Freitag, 4. April 2014

Martha Rose und Biggles Flys again, Stuttgart, 03.04.14

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Konzert: Jethro Pickett, Biggles Flys again und Martha Rose
Ort: Wohnzimmer irgendwo in Stuttgart
Datum: 3. April 2014
Dauer: 20 min + 25 min + 35 min
Zuschauer: etwa 30



You don't have to feel so guilty so sad and so sorry
(Martha Rose - It doesn't really matter, Martha)

Die Beschreibung Songwriterin aus Bristol löst bei mir schon reflexhaft den Wunsch aus, sie im Konzert sehen zu wollen. Wenn dies überdies mit einer netten Einladung in das Rohrsche Wohnzimmer zusammen geht, gibt es eigentlich keine weiteren Fragen meinerseits und Null Bedenkzeit ist nötig. Außerdem hatte Martha Rose schon im Januar eine Oliver Peel Session in Paris gespielt. Das bürgt selbstverständlich auch stets dafür, dass meine musikalische Wellenlänge getroffen wird.


Dass dies eine gute Strategie war und bleibt, hat sich an diesem Sommerabend Anfang April (sic!) aufs Schönste bestätigt. Wir alle erlebten drei bestens aufgelegte Musiker, die für ein super-aufmerksames Publikum ihre Gitarren und ihre Lieder ausgepackt hatten und sich in unserem Wohlwollen sonnen konnten.


Der Abend begann mit dem Australier Jethro Pickett, der in Tasmanien zu Hause ist und gerade mit dem Iren Conor Deasy eine kleine Tour macht (Daten weiter unten). Er begleitete ihn mit seiner warmen Stimme und der Akustikgitarre in dem Musik-Projekt Biggles flys again.



Freilich bietet es sich an, jedes Biggles-Set mit einigen Songs zu beginnen, die Jethro von Down under mitgebracht hat. So auch an diesem Abend. Seine Lieder gingen runter wie ein gut ausgewogener Rotwein. Conor lieferte für Jethro die zweite Stimme und Gitarre. Die Songs waren ohne Ecken und Kanten, aber das muss ja auch nicht immer sein. Überdies hatten beide mit ihrem Lächeln und netten Kommentaren gleich alle Herzen im Sturm erobert. 
 

Setlist Jethro Pickett
01: You were my queen
02: Dream and be safe
03: Everything will be alright
04: The mystic's trip
05: Mother humanity


Da der Unterschied zu dem Biggles-Set nicht so besonders groß war (außer dass die Leadstimme wechselte und beide Männerstimmen tatsächlich etwas unterschiedlich im Timbre sind) tauschten die Herren für das zweite Set wenigstens die Plätze. Es gab dafür Applaus und Gelächter und anschließend wieder volle Aufmerksamkeit. In den Texten und der Musik von Conor zeigte sich etwas mehr Rauhheit und das eine oder andere Gebrochene war auszumachen, aber im Großen und Ganzen erwies es sich doch gefällig und leicht zu konsumieren.



Setlist Biggles flys again
01: City like a river
02: Old words
03: Imaginary fire
04: Free
05: Hold me 


Nach einer kleinen Pause war schließlich Martha dran mit ihrer E-Gitarre und - vor allem im Vergleich zu der Musik der beiden Herren - doch eher spröder und nachdenklicher Musik. Gedanken über das Verhältnis zur Familie (Großmutter und Mutter) und dem, was im Leben wichtig ist, wurden auf den Tisch gelegt und gemeinsam durchgesehen. Sie lebt zur Zeit in Berlin und spricht sehr gut deutsch. Sehr sympathisch fand ich ihre Erläuterungen und Gedanken und eigentlich ihr ganzes Auftreten. Auch hier wurde viel gelacht und geklatscht.

Für zwei Songs tauschte Sie die Gitarre gegen ein kleines Keyboard. 

Als letzten Punkt im Programm hatten die drei ein stimmungsvolles Dylan-cover sehr gut gewählt, bei dem alle drei zusammen vor das Publikum traten und sozusagen eine kumulative Zugabe spielten. Im Ausklang des Abends waren wir uns einig: Es war ein wunderbarer Abend und viele nahmen noch CDs zur Nachbereitung mit nach Hause. Ein besondere Aktie daran, dass wir alle das schöne Konzert genießen konnte, hatte in meinen Augen Lisa - einen herzlichen Dank dafür!




Setlist Martha Rose
01: Coffee love
02: No granddaughter
03: Lips
04: Daughter no more
05: Othello, Bro!
06: It doesn't really matter, Martha
07: Famous last words




All three: Walking down the line (Bob Dylan cover)



Aus unserem Archiv am gleichen Ort:

Amy Schmidt, 24. Januar 2013
Tonbandgerät, 13. April 2013
LUAI, 29. Mai 2013
Ben Schadow und Pele Caster, 30. August 2013
Achim Erz und Johnny Heyderdahl, 27. September 2013
Desiree Klaeukens, 19. November 2013 
The Grand Opening, 27. November 2013
Pelle Carlberg, 26. März 2014 

 

Donnerstag, 3. April 2014

Ma Valise, Karlsruhe, 02.04.14

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Konzert: Ma Valise
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 2. April 2014
Dauer: 110 min
Zuschauer: 60-70


Manchmal liegt Karlsruhe im Senegal, es wird dort Tango mit einem Kontrabass getanzt und der bretonische Cousin von Billy Bragg reckt anpeitschend seine Arme, bis er seinem Überschwang Luft am Jaulen des Theremin verschaffen muss. Gut, dass das alles am zweiten April stattfand, sonst müsste ich damit rechnen, dass es leichtfertig als Aprilscherz abgetan wird. Aber so wahr ich gestern im Tollhaus dabei war -  da ist nichts geflunkert und alles die reinste Wahrheit.



Ich hatte mich nach den verfügbaren Videos auf einen vergnüglichen Abend mit tanzbarer Musik eingestellt. Den bekam ich 100% geliefert. Vom ersten Moment an war das Publikum dem Rhythmus und dem Charme der vier Männer auf der Bühne erlegen. Schlagzeug, E-Gitarre, Kontrabass und Knopfbandoneon waren die Grundausstattung. Ab und an musste das Theremin einen Beitrag leisten und das Bandoneon wurde zur Seite gestellt, um durch ein Keyboard ersetzt zu werden. Was geboten wurde, war Querbeet Musik, manchmal in der Mixtur an Manu Chao erinnernd, oft aber auch vom Diktus her Nordafrikanisch. Gesungen wurde Französisch und Spanisch.



Der Mann links außen am Schlagzeug war sehr eindrucksvoll darin, wie er den ganzen Abend lang das Publikum vor sich hertrieb und in etwa der Hälfte der Lieder die erste Stimme sang. Das alles ohne Ermüdungserscheinungen. 


An der E-Gitarre herrschte eher keine Eleganz, dafür aber Kunstfertigkeit in allen möglichen lustigen Zwischenrufen und Pogosprüngen. Besonders faszinierend fand ich den Herren am Kontrabass, der als einziger nicht mitsang, aber seinen Bass den ganzen Abend kunstfertigst und einigermaßen verrückt in die unerwartesten Tanzposen nahm.


In Bezug auf die Ansagen ging es einigermaßen kreuz und quer. Obwohl aus dem Publikum immer wieder Anfeuerung und Antworten in bestem Französisch kamen, mühten sich die Herren auf der Bühne mit deutschen und englischen Erklärungen, was aber dann doch häufig mit Schulterzucken und lachen enden musste. Das Publikum war aber selbst auch zu Scherzen aufgelegt: So nahm man uns gedanklich mit in den kleinen Transporter, um gemeinsam um das Mittelmeer herum zu fahren an den Ort des nächsten Stückes und fragte ins Publikum, wo das Ende der Fahrt war. Prompt kam selig und aus vollster Lunge: KARLSRUHE! Wo wir gedanklich eigentlich gerade nach Senegal geleitet worden waren.


Man muss zugeben, dass gerade die in Afrika geborgten Stücke etwas die schwerelose Eleganz vermissen ließen, die dort eigentlich zu Hause ist. Da schien deutlich das doch schwerfälligere Europa durch. Aber die überbordende Spielfreude machte das wett. Sie zeigte sich auch darin, dass es am Ende mehr Zugaben gab, als im zweiten Set (nach der Pause) regulär gespielt worden waren. Nach vier ausführlich mit diversen Soli durchgearbeiten Stücken kamen alle vier Musiker noch für zwei mit Hingabe zelebrierte Akustikstücke (Bass, Ukulele, Trommel und Bandoneon) in die Mitte des Publikums. Und auch dann fiel ihnen der Abschied vom euphorisierten Publikum schwer.



Deutsche Tourstationen:

04.04. KASSEL  - Kulturzentrum Schlachthof
05.04. FRANKFURT  - Cafe Exzess
06.04. LEIPZIG  - Raum der Kulturen
07.04. BRAUNSCHWEIG  - Nexus
08.04. BOCHUM  - Kulturzentrum Bhf.-Langendreer
09.04. BREMERHAVEN  - Kulturzentrum Pferdestall
10.04. HANNOVER  - Kulturzentrum Pavillon
11.04. OTTERSBERG  - Eventhall, Schmiedestr. 2
12.04. LEVERKUSEN  - KAW


Mehr Bilder:




Mittwoch, 2. April 2014

September Leaves und Plumes, Karlsruhe, 22.03.14

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Doppelkonzert: September Leaves und Plumes
Ort: Café Nun in Karlsruhe
Datum: 22. März 2014
Dauer:je 60 min
Zuschauer: etwa 70


Tonight is an island we can rest on 
(aus Away from home, Plumes)

Die Konzerte im Nuncafé sind ja immer etwas Besonderes: Bemerkenswerte Musiker & spezielle Atmosphäre. Aber dieser Abend hatte das Potential, sagenhaft zu werden, denn nicht nur waren Plumes nach einem knappen Jahr tatsächlich hier (das allein hätte mich schon auf das Höchste gespannt gemacht), es war auch das erste Konzert von September Leaves in der neuen Besetzung - Gerd und Uta - in Karlsruhe. Dort wo Gerd für wichtige Jahre zu Hause gewesen war.


So gab es viel Hallo kreuz und quer von Leuten, die Gerd Böttler sehen wollten und dabei die anderen trafen, die mit dem gleichen Anliegen hergekommen waren. Die Stunde nach dem Einlass war folglich gefüllt mit vielen Wie geht's? Was habt Ihr so erlebt? und Schön Euch zu sehen! Als pünktlich 21 Uhr schließlich die Musik begann, kehrte sofort eine gespannte Aufmerksamkeit ein für das, was 2014 musikalischer Stand bei September Leaves ist.


Das Paar auf der Bühne hatte uns eine wunderbare Stunde vorbereitet. Darin enthalten waren zum ersten meine Lieblingslieder von den ersten zwei Alben - manche in neuem Gewand. So habe mit innerlichem Ahhhh gehört: Maple tree, Like a monarch, Chocolate stars, Distance is a monster und Heroes. Darüber hinaus hatte es ja zweitens einen kleinen Vorgeschmack über die If yes - EP gegeben und so waren Global warming und Cold lakes zwar noch vergleichsweise Neuland, aber doch schon etwas vertraut und schon halb neue Lieblinge.


Sehr interessant für mich waren aber besonders die Nummern der dritten Gruppe, für die ich mir in der Setlist einfach Namen ausgedacht oder wie gehört aufgeschrieben habe, weil sie mir ganz neu waren: Drink milk, Humankind und Publicity. Die waren tatsächlich klare Anzeichen für ein frisch gelüftetes Projekt und machten Vorfreude darauf, hoffentlich bald diese und vielleicht weitere Lieder bald auch zu Hause hören zu können. Einerseits fielen die Texte auf, andererseits war z.B. die Posaune bei Humankind ein wunderbarer Hingucker und musikalischer Genuss.


Ein sehr schöner emotionaler Abschluss wurde mit Enzo am Akkordeon in der Zugabe geschafft - quasi als ein Brückenschlag, der uns alle angerührt zurück ließ.

Setlist:
01: Maple tree
02: Like a Monarch  
03: Cold lakes

04: Chocolate stars
05: Heroes
06: Drink milk 
07: Humankind
08: Publicity
09: Distance is a monster
10: Global warming 

11: Distance is a monster (Z) 


In der Umbaupause waren die Künstler sichtlich bemüht, die Zeit nicht überlang zu dehnen, bevor Plumes ihr Set beginnen konnten. Aber es war doch allerhand Technik ab- und wieder aufzubauen und es war fast ein kleines Wunder, wie reibungslos das gelang. 


Plumes Musik ist wunderbar leicht: tupfend und tänzelnd, aber eigentlich nicht sehr eingängig. Ich merke es immer wieder, wenn sich ein Melodiefetzen in meinem Ohr verhängt hat und ich ihn nachsummen will. Hier hopsen die Phrasen - von Taktwechseln getrieben -  recht wild und unerwartet hin und her und machen es interessant aber auch schwer zu kopieren. Oder sie bekommen so einen unbemerkten Schubs aus der Reihe, der einem beim Hören gar nicht auffällt, aber beim nachmachen das Genick bricht.


Ihre Präsenz auf der Bühne ist stets sehr schlicht, direkt, sympathisch und nahbar und auch an diesem Abend spürte man in allen Ansagen die Freude, Teil dieses Abends zu sein. Im Cafe Nun war das Ensemble Plumes vertreten durch  Todd Harrop am Schlagwerk, Geof Holbrook an den Tasten und seine Stimme leihend und Veronica Charnley als Sängerin - oft auch mit E-Gitarre.



In der Setlist gab es die vertrauten Lieder des Debuts wie Phonebooth (... is a perfect place to warm her voice), your Train of Thought through tunnels, away from home (mit dieser eingängigen Passage: one box at a time gets emptied out so oft wiederholt, dass auch ein großer Umzugswagen am Schluss leergeräumt wäre) und schließlich, als Zugabe, noch Messy love.



Schön, diese über das vergangene Jahr so lieb gewordenen Lieder nun wieder live zu hören und innerlich mit zu summen, aber weit interessanter für mich war natürlich zu hören, was es an neuem Material gab (von dem vieles schon für das nächste Album aufgenommen worden ist zu Beginn des Jahres in der Nähe von Dresden). Und das war überreichlich vertreten:

Secret Love, Stray dog de France, Spawning Ground, Seaweed, Swimming, Overlooking the fire hazard

waren klar Plumes-Songs und ebenso klar Boten für ein wunderbares neues Album! Das Publikum war von Plumes genauso bezaubert, wie ich es während meiner ersten Begegnung mit ihnen in Mainz sofort war. Es wurde begeistert applaudiert und gelacht und eine Zugabe gefordert. 

Was für ein wunderbarer Abend. Wirklich sagenhaft, fand ich...
Sagenhaft auch die Fotos von  Nicole Böttler!



September leaves
Bericht Karlsruhe, 14.07.12

23.03. Köln – Melodica Festival
26.03. Köln – Die Wohngemeinschaft mit Hello Piedpiper
27.03. Wuppertal – Hutmacher
28.03. Kiel – Prinz Willy
29.03. Lübeck – Tonfink

Plumes
Bericht Mainz, 26.04.13

24.03.    Winterthur - Portier

25.03.    Tübingen - Wilhelma
27.03.    Offenbach - Parkside Studios
28.03.    Aachen - Raststätte
29.03.    Köln - Kulturcafé Lichtung
02.04.    Berlin - Schokoladen
03.04.    Hamburg - Astrastube
05.04.    Magdeburg - Volksbad Buckau


 

Franz Ferdinand, Wiesbaden, 30.03.14

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Konzert: Franz Ferdinand
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum:30.03.2014
Dauer: Franz Ferdinand 100 Minuten, Teleman 25 Minuten
Zuschauer: ca. 2000 (ausverkauft)





Franz Ferdinand war eine dieser Bands, bei denen ich irgendwie bereits unbesehen wusste, dass mir musikalisch gefallen würde, und ihr erstes Album leitete 2004 für mich eine Erneuerung meines Interesses an aktueller Musik ein. Viele der spannenden Bands im Kielwasser des "Kaiser Franz" sind längst wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden - beispielsweise spielten am selben Abend We Are Scientists im kleinen Kölner Luxor. Von etlichen dieser Bands kommt auch einfach nichts sonderlich Gutes mehr. Anders bei Franz Ferdinand, ihre Alben weisen eine relativ gleichbleibend hohe Qualität auf, und sie schaffen es nach zehn Jahren immerhin noch, den Schlachthof auszuverkaufen.



Dass seit dem Debütalbum mittlerweile zehn Jahre ins Land gegangen sind, konnte man am Publikum erkennen: Die Studenten von heute hören offenbar etwas anderes, hier waren die Berufstätigen angerückt. Und vielleicht wegen des etwas fortgeschrittenen Altersdurchschnitts im Publikum gab es beim ausverkauften Konzert fast überhaupt nicht gedrängelt - die meiste Zeit konnte ich in der dritten Reihe vor der Bühne prima sehen.




Zunächst befanden sich dort nicht Franz Ferdinand sondern Teleman, ein Nachfolgeprojekt der britischen Band Pete and the Pirates. Ich hatte die Vorgängerband vor einigen Jahren im Rödelheimer Yellowstage gesehen und war nicht sonderlich beeindruckt gewesen. Teleman ist Pete and the Pirates minus zwei Personen, und auch ihre Musik konnte mich nicht packen.

In etwa 30 Minuten spielte die Band, nachdem uns Sänger Thomas Saunders mit "Hello Weisbaden! [sic] begrüßt hatte, sieben Titel. Sicherlich stammten viele davon vom Debütalbum "Breakfast", das erst am 26. Mail erscheint. Teil des Sets waren die Single "Cristina" und zum Schluss "Lady Low" und "Steam Train Girl", für eine detaillierte Setliste reichen meine Kenntnisse - und mein Interesse - nicht.


Andere finden Teleman aber extrem super, denn nicht nur wurden sie später lobend von Franz Ferdinan-Sänger Alex Kapranos erwähnt, sie haben es in der jüngeren Vergangenheit auch ins Vorprogramm von Suede und in Großbritannien auch vor Metronomy geschafft.

Nach dem Ende des Teleman-Sets wurde der hintere Teil der Bühne enthüllt, in dessen Mitte sich die Projektion einer gewaltigen stilisierten Uhr befand, um diese herum konnte man links und rechts jeweils eine Dia-Imitation eine Flughafen-Abflugtafel sehen, auf der stellenweise nach und nach Flughafenkürzeln aufleuchteten.


Als dann das schottische Quartett die Bühne betrat, musste ich sofort an dessen angeblichen Kunsthoschschul-Hintergrund denken (Wikipedia weiß nichts dazu, die Setliste in Comic Sans spricht irgendwie auch dagegen ...), denn alle vier trugen an sich individuelle, aber sehr seltsam schwarzweiß gemusterte Kleidung. Wann hatte ich eigentlich zum letzten Mal eine Band mit deutlich als solchen erkennbaren "Bühnenoutfits" gesehen? Da fällt mir nur Erdmöbel ein.

Vorab hatte mein Freund bereits vergangene Setlisten recherchiert und mir gesagt, die Reihenfolge der Songs des Abends stünde im Grunde fest, nur "Darts of Pleasure" werde eventuell zu einem anderen als dem vornotierten Zeitpunkt gespielt. Diese Ankündigung sollte sich als größtenteils korrekt erweisen jedoch anders als erwartet - später mehr dazu.


Mit diesem scheinbaren Wissen achtete ich zunächst nicht weiter auf die im Smartphone vorab gespeicherte Liste, denn das auf der Bühne Gebotene schien damit übereinzustimmen: Alte Hits, neuer Hits und immer wieder beim Beginn eines neuen Songs der Gedanke "Ach stimmt, das Lied haben die ja auch! Schön!" Franz Ferdinand begannen äußerst temporeich: "Bullet", "The Dark of the Matinée", "Tell Her Tonight", "Evil Eye", "No You Girls" und "Do You Want To" jagten einander. Gut, dass das Tempo anschließend bei "Fresh Strawberries" und "Walk Away" ein wenig reduziert wurde.


Die Band schien ausgesprochen - mit Ausnahme des Bassisten Bob Hardy - gut gelaunt und geradezu übermotiviert, gesprochen wurde aber abgesehen von dem bereits erwähnten Teleman-Lob wenig. Nick McCarthy wechselte immer wieder zwischen seiner Gitarre und einem Keyboard und sang auch ausgiebig mit - dass am Anfang von "Tell Her Tonight" seine Stimme zu hören ist, war mir vor dem Konzert gar nicht bewusst. Nach "Stand on the Horizon" wechselte er für vier Lieder komplett ans Keyboard.

Als in der Mitte des Sets "This Fire" angestimmt wurde, stupste mein Freund mich an - anders als ich hatte er gemerkt, dass hier eine deutliche Abweichung von unserer angenommenen Setliste vorlag, in dieser war der Song nämlich erst bei den Zugaben aufgetaucht. Die in Wiesbaden gespielte Version war extra lang und ein Highlight des Abends. Alex und Nick animierten das Publikum zum Mitsingen und ließen ähnlich wie zu Beginn des Konzertes nun wieder einen X nach dem anderen folgen: "This Fire", "Take Me Out", "Love Illumination", "Michael" und "Ulysses".


Bei dieser einen Änderung der Setliste blieb es aber nicht, denn nachdem die Band ihr Set mit "Outsiders", zu dem alle Mitglieder gemeinsam aufs Schlagzeug eindroschen (scheint momentan irgendwie Trend zu sein, bei Radiohead und The Notwist wurde das auch so gemacht), beendet hatte, begannen die Zugaben ganz normal mit "Right Action", dann ergriff Nick das Wort - auf Deutsch: "Wir haben jetzt noch etwas ganz Besonderes für Euch vorbereitet. Vielleicht habt Ihr es ja schon gehört: "Erdbeermund"!


Und so spielte die Band die abgedrehte, deutschsprachige, von Nick gesungene B-Seite zu "Wild Starwberries", für die Alex ans Keyboard wechselte, wobei das Publikum eher verwirrt als begeistert schien. Aber immerhin, mir gefällt es, wenn Bands von ihrer Setliste abweichen und etwas anders machen, statt jeden Abend genau das Gleiche durchzuziehen. Und eine Live-Premiere eines Liedes hat man auch nicht jeden Abend (für uns war es in dieser Woche allerdings schon das zweite Livedebüt eines Songs).


Wegen "Erdbeermund" musst aber wohl "Darts of Pleasure" mit seinem deutschen Quatschtext "Ich heiße superphantastisch, ich trinke Schampus mit Lachfisch" von der Setliste weichen, vielleicht wäre es für die Band sonst allzuviel des Deutschsprachigen gewesen. Das Set endete mit "Jacqueline", das irgendjemand gewidmet wurde, der es gecovert hatte, dann folgte als letztes Lied sehr passend "Goodbye Lovers & Friends" mit seiner letzten Textzeile "Goodbye lovers and friends… you can laugh as if we’re still together but this really is the end".

Mit dem Konzert haben Franz Ferdinand bewiesen, was eigentlich auch zu erwarten gewesen war: Die Band veröffentlicht nach wie vor tolle neue Songs, die alten sind aber ebenfalls überhaupt nicht abgenudelt oder peinlich. Die Band hat offensichtlich nach wie vor Spaß an dem, was sie tut und kann damit ihr Publikum begeistern. Beim nächsten Mal möchte ich aber bitte gerne auch noch "Darts of Pleasure" hören ..


Setliste Franz Ferdinand, Schlachthof, Wiebaden:

01: Bullet
02: The Dark of the Matinée
03: Tell Her Tonight
04: Evil Eye
05: No You Girls
06: Do You Want To
07: Fresh Strawberries
08: Walk Away
09: Stand on the Horizon
10: Can't Stop Feeling
11: Auf Achse
12: Brief Encounters
13: Lucid Dreams
14: This Fire
15: Take Me Out
16: Love Illumination
17: Michael
18: Ulysses
19: Outsiders

20: Right Action (Z)
21: Erdbeermund (Z)
22: Jacqueline (Z)
23: Goodbye Lovers & Friends (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- Franz Ferdinand, Köln, 12.03.14
- Franz Ferdinand, Barcelona, 31.05.12
- Franz Ferdinand, Minehead, 11.12.10
- Franz Ferdinand, Paris, 17.03.09
- Franz Ferdinand, Köln, 14.03.09
- Franz Ferdinand, Stockholm, 15.11.08
- Franz Ferdinand, Melt!, 19.07.08

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Dienstag, 1. April 2014

Konzerttips München im April 2014

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Konzerttips München für den April 2014 zusammengestellt von Eike  Klien, Erstveröffentlichung im klienicum.



die livepräsenz von bands bzw. künstlern hat an bedeutung gewonnen. dem wollen wir gern rechnung tragen, indem wir immer mal wieder etwas deutlicher hinweise auf entsprechende veranstaltungen geben. das können tourdaten einzelner künstler sein, aber auch wie heute übersichten nur für eine stadt. dass uns münchen dabei am herzen liegt, dürfte auf der hand liegen. gleichsam bemühen wir uns nicht um einen kompletten überblick, sondern picken uns die perlen heraus. wenn Ihr etwas ergänzt haben wollt, gebt bescheid oder nutzt die kommentarfunktion. (und bitte, verlasst Euch nicht auf die angaben hier, sondern lasst sie Euch vom veranstalter vorab bestätigen, danke!)

01.04. cults, kranhalle
01.04. the temperance movement, backstage club
01.04. danny humphreys, hansa 39
02.04. andrea schröder, milla
02.04. helge schneider, gasteig
02.04. architects, strom 
03.04. robin mckelle & the flytones, unterfahrt
03.04. christy & emily, tom brosseau, unter deck 
03.04. the graveltones, strom
03.04. gymmick, sunny red
03.04. majmoon / in the room, glockenbackwerkstatt 
03.04. dorianne, substanz
03.04. sam lee, ampere
04.04. monster truck, strom
04.04. aruan ortiz orbiting quartet, unterfahrt
04.04. zombi partisans / billy andol, glockenbachwerkstatt
04.04. wareika, rote sonne
04.04. a*, sunny red
04.04. john lennon mccullagh, ampere
05.04. elektrik kezy mezy u.a., atomic cafe
05.04. san soda / julietta u.a., kong
05.04. metronomy, muffathalle
06.04. myele manzana trio, atomic cafe
06.04. within temptation, zenith
06.04. no snakes in heaven, dschungelpalast
06.04. karaba, level 2 u.a., sunny red
07.04. joel havea u.a., substanz
07.04. dom kennedy, hansa 39
08.04. elenie mandell, milla
08.04. the bad plus, unterfahrt
08.04. casper, zenith
08.04. stu larsen, strom
08.04. iyeoka, ampere
08.04. timber timbre, hansa 39
08.04. king krule, atomic cafe
09.04. the impression / liquid u.a., milla
09.04. nighthawks, ampere
09.04. wild beasts, strom
09.04. family of the year, theaterfabrik
09.04. howler, atomic cafe
09.04. line walking elephant u.a., hansa 39
09.04. pohlmann u.a., kranhalle
10.04. foxes, milla
10.04. torun eriksen & band, unterfahrt
10.04. mimi & the mad noise factory, ampere
10.04. lucius, atomic cafe
10.04. the charles, darcy u.a., hansa 39
10.04. böneless skate team introduction, glockenbachwerkstatt
11.04. organ explosion, milla
11.04. whomadewho, freiheiz
11.04. weiky / misophonia u.a., sunny red
11.04. subway to sally, muffathalle
11.04. red trio, mug im einstein
11.04. cécile verny quartet, unterfahrt
12.04. velojet, atomic cafe
12.04. eläkelaiset, backstage werk
12.04. adulescens, volkstheater
12.04. boxcutter / moresounds u.a., kranhalle
12.04. steinregen / siren sisters u.a., sunny red
12.04. young chinese dogs u.a. orangehouse
12.04. colour haze, hansa 39
13.04. guitar gangsters / the nerves, kafe kult
13.04. heymoonshaker / l a, milla
13.04. die heiterkeit, kranhalle
13.04. john mayall, muffathalle
13.04. highasakite, ampere
13.04. bandof skulls / the dope, atomic cafe
14.04. the stranglers, theaterfabrik
15.04. drenge, strom
15.04. wyoming / ginger redcliff, glockenbachwerkstatt
15.04. the scandals u.a., kafe kult
15.04. ton steine scherben, freiheiz
15.04. paper & places, ampere
15.04. dark horses, kranhalle
15.04. a.spell, unterfahrt
15.04. reptile youth, hansa 39
15.04. blood red shoes / the wytches, backstage
16.04. filou / die eternias / marvpaul, milla
16.04. ok kid, strom
16.04. birth of joy, orangehouse
16.04. norma jean / wolves like us u.a., kranhalle
16.04. woima collective, unter deck
16.04. the fog joggers u.a., atomic cafe
16.04. thomas de lates & andy lutter trio, unterfahrt
17.04. deutsch nepal, milla
17.04. garish, atomic cafe
17.04. bap, philharmonie
17.04. jesper munk, ampere (ausverkauft)
17.04. klangkarussel, strom
17.04. burning lady / sophie and the dogs u.a., glockenbachwerkstatt
19.04. amsterdam klezmer band, ampere
19.04. jenny evans & trio, unterfahrt
20.04. embryo u.a., rationaltheater
20.04. valina / kitty empire / candelilla, orangehouse 
21.04. heavens basement, strom
21.04. monochrome u.a., orangehouse
22.04. ef, strom
23.04. anna f., kranhalle
23.04. fm, strom
24.04. coryell landsberger may trio, unterfahrt
24.04. mamsell zazou u.a., milla
24.04. radio moscow u.a., hansa 39
24.04. silverdolls u.a., glockenbachwerkstatt
25.04. rainer von vielen / orange, hansa 39
25.04. edmar castaneda trio, unterfahrt
25.04. nick and the roundabouts, atomic cafe
26.04. the rollercostars, atomic cafe
26.04. maaike den dunnen quintet, unterfahrt
26.04. make or break fest, feierwerk
27.04. elysian fields, milla
27.04. keziah jones, freiheiz
28.04. saves the day, orangehouse
28.04. delta moon, mug in einstein
28.04. cantaloupe, unterfahrt
29.04. mo, hansa 39
29.04. ches smith & these arches, unterfahrt
29.04. sasquatch u.a., kranhalle
29.04. dredge, theaterfabrik
30.04. toys that kill u.a., kafe kult
30.04. the claudia quintet, unterfahrt
30.04. lykke li, kesselhaus


 
 

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