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Samstag, 24. November 2012

Clara Luzia, Paris, 22.11.12

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Konzert und Burchpräsentation: Clara Luzia & Sarah Haas
Ort: Gals Rock, Paris-Pigalle
Datum: 22.11.2012
Zuschauer: 15
Konzertdauer: knapp 40 Minuten


Ist schon interessant (aber in jeder Hinsicht wundervoll!), daß eine junge homesexuelle Wienerin einem alten heterosexuellen Wahl-Pariser wie mir aus der Seele spricht bzw singt. Dass sie mich mit ihren hochmelancholischen Songs und den persönlichen Texten so berührt und aufwühlt wie kaum eine Zweite in diesem Jahr. 



Von der Sensibilität, Fragilität und Weltklugheit von Clara Luzia fühle ich mich fast magisch angezogen. Sie drückt bei mir einfach die richtigen Knöpfe und bringt mich regelmäßig an den Rand der Tränen. Schmalztriefend ist bei ihr trotzdem nichts und sie ist auch keines dieser süßen Mädels, die belanglosen, auf Schönheit getrimmten Folkpop ins Mikro hauchen. Man spürt bei ihr eine sanfte Revolte, ein Aufbäumen gegen widrige gesellschaftliche Verhältnisse, nicht selten auch eine Abrechnung mit Leuten die sie als "assholes" bezeichnet. In gleich zwei ihrer heute in der tollen Galerie Galsrock gespielten Songs (Monster & Nutrition) ging es um solche Arschlöcher, die es eigentlich nicht wert sind (O-Ton Clara Luzia), daß man sich mit ihnen beschäftigt. Aber es gab auch einen wundervollen Lovesong für ihre kunstschaffende und auch heute anwesende Freudin Sarah Haas namens The Waving Ones. Ein Lied, das ich seit Wochen nicht mehr aus dem Ohr bekomme, daß mir so nahe geht, daß es schon fast weh tut.



The Waving Ones ist ein älteres Stück von Falling Into Place, aber heute bei Galsrock gab es mehrheitlich Lieder vom im März 2013 erscheinden Longplayer We Are Fish zu hören. Lieder, die allesamt so authentisch und herzerwärmend klangen, daß ich kaum bis nächstes Jahr warten kann, um das Machwerk mitsamt dem Cover und dem gesamten Artwork in Händen zu halten. Diese optischen Aspekte sind mir nämlich auch wichtig und bei Clara Luzia dürfte es ähnlich sein, denn ihre Freundin Sarah Haas hatte extra für den heutigen Showcase einen wundervollen Bildband mit Namen Faces To The Sound angefertigt, in dem man auch Songtexte und natürlich fabelhafte Fotos finden kann. Für 25 Euro ging er über den Ladentisch und wer daran interessiert ist, wird sicherlich die passenden Links im Internet dazu finden.

Aber reden wir noch ein einige über die heute performten Lieder. Da gab es nämlich mit Sink Like A Stone und Morning Light zwei Tracks die exemplarisch noch einmal genannt werden sollten. Zu Sink Like A Stone findet man im Buch einen herrlichen Bergsee in Kanada und kann zudem die Gitarren-Tabs und Songetxte mitverfolgen.To sink like a stone ain't nice, no I rather swim like a seal, that's right, love", sang Clara Luzia so wundervoll und bei Morning Light spielte sie extra die traurige Version und intonierte den nahegehenden Text mit viel Gefühl "I know this look it's the sadness in your eyes that always shook me deep inside"...



Trotz dieser traurigen Lieder wurde aber auch viel gelacht zwischen den Songs, wenn Clara Luzia zum Beispiel wieder ewig brauchte um ihre Gitarre mit Hilfe ihres I-phones zu stimmen ("I i love my i-phone, it does everything, beside paying my bills") und dabei immer wieder ein wenig fluchte, oder wenn sie kopfschüttelnd erklärte, zu viele Songs über Arschlöcher zu schreiben.

Nach knapp vierzig Minuten war der Showcase dann aber leider vorbei und nun wartet ganz Paris drauf, daß Clara Luzia mit neuem Album im Gepäck und zusamen mit ihren Band wieder live in Paris spielt!

Setlist Clara Luzia, Paris, Galsrock

01: Quiet
02: Sink Like A Stone
03: Monster
04: No One's Watching
05: Fall
06: Nutrition
07: Waving Ones
08: Love In The Times Of War
09: Morning Light (Sad Sad Song)






Montag, 19. November 2012

Rozi Plain, Paris, 17.11.12

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Konzert: Rozi Plain (mit den Gästen This Is The Kit und Morningstar)
Ort: Boutique Gals Rock, Pigalle-Viertel, Paris
Datum: 17.11.2012 
Zuschauer: etwa 15
Konzertdauer: 30 Minuten




Von den wunderbaren Musikern, die aus der britischen Stadt Bristol kommen, habe ich ja hier schon mehrfach geschwärmt. This Is The Kit, Morningstar, Rachael Dadd, Andy Skellam, François And The Atlas Mountains, all diese Sympathen mag ich seit langem und habe sie deshalb (bis auf François) auch schon bei meinen Oliver Peel Sessions empfangen. Waren ganz herzliche und unbeschwerte Abende, denn die genannten Künstler sind trotz ihres Talentes herrlich unkompliziert, angenehm und ungekünstelt. Rozi Plain war mir aber bisher erst ein einziges Mal live untergekommen und zwar vor ein paar Jahren im Espace B. Sie spielte da (natürlich!) zusammen mit  This Is The Kit und auch François and The Atlas Mountains. Diese beiden musikalischen Freunde haben auch beim letzten, bei Talitres erschienenen Album Joined Sometimes Unjoined mitgeholfen und dazu beigetragen, daß es hervorragende Kritiken einheimsen konnte.


Zur Promo des Werkes ist nun Rozi seit einiger Zeit auf Tour. Ihr Weg führte sie auch durch einige deutsche Städte, nun aber ist sie in der Stadt der Liebe angekommen.


Am Samstag kamen wir Pariser daher in den Genuß, Rozi in einem sehr intimen Rahmen erleben zu können. Die auf feminitische Musikkultur spezialisierte Boutique Gals Rock hatte mal wieder zu einem ihrer schönen Showcases im hinteren Teil des Ladens geladen und etwa 15 Leutchen ließen sich dann auch schließlich blicken. Rozi, Kate "This Is The Kit" und Jesse "Morningstar" gaben sich dann trotzdem soviel Mühe, als würden sie für mindestens 150 Gäste spielen. Wie immer schufen sie eine herrlich entspannte, ganz warmherzige Atmosphäre, ließen ihre kleine Tochter durch den Laden toben, während sie performten und sangen mit sanften und sehr lieblichen Stimmen die Texte der feingliedrigen Lieder von Rozi Plain.


Diese performte mit niedlicher Zipfelmütze auf dem Kopf und Akustikgitarre unter dem Arm Take It und dann I Know, während Kate Stabels für den Backgroundgesang und die Percusssions und ihre Hut tragender Ehemann Jesse D Venon aka Morningstar für den Bass verantwortlich war. Es war erstaunlich, mit wie wenigen Mitteln es die Musiker verstanden, Gefühle zu vermitteln. Die Gitarre wurde von Rozi nur leicht angezupft, ihr Gesang war ungemein ruhig und gedämpft und auch Jesse bearbeitete seinen Bass nur ganz leicht, aber dennoch kam was rüber. Entschleunigung war angesagt. Weg von der Hektik des Tages, hin zu einer kleinen Reise in die Welt der jungen Dame aus Bristol. Mein Plus antwortete augenblicklich und verlangsamte sich um mindestens 10 Schläge. Wiegenlieder, perfekt für den Samstagabend, zumindest wenn man ihn anders verbringen wollte als seine Pariser Mitbürgerinnen und Mitbürger.


Zwar wurde bei dem tollen, äußerst quirligen Humans ein wenig das Tempo verschärft, aber es blieb letztlich bei der Besinnlichkeit, denn mit Catch Up wurde es schon wieder langsamer (dafür aber noch schöner).


Zu ihrem etwas bekannteren Stück My Boat hatte Rozi eine kleine Anekdote beizusteuern, sie erklärte schmunzelnd, daß sie heute im Parc de la Villette auf dem Wasser ein kleines Schiff mit der Aufschrift "My Boat" gesehen habe. Der Titel gehörte zu den stärksten im recht kurzen Set, das seinen vorläufigen Abschluß mit einem verträumten Stück hatte, das ich namentlich nicht kannte.


Weil die Leute aber noch nicht genug hatten, spielte Rozi auch noch Let's Go, bevor sie uns mit der CD unterm Arm und ein Lächeln auf den Lippen in den noch jungen Pariser Abend entließ.


Dienstag, 19. Juni 2012

Terror Bird, Paris, 16.06.12

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Konzert: Terror Bird (Showcase)
Ort: Gals Rock, Paris
Datum: 16.06.2012
Zuschauer: etwa 30
Konzertdauer: ungefähr 50 Minuten


So lob ich mir das! Der für 20 Uhr angesetzte Showcase der Kanadierinnen Terror Bird fand letztlich erst um 21 Uhr statt. Nichts hasse ich nämlich mehr als Konzerte die pünktlich beginnen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Ich komme fast immer zu spät und verpasse dann regelmäßig einen Teil. Kurioserweise war ich aber heute eigentlich pünktlich da und durch die Konzertverspätung sogar zu früh. Die beiden Musikerinnen aus Vancouver wollten erst noch einen Happen essen gehen und sich in Ruhe fertig machen. Nach einem kurzen Soundcheck sah ich sie dann den Laden Gals Rock verlassen und auch ich hatte nun Zeit, bei überraschend gutem Wetter noch eine Runde durch das schöne Viertel zu gehen.


Ich mag das 9. Pariser Arrondissement, vor allem die "Nouvelle Athène" genannte Gegend, wo der Showcase heute stattfand. Hier gibt es viele interessante Häuser, ein Museum mit dem hübschen Namen "Musée de la vie romantique" und unzählige Gitarren-und Musikläden. Wenn man die ganzen Shops für Musikinstrumente so sieht, könnte man fast glauben, jeder Pariser sei Musiker. Aber das täuscht, die Seine-Metropole ist nicht Stadt der Künstler sondern der Beamten. Statistisch alles nachweisbar. Hat sicherlich auch damit zu tun, daß es hier so teuer ist und Leute lieber ein gesichertes Einkommen haben, als von einer unwahrscheinlichen Karriere im Musikbusiness zu träumen.


Nikki Never aka Terror Bird aus Vancouver in Kanada gehört zu jenen lobeswert mutigen Zeitgenossen, die dennoch versuchen, als Künstler über die Runden zu kommen. Das verheißt oft ein spannendes, abenteuerreiches Leben, aber auch viele Probleme, Sorgen und Nöte. So hatten sie und ihre Bandkollegin Bianka bis mittags noch nicht einmal ein Bett zum Schlafen für die Nacht! Erst durch die Mithilfe der Labenbetreiberin von Galsrock konnte mittels Facebook kurzfristig eine Übernachtungsmöglichkeit arrangiert werden.

Mit vollem Magen und befreit von der Sorge über den Schlafplatz lgten Nikki und ihre Freundin Bianka Karre los. Beide klimperten sie hinter dem Keyboard, aber lediglich Nikki sang und dies mit tiefer-gothisch angehauchter Stimme. Klarer Fall, hier wurde das elektronische 80 er Jahre New Wave Revival gepriesen und in vollen Zügen ausgelebt! Assoziationen zu Yazoo, Propaganda, Lene Lovich, Toyah, Anne Clark oder The Human League wurden wach. Am ähnlichsten ist Terro Bird aber der jungen Schwedin Molly Nillson, die ich erst vor ein paar Monaten gesehen und für toll befunden hatte. Und genau wie Molly ist Nikki eher introvertiert und mstteriös, bleibt live ziemlich unnahbar und wortkarg. Insofern passte auch wieder die Schublade Dream Pop ganz gut, laut wurde es selten bis gar nicht, träumen war bestens möglich und nicht unangebracht.


Aber es gab auch schnelle Songs wie das wirklich tolle Thrill Killer von der Waiting For Nothing EP, die komplett durchgespielt wurde. Da flogen die kleinen Finger der beiden Mädels so richtig über die Tasten und auch die Hüften wurden etwas geschwungen. "Normalerweise bewegen wir uns noch mehr, aber wir hatten eben ein deftiges Mahl", sagte Nikki diesbezüglich schmunzelnd.



Das düstere Ambiente der Lieder (allein schon die Titel: Cemetries oder Hurting Me Feels Good) gefiel mir richtig klasse und am liebsten hätte ich so getanzt wie in den 80 er Jahren als sich schwarz gekleidete Menschen mit spitzen Waverschuhen mit schlenkernden Armen ständig nach unten bückten als hätten sie ihre Kontaktlinse verloren. Aber Spaß bei Seite, das hier war schon ziemlich geil! She Kissed Me (And I Fell Ill) - eine Antwort auf Kate Perry? und vor allem das treibende Waiting For Nothing kamen richtig gut rüber und ich war hinterher so angefixt, daß ich mir das neue Album namens Secret Rituals auf Vinyl zulegte.


Wieder einmal ein schöner Showcase in angenehmen Ambiente, hat Spaß gemacht!

Setlist Terror Bird, Galsrock, Paris

01: Outside
02: Cemeteries
03: Grade Me
04: Hurting Me Feels Good
05: She Kisse Me And I Fell Ill
06: Turn To Stone
07: Thrill Killer
08: Secret Rituals
09: Shadows In The Halls
10: Twin Helmets
11. Waiting For Nothing
12: Dream For You Bathwater

Aus unserem Archiv:

Terror Bird, Paris, 07.03.11



Montag, 9. April 2012

Lisa Hannigan, Paris, 6 & 8. 04.12

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Konzert: Lisa Hannigan
Ort: Fargo & Galsrock, Paris

Datum: 6 & 8.04.2012

Zuschauer: bei Fargo etwa 30, bei Galsrock mindestens 60-70

Konzertdauer: jeweils etwa 30 Minuten



An so etwas merkt man dann doch, daß Paris eine Kulturhochburg ist. Wo bekommt man schon eine solch exquiste Sängerin wie die Irin Lisa Hannigan an drei verschiedenen Tagen gratis und in einem intimen Ambiente geboten?

Freilich musste man gut informiert sein, um davon zu wisssen. Es empfahl sich, meine Konzerttipps für Paris gelesen zu haben. Aber selbst mir entging, daß Lisa am 5. April in der englischen Buchhandlung Shakespeare & Company akustisch vom Leder gezogen hatte.


Das Konzert im schönen Fargo Recordstore am 6. April hatte ich mir aber frühzeitig notiert. Es fand um 18 Uhr statt und ich kam genau pünktlich dort an. Lisa hatte es sich auf dem Tresen (halbwegs) gemütlich gemacht und spielte zunächst Mandoline. Vor ihr standen etwa 20 bis 30 Musikfans, die mucksmäuschentill das akustische Set mitverfolgten und von der wahnsinnig hübschen Stimme der Irin ziemlich geplättet schienen. Die stilvolle Dame mit den Rehaugen und den feinen Zügen performte Stücke ihres aktuellen Albums Passenger aber auch einen alten Song vom Erstling Sea Sew.


Mit würzig-rauchiger Stimme und immenser Inbrunst spielte sie auch Little Bird & Knots, zwei Lieder, die die Pariser Videoseite lehiboo in einem Baugraben (!) und vor dem Eiffelturm bei Nacht gefilmt hatte. Lisa berichtete schmunzelnd von dieser kürzlich stattgefundenen Episode.

Obwohl ihr in Paris der Duettpartner des Album, Ray Lamontagne, fehlte, spielte sie das Stück O Sleep und schaffte es auch ziemlich gut, die rauchige Männerstimme zu ersetzen.




Dann musste ich auch schon los zu meiner Meditationsstunde und ging kurz bevor bei Fargo Schluß war.

Am Ostersonntag schließlich stand Lisa Hannigan erneut auf einer improvisierten Bühne, dieses Mal im CD-Laden Galsrock im Pigalle Viertel. Hier war es aber so voll, daß man in den eigentlichen Raum gar nicht mehr rein kam und vom Eingangsbereich aus dem Konzert zuhören konnte (musste), ohne allerdings etwas zu sehen. Sehr störend und unhöflich, daß sich ausgerechnet ein 1,90 m großer Kerl mitten in den Türrahmen stellte. Hätte er sich zivil verhalten, hätten die anderen Leute zumindest noch einen Teil des Kopfes von Lisa sehen können, so aber glotzte man auf seinen Rücken.

Was man hören konnte, enstsprach dem Set von Fargo. Das war minimalistisch, gefühlvoll, warmherzig und vor allem sehr schön.

Vielleicht erlebe ich das Ganze ja noch einmal zu besseren Bedingungen als bei Gals Rock? Wer weiß...

Ausgewählte Konzerttermine Lisa Hannigan:

19.04.2012: Binnenstad, Motel Mozaique 2012, Rotterdam
22.04.2012: Paradiso, Amsterdam
23.04.2012: Doornroosje, Nijmegen
24.04.2012: Grünspan, Hamburg
25.04.2012: La Fléche d'or, Paris
27.04.2012: Theaterhaus, Stuttgart
28.04.2012: Ampere, München
29.04.2012: Das Bett, Frnakfurt
03.05.2012: Bi Nuu, Berlin
04.05.2012: BeatPol, Dresden
06.05.2012: Chaya Fuera, Wien
08.05.2012: Blue Lézard, Lausanne
10.05.2012: abart, Zürich
11.05.2012: Gebäude 9, Köln
12.05.2012: Botanique, Brüssel


Samstag, 23. April 2011

This Is The Kit, Paris, 21.04.11

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Konzert: This Is The Kit

Ort: Gals Rock, Paris
Datum: 21.04.2011
Zuschauer: 30-35 im eigentlichen "Konzertraum", 10-15 draußen
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


"Does anyone have a banana?"

Eine Banane? Na klar, für Mo, die kleine Tochter von Kate (Stables) und Jesse (Vernon), die zusammen unter dem Moniker This Is The Kit fungieren! Die Süße, sie hatte Hunger während des Konzertes bekommen, forderte plötzlich energisch die gelbe Frucht.

Konzerte von This Is The Kit gehen grundsätzlich familiär zu, das ist es für die Eingeweihten nichts Neues, wenn Little Mo Mutti in den Haaren rumwuschelt oder Papi in den Arm zwickt. Und dies während die beiden performen.

Nicht neu ist ebenfalls, daß die Konzerte von Kate grundsätzlich wunderschön, authentisch und herzerwärmend sind. Der Auftritt in dem Musikladen Gals Rock machte da keine Ausnahme. Trotz sicherlich minimaler Gage legten sich Kate, Jesse, und die aus Portland, Oregan stammende Anne vor etwa 35 Leuten mächtig ins Zeug, gaben sich große Mühe und bezauberten mit naturreinen Bildschön-Songs, tollen vokalen Harmonien und einschmeichelnden Melodien. Die Stimme von Kate war wie immer traumhaft, so tröstlich, so zärtlich, so liebevoll. Es ist mir eine Riesenfreude ihr zuzuhören, ihr gehört seit Jahren mein Herz. Besonders schön finde ich immer, daß man merkt, wieviel Spaß Kate udn Jesse das Musizieren macht. Da werden die Lieder nicht einfach abgespult, sondern mit viel Liebe zum Detail vorgetragen, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Die blonde Amerikanerin Anne gehört noch nicht allzu lange zur Band, aber sie ist jetzt schon eine große Bereicherung. Wenn sie die singende Säge zum Schwingen bringt, glaubt man, eine Opernsängerin im Raum zu haben. Toll! Aber sie harmoniert auch stimmlich prima mit Kate, die beiden trällerten wirklich herzallerliebst.



Die drei Musiker konnten auf etliche starke Titel zurückgreifen. Moon, Spinney, oder Easy Picking, das sind fast schon moderne Klassiker, die jeder auf seinem i-pod haben sollte. Das zweite Album Wriggle Out The Restless, auf dem diese Perlen drauf sind, ist ohnehin so hervorragend, daß es schon von befreundeten Musikern gecovert wurde. Besondere Erwähnung finden sollte eine Version von John Parish. John Parish?!, ja genau der Kerl, der immer mit der Harvey musiziert. Klasse, oder? Er ist ein alter Verbündeter von Kate, hat ihr erstes Album Krulle Bol produziert. Von diesem Erstling stammte dann auch eine der beiden Zugaben, Our Socks for Evermore, bei der das Banjo auf das Schönste vor sich hinpluckerte. Aber auch die Fans von Michael Hurley kamen auf ihre Kosten, ein Song von ihm wurde gecovert.

Nach etwa 45 Minuten war dann leider Schluß, aber ich verließ den Laden nicht ohne einen von Kate gefertigten Topflappen und die Remix CD nach Hause getragen zu haben!

Foto: Archiv. Links Kate, oben Mo, rechts Rachael Dadd. Aktuelle Pics folgen.

Setlist: morgen

Aus unserem Archiv:

This Is The Kit, Paris, 06.02.11
This Is The Kit, Paris, 27.03.10
This Is The Kit, Paris, 03.12.09
This Is The Kit, Paris, 09.06.09
This Is The Kit, Paris, 11.03.09
This Is The Kit, Paris, 06.03.09
This Is The Kit, Paris, 26.03.08
This Is The Kit, Paris, 01.02.08




Samstag, 11. Dezember 2010

Rebekka Karijord, Paris, 10.12.10

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Konzert: Rebekka Karijord

Ort: Galsrock, Paris

Datum: 10.12.10

Zuschauer: 16 Konzertdauer: etwa 35 Minuten


Ich necke gerne einmal meinen Pariser Konzertgängerfreund Michael, wenn ich ihm (natürlich völlig zu recht) unterstelle, daß er überall dort aufkreuze, wo eine schöne Frau spielt. Er guckt dann immer etwas säuerlich und behauptet steif und fest (hi hi), daß er nur wegen der Musik und der Stimme gekommen sei. Da muss ich dann immer heftig schmunzeln und mich innerlich ermahnen, nicht weiter zu sticheln. Zumal ich ihn ja nicht zufällig treffe, sondern weil ich ebenfalls den zarten Folk-Ladies hinterherjage. Bei mir ist das aber kein Stalken und auch keine erotische Schwärmerei. Natürlich nicht. Schließlich bin ich glücklich verheiratet und brauche deshalb auch keine dieser Sexpuppen, die auf dem Weg zu Galsrock im Pigalleviertel zum Verkaufe angepriesen werden. Es ist vielmehr ein ästhetisches Empfinden, daß mich zu den zerbrechlichen Folksängerinnen treibt. Wenn eine Dame auf einer Harfe spielt, oder auf einem Piano klimpert, ist das für mich der Gipfel der Anmut und Eleganz. Noch wichtiger als die reine Ästhetik ist aber der Trost, den mir weibliche Stimmen spenden. Angefangen hat diese Hingezogenheit mit Sandy Denny. Bis vor wenigen Jahren konnte ich mit dem Hippietum und den klassichen Folkeusen nicht viel anfangen. Als ich aber 2004 Like an Oldfashioned Waltz von Sandy Denny gehört habe, war ich völlig hin und weg. Wieviel Schönheit und Güte, aber auch Leid und Melancholie in dieser Stimme lag! Ich kaufte CDs von ihr und ihrer Band Fairport Convention und erlag auch Klassikern wie Late November und Who Knows Where The Time Goes. Sandy ist lange tot (sie ist sehr tragisch und jung gestorben), aber glücklicherweise gibt es ein paar zeitgenössische Sängerinnen, die würdige Nachfolgerinnen sind. Rachael Dadd bespielsweise, aber auch Mia Doi Todd, Nina Nastasia, Sharron Kraus oder Serafina Steer. Mit Serafina Steer (auf dem Foto) verbindet die heute in Paris auftretende Rebekka Karijord das Spielen auf einer Harfe. Rebekka zupft zumindest bei einigen Lieder auf diesem erlesenen Instrument, wenn sie auch ansonsten eher Pianistin ist.

Los ging das Ganze gegen 21 Uhr 30. Nur ein paar Mitbürger, die ebenfalls auf skandinavische Musik abfahren, hatten sich in dem auf weibliche Musikerinnen spezialisierten Laden Galsrock eingefunden. Unter ihnen Valerie Toumayan, ihres Zeichens brillante Videofilmerin mit Herz für Schweden. Gerade erst hat sie ein wunderbares Dokumentarwerk namens Sounds Of Stockholm fertiggstellt, in dem sie unter anderem Those Dancing Days, Ane Brun und Friska Viljor porträtiert. Neben Valérie war auch David da, der den schönen Blog Starsareunderground betreibt. Ansonsten befanden sich höchstens 10 weitere Leute in dem Laden. Deshalb wartete Rebekka auch noch etwa 15 Minuten mit dem Beginn, stellte dann aber fest, daß es bei dieser sehr intimen Runde bleiben sollte.



Sie starte mit einem Stück auf dem Piano. Bei der traumhaft schönen Ballade Wear It Like A Grown wurde man unverzüglich Zeuge ihrer phänomenalen Stimme. Fest, schwebend, hypnotisierend, nuancenreich und mit einem warmen Timbre versehen. Das Lied kannte ich genauso wenig, wie die anderen Stücke, die folgen sollten. Bei der Karijord war ich noch Novize, was CDs angeht, obwohl sie inzwischen bereits 3 Alben auf der Habenseite verbuchen kann. Allerdings ist nur der aktuelle Opus The Noble Art Of Letting Go in Frankreich erschienen, die beiden Vorgänger bekam man wohl nur in Skandinavien. Als Skandinavierin bezeichnet man dan wohl auch am besten Rebekka Karijord, weil sie in Norwegen aufwuchs, dann aber nach Schweden rübermachte. Insofern gibt es Parallelen zu ihrer Kollegin Ane Brun, die ebenfall aus Norwegen stammt, aber seit Jahren Schweden ihre Heimat nennt. Bloß, daß die Brun keine Harfe spielt. Rebekka schnappte sich dieses feine Saiteninstrument, um das betörende Paperboy vorzutragen. Das zarte Pluckern beruhigte mich außerordentlich. Ich schloß die Augen und überließ mich ganz der Stimme von Rebekka und ihrem grazilen Spiel. Gerne hätte ich noch zwei Stunden zugehört, aber nach etwa 35 Minuten war dann leider auch schon Schluß. Zuvor hatte die Musikerin aber auch noch mit einem gut gemachten Cover geglänzt. Smells Like Teen Spirit klang bei ihr ganz anders als bei Kurt Cobain, aber nicht weniger intensiv und aufrüttelnd.



Insgesamt ein toller Showcase! Lohnt sich immer wieder, bei zarten Folksängerinnen auf der Matte zu stehen, gelle Michael?

Setlist Rebekka Karijord, Galsrock, Paris:

01: Wear It Like A Crown
02: This Anarchistic Heart
03. Paperboy
04: Smells Like Teen Spirit
05: The Noble Art of Letting Go
06: Everlasting



 

Konzerttagebuch © 2010

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