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Samstag, 8. März 2014

We are scientists, Oxford, 06.03.14

1 Kommentare

Konzert: We are scientists mit Supports:
      The Heartbreaks und Superfood
Ort: O2-academy in Oxford
Datum: 6. März 2014
Dauer: 25 min + 25 min + 90 min
Zuschauer: ausverkauft (etwa 600)


In Oxford war ich, um mich auf einer Tagung mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Für den Abend gab mir der Aufenthalt aber auch die Gelegenheit zu schauen, wie so ein "richtiger" Gig in Oxford funktioniert. Den Briten wird ja nachgesagt, dass sie zu ihrer englischen Gitarrenmusik ordentlich abgehen können. Ich schicke voraus, dass We are scientists nicht wirklich meine Lieblings-Musik machen - es ist ok, wenn man sich zum tanzen auf Konsensmusik einigen muss, aber mehr auch nicht. Irgendwie schwingt bei mir auch das Gefühl mit, dass sie ihre beste Zeit schon eine Weile hinter sich haben. Nun gibt es aber seit dem 3. März ein neues Album (Platten vor Gericht hat es schon gehört) und Oxford war die erste Station einer ausgedehnten Tour durch UK, Resteuropa und die Staaten zum neuen Album TV en Français. Da auch diverse Daten in Deutschland (siehe unten) anliegen, sehe ich den Bericht auch ein Stück als Service an unsere Leserschaft.


Als ich mich kurz vor der Abreise nach Oxford damit auseinandersetzte, wie der Abend in der O2-academy ablaufen würde, waren gerade zwei Supportbands bekannt gegeben worden. Beide aus Nordengland,  nämlich The Heartbreaks aus der Küstenstadt Morecambe in Lancashire und Superfood aus Birmingham. Besonders erstere machten auf mich einen interessanten Eindruck und der Ausflug in die Oxforder Clublandschaft wurde damit deutlich attraktiver.


Außerdem wurden für mehrere Stationen akustische Sets in örtlichen Plattenläden angekündigt. Ich bin ja ein großer Fan von akustischer Reduzierung auf das Wesentliche und hatte mir deshalb für den Abend 18 Uhr den Plattenladen ins Programm geschrieben. Als ich ankam, war es gefüllt, aber nicht übervoll und es ging auch ganz püntklich los. Die zwei Musiker Keith Murray und Chris Cain hatten offensichtlich viel  Spaß, aber ich muss sagen, dass wohl für diese Art Musik die akustische Variante nicht so gut geeignet ist. Ich fand, dass alle Songs irgendwie gleich und darüber hinaus belanglos klangen.


Schon 19:15 Uhr sollte es dann mit The Heartbreaks etwa 100 m die Straße hinunter in der O2-academy losgehen. Zu der Zeit war dort aber noch kaum jemand da, und das änderte sich auch nicht, bis es dann 10 min später tatsächlich losging. So spielte die meines Erachtens beste Band des Abends vor fast leerem Raum. 


Ich fand es sehr niedlich, dass neben mir ein (sehr) junger Mann schon bei der Musik vom Band die meisten Songs Wort für Wort mitsingen konnte (er tat das sehr dezent und in sich gekehrt) und dann auch bei We are scientists absolut textsicher war, aber nach dem Gig von The Heartbreaks zu mir schaute wie ich mir ein paar Sachen notierte und erst einmal fragen musste, was der Name der Band gewesen war. Aber ich glaube, sie hatten sich an dem Abend in ihm mindestens einen neuen Fan gemacht!


Die Jungs von The Heartbreaks sind wohl eigentlich zu viert: Sänger Matthew Whitehouse bindet einen großen Teil der Aufmerksamkeit,  Songwriter and Drummer Joseph Kondras war für mich versteckt,  Ryan Wallace an einer sehr auffälligen weißen Gitarre und am Bass Christopher Deakin. Sie hatten an dem Abend aber noch Verstärkung mit einer zusätzlichen akustischen Gitarre.  Die Musik ging ganz unmittelbar in die Beine und die Jungs spielten wirklich druckvoll und begeistert auf und das wurde vom Publikum auch honoriert. In der Musik und der Stimmfarbe des Sängers liegen gewisse nordenglische Referenzen offen, die zu Vergleichen mit großen Vorbildern alternativer Rockmusik einladen, aber sie wirkten dabei doch selbst ganz frisch und interessant. Der Sänger wusste zu posen und warf sich mit jugendlichem Ungestüm in diese Rolle.



Für mich war das deshalb eindeutig der beste Teil des Abends. Im Mai soll es ein zweites Album der Jungs geben. Mal sehen, wie das ankommt.

Setlist The Heartbreaks:
01: Remorseful
02: Delay, delay
03: No Pasaràn!
04: This is not entertainment
05: Absolved
06: Hey, hey Lover


Der Umbau zum zweiten Support wurde relativ fix und unprätentiös vollzogen, Teile des Schlagzeugs blieben stehen und so konnte es schon bald weitergehen. Der Saal war nun auch schon besser gefüllt. Optisch waren die Superfoods mit einer Person weniger auf der Bühne, einem Mädchen am Bass und einem sehr großen dunkelhäutigen Mann an der zweiten Gitarre eine ganz andere Truppe. Aber die Musik hatte doch gewisse Ähnlichkeiten.


Sie war rotzig und treibend. Sänger Dom Ganderton hatte eine typische no-nonsense Stimme, die sich irgendwie auch ständig über sich selbst lustig zu machen schien. Mitunter gab es auch künstlich verquere und quietschende Gitarren. Der Hühne an der zweiten Gitarre sang häufig in überraschend hoher Stimmlage dazu und die Bassistin war einfach nur ultracool.


Superfood hat gerade eine neue EP draußen und wird im Mai eine Headliner Tour in Großbritannien stemmen.

Setlist Superfood:
01: Bubbles
02: Melting
03: Right on satellite
04: It's good to see you
05: Parking lot
06: TV
07: Superfood


Für We are scientists wurde gründlich umgeräumt. Das Schlagzeug kam ganz nach hinten, so dass die beiden Protagonisten am Bühnenrand sehr viel Raum hatten für witzige Tanzeinlagen. Den nutzten sie in den folgenden 90 min auch ordentlich aus. Das Publikum brauchte keine weitere Ermutigung um sofort total abzugehen. Wobei sich doch deutlich zeigte, welche Songs vom neuen Album kamen. Dort war man noch nicht so textsicher und auch ein bisschen verhaltener. Ich wurde jedenfalls von wildfremden und sehr glücklichen Leuten in der zweiten Reihe umarmt und mitgenommen. Es war aber irgendwie sehr nett.


Es verwundert deshalb auch nicht, dass die Setlist überwiegend die alten Kracher enthielt auf die das Publikum wartete und die neuen (mit * gekennzeichneten) nur vorsichtig dazwischengestreut wurden. Nach jedem Song wurde das bunte Bühnenlicht durch zwei weiße Scheinwerfer auf die beiden Sänger ersetzt und sie lieferten sich mehr oder weniger lustige Wortgeplänkel. Am Schlagzeug hatten sie Keith Carne mitgebracht und nicht Andy Burrows - mit dem sie für das Album zusammengearbeitet haben.



Nach einiger Zeit habe ich mir dann die Sache lieber von einem Sofa ganz hinten angesehen. Dort wurde das Geschehen vorn auf der Bühne via großem Monitor gezeigt. Summa summarum hat mich das Konzert der Wissenschaftler auf der Bühne - trotz der enthusiastischen Fans - nicht wirklich aus den Puschen gehauen hat. Wer aber die alten Songs noch einmal live sehen will, wird wohl auf der Tour gut bedient werden.
 
Setlist We are Scientists:
01: Return the Favor *
02: After Hours
03: I Don't Bite
04: Nobody Move, Nobody Get Hurt
05: Dumb Luck *
06: Rules Don't Stop
07: It's a Hit
08: Sprinkles *
09: Textbook
10: What You Do Best *
11: Chick Lit
12: This Scene Is Dead
13: Nice Guys
14: Central AC
15: Make It Easy *
16: Dinosaurs

17: Can't Lose (Z)
18: Slow Down (Z) *
19: The Great Escape (Z)



Konzerte:

07.03.    Junction    Cambridge,           
08.03.    Stylus    Leeds,       
09.03.    Ritz    Manchester,       
11.03.    Academy    Newcastle Upon Tyne,       
12.03.    ABC    Glasgow,       
13.03.    Rock City    Nottingham,       
15.03.    Institute    Birmingham,       
16.03.    Waterfront    Norwich,       
17.03.    University    Southampton,       
19.03.    Academy    Bristol,       
20.03.    Shepherds Bush Empire    London
  
22.03.    Bitterzoet w/PAWS    Amsterdam,   
23.03.    Knust w/PAWS    Hamburg,       
24.03.    Lido w/PAWS    Berlin,       
26.03.    Flex w/ PAWS    Wien,      
27.03.    Ampere w/PAWS    München,       
28.03.    M4 Music Festival    Zürich,  
30.03.    Luxor w/PAWS    Köln,  
31.03.    La Maroquinerie w/PAWS    Paris,


Aus unserem Archiv:
We Are Scientists, Highfield, 15.08.08
We Are Scientists, Luxemburg, 21.06.08
We Are Scientists, Paris, 16.11.06
We Are Scientists, Köln, 14.11.06



Samstag, 16. August 2008

We Are Scientists, Highfield Festival, 15.08.08

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Konzert: We Are Scientists
Ort: Highfield Festival, Hohenfelden bei Erfurt
Datum: 15.08.2008
Zuschauer: volles Coca Cola Zelt
Konzertdauer: gut 55 Minuten



Stau, Stau, Stau - Mist! Mist ! Mist!


Es ging wirklich nicht voran in Richtung Erfurt und so mussten wir nicht nur die Subways frühzeitig abschreiben, sondern auch Tocotronic und Yeasayer. Schade, schade! Und circa. 10 Kilometer vor Hohenfelden kam der Verkehr dann völlig zum Erliegen. Flippige, junge Menschen stiegen aus ihren Autos, hielten ein Schwätzchen mit den anderen Leidensgenossen, oder gingen teilweise den restlichen Weg zu Fuß! Durch eine herrliche Hügellandschaft mit satten grünen Wäldern und zalreichen Apfelbäumen ging es anschließend via Stop And Go weiter, bis wir endlich aus der Ferne das an einem hübschen Stausee gelegene Gelände erblickten.

Kurz vor den Parkplätzen kam mir dann ein Polizist entgegengesprungen und meinte in thüringer Mundart: "Machen sie mal die Nebelschlussleuchte aus!" - Der Kerl hatte recht, aber ich hatte vielleicht im Unterbewußtsein schon antizipiert, daß es auf der nächtlichen Rückfahrt extrem nebelig werden würde. Und kalt war es hier, schweinekalt! Meine Frau bibberte trotz dicker Jacke! Bärbeißige Ordner hatten uns zuvor den Parkplatz zugewiesen und schnautzten jeden an, der links von uns parken wollte, weil sie dort eine Durchfahrt freilassen wollten. Die Burschen hätten freundlicher sein können, es gab kein Grund die anderen Leute so ruppig anzupacken. Das war aber noch harmlos gegen die Behandlung, die einem Crowdsurfer beim Auftritt von We Are Scinetists zu teil wurde! Ein glatzköpfiger, überaus bulliger Security-Tip packte ihn am Hals und schleifte ihn im Würgegriff bis zum Ausgang. Man glaubte, ein Schwerverbrecher sei auf frischer Tat ertappt worden. Gewiss, Crowdsurfing ist seit circa zwei Jahren beim Highfield verboten und das hat auch gute Gründe, aber muss man wirklich die Leute so grob behandeln? Ich war empört! Zuvor hatte mich schon ein Besoffener auf unflätige Art und Weise aus dem Wege geschoben, so dass meine ersten Eindrücke von dem Festival leider nicht sonderlich gut waren. Hinzu kam, dass das Gelände völlig überfüllt war und man kaum treten konnte.

Aber ich muss auch mal etwas Nettes sagen: Pressepass und Bändchen bekam ich im Nu, auch meine Frau, die nicht akkrediert war, musste überhaupt nicht warten. Und der Verkäufer am Crepes-Stand war wirklich sehr höflich und zuvorkommend...

Achso, ein Konzert habe ich übrigens auch noch gesehen. Allerdings kein gutes, was zu erwarten war. Die witzigen Amis von We Are Scientist haben auf dem ersten Album schon ihr gesamtes Pulver verschossen und lieferten neben den alten Hits wie "Nobody Moves, Nobody Gets Hurt" und "The Great Escape" nicht viel Brauchbares ab. Und mal ehrlich: Die Musik von We Are Scientists ist doch wirklich insgesamt ziemlich scheußlich, oder etwa nicht?

Setlist We Are Scientists (offizielle Version, eigentlich haben sie das Ganze etwas abgewandelt):

01: Nobody Moves
02: Chick Lit
03: Scene Is Dead
04: Inaction
05: Impatience
06: Let's See It
07: Cash Cow
08: Can't See
09: Callbacks
10: That's What Counts
11: After Hours
12: Textbook
13: Dinosaurs
14: It's A Hit
15: Lethal
16: The Great escape



Samstag, 21. Juni 2008

We Are Scientists, Rock A Field, 21.06.08

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Konzert: We Are Scientists
Ort: Rock A Field, Luxemburg
Datum: 21.06.2008
Zuschauer: ein paar Tausend
Dauer: 55 min


Vor zwei Jahren waren We Are Scientists der Running Gag der Musikszene. Egal ob man wollte oder nicht, wenn man ab und zu Konzerte oder Festivals besuchte, kam man an den Kaliforniern nicht vorbei. Oliver hat die Band siebenmal gesehen, meist als Vorgruppe oder auf Festivals, auch ich komme auf drei oder vier We Are Scientists Auftritte. Spaß hatten mir diese Konzerte immer gemacht, zum einen, weil des 2005er Album der nerdigen Band ("With Love and Squalor") einige tolle Lieder wie "Cash cow", "Noboby move, nobody get hurt" oder "Lousy reputation" enthält, zum anderen, weil die Amerikaner auch abseits der Songs hoch unterhaltsam waren.

2008 erschien eine neue Platte, die ich mir kaufte und einmal hörte, kurz vor dem We Are Scientists Konzert im Kölner Gloria, für das ich eine Karte hatte. Zu dem Gig an Ostermontag schaffte ich es nicht, heftiges Schneechaos mit rutschenden Autos auf der A3 verhinderten, daß ich nach Köln kam. Ganz schlimm fand ich das nicht, denn "Brain Thrust Mastery" klang sehr langweilig und verschwand schnell aus meinem Bewußtsein.

Erst als das Line-Up von Rock A Field veröffentlicht wurde, tauchten die Wissenschaftler wieder in meinem Musikleben auf. Letztes Jahr hatte mir das
Festival in Luxemburg sehr viel Spaß gemacht, sodaß ein Blick auf das diesjährige Programm reichte, um zu entscheiden, auch dieses Jahr wieder nach Roeser zu fahren. Die Babyshambles, The Verve, The Cribs und später noch The Kooks klangen sehr verlockend. Die Babyshambles wurden dann durch Dirty Pretty Things ersetzt, die vor wenigen Tagen wegen einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung von Carl Barât absagen mußten. Trotzdem blieb ein interessantes Programm mit einigen echten Großkarätern für dieses Tagesfestival.

Das Rock A Field Gelände liegt nicht weit von der luxemburgisch-französischen Grenze entfernt auf einer großen Lichtung. Die Organisation ist überragend. Angefangen bei offiziellen digitalen Hinweisschildern über der Autobahn, bis zu abgesperrten, von Polizei bewachten Zufahrtsstraßen, professioneller kann man solch ein Festival nicht organisieren! Am meisten beeindruckte mich aber das Parken. Die Park and Ride Schilder führten mich auf ein Fabrikgelände, in dem die
Autos in leeren Hallen parkten! Großartig! Von da pendeln Busse zum zehn Minuten entfernten Wald bei Roeser. Ein viertelstündiger Fußmarsch führt dann zur Musik.

Als ich da um kurz vor vier ankam, spielte gerade Antiflag aus Pittsburgh, die die Rolle der lauten Billy Talent vom vergangenen Jahr übernahmen. Antiflag waren etwas leiser und besser als die Kanadier 2007, meine Musik ist das trotzdem nicht.

Die erste Band, die mich interessierte, war dann - Überraschung! - We Are Scientists.
Es hatten sich um fünf ziemlich viele Leute vor der Bühne versammelt. Von der ursprünglichen Besetzung der Scientists (die ich mal als Wir sind Helden Vorgruppe gesehen habe, an einem "Wir sind..."-Mottotag...) gibt es nur noch Sänger Keith Murray und Bassist Chris Cain. Der bärtige Drummer Michael Tapper hatte die Band im vergangenen November verlassen. Es erschien aber nicht nur ein Ersatzschlagzeuger, die Scientists haben zumindest live jetzt auch einen Keyboarder bzw. zweiten Gitarristen. Ob die beiden nun feste Bandmitglieder sind, weiß ich nicht, an mancher Stelle wird das behauptet, die offizielle Website spricht aber weiter nur von Cain und Murray als We Are Scientists.

Sehr solide fing es an, "
Nobody move, nobody get hurt" ist ohne Zweifel ein gutes und unterhaltsames Lied. Aber schon "Chick lit" vom neuen Album im Anschluß dämpfte meine ersten Eindrücke. Musikalisch alles andere als spannend, obwohl das Lied die zweite Singleauskopplung der CD ist. "Alles andere als spannend" könnte auch die Überschrift dieses Berichts sein (hätten wir so etwas), denn dieses Urteil gilt auch für die meisten der folgenden Stücke. Von den neuen Liedern, die ich eben kaum kenne, ist eigentlich nur eines haften geblieben, das mit einem Elektrobeat untermalt ist, der hip klingt und fast ein wenig an MGMT erinnert, "Impatience" heißt dieser Lichtblick.

Daß ich nicht ungeduldig wurde, lag an Liedern wie "Cash cow" oder "It's a hit", bei denen es schön war, sie wieder einmal zu hören, und, und das ist die eigentlich Stärke der Band, an den köstlichen Ansagen von Chris und
Keith. Ein wenig kann man das mit Tennis-Oldies wie Mansour Bahrami vergleichen, da geht es den Zuschauern ja auch nicht um die erspielten Punkte.

Da war erst einmal die Aufforderung, doch auf die
Schultern der Nachbarn zu steigen. Die Security-Leute vor der Bühne bekamen Alpträume. Aber wie sollten sie das verhindern, wenn die Band dazu aufruft? Wörtlich folgte das Publikum den Kaliforniern aber nicht, es sollte nämlich ein riesig hoher Turm gebaut werden.

Ihre Französisch Kenntnisse bewiesen sie mit dem Satz "Wußtet Ihr, daß Rob Schneider* immer noch Schauspieler ist?" "C'est incroyable!"

Sollten wir wegen ihres Auftritts erkranken, bezahlten sie unsere Arztrechnungen. Wir sollten uns melden. Später am Tag erschien Keith Murray mit seiner ergrauten Popper-Frisur auf dem Festivalplatz und wurde sofort von Leuten umringt. Ob die das Versprechen einforderten?

Eines der Lieder widmeten sie einem Mann mit gebrochenem Arm. "Wo ist das
passiert?" - "Ich bin vom Motorrad gefallen" - "If there is one single message from We Are Scientists: ' Bikes are not for humans!' Wenn Gott Motorräder gewollte hätte, hätte er welchen erschaffen. Das mussten aber die Menschen tun!"

Mein Liebling war aber ganz eindeutig die Aufforderung an alle, sich umzudrehen und den Benutzer des Bungee-Apparats, der hinten auf dem Platz installiert war, anzugucken. "Bitte seht Euch diesen Typen an, der ist so gut wie tot!"

Setlist We Are Scientists, Rock A Field, Luxemburg:

01: Nobody move, nobody get hurt
02: Chick lit
03: This scene is dead
04: Inaction
05: Impatience
06: Let's see it
07: Cash cow
08: After hours
09: That's what counts
10: It's a hit
11: Dinosaurs
12: Lethal enforcer
13: The great escape

Links:

- We Are Scientists in Paris am 16.11.06
- und in Köln am 14..11.06
- mehr Fotos


* ich verwechsele immer Rob Schneider und Roy Scheider. Da letztgenannter aber kein Schauspieler mehr ist, war es wohl Rob Schneider, den sie meinten.



Freitag, 17. November 2006

You say party! We say die!, We are Scientists, Paris, 16.11.06

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Konzert: You say party! We say die! & We are Scientists
Datum: 16.11.2006
Location: La Maroquinerie, Paris
Zuschauer: ausverkauft


Eigentlich hatte ich mich pünktlich in meine ultracoolen texanischen Cowboystiefel von Lucchese geschwungen, aber die durch den Aufriß der kompletten rue de menilmontant entstandenen Bauarbeiten, die für Verspätungen im Busverkehr sorgten, verhinderten wieder einmal ein rechtzeitiges Eintreffen.

Somit mußte ich den ersten Act des jeden 3. Donnerstag stattfindenden Inrocks-Indieclub ausfallen lassen, es handelte sich um Tchen Tchen. Wenigstens war ich aber pünktlich für die aus Vancouver, Kanada stammenden You say party! We say die! Der heutige Abend stellte ein wenig ein Kontrastprogramm zu meinem gestrigen dar, den ich auf dem Hausboot Batofar verbracht hatte. Dort spielten durchweg französische Dreampop-Gruppen, wie z.B. Chateau Marmont, Tahiti 80 und Fugu. Heute war eher rockigeres bis punkigeres angesagt. Punk ist das Stichwort, denn den Stil der Kanadier kann man als Punk-Pop bezeichnen, der im Moment ziemlich angesagt ist, was erfolgreiche Gruppen wie die Yeah Yeah Yeahs, Be your own pet und Love is all belegen. All diese Gruppen eint wohl mehr oder weniger, daß sie Abkömmlinge von Blondie sind. Los ging es mit "Stockholm Syndrome Teil 1 und Teil 2", um dann schon den bisher größten Hit "You did it" folgen zu lassen. Dem Publikum gefiel's, mir auch. Damit hatte die Band um die braungelockte, freche Sängerin Becky aber bereits ein paar der besten Lieder verbraten. Nicht, daß der Rest des Sets schlecht war, nein, nein, aber man merkte doch so langsam, daß sich die Songs alle ein wenig ähneln. Vielleicht deshalb auch der Kommentar von Becky: "Wir spielen heute einige neue Stücke, einige der alten langweilen uns schon." Ich fragte mich, was alt bedeutet, denn das Debütalbum ist gerade erst erschienen. Die "neuen" Titel waren auf jeden Fall nicht übel, genannt seien hier "Poison Preachers" und "Sugar Monster". Den Kanadiern selbst machte es sichtlich Spaß in der französischen Hauptstadt zu spielen. "It's our first time in Paris, we are so excited." Ein paar der Zuschauer fragten bereits, wann sie denn wiederkämen. "Oh, frühestens im Frühjahr, leider.." Vielleicht werde ich dann auch dabei sein, denn was hier geboten wurde, war zumindest kurzweilig, wenngleich nicht sonderlich originell. Aber es muß ja auch nicht alles immer innovativ sein, um die Leute aufzuwärmen hat es allemal gereicht.

Setlist:
01: Stockholm Syndrome, Part 1
02: Stockholm Syndrome, Part 2
03: You did it!
04: Mayors (neu)
05: Five year plan (neu)
06: Midnight snack
07: Love in the new millenium
08: Poison Preachers (neu)
09: Sugar Monster (neu)
10: Cold hands, hot bodies
11: Me, She....

12: The Gap (between the rich and the poor)
13: Care (neu)

Die anschließenden Umbauarbeiten dauerten dann ziemlich lange, belustigend war allerdings, daß die Roadies T-Shirts von Metallica, bzw. den Arctic Monkeys trugen.

Um zehne ging dann das Licht aus und zum siebten Male hieß es für mich: "Hello we are Scientists". Eigentlich war es aber eine Premiere, denn die Wissenschaftler hatte ich bisher immer nur als Vorgruppe oder im Rahmen von Festivals gesehen.

Der Beginn war aufgrund der umfangreichen Schilderung von Christoph dann keine Überraschung mehr, denn zur Verblüffung der Nichteingeweihten erklang "Against all odds". Die Amerikaner scheinen vor nichts zurückzuschrecken! Relativ bald verklang aber die schmalzige Nummer und es ging mit meinem Lieblingslied "Cash Cow" gleich in die Vollen. Der Auftakt war also gelungen.

Nach ein paar mäßigeren Titeln wurde ich aber wieder daran erinnert, daß We are Scientists leider nicht beständig gut sind. Mir schwante auch woran das lag: Sänger Keith hat schlichtweg keine überragende Stimme! Die melodiösen Gitarrenriffe, markanten Bassläufe und vor allem das stakkatoartige Schlagzeug sind aber schon was Feines. Diese Stärken kamen dann insbesondere bei "Nobody move..." oder auch "Lousy reputation" zur Geltung. Dazwischen aber immer wieder durchschnittliche Kost, wozu ich auch leider die meisten neuen Songs zählen muß. Ich weiß nicht, ob das zweite Album ein großer Wurf wird. Schaun' mer mal. Immer wieder lustig allerdings die Dialoge zwischen Sänger Keith und Bassist Chris. Erinnerte fast ein wenig an Kienzle & Hauser. So erklärten sie uns z.B. warum sie Bodyguards bräuchten ("wir reden immer so viel dummes Zeug, das könnten ein paar Leute mißverstehen") und daß sie gerne noch in Paris blieben und nicht viel Lust auf den anstehenden Gig in Lille hätten. "Paris ist toll, wir haben schon ein englichsprachiges Kino ausfindig gemacht, das reicht uns schon.." Zum Ende hin wurde aus auch noch mal musikalisch stärker, denn sie brachten die Zugnummern "Inaction" und "The great escape". Dann verließen sie die Bühne und jeder dachte, es sei zu Ende. Zur Überraschung aller kamen sie aber noch mal zurück und beendeten das Konzert, wie sie es begonnen hatten. Mit einer Coverversion nämlich und zwar der Schmonzette "Be my baby" von den Bay City Rollers (oder war das von den Searchers?). Ein versöhnlicher Abschluß eines Konzertes einer passablen Band, die, wenn auch musikalisch nicht ganz in der Champions-League des Indie-Rock spielend, doch zumindest immer wieder sehr unterhaltsam ist.

von Oliver



Dienstag, 14. November 2006

We are Scientists, Live Music Hall Köln, 14.11.06

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Konzert: We are Scientists
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 14.11.06
Wohl nicht ganz ausverkauft


Das, was ich bei Klee über Ralf aus Bielefeld geschrieben habe, gilt hier für Oliver. Wenn jemand, der einen guten Musikgeschmack hat, eine Band (bald oder jetzt schon) siebenmal gesehen hat, muß an der etwas dran sein. Ich hatte We are Scientists bisher zweimal gesehen, einmal als Vorgruppe, einmal bei strömendem Regen in Haldern, jeweils mit dem gleichen Set und wollte sie der Komplettheit halber auch als Hauptgruppe erleben.

In der Live Music Hall in Ehrenfeld war ich noch nicht, der Raum hat aber gleich Pluspunkte gesammelt, weil er hoch, nicht verqualmt und gut erreichbar ist.

Um Punkt acht Uhr traten eine junge Frau (Orgel) und ein Mann (Schlagzeug) auf die Bühne: Mates of state aus Connecticut. Deren Lied "Fraud in the 80s" war auf irgendeinem Sampler im Oktober und hatte mir sehr gefallen (tut es jetzt noch). Die Musik der beiden ist schwer zu beschreiben. Schlagzeug und Orgel ganz ohne Gitarren, dafür aber mit schöner Stimme sind eine reizvolle Kombination und zu meinem Erstaunen kam das auch an. Noch erstaunter war aber Sängerin Kori Gardner, als jemand aus dem Publikum Wünsche nach vorne brüllte. "Da kennt uns einer". Bei einem der Lieder kam Scientist Keith Murray zum Schlagzeug und trug "Lalalas" zum Refrain bei.

Nach einer guten halben Stunde gab der Chefaufbauer per Taschenlampe dem Mann am Mischpult Zeichen, daß es losgehen solle. Was dann kam, ließ sehr Böses erwarten: Aus den Lautsprechern quoll "Against all odds" von und mit Phil Collins. Mittig im Lied kamen die drei Scientists auf die Bühne und stimmten in das Werk ein. Von da an wurde ich mein Dauergrinsen nicht mehr los, weil das Konzert von Anfang bis Ende allerhöchste Unterhaltung bot.


Nach "Against all odds" spielten We are Scientists 16 Lieder. Das erste eigene Stück war "Cash Cow". Und das Publikum war von Anfang an aus dem Häuschen. Neben den grandiosen Albumtiteln standen eine B-Seite ("Mucho mas") und neue Lieder ("Surprise", "Best behaviour" und "Tonight tonight") auf dem Programm. Von den neuen Sachen war "Tonight tonight" (nicht von Phil Collins!) besonders einprägsam. Anfangs war nicht furchtbar viel Zeit zum Luftholen, weil ein Hit nach dem anderen kam, ohne daß nennenswerte Pausen zwischen den Liedern gemacht worden wären. Am größten war die Begeisterung bei den nacheinander gespielten "Lousy reputation" und "Nobody move". Schlagzeuger und Vollbartträger Michael Tapper war davon wohl so angesteckt, daß er bei "Nobody moves" vollkommen aus dem Takt war, was auch Sänger Keith köstlich amüsierte.

Dann aber entdeckten die ersten Stagediver, daß die Bühne zwar hoch war (1,40 m) aber nicht zu hoch für einen echten Abenteurer. Und einer nach dem anderen kletterte nach oben, um dann mehr oder weniger mutig wieder nach unten zu springen. Das nahm kein Ende mehr. Und dadurch entstanden dann doch längere Pausen. Erst fing Keith an, den willigen Springer mit Fußtritten nachzuhelfen. Später, als es immer doller wurde (Paare auf der Bühne, eine Frau, die sein Bier leertrank), übernahm das Aufbauhelferlein die Aufgabe, die Besucher zu entsorgen, indem er sie zurück in die Menge schubste. Ein herrliches Bild (siehe links). Bei einem ganz penetranten Besucher, der in einer Liedpause keinerlei Anstalten machte, endlich wieder zu springen, bat Keith, ihn dann ganz weit durch die Halle zu tragen, ganz lange, um dann noch scheinbar leise hinterherzuschicken, wir sollten ihn doch bitte auf den Boden fallen lassen. "I've never met people that liked jumping so much. It's amazing." "And we've been to Autralia."

Nach gut einer Stunde war Schluß. Das Abschiedslied war passenderweise "Great escape". Spektakulärerweise tauchte dazu Mate of State Sängerin Kori mit Kind (2?) auf, das riesige Gehörschutz-Kopfhörer und E-Gitarre trug. Die beiden tanzten aber nur im Hintergrund rum. Ein grandioses Konzert einer äußerst unterhaltsamen Band mit vielen Hits. Ich kann "We are Scientists" uneingeschränkt empfehlen.

Setlist We are Scientists:

01: Against all odds
02: Cash cow
03: Worth the wait
04: Surprise
05: Lousy reputation
06: Nobody move
07: What's the word
08: Can't lose
09: Callbacks
10: Best behaviour
11: It's a hit
12: Mucho mas
13: Textbook
14: Tonight tonight
15: Scene is dead
16: Inaction
17: Great escape

 

Konzerttagebuch © 2010

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