Donnerstag, 9. Juli 2009

Flowers From The Man Who Shot Your Cousin & Stefana Fratila, Paris, 8.07.09


Konzert: Flowers From The Man Who Shot Your Cousin & Stefana Fratila

Ort: Le Pop In, Paris
Datum: 08.07.2009
Zuschauer: 40-80 (ein ständiges Kommen und Gehen...)
Konzertdauer: jeweils 35-40 Minuten


Der 8. Juli 2009, kein Tag an dem in Paris ein großes Konzert auf dem Programm stand, an dem es aber für Indie-und Folkfans eine reichhaltige Auswahl gab. Diane Cluck wollte ich schon seit längerer Zeit mal sehen und heute war in Paris eigentlich auch die Gelegenheit dazu, aber Flowers From The Man Who Shot Your Cousin gab ich schließlich den Vorzug. Morgan Caris, Sänger, Gitarrist und Songwriter des Projekts, hatte mir nämlich neulich verraten, daß er sehr bald Paris verlassen werde, um wieder ganz nach Vancouver, Kanada, zu ziehen. Die Chancen ihn bald wieder auf einer Pariser Konzertbühen zu erleben, sind also recht dürftig und so galt es im Pop In auf der Matte zu stehen.Als ich die Stufen des trubeligen Pubs erklomm, klebte sein heutiger Bühnenpartner Erwan, gleichzeitig Labelchef des vorzüglichen Ladens Waterhouse Records , gerade noch ein paar Plakate für künftige Veranstaltungen an die Wand, bevor er sich Richtung Kellergruft in Gang setzte, wo die feinen Konzerte stattfinden. Es gibt hier selten allzu bekannte Künstler zu erleben, dafür aber immer wieder interessante Entdeckungen und regelmäßig Musiker von Niveau. Erwan als Organisator einiger im Pop In stattfindender Gigs ist hierfür mitverantwortlich, aber auch Musiker wie Herman Dune oder passionierte Musikfans wie Eloise und Laurent Orseau von Hinah.com, die aber inzwischen in Frankfurt am Main ihre Zelte aufgeschlagen haben. Auch die Orseaus sind Fans von Flowers From The Man Who Shot Your Cousin und auch sonst haben die alternativen Labelbetreiber bei ihrer Künstlerauswahl immer ein glückliches Händchen. Mit ein bißchen Fantasie könnte man sagen, daß ich Laurents Arbeit in Teilen fortsetze, denn auch er fotografierte Musiker im Pop In und veranstaltete mit seinen Favoriten, genau wie ich, Homeshows. Und wer weiß, vielleicht gründe ich ja auch noch mein eigenes kleines Indielabel?Aber nun genug fantasiert, kommen wir zum eigentlichen Geschehen! Flowers From The Man Who Shot Your Cousin, gebildet aus dem Sänger Morgan an der Gitarre und Erwan am Bass, starteten gegen 21 Uhr 45 mit ihrem Set. Schon nach ein paar Takten fiel die unglaublich warme und schöne Stimme von Morgan positiv auf. Ein Kehlchen, das klingt als hätte man Morrissey mit Nick Drake gekreuzt, eine wahrlich gelungene Mischung! Ganz ruhig und gelassen erzählte der Doppelstaatler (Franzose, Kanadier) seine süß-sauren, mit schwarzem Humor versehenen Geschichten und verwandelte den Keller des Pop In in eine weite amerikanische Wüstenlandschaft. Leonhard Cohen, Smog oder die Silver Jews werden oft als Referenzen genannt, für mich bestand aber auch eine Seelenverwandschaft zu anderen Meistern des soften, depressiven Folks und zwar zu Malcolm Middleton und Yames Yorkston. Was dort vorne gespiekt wurde, gefiel mir jedenfalls ganz ausgezeichnet. Leider gab es aber auch heute wieder ein paar Störenfriede, die glaubten, nur weil der Eintritt zu den Konzerten im Pop In frei ist, laut reden zu können. Das nervte massiv und veranlasste Bassist Erwan, mitsamt Instrument unter dem Arm spontan die Bühne zu verlassen und die Unruhestifter aus nächster Nähe anzupflaumen. Er hatte mit dieser Disziplinierungsmaßnahme recht und auch Erfolg, denn danach herrschte Ruhe, weil die Schwatzbasen nach oben abzogen. Absolut störungsfrei konnte man nun den Rest des Programmes genießen, das ausschließlich aus neuem, noch unveröffentlichen Material bestand. Von der bisher einzigen CD Hapless (2006) stammte lediglich der wundervolle Opener Postcard From A River. Wann das neue Werk erscheinen soll, wurde nicht mitgeteilt, sicher ist aber, daß es traumhaft werden wird, denn einfühlsame Songs wie Kitchen Fires oder das abschließende Father's Day ließen den Folkfan in mir mit der Zunge schnalzen. Ein Mädchen im Publikum vergoss sogar während Father's Day warme Tränen, was ich aber nicht auf den melancholischen Song von Morgan schiebe, sondern eher auf Liebeskummer oder Streit mit den Eltern. Oder was meinst Du Morgan? Bringst Du etwa die Mädels zum Weinen? Tu fais pleurer les filles avec tes chansons tristes, Morgan?

Setlist Flowers From The Man Who Shot Your Cousin, Le Pop In, Paris:

01: Postcard From A River
02: Prospector
03: Fortress
04: Tired
05: No Home
06: Kitchen Fires
07: Standards
08: Drive In
09: Father's Day


Anschließend war mit Stefana Fratila eine Kanadierin aus Vancouver am Start. Die junge Frau mit dem italienischen Namen erschien zusammen mit einem knabenhaften Burschen, der ein kleines Roland-Keyboard bediente, während sie überwiegend Ukulele spielte. Die beiden waren zum ersten Mal in Paris, sogar zum ersten Mal in Europa und entsprechend aufgeregt. Mit viel Charme, Spielfreude und Enthusiasmus kompensierten sie aber ihre Nervosität und brachten Stimmung in die Bude. Zu dumm nur, daß Stefana heute heiser war und nicht jeden Ton traf! Aber auch hierauf hatte das kesse Mädel den passenden Spruch parat: Kauft einfach die CD, da singe ich perfekt und wunderschön! Stimmt auch, wie ich mich inzwischen überzeugen konnte und überdies hat die brilletragende Brünette jede einzelen Scheibe selbst gestaltet und in hübsch bemalte Kartons gesteckt. Keine CD ähnelt somit optisch der anderen und es gibt auch lediglich 100 Stück weltweit! Liebevoll gemachte Handarbeit, die man auch aus der Musik heraushört, die eine Mischung aus Folk und organischem Elektro Pop darstellt. Die Frau mit der leicht infantilen Stimme (eine ihrer Vorbilder ist Joanna Newsom, aber auch Soko könnte man heraushören) hätte auch gut zum kürzlich stattfindenden Festival Music For Toys gepasst, denn ihr Hauptinstrument , die Ukulele, tauschte sie nur am Ende einmal gegen eine Akustigitarre aus.

Eine tolle Entdeckung, die man auch demnächst auf Berliner Konzertbühnen bestaunen kann!

Konzerttermine Stefana Fratila:

16. Jui: Soundtrack Summer Fest, Schokoladen, Berlin
17. Juli: Schwarzer Kanal: La D.I.Y. Fest, Berlin
18. Juli: Madame Claude: Siro Bercetche, Berlin

Setlist Steafa Fratila, Pop In, Paris:

01: Look Daen!
02: The See Inside
03: October
04: City Of Glass
05: January 2055
06: Vista Voyager
07: Understanding Both Parts...
08: A Similar Response

Die abschließend auftretenden Captain Kidd konnte ich dann leider nicht mehr sehen, die Müdigkeit...

- Mehr Fotos von Flowers From The Man Who Shot Your Cousin hier
- Mehr Fotos von Stefana Fratila hier

- Videos: Stefana Fratila A Similar Response live
Flowers From The Man Who Shot Your Cousin - No Home live Girls live


1 Kommentare :

E. hat gesagt…

schön.

 

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