Samstag, 4. November 2006

Junge Pariser Szene, Gambetta Paris, 02.11.2006

Konzertbericht junge Pariser Szene
Datum: 2.Nov 2006
Location: Gambetta, Paris

Der heutige Abend war der Talentsichtung gewidmet. Mein junger französischer Freund Nico, den ich bei einem Konzert von Grizzly Bear kennengelernt hatte (ich sprach ihn auf sein schönes Dirty Pretty Things T Shirt an!), hatte mich auf den Termin aufmerksam gemacht. Nico spielt mit zwei Freunden in der Band The Days, die heute auch auf dem Programm standen. Das Gambetta liegt gleich neben der szenigen Flèche d' or, so daß ich den mir vorher unbekannten Laden nicht verfehlen konnte. Es handelt sich im Grunde genommen um eine Art Bar (Pinte) oder Café, wie man möchte. In der DDR hätten man wohl Jugendclub dazu gesagt. An den Seiten konnte man es sich auf den Sofas und Sesseln bequem machen und quasi wie vor dem heimischen Sofa die jungen Bands aus nächster Nähe verfolgen. Bevor hier aber wild losgerockt wurde, bekam ich noch ein Spektakel ganz eigener Art geboten. Ein reife Dame (wahrscheinlich um die 60), bekleidet mit einer schwarzen Glitzerweste und einem giftgrünen Kleid nutzte die Bühne, um weitgehend talentfrei (um höflich zu bleiben) abwechselnd Chansons vorzutragen, Gedichte zu rezitieren und die jungen Leute vor den Gefahren der bösen Medien zu warnen. Keine Sau wollte das hören, die stylishen Kids warteten vielmehr darauf, daß sich die Alte vom Acker macht, damit hier endlich wieder Rock'n'Roll geboten werden konnte. (The Wankers hatten in meiner Abwesenheit bereits den Ball eröffnet). Die Dame wollte aber gar nicht mehr aufhören...

Irgendwann zog sie dann aber Leine und es konnte mit dem Trio Dirty Jacket weitergehen. Ihr Auftritt erinnert sehr an die Ramones, oder die Stooges, allein schon der Sänger hatte mit seiner an den Knien aufgeschlagenen Jeans und der Lockenmähne Ähnlichkeiten mit Joey Ramone. Am Schlagzeug saß übrigens ein sehr junges, aber anscheinend gar nicht schüchternes Mädchen.

Im Anschluß daran der Auftritt der Pauls, die extra aus Toulouse gekommen waren. Sehr melodisch das Ganze und mit deutlichen Anklängen an Interpol und Konsorten.

The Slugs erhöhten dann Tempo und Lautstärke deutlich, was allerdings natürlich zu Lasten von ausgearbeiteten Songstrukturen ging.

Der Höhepunkt kam dann danach, denn die Sarah Kuttner ähnelnde Sängerin in Netzstrümpfen der Band The Bonaparts war so gar nicht schüchtern, sondern genoss im vollem Umfange die ihr zu Teil werdende Aufmerksamkeit. Eine wahre Punk-Röhre die Kleine! Pate standen hier mit Sicherheit Blondie, oder Karen O von den Yeah Yeah Yeahs. Die laszive Show ließ so manchen Puls der jungen Männer in den ersten Reihen schneller rasen.

Dann mein eigentlicher Anlaß des Kommens: der Auftritt von Nico mit seinen Days. Schon vorher hatte Nico mir gegenüber seine Unzufriedenheit mit dem Equipment ausgedrückt, denn es mangelte u.a. an einem Stimmverzerrer, den Nico ansonsten oft einsetzt. Sie starteten mit "You mean nothing to me" ,um dann mit "I wish I was a gipsy king" fortzufahren. Spätestens hier wurde deutlich, daß man Nico's Gesang akkustisch kaum verstand. Er guckte etwas fassunglos ins Leere und versuchte mit "Glad in the garden" noch die Kurve zu kriegen. Aber vergeblich! Ziemlich frustriert verließ er kommentarlos die Bühne. Schade drum, denn Potential ist eindeutig vorhanden und die anderen mühten sich nach Kräften. Aber halb so schlimm, wir haben es halt eben noch nicht mit Profis zu tun.

Die talentierten Jungs von Cosmic Charlie, angeführt von einem Sänger, der Paul Weller verdammt ähnlich sah, beschlossen dann den interessanten Abend. So etwas werde ich auf jeden Fall noch einmal wiederholen und kann es eigentlich nur jedem empfehlen, sich mal junge, ehrgeizige Band anzuschauen.


von Oliver

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