Konzert: Owen Pallett, Hauschka, Ólöf Arnalds (New Romantics beim Schumannfest) Ort: Tonhalle, Düsseldorf Datum: 26.05.2012 Zuschauer: nicht ausverkauft aber erstaunlich gut besucht Dauer: Ólöf Arnalds 40 min, Hauschka 48 min, Owen Pallett knapp 75 min
Vom 24. Mai bis 4. Juni findet in Düsseldorf das Schumannfest statt, ein klassisches Festival, der Musik eines der wichtigsten Vertreters der Romantik gewidmet. Dem in Düsseldorf lebenden Pianisten Hauschka hatten die Veranstalter die Gestaltung eines Abends übertragen. Unter dem Motto The New Romantics lud Hauschka Owen Pallett und Ólöf Arnalds ein, die in ihren Werken entweder eine neue Interpretation der Romantik oder (wie im Fall Owen Palletts) konkrete Inspiration durch Robert Schumann erlebt haben.
Ich hatte mir einen spannenden Abend in der Tonhalle (also einem sehr klassischen Konzertsaal) erhofft, hatte aber Angst, daß die beiden Künstler, die ich noch nicht live gesehen habe, zu experimentell und der, den ich oft gesehen habe, mittlerweile zu wenig überraschend ist. Alles Unsinn! Ólöf Arnalds spielte ein vorzügliches Set meist Isländischer Lieder, sprach wundervolles Deutsch und betonte, daß sie für Slapstickeinlagen und anderen Quatsch gut sei (was sie erfüllte). Hauschka mit Schlagzeuger Samuli Kosminen schaffte es, auch Lieder, die aus dem schnellen Wiederholen von maximal drei Tönen bestanden, aufregend klingen zu lassen. Experimentell ja, aber auch hochgradig kurzweilig! Beide Konzerte erlebten Gastauftritte von Owen Pallett.
Der Kanadier schließlich kündigte zu meiner Überraschung an, hauptsächlich Stücke seines 2006er Albums He poos clouds spielen zu wollen, nicht alle, einige möge er nicht, aber die anderen dann. Diese Lieder seien stark von der Poesie Schumanns geprägt, erforderten allerdings die Unterstützung eines Streichquartetts, das in Form des Lee-Quartetts um die kanadischen Geschwister Elissa und Trey Lee aus Berlin angereist war. Vorher spielte Owen Pallett fünf andere Stücke alleine, dabei überragte das auf Zuruf vorgetragene This is the dream of Win and Régine, das er zunächst nicht spielen wollte, weil dafür das Keyboard fehle. In der zweiten Hälfte gab es zwei Gastauftritte der Isländerin, die nicht pannenfrei aber wundervoll und enorm charmant waren. Und es gab viele alte Hits des Kanadiers mit fabelhafter Streicherunterstützung!
Nicht nur für die klar erkennbaren Fans von Owen Pallett (die vermutlich sonst nicht an Veranstaltungen des Schumannfests teilgenommen hätten), auch für die Besucher aus der klassischen Ecke war der Abend (wahrscheinlich) hervorragend!
Ein ausführlicher Bericht folgt.
Setlist Owen Pallett, Schumannfest, The New Romantics, Tonhalle, Düsseldorf:
01: Took you two years to win my heart (Solo) 02: Lewis takes action (Solo) 03: This is the dream of Win and Régine (Solo) 04: E is for estranger (Solo) 05: Scandal at the parkade (Solo) 06: The Arctic Circle 07: He poos clouds 08: The lamb sells condos 09: I'm afraid of Japan 10: Song song song 11: Many lives -> 49 p 12: The Pooka sings
Konzert: Perfume Genius (+Cate Le Bon) Ort: Privat Club Berlin Datum: 22.05.2012 Zuschauer: ausverkauft Konzertdauer: Perfume Genius 40 Minuten; Cate Le Bon 30 Minuten
Bericht und Fotos von Markus aus Berlin
Ende Mai und tropische Temperaturen in Berlin. Mädchen in kurzen Blümchenkleider turnen durch Kreuzberg. Der Eingang zum Privatclub führt durch das Weltrestaurant Markthalle, das aufgrund der subtropischen Temperaturen leer ist. Das Geschmause - ich sag nur Beelitzer Spargel - findet heute draußen statt. In den Katakomben des Privatclubs fühlt es sich zunächst recht angenehm kühl an, zum Glück, ließ mich doch der Kartenabreißer wissen, dass einmal drin auch für den Rest des Abends drin bedeutet. Das kühle Glück halt nicht lang an. Der Laden füllt sich rasch, die Temperatur steigt und Sängerin Cate Le Bon steigt ihrerseits mit hochhackigen Retro-Style-Sandalen auf die Bühne und setzt sich auf ein Holzstühlchen. Sie intoniert traurige Lieder, von denen es zu Beginn scheint, dass diese ein paar zu hohe Töne für die Sängerin beinhalten. Dann gibt sie der Technik irgendwelche Anweisungen zur Nachregulierung. Überhaupt gibt sie sich Mühe, ein paar Worte Deutsch zu sprechen - und will uns weismachen, sie sei zwölf Jahre alt. Insgesamt ein sympathischer Auftakt. Begleitet wird sie dabei nur durch ihre E-Gitarre, die sie den Auftritt über auch nicht wechselt. Wirklich redselig ist sie nicht und so verlässt sie nach sehr ordentlichem Applaus die Bühne und verschwindet ins Nirgendwo. Nur ein Lied erinnerte mich an die von Christoph so schön beschriebene Peking-Oper. Der Rest war sehr gut anzuhören und passte zu der Stimmung des Publikums. Ich kann sie mir sehr gut bei Wohnzimmer-Konzerten vorstellen.
Mittlerweile kommt keine Maus mehr durch den Laden, auch nicht in in Richtung Tresen zum Biernachschub. Und die Temperatur steigt weiter. So wird jede Minute, die der Mainact auf sich warten lässt, zur Qual. Meine Begleitung und ich haben es dabei noch gut, denn wir sitzen auf einem Vorsprung der Bühne am rechten Rand des Raumes und so hält sich unser Kreislauf noch recht stabil. Auf einmal bahnt sich unter Applaus der Menge ein graziler junger Mann mit weit ausgeschnittenem grauem Shirt seinen Weg auf die Bühne, gefolgt von einem Typen, der wie die jüngere Ausgabe von Charlie Sheen aussieht, sowie ein markanter Mann mit Vollbart. Das wird wohl auch das letzte Mal sein, dass wir ihn zu Gesicht bekommen, denn er versteckt sich hinter Aufbauten auf der Bühne und spielt dort Schlagzeug und Gitarre. Die Band sieht schon jetzt erledigt aus. So ist die erste Bemerkung auch von Mike Hadreas auch irgendwas mit "hot". Er wirkt etwas nervös und fahrig in seinen Bewegungen, was seinem Gesang aber nicht anzumerken ist. No Tears wird stimmig mit starkem Schlagzeug vorgetragen. Auch er bittet die Technik um Nachbesserung. Er spricht kein Deutsch, aber gibt sich charmant. Das Publikum ist begeistert. Er hält nicht damit hinterm Berg, dass er es nicht fassen kann, dass der Laden gerammelt voll ist. Denn das hatte er zwei Jahre zuvor am selben Ort schon anders erlebt. Das Publikum fächert sich mit allem was ihnen zur Verfügung steht, Postkarten, Eintrittkarten etc. Wind ins Gesicht. Bei der Hitze wirkt es aber wie ein Föhn. Weiter geht es mit Lookout, Lookout von seinem 2010 eher unbeachtetem Debüt. Das kann man rückblickend gar nicht verstehen, denn es klingt ebenso schön, wie all seine neuen Lieder. Es wird mit vollem Gefühlseinsatz vorgetragen und klingt live noch berührender als in der Studioversion. Dark Parts, ein Lied in welchem über die Gewalt in seiner Familie gesungen wird, wird sensibel dem Publikum präsentiert. Apropos Publikum: Das ist an diesem Abend äußerst reizend. Das recht leise Konzert wird weder durch Unterhaltungen noch durch zu lautes Klappern mit Flaschen und Gläsern gestört. Alle hören bedächtig, ich würde sogar sagen andächtig zu und lassen sich an die Hand nehmen. Der Normal Song untermalt diese Stimmung. Es ist schön anzusehen, wie Mike Hadreas mit Akustikgitarre sitzt. Er wirkt so zerbrechlich, dass man ihn am liebsten in den Arm nehmen möchte. Vor Rührung kommen mir sogar leichte Tränen in die Augen. Take Me Home hilft mir wieder halbwegs über den Berg.
Die Band ist großartig. Sie könnten ihn nicht besser begleiten. Nicht jedes Lied erkenne ich. Unter das Set haben sich wohl auch zwei bislang unveröffentlichte Stücke gemischt. Selbst in kurzen Pausen zwischen den Stücken bleiben die Anwesenden ruhig und alle wirken berauscht von den schönen Melodien und der so lieblichen Stimme. All Waters klingt himmlisch. Die getragene Atmosphäre des Liedes ergreift mich tief. Für Learning holt er Charlie Sheen zu sich ans Keyboard und anekdotet, dass "Charlie", als er ihn kennenlernte, ihm erzählte habe, dass er sich mehr für Metallica interessiere. Das Duett ist nicht nur toll anzusehen, sondern klingt phantastisch.Dann kommt endlich Hood. Bei der Hitze wundert es mich, dass sich nicht längst alle im Publikum entkleidet haben und so nackt dastehen, wie es im Video zu dem Lied so berührend gezeigt wird. Das Lied könnte noch zehn weitere Strophen haben und es würde mich immer noch nicht langweilen. Es gibt keinen Stilbruch, so reiht sich 17 auch schön ein. Eine tolle Ballade. Mit Sister Song endet erstmal sein Auftritt. Da es aber keinen Backstage-Ausgang neben der Bühne gibt, versteckt sich Mike Hadreas neckisch hinter dem roten Bühnenvorhang, hinter welcher sich nur eine Betonmauer verbirgt.
Die Zugabe ist mir unbekannt, ist aber ein gelungener Abschluss des Konzertes. Denn schon nach 40 Minuten ist alles vorbei und der triefendnasse Künstler verlässt unter großem Applaus den Club. Das Publikum schließt sich ihm rasendschnell an. So schnell habe ich noch nie erlebt, dass die Gäste einen Saal freiwillig räumen. Wir fühlen uns nach den zwei Stunden im Privat Club wie glückliche Fische in abgestandenem Wasser. Wir treffen Mike Hadreas draußen leicht abseits stehend wieder. Nachdem ich meine Lobpreisungen ihm gegenüber losgeworden bin, erfahre ich erleichtert, dass er schon im September wieder in Berlin auftreten wird. So intim wird es wohl nie wieder werden. Ein großartiger Künstler, ein phantastisches Publikum in einem der schönsten Veranstaltungsorte Berlins.
Konzert: Sharon van Etten Ort: La Maroquinerie, Paris Datum: 24.05.12 Zuschauer: etwa 250 Konzertdauer: ungefähr 80 Minuten
Am Ende zog die attraktive New Yorkerin Sharon van Etten dann doch ihre sexy schwarzen High Heels aus und kam zu den Zugaben mit bequemen ungeschnürten Boots zurück. "I tried to be cool, but I'm not", kommentierte sie die Szene schmunzelnd. In der Sache stimmte das natürlich nicht, denn sie ist natürlich saucool und vor allem war sie besonders heute abend in Paris höllisch sexy! In ihrem engen Bleistiftrock und mit den schwarzen Pumps sah sie wirklich umwerfend aus!
Aber lassen wir es mit diesen Anmerkungen zu den Äußerlichkeiten gut sein, denn ansonsten wirft man mir wieder vor, ich würde Musikerinnen nur auf ihr Aussehen reduzieren. Wäre im Fall von Sharon van Etten auch ein Skandal, denn ihr Konzert in der Pariser Maroquinerie war wirklich fabelhaft, Highheels oder enge Röcke hin oder her. Sie und ihre Band fanden die richtige Balance zwischen ruhigeren und rockigeren Phasen, zwischen Folk und Rock und zwischen reduzierter und etwas opulenterer Instrumentierung. Phasenweise wurde mit zwei E-Gitarren und einem Bass angegriffen (so bei Serpents, dem Knüller schlechthin), aber das war eher die Ausnahme, denn auch die Akustische kam immer wieder zum Einsatz.
Highlight war ohnehin die Stimme von van Etten, die sie so berührend und authentisch einsetzte, daß einem das Herz klopfte. Man fühlte in den Schwingungen jeden Schmerz, jede Enttäuschung, jeden Liebeskummer, den sie erlebt hat. Das war wahnsinnig intensiv und ungefiltert, obwohl Sharon während der ersten zwanzig Minuten mit dem Sound nicht zufrieden war und erklärte, sie könne sich selbst nicht hören. "Sorry for being a bitch by saying that" entschuldigte sie sich aber gleich dafür, dem Soundmenschen eine Rüge erteilt haben zu müssen. In der Tat war die Aussteuerung anfänglich nicht ganz optimal, ohne jedoch katastrophal gewesen zu sein. Im zweiten und dritten Drittel lief aber alles störungsfrei ab und der Auftritt wurde immer besser und emotionaler. Wie schon beim Gig im Point Ephémère hatte ich das Gefühl, van Etten habe Tränen in den Augen. Jedenfalls verrieten ihre hübschen Sehorgane, daß sie das Ganze nicht kalt ließ. Es lag ein schöner Schimmer auf ihren Augen, ein ganz besonderer Glanz, der die Verletzlichkeit ihres Wesens auf faszinierende Weise dokumentierte. Manchmal gab sie auch ein wenig von ihrem Innenleben preis, als sie zum Beispiel erzählte, daß sie kürzlich weinend bei ihrer Mutter angerufen habe, um sich dafür zu entschuldigen, daß sie so eine schwierige Tochter sei ("the worst daughter in the world" wie sie selbst dramatisch überspitzt sagte) und ihr so viele Probleme bereite. Aber ich glaube ihre Mutter wird ihr immer wieder verzeihen, denn wer kann schließlich einem solchen Mädel widerstehen?
Die Zuschauer in der Maroquinerie jedenfalls nicht. Die hingen fast 90 Minuten lang an ihren rot geschminkten Lippen, guckten entzückt wenn ihre Lieblingslieder gespielt wurden und gingen gut mit. Es herrschte eine angenehme, herzliche Stimmung und es war weder zu voll noch zu leer, so daß man die Show wirklich voll und ganz genießen konnte.
Viele starke Songs versüßten mir den Abend. Das treibende Peace Signs zum Beispiel, oder die wundervolle Ballade Kevin's, das herzerwärmende Give Out (toll die Gitarrenarbeit ihres lockenköpfigen Mitmusikers und der Backgroundgesang von Heather Woods Broderick) und in ganz besonderem Maße Leonard. Wie ihre Stimme beim Refrain "well, well I am bad, well, weeel, hell I am bad at loving" fast brach, das war schon ein sehr emotionaler Moment.
Kurze Zeit später räumte das rockigste Stück Serpents dann erwartungsgemäß ab und dies war wirklich der einzige Moment, wo man wirklich an The National (der Bass, das Schlagzeug!) erinnert wurde, mit denen (bzw. derem Gitarristen Aaron Dessner) Sharon auf ihrem letzten Album Tramp zusammengearbeitet hatte.
Gegen Ende des offiziellen Sets kam dann das nebulöse I'm Wrong, das zwar schön war, aber doch zu lange ausgedehnt wurde und ein wenig die Spannung zusammensacken ließ. Es glitt übergangslos in das ähnlich milde Joke Or A Lie. Ich persönlich hätte mir zwei knackigere Stücke zum (freilich vorläufigen) Schluß gewünscht. Der Wunsch nach Knackigkeit wurde aber mit dem fetzigen Don't Do It bei den Zugaben zur Genüge erfüllt. Toll, wie Heather Woods Broderick hierbei das Tambourin knallen ließ. Die Melodica Fans kamen ihrerseits bei Love More auf ihre Kosten, bei dem der Gitarrist in das (vermeintliche) Kinderinstrument bließ und eine feierliche Seemannsstimmung aufkommen ließ."You chained me like a dog in our room" sang Sharon hierzu und hatte längst die High Heels gegen die Boots ausgetauscht.Selbst in diesen ausgelatschten Dingern sah die Amerikanerin blendend aus. Aber ich wollte mich ja nicht mehr zu Äußerlichkeiten äußern, erwähne aber an dieser Stelle noch kurz, daß die Künsterin auf eine Nachfrage aus dem Publikum hin, ausführlich ihre Tattoos auf den Armen erklärt hatte.
Merkt euch einfach: Sharon van Etten macht durfte Musik und gibt klasse Konzerte!
Setlist:
01: All I Can 02: Warsaw 03: Save Yourself 04: Kevin's 05: Peace Sign 06: Give Out 07: Magic Chords 08: Ask 09: I Wish I Knew- Van Etten Solo 10: Serpent's 11: I'm Wrong 12: Joke Or A Lie
Konzert: A Whisper in the Noise (St. Paul in Minneapolis) & Gravelines (Karlsruhe) Ort: Jubez (Café), Karlsruhe Datum: 23. 05. 2012 Dauer: 55 min + 65 min Zuschauer: etwa 40
Von Gudrun aus Karlsruhe. Lieben Dank!
Manchmal führt einen das Leben schon seltsame Wege entlang umeigentlich etwas abwegige einzelne Erlebnisse zu einem neuen und erhellendem Ganzen zu fügen. Das ging mir gestern Abend durch den Kopf als ich im Jubez einen ganz besonderen Abend verbrachte.
Dass ich mir für dasKonzert schon frühzeitig Karten besorgt hatte, lag daran, dass ich 2008 eine unglaublich verliebte Phase hatte mit ``Dry land'' von ``A whisper in the Noise''. In der letzten Zeit hatte ich sie etwas aus den Augen verloren, aber mit der Konzertankündigung natürlich die Platte wieder einmal herausgesucht und befunden, dass ich sie immer noch einfach großartig finde.
Aber warum war mir so als würde sich mit dem Abend Teile zu einemgroßen Ganzen fügen? Fangen wir mit dem Anfang an:
Am Wochenende hatten wir Besuch und haben den Tag des freien Eintrittsim Karlsruher Zentrum für Kunst und Medienkultur ausgenutzt. Speziell interessierte mich die Ausstellung Soundart, die in der Stadt und in den Museumsräumen einlädt, sich mit Klang auseinanderzusetzen:
Diese Art von Ausstellungen erfordern eigentlich mehrere längere Besuche, umdas Gefühl zu haben, man hat alles gefunden, was interessant und sehenswert (hier auch noch hörenswert) ist. Aber mit dem Museumstag gab es die Gelegenheit, einfach mal zu schnuppern und abzutasten, was sich bei einem richtigen Besuch lohnen könnte. Mir hatte es eine Soundstrasse angetan, wo man in verschiedene Sorten experimentellen Umgangs mit Klang als Musik stöbern gehen konnte (alle Beispiele zusammen zeitlich so viel Material, dass man mehrfach die ganze Öffnungszeit des Museums ausnutzen müsste). Was mir dabei eine richtige AHA-Wiederentdeckung war, war die Benutzung von Elektronik als Soundtrack zu den Science-Fiction Filmen meiner Kindheit. Heute ist das ja total aus der Mode gekommen, aber in den Filmen meiner Kindheit wurden die fremden Welten noch durch abgefahren fremde Klänge untermalt. Ich hatte das ganz vergessen und nun war es wieder da.
Danach kam die CD zu Olivers Terassenkonzert - ``Rustle of stars'' am Montag an, die zwarnicht elektronische Musik in dem eben geschilderten Sinn ist, aber mit den Klanglandschaften eher nicht zu meinem typischen ``Beuteschema'' passt. Trotzdem ist die Musik für mich bezaubernd unddie CD ein Schatz und irgendwie auch ein Soundtrack.
Und last but not least gab es ein witziges Google-Doodle, an dem ich vor demKonzert noch spielen konnte und mir meinen eigenen Science-Fiction-Film Soundtrack spielen und komponieren:
Als ich dann Abends ins Jubez kam und sah, was die Vorband Gravelinesda aufgebaut hatte, musste ich spontan grinsen: Das waren die wahren Spielkinder der Moogzeit. Arbeitsgemeinschaft junge Elektronikmusikbastler ließ grüßen. Zwei Tische waren voller geheimnisvoller Geräte in klein und mittelgroß, die durch eine unüberschaubare Zahl an Kabeln und Steckern miteinander verbunden waren. Na, das passte ja prima in meine Woche. In der Tat erlebte ich das Konzert als Soundtrack. Es ist ein bisschen witzig, wenn auf der Bühne eigentlich fast nichts passiert, weil das Drehen an Reglern wirklich kaum zu sehen ist und wo man sich auch eigentlich mehr den inneren Bildern hingibt. Der Klangteppich wurde etwa 21:15 Uhr ausgerollt und schwebte mit uns ohne Unterbrechung bis etwa 22:10 durch fremde Welten. Am Ende gab es einen sehr freundlichen Applaus - es hatte wohl außer mir auch anderen richtig gut gefallen!
Anschließend wurde direkt umgebaut und 15 min später begannenWest Dylan Thordson und Sonja Larson ihr Set an Geige und Keyboard-Kombinationen. Es ist schon erstaunlich, welche Soundlandschaften man zu zweit mit der elektronischen Unterstützung sogar live hinbekommt. Der Auftritt hatte eine unglaubliche Dramatik, die für mich vor allem durch die Wärme der Geige getrieben wurde. Im Gegensatz zum ersten Set war die Klangreise diesmal im bekannteren Tonraum, wenngleich auch hier viele Sounds dazugebastelt werden um die Klangfarbe zu erschaffen, in der die einzelnen Stücke ihre Geschichte erzählen. Im Unterschied zur Vorband konnte man sehen, wie die Musik gemacht wurde und wie besonders West Dylan Thordson ganz schön ins Schwitzen kam und während des Konzertes ziemlich angespannt war. Ich kannte von den Stücken ganze zwei, es war also wirklich auch eine Reise durch fremde Gefilde. Als nach etwa 15 min das erste Stück von ``Dry Land'' kam, war es dann überraschend emotional. Auf einmal war mir die Situation wieder nah, in der ich die Platte so oft gehört hatte und die innere Zerrissenheit der Zeit, die wirklich eine harte Probe war. Der für mich schönste Moment und Höhepunkt das Abends war ``As we were'' - da habe ich mir doch ein paar Tränen verdrückt, von denen ich nicht sagen konnte ob vor Glück oder Traurigkeit. Aber das liegt wohl an der Art der Musik, die A whisper in the noise machen. Und welcher Mensch mit Gefühlen könnte ungerührt bleiben, wenn man mit solchen Worten verabschiedet wird:
As we were as before comes to be nevermore the fool to regret to repent to forget As our hurt devestates as our hopes dissipate Turning joy into pain as our love turns in vain So we now close the door as we were nevermore Day of birth be alive learning now to survive To move on without ache humbler within grace Within hope dawn of spring to the start all that sadness brings...
Das Publikum war recht offensichtlich keine ``Laufkundschaft''. Eswurden schon vor dem Konzert viele T-Shirts gekauft und die neuste Platte. Entsprechend andächtig wurde zugehört und euphorisch geklatscht. Die Musiker waren hinterher ganz gelöst und ließen im Gespräch durchblicken, dass ihnen das Karlsruher Publikum gut gefallen hatte. Es wurden viele Autogramme verlangt und gern gegeben, immer mit einem kleinen Gespräch und Sonja war so nett, mir die Setlist extra aufzuschreiben. Alles in allem also wieder ein zauberhafter Abend.
Black Shroud (To Forget) In the Dark (Through the Ides of March) Your Hand (To Forget) Armament (Dry Land) Last Night (Through the Ides of March) Every Blad of Grass (To Forget) Hell's Half Acre (As The Bluebird Sings) All My (To Forget) Carpenters' Coalmen (As The Bluebird Sings) Silence (Through the Ides of March) To Forget (To Forget) As we Were (Dry Land)
Zugabe: The Song you Hate (Through the Ides of March)
Veröffentlichungen von ``A whisper in the Noise'': Through the Ides of March 2003 As The Bluebird Sings 2006 Dry Land 2007 To Forget 2012
Tourdaten 2012 in Deutschland (dazwischen lagen diverse Termine in anderen europäischen Staaten und zu Pfingsten spielen sie in Moskau und St. Petersburg!):
Live: A Whisper In The Noise 20.04. Potsdam - Fabrik 21.04. Chemnitz - AJZ Talschock 23.04. Bayreuth - Glashaus 24.04. Frankfurt - Ponyhof 25.04. Dresden - Beatpol 28.04. Leipzig - UT Connewitz 29.04. Berlin - Schokoladen 13.05. Münster - Fachwerk 20.05. Zug - Cholerhalle 21.05. Lausanne - Cinema Le Bourg 23.05. Karlsruhe - Jubez 24.05. Duisburg - Steinbruch 25.05. Berlin - Schokoladen
Die Beschreibung der Veranstaltung auf den Seiten des Jubez:
A WHISPER IN THE NOISE + Gravelines Experimenteller Avant-Postrock
A Whisper in the noise: Das Musikprojekt aus Minneapolis-St. Paul, USA besteht v.a. aus West Thordson (Gesang, Piano, Gitarre und Synthesizer). Aktuell sind Rebecca Farmer (Violine, Gesang) und Meghan Irwin (Gesang) dabei. Die Band ist bekannt für ihren dunklen Klang und die ungewöhnliche Instrumentierung. Gitarrist Matt Irwin und Violinistin Hannah Murray verließen das Projekt Ende 2008 und gründeten Wive.
Beeinflusst wurden AWITN von so unterschiedlichen Künstlern wie Bob Dylan, Roger Waters, Philip Glass und Arvo Pärt. West Thordson startete das Projekt 2002 in seinem Heimatdorf Hanska, Minnesota (406 Einwohner), im alten Grundschulgebäude, das er von nun an bewohnte. Nachts war alles still auf den weiten Fluren – daher rührt die spukige, düstere Grundausrichtung seiner Musikkompositionen.
Vier wunderbare Alben sind die Folge: „Through The Ides Of March“, „As The Bluebird Sings“, „Dry Land“ und ganz aktuell das fantastische Werk „To Forget“. Alles von Steve Albini (Shellac) produziert. Emotionsgeladen und erschreckend, schwarz und grell – das sind AWITN.
Der Support Gravelines sind Ambient, Noise, Drone, Soundscapes, Modulation, Kopfkino pur.
Konzert: April Shower Ort: La Maison de l'Aquitaine de Paris Datum: 24.05.2012 Zuschauer: viele, etwa 100 Konzertdauer: ungefähr 40 Minuten
Chronique en français en bas du texte!
Die Region Aquitaine kennen Weinliebhaber besonders gut. Hier wachsen die kräftigen roten Bordeaux Weine, die Weltruhm genießen und schwindelerregende Preise erzielen. In dieser Ecke Frankreichs wird aber nicht nur Wein gesoffen, sondern auch ausgezeichnete Musik gemacht. Unglaublich bekannt wurde die Kultband Noir Desir, aber mit Calc gibt es auch eine Gruppe, die keine großen Schlagzeilen macht, mir aber enorm gut gefällt.
Heute im Maison de l'Aquiatine de Paris durfte sich der Nachwuchs austoben. Fünf wahnsinnig junge Mädels, die bis auf die Hauptsägerin Guillemette extra aus Bordeaux angereist waren, um dieses Konzert zu absolvieren. Ihr Name:April Shower. Die süßen Girls heißen Margaux, Ayla, Lucie, Blandine und Guillemette und spielen gleich mit zwei Ukuelen, etwas Gitarre und Bass und einer tragbaren Trommel. Stilistisch sprechen wir hier von Folkpop mit viel Witz und Spielfreude, der mit seiner heiteren, fast tropischen Note extrem gut zu den steigenden Temperaturen passt.
Bevor es losging, war aber eine ziemliche Warterei angesagt, die dazu führte, daß man nicht wie geplant um 19 Uhr sondern erst um 19 Uhr 50 begann. Folge davon war, daß ich das Konzert von Dustion O'Halloran im Café de la danse danach versäumte. Aber es war gut investierte Zeit, denn der Auftritt der jungen Damen war sehr spritzig, unterhaltsam und charmant. Das Warten auf den Beginn hatte mir durch den Genuß eines baskischen Bieres verkürzt, daß es hier gratis gab. Es schmeckte gut, aber extrem bitter und hinterließ einen seltsamen Nachgeschmack auf der Zunge.
Egal, es steigerte meine Heiterkeit, schießlich macht sauer lustig. Und zum Schmunzeln war auch das Bühnengebaren der (manchmal etwas albernen) jungen Mädchen aus Bordeaux, die mich mit ihrem karibisch angehauchten Pop auch und vor allem an Herman Düne (bzw. dessen Schwester Lisa Li Lund erinnerten). Süßliche Gesänge, viel Ukulele, die Erfolgsrezeptur war ähnlich, aber nicht lediglich billig kopiert.
Leider findet man im Netz nicht sonderlich viel Material. Die einzigen Videos, die ich aufstöbern konnte beziehen sich auf die Songs Boy You're An Alien und I'm Not Here, die man auch als Audioversion bei Bandcamp finden kann. Bei Myspace gibt es zusätzlich noch Red Wine &Chocolate, ein sehr feiner und zarter Titel, der fast wie eine Bedroom Recording klingt, live aber mehr Dampf hatte. Ohnehin sind April Shower eine sehr temperamentvolle Band, allen voran die beiden Hauptsängerinnnen, die viel Talent für die Bühne haben und das Publikum im Maison de L'Aquitaine zum Kochen brachten. Selten habe ich bei einem Showcase so viel Applaus erlebt und der kam sogar von Matthieu Malzieu und Babette, zwei Mitgliedern, der in Frankreich enorm erfolgreichen Band Dionysos, in der Guillemette von April Shower auch Background singt. Ob es die junge Girlgroup aus Bordeaux auch in den Zénith (6000 Plätze) schafft, wie Dionysos? Schwer zu sagen. Ich glaube, das ist nicht unbedingt ihre Ambition, mir schien es , daß es den Girls mehr um den Spaß am Musizieren und nicht die große Karriere ging. Aber gerade mit dieser Unbeschwertheit und Frische können sie in den nächsten Jahren sicherlich punkten. Die sind noch so jung, da bliebt viel Zeit, um neue Lieder zu schreiben, ein Debütalbum aufzunehmen und so richtig zu touren. Ich bleibe ihnen auf den Fersen, junge Gruppen wie diese beleben die Poplandschaft Frankreichs ganz außerordentlich und motivieren auch andere junge Talent kreativ tätig zu werden.
So, aber jetzt erst mal ein Glas roten Bordeauxwein für mich!
Setlist April Shower, Maison de l'Aquitaine, Paris
01: Boy You're An Alien 02: Red Wine and Chocolate 03: Lolita's Dream 04: Eat Me 05: Enfant Sauvage 06: Cosmic Félicidade 07: I'm not Here 08: Lady Lilyth
Pour nos lecteurs français:
La région Aquitaine est très célèbre chez les connaisseurs de bons vins. Ici poussent les grands rouges, qui ont une renommée internationale et atteignent des prix faramineux. Mais dans ce joli coin de France il n'y a pas seulement du bon vin, mais également de la bonne musique. Noir Désir sont mondialement connus, mais un groupe comme Calc est excellent aussi, sans faire les gros titres de la presse à scandale!
Aujourd'hui dans la maison de l'Aquitaine de Paris la jeune génération de Bordeaux avaient son mot a dire. April Shower, un groupe de cinq très jeunes filles donnait un concert exceptionnel. Leurs noms: Margaux, Ayla, Lucie, Blandine et Guillemette, mis à part cette dernière, la chanteuse principale, toutes sont venues exprès pour ce spectacle. Chez elles il y a souvent même deux ukulélés, un peu de guitare, une mandoline africaine et une tambour portatif. Stylistiquement on parle de folk pop très fraiche avec une note douce-amère et une touche de Caraibes, qui s'accordait extrêmement bien avec les températures montantes.
Mais d'abord il fallait un peu attendre. Le concert initialement prévu pour 19 h commença finalement seulement à 19h50. Résultat: j'ai raté ensuite le gig de Dustin O Halloran au Café de la Danse. Mais ce n'était pas dramatique, puisque le show de ces jeunes filles était pétillant, divertissant et charmant. Je décidais de profiter de l'attente pour déguster une "bonne" bière basque qui avait une note très amère dans la bouche.
Mais l'amertume rend heureux et j'étais de très bonne humeur quand le concert commença enfin. April Shower m'ont toute suite mis le sourire aux lèvres avec leur pop tropicale qui me faisait un peu penser à Herman Dune. Des harmonies vocales sucrées, beaucoup d'Ukulele et un rythme bien enlevé, voila la marque de fabrique d'April Shower!
Dommage qu'on ne trouve pas plus de tarce du jeune groupe sur le net. Il y a seulement deux (très chouettes) vidéos de Boy You're An Alien et de I'm Not Here, titres que l'on peut également déguster sur Bandcamo ou sur MySpace où il y en plus Red Wine & Chocolate, un morceaux très fin et raffiné, qui sonne presque comme une "Bedroom Recording." Mais en live même ce titre rêveur avait plus de punch, normal, puisque April Shower est un groupe très dynamique et plein de tempérament, surtout les deux chanteuses qui ont un don remarquable pour la scène! Cela m'a bien plu, ainsi qu'à Babette et Matthieu Malzieu de Dionysos, présents dans la salle aujourd'hui. Difficile à dire pourtant si April Shower arrivera un jour à remplir le Zénith comme Dinoysos. Mais je pense que ce n'est pas forcément le but. J'ai l'impression que leur motivation est plutôt une énorme joie de vivre, de jouer et d'y prendre du plaisir.
Je les trouvai très harmonieuses et elles me semble faire preuve d'un bel esprit d'équipe, comme on a pu le voir au début du concert lorsqu'elles se sont toutes serrées dans les bras! En tout cas, ces cinq filles apportent un vent de fraicheur dans la musique et montrent qu'a Bordeux il n'y a pas seulement du bon vin rouge.
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
Wir sind: Oliver Peel aus Paris Christoph aus nicht weit von Köln Julius aus Wien Gudrun aus Karlsruhe Tanita aus Mainz Jens aus Stuttgart Ursula aus Frankfurt Michael aus Chemnitz Dirk aus Mönchengladbach Vielen Dank unseren Gastautoren!
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