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Donnerstag, 13. März 2014

Franz Ferdinand, Köln, 12.03.14

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Konzert: Franz Ferdinand
Ort: Palladium, Köln
Datum: 12.03.2014
Dauer: Franz Ferdinand knapp 100 min, Citizens! 27 min
Zuschauer: vielleicht 3.200



"Ach stimmt, das gibt es ja auch noch", dachte ich bei Michael. Und bei This fire und bei Outsiders - nachdem Franz Ferdinand bereits eine ganze Menge großer Hits gespielt hatten. Am Ende fehlten trotzdem ein paar Lieblinge aber es blieb die Erkenntnis, daß die Band aus Glasgow im Gegensatz zu vielen Altersgenossen kaum Abnutzungserscheinungen zeigt und mit nach einem kurzen Tief vor ein paar Jahren wieder ähnlich viel Spaß wie am Anfang macht. Irgendwas machen die vier Musiker anders als ihre Kollegen von Arctic Monkeys, Bloc Party, Editors, Strokes oder Mando Diao (beliebig erweiterbar). Oder sie machen gar nichts anders und sind schlichtweg talentierter. 


Nachdem ich die elektronische Phase rund um die dritte Platte nicht mehr richtig mochte (und lange brauchte, um Lieder wie Ulysses überhaupt zu mögen - heute liebe ich es), schienen auch Franz Ferdinand den Standard-Weg in meiner Gunst zu gehen. Allerdings kam es zu dem erwarteten Liebesentzug nicht, weil da das Bowlie 2 Wochenende dazwischenkam. Dieses ATP Festival, dessen Programm Belle & Sebastian gestaltet hatten, wies im Programm neben zig wundervollen Glasgower Bands und Musikern einen Überraschungsact auf. Ein paar Tage vorher sickerte durch, daß es sich um Franz Ferdinand handelte. Mich enttäuschte das damals, weil wir uns gerade eine Pause gönnten. Nachdem aber vorher bereits Alex Kapranos und Nick McCarthy als Gäste bei Edwyn Collins phänomenal gutem Konzert aufgetreten waren und Alex als Gastgitarrist bei seiner Uralt-(Ska-)Band Amphetameanies mitgespielt hatte, hatte ich plötzlich Lust auf Franz Ferdinand und erlebte ein großartiges Konzert. Zwei Jahre später beim Primavera war fast alles wieder wie früher. Also schreckte heute auch das Palladium mit seinen vielen Nachteilen überhaupt nicht ab.


Um acht war die ehemalige Fabrikhallo noch recht leer. Gegenüber spielten Revolverheld, die erschütternd viele Zuschauer angelockt und das E-Werk ausverkauft hatten. 2009 war auch noch das Palladium bei Franz ausverkauft, heute nicht mehr. Es wurde zwar noch recht voll (wenn ich das von vorne richtig gesehen habe), es wären aber sicher noch einige hundert Zuschauer mehr reingegangen. Um acht spielten Citizens! aus London, die (zumindest beim ersten Album) von Alex Kapranos produziert worden waren. Ich hatte die Band von einmal gesehen und fühlte mich bei der Stimme des Sängers an Alison Moyet  erinnert. Gleich beim ersten Lied bestätigte der Mann mit der häßlichen Jacke diesen Eidruck. Gegen die Stimme der Yazoo Sängerin habe ich gar nichts, die Modern-Talking-Rhythmen des ersten Stücks dagegen waren fies. Es wurde zwar anschließend etwas besser, Citizens! sind aber nichts für mich und nicht der Rede wert. Und sie sind definitiv die schlechtere Vorgruppe im Vergleich zu Wiesbaden, denn da werden Franz von Teleman supportet.


Um kurz nach neun wurde es dann besser. Allerdings nur musikalisch. Die Kleidung blieb etwa gleich. Die vier Franz Ferdinands hatten - vermutlich ihrem School of Arts Hintergrund geschuldet - schwarz-weiß-fleckige Hosen und Hemden an. Die passten zwar zu den abstrakten Hintergrund-Animationen, freiwillig würde man so etwas aber nie tragen. 


Aber die Outfits, die unangenehmen Menschen in unserer direkten Umgebung und das Palladium selbst waren spätestens bei The dark of the matinée vergessen (naja, ein paar der Nervensägen brachten sich später wieder in Erinnerung). Die Musik war schnittig, abwechslungsreich, mitreißend und keinen Hauch altbacken! Die neuen Stücke wie Bullet, Evil eye oder das überragende Love illumination passen überhaupt nicht in die Phase, in der sich Franz Ferdinand gerade befinden. Sie klingen nicht nach vierter Platte. Um Love illumination oder das wunderschöne Fresh strawberries irre gut zu finden, muß man kein alles schönredender Fan sein, das ist einfach eine Frage guten Musikgeschmacks.

Mir gefiel der Aufbau der Setlist hervorragend. Zugegebenermaßen ist das aber für die Band auch keine große Herausforderung, das Repertoire ist zu gut, um Gefahr zu laufen, zu viele Langweiler einzubauen. Einige der Lieder klangen leicht abgewandelt, mal mit anderem Rhythmus, mal mit mehr (Auf Achse), mal mit weniger elektronischen Instrumenten. Nur zweimal gefiel mir das nicht. Das ewig lange Ende von Do you want to war langweilig (und unnötig), genauso das Blue-Man-Group-Ende der letzten Zugabe Outsiders, bei dem alle vier trommelten. Das war fast schon ärgerlich, fiel aber wegen der sehr guten anderthalb Stunden vorher weniger ins Gewicht.

Wenn die Band so gut ist, sind sogar vollgestopfte Palladium-Konzerte gut. Daß Franz Ferdinand noch eine Weile so gut bleiben werden, glaube ich sicher. Und vermutlich werden sie nicht das Schicksal vieler Altersgenossen teilen und "aus künstlerischen Gründen" in immer kleineren Sälen spielen. Denn obwohl weniger Leute da waren als vor fünf Jahren, waren irre viele da, die vermutlich 2009 noch zu jung waren. Das Franz Ferdinand Feuer brennt noch.

Setlist Franz Ferdinand, Palladium, Köln:

01: Bullet
02: The dark of the matinée 
03: Tell her tonight
04: Evil eye
05: No you girls
06: Do you want to
07: The fallen
08: Fresh strawberries
09: Walk away
10: Stand on the horizon
11: Can't stop feeling
12: Auf Achse
13: Lucid dreams
14: Brief encounters
15: Michael
16: Take me out
17: Love illumination
18: Ulysses
19: This fire

20: Right action (Z)
21: Treason! Animals! (Z)
22: Outsiders (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Franz Ferdinand, Barcelona, 31.05.12
- Franz Ferdinand, Minehead, 11.12.10
- Franz Ferdinand, Paris, 17.03.09
- Franz Ferdinand, Köln, 14.03.09
- Franz Ferdinand, Stockholm, 15.11.08
- Franz Ferdinand, Melt!, 19.07.08
- Citizens!, Köln, 24.05.12


Freitag, 25. Mai 2012

Austra usw., Köln, 24.05.12

3 Kommentare

Konzert: Austra, The Hundred In The Hands & Citizens!
Ort: E-Werk, Köln (Electronic Beats Festival)
Datum: 24.05.2012
Zuschauer: vielleicht 1.000
Dauer: Citizens! 30 min, The Hundred In The Hands knapp 30 min, Austra volle 40 min


Dienstag abend wurde gemeldet, daß die Headliner des Electronic Beats Festivals, die Kills, krankheitsbedingt absagen mussten. Statt des wenig elektronischen Duos bekamen die anderen Bands längere Auftrittszeiten und die Zuschauer zwei Getränkebons (5,40 € zzgl. Pfand) zugewiesen. Da ich vor allem wegen Austra ins E-Werk fahren wollte, traf mich die Absage nicht so sehr.

Als ich um Punkt neun im E-Werk ankam, traten Citizens! aus London gerade auf die Bühne. Die Band, deren Debüt morgen erscheint, wird von Alex Kapranos von Franz Ferdinand produziert und spielte keinerlei elektronische Beats. Gitarren, Bass und Schlagzeug, ganz klassisch. Es stand zwar auch ein enorm hip verkleidetes Keyboard auf der Bühne, es kam allerdings kaum zum Einsatz.


Den Einfluß von Alex Kapranos hörte man immer wieder. Leider ist die Stimme des Sängers nicht sonderlich doll, den Songs fehlt dadurch der nötige Pfiff. Richtige Knüller waren aber auch unabhängig von der Stimme nicht dabei. Citizens! halbe Stunde war nett anzuhören - aber nicht mehr.

Setlist Citizens!, Electronic Beats, E-Werk, Köln:

01: Caroline
02: Monster
03: Love you more
04: All the way
05: She said
06: Reptile
07: True romance
08: I'm in love with your sister

Als nächstes standen The Hundred In The Hands auf dem Programm. Das New Yorker Trio traf das Motto des Festivals besser, löste bei mir aber vor allem Assoziationen mit den (meist) wundervollen Saint Etienne aus. Ob das schon Vorfreude auf deren Konzert kommende Woche ist, oder daran wirklich etwas ist, weiß ich gerade nicht, ist aber auch egal, ist ja nur die nächtliche Kurzfassung. Jedenfalls gefielen mir The Hundred In The Hands gut, ich mochte sie aber auch schon vorher gerne.

Setlist The Hundred In The Hands, Electronic Beats, E-Werk, Köln:

01: Dressed in Dresden
02: Keep it low (neu)
03: Pigeons
04: Young aren't young
05: Commotion


Mein Headliner war Austra (Miike Snow interessiert mich nicht genug, um mir dafür die Nacht um die Ohren zu schlagen). Die kanadische Band um Sängerin Katie Stelmanis hatte ich vor etwa einem Jahr schon einmal gesehen und unzählige Male gehört, obwohl ich mir bewußt bin, daß Austra haarscharf an der Ekelgrenze vorbeischrappen. Diese Sorte Musik (andere Vertreter Florence & The Machine z.B.) kann sehr fies sein, aus irgendeinem Grund gilt das für Austra nicht.

Wer die Musik doof fand (viele kannten die Bands vorher nicht - das Publikum war zum Großteil mehr aus gesellschaftlichen Gründen da, denke ich), bekam wenigstens etwas fürs Auge geboten. Der Keyboarder der Band trug ein Glitzerjacket über nacktem Oberkörper und einer Mullbinde über dem Bauch und hatte nichts an den Füßen. Die beiden Tänzerinnen rechts und links von Katie waren herrlich extravagant gekleidet. Die rechte Dame hatte ein sehr hübsches Kleid mit Peacezeichen und Rotkäppchen-Cape-Kragen an, ihre linke Kollegin ein orientalisch anmutendes Outfit. Katie trug eine weiße Hose, ein bauchfreies Top und eine kleine Tasche um den Hals. Sehr stylish und sehr sehenswert! Für die Musik gilt das natürlich auch! Die Stücke stammten vom bisher einzigen Album der Band und funktionierten hervorragend! Highlights waren Darken her horse, The future und natürlich Lose it.

Leider überschritten auch Austra die Halbstundenmarke kaum. Wenn die drei Bands, die ich gesehen habe, länger als ursprünglich geplant, gespielt haben, bin ich sehr froh, daß die Kills nicht da waren. Für je 15 Minuten hätte sich die Anreise nicht gelohnt, weder die der Künstler noch meine.

Setlist Austra, Electronic Beats, E-Werk, Köln:

01: Young and gay
02: Lose it
03: The choke
04: The villain
05: Darken her horse
06: neu
07: Habitat
08: The future
09: Beat and the pulse

Später mehr (Text, Fotos)!


Danke an Philipp für die fehlenden Liednamen!



 

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