Die charmante isländische Indie Pop Gruppe Seabear ist gerade auf deutschen Konzertbühnen unterwegs. Die Tour ist schon in vollem Gange und nachdem am 28. Februar in Hannover (Feinkost Lampe), am 01.März in Duisburg (Steinbruch) und gestern in Hamburg (Hafenklang) munter aufgespielt wurde, ist heute Leipzig dran. Sicherlich werden auch einige Leckerbissen vom neuen Output We Built A Fire gespielt werden.
Restliche Konzerttermine von Seabear in Deutschland (+ Wien, Österreich. Angaben ohne Gewähr)
03.03.2010: Nato, Leipzig 04.03.2010: Festssal Kreuzberg, Berlin 05.03.2010: Beatpol, Dresden 06.03.2010: 59:1, München 07.03.2010: B72, Wien
Links:
- Seabear, Paris, 15.09.08 - Tolle Fotos vom Seabear Konzert im Hamburger Hafenklang bei Frall. Klick!
Konzert: Get Well Soon (& Abby) Ort: Mousonturm, Frankfurt Datum: 02.03.2010 Zuschauer: nicht ganz ausverkauft Dauer: Get Well Soon 90 min, Abby 45 min Temperatur: 31° C
Ich versuche gar nicht erst, objektiv zu bleiben:
Eigentlich hatte ich nichts über das Kölner Konzert von Get Well Soon hören wollen, weil ich selbst gerne Konstantin Gropper und Band im Gloria gesehen hätte aber wehmütig verzichten musste. Auch wollte ich mir die Vorfreude auf mein nächstes Konzert nicht durch eine mögliche uneuphorische Kritik verderben lassen. Da mir eine schlechte Beurteilung nach den bisherigen Abenden mit Get Well Soon aber vollkommen unsinnig vorgekommen wäre, wollte ich dann doch wissen, was mich erwarten würde. "GWS waren sehr toll. Ich befürchte, das ist nicht steigerungsfähig und unwiederholbar." Ok, nur zum Teil das, was ich hören wollte.
Zuletzt hatte ich das hochgelobte Projekt von Konstantin Gropper im August in Wiesbaden gesehen, beim letzten Clubkonzert mit dem ersten Album. Er kündigte an, daß Get Well Soon im Frühling anders aussehen würden. Eigentlich ein guter Grund, nervös zu werden. "Wir machen jetzt mal was anderes", ist bei einer Lieblingsband keiner der Sätze, die ich besonders gerne höre.
Vor ein paar Wochen erschien Vexations, das zweite Album, von dem es ein wunderschönes Doppel-CD Buch gibt. Bei den ersten Hördurchgängen* erschien es mir komplizierter bzw. anspruchsvoller als das Debüt, ohne aber Gefahr zu laufen, schnell unhörbar zu werden, wie das etwa bei auf Teufel komm raus auf Kunst getrimmten Platten zwangsläufig passiert. Je mehr ich Vexations höre, desto weniger weiß ich, welches der beiden Alben mir besser gefällt.
Es haben sich also vielleicht der Stil, die Instrumentierung ein wenig geändert, nicht aber die große Faszination, die von der Get Well Soonschen Musik ausgeht.
Aber das Bühnenlayout sah etwas anders aus. Besonders auffällig waren die beiden beeindruckenden Schlaginstrumente: eine Marimba und ein großes Glockenspiel mit Pedalen (ein Vibraphon? Ich weiß es nicht genau - Konstantin offenbar auch nicht: "an der Trompete, der Gitarre, dem Gesang und dem ... Dings, Maxxi"). Ansonsten fehlte der dritte Gitarrist, Get Well Soon waren also zu sechst auf der Bühne, aber größtensteils bekannt. Neben Konstantin spielte Verena Gropper Geige, Glöckchen und Marimba, Timo Kumpf Bass, Maxxi Schenkel Gitarre, Trompete und eben Dings, Paul Kenny Schlagzeug (und eine Minute Glockenspiel...). Neu war für mich Marcus Wuest an Keyboard, Akkordeon und Glockenspiel.
Das Konzert begann mit einem Film auf einer riesigen Leinwand hinter der Bühne und mit einer Instrumental-Version von Nausea, die Seneca's silence. Dazu sah man die Gesichter der Musiker auf der Leinwand, die schließlich mit Torten beworfen wurden. Das wäre schön und sicher sehenswert, wenn nicht am Ende das letzte Tortenopfer die Buttercreme im Gesicht so verschmiert hätte, daß das Schlußbild wie das Plattencover aussah. Nicht mehr "schön und sehenswert", einfach grandios und hochgradig liebevoll!
Parallel dazu passierte dann aber noch etwas, was eben auch Get Well Soon typisch ist, und Kunsthochschulen-Streberbands vermutlich komplett aus dem Konzept brächte: irgendwas an Konstantins Gitarrenkabel funktionierte nicht. Also kam ein Helfer eilig auf die Bühne und behob das Problem. Konstantin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, er spielte seine Parts bei Seneca's silence durch, als sei nichts ungewöhnlich. Ein schöner Zufall an genau der richtigen Stelle, als wäre das Teil der Inszenierung!
Es folgten Stücke der neuen Platte, mit ein paar eingestreuten Liedern vom Debüt. Bei den Neulingen, die alle toll waren, stach für mich We are free heraus, ein riesiger Hit! Das größte Gesamterlebnis bot allerdings in dieser Phase A voice in the Louvre, an dessen Anfang die Stimmeninhaberin sagt, nicht sie betrachte die Bilder, es sei umgekehrt. Die erste Besonderheit war die Instrumentierung des Stücks. Keyboarder Marcus spielte dazu ein auf dem Tisch liegendes Akkordeon, während Verena mit drei bunten Glöckchen ein quasi besonders analoges Glockenspiel bediente.
Dazu - die Szene mit dem kleinen Mädchen im Louvre noch vor Augen - sah man verschwommene Bilder von röhrenden Hirschen. Das geht doch nicht besser, oder?
Es ging schon noch... Bei einem gemeinsamen Konzert mit I Like Trains hatte Konstantin Gropper mal gesagt, nach dem düsteren Auftritt komme ihm seine eigene Gruppe wie eine Mallorca Band vor. We are ghosts war für mich (dieser Logik folgend) bisher das Mallorca Lied von Get Well Soon, weil seine Melodie auffallend fröhlich ist. Sehr schön, aber sicher kein Liebling auf der Platte. Heute war das vollkommen anders. Get Well Soon spielten nur die Instrumentalteile des Lieds, dazu sangen auf der Leinwand schwarz-weiße und vor allem blasse Bilder der Musiker den Text. "Unsere Geister", stellte sie Konstantin uns vor. Ganz eindeutig der wundervollste Moment dieses Abends, obwohl es so viele andere gab!
Dagegen war selbst das leise Singen des Publikums beim letzten Refrain von Ticktack! Goes my automatic heart chancenlos. Diese anderthalb Stunden waren ein einzigartiger Genuß - aber glücklicherweise nur im übertragenen Sinne. Denn treffender als ein Freund neulich könnte man es nicht formulieren: "Die werden immer besser!" Setlist Get Well Soon, Mousonturm, Frankfurt:
01: Nausea (instr.) 02: Seneca's silence 03: People Magazine front cover 04: We are free 05: 5 steps / 7 swords 06: A voice in the Louvre 07: Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day 08: Werner Herzog gets shot 09: That love 10: If thist hat is missing I've gone hunting 11: We are ghosts 12: A burial at sea 13: Ticktack! Goes my automatic heart 14: Angry young man 15: We are the Roman Empire
16: Christmas in adventure parks (Z) 17: Help to prevent forest-fires (Z) 18: I sold my hands for food so please feed me (Z)
Konzertankündigung: Band Of Horses Orte: siehe untenDaten: siehe unten
Und noch ein Kracher im April! Wieder haben Köln, Paris und Brüssel gut lachen, denn die amerikanische Band Of Horses wird in diesen Städten ihre Zelte aufschlagen und ihre melancholischen Folkrocknummern abfackeln, daß es nur so qualmt. Zum mit der Zunge schnalzen! Nicht verpassen!
Ausgewählte Konzerttermine Band Of Horses (ohne Gewähr):
08.04.2010: La Flèche d'or, Paris 09.04.2010: Orangerie, Brüssel 10.04.2010: Motel Mozaique, Schouwburg, Rotterdam 14.04.2010: Kulturkirche, Köln
Konzertankündigung: Laura Marling Ort: verschiedene Locations, s.u. Daten: siehe unten
Wer meinen Konzertbericht über Mumford & Sons neulich gelesen hat (nein?, dann aber schnell!), der weiß inzwischen, daß Laura Marling mit Marcus Mumford zusammen ist und nun braune Haare hat.* Völlig unwichtige Infos, die eh schon jeder kannte? Stimmt! Viel wichtiger ist, daß im Ende März das neue Album I Speak Because I Can erscheinen wird und dieses Werk erwartungsgemäß tolle Kritiken bekommen hat. Q und Mojo verteilen 4 Sterne und auch der düster-dramatische Vorbote, die Singleauskopplung Devil's Spoke , macht Lust auf mehr. Super, daß Laura neben etlichen Terminen in Großbritannien auch 2 Gigs in Deutschland und jeweils einen in Amsterdam, Brüssel und in Paris spielen wird. Hurra!! Da sind wir doch dabei!
Ausgewählte Konzerttermine Laura Marling (ohne Gewähr):
01.04.2010: Privatclub, Berlin (Hoffentlich kein Aprilscherz) 03.04.2010: Studio 672, Köln: Beginn 19 Uhr! 05.04.2010: Melkweg, Amsterdam 06.04.2010: Botanique, Brüssel 07.04.2010: Flèche d'or, Paris
Konzert: Rose Melberg & Sophie Ramsay Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 18 Datum: 27.02.2010 Zuschauer: etwa 30 Konzertdauer: Sophie Ramsay 25 Minuten, Rose Melberg & Kellarissa
Eine kurze Zusammenfassung dieses denkwürdigen Wohnzimmerkonzertes hatte ich bereits veröffentlicht, nun gibt es die lange Version für diejenigen, die alles ganz genau wissen möchten. Viel Spaß!
Die Session mit Rose Melberg habe ich Morgan Caris (auf dem Foto mit This Is The Kit) zu verdanken. Der Sänger und Songschreiber von Flowers From The Man Who Shot Your Cousin hat sowohl in Paris als auch an der kanadischen Westküste seine Wurzeln und 2009 wollte er sich endgültig in Vancouver niederlassen. Schon ein paar Monate später war er aber wieder in Paris. Die Zeit in British Columbia war jedoch keineswegs verschwendet, denn er hat seine Kontakte zu famosen lokalen Acts intensiviert und dazu zählt auch die aus Kalifornien stammende Twee Pop Legende Rose Melberg. Über seinen Freund und Mitmusiker Erwan ließ Morgan ausrichten, daß die ex-Softies Sängerin Ende Februar/Anfang März eine kurze Tournee durch England starten werde und auch Lust habe, vorher in Paris zu spielen. Wäre es da nicht perfekt, bei einer Oliver Peel Session aufzutreten, fragte man am 13/11 per e-mail bei mir an? - Ich ließ mich nicht lange bitten und sagte sofort zu! Mindestens drei Monate im Voraus - für mich wenig planerischen Menschen, eine verdammt lange Zeit-, machten wir die Session für den 27. Februar fest. Eigentlich wollte ich bis zu dem Termin sämtliche Alben von den Softies, Tiger Trap, Go Sailor und Gaze, den ehemaligen Bands von Rose, gekauft und gehört haben, aber das schaffte ich nicht. Als Rose am 27. Februar gegen 17 Uhr 30 an unserer Tür klingelte und zusammen mit ihrer Freundin Larissa bei uns eintrat, hatte ich keine einzige ihrer alten Cds geordert, geschweige denn gehört. Asche auf mein Haupt! Dennoch wußte ich, daß mir ihr Stil wahnsinnig gut gefällt. Einige Songs von ihren Bands kannte ich natürlich und die fand ich alle spitze. Über ihr Solowerk habe ich mich über MySpace, Youtube und ähnliche Plattformen informiert und auch das Klienicum hatte mit einem Post (klick!) die Vorfreude geschürt.
Da steht sie nun plötzlich in meinem Schlafzimmer und legt ihren Mantel ab. Unser Schlafgemach dient mangels größerer Garderobe unseren Gästen und den Künstlern als Abstellraum. Bergeweise Jacken und Mäntel stapeln sich gerade im Winter auf unserem Bett und einige haben sicherlich Probleme, ihr Kleidungsstück hinterher wiederzufinden. Klar, daß auch schon Sachen bei uns vergessen wurden, aber wir fungieren ja inzwischen als eine Art Fundbüro. Wer 100 Euro Finderlohn zahlt, bekommt seine Klamotten zurück. Ein Scherz, natürlich! Auch Rose war zu Scherzen aufgelegt. Die sehr sympathische und natürliche schwarzhaarige Brillenträgerin alberte von Beginn an rum, als kennten wir uns schon von Schulzeiten und machte vor allem mit ihrer Freundin und Backgroundsängerin viele Witzchen. Mädchen, mit denen man Pferde stehlen könnte! Fast hätten wir uns im Schlafzimmer festgeplaudert...
Im Wohnzimmer machte unterdessen eine andere Musikerin Bekanntschaft mit unseren Gästen. Sophie Ramsay heißt die junge, in Paris lebende Schottin, die ich kurzfristig für diese Session gewinnen konnte. Ein Landsmann der Folkeuse war bei der Session mit Rivkah zugegen und vom Konzept angetan. Er fragte mich per mail, wie man denn bei einer unserer Wohnzimmerkonzerte als Künstler teilnehmen könnte, er hätte da eine Kandidatin für uns. Besonders seine Begründung war amüsant: "She has a great voice and she's Scottisch, which is a winning combination in my book." In der Tat hat Sophie eine hübsche Stimme, aber nicht nur das, auch ihre sehr traditionellen Folk Songs hatten es mir auf Anhieb angetan. Ohne lange zu zögern, schrieb ich an Sophie, daß sie mit ihrer Gitarre, 3-4 Liedern im Gepäck und ein paar Freunden bei uns auflaufen solle. Wunderbar, daß Sophie dann auch tasächlich kam!
Sie machte heute den Anfang und begann ihr Konzert im Stehen. Ungefähr 30 Gäste hatten sich eingefunden und lauschten gespannt den exotisch wirkenden Klängen. In welcher Sprache sang sie da? Aha, das war also gälisch, interessant.... Bidh Clann Ulaidh, ein altes Wiegenlied, kam zum Vortrage und unser Kater d'Artagnan fand das auch sehr spannend, denn er setzte sich gleich neben die Füße der Sängerin und miaute sie von unten aus an. Diesen Härtetest muss jeder Künstler, der bei uns auftritt, überstehen. Bloß nicht irritieren lassen und laut loslachen, sondern sich auf den eigenen Text konzentrieren, lautet die Devise dann. Sophie ließ sich jedenfalls nicht aus dem Konzept bringen, sondern führte ihr Konzert nun sitzenderweise fort. Aber auch da ließ sie unser Stubentiger nich lange alleine, denn er setzte sich gleich auf den freien Stuhl zur rechten der Sängerin (und warf dabei mein Aufnahmegerät zu Boden, der Tollpatsch!). Diese trug nun ein sehr trauriges, autobiografisches Lied vor. The Song I Never Wrote For You ist Schmerzbewältigung und hilft Sophie über den tragischen Unfalltod ihrer großen Liebe hinweg, der vor einem Jahr aus ihrem Leben schied. Ein wunderschönes Lied mit einem ungemein berührenden Text, das auch keineswegs kitschig war. Trauer braucht Ausdrucksformen und Musik hilft da ungemein. Auch in Kent, Connecticut ging um den Verlust ihrer Liebe und das zarte Gitarrenspiel und der einschmeichelnde Gesang von Sophie hätten nicht bewegender sein können.
Der Abschluß des etwa 25 minutigen Konzertes erfolgte mit einem traditionellen schottischen Lied namens Auld Lang Syne. Sophie wählte die Version, die Robert Burns selbst bevorzugt hatte, es gibt auch noch eine zweite, die eine andere Melodie hat. Herrlich wie die Musikerin hier das "r" rollte, das rief schöne Erinnerungen an geglückte Urlaube in diesem herrlichen Land mit den herzlichen Menschen wach. Der Applaus war entsprechend langanhaltend und warmherzig. Mein "Last Minute Joker" hatte gestochen und seine Sache vorzüglich gemacht. Prompt wurde sie auch noch mit einem Kurzauftritt am nächsten Tage im Pop In belohnt. Erwan von Waterhouse Records, der auch ab und zu dort Konzerte organisiert, verpflichtete sie von der Stelle weg!
Nach einer kurzen Pause, die man zum Essen (meine Frau Cécile hatte köstliche Quiche gemacht) oder flirten nutzten konnte, war dann die Zeit für Rose und Larissa gekommen. Ganz ohne Mikro und Verstärker stellten sich die beiden schwarzhaarigen Sängerinnen den Gästen und die Atmosphäre hätte deshalb auch nicht intimer sein können. Rose Melberg schien die Sache ausgezeichnet zu gefallen. Noch nie habe sie in einem so schönen Rahmen gespielt (Amerikaner verstehen wirklich etwas von Komplimenten!) und noch nie seien zudem so wundervolle Leute unter den Zuschauern gewesen. Außerdem liebe sie Paris auf Anhieb: "It's the first time for me in Paris and I love it!" Nur französisch könne sie leider nicht sprechen, was sie sofort entschuldigte: "Sorry, I feel rude for not speaking french. Das übernahm ich dann (eigentlich unnötigerweise, schließlich verstanden ja alle englisch) in einer Szene für sie und erklärte unseren Gästen, daß Rose heute zum ersten Mal in Paris sei und sich gerade eben noch, den nicht weit entfernten Eiffelturm angesehen hätte. Brav Rose, Note 1 im Touriprogramm, setzen! Und singen vor allen Dingen! Das tat sie dann auch und erklärte noch, daß sie heute darauf verzichten wolle "silly jokes" mit Larissa alias Kellarissa zu reißen. Konzentration auf die Musik also und der Einstieg erfolgte mit Things That We Do, dem Opener des aktuellen Albums Homemade Ship. Das Christophsche Gestz hatte wieder einmal zugeschlagen! Wer nicht weiß, was das besagt, sollte hier nachlesen...
Sofort machte sich eine warme und sanfte Atmosphäre breit (Ich alter Romatiker hatte extra zwei Kerzchen angezündet). Kein Wunder, daß die wichtigste von Roses früheren Bands The Softies hieß! Der Gesang nur gehaucht, aber perfekt im Gleichklang, scheinbar ohne Aufwand und Anstrengung. Unglaublich wie harmonisch Melberg und Kellarissa zwitscherten. Niemand im Raume traute sich zu mucken, nur im Flur wurde geplaudert was mich zugegebenermaßen ein wenig nervte. Aber der Geräuschpegel war dennoch unglaublich niedrig. Selten werden Rose und ihre Freundin wohl vor solch andächtig stillem Publikum auftreten wie heute. Zwischen den ungemein schönen und butterzarten Liedern dann immer mal wieder kleine witzige Dialoge, Anmerkungen, ein kurzes Kichern und Räuspern und weiter ging's. Bis zu Lied elf wurden im Wechsel Stücke der beiden letzten Soloalben, Homemade Ship und Cast Away The Clouds performt. Mein aboluter Favorit war hierunter das absolut charmante und einprägsame Each New Day, das mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht.
Dann war die Zeit für Coverversionen angebrochen. Ihrer Verrehrung für Dolly Parton verlieh die ex-Softies Sängerin gleich in zweifacher Hinsicht Ausdruck, denn nicht nur der abschließende Klassiker Jolene, sondern auch I Never Will Marry stammten aus der Feder der kunstvoll operierten Blondine. Wobei im Falle von I Never Will Marry hinzugefügt werden muß, daß das Original von der Carter Family kommt, Rose Melberg aber ausdrücklich betonte, daß ihre Version ein Cover von Linda Ronstadt/Dolly Parton sei. Dues schließlich war Filmmusik aus dem Robert Altmann Streifen Nashville, aber all diese Cover waren gar nichts gegen die zwei besten Lieder des gesamten Abends. Das von Kellarissa auf finnisch vorgetragene Lied Taivas On Sininen Ja Valkoinen machte unsere Gäste sprachlos vor Entzücken und die traumhafte Ballade Take Some Time vom Album Cast Away The Clouds war so betörend, daß ich am liebsten hinterher auf die Repeat Taste gedrückt hätte. Und zwar mindestnes 10 mal! Wir waren aber live auf Sendung ( der gute Alban filmte alles sorgfältig mit) und so verflogen irgendwann die letzten Noten dieses wunderschönen Seelentrösters. "It's gonna take some time to fixe this love of mine." Hach...
Nach etwa einer Stunde endete der liebreizende Vortrag der beiden Amerikanerinnen und in geselliger Runde wurden noch CDs und Vinylalben verkauft, Taschengeld für die England Tour gesammelt und angeregte und relaxte Gespräche geführt. Besonders beeindruckt war Rose Melberg von Christoph's Kalender, der von Januar bis Dezember 2010 ausschließlich aus mit Legomännchen gestalteten Albencovern der Glasgower besteht. Schließlich hatte die Melberg schon mit Stuart Murdoch getourt und nicht nur dies, auch mit Elliott Smith, einem meiner ganz großen Helden, war sie schon unterwegs und stand sogar schon einmal mit ihm auf einer Bühne. Insofern unfassbar, daß sie am 27. Februar in unseren heimischen Wänden musiziert hat. Morgan Caris sei Dank!
Setlist Rose Melberg, Oliver Peel Session # 18, Paris:
01: Things That We Do 02: Look Skyward 03: Outlaws 04: Whistle Calling You 05: Homemade Ship 06: Each New Day 07: Sharks 08: Moon Singer 09: Truly 10: Clay Bride 11: Bear In A Cave 12: I Never Will Marry (Carter Family/ Parton & Ronstadt) 13: Dues 14: Taivas On Sininen Ja Valkoinen 15: Take Some Time 16: Jolene (Dolly Parton)
Setlist Sophie Ramsay, Oliver Peel Session # 18:
01: Bidh Clann Ulaidh 02: Song I Never Wrote For You 03: Kent, Connecticut 04: Auld Lang Syne (Scottish Traditional/Robert Burns)
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