Sonntag, 16. Dezember 2007

The Verve & Malcolm Middleton, Glasgow, 15.12.07


Konzert: The Verve & Malcolm Middleton
Ort: SECC Glasgow
Datum: 15.12.2007
Zuschauer: ausverkauft (10.000)


Auf meinem Rückflug von Glasgow habe ich mir mal den Spaß gemacht, nachzulesen, was an einem normalen Wochenende in London an Bands auftritt. Und das ist gar nicht so schlecht: diesen Freitag spielten u.a. Bloc Party, die Cribs, Foal, Charlotte Hatherley, die Chemical Brothers, Simian Mobile Disco, The Enemy, Madness oder die Kaiser Chiefs, Samstag Kaiser Chiefs, Chemical Brothers und Bloc Party wieder, dazu die Spice Girls und CSS. Und die unzähligen tollen noch namenlosen Bands.

Daher war es auch kein großes Wunder, daß ich, als ich nur mal eben gerade nachgesehen hatte, ob vielleicht auch an meinem zweiten Abend in Glasgow etwas Interessantes spielen würde, sofort fündig wurde... Und wie! Denn es spielten The Verve und ich bekam noch ein Ticket für die zweite Runde der Wiedervereinigungstour der Band aus Wigan. Im November hatte die Gruppe um Richard Ashcroft zum ersten Mal seit ihrer (letzten) Auflösung Konzerte in Großbritannien gespielt, die ein riesiger Erfolg waren. Für Dezember wurden sechs weitere Termine angekündigt, u.a. in London und Manchester und eben im SECC in Glasgow, dem nationalen schottischen Platz für Ausstellungen und Großveranstaltungen.

Der eindrucksvolle Bau des SECC (ok, der Bau selbst ist funktional, das Schmuckstück ist das von Sir Norman Foster geplante Clyde Auditorium) liegt direkt am Fluß Clyde und ist von der Innenstadt bequem mit Gig-Busses oder Taxen erreichbar. Mit mir kamen viele sehr aufgebretzelte Frauen mittleren Alters an (ich habe Leggingfarben gesehen, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde), die allerdings (puh!) zu Mamma Mia! oder Snow White. Rechts und links des an eine Einkaufspassage erinnernden Gangs durch das SECC gehen die Säle bzw. Hallen ab,
in denen die Veranstaltungen stattfinden. "Meine" Halle war Nummer vier, mit einem Fassungsvermögen von 10.000 und vielen Tribünen ein großer und mächtig eindrucksvoller Ort für ein Konzert - angemessen also für ein großes Comeback. Die Smiths werden da sicher dann auch spielen.

Spannend war für mich zunächst einmal, wer The Verve supporten würde. Gelesen hatte ich alles Mögliche, da
waren von Annie Lennox über The Coral, Reverend and the Makers bis zu bloß einem DJ Set viele Namen genannt worden. Als dann ein DJ damit anfing, langweilige funkige Lieder aufzulegen, fürchtete ich also, den Trostpreis gezogen zu haben. Nach viel zu langer Zeit verschwand der Plattenwender aber und ein Knüller kam auf die wahnwitzig große Bühne. Es war zwar "nur", wie so oft in Köln, eine lokale Vorgruppe, im Falle von Glasgow war das aber eben Malcolm Middleton, den ich im Gebäude 9 schon gesehen hatte.

Der Ex-Arab Strap Mann hatte nur eine akustische Gitarre dabei und spielte acht Lieder. Das kam es geht so an. Mir gefiel das kurze Konzert ausgezeichnet. Der Sänger schreibt wundervoll melancholische Stücke. Sicher ist seine Musik nicht für eine gigantische Halle wie im SECC gemacht. Für mich war es aber genau das richtige Rahmenprogramm.

Neben den großen Hits "
A brighter beat" oder "Loneliness shines" spielte Malcolm auch Stücke, die ich nicht erwartet hätte, "Choir" oder "Burst noel". Weihnachten war bzw. ist bei dem Glasgower ohnehin ein großes Thema, da er versucht, sein "We're all going to die" zum Nummer eins Weihnachtshit zu machen. Als er das auch vor dem Lied noch einmal erzählte, brüllte ein angetrunkener Schotte neben mir "you'll fucking never be number one." Vermutlich ist der Song auch nicht weihnachtlich genug, ich wünschte es Malcolm allerdings sehr, Erfolg mit seinem Vorhaben zu haben, weil ich seine Musik sehr schätze!

Anfang des Jahres erscheint ein Akustikalbum. Mindestens eines der gespielten Lieder ("Blue plastic bag") wird auf dieser Platte erscheinen. Bei den anderen beiden mir unbekannten Liedern bin ich unsicher, ob sie neu sind.

Setlist Malcolm Middleton SECC Glasgow:

01: Follow Robin down

02: Choir
03: Blue plastic bag (neu)
04: We're all going to die
05: A brighter beat
06: Burst noel
07: Total belief

08: Loneliness shines

Seit ich zumindest Richard Ashroft live gesehen habe (er trat da mit Kettcar und Coldplay in Köln auf), hat sich der Sänger ziemlich verändert. Wieder-Verve-Ashcroft hat die Haare kurz und blondiert (er sieht aus wie Eminem!), trägt Sonnenbrille (weil nach seiner Aussage die Leute in Glasgow gerne mit Bier schmeißen, was ich bestätigen kann, das machen sie) und raucht weiterhin. Er war damit (also mit dem Rauchen) die Ausnahme, denn in der Halle herrschte striktes Qualmverbot. Sobald sich jemand eine Kippe ansteckte, leuchteten die Ordner teils mit riesigen Lampen auf den Raucher und drohten Hallenverbot an. Die Securities hatten den Saal perfekt im Griff, obwohl viele Besucher sehr alkoholisiert waren, unterbanden sie jeden Versuch von Prügeleien im Ansatz (die gab es reichlich). Die Stimmung war sehr ausgelassen, es war aber eben trotzdem sehr angenehm, man hielt es bequem vorne aus, ohne irgendwann flüchten zu müssen, wie mir das bei einigen Palladium Konzerten ergangen ist.

The Verve spielen in Besetzung Richard Ashcroft (Gesang und ab und an Gitarre), Nick McCabe (Gitarre), Peter Salisbury (Schlagzeug) und Simon Jones (Bass). Während natürlich Ashcroft im Mittelpunkt steht, weil er, wenn er nicht Gitarre spielt, sehr gestenreich singt (aber dabei nicht albern aussieht, wie der Sänger der Rakes) oder sich hinhockt und sitzend weitermacht, macht gerade Simon Jones eine riesige Show. Nach jedem Song streckte er die Fäuste aus, als habe er ein Tor geschossen, feuerte uns an (was unnötig war) und gab alles. Als Bittersweet Symphony verklungen war, gingen er und Nick McCabe Arm in Arm von der Bühne.
Es scheint also wirklich so zu sein, wie es die Band in einem Interview zur Wiedervereinigung gesagt hatte, sie spielen des Spaßes wegen, nicht wegen großer Gelder (die sie alle ohnehin bereits lange verdient hätten).

Der Sound anderer Konzerte der aktuellen Tour war teilweise heftig kritisiert worden. Hier klangen einige sehr laute Töne, als kippten sie weg. Das gab sich aber schnell, danach klang die Band für eine solch große Halle prima.

Auch wenn The Verve ein neues Album planen (und bereits einige neue Lieder haben), standen bekannte Stücke im Mittelpunkt. Vom neuen Material spielte die Band nur "Sit and wonder". Und obwohl sie die beiden Vor-LP Songs "Gravity graves" und ""Man called sun" im Programm hatten, kam nichts vom ersten Album "A storm
in heaven", merkwürdig... Ich weiß nicht, ob das üblich ist, es war mein erstes Verve Konzert. Ein ganz anderes Konzept verfolgen gerade die Sparks, die von 16. Mai an an 21 Tagen all ihre 21 Alben (das neue hat am letzten Abend Premiere) in London spielen werden - aber das ist ein anderes Thema.

Bei Liedern wie "Velvet morning", "Lucky man", "Drugs don't work" und "Bittersweet symphony" wurde es besonders feierlich - und ein großes Singalong. Es ist schon verflucht beeindruckend, wenn 10.000 Leute einen
(guten) Song mitsingen. Das war Stadionrock der guten Sorte und ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte!

Nach anderthalb Stunden (und B.S.S.) war Teil eins beendet. Die Vier erschienen dann nach ein paar Minuten (und sicher dem ein oder anderen Drink) wieder und spielten 15 Minuten Zugaben, die mit "Come on" endeten.

Schön, daß The Verve zurück sind! Ganz sicher demontiert die Band damit nicht den Ruf, den sie sich mit ihren drei Alben vor Jahren gemacht hat. Also ein gutes Comeback!

Setlist The Verve SECC Glasgow:

01: A new decade
02: This is music
03: Space and time
04: Gravity grave
05: Weeping willow
06: Life's an ocean
07: Sonnet
08: Sit and wonder
09: Velvet morning
10: Lucky man
11: Stormy clouds
12: On your own
13: Rolling people
14: Drugs don't work
15: Bitter sweet symphony

16: Man called sun (Z)
17: History (Z)
18: Come on (Z)

Links:

- Mehr Fotos sind hier.




2 Kommentare :

oliver r. hat gesagt…

Malcolm Middleton als Einheizer, wow!

Frank hat gesagt…

ohh what a lucky man you are!
Angenehmes neues Jahr wünsch' ich!

 

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