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Sonntag, 22. Juni 2008

The Verve, Rock A Field, 21.06.08

1 Kommentare

Konzert: The Verve
Ort: Rock A Field, Luxemburg
Datum: 21.06.2008
Zuschauer: weniger als bei Kooks & Mando Diao
Dauer: 80 min


Ist es noch zeitgemäß, The Verve zu mögen? Die Band, die in den 90er Jahren mit drei Alben für viele das wurde, was Sänger Richard Ashcroft vorausgesagt hatte, nämlich die größte Band der Welt? Nach ihrem zweiten Comeback in der zweiten Hälfte 2007 verkauften The Verve zwei kleinere aber triumphale Touren sofort aus, obwohl die Hallen riesig waren. Ich hatte das Glück, einen der Auftritte der zweiten Minitour im Dezember im gigantisch großen SECC in Glasgow zu erleben, nachdem ich vorher nur einmal Richard Ashcroft gesehen hatte. Ich hatte schon da nicht den Eindruck, bloß aus melancholischen Gründen so fasziniert zu sein. Aber wie soll man auch objektiv sein, wenn alte und immer noch allgegenwärtige musikalische Helden gerade zwei Stunden große Musik gespielt haben?

Vielleicht förderten ja ein langer und anstrengender Musiktag und das Fehlen der besonders hohen Comeback-Erwartungen ja meine Objektivität. Trotz meiner Müdigkeit und dem sehr guten Kooks Konzert vorher hatte ich auf jeden Fall unendlich große Lust auf mein Highlight des Tages.

Das ging einem sehr großen Teil des Publikums aber leider anders. Der Platz vor der Bühne hatte sich kräftig geleert im Vergleich zu den Kooks und Mando Diao vorher. Selbstverständlich sprechen diese beiden Bands mehr jüngere Zuschauer an, von denen viele bei Rock A Field waren. Die wegen Verve Angereisten waren sichtbar in der Unterzahl. Mir war es gleich - und, wichtiger, der Band schien es auch nichts auszumachen.

The Verve spielen seit ihrer zweiten Wiedervereinigung in Originalbesetzung, also neben Richard Ashcroft Gitarrist
Nick McCabe, Bassist Simon Jones und Schlagzeuger Peter Salisbury. Bis auf Nick McCabe kennen sich die Musiker aus ihrer Schulzeit in Wigan.

Schon der Opener "A new decade" von "A northern soul" zeigte die Richtung an. Große hymnische Lieder, mit vielen psychedelischen Elementen, ein charismatischer Sänger, der natürlich arrogant und selbstverliebt wirkt, auf eine ganz andere Weise aber als die Mando Diao Beaus, und der mit seiner Gestik und Mimik diese großen Songs untermalt und verstärkt. "We are The Verve and 'This is music'". Punkt.

Diese gequält klingende Stimme des Frontmanns, die langgezogenen Töne sind sicher die prägenden Elemente der Musik der nordenglischen Band. Man nimmt Richard Ashcroft jede Silbe ab, wenn er beispielsweise in "Life's an ocean" Sätze wie "I was
buying some feelings - From a vending machine - Say that I will see - Something more than I have - There's something inside of me - Crying out for something else". Seine Stimme untermalt jeden dieser Sätze, fabelhaft, wie damit nicht nur der Text runtergesungen sondern auch hervorgehoben wird.

Die erste Hälfte des Sets war der von Glasgow ähnlich. "A new decade" und "This is music" von "A northern soul", dann "Space & time" und das wundervolle "Sonnet" vom Meisterwerk "Urban hymns" und wieder ein Lied vom zweiten Album mit "Life's an ocean". Mir ist schon im Dezember aufgefallen, daß The Verve keine Songs vom ersten Album spielten. Auch in Luxemburg war das so, wieso auch immer.

Danach kamen neue Lieder, gleich zwei in Folge. "Rather be" zunächst, das gleich beim ersten Hören ein großer Knüller ist, das allerdings vom folgenden "
Sit and wonder" die Show gestohlen bekam. "Sit and wonder" hatte ich schon in Glasgow gehört, bei Rock A Field hatte ich aber deutlich mehr Muße, auf das neue Lied zu achten. Und es war traumhaft. Ein sehr psychedelisches Stück, das trotz Afrobeat und Elektro, New Rave oder New Wasauchimmer meine Ausgangsfrage aber sowas von eindeutig beantwortet: Ja, The Verve sind nicht altbacken. Es ist vollkommen zeitgemäß, die Engländer anzuhimmeln! Oh ja, das ist es!

Nach diesen beiden sehr vielversprechenden Appetitanregern zum neuen Album
folgten Stücke von "Urban hymns", erst "The rolling people", dann der Höhepunkt des Festivals, ach, des Konzertjahres, "The drugs don't work". "Now the drugs don't work - They just make you worse - But I know I'll see your face again". Eindrucksvoll schön, diese Hymne! Es waren zwar viel weniger Leute da, als diese Band verdient gehabt hätte, die sahen aber alle (naja, die, die ich sehen konnte) mächtig gerührt aus, lagen sich in den Armen und sangen mit. Das änderte sich bei "Lucky man" nicht. Auch das ist natürlich ein Riesenhit!

Den nächsten sagte Ashcroft herrlich an "Song's '
Bitter sweet symphony'". Das bekannteste Verve Lied führte zu einem plötzlichen Zulauf vieler Leute, die vorher im hinteren Teil des Geländes waren. "Bitter sweet symphony" kennt eben wirklich jeder, viele schienen aber zu denken "Ach von denen ist das", als sie nach vorne hetzten. Vielleicht hätten The Verve einfach damit starten sollen, sie hätten sicher deutlich mehr neue Fans gewonnen. Aber dafür benötigen die Vier nicht ihre alten Songs, daran habe ich keinerlei Zweifel. Denn auch die kommende Single "Love is noise", die am Montag im britischen Radio BBC One Premiere haben wird, ist fabelhaft!

Setlist The Verve, Rock A Field, Luxemburg:

01: A new decade
02: This is music
03: Space & time
04: Sonnet
05: Life's an ocean
06: Rather be (neu)
07: Sit and wonder (neu)
08: The rolling people
09: Drugs don't work
10: Lucky man
11: Bitter sweet symphony
12: Love is noise (neu)

Links:

- The Verve in Glasgow 2007
- mehr Fotos



Sonntag, 16. Dezember 2007

The Verve & Malcolm Middleton, Glasgow, 15.12.07

2 Kommentare

Konzert: The Verve & Malcolm Middleton
Ort: SECC Glasgow
Datum: 15.12.2007
Zuschauer: ausverkauft (10.000)


Auf meinem Rückflug von Glasgow habe ich mir mal den Spaß gemacht, nachzulesen, was an einem normalen Wochenende in London an Bands auftritt. Und das ist gar nicht so schlecht: diesen Freitag spielten u.a. Bloc Party, die Cribs, Foal, Charlotte Hatherley, die Chemical Brothers, Simian Mobile Disco, The Enemy, Madness oder die Kaiser Chiefs, Samstag Kaiser Chiefs, Chemical Brothers und Bloc Party wieder, dazu die Spice Girls und CSS. Und die unzähligen tollen noch namenlosen Bands.

Daher war es auch kein großes Wunder, daß ich, als ich nur mal eben gerade nachgesehen hatte, ob vielleicht auch an meinem zweiten Abend in Glasgow etwas Interessantes spielen würde, sofort fündig wurde... Und wie! Denn es spielten The Verve und ich bekam noch ein Ticket für die zweite Runde der Wiedervereinigungstour der Band aus Wigan. Im November hatte die Gruppe um Richard Ashcroft zum ersten Mal seit ihrer (letzten) Auflösung Konzerte in Großbritannien gespielt, die ein riesiger Erfolg waren. Für Dezember wurden sechs weitere Termine angekündigt, u.a. in London und Manchester und eben im SECC in Glasgow, dem nationalen schottischen Platz für Ausstellungen und Großveranstaltungen.

Der eindrucksvolle Bau des SECC (ok, der Bau selbst ist funktional, das Schmuckstück ist das von Sir Norman Foster geplante Clyde Auditorium) liegt direkt am Fluß Clyde und ist von der Innenstadt bequem mit Gig-Busses oder Taxen erreichbar. Mit mir kamen viele sehr aufgebretzelte Frauen mittleren Alters an (ich habe Leggingfarben gesehen, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde), die allerdings (puh!) zu Mamma Mia! oder Snow White. Rechts und links des an eine Einkaufspassage erinnernden Gangs durch das SECC gehen die Säle bzw. Hallen ab,
in denen die Veranstaltungen stattfinden. "Meine" Halle war Nummer vier, mit einem Fassungsvermögen von 10.000 und vielen Tribünen ein großer und mächtig eindrucksvoller Ort für ein Konzert - angemessen also für ein großes Comeback. Die Smiths werden da sicher dann auch spielen.

Spannend war für mich zunächst einmal, wer The Verve supporten würde. Gelesen hatte ich alles Mögliche, da
waren von Annie Lennox über The Coral, Reverend and the Makers bis zu bloß einem DJ Set viele Namen genannt worden. Als dann ein DJ damit anfing, langweilige funkige Lieder aufzulegen, fürchtete ich also, den Trostpreis gezogen zu haben. Nach viel zu langer Zeit verschwand der Plattenwender aber und ein Knüller kam auf die wahnwitzig große Bühne. Es war zwar "nur", wie so oft in Köln, eine lokale Vorgruppe, im Falle von Glasgow war das aber eben Malcolm Middleton, den ich im Gebäude 9 schon gesehen hatte.

Der Ex-Arab Strap Mann hatte nur eine akustische Gitarre dabei und spielte acht Lieder. Das kam es geht so an. Mir gefiel das kurze Konzert ausgezeichnet. Der Sänger schreibt wundervoll melancholische Stücke. Sicher ist seine Musik nicht für eine gigantische Halle wie im SECC gemacht. Für mich war es aber genau das richtige Rahmenprogramm.

Neben den großen Hits "
A brighter beat" oder "Loneliness shines" spielte Malcolm auch Stücke, die ich nicht erwartet hätte, "Choir" oder "Burst noel". Weihnachten war bzw. ist bei dem Glasgower ohnehin ein großes Thema, da er versucht, sein "We're all going to die" zum Nummer eins Weihnachtshit zu machen. Als er das auch vor dem Lied noch einmal erzählte, brüllte ein angetrunkener Schotte neben mir "you'll fucking never be number one." Vermutlich ist der Song auch nicht weihnachtlich genug, ich wünschte es Malcolm allerdings sehr, Erfolg mit seinem Vorhaben zu haben, weil ich seine Musik sehr schätze!

Anfang des Jahres erscheint ein Akustikalbum. Mindestens eines der gespielten Lieder ("Blue plastic bag") wird auf dieser Platte erscheinen. Bei den anderen beiden mir unbekannten Liedern bin ich unsicher, ob sie neu sind.

Setlist Malcolm Middleton SECC Glasgow:

01: Follow Robin down

02: Choir
03: Blue plastic bag (neu)
04: We're all going to die
05: A brighter beat
06: Burst noel
07: Total belief

08: Loneliness shines

Seit ich zumindest Richard Ashroft live gesehen habe (er trat da mit Kettcar und Coldplay in Köln auf), hat sich der Sänger ziemlich verändert. Wieder-Verve-Ashcroft hat die Haare kurz und blondiert (er sieht aus wie Eminem!), trägt Sonnenbrille (weil nach seiner Aussage die Leute in Glasgow gerne mit Bier schmeißen, was ich bestätigen kann, das machen sie) und raucht weiterhin. Er war damit (also mit dem Rauchen) die Ausnahme, denn in der Halle herrschte striktes Qualmverbot. Sobald sich jemand eine Kippe ansteckte, leuchteten die Ordner teils mit riesigen Lampen auf den Raucher und drohten Hallenverbot an. Die Securities hatten den Saal perfekt im Griff, obwohl viele Besucher sehr alkoholisiert waren, unterbanden sie jeden Versuch von Prügeleien im Ansatz (die gab es reichlich). Die Stimmung war sehr ausgelassen, es war aber eben trotzdem sehr angenehm, man hielt es bequem vorne aus, ohne irgendwann flüchten zu müssen, wie mir das bei einigen Palladium Konzerten ergangen ist.

The Verve spielen in Besetzung Richard Ashcroft (Gesang und ab und an Gitarre), Nick McCabe (Gitarre), Peter Salisbury (Schlagzeug) und Simon Jones (Bass). Während natürlich Ashcroft im Mittelpunkt steht, weil er, wenn er nicht Gitarre spielt, sehr gestenreich singt (aber dabei nicht albern aussieht, wie der Sänger der Rakes) oder sich hinhockt und sitzend weitermacht, macht gerade Simon Jones eine riesige Show. Nach jedem Song streckte er die Fäuste aus, als habe er ein Tor geschossen, feuerte uns an (was unnötig war) und gab alles. Als Bittersweet Symphony verklungen war, gingen er und Nick McCabe Arm in Arm von der Bühne.
Es scheint also wirklich so zu sein, wie es die Band in einem Interview zur Wiedervereinigung gesagt hatte, sie spielen des Spaßes wegen, nicht wegen großer Gelder (die sie alle ohnehin bereits lange verdient hätten).

Der Sound anderer Konzerte der aktuellen Tour war teilweise heftig kritisiert worden. Hier klangen einige sehr laute Töne, als kippten sie weg. Das gab sich aber schnell, danach klang die Band für eine solch große Halle prima.

Auch wenn The Verve ein neues Album planen (und bereits einige neue Lieder haben), standen bekannte Stücke im Mittelpunkt. Vom neuen Material spielte die Band nur "Sit and wonder". Und obwohl sie die beiden Vor-LP Songs "Gravity graves" und ""Man called sun" im Programm hatten, kam nichts vom ersten Album "A storm
in heaven", merkwürdig... Ich weiß nicht, ob das üblich ist, es war mein erstes Verve Konzert. Ein ganz anderes Konzept verfolgen gerade die Sparks, die von 16. Mai an an 21 Tagen all ihre 21 Alben (das neue hat am letzten Abend Premiere) in London spielen werden - aber das ist ein anderes Thema.

Bei Liedern wie "Velvet morning", "Lucky man", "Drugs don't work" und "Bittersweet symphony" wurde es besonders feierlich - und ein großes Singalong. Es ist schon verflucht beeindruckend, wenn 10.000 Leute einen
(guten) Song mitsingen. Das war Stadionrock der guten Sorte und ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte!

Nach anderthalb Stunden (und B.S.S.) war Teil eins beendet. Die Vier erschienen dann nach ein paar Minuten (und sicher dem ein oder anderen Drink) wieder und spielten 15 Minuten Zugaben, die mit "Come on" endeten.

Schön, daß The Verve zurück sind! Ganz sicher demontiert die Band damit nicht den Ruf, den sie sich mit ihren drei Alben vor Jahren gemacht hat. Also ein gutes Comeback!

Setlist The Verve SECC Glasgow:

01: A new decade
02: This is music
03: Space and time
04: Gravity grave
05: Weeping willow
06: Life's an ocean
07: Sonnet
08: Sit and wonder
09: Velvet morning
10: Lucky man
11: Stormy clouds
12: On your own
13: Rolling people
14: Drugs don't work
15: Bitter sweet symphony

16: Man called sun (Z)
17: History (Z)
18: Come on (Z)

Links:

- Mehr Fotos sind hier.




 

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