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Donnerstag, 10. November 2011

Lanterns On The Lake & Yuck & Mechanical Bride, Paris, 05.11.11

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Konzert: Lanterns On The Lake & Yuck & Mechanical Bride
Ort: La Boule Noire, Paris
Datum: 05.11.11
Zuschauer: etwa zu zwei Dritteln gefüllt


Sehr gute Konzerte an jenem Abend in der Pariser Boule Noire. Shoegaze/Post Rock mit Lanterns On The Lake, Folk mit Mecanical Bride und Power Pop/Indierock mit Yuck, da war wirklich für jeden etwas dabei.

Als erste Band musste/durfte Lanterns On The Lake ran. Ihren Stil bezeichnen sie selbst als Cinematic Indie und liegen damit gar nicht so falsch. Die sechs Musiker aus dem Nordosten Englands schufen in der Ta malerische Soundlandschaften, die gut zu einem Soundtrack gepasst hätten. Angeführt von einer blonden Sängerin mit sanfter Stimme ließen sie heute aber auch die melodischen Gitarren sprechen. Bei manchen Stücken waren gleich drei auf einmal im Einsatz und man kann sich sicherlich vorstellen, wie laut das Ganze dann wurde. Für den herzerwärmend-melancholischen Wohlklang sorgte aber eine feine Geige, die von einem gelockten Mädel gestrichen wurde. Es war wirklich herrlich anzuhören und wer nicht in Verzückung geriet, hat anstelle eines Herzens sicherlich einen Stein oder ein Stück Holz.

Performt wurden bis auf eine Ausnahme ausschließlich Lieder vom Debütalbum Gracious Tide, Take Me Home, einem hübschen Werk, das man auch anschließend am Merch erwerben konnte. Die Stücke klangen live aber deutlich anders als auf der (gelungenen) Platte, viel energischer, gitarrenlastiger, noisiger und dramatischer. Beide Varianten haben etwas für sich.

Der heutige Liveauftritt hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und wer Geld zuviel dabei hatte, konnte neben dem Album auch noch drei wundervoll handgestaltete EPs erwerben und mit einem Grinsen im Gesicht den Nachhauseweg antreten.

Setlist Lanterns On The Lake, La Boule Noire, Paris:
01: Lungs Quicken
02: If I've Been Unkind
03: A Kingdom
04: You're Almost There
05: You Need Better
06: Tricks
07: I Love You Sleepyhead


Ebenfalls hinreißend war der Auftritt von Mechanical Bride, auch sie aus England. Das Projekt der 25 jährigen Pianistin Lauren Doss benötigte zur Liveumsetzung insgesamt vier Musiker, zwei Männlein, zwei Weiblein (inklusive Lauren). Die andere Dame auf der Bühne war die entzückende Caroline Weeks, die auch ein eigenes Soloprojekt betreibt und zudem in Diensten von Bat For Lashes stand. Und an Bat For Lashes konnte man zumindest ab und zu denken, wenn man die Stücke von Mechanical Bride hörte. Allerdings ist Lauren deutlich introvertierter, bescheidener und natürlicher als die zur Selbstdarstellung neigende Natscha. Bei ihr (Lauren) fließt alles bedächtig, harmonisch und unaufgeregt vor sich hin und von einprägsamen Bubblegumrefains und effektheischenden stimmlichen Powerdemonstrationen à la Florence & The Machine ist man zum Glück weit entfernt. Es liegt eine starke Schwermut in den betörenden Songs, aber deprimierend sind sie nicht. Die sanfte und wunderschöne Stimme der jungen Engländerin wirkt vielmehr beruhigend und tröstlich und wenn man die Stücke des Debütalbums Living With Ants ein paar mal gehört hat, dann werden auch die auf den ersten Blick ein wenig verschütteten Melodien freigelegt. Ich war zum Glück in der günstigen Lage, das Erstlingswerk schon ein paar mal genossen zu haben und fand mich deshalb problemlos und unmittelbar in das getragene Set ein. In vollen Zügen genoß ich die zauberhafte Querflöte, das in moll gehalten Pianospiel und den bildschöen Gesang und wurde hellhörig als Perlen wie Poor Boy (entnommen der In The Throes EP) und mein Lieblingssong Young Gold gespielt wurden. Es erinnerte mich im guten Sinne an Mia Doi Todd, eine andere Künstlerin, die es versteht, gleichzeitig Melancholie und Lebensfreude auszudrücken.

Insgesamt: Himmlisch!

Setlist Mechanical Bride, La Boule Noire, Paris:

01: Magpie
02: Colour Of Fire
03: Young Gold
04: Demons
05: Peach Wolves
06: To The Fight
07: Poor Boy
08: Lakes
09: Boom!






Dann kamen noch Yuck und mit ihnen musikalisch die 90 er Jahre zurück. Teeenage Fanclub, Dinosaur Jr., Galaxie 500, The Lemonheads, alle möglichen (tollen!) Referenzen aus dieser Zeit schossen einem in den Sinn. Aber die Songs von Yuck sind einfach gut (Get Away, The Wall!!), da beißt die Maus keinen Faden ab. Catchy Melodien, ein schrammeliger Gitarrensound und eine unglaubliche Nonchalance, dieses Paket verfehlte auch heute seine Wirkung nicht. Nach wie vor sind Yuck aber nicht die allerbesten Performer, kommunizieren selten bis nie mit dem Publikum und jeder Musiker spielt mehr oder minder in seiner Ecke. Es sind halt eben Slacker der klassischen Sorte.

Trotzdem: ein cooles Konzert, besser als in Haldern!


Aus unserem Archiv:

Mechanical Bride, Paris, 13.04.11
Yuck, Haldern, 11.08.11





Montag, 18. April 2011

The Head & The Heart & Mechanical Bride, Paris, 13.04.11

1 Kommentare

The Head & The Heart & Mechanical Bride (Trevor Moss and Hannah Lou)

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 13.04.11
Zuschauer: nicht sonderlich viele


Am Datum sieht man es: ich kommen zur Zeit mit den Konzertberichten nicht hinterher und muss einen Rückstand aufholen. Fast drei Wochen lang jeden Abend ein Konzert, das setzt auch mir zu und lässt mir kaum Zeit, meine Reviews zu schreiben. Sorry!

Für den 13. April hatte ich mir eigentlich ein Konzert im International vorgemerkt. Portugal The Man sollten gratis im International aufspielen und da wollte ich gerne dabei sein, denn die Band aus Portland, Oregan hat sich noch nie in Paris blicken lassen. Im Laufe des Tages meldeten sich aber gleich drei Freunde per e-mail bei mir und hatten alle die gleiche erfreuliche Botschaft zu verkünden: "Hallo Oliver, ich habe einen überschüssigen Gästelistenplatz für den Abend von Cooperative Music in der Flèche d'or und den würde ich gerne an dich weiterreichen." Schon rührend, daß man an mich denkt, aber ich vermute, man möchte sich erkenntlich für meine Wohnzimmer-Sessions zeigen, bei denen ich keine Kosten und Mühen scheue und versuche, alle einzuladen, die ich kenne und mag (eigentlich wäre es ja mal witzig, das genaue Gegenteil zu machen, man lädt nur Leute ein, die man nicht kennt und von denen man vermutet, daß sie Arschlöcher sind).

Planänderung war also angesagt und ich fand mich am Abend des 13.04. in der Flèche d'or und nicht im International wieder. Nicht sonderlich viele Leute ließen sich heute hier blicken und man konnte sich seinen Stehplatz frei aussuchen.

Den ersten Act des umfangreichen Programms, Trevor Moss and Hannah Lou, hatte ich glatt verpasst. Meine Freundin Uschi war "schuld", die wollte noch ein Fertiggericht (Marke Picard) in ihrer Bude verzehren und so trudelten wir gemeisam erst recht spät vor Ort ein. Ich war ihr natürlich nicht böse, schließlich hatte sie mich eingeladen und die Aufnahmefähigkeit für drei Bands hatte ich ohnehin nicht.

Der Einstieg erfolgte also mit der jungen Engländerin Lauren Doos aka Mechanical Bride, die mit einer ausgewachsenen Band erschienen war. Sie sah so unglaublich jugendlich aus, daß man kaum glauben konnte, daß sie bereits 25 und nicht erst 16 Jahre alt war. Eine blasse, schüchterne Dame mit tadellosen Manieren und einem höflichen, dezenten Wesen. Sie hätten noch nie zuvor außerhalb Englands gespielt und nun hier gleich in Paris, das sei schon eine tolle Sache, ließ sie verlauten (an dieser Stelle wäre es witzig gewesen, wenn sie gesagt hätte: "Scheiße, ich hasse Paris und euch Froschfresser, warum können wir nicht in Amsterdam sein?"). Und die Franzosen zeigten sich ebenfalls erfreut und hörten zumindest leise und bedächtig zu. Mit Piano, Akkordeon, Flöte und bisweilen Akustikgitarre und Mandoline instrumentierten Mechanical Bride und hätten ihre schönen Songs noch etwas mehr Relief und Prägnanz gehabt, hätte man glatt von einer herausragenden Neuentdeckung sprechen können. So aber blieb es "nur" bei einem respektablen Eindruck. Man sah ein gefälliges, ansprechendes , durchaus schönes Konzert, aber keine neue Sensation am englischen Folkhimmel. Lauren Doos also keine 2. Laura Marling, auch keine Mary Hampton, aber dennoch ein Talent. Eine Leisetreterin, die weder ihre Stimme aufmerksamkeitsheischend einsetzte, noch durch die Selbstdarstellung einer Bat For Lashes (der sie musikalisch ähnelt) auffiel. Ein wohltuender Kontrast zu furchterregenden englischen Heulbojen wie Kate Nash oder Florence & The Machine und deshalb auf jeden Fall im Auge zu behalten.

Etwa 20 Minuten später war dann die Zeit für die in Seattle beheimateten The Head and The Heart gekommen. Aus dieser regnerischen Gegend der Vereinigten Staaten von Amerika erwartet man ja eher Grunge Bands oder Riot Girls, aber The Head And The Heart springen pünktlich auf den mit Volldampf fahrenden Folk Zug auf, der dafür sorgte, daß Mumford & Sons Nummer 1 in den amerikanischen Mainstream Charts wurden. Es gibt noch kein neues Album von Mumford & Sons? Da muss Nachschub her! Das Eisen muss geschmiedet werden, solange es noch heiß ist. Wobei The Head And The Heart nicht nur nach Folk-Rock rochen, sondern auch an britischen Sixties Pop erinnerten. Gerade die flotten, pianolastigen Stücke klangen volles Rohr nach den Beatles, die folkigeren Sachen standen in der Tradition von Neil Young. Für reichlich Bewegung und Dynamik war jedenfalls gesorgt, Lahmheit konnte man der jungen Band wahrlich nicht vorwerfen. Gerade die blonde Geigerin hopste wie auf Sprungfedern über die Bühne und wusste auch mit ihren hübschen blauen Augen zu gefallen.

Das Tempo des ersten Drittels konnte aber über die gesamte Distanz nicht gehalten werden und in der Mitte flachte das Set ab, bevor zum Schluß noch einmal letzte Reserven mobilisiert wurden.

Ebenfalls ein passables Konzert, das aber keinen meiner anspruchsvollen (abgestumpften?) Konzertfreunde so rundum begeistern konnte. Zu oft hat man in den letzten Jahren Ähnliches gehört und mit den Fleet Foxes und der Band Of Horses gibt es zwei Gruppen, die den anderen Kombos in Amerika in punkto Folk-Rock meilenweit voraus sind.

Ob Portugal The Man im International geiler waren? Meine Frendin von Amazinglyblog berichtet von einer vollen Hüte und einem guten Konzert (klick!). Viele Deutsche sollen dagewesen sein. Kein Wunder, Portugal The Man kennt in Paris kein Mensch, während sie in Germany richtig groß sind, zumindest in Indiekreisen, der Dauerwerbung durch die Käseblättchen (ich mag Käse!) Visions und Musikexpress sei Dank.



 

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