Samstag, 7. Mai 2011

Nicholas Krgovich, Köln, 07.05.11

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Konzert: Nicholas Krgovich
Ort: King Georg, Köln
Datum: 07.05.2011
Zuschauer: etwa 50
Dauer: gut 55 min


"Konzert" ist das falsche Wort für den heutigen Abend. Nick Krgovich, der in Bands und Projekten wie Mount Eerie, No Kids, Gigi oder P:ano gespielt hat, stellte im King Georg seine Soloplatte vor.

"It's my first solo show in Europe!", und "Show" traf das Konzept der Veranstaltung deutlich besser. Ich hatte ehlich gesagt etwas komplett anderes erwartet, nämlich ein "normales" Konzert eines hochbegabten kanadischen Musikers, der einige mehr oder weniger schrullige Lieder vortragen würde.

Nicholas ging das anders an. Der Musiker trug eine nerdige Brille und die passende Cap. Er griff sich beide auf der Bühne installierten Mikros, stellte sich vor eine Leinwand ans Keyboard und begann, zu Stücken aus der Konserve zu singen und zu tanzen. Das erste Lied gefiel mir noch gut, ab dem zweiten klangen sie deutlich zu sehr nach George Michael, um mich zu begeistern; aber vielleicht ging es auch gar nicht darum.

Nick tanzte sich also durchs Programm, mal extrem hoch, mal verzerrt, fast immer in beide Mikros gleichzeitig. Zu einem Stück kam ein Gastsaxophonist dazu, zu einem anderen sein (lokaler) Kumpel im I ♥ NK T-Shirt, zur Zugabe (Whatcha doin'? von Mount Eeries Phil Elverum) einige zwangsverpflichtete Tänzer.

Als Konzert eben nicht richtig ernstzunehmen, weil nur der Gesang und wenige Keyboardklänge live waren (und auch nicht aller Gesang, denn manches Mal sang Nicholas auch weiter, wenn er stumm war), war die Show trotzdem kurzweilig, auch weil im Hintergrund auf der Leinwand neben einigen Chatnachrichten auch je eine Folge Parker Lewis (2x) und die erste Folge der US Serie Portlandia mit Sleater Kinney Mitglied Carrie Brownstein!



Freitag, 6. Mai 2011

Veronica Falls & Times New Viking & O'Death, Paris, 04.05.11

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Konzert: Veronica Falls & Times New Viking & O'Death (Hospital Ships)

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 04.05.11
Zuschauer: nicht sonderlich viele


Am Donnerstag habe ich Christophs neue Lieblingsband gesehen. Er weiß das noch nicht, aber ich würde darauf wetten, daß er auf Veronica Falls abfahren wird. Ich kenne nun einmal seinen Geschmack. Indiepop, das ist genau sein Fall!



Times New Viking und O'Death gingen ebenfalls an den Start und in meiner Abwesenheit zudem Hospital Ships. Feines Line-Up, oder? Für 10 Euro etwa 3 Stunden gute Indiemusik, da kann man wirklich nicht meckern. Trotzdem war die Pariser Flèche d'or nicht sonderlich voll.



Ob der Abend gehalten hat, was er versprach, erzähle ich euch in Kürze. Liege seit gestern mit Grippe und Kater (nicht dem alkoholbedingtem, sondern dem Tier mit Pfoten) im Bett, deshalb geht alles etwas langsam zur Zeit. So, ich koche mir jetzt einen Tee. Bis bald...

Update: Mitten in der Nacht des 6. Mai:

Fieberschübe lassen mich nicht schlafen. Also kann ich auch gleich berichten, wie der Abend in der Flèche d'or denn nun gelaufen ist. Um es vorwegzunehmen: ich hatte mir mehr erhofft. Einmal mehr war an der nichtvorhandenen Performance und der mangelnden Bühnenpräsenz Kritik zu üben. Besonders krass wurde dies im Falle von Times New Viking. Eine dreiköpfige Amiband aus Ohio mit der Sängerin und Orglerin Beth Murphy an der Spitze. Leider erwies sie sich zu keiner Zeit als echte Bandleaderin, sondern klimperte schlafversunken und apathisch vor sich hin, ohne jemals Blickkontakt zu dem weit entfernt performenden Gitarristen, oder dem Drummer aufzunehmen. Brutal langweilig ihre Mimik. Ein ausdrucksloser, blaßer Blick, der sich nie änderte und nicht das leiseste Anzeichen von Spielfreude zeigte. Sie wirkte unsicher und angeödet und ratterte die kurzen, nosigen Lofi -Nummern lustlos runter. Da fragt man sich schon, ob das als Coolness oder Blasiertheit zu werten ist. Ich meine, ich kann ja verstehen, daß man an manchen (an vielen sogar) Tagen, Lust hat, sich mit einer Pistole in den Mund zu schießen, aber ein bißchen Dankbarkeit könnte man schon zeigen. Dankbarkeit dafür, dem Spießerleben, das die ehemaligen Jahrgangsgenossen von der Uni bereits jetzt oder in Kürze führen werden, entkommen zu sein. Ein paar von denen werden demnächst grauenvolle Berufe wie Rechtsanwalt oder Zahnarzt (Leuten im stinkenden Mund rumpulen, pfui Teufel!) ergreifen, da ist es doch letzlich schon ziemlich toll, auf einer Bühne in Paris zu stehen. Finde ich zumindest. Auch wenn das bedeutet, quasi ständig in gammeligen Hotels abzusteigen und nichts von der jeweiligen Stadt zu sehen.

Times New Viking also performancetechnisch mies, aber musikalisch eigentlich keineswegs übel. Schrammelige Songs, die auf Grund ihre Einfachheit und Direktheit an die Ramones erinnerten, aber auch amerikanischen Indiebands der 1990er Jahre wie Pavement oder Guided By Voices nahe standen. Zudem waren klare Parallelen zu aktuellen Girlgroups wie den Vivian Girls und Best Coast auszumachen.

Hervorstechend der letzte Titel des Sets. New Vertical Dwellings hatte Pfeffer, Dynamik und Biss und sorgte dafür, daß ich das Konzert unter dem Strich als gehobenen Durchschnitt einstufen konnte.

Vor Times New Viking war bereits eine andere trendige Band an den Start gegangen. Veronica Falls stammen aus London und bestehen aus zwei feschen Mädels und Jungs. Patrick, Roxanne, James und Marion kredenzten furios schnellen, gitarrenlastigen Indiepop mit 60ies Note, der enorm cathcy und charmant war. Leider hatte man auch hier vor allem bei der Bassistin den Eindruck, daß sich die Süße saumäßig langweilt. Ihren mürrischen Blicken zufolge, war das Bespielen der Pariser Fleche d'or nicht sexier als zur Beerdigung einer ungeliebten Tante zu gehen. Meine Güte, zog die eine genervte Fresse! Die Gitarristin und Sängerin war auch nicht sonderlich gesprächig und liebreizend, obwohl sie mit ihrem weißen Spitzenkragen doch eigentlich so herzallerliebst aussah.

Für Schlagzeilen gesogrt hatten die vier Engländer vor allem mit ihren zwei Singles Beachy Head und Found Love In A Graveyard, die wirklich enorm frisch und ohrwurmig sind. Natürlich spielten sie diese beiden Hits heute auch und auch die anderen Nummern machten Lust auf mehr. Ein erstes richtiges Album soll im Laufe dieses Jahres erscheinen, bislang muss man sich mit einer EP mit 5 Demotracks vertrösten.

Eine musikalisch tolle Band, die noch viel besser wäre, wenn sie mehr Spielfreude vermitteln würde.

Mangelnde Spielfreude und Gruppendynamik, einen Vorwurf, den man den rustikalen Amerikanern O'Death sicherlich nicht machen kann. Im Gegenteil, die fünfköpfige Folkrock-Band beherrscht die Kunst des wuchtigen und teamgeprägten Auftritts perfekt. Bei denen geht auf der Bühne richtig die Post ab. Der urwüchsige Drummer feuert wie ein Olli Kahn von hinten an, der Geiger und der Basser liefern sich feurige Duelle, während der Sänger und der Banjo/Ukulespieler eher etwas bedächtiger, aber dennoch engagiert bei der Sache sind sind. So hatte ich sie 2008 beim Festival in Evreux kennengelernt und so präsentierten sich sich auch an diesem 4. Mai 2011 in der Flèche d'or. Renaud von le Cargo hatte mir im Vorfeld erzählt, daß ihr neues Album Outside eher melancholische und gemächliche Töne anschlagen würde, mich aber gleichzeitig beruhigt, daß sie dennoch wild und ungestüm geblieben seien. Dies hatte er von einem Bekannten erfahren, der die Truppe vor Kurzem gesehen hatte.

Beides stimmte. Zum einen gab es eine stärker ausgeprägte Besinnlichkeit und Schwermut als zuvor, nach wie vor aber die Phasen, in denen der Geiste der Pogues durch die Fléche d'or schwebte, bierseelige Mitgröhlgesänge angestimmt wurden und die Fiedel den folkloristischen Punk von O'Death mit rasantem Tempo vorantrieb. Die Jungs schonten sich in diesen Momenten nicht, sondern gaben alles, was in ihnen steckte. Das Problem war allerdings, das nicht mehr sonderlich viele Leute da waren, um mitzufeiern- und zu tanzen. Vermutlich war eine eher bodenständig gekleidete Band wie O'Death nicht cool und trendy genug für die jungen Leute, die den Laden in der Pariser Rue de Bagnolet frequentierten. Viele waren nach dem Konzert der Times New Viking nach Hause aufgebrochen und verpassten somit das engagierteste und in musikalisch-handwerklicher Hinsicht ausgereifteste Konzert. Keine Frage, die O'Deathler können spielen! Allein mit welchem Punch und Schlagkraft der Drummer (Foto aus dem Archiv) zur Sache ging, war atemberaubend.* Und der eher in sich gekehrte Sänger Greg Jamie hat eine äußerst markante Stimme, die gerade in den ruhigen Momnet sehr schön und anrührend war.

Leider hatten die Burschen keine ausgeschriebene Setlist dabei, was es mir erschwert, Titel vor allem des neuen Albums Outside zu bennenen. Ich habe es noch nicht und verfüge nur über den mehrfach herausgebrachten Klassiker Head Home (2006 zum ersten Mal), von dem natürlich Down To Rest und Only Daughter gebracht wurden. Zwei famose Tracks im Übrigen.

Alles in allem ein richtig gutes Konzert von O'Death, das einen wesentlich volleren Saal verdient gehäbt hätte. Aber die coolen Indie Kids von heute stehen halt eben mehr auf Veronica Falls oder Times New Viking...

Setlist Veroncia Falls, La Flèche d'or, Paris, klick!
Setlist Times New Viking, La Flèche d'or, Paris, klick!

Konzerttermine O'Death:

06.05.2011: Tap Tab, Schaffhausen
07.05.2011: El Lokal, Zürich
08.05.2011: Manufaktur, Schorndorf
09.05.2011: Feierwerk, München

Konzerttermine Times New Viking:

12.05.2011: Marie Antoinette, Berlin
13.05.2011: Conne Island, Leipzig
14.05.2011: Feierwerk, München


Aus unserem Archiv:

O'Death, Evreux, 28.06.08

* vor dem Hintergrund, das er, David Rogers-Berry, erst vor nicht allzu langer Zeit an Krebs erkrankt war und durch die Hölle ging, um so bewundernswerter!






Donnerstag, 5. Mai 2011

Tahiti 80, Köln, 04.05.11

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Konzert: Tahiti 80 (& Cloud Control)

Ort: Studio 672, Köln
Datum: 04.05.2011
Zuschauer: 50-60
Dauer: Tahiti 80 gut 75 min, Cloud Control 40 min


In letzter Zeit verstehe ich Konzerte immer weniger. Warum was genau jetzt ausverkauft ist, andere Abende aber kaum besucht werden, erscheint mir immer weniger nachvollziehbar. Bodi Bill sind toll, aber ein ausverkaufter Mousonturm und ein Zusatzkonzert? Asobi Seksu sind auch toll, da geht aber niemand hin? Hmmm. Mich wunderte daher auch nicht weiter, daß Tahiti 80, die ich bisher nicht aktiv wahrgenommen habe, vom Studio 672 in den Stadtgarten, also auf die große Bühne hochverlegt wurden. Sind die Franzosen also doch größer als angenommen.

Als wir vor dem Stadtgarten standen, hing dann an der Tür aber eine erneute Änderung. Das Konzert war in den ursprünglich angesetzten kleinen Club zurückverlegt. Also würde es sicher knallvoll werden.

Unten angekommen blieb es aber gemütlich. Gut 50 Zuschauer fanden schließlich den Weg in den kleinen Kellerraum. Rein passen vielleicht 200, es war also wirklich alles andere als ausverkauft.

Ich war vor allem der Vorgruppe wegen da. Cloud Control aus Australien klangen spannend, Grund genug, zum Konzert zu fahren.

Cloud Control begannen gegen neun. Die Band aus der Nähe von Sydney besteht aus vier Musikern, Sänger Alister Wright, Keyboarderin und Sängerin Heidi Lenffer, Bassist Jeremy Kelshaw und Heidis Bruder Ulrich (Schlagzeug).

Die Vorfreude war durchaus berechtigt, stellte ich schnell fest. Die zweistimmigen, ziemlich schrägen, folkigen Lieder erinnerten unverkennbar an Bands wie Beach House. Kann man so machen. Besonders This is what I said und Deathcloud, das zweite und dritte Lied, gefielen mir blendend!

Leider verpuffte das Interesse dann aber sehr schnell, schon ab der Mitte wurde der Auftritt zäh. Mit There's Nothing in the Water We Can't Fight spielten die Australier am Ende zwar noch einmal einen Hit, wenn 40 minütige Konzerte aber zäh werden, fehlt der Musik irgendetwas.

Keine schlechte Band, diese Cloud Control, allerdings sicher nicht das nächste große Ding, als das sie hier und da verkauft werden.

Eines ist aber noch bemerkenswert: bei australischen Bands habe ich grundsätzlich Angst, daß ich irgendwann mal ein scheußliches Percussion-Instrument erlebe. Cloud Control hatten kein schlimmes, aber ein sehr spektakuläres! Bassist Jeremy trommelte nämlich gegen Ende mit einem Holzkleiderbügel auf einer Kiste den Takt. Das gefiel mir gut!

Setlist Cloud Control, Studio 672, Köln:

01: Meditation Song #2 (Why, oh why)
02: This is what I said
03: Deathcloud
04: My fear #2
05: The Rolling Stones
06: Into the line
07: Gold canary
08: There's Nothing in the Water We Can't Fight
09: Ghost story

Tahiti 80 folgten. Ich habe mich bisher überhaupt nicht mir den Franzosen beschäftigt, mir war der Name höchstens irgendwo mal begegnet. Die nach der Insel in Französisch Polynesien benannten Tahiti 80 stammen ursprünglich aus dem schönen Rouen, in dem 1431 Johanna von Orléans verbrannt wurde. Die Band besteht bereits seit 1993 und veröffentlicht in Kürze ihr sechstes Album. Ich hatte im Vorfeld viel von den Beach Boys als Referenz gelesen. Mir kam im Laufe des Konzerts stattdessen immer wieder Pierre Cosso in den Sinn, dem Sänger Xavier Boyer glich. Zumindest fühlte ich mich an die La Boum Filme und deren Musik erinnert. Was der Schauspieler Cosso eigentlich so macht, fragte ich mich, während Tahiti 80 ihren Surferpop spielten, wusste aber keine Antwort. Wikipedia half vorhin weiter. Der Sänger und Schauspieler lebt heute in... Polynesien!

Ich hatte Zeit, über französische Teenyfilme nachzudenken, das Konzert war nämlich sehr lang und leider musikalisch gar nicht meine Sache. Und vermutlich wäre ich auch frühzeitig gegangen, wenn die fünf Franzosen nicht so schrecklich sympathisch gewesen wären! Xavier redete viel, setzte ab und zu sein offenbar sehr gutes Deutsch ein (sehr akzentfrei), Bassist Pedro Resende, der Geburtstag hatte, war einer der bestgelautesten Musiker, die ich je gesehen habe, er lachte ununterbrochen, es schien aber auch seinen Kollegen viel Spaß zu machen, obwohl so wenige Zuschauer gekommen waren.

Auch das Publikum schien viel Spaß zu haben, es wurde viel getanzt. Für jeden, der wegen Tahiti 80 da war, war es ein sehr gutes Konzert. Meine Musik war es aber wirklich nicht. Am wenigsten gefiel mir (bei aller Sympathie) Big day, das mich an fiese bluesige Engtanz Dorfdisko-Stücke erinnerte, puh! Bestes Lied dagegen war die erste Zugabe Unpredictable, für das ich mich durchaus erwärmen konnte.

Köstlich war eine Szene am Ende des regulären Programms! Da spielten die fünf Franzosen nämlich Crack up. Allerdings schien Pedro, der dabei Keyboard spielte, keine Lust zu haben, das Stück normal zu beenden, er spielte seine elektronischen Klänge einfach weiter. Xavier und die beiden Schlagzeuger stiegen wieder ein und jammten das Lied weiter. Nur Gitarrist Médéric fand keinen Zugang mehr, guckte erst verwirrt, versuchte einzusteigen, gab dann aber auf und kletterte von der Bühne, wundervoll!

Daß ihre Musik nichts für mich ist, mag ich Tahiti 80 natürlich nicht ankreiden, selbst schuld, wenn ich zu Band gehe, mit denen ich mich vorher nicht beschäftigt habe.

Setlist Tahiti 80, Studio 672, Köln:

01: Solitary bizness
02: Isaac
03: Gate 33
04: Better days will come
05: Easy
06: Nightmares
07: Antonelli (instr.)
08: Big day
09: 1,000 times
10: Defender
11: Me and the princess
12: Changes
13: Soul deep*
14: Darlin'
15: Crack up

16: Unpredictable (Z)
17: Heartbeat (Z)


* wurde an 12. Stelle gespielt, ich weiß allerdings nicht, mit welchem Stück es den Platz getauscht hatte



Mittwoch, 4. Mai 2011

Le Prince Miiaou, Paris, 03.05.11

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Konzert: Le Prince Miiaou

Ort: le Café de la Danse, Paris
Datum: 03.05.11
Zuschauer: viele, fast ausverkauft (etwa 450)
Konzertdauer: 65 Minuten




Concert epoustoufflant du Prince Miiaou au Café de la Danse. C'était intense, émouvant et très beau. Un set fragile et puissant en même temps. Un triomphe! Quel talent ce Prince Miiaou!!


Den Werdegang einer Musikerin von zartesten Anfängen bis hin zum Bespielen von größeren Indie-Locations mitzuverfolgen ist schon eine spannende Sache. Zumal im Falle der Französin Maud-Elisa Mandeau alias Le Prince Miiaou mit dem Füllen des renommierten Café de la Danse das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist.

Ich hatte Maud-Elisa im Jahre 2008 zufällig beim Konzert ihrer Freundin Marie-Flore kennengelernt. Ganz beiläufig erzählte sie mir, daß sie auch Musik mache und sich freuen würde, wenn ich ihren Songs auf My Space mal ein wenig Gehör schenken würde. "Aber nur, wenn du keine Zeit du verlieren hast", ergänzte sie bescheiden und übertrieben selbstkritisch. Natürlich hörte ich mir ihre Stücke an und war ganz begeistert von dem, was ich da so hörte. Wow, das klang so anders, so neuartig, so eigen! Ich schrieb ihr gleich euphorisch zurück und sagte, daß sie unbedingt auf eine Bühne gehöre. Sie wies mich diesbezüglich in die Schranken und sagte, daß sie nicht vor 2009 in Paris auftreten wolle. Sie habe schlimmes Lampenfieber und müsse damit erst einmal klar kommen. Ich ermunterte sie in der Folge immer wieder und erklärte ihr, daß ich an sie glaube, daß ich unglaubliches Potential bei ihr sehen würde.

Zum damaligen Zeitpunkt hatte sie bereits ein selbstverlegtes Album namens Nécessité Microscopiques (2007) auf den Markt gebracht und auch mir ein Exemplar vermacht. Die Presse begann sich langsam aber sicher für die Blondine zu interessieren, vor allem als ihr zweites Album Safety First 2009 erschien. Die Zeitschrift Les Inrockuptibles hatte früh Blut geleckt und puschte die junge Musikerin mit euphorischen Berichten. Dennoch wollte sich kein Label für Le Prince Miiaou engagieren und das zweite Album, das ebenfalls im Selbstversuch herausgebracht worden war, erfuhr keinen regulären Neu- Release. Mein persönliches Interesse an der Musik von Le Prince Miiaou wuchs im Laufe des Jahres aber immer stärker, denn am 28. März 2009 konnte man sie erstmalig auf einer Pariser Bühne in Aktion sehen. Ich war hin und weg. Man war dieses Konzert stark! Seitdem habe ich sie drei weitere Male live erlebt und ihre Fortschritte waren jeweils deutlich spürbar.

Im Jahre 2011 kam niemand mehr am Prince Miiaou vorbei. Es gab einen regelrechten Medienhype um die junge Musikerin, die inzwischen wieder bei ihren Eltern im ländlichen Ort Jonzac lebt, vielleicht um dort mehr Ruhe zu haben. Alle schrieben sie über diese eigenwillige Person, über ihren ungestümen Charakter, ihren Sturkopf, ihre Blödeleien, ihren Ehrgeiz. Sie sei eine Außenseiterin in der Schule gewesen, konnte man lesen und daß ihre Mutter immer ihre liebe Not und Mühe mit den Launen der Tochter hatte. Die Mitschüler hätten sie gehänselt, sie verspottet, weil sie flachbrüstig war. Der ideale Nährboden, um sich mittels der Musik Luft zu machen. Zorn, der postiv genutz wurde und verstörend -bizarre Songs zum Ergebnis hatte. Inzwischen hat sich auch ein Label gefunden und das dritte Album Fill The Blank With Your Own Emptiness erfuhr insgesamt sehr positive Kritiken.

Heute am 3. Mai 2011 also nun der große Tag. Die neuen Songs und die älteren Stücke mussten live verteidigt werden. Im Café de la Danse, einer Location, in der die besten Indiemusiker überhaupt gespielt haben. Bill Callahan, Bright Eyes, Low, Laura Veirs, Campbell & Lanegan, sie und noch viele andere mehr hatten hier in der Vergangenheit bereits geglänzt.

Um 21 Uhr ging es los, nachdem eine französische Vorgruppe namens Elephant in den Abend eingeführt hatte. Das Café de la Danse war gerammelt voll. Es wimmelte nur so vor Fotografen und akkreditierten Videofilmern. Die Großen der Bloggerszene waren vollständig versammelt. Rod von Le Hiboo, Renaud und Mickey von Le Cargo, Robert Gil von Photosconcerts.com, keiner wollte sich das Spektakel entgehen lassen.

Und die Zuschauer (unter ihnen Troy von Balthazar!) wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil. Das Konzert hielt nicht nur, was es im Vorfeld versprach, nein, es toppte noch die kühnsten Erwartungen. Maud-Elisa und ihre männliche Begleitband an Cello, Gitarre und Schlagzeug spielten aus einem Guß und ließen förmlich Funken sprühen. Perfekt ihr Zusammenspiel, hochkonzentriert und dennoch leidenschaftlich ihr Vortrag.

Begonnen wurde mit einem der wenigen französischen Stücke im Repertoire, J'ai deux Yeux. Wobei auch diser Titel nicht zu 100 Prozent auf französisch gesungen wurde, da es einen englischsprachigen Refrain gab. Eine perkussive, melodiöse Nummer, bei der Maud-Elisa zu Beginn ein wenig mittrommelte, bevor sie sich auf ihren Gesang und ihr Gitarrenspiel konzentrierte. Und ihr Gesang hat es wirklich in sich. Sie verfügt über eine äußerst sinnliche, sehnsuchtsvolle Hauchstimme à la Cat Power, die in den explosiven Passagen allerdings wütend, trotzig und furios werden kann. Dieser Wechsel vom Gefühligen hin zum Wilden, Ungestümen, das ist es, was die Französin so faszinierend macht. Die Leute im Café de la Danse, die Maud-Elisa noch nie zuvor live gesehen hatte, staunten Bauklötze, ergötzten sich an der urwüchsigen Energie des schmalen, zierlichen Persönchens, an ihrer Authentizität und Leidenschaft, mit der sie ihre Musik lebte. Und diejenigen, die sie schon öfter gesehen hatten, stellten zufrieden fest, daß auch ihre Gitarrenkünste stabiler und sicherer gworden sind. Maud-Elisa hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß sie auf diesem Felde Autodidaktin ist und sich noch verbessern kann.

Bestens geschultert wurde sie durch ihre glänzend aufspielende Band. Vor allem ihr Cellist verdiente sich Bestnoten. Umgemein beeindruckend, wie er sein Instrument auf vielfältigste Weise bearbeitete und zum Schwingen brachte. Er zupfte, strich und zwirbelte auf dem hölzernen Ding herum, daß es eine helle Freude war. Sein Cellospiel trug Maud-Elisas Stimme wie auf Engelsflügeln, steuerte eine melancholische, besinnliche Note bei und bereicherte das Ganze ungemein. So entstand eine ganz eigenwillige Mischung aus Kammerpop, Indierock, Postrock und Chanson, die Le Prince Miiaou so originell macht. Im Grunde genommen ist Le Prince Miiaou mit niemandem vergleichbar, das ist wirklich Maud-Elisas ganz eigene Schöpfung. Sie hat sich alles selbst beigebracht, einfach zu Hause bei sich drauflosgespielt, (teilweise wirre) Texte geschrieben und sogar eigene Amateurvideos gedreht. Beispielsweise zu ihrem Song Football Team, den man auf dem zweiten Album Safety First finden kann. Das Stück brachte sie heute abend an fünfter Stelle und es war eines der großen Highlights des Sets. Wie immer setzte sie sich hierzu eine Skibrille verkehrt rum auf, stülpte einen roten Vorhang über ihre schmalen Schultern und hüpfte rum wie eine Wilde. Inhaltlich geht es darum, daß sie sauer darauf ist, daß die Jungs sie nicht beim Fußball mitspielen lassen wollen, weil sie so dürre Beinchen hat und ein Mädchen ist. "They don't want me in their football team" heißt es im Refrain, den sie mit voller Inbrunst sang. Das Stück verfügt über eine formidablen Gitarrenpart und postrockige Elemente und gefiel dem Publikum so gut, daß ein Typ begeistert ausrief: "c'est mieux que le foot", das ist viel besser als Fußball! Recht hatte er, Football Team war wirklich der volle Hammer!



Sensationell dann auch No Compassion Available. Ein bizarrer, verstörender, hochdramatischer Song, der von französischem Sprechgesang bestimmt ist, langsam beginnt und sich im Verlaufe wahnwitzig steigert und verdichtet. Am Ende herrscht die völlige Extase, explodiert die gesamte Spannung die vorher aufgebaut wurde, pfeift Maud-Elisa wie ein Schiedsrichter mit einer Trillerpfeife rum, während sich ihr Cellist in einen regelrechten Rausch fiedelt. Erzählt wird die höchst seltsame Geschichte (eine Art Anleitung zum Nachmachen), wie eine junge Frau ihren Körper mit Wasser füllt, von den Beinen anfangend bis hin zum Kopf. Der Mund bleibt hierbei geschlossen, so daß die Frau am Ende in Ohnmacht fällt und als sie wieder aufwacht, ist sie völlig leer. Fast gruselig, aber wahnsinnig emotional und absolut packend. Ich zitterte am ganzen Körper, nachdem die letzten Noten verklungen waren!



Auch die Schlußphase äußerst mitreißend. Zu Turn Me Off blies Maud-Elisa in eine kleine Flöte. Die Passage wurde aufgenommen und später wieder reingesampelt, so daß ein afro-angehauchter Stimmungssong entstand, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Bei We Both Wait dominierten dann knarzige, indierockige Gitarren und ein explosives Schlagzeug. Die Band verließ im Anschluß unter donnerndem Applaus die Bühne.

Ein paar Minuten später kam Maud-Elisa alleine zurück und wagte sich an klassisches französisches Liedgut von Francoise Hardy ran. Sie erklärte zur Einleitung, daß sie ja nun das offizielle Konzert gemeistert habe und nun bei den Zugaben ohne Druck aufspielen könne. Zunächst war ich skeptisch, ob das Lied Tous Les Garçons Et Les Filles nicht eine Nummer zu groß für die junge Musiker sei, wurde dann aber eines Besseren belehrt Der Chanson begann klassisch und relativ originalgetreu, verwandelte sich gegen Ende dann aber in einen postrockigen Schocker der besonderen Art. Würde mich interessieren, was Françoise dazu sagen würde, wenn man ihr diese fulminante Version vorspielen würde! Sensationell!

Obendraufgepackt wurde noch Frénésie Horizontale vom ersten Album, ebenfalls ein Abräumer vor dem Herrn, der das Publikum staunend und völlig perplex zurückließ. Minutenlang wurde der Wahnsinnsauftritt gefeiert und hinterher war man sich einig darüber, daß man hier ein Riesentalent gesehen hatte, das definitiv das Potential hat, zumindest ein nationaler Star zu werden. Das Olympia ist drin, darauf kann man locker wetten!

Wow!!!!!!!!!!!!!!

Setlist Le Prince Miiaou, Le Café de la Danse, Paris:

01: J'ai Deux Yeux
02: Be Silent
03: I Don't Know My Name
04: I Love Nobody
05: Football Team
06: Hollow Hero
07: No Compassion Available
08: Fill The Blank With Your Own Emptiness, Part 2
09: Turn Me Off
10: We Both Wait

11: Tous Les Garçons Et Les Filles (Francois Hardy)
12: Frénésies Horizontales

Aus unserem Archiv:

Le Prince Miiaou, Paris, 10.03.10
Le Prince Miiaou, Paris, 30.01.10
Le Prince Miiaou, Paris, 03.10.09
Le Prince Miiaou, Paris, 28.03.09




Dienstag, 3. Mai 2011

Ron Sexsmith, Paris, 02.05.11

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Konzert: Ron Sexsmith

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 02.05.2011
Zuschauer: nicht ausverkaufte, aber gut besuchte Veranstaltung
Konzertdauer: Ron Sexmith 105 Minuten!


"Did you say Explosions In The Sky?"

Der unverschämt gutaussehende Gitarrist von Ron Sexsmith war neugierig geworden, als er in der Umbaupause vor dem Auftritt den Bandnamen der texanischen Postrocker zufällig aus meinem Munde hörte.

"Their new album is f...ing awesome!", schickte er begeistert hinterher.

Schon kurios, oder? Diese Begeisterung für instrumentellen Bombast-Gitarrenrock erwartet man von einer Folk Band wie der von Ron Sexsmith nicht unbedingt, da würde man eher auf euphorische Kommentare hinsichtlich Acts wie Ryan Adams, Jesse Sykes oder John Grant tippen.

Klingt Ron Sexsmith also nun nach brachialem Postrock? Die Antwort in Kürze!

Setlist Ron Sexsmith, La Maroquinerie, Paris: (merci beaucoup à Philippe D!)

01: Hearts Desire
02: Get In Line
03: The Reason Why
04: Thinking Out Loud
05: Hard Bargain
06: Just My Heart Talking
07: Believe It When I See It
08: Wastin' Time
09: Late Bloomer
10: Middle Of Love
11: Brandy Alexander
12: Gold In Them Hill
13: Miracles (Ron solo)
14: Tomorrow In Her Eyes (solo)
15: Snow Angel (solo)
16: Child Star (solo)
17: Up The Road
18: Strawberry Blonde
19:No Help At All
20: Love Shines
21: All In Good Times
22: Riverbed

23: Secret Heart
24: Not About To Lose

25: Former Glory
26: Everytime I Follow
27: Nowadays



 

Konzerttagebuch © 2010

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