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um
00:40
Konzert: The xxOrt: Nachtleben, FrankfurtDatum: 03.11.2009Zuschauer: ca. 350 (seit langem ausverkauft)Dauer: The xx 48 min, MissinCat 35 minEigentlich hätte ich The xx* am vergangenen Freitag zum zweiten Mal sehen wollen; da waren die sehr stark gehypten Londoner in Luxemburg angesetzt. Ein paar Tage vorher machte dann aber die Meldung die Runde, Keyboarderin Baria Qureshi sei vorerst ausgestiegen und alle Konzerte bis zum heutigen Tag abgesagt. In Köln im Luxor war mir Baria neben ihren drei Kollegen kaum aufgefallen, ihr Ausfall erschien mir also nicht schrecklich dramatisch.
Im Nachtleben in Frankfurt war ich noch nicht. Der Club liegt mitten in der Innenstadt, direkt an der Konstablerwache. Die vielen Leute vor der Tür schienen nicht wegen des Nikotins draußen zu stehen sondern weil sie noch Karten suchten. Das Konzert war nämlich seit Wochen ausverkauft und wurde glücklicherweise nicht in die Batschkapp hochverlegt. Jedenfalls hatten es offenbar viele verpasst, sich rechtzeitig um Karten zu kümmern und versuchten das jetzt bei jedem, der sich dem Nachtleben näherte, zu korrigieren. Der Club liegt im Keller einer hippen Kneipe und ist nicht richtig günstig zugeschnitten. Sein Grundriss gleicht einer SIM-Karte, wobei die Bühne auf der Seite mit der fehlenden Ecke oben ist. Damit wird eigentlich nur die obere Hälfte des Ladens anständig beschallt.
Als für The xx aufgebaut wurde, zeigten sich schon die ausstiegsbedingten Änderungen. In Köln hatten die vier Musiker noch nebeneinander gestanden, heute waren die beiden Mikros weit auseinander aufgestellt und in der Mitte in zweiter Reihe der elektronische Kram. Um zehn nach zehn erschienen die drei verbliebenen xx, Gitarristin Romy, Bassist Oliver und Keyboarder Jamie. Das Konzert begann mit dem Introstück der Platte, gefolgt von VCR. Auch wenn das nach Wichtigtuerei klingen mag, das fehlende Keyboard bemerkte man sehr deutlich! Jamie Smith spielt all die kleinen Drumbeats live. Ihm dabei zuzusehen, ist ein wahres Vergnügen. Welche Parts seiner Kollegin Baria er zusätzlich übernahm, kann ich nicht einschätzen, es fehlte aber etwas am Klangbild, die Albumtreue (bei kleineren Variationen) des Kölner Konzerts war anfangs nicht gegeben.
Mit Heart skipped a beat - dem Lied mit dem besten musikalischen Moment, kurz bevor der Refrain erstmals kommt - und Basic Space hatte das Konzert einen ersten Höhepunkt. Hier standen Jamies treibende Beats im Vordergrund, die Lieder punkteten locker! Vor allem hörte man dabei wenig von der mangelnden Eingespieltheit der drei als verkleinerte Band.
Die aber spielte danach immer wieder eine Rolle. Oliver hatte schon entschuldigend erwähnt, daß es ihr erstes Konzert als Trio sei. Daß die Komplexität der Stücke der Band mit dem sorgfältig nach Zufall klingenden Einsetzen der Stimmen, dem scheinbaren Nebeneinandersingen von Romy und Oliver, enorm viel Üben voraussetzt, ist klar. Wenn dann ein Rad aus dem Getriebe rausfällt, ruckelt es eben (haben Getriebe eigentlich Rädchen? Ich habe keine Ahnung...), die enorme Präzision, die mich in Köln noch so beeindruckt hatte, fehlte häufiger. Die Band stellte sich dem aber sehr sympathisch. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie sich wohl der Glasvegas-Sänger verhalten hätte, wenn ein Schlüsselmusiker - sagen wir, die Schlagzeugerin - kurzfristig ausgefallen wäre...
Ihren sicher am häufigsten gespielten Hit Crystalised verpatzen die drei xxe richtig ordentlich. Erst der vierte Versuch, ins Lied zu kommen, gelang. Der Anfang des Stücks ist auch schrecklich komplex und erforderte offenbar von Jamie viel neue Arbeit. Aber weder Publikum noch Band waren dadurch genervt; als das Lied endlich lief, wurde es gefeiert!
The xx spielten das gleiche Set wie in Köln, nur in anderer Reihenfolge. Auch das glänzende Womack & Womack-Cover Teardrops gehörte zum Programm. Ich hätte zwar auch gerne eines ihrer anderen Cover gehört, aber so war es auch absolut in Ordnung!
Hätte mir der Vergleich gefehlt, wäre ich heute begeisterter gewesen. Auch so war das Konzert ein gutes, es war aber weit davon entfernt, überragend zu sein. Wenn die Band etwas eingespielt ist oder Baria zurückkommt, werden die Auftritte auch wieder brillant werden, daran habe ich keinerlei Zweifel. Natürlich war es auch so ein toller Konzertabend mit einer aufregenden Band, von der wir noch viel hören werden - falls sie nicht vorher als Retter der Musikbranche verheizt werden...
12.01.2010, Grünspan, Hamburg
13.01.2010, Batschkapp, Frankfurt
22.01.2010, Astra-Kulturhaus, Berlin
25.02.2010, Backstage, München
27.02.2010, Essigfabrik, Köln
Noch eine Anmerkung: wenn man die vollkommen unbekannte Vorgruppe zu erkennen glaubt, weil man die Sängerin solo schon einmal in Köln vor Amy Winehouse gesehen hat, sieht man wohl zu viele Konzerte... MissinCat, die ich damals noch als Missing Cat aufgeschnappt hatte, lieferte einige ruhige Popsongs als Vorprogramm. Sie wurde diesmal von einer Band begleitet, passte aber nicht recht zur Hauptgruppe. Zu ihr passte dann aber mit MIA die Pausenmusik wieder ganz gut. Vielleicht habe ich einfach irgendeinen anderen Zusammenhang verpasst.
Setlist The xx, Nachtleben, Frankfurt:01: Intro02: VCR03: Heart skipped a beat04: Basic space05: Fantasy06: Shelter07: Crystalised08: Islands09: Teardrops (Womack & Womack Cover)10: Night time11: Infinity12: StarsLinks:- The xx in Köln* leider gibt es hier keine neuen Bilder, weil es mir nicht möglich war, Fotos zu machen...
um
00:53
Konzert: Soap & Skin
Ort: L'Européen, Paris
Datum: 02.11.2009
zuschauer: volle Hütte!
Konzertdauer: Soap & Skin etwa 70-75 Minuten, Scott Matthew gut 30 Minuten
Petite chronique en français en-bas!
Auf dem Weg zum Konzert von Soap & Skin habe ich mich wieder einmal geärgert, daß ich mich zu spät um eine Akkreditierung bemüht hatte. Erst am Vortag kam ich auf die Idee, doch mal die Produktionsfirma mit einem Gesuch anzuschreiben. Das Ergebnis war enttäuschend, aber noch nicht einmal überraschend: Ich bekam gar keine Antwort. Dumm gelaufen! Dabei hatte ich in meiner Mail ausgiebig von den Künstlern geschwärmt, die sie betreuen und dabei noch nicht einmal lügen müssen,
denn gleich mehrere Konzerte, die von der Produktionsfirma organsiert worden waren, hatten es in meine Jahres Top Ten 2008 geschafft. Andererseits behielt ich mir so völlige Unabhängigkeit und Meinungsfreiheit, zwei wertvolle immaterielle Güter. Eike vom Kliencium hatte neulich in einem sehr interessanten Post darüber geklagt, daß Blogger, die CDs von Labels bekommen, ihre Unabhängigkeit zumindest zum Teil verlieren und damit natürlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer von Labels oder Agenturen gratis Musik oder Einladungen für Konzerte zur Verfügung gestellt bekommt (natürlich mit dem von dem Schenkenden verfolgten Ziel , möglichst positive Berichte darüber zu bekommen) ist nun einmal in seinem Urteil weniger frei als derjenige, der sich den Kram mit seinem eigenen Gelde bezahlt.
Als ein Blogger, der selten auf Gästelisten steht und nie Gratis- Cds bekommt, bezahle ich den Preis meiner Unabhängigkeit allerdings ziemlich teuer. Mit meinem Budget für Musik, sei es für CDs, Platten oder Konzertkarten, könnte sich die neue Regierung 1000 neue Panzer, 100 neue Universitäten und Kindergeld in Höhe von 10 000 Euro leisten. Haha, ich übertreibe ein wenig und außerdem gebe ich zu, daß ich gar nichts gegen Gästelistenplätze einzuwenden habe, wenn mir denn die Künstler zusagen.Aber genug gelabert, kommen wir zum Konzertbericht, der wie oben überzeugend dargelegt (da spricht der Herr Jurist in mir), völlig unabängig ist und zu 100 % meinen Empfindungen entspricht.
Warum ich das noch einmal betone? Weil sich ansonsten möglicherweise die Leser fragen, ob ich vom Label von Soap & Skin für die Lobpreisungen, die nun folgen, bezahlt werde. Aber hätte Anja Plaschg das überhaupt nötig? Schießlich konnte man schon 2008 von ihr im Spiegel lesen und der erreicht etwas (aber wirklich nur etwas) größere Leserschichten als das Konzerttagebuch.
Soap & Skin war schlicht und einfach sensationell! Die Energie, Hingabe und Aufopferung, die sie in ihre melancholischen Lieder legte, trafen mich mit voller Wucht! Wenn das zarte Persönchen plötzlich und ohne Vorankündigung losschrie und aus ihrem Schneckenhaus herausgekrochen kam, dann ging mein Puls rasant nach oben.
Fast zitternd und mit offenem Mude saß ich da und wurde von ihren Anfällen vollkommen überwältigt. Die Intensität, die sie in einzelne Silben legte, war unglaublich hoch, machmal ging ein Raunen durch die Menge und viele fragten sich, wo dieses fragile junge Mädchen diese unglaubliche Kraft, die ihrer Stimme innewohnt, herholt. Als würde ein Vulkan expoldieren klang das! Eine Stimme mit der man Glas zum Bersten bringen kann, genauso wie der kleine Oskar Matzerath in der Blechtrommel. Der schrie auch immer, wenn ihm was nicht passte und er sich gegen die Welt der Erwachsenen auflehnen wollte. "Oskar gib das her!" - "nein ich will nicht!" und dann trommelte er los und schrie so lange, bis Glassplitter durch die Gegend flogen.
Auch hier und heute im Européen flogen die Fetzen, aber es ging nichts zu Bruch und wir waren auch nicht in einem Film. Allerdings hatte das theatralische Gebaren der jungen Frau aus der Steiermark etwa Filmreifes an sich. Im Grunde genommen macht sie nicht nur einfach Musik, sondern führt ein Stück auf, in dem sie die alleinige Hauptrolle spielt. Manchmal hatte man das Gefühl, sie wolle das Publikum auch einbeziehen, aber wenn sie sich da urspötzlich vor einem aufbaut und rumkeift (Sie schrie etwas auf deutsch. Aber was? Schon wieder vergessen), dann würde man gerne mitmachen, traut sich aber nicht, weil sie einen so grimmig anstarrt. Ob sie wohl so weit gehen würde, einem im Affekt die Kamera zu entreißen und gegen die Wand zu donnern?
Man hört bisweilen, daß sie nicht gerne abgeknipst wird. Dabei ist sie wirklich wunderschön und absolut fotogen! Toll, daß sie im Gegensatz zum Radiokonzert von France Inter (wo ich nur ihren Rücken sah) richtig zu erkennen war. Was für ein hübsches, fast puppiges Gesicht! So weich, so unschuldig. Und was für eine süße Figur, so zart und feingliedrig!
Wunderbar auch ihr urbaner Look (dabei kommt sie aus der Provinz), mit dem sie locker mit den stilsicheren Pariserinnen mithalten kann. Ihre Beine steckten in einer hautengen Lederhose, ihr Oberkörper in einem schwarzen Pulli und an den Füßen trug sie bezaubernde braune Schuhe. Eine Augenweide! Aber selbst, wenn man sie gar nicht sehen würde und sie hinter einem Vorhang spielte, würde man doch von der urwüchsigen Kraft ihrer Stimme geradezu erschlagen! Eine Stimme, die im Übrigen sehr wandelbar ist, fast spielerisch schaltet sie um von einer wimmernden ängstlichen Frau hin zu einer sinnlichen Verführerin oder aber zu einer wutschnaubenden Furie. Ein Wechselbad der Gefühle für den Zuhörer.
Manche kamen deshalb aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Mit Vergnügen beobachtete ich einen intellektuell wirkenden Mann, der sicherlich schon Anfang vierzig war. Das ganze Konzert über hatte er einen offenen Mund und glänzende Augen. Er schaute fast wie ein kleines Kind an Weihnachten, das am 24. 12 einfach alles spannend findet, den Baum, das Gebäck ,
die hübsch verpackten Geschenke. "When I was a child ", hieß es dann auch in dem Text zum Hit Spiracle, den das Publikum euphorisch und mit Szenenapplaus aufnahm. Dabei war es noch nicht einmal das beste Lied der Österreicherin. In einem Set voller ätherischer und atemberaubend schöner Lieder hätte man jedes einzelne hervorheben können. Fall Foliage zum Beispiel mit seiner herzzereißenden Pianomelodie oder auch das hochdramatische Thanatos. Und wenn man Familienmensch ist, müsste man natürlich The Sun nennen, das die Österreicherin ihrer Mutter widmete, die extra angereist war und im Saale mitfieberte. Auch in dramaturgischer Hinsicht war The Sun ein Highlight, denn gegen Ende erstrahlte der Raum in rötestem Rot,
wanderte die Künsterlin wie ein verstörtes Wesen über die Bühne und machte auch einen Abstecher ins Publikum, bervor sie perfekt getimt wieder hinter ihrem Klavier Platz nahm und den Rest mit brachialer Inbrunst schmetterte.Hinsichtlich der Setlist gab es keine großen Überrachungen, quasi das gesamt Album Love Tune For Vacuum wurde gespielt, plus zwei Non Album Tracks und das bereits von Christoph (hier!) beschriebene jiddische Partisanenlied als Zugabe. Als Deutscher verstand ich natürlich ein paar Brocken, fragte mich kurz, ob es sich um einen österreichischen Dialekt handelte, verwarf diesen Gedanken aufgrund der allzu großen Fremdheit des Klangs der Sprache dann aber wieder.
Die Künstlerin selbst erklärte hinterher im Foyer, das es sich in der Tat um ein jiddisches Lied handelte. Gar nicht so schüchtern und ernst, wie man das vermuten könnte, unterhielt sie sich noch ein wenig mit begeisterten französischen Fans, lächelte eigentlich ziemlich oft und schaute erst wieder traurig drein, als ich sie dazu überredet hatte, ein Foto von ihr zu schießen. Warum ich sie fotografieren wolle,
wofür das sei? , wollte sie zuvor etwas skeptisch wissen. "Das ist für mich", antwortete ich prompt und meine simple und direkte Antwort schien ihr wohl zu gefallen. Aber ich teile nun einmal gerne und deshalb enthalte ich Euch natürlich den Schnappschuss nicht vor. Anja wird doch wohl nichts dagegen haben, oder? Wir sind doch schließlich Fans auf dem Konzerttagebuch. Riesige Fans sogar!A propos Fans und zwar von Scott Matthew, der heute das Vorprogramm bestritt. Bloggergott Eike ist ein solcher und zwar ein sehr fachkundiger und glänzend schreibender obendrein. Ich empfehle die Lektüre seines Münchner Konzertberichtes, denn der ist sicherlich wesentlich euphorischer und mitreißender als das, was ich zu berichten habe. Das Geseufze und Geschmachte des sympathischen Bartträgers aus New York, der meistens von einer jungen Dame begleitet, von weißen Pferden (White Horses), Weihnachten ("a very sad christmas song", wie er erklärte) und auch ein Radiohead Cover (No Surprises*) sang, ging nämlich weitestgehend an mir vorbei...
* hier im Livevideo
Pour nos lecteurs français:
Wow!! Un concert d'un beauté et intensité presque irréelle! Pendant 70 minutes de pure folie j'étais sur mon petit nuage et avais une chaire de poule immense. Anja Plaschg alias Soap & Skin, très jeune autrichienne de 19 ans, a montré qu'elle est beaucoup plus qu'un buzz médiatique éphémère. Doté d'une voix cristalline, sensuelle et ultra puissante et d'un jeux de piano de toute beauté, elle me mettait dans sa poche dès le premier morceau. Son univers melancholique, noire et hanté lui colle parfaitement à sa peau et on sent qu'elle ne triche pas et que c'est authéntique ce qu'elle délivre. Elle s''impliquait à 200 %, hurlait encore plus que sur son disque et jouait presqe une petite pièce de theátre. On a eu l'impression que Halloween c'était aujourd'hui!Dans un set truffé des chansons dramatiques et sensuelles il n'y avait rien à jeter, tout était bon, même que le public à montré les récations les plus fortes quand elle à commencé son tube Spiracle. La scène la plus touchante se passait vers la fin quand Anja à dedicacé un morceau à sa mère, présente dans la salle. Elle finissait par un chant partisane en yiiddish et quitta la scène timidement mais très touché.
um
15:29
Konzertankündigung: The Big PinkOrt: siehe untenDaten: siehe unten
Wir können nicht überall sein. Leider! Allzu gerne hätten wir gewußt, was live von den englischen Senkrechtstartern The Big Pink zu halten ist. Am 29. Oktober waren sie im Hamburger Knust, am 30. im Berliner Lido und am 31. im Kölner Gebäude 9. Deutsche Fans müssen aber von nun an weiter fahren, um sich einen Eindruck zu veschaffen. Heute abend sind The Big Pink, die für mich nach Primal Scream, The Stone Roses und Kasabian klingen (einige zitieren auch The XX), in Amsterdam (Paradiso) und am 3. November im AB Club in Brüssel.Wer von unseren Lesern hat The Big Pink gesehen? Wie haben sie Euch gefallen?Ausgewählte Konzertdaten von The Big Pink: (ohne Gewähr)2. November, Amsterdam, Paradiso3. November. AB Club, Brüssel6. November, La Cigale, Paris
um
20:03
Konzert: Mariee Sioux & Matt Bauer & Declan de BarraOrt: Café de la danse, ParisDatum: 31.10.2009Zuschauer: viele. So gut wie ausverkauftKonzertdauer: insgesamt gut 3 Stunden
Mal eine Frage an unsere verehrten Leser. Was haltet ihr eigentlich von Halloween? Ist das totaler Käse, der seit ein paar Jahren von den USA nach Kontinental-Europa übergeschwappt ist, oder ist das ein ein ganz wunderbares Fest, bei dem man sich nach Lust und Laune schminken, gruselig anziehen und eine Kürbislaterne durch die Gegend tragen kann?Was das mit dem Konzert zu tun hat? Nun, der Ire Declan De Barra, der heute im Café de la danse spielte, kommt aus dem Land, in dem Halloween seinen Ursprung hat. Irische und schottische Immigranten haben diesen Brauch erst in die Vereinigten Staaten gebracht, wahrscheinlich um die Kürbisindustrie anzukurbeln...
Auf jeden Fall war Halloween am 31. Oktober im Café de la danse ein großes Thema, welches die beteiligten Musiker gerne aufgriffen. Declan de Barra selbst hatte seinen Look nicht verändert, Mariee Sioux und vor allem Matt Bauer erschienen aber mit gruseligster Schminke und hätten damit glatt in einem Horror Film auftreten können!Wie das Konzert war? Keine Ahnung, Halloween ist doch das Fest der Toten. Ich bin tot. Dies war mein letzter Konzertbericht. Goodbye...Und dann bin ich doch von den Toten wiederauferstanden! Wunder geschehen...
Also mal von vorne. Der schaurig-schöne Abend des 31. Oktober begann bereits um 19 Uhr 30. Im Café de la danse heißt es früh sein, will man alle Acts komplett sehen. Ausnahmsweise habe selbst ich es geschafft, pünktlich auf der Matte zu stehen. Der hörsaalähnliche Raum mit der hohen Decke war schon sehr gut gefült, als ich eintrat. Das freute mich enorm, denn ich gönne Matt und Mariee wirklich so viel Zuhörer und Zuseher wie möglich. Nicht nur weil sie wunderbare und betörende Musik machen, sondern weil sie auch zu den liebenswürdigsten Musikern gehören, die ich in den letzten Jahren getroffen habe. Diese menschlichen Qualitäten sind auch dem Iren Declan de Barra nicht entgangen, der während seines Konzertes vom Charakter von Matt und Mariee in den höchsten Tönen schwärmte.
Aber auch Declan selbst ist ein besonderer Typ. Er ist ungemein kommunikativ, charismatisch und direkt. Jemand, der im Nu das Publikum auf seine Seite ziehen kann. Als ich ihn 2008 zum ersten Mal live gesehen hatte, war ihm das in musikalischer Hinsicht allerdings nicht gelungen. Ich empfand es als störend, daß er mit seiner Stimme immer Vollgas gibt und sich die Seele aus dem Leib schreit. Heute aber hat er mich gerade eben damit in seinen Bann gezogen! Mit unbeschreiblicher Kraft und Inbrunst schmetterte er Lieder wie das hervorragende Throw Your Arms Around Me und traf damit in mein Herz. Schon seltsam, daß mich das damals nicht berührt hatte, "Throw your arms around me, I'll be right here if you fall, Ill be right here if you need me", als er diese Zeilen sang,
hatte das eine ungemein tröstliche Wirkung auf mich. Hinzu kam, daß seine französische Cellistin so unglaublich schön und einfühlsam spielte, daß ich dahinschmolz. Hach, war das schön! Und gegen Ende kamen mit Until The Morning Comes und Red Forests auch noch zwei weitere Schmuckstücke.Ein prima Auftritt, gespickt mit witzigen Dialogen ("In Irland wird man an Halloween von den Damen geküsst. Vergesst das nicht, Ladies, ich warte hinterher am Merch auf Euch!" oder: "Ich bin zu dick für die engen Pariser Wohnungen, jedesmal stoße ich mich und habe überall blaue Flecke!") und wundervollen Songs.Dann war Matt Bauer an der Reihe. Der Bursche hatte mich schon erschreckt, als er mit seiner Zombie-Schminke zum Soundcheck auf die Bühne kam. Wahnsinn, diese Adern auf der Glatze und dann auch noch die schwarzumrandeten Augen! Auf seine warme und reduziert instrumentierte Musik hatte das allerdings keine Auswirkungen.
Wie gewohnt spielte er sehr zurückgenommen und unaufdringlich und brillierte durch seine virtuosen Künste am Banjo. Die meisten Stücke trug er jedoch auf der Gitarre vor, obwohl ich der Meiung bin, daß das Banjo seine Paradedisziplin ist und daß die Mehrzahl seiner Lieder auf diesem Instrument vorgetragen werden sollten. Aber wie auch immer, Matt's Songs sind auch auf der Gitarre schön.
Zum ersten Mal überhaupt sah ich in live in Begleitung von Musikern. Er hatte einen schlanken, ebenfalls geschminkten E-Gitarristen dabei, der allerdings nur bedingt für Lautstärke sorgte. Zusätzlich gab es bei 2 bis drei Stücken einen französischen Violinisten, der das Konzert bereichterte. Am tollsten war es aber, als zum besten Song von Matt, dem brillianten Rose and Vine, Mariee Sioux mit hinzustieß. Ihr Backgroundgesang war so lieblich und harmonierte so perfekt mit der trockenen Rotweinstimme von Matt, daß sich mir die Nackenhaare aufstellten!
Mariee Sioux durften die Zuschauer also schon vor ihrem eigentlichen Auftritt genießen, aber ganz alleine und mit ihren eigenen Stücken ist das Ganze natürlich noch entzückender. Sie performte große Teile ihres zu recht hochgelobten Albums Faces In The Rocks, begeisterte mit interessanten Texten (in denen es immer wieder um Tiere ging: Rattlesnakes, Watersnaks, Grizzlybears, Hummingbirds, etc, eine naturverbundene Person, die Marie!) und kristallklarer Stimme und bot auch Neuheiten. Old Magic zeiget sie von ihrer sinnlichen und sirenenhaften Seite und offenbarte eine Stimme, die noch befreiter und schöner klang als zuvor. Die junge Frau hat an Selbstsicherheit und Bühnenpräsenz gewonnen, so viel ist klar. Schön, daß sie trotzdem ihre niedliche Schüchternheit beibehält, die sie so anziehend wirkt und Beschützerinstinkte bei Männern auslöst.
Verblüffend auch ihr Gitarrenspiel. Ihre Spielhand bearbeitet die Klampfe wie eine Spinne, alle Finger sind permanent in Bewegung, es sieht fast so aus, als würde sie einen Hund streicheln. Da wäre man gerne Hund!
Die zweite Neuheit Swimming Through Stone ist in Paris enstanden. Sie habe immer solch seltsame Träume bei ihrer französischen Bookerin gehabt, was sie sich mit etlichen Veränderungen in ihrem Leben erklärte. Schön zu sehen, daß Träume nicht immer Schäume sein müssen und daraus wunderbare Lieder werden können!
Bewegendster Moment des Abends war aber das Vortragen von Homeopathic.
Nachträglich hat sie diese Lied ihrer in diesem Jahr verstorbenen Freundin Ashley Taylor gewidmet, mit der sie gemeinsam bereits auf Tour war. Ich hatte einen Kloß im Hals und fragte mich, warum eine so junge Künstlerin wie Ashley Taylor so früh von uns gehen musste. Wenn ihr diesen herzzereißenden Clip, aufgenommen in einem Gitarrenladen in Rouen anschaut, wisst ihr warum es nicht nur in menschlicher, sondern auch in musikalischer Hinsicht sehr traurig ist, daß Ashley tot ist...
Video Old Magic live Setlist Declan de Barra:
01: Swan
02: Throw Your Arms Around Me
03: Johanna
04: Curfew/Ghetto 101
05: Leaves In The Autumn
06: Until The Morning Comes
07: Breadcrumb Trail
08: Brightest Star
09: Welcome
10: On And On
11: Beautiful One
12: Apple Tree
13: Diamonds
14: You Will Overcome
15: Red Forests
16: Wind That Snakes The Barley
Setlist Matt Bauer:
01: Water Moccasin
02: Black Snake In The Carport
03: Shelterin Dark
04: You Were Saying Goodbye
05: As She came Out Of The Water
06: Morning Stars
07: The One You Love
08: Carve It Out
09: Don't Let Me Out
10: Florida Rain
11: Rose & Vine
Setlist Mariee Sioux:
01: Friendboats
02: Two Tongues
03: Old Magic
04: Wizard Flurry Home
05: Bundles
06: Swimming Trough Stone07: Twin Song08: Tule09: Homeopathic10: Flowers & Blood (Z)Aus unserem Archiv:
Mariee Sioux, Paris, 14.07.09*
Mariee Sioux, Paris, 13.10.08
Mariee Sioux, Paris, 26.06.08
Mariee Sioux, Paris, 19.03.08
Matt Bauer, Paris, 18.04.09
Matt Bauer, Paris, 04.12.08Declan De Barra, Paris, 09.03.08- Voire les belles photos de Rod sur le hiboo.com. Mariee Sioux ici
Matt Bauer ici, et Declan de Barra ici
- Sur le hiboo il y a aussi une vidéo sublime de Declan de Barra chantant Throw Your Arms Around Me dans l'èglise de la Madeleine! Impressionant!
um
15:19
Konzert: Darren Rademaker von The TydeOrt: Ground Zero, a nice indie record store in ParisDatum: 31.10.2009Zuschauer: etwa 20Konzertdauer: ungefähr 30 MinutenDer kalifornische Surfer und Musiker Darren Rademaker, der der Indiepop Band The Tyde vorsteht, versuchte heute die Sonne von Los Angeles in einem Plattenladen im herbstlichen Paris aufgehen zu lassen. Die tolle Musikzeitschrift Magic (das beste Printmagazin, das ich kenne und ich kriege für den Spruch kein Gratisabo!) hatte die Geschichte in die Wege geleitet, schließlich hatten sie das letzte Album von The Tyde, Three's Co., in einer alten Ausgabe zum Album des Jahres gekürt. Redakteure oder Schreiberlinge von Magic konnte ich aber nicht ausmachen, als ich gegen 17 Uhr 5 im Ground Zero eintraf. Dafür gab es mit Loic (photosandgigs) und Magali Boyer allerdings prominente Konzertfotografen, die jedoch lieber in den Platten stöberten, als sich das akustische Konzert, das im hinteren Teil des Ladens zwischen den ganzen CDs und Vinylscheiben stattfand, anzusehen. Viel Platz für Zuschauer gab es dort logischerweise nicht, aber das machte den Charme der Sache aus. Franck Pompidor, Betreiber des Ground Zero und Drummer von den HushPuppies lässt immer mal wieder Künstler in seinem hervorragend sortierten Laden spielen. Um Musikfans etwas Besonders zu bieten, aber natürlich auch um mehr Kunden anzulocken. In Zeiten der Krise der Musikindustrie ist es nun einmal ein schwieriges Unterfangen, sich über Wasser zu halten. Aber Franck und seine Angestellte Julie kriegen das wirklich prima hin, sie kämpfen an allen Fronten. Für Deren Haymann aka The Tyde hat sich das Konzert heute aber kaum in CD Verkäufen niedergeschlagen. Hinterher lief zwar vom Band seine Musik, aber da diese wesentlich stärker instrumentiert war, hat das sicherlich gar keiner wahrgenommen. Schade, denn gerade Separate Cars ist eine Perle! The Tyde, zu empfehlen für Fans von The Thrills, Belle & Sebastian, New Order, den Beach Boys und den Shins.Fotos in Kürze!