraschend schon am Anfang des Konzerts. Soll mir recht sein, denn ich habe sie mangels Alternative vom neuen Album doch recht häufig gehört. Dazu noch die doch recht üppige Radiopräsenz. Richtig gut gefällt mir Anna Lama, welches bislang unveröffentlicht ist. Ich mag das Harfenspiel und Sierras deutlich verzerrte Stimme. Ein wahres Highlight. 




Dann bekommt der liebe Tez Zeit für eine kleine Soloshow. Ich bin immer wieder beeindruckt. Ein wirklich cooler Typ. Gott sei Dank erinnert nur sehr wenig an die Zeiten von Police Academy, als das Geräusche imitieren in der breiten Öffentlichkeit populär wurde. Mit Villain kommt die Band wieder zurück auf die Bühne. Dieses Mal sogar in Begleitung einer drallen Tänzerin, die eine Mischung aus Erotik und Rhythmik versprühen möchte. Meinen Nerv hat diese Darbietung nicht getroffen. Passte irgendwie nicht richtig zum Rest dazu.

Richtig beeindruckt hat mich die Live-Version von Undertaker. Dazu Sierras Gesang und im Hintergrund ein tragischer Clown auf der Videoleinwand. Da lief es mir vor Rührung kalt den Rücken herunter. Wunderschön. Überhaupt wirken Bianca und Sierra keinesfalls überdrüssig voneinander. So ist es schön mit anzusehen, wie sie sich gegenseitig unterstützen. Jede in ihrer Rolle.  R.I.P. Burnface klingt angenehm frisch.
Lustig wird es dann noch zu Fairy Paradise, als Bianca irgendeinen Christopher aus dem Publikum auf die Bühne bittet, um dann mit ihr tanzend und singend eine nette Show abzuliefern. In welcher Beziehung die Beiden zueinander stehen, bleibt für mich ungeklärt.

Ordentlichen Applaus gibt es dann noch für die ersten Tonbandklänge von Werewolf. Zu Recht, denn das Lied ist einfach zu schön - und darf eigentlich auch live nie fehlen. Voller Wehmut höre ich dann Teen Angel. Ach und wieder die Harfe. Stelle ich mir einen Himmel vor - von welchen Engeln würde ich lieber umgeben sein. Vor den kitschig, langweiligen goldhaarigen Engeln oder von Engeln wie sie die Casady Schwestern sind. Ich glaube ich bräuchte eine gute Mischung.
Abgerundet wird der Abend dann mit Beautiful Boyz

Ich muss gestehen, dass ich nach anfänglicher Skepsis, ob mich CocoRosie erneut so berühren würden, nun beruhigt sagen kann - ja - das tun sie. Und das neue Album ist wunderbar geworden. Froh und glücklich entlässt mich das Huxleys mit einem weiteren Meilenstein, den ich an diesem Ort erleben durfte. Einziger Wehmutstropfen: Sie haben Japan und South 2nd nicht gespielt.

Hier die Aufzeichnung vom Pariser Konzert:
http://liveweb.arte.tv/de/video/Cocorosie_in_den_Bouffes_du_Nord/

Setlist:
Child Bride
End Of Time
Harmless Monster
Tears For Animals
After The Afterlife
Gravediggress
Anna Lama
Tez (solo)
Villain
Far Away
Undertaker
R.I.P. Burnface
Smokey Taboo
Poison
We Are On Fire
Fairy Paradise
-
Werewolf
Teen Angle
-
God Has A U
Beautiful Boyz

Mittwoch, 18. Juli 2012

Coco Rosie, Paris, 12.07.12

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Konzert: Coco Rosie & TEZ & The Rjasthan Roots

Ort: Le Trianon, Paris
Datum: 12.07.2012

Zuschauer: wohl ausverkauft

Konzertdauer: ungefähr 2 Stunden




Häh? Was war denn das jetzt? Also ich glaube so richtig habe ich das nicht verstanden, was Coco Rosie da abgezogen haben. War das jetzt eine Gäste Fete im Club Med oder eine Benetton Werbekampagne? Gelebtes Multi-Kulti? Ein Hippie-Revival-Fest zum Gedenken an George Harrison und seine Reise nach Bombay 1966 als er bei Ravi Shankar die Sitar lernte? Bis zu 10 Leute tummelten sich auf der Bühne, darunter Inder, Amerikaner, Franzosen und ein japanischer Trompeter. Was die da veranstalteten, hatte für mich mit guter Musik nicht mehr allzu viel zu tun. Das war eher eine bizarre Modenschau mit indischen Gewändern (sehr hübsch im Übrigen), Rastafarian Mützen, Männerunterhosen für Frauen, engen Korsetts, Knickerbockers und Plateauschuhen. Dazu wurde gehiphopt, gejamt, gehumanbeatboxt und geklatscht. Ringelpiez mit Anfassen. Oder so. Musikalischer Gehalt: gering. Klar, Sierry Casady hat eigentlich eine tolle Opern Stimme, Bianca klingt mit etwa Phantasie nach Billie Holiday und eine Harfe im Instrumentarium zu haben ist grundsätzlich immer schön, aber irgendwie kam ich nie so richtig rein in dieses abstruse Konzert, konnte mich in keiner Phase wie früher für die Casady-Schwestern begeistern. Die Magie operierte nicht (wie man in Frankreich sagt), was vielleicht auch an der Bullenhitze lag, die oben auf den teuren Balkonplätzen herrschte wo ich Pappnase saß. Man muss wohl in der richtigen Stimmung sein, um seinen Spaß mit Coco Rosie zu haben und dies war an jenem 12. Juli bei mir nicht der Fall. Vermutlich war ich immer noch von dem Ende meiner Oliver Peel Sessions gefrustet, war dadurch von der Human Beat Box Tex und den flötenden und mit Kastagnetten klappernden Indern genervt und fand irgendwie alles ziemlich (um nicht zu sagen: saumäßig) käsig. Möglicherweise lag es auch an meiner mangelden Vorbereitung, denn das letzte Album Grey Oceans hatte ich nicht gehört. Zudem klangen auch die altbekannten Sachen (Werewolf, K-Hole Turn Me On) anders, viel wuchtiger und ihres feenhaften, fragilen Charmes beraubt. Und die Videos fand ich damals auch besser, viel schriller und krasser. Was heute an die Wand projeziert wurde, erinnerte mit den fließenden Gewändern an französische Modemagazine, war allerdings nur das Video zu letzten Single We Are On Fire. Die auf den Boden schmetternde Kaffeetasse ist mir im Gedächtnis geblieben und hinsichtlich der Show, daß am Ende zwei Zuschauer mit auf die Bühne durften, um rumzutanzen und sich von jedem abknutschen zu lassen (beim Stück Japan).






Viele verbrachten also eine prima Zeit im Trianon, ich allerdings fragte mich hinterher ein wenig, warum ich früher Coco Rosie so sehr mochte. Oder war ich einfach nur schlecht gelaunt? Hatte ich vielleicht die Gebrauchsanweisung nicht gelesen? Hmmm...

- Viel mehr Fotos von Coco Rosie im Trianon, klick!


Setlist Coco Rosie, Trianon, Paris

01: Tearz For Animals
02: God Has A Voice, She Speaks Through Me
03: Smokey Taboo
04: R.I.P. Burn Face
05: We Are On Fire
06: Undertaker

Rajasthan Roots & Tez solo, die Casady-Schwestern ziehen sich derweil um

07: Daisy Chain
08: Werewolf
09: K-Hole
10: Black Rainbow
11: Fairy Paradise
12: Turn Me On

13: Japan
14: Teen Angel

15: The Song Of Goodbye

Aus unserem Archiv:

CocoRosie, Wien, 27.07.10
CocoRosie, Paris, 27.09.07
CocoRosie, Paris, 10.04.07




Freitag, 30. Juli 2010

CocoRosie, Wien, 27.07.10

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Konzert: CocoRosie
Ort: Arena, Wien
Datum: 27.07.2010


Neues aus CocoRosies Faschingskiste
- von Ursula von neulich als ich dachte -

Gestern abend fand mein zweiter Besuch in der Wiener Arena statt, dieses Mal spielten CocoRosie auf, und ein weiteres Mal wurde mein armer kleiner Schirm, der beinahe zu wackelig ist, um einen Regentropfen abzuhalten, als gemeingefährliche Waffe beschlagnahmt.

CocoRosie sind bekanntlich ein skurriles amerikanisches Geschwisterpaar, das sich abenteuerlich kleidet und seltsame Musik macht. Ein aufgeschlosseneres Publikum als Menschen, die für einen solchen Auftritt bezahlen, kann man sich also kaum vorstellen, dennoch strapazierte der Auftritt von Vorband Crazy Bitch in a Cave auch die Nerven dieser geduldigen Leute: Ein als Frau gekleideter Mann in Schlabberklamotten und mit Papierstücken beklebten Pumps, der zum Laptop operettenhafte Gesänge ausstieß, die wirkten, als seien sie gerade eben spontan ausgedacht worden, dazu ein Pärchen von Backgroundsängern/-tänzern, die Choreographien im Stil von Fred vom Jupiter ablieferten. In der offiziellen Single-Variante klingt das Ganze immer noch nicht angenehm, aber um einiges besser als live, und so wurde die Zeit, wie so häufig bei Vorbands, recht lang.

Irgendwann war dann die Zeit doch für die Casady-Schwestern gekommen, und sie betraten die Bühne mit Drummer Bolsa, Pianist Gael und Beatboxer Tez, den ich bereits von der letzten Tournee kannte. Außer meiner Kenntnis des Beatboxers hält sich mein Wissen über CocoRosie aber extrem in Grenzen, und die Setliste des gestrigen Auftritts war eher etwas für Hardcore-Experten: Von den ersten beiden Alben wurde nur der Song K-Hole gespielt, Hits wie Terrible Angels, By Your Side oder Good Friday fehlten dagegen. Neben den Liedern der aktuellen CD Grey Oceans lag das Augenmerk auf ungewöhnlichen Versionen (ein Cover von Kevin Lyttle (Turn Me On), ein nur als Single erschienener Song (God Has A Voice, She Speaks Through Me) und Happy Eyez von der EP Coconuts, Plenty of Junk Food sowie eine neue Variante von Rainbowarriors) und unveröffentlichten Titeln (Fatherhood, Tranny Power).

CocoRosie sind aber nicht nur für ihre Musik bekannt, und auch die Outfits der beiden Damen sorgten mal wieder für einen erinnerungswürdigen Abend: Zunächst trug Sierra ein wallendes, durchaus schönes Abendkleid, Bianca dagegen kombinierte Bermudashorts mit einer Art Charivari-Gürtel und einer Küchenschürze mit Herzen. Oben herum trug sie ein bauchfreies Tanktop mit einem Nietengeschirr, dazu übereinander eine Langhaarperücke, eine Haube aus etwas, das wie Dämmaterial aussah und eine Schirmmütze mit der Aufschrift NYPD.

Einen umjubelten Kurz-Soloauftritt von Tez in der Mitte des Sets nutzte Sierra für einen Kostümwechsel, aus der vermutlich hinter der Bühne stehenden Faschingskiste zog sie nun einen hellblau-weiß gemusterten Catsuit, zu dem sie eine Art weißes Brustgeschirr und einen aus weißen Kordeln bestehenden Hut (oder doch eher eine Perücke?) trug. Bianca blieb weitestgehend gleich, legte aber Schürze und Mütze ab. Für die Zugaben legte sie dann aber noch einen goldenen Gesichtsvorhang an.

Während des Auftritts erschien Sierra insgesamt gelöster, wirbelte über die Bühne, spielte Harfe und sang, zu Tranny Power lieferte sie gar eine Kasatschok-artige Tanzeinlage ab. Bianca machte einen etwas weniger glücklichen Eindruck, wenn sie nicht sang, spielte sie die am rechten Bühnenrand liegenden Kinderinstrumente oder auch eine Klarinette (sowie etwas aus silbernen Kugeln, bei dem ich nicht weiß, wie es heißt). Ihre Interaktionen mit Schwester, Band und Publikum beschränkte sie aber auf ein Minimum.

Wie schon bei Jónsi zeigte sich das Wiener Publikum überaus begeistert, begrüßte diverse Gesangseinsätze mit Szenenapplaus und forderte eine Zugabe mehr ein, als auf der Setliste stand.

Setlist CocoRosie, Arena, Wien:

01: R.I.P. Burn Face
02: Undertaker
03: Black Rainbow
04: Fatherhood
05: The Moon Asked The Crow
06: Lemonade
07: K-Hole
08: --- Tez (Solo) ---
09: Hopscotch
10: God Has A Voice, She Speaks Through Me
11: Grey Oceans
12: Happy Eyez
13: Turn Me On
14: Promise
15: Fairy Paradise

16: Werewolf (Z)
17: Tranny Power (Z)
18: ? (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- CocoRosie, Paris, 27.09.07
- CocoRosie, Paris, 10.04.07



Freitag, 28. September 2007

CocoRosie, Paris, 27.09.07

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Konzert CocoRosie
Ort: Olympia, Paris
Datum: 27.09.2007
Zuschauer: ausverkauft


Der Plan war gut, die Ausführung schlecht! Cécile sollte mich vereinbarungsgemäß am Bahnhof "Gare du Nord" abholen, wo ich aus Richtung Köln kommend mit dem Thalys gegen 19 Uhr einlaufen würde. Sie war auch pünktlich da, das Problem war bloß, daß sie die Konterttickets für CocoRosie nicht dabei hatte...

Anstatt gleich vom Bahnhof zum Olympia zu fahren, ging es also erst einmal nach Hause, was mir die Gelegenheit gab, mein verschwitztes Ramones T-Shirt zu wechseln und eine Tasse Kaffee zu trinken. Der Koffeinschub war auch bitter nötig, schließlich hatte ich in der Nacht zuvor kaum ein Auge zugemacht und im Zug die "Arschlochkarte" gezogen, weil ich an einem Vierer-Tisch saß und deshalb die Füße meiner gegenübersitzenden Person (eine, alte krähenhaft aussehende Dame mit mürrischem Gesichtsausdruck) ständig in der Quere hatte. Entsprechend genervt kam ich in Paris an und hätte gut und gerne Lust gehabt, das Konzert von CocoRosie sausen zu lassen. Da ich hart im Nehmen bin, raffte ich mich aber dennoch auf und machte mich auf den Weg in eines der altehrwürdigsten Konzerthäuser von Paris. Das Olympia liegt in einer sehr bürgerlichen, konservativen Gegend und so war es nicht weiter verwunderlich, daß mir versnobte Junganwälte der Streber-Kanzlei White & Case über den Weg liefen. Während meine Ex-Kollegen (na ja, nicht ganz, meine Jura-Karriere endete mit dem Bestehen des ersten Staatsexamens) aber gerade von der Arbeit kamen, ging es für mich rein ins Vergnügen. Im Inneren des Olympia war das Publikum ganz anders als draußen. Ambitionierte Anwälte machte ich nämlich unter den Besuchern nicht aus, sondern vielmehr ein bunt gemischtes Völkchen aus Neo-Hippies, Bobos (Leute, die sich gerne linksintellektuell geben, aber in ihrer 2000 € teuren Mietwohnung über die Probleme in der Banlieue fachsimpeln, der Sänger Renaud hat ein ganzes Lied über diesen typisch pariserischen Menschenschlag geschrieben), Schwulen, Lesben und kindgebliebenen Erwachsenen (Typen wie ich also). Diese Mischung empfand ich als sehr angenehm. Weniger angenehm war allerdings die Tatsache, daß vor dem Auftritt der Casady Schwestern (die Vorgruppe hatte ich verpasst, wer immer das auch war), viele Besucher glaubten, in dem eigentlichen Nicht-Raucher Raum, ein Zigarettchen anstecken zu müssen und dies vor allem in unmittelbarer Nähe meines Riechkolbens. Ich schilderte bereits meine Müdigkeit und Gereiztheit, machte mich allerdings selbst locker, indem ich mir sagte, daß die betreffenden Leute, spätestens zu Konzertbeginn - wenn das dröge Warten vorbei war - das Qualmen einstellen würden. Aber Pustekuchen, selbst als es endlich los ging, wurde munter weiter geraucht und teilweise sogar gekifft! Ein Mädchen hinter mir hatte gerade eine zweite "Tüte" angesteckt und blies den weihrauchähnlichen Duft in den Himmel, da geschahen plötzlich merkwürdige Dinge in meiner Nachbarschaft! Eine Person, ich glaube ein Mädchen (es war sehr dunkel, ich konnte nichts erkennen), lag regungslos vor meinen Füßen. Ich hatte mich vorher schon über den "sperrigen Gegenstand" auf dem Boden gewundert, aber die Lage nicht gepeilt. Der Guten war wohl die Luft weggeblieben, kein Wunder bei dieser ekligen Duft-Note im Raume! Gerade wollte ich Hand anlegen, da kamen glücklicherweise ihr Freund und ein Ordner zu Hilfe und schleppten sie zur Seite. Die Arme, sie tat mir leid! Ich hatte Probleme, mich auf das Konzert zu konzentrieren, Titel zwei und drei gingen deshalb halbwegs an mir vorbei. Ich glaube aber, daß es sich um "Black Poppies" und K-Hole" handelte*, nachdem das Konzert mit "Lyla" eröffnet worden war. Mit "Promise" wurde es dann aber doch ruhiger um mich herum, ich konnte endlich meine Aufmerksamkeit dem Auftritt der Casady Schwestern und ihrer zahlreichen Begleiter widmen. Der erste Höhepunkt der Show nahte, "Terrible Angels" vom ersten Album "La Maison de mon rêve" wurde nämlich angestimmt und vom Publikum enthusiastisch gefeiert. "If every angel's terrible, then why do you welcome them?" war die berechtigte Frage. "Oh every angel's terrible said Freud and Rilke all the same, Rimbaud never paid them no mind, but Jimmi Morrison had his elevators". Den Text verstehe wer wolle, die tiefere Bedeutung dieser Zeilen war mir in dem Moment allerdings auch ziemlich egal, ich legte mein Augenmerk vielmehr auf die aufwändige und außergewöhnliche Bühnendeko, die schönen Kostüme, die zahlreichen Ballons und nicht zuletzt die abgefahrenenen Geräusche die während des Lieds erzeugt wurden. Klingelte da nicht ein Telefon? Und meckerten da nicht Ziegen, oder andere Tiere eines Streichelzoos? Kuriose Coco-Rosie Welt! Ein bunt zusammengewürfeltes Universum, bestehend aus Voodoo-Puppen, Luftballons, wie man sie auf einem Jahrmarkt findet, Spinnweben überall, die gut und gerne aus einem The Cure Video hätten entlehnt sein können, Blumen, ein Kaffeeservice, venezianische Masken, eine menschliche Beatbox (Tez), kindlich angemalte Gesichter, fluoreszierende Schminke, Rasta-Mützen, eine Harfe, Pianos und absurde Videoanimationen im Hintergrund. Man wußte gar nicht, wo man hingucken sollte! Diese glänzende bühnen-und maskenbildnerische Leistung wurde aber noch getoppt durch die völlig unterschiedlichen Stimmen der Schwestern. Sierra Rose (Rosie), die Ältere verfügt über einen operettenhafte Stimme, was nicht weiter verwundert, wenn man weiß, daß sie eine Weile am Pariser Konservatorium zur Opernsängerin ausgebildet wurde, während Bianca Leilani (Coco) mädchenhaft schräg singt, wie man das von Björk und Joanna Newsom kennt. Aber auch der Showteil wurde im Verlaufe des Konzerts immer besser. Beim Stück "Animals" schwang sich ein Turner an seiner Stange in die Lüfte und schwebte ohne Seil und doppelten Boden über die Köpfe der zahlreichen Musiker hinweg. Beim anschließenden "Sunshine" wurde gar ein ganzer Kinderchor aufgeboten, der am Piano begleitet, ein sonniges Strahlen auf die Gesichter der Besucher zauberte. Zum Glück waren die kleinen Racker schon wieder verschwunden, als "You Wanna Fuck me" gebracht wurde. Hierbei handelt es sich um eine freie Cover-Version des Stückes "I Wanna Love You" des Rappers Akon, die ich schon vom Konzert im Grand Rex im April kannte. Allerdings glich der heutige Gig dem damaligen kaum, sämtliche Videos waren anders, der Bühnenaufbau, die Kostüme, alles verändert. Gut so! Bei CocoRosie gibt es halt eben keine Routine, sondern immer wieder Überraschungen, auch hinsichtlich der Set-List. So wurden heute beispielsweise die damals nicht vorkommenden Titel "Good Friday und "Armageddon" gespielt. Bei letzterem Lied spielen auch Walter Disney und Mike Tyson textlich eine Rolle, warum auch immer. CocoRosie lieben wohl das Namedropping...

Zuvor hatte insbesondere "Beautiful Boyz" erneut verzaubert, auch wenn der famose Antony Hegarty leider nicht dabei war. Was für ein schönes und berührendes Lied! Ich hatte einen Kloß im Hals. Ganz am Ende des offiziellen Teils wurde aber noch einmal das Tempo angezogen. Der "Werewolf" verwandelte das Olympia in einen Dance-Floor, Tez, die menschliche Beatbox, rappte was das Zeug hielt und die beiden Schwestern taten im gleich. Was für ein Abschluß, der altehrwürdige Saal tobte zu Recht!

Nach einer kurzen Pause ließen es sich die Musiker natürlich nicht nehmen, noch einmal zurückzukommen und sich feiern zu lassen. Aber was wurde gespielt? "This is The End Of Time kam als Textzeile gleich mehrfach vor, aber ich erkannte das Lied nicht? Handelte es sich um eine Cover-Version? Möglich...

Und was war denn das für ein Song, der das Ganze endgültig abschloß? Es ging um "Highways Of Love" und die Aussage "Never Cried About A Boy". Never cried about a boy, really? Hmm, im umgekehrten Fall, gilt das nicht für mich! I cried often about girls! Auch für CocoRosie selbst hätte ich wieder die ein-oder andere Träne kullern lassen können, am heutigen Tage. Meine Augen blieben aber trocken, die verständliche Ergriffenheit spürte ich nur innerlich...


Setlist CocoRosie, Olympia, Paris:

01: Lyla
02: Tekno Love Song
03: Black Swan
04: Promise
05: Terrible Angels
06: Black Rainbow
07: Animals
08: Sunshine
09: You Wanna Fuck Me (Cover des Songs von Akon "I Wanna Love You")
10: K-Hole
11: Beautiful Boyz
12: Bloody Twins
13: Good Friday
14: Turn Me On (K. Lyttle Cover)
15: Houses
16: Armageddon
17: Japan
18: Werewolf

19: This Is The End Of Time (Z)
20: I'll Never Cry For Another Boy (Cover von den Majestic Arrows) (Z)

Links: mehr Bilder von CocoRosie

* nein, es handelte sich um den Tekno Love Song und Black Swan





Mittwoch, 11. April 2007

CocoRosie, Paris, 10.04.07

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Konzert: CocoRosie
Datum: 10.04.2007
Ort: Le Grand Rex, Paris
Zuschauer: complet, ausverkauft

Vor dem heutigen Konzert von CocoRosie war ich auf alles gefasst. Entweder würde mich das unsäglich nerven, oder aber verzaubern.. Beide Varianten hielt ich für möglich, die beiden Casady-Schwestern polarisieren eben.

So habe ich zum Beispiel erst kürzlich einen vernichtenden Verriss in der französischen Musikzeitschrift Magic zum neuen Album "The Adventures of Ghosthorse and Stillburn" gelesen. Die Kritikerin Faustine Kopiejwski lästert hierbei mal so richtig über die in Paris lebenden Amerikanerinnen ab und läst wirklich kein gutes Haar an ihnen. So hält sie z.B. bereits den Albumtitel für ermüdend, den Gesang für schrecklich nervig und den Hip-Hop-Folk Sound für gräßlich. "Gäbe es eine 'Gehörpolizei', so müßte man das neue Opus unter Quarantäne stellen, um einen juckenden Ausschlag zu verhindern", folgert sie zynisch.

Ich war also vorgewarnt, hatte aber trotzdem gewisse Hoffnungen in den Abend gesetzt, da mir persönlich das neue Album nach den ersten Hördurchgängen gar nicht mal so schlecht gefiel. Die beiden Vorgänger besitzte ich auch, hatte sie aber lange nicht mehr gehört.

Zunächst überwog aber das nervige Moment. Auf dem Weg zum Grand Rex, einem alten Theater, das heutzutage normalerweise als Kinosaal dient, hatte ich mir meine schönen Kopfhörer ruiniert, sie wollten partout keinen Kontakt zu meinem i-pod aufbauen.

Entsprechend angesäuert kam ich in dem Konzertsaal an. Die Nervereien sollten sich auch mit den (ja, es gab mehrere!) Vorgruppen fortsetzen. Als erste trat eine Punk-Lady auf die Bühne, legte sich auf einen im vorderen Bühnenteil aufgebauten Tisch mit weißem Tischtuch und trug frühen 80er-Punk vor. Besonders schrecklich war eine Cover-Version von "My heart will go on" von Celine Dion. Als sie sich davonschlich, glaubte ich, das Schlimmste überstanden zu haben. Aber weit gefehlt! Als nächstes kam nämlich ein junger Rapper, der eine menschliche Beatbox verkörperte und das Publikum mit Neuinterpretationen von "Kiss" und "Sexy motherfucker" von Prince beglückte. Schrecklich!

Noch einen obendrauf setzte ein farbiger, junger Mann, in einem hautengen, pinkfarbenenen Ballettanzug, der ein absurdes Gedicht vortrug!

Au weia, worauf hatte ich mich hier eingelassen?

Zum Glück kamen dann endlich die Hauptdarstellerinnen des Abends reingeschlurft, Sierra und Bianca Casady nämlich, die sich hinter dem Namen CocoRosie verbergen. Begleitet wurden sie von drei Musikern, einem Pianisten, einem Gitarristen und dem Typen, der vorher als menschliche Beatbox fungiert hatte.

Los ging es mit "Houses" vom neuen Album, geschrieben von Hippie-Kollege Devendra Banhart. Überraschenderweise war das ein Auftakt nach Maß, denn ihr melancholischer Neo-Folk, gemischt mit elektronischen Elementen und allerlei bizarren Geräuschen zog mich ziemlich schnell in seinen Bann. Meine Laune besserte sich zusehends! Besonders gut gefiel mir das Harfespiel von Bianca (oder war das jetzt Sierra?), der kindlich-naive Gesang und die visuelle Umsetzung. Hinter der Bühne war eine riesige Leinwand aufgebaut, die verrückte Videos zeigte. So sah man unter anderem ein brennendes Haus (passte also zu "Houses"), Voodoo-Puppen, eine blonde Frau mit grell geschminkten Lippen, eine Eiskunstläuferin und Projektionen, die an Marc Chagall erinnerten. Ein Erlebnis für Augen und Ohren sozusagen. Solch tolle Videos hatte ich seit dem Konzert der Flaming Lips nicht mehr gesehen! Aber auch die Songs wußten zu überzeugen, beispielsweise "Animals" und "Sunshine", beide neu. Toll dieser leichte Hip-Hop Einschlag, das animierte richtiggehend zum Tanzen. Zu blöd für Björk, daß sie im Laufe des Jahres ebenfalls ein Album rausbringen möchte, welches abgedrehten Neo-Folk mit Rap verbinden soll. Wer zu spät kommt, den bestraft halt eben das Leben...

Auffällig fand ich heute auch die Parallelen zum Gesang einer Joanna Newsom. Die Casady-Sisters haben dieses herrliche kindliche Gepiepse ähnlich gut drauf. Aber sie beherrschen auch einen nahezu opernhaft anmutenden Gesang. Ich gebe zu, daß sie mich gekriegt haben. Ich war hin und weg, völlig dieser Welt von Feen, Harlekinen, Zaubererern, Vodoo-Puppen und Piraten verfallen! CocoRosie sind großartig, das ist mir jetzt endgültig klar! Welche Band ist schon dermaßen kreativ? Die eben zitierte Joanna Newsom sehr wahrscheinlich, Animal Collective, Grizzly Bear, Antony and The Johnsons, mit denen sie oft zusammenarbeiten, wohl auch. Aber sonst? Nichts als New Wave-Aufgüsse am Indie-Horizont...

Zu meiner Freude spielten CocoRosie auch Stücke vom ersten Album "La maison de mon rêve", vor allem natürlich "Terrible Angels" und "By my side". Sehr schön war auch, daß sie diese Lieder anders interpretierten als auf dem Album. Hier kam halt nichts aus der Konserve. "By my side" beschloß dann auch das offizielle Set und die Band verließ unter tosendem Applaus für's Erste die Bühne.

Es war aber noch lange nicht Schluß, denn es gab noch vier Zugaben, darunter "Japan", "Rainbowarriors" und das fabelhafte "Werewolf" allesamt von "The adventure of ghosthorse and stillborn". Die zweite der vier Zugaben kannte ich allerdings leider nicht, es handelte sich um ein Lied mit der witzigen Songzeile "You just wanna fuck me". Kennt das vielleicht jemand?

Nach "Werewolf" schien dann ausgecocorosiet zu sein, die Videoleinwand ging aus und die Hauptdarsteller verließen für lange Zeit die Bühne. Das Publikm hatte aber noch lange nicht genugt und klatschte minutenlang frenetisch Beifall. Mir schien das vergebene Liebesmühe zu sein, obwohl ich mich ebenfalls lautstark beteiligte.

Aber dann kamen die Wahlpariserinnen doch noch einmal zurück, begleitet von mit Körperfarbe bemalten Tänzern, so daß die Bühne ziemlich voll wurde. Ich glaube sie haben eine Cover-Version von irgendeinem Mainstream-Song gespielt, ich werde das mal nachforschen.*1 Sogar eine zweite Zugabe der Zugabe gönnten sie uns noch, ich denke es war "Miracle" *2 und zwar der Teil, der auf dem neuen Album als "hidden track" auftaucht. Danach fiel endgültig der Vorhang.

Ich war hin und weg und will CocoRosie unbedingt noch mehrfach sehen in diesem Jahr.

Kann ich jedem empfehlen, der schräge Musik mag, deshalb hier mal eine Auswahl an kommenden Konzerten:

15. April : London
06. Juni : Mannheim
08. Juni : Zürich
10 Juni : München

*1 Es handelte sich um "Turn me on" von Kevin Lyttle
*2 Nein, es war Tekno love song

Auszug aus der Setlist CocoRosie:

Houses
Animals
Promise
Sunshine
Terrible Angels
Beautiful boys
By my side
Japan (Z)
Rainbowarriors (Z)
Werewolf (Z)
Turn me on (Kevin Lyttle Cover) (Z)
Tekno love song (Z)

von Oliver




 

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