Posts mit dem Label Ramona Falls werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ramona Falls werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 10. Oktober 2009

Ramona Falls & Dear Reader, Wien, 08.10.09

0 Kommentare

Konzert: Ramona Falls & Dear Reader
Ort: Chelsea, Wien

Datum: 08.10.2009
Zuschauer: etwa 150


von Julius aus Wien

Ein Dear Reader-Experte, wie es Christoph und auch Oliver sind, bin ich zugebenermaßen nicht, aber vielleicht ist es ja auch ganz reizvoll, mal einen Bericht von einem „Laien“ zu lesen. Ganz unbewandert bin ich aber auch nicht, ich kann den Auftritt der Südafrikaner im fernen Haldern auf mein virtuelles Konzert-Konto verbuchen. Und als sie für FM4 im Rahmen eines exklusiven Überraschungskonzerts das Radiokulturhaus bespielt haben, war ich zumindest per Videostream dabei.

So hatte ich schon eine recht gut Vorstellung von dem, was mich erwarten würde, als ich mich auf den Weg zum Wiener Chelsea machte, einem Indie-Schuppen am Gürtel, der wochenends immer grausam überfüllt ist. Dass es an diesem Abend etwas gemütlicher zugehen würde, stand aber außer Zweifel. Da fährt die Eisenbahn drüber, wie man so schön sagt, nur dass es in diesem Fall die U-Bahn ist, liegt das Chelsea doch in einem der U-Bahn-Bögen der U6-Hochtrasse. So kann es leicht mal sein, dass ruhigere Momente eines Konzerts vom Rumpeln der Waggons direkt über den Köpfen der Musiker etwas verfremdet werden. Meist führt so ein „Zwischenfall“ bei der jeweiligen Band aber nur zu einem leichten Schmunzeln und besonders gut gelaunte Bands, zu denen Dear Reader auf jeden Fall gezählt werden müssen, haben ihren Spaß an diesen Einlagen.

Kurz vor zehn, die U-Bahn fährt jetzt nur mehr im 6-Minuten-Takt, schlängeln sich Dear Reader durchs Publikum, einen Backstageraum gibt es im Chelsea nicht. Zu fünft standen Dear Reader schließlich auf der Bühne, unter ihnen auch Brent Knopf, der Produzent von Dear Reader und Kopf von Menomena, der mit dem Vierer aus Johannesburg als Ramona Falls den Hauptact im Chelsea geben sollte. Doch dazu später, denn Dear Reader fangen ohne große Umschweife und salbungsvolle Ansprachen an und geben Never Goes zum Besten, ein Song über Einsamkeit mit allem Drum und Dran, dass eine heutige Indie-Band im Normalfall im Repertoire hat: Streicher, zartes Geklimper am Keyboard, etwas Chorgesang und – je nach Abend und Auftritt – auch hübsches Gepfeife.

Nun stellten sich Dear Reader vor, sie würden sich freuen, wieder „back again“ zu sein, sagte Cherilyn und gewinnendere Lächeln als die, mit denen sie ihre phasenweise auftretene Schüchternheit zu überspielen versucht gibt es einfach nicht. Nach sympathischeren Menschen als es alle fünf, die da auf der kleinen erhöhten Fläche gedrängt stehen, kann man lange suchen. Die bedingungslos ausgelebte Liebenswürdigkeit, für die man etwas übrig haben muss, ist Programm. Das zeigt sich an der höflichen Anrede (lieber Leser, liebes Herz etc.), genauso wie an der Interaktion mit dem Publikum. Und diese ist natürlich um einiges besser als am Haldern. Je kleiner der Rahmen, in dem das Konzert statt findet, desto besser, meine ich. Und dass zwischen dem frühen Nachmittag und dem späten Abend natürlich ein großer, ein existenzieller Unterschied ist, ist auch unbestritten.

Das angesprochene „liebe Herz“ (also auf Deutsch klingt das nicht sehr schön...) wurde dann in Dearheart behandelt, gleich darauf folgte mit Bend mein erster persönlicher Höhepunkt: „If you do not bend, you will eventually break.“ Bei den in diesem Song vorkommenden Back-Vocals (bap bap bap) tat sich Brent Knopf erstmals hervor. Die Arme auf dem Rücken verschränkt und leicht vornüber gebeugt, wippte er leicht mit dem Kopf hin und her und konzentrierte sich mit geschlossenen Augen auf seinen nicht allzu einprägsamen Text. Ganz brav wirkte er hier, doch man merkte, dass man hier einen ausgemachten Schelm vor sich hatte. Diesen sollte man aber erst beim Auftritt von Ramona Falls bewundern dürfen, das Dear Reader-Set ging mit What We Wanted weiter. Ein Zuschauer ließ sich zur Aussage „What we wanted, is Dear Reader!“, woraufhin sich eine hübsche kleine Konversation dieses Mannes mit Cherilyn entwickelte. Einer der besten Aspekte an Dear Reader ist ja das akzent- und slangfreie Englisch, das jeder, der mit ein paar Jahren Schulenglisch ausgestattet durch die Welt geht, sowohl Songs, als auch Ansagen auf Konzerten problemlos versteht. Jeder, der auch nur einmal eine schottische Band gesehen bzw. gehört hat, weiß was er an den Südafrikanern phonetisch hat. Fran von Travis und die Glasgower Mogwai sind nur die Speerspitze einer Nation von Brabblern und Brummlern. Aber das soll jetzt keine Verunglimpfung der Schotten werden, zu sehr mag ich die zwei eben erwähnten Bands, sondern vielmehr will ich meiner Freude über die Schönheit des simplen Standardenglisch der Südafrikaner Ausdruck verleihen. Dieses ihr Heimatland thematisierten Dear Reader dann auch in The Same. Out Out Out kündigte Brent mit den Worten an, es sei wieder Zeit für den Rock´n´Roll-Song. Es ist wohl nicht notwendig, hinzuzufügen, wie ironisch er dabei zu seinen Bandkollegen grinste und welch Gelächter er damit erntete. Dear Reader haben mit der rohen Spielweise der Gitarrenmusik einfach wenig am Hut und überhaupt sind sie viel zu freundlich, um auf der Bühne herumzuwüten. Dieses Feld dürfen andere getrost beackern.

Darryl überließ glücklichweise auch das Feld des 80er-Trashs, das er ja in Marburg gründlich bestellt zu haben scheint, den Dorfdiscos und war generell sehr unauffällig.

Mit Heavy folgte der einzige unveröffentlichte Song dieses Abends und mit Release Me und dem Great White Bear zehn wunderschöne Minuten, die das Ende des eigentlichen Sets darstellten. Auch die Geschichte mit dem Eisbär, der für die Wärmebildkamera unsichtbar ist gab Cherilyn zum Besten. Sehr groß war der Applaus dannach und so gab man noch ein Stück zu, welches aus der Zeit, in der Dear Reader noch Harris Tweed hießen, stammte: Better Than This.

Setlist Dear Reader, Chelsea, Wien:

01: Never Goes
02: Dearheart
03: Bend
04: What We Wanted
05: Way Of The World
06: The Same
07: Out Out Out
08: Heavy
09: Release Me
10: Great White Bear

11: Better Than This (Z)

Nach ganz kurzer Umbauphase, die eigentlich nur darin bestand, dass ein Laptop fachgerecht verkabelt wurde, standen dieselben Musiker wieder auf der Bühne. Glücklicherweise sind die Wiener keine Freiburger, sondern wohl eher Menschen vom Schlag des Mittelhessen, um Christoph zu zitieren, das Publikum wusste, was es erwarten darf. Und tatsächlich gab es fast genauso viele Besucher, die wegen Ramona Falls ins Chelsea gekommen waren, wie für Dear Reader. Ich war wohl eher für Dear Reader gekommen und Ramona Falls kannte ich nicht so gut. Was ich dann allerdings von dieser „Supergroup“ (ein absurder Fachbegriff, der zurzeit so inflationär verwendet wird, dass ich diesen auch mal schreiben will) geboten bekomme, begeisterte mich schwer. Freilich kannte ich das Album, aber die Live-Umsetzung war fast noch besser. Für Erheiterung hatte anfangs noch die verblüffende optische Ähnlichkeit Brent Knopfs mit dem österreichischen Stürmer Marc Janko gesorgt, doch von dessen leicht arroganter Art besitzt Brent zum Glück nichts. Vielmehr punket er mit Humor und seiner wahrlich perfekten Stimme, die nicht nur bestens verständlich und klar artikuliert ist, sondern auch sehr angenehm anzuhören. Die musikalische Unterstützung durch seine Freunde von Dear Reader ist ebenfalls absolut wunderbar und dafür, dass sie offenbar tatsächlich erst seit ganz kurzer Zeit zusammen performen, eine Sensation...Die Setlist ähnelt sehr ihrer Kollegin aus Marburg, genau habe ich sie leider nicht notiert. Als Brent jedenfalls ziemlich in der Mitte des Sets Russia ankündigte, fing ein stämmiger Mann direkt neben mir in einer osteuropäischen Sprache – wohl russisch - zu schreien an. Den Grund dafür erfuhren wir leider nicht, denn von Brent freundlich gefragt, ob er aus Russland sei, verstummte er einfach und schwieg. Zu schade, wirklich!

Ramona Falls ließen sich von diesem interessanten Zwischenfall nicht irritieren und überzeugten auch die restlichen 20, 30 Minuten von der Güte ihres Materials, die erstklassig ist.

Interessant ist auch Brents Körpersprache während der gesamten Dauer „seines“ Auftritts. Unaufhörlich versuchte er, seine Augäpfel so zu verdrehen, dass nur mehr das Weiße sichtbar war, was auch mehrmals gelang. Ganz gesund kann das nicht sein, aber spaßig war das allemal. Ob das wohl einen tiefergründigen Sinn hatte? Das, dear reader, müssen Sie wohl selbst beantworten. Ich halte hiermit noch fest, dass dieser achte Oktober ein unglaublich unterhaltsamer Abend war und an den musikalischen Qualitäten der „eineinhalb“ Bands absolut nichts auszusetzen war. Sowohl Ramona Falls als auch Dear Reader haben unglaubliches Potenzial und so freuen wir uns einfach mal auf deren nächste Veröffentlichungen bzw. Konzerte, währenddesssen werde ich mal einen Slawistik-Experten konsultieren.





Mittwoch, 7. Oktober 2009

Dear Reader & Ramona Falls, Marburg, 06.10.09

0 Kommentare

Konzert: Dear Reader & Ramona Falls
Ort: KFZ, Marburg
Datum: 06.10.2009
Zuschauer: vielleicht 400 (fast ausverkauft)
Dauer: Ramona Falls 40 min, Dear Reader gut 60 min


"Was jetzt? Hä?" war einer der Kommentare, die ich mitbekam, als die unbekannte Vorgruppe nach kurzer Pause wieder auf der Bühne erschien. Es hatte sich offenbar nicht rumgesprochen, wer Brent Knopfs Begleitband sein würde oder wie Dear Reader aussehen.

Marburg sollte die letzte Deutschland-Station der gemeinsamen Tour von Dear Reader mit ihrem Produzenten Brent Knopf, im Hauptberuf Sänger der amerikanischen Band Menomena, sein [toller Satzbau!]. Die Geschichte der Zusammenarbeit der beiden haben wir - und Dear Reader - schon öfter erzählt. Seit ihrer gemeinsamen Arbeit jedenfalls sind Brent Knopf und Dear Reader befreundet. Wenig verwunderlich also, daß der Amerikaner für die Europatour seine südafrikanischen Kollegen als Begleitband einspannte. Bei den allerersten Ramona Falls Konzerten in den USA - u.a. als Vorgruppe für Bloc Party und Los Campesinos! - unterstützten ihn noch amerikanische Freunde.

Hätte ich dies alles nicht gewußt und erst hinterher erfahren, hätte ich niemals geglaubt, daß diese Musiker erst seit anderthalb Wochen (als Ramona Falls) zusammenarbeiten, zu gut klang jedes einzelne Stück!

Einiges klang neu arrangiert im Vergleich zu Düsseldorf, dem zweiten Konzert der Tour. Oder es war mir da nicht aufgefallen. Bei Clover zum Beispiel singt Cherilyn, die Dear Reader Frontfrau, nicht nur mit, sie pfeift auch ein Stückchen. Pfeifen ist bei Indiegruppen ja mächtig im Kommen, und auch hier passte dieses zusätzliche Element ganz ausgezeichnet!

The darkest day zählt (zur Zeit) zu meinen Lieblingen der Ramona Falls LP Intuit. Ich dachte auch, daß man das nicht noch besser machen könne. Das ging aber schon noch... Was bei Konzerten anderer Lieblinge noch unglaublich genervt hatte, bewegte mich hier enorm: der Backgroundgesang der beiden Dear Reader Frauen Cherilyn und Jean-Louise! Danach hätte eigentlich nichts mehr kommen müssen. Aber wenn sie noch weiterspielen, kann ich ja auch bleiben...

Auch Russia begeisterte mich wieder sehr. Bei diesem Stück fiel mir besonders auf, wie perfekt Brents Stimme live ist. Wüsste ich es nicht besser (er hat beim Interview in Düsseldorf über musikalische Idole geklagt, die Playback arbeiten), ich wäre auf die Idee gekommen, daß es vom Band kam.

Überraschend gut gefiel mir heute Always right. Zumindest textlich gehört das Stück eigentlich nicht zu den spannendsten Ramona Falls Werken. Im Gegensatz zu I say fever beispielsweise. Ein weiterer großer Liebling.

Nach I say fever gab es die ersten kleineren Probleme. Dear Reader Bratschistin Jean-Louise passte irgendetwas an ihrer Gitarre nicht. Schlagzeuger Michael hatte Going once, going twice schon begonnen und brach ab. Das passte ja zum Titel. Während die Streicherin bastelte, trommelte Brent Knopf ein wenig auf einem der Schlagzeug-Becken rum - und auf Cherilyns Arm, der aber keine hörbaren Geräusche machte. Bis dahin meine liebste Szene des Abends. Aber der sollte noch viel bieten.

Die hübsche grün-weiße* Gitarre funktionierte mitten im Stück wieder und war sehr laut. Ich mochte das; geplant hörte es sich jedoch nicht an.

Melectric, das letzte Lied, kündigte Brent sensationell an. Er sagte bloß leise auf Deutsch "bis später!"

Setlist Ramona Falls, KFZ, Marburg:

01: Salt sack
02: Clover
03: The darkest day
04: Bellyfulla
05: Russia
06: Always right
07: I say fever
08: Going once, going twice
09: Melectric

Welch ein fabelhafter,
musikalisch brillanter Auftakt! Von der Güte ihres Materials mussten mich auch Dear Reader nicht überzeugen. Das hatte ich bereits einige Male erleben dürfen. Nach Düsseldorf überraschte mich auch nicht, daß Brent wieder mitkam. Allerdings hatte sich der Bühnenaufbau ein wenig geändert. Der Gastmusiker stand jetzt nicht mehr in der hintersten Ecke (da parkte nun sein riesiges Keyboard), sondern neben der Streicherin.

Sonst begann alles bekannt. Den Auftakt machten wieder Never goes und Dearheart. Cherilyn waren die irritierten Blicke ob der gleichen Band natürlich auch nicht entgangen. "Die Leute in Freiburg waren sauer. 'Wir haben für zwei Bands bezahlt und sehen nur eine!'" Ich wünschte, ich könnte das für eine witzige Anekdote halten. Aber wir kennen ja unsere Landsleute. Der Mittelhesse war da ganz anders. Das Publikum mag zwar verwundert gewesen sein, die Begeisterung für das Gebotene war aber groß; Band und Publikum hatten viel Spaß!

Noch lief alles normal, es gab eine umgestellte Setlist und den ein oder anderen besonders charmanten Moment. Als Michael zum Beispiel zu seinem Gesangskurzeinsatz am Beginn von Way of the world nach vorne kam und das Publikum ansprach, beendete Cherilyn das lachend mit "no more talking!"

Mit The same begannen dann jedoch stärkere technische Probleme. Cherilyn benutzt bei Dear Reader Konzerten zwei Mikrofone, eines rechts und eines am Keyboard. Während des Lieds schwankte die Lautstärke ihrer Stimme, das Verhältnis zwischen geloopter Stimme und Livegesang stimmte vorne und hinten nicht mehr. Brent Knopf bemerkte das, ging zum Mikro und steckte das Kabel neu; das Lied konnte einigermaßen gesittet beendet werden. Da das Problem aber bestehen blieb, mussten die beiden Mikros getauscht werden. Aber Cherilyn hat solch ein sonniges Gemüt, daß ihre Problembewältigung in herzhaftem Lachen endete. Die Frau ist großartig!

Darryl, Keyboarder, Bassist und Soundverantwortlicher, nutzte die Pause, um ein wenig zu klimpern. Er spielte eine perfekte Kopie des Anfangs von The final countdown (Top 3 der ekelhaftesten 80er-Jahre Lieder)!

Nach Out out out flog der Sängerin irgendetwas um. Sie kommentierte das mit einem herzhaften "Scheiße". Fast gleichzeitig brüllte Michael "beep" - und dann frustriert "too late..." Es wurde, wie gesagt, immer komischer!

Vor Release me kam einer der Soundleute und teilte ihnen mit, daß es neue Probleme gebe. Ein paar von Jean-Louises Effekten wurden abgesteckt. Nachdem die schüchterne Bratschistin den ganzen Abend teilnahmslos aussah, bewirkten ein unglaubliches Knacken und eine gigantische Rückkopplung, die sie verursachte, daß sie lachend "sorry" rief und ab da immer wieder lachen musste. Die erneute kurze Pause nutzte Darryl, um die nächste Top 3 Widerlichkeit anzustimmen, Jump von Van Halen. Pfui bah!

Es ging weiter - meinte man. Denn Cherilyn stimmte zwar Release me an, die Band ließ sie aber machen und reagierte nicht - eine sehr lange Gitarreneinleitung ohne Folgen, bis sie schließlich aufgab. Der Neuanfang klappte dann, genau wie Better than this, ihr Eigencover. Offenbar sollte das aber ursprünglich als Zugabe kommen, denn davor sprach die Sängerin mit ihren Kollegen eine Änderung ab.

Als die verstärkten Dear Reader zur Zugabe erschienen, war ihr Motto "best for last"; sie kündigten Great White Bear an. Normalerweise erzählt Cherilyn da immer, worum es bei dem Stück geht. Diesmal traute sie dem Abend nicht. "You need the story?", woraus wieder Diskussionen und viel Lachen und - genau - das letzte scheußliche 80er Top 3 Lied resultierten (Paradise City). Dem machte Jean-Louise mit einem genervt klingenden "can we play now?" ein Ende!

Schade, daß die Technik nicht richtig klappte, vor allem natürlich für die, die die Band zum ersten Mal gesehen haben. Mir waren die Pannen ganz recht, so kam ich in den Genuß vieler urkomischer Szenen!

Schade auch, daß Brent Knopf nicht immer mit Dear Reader auf Tour sein wird. Er bereichert die ohnehin schon großartigen Auftritte noch einmal. Mir kam es zwar so vor, als spielte er deutlich weniger Gitarre als letzte Woche, sein Gesang, diese verschränkten Arme auf der Bühne rundeten Dear Reader noch einmal ab.

Ramona Falls heute waren ein sicherer Kandidat für meine Konzert Jahres-Top 10. Ein ganz sicherer. Dear Reader habe ich musikalisch schon besser gesehen. Allerdings verdanke ich dem Chaos eines der komischsten Konzerte bisher! Was kann man mehr von einem Abend erwarten?

Im deutschsprachigen Raum gibt es nur noch zwei Chancen, die anderthalb Bands gemeinsam zu sehen. Wenn ich ihr wäre...:

08.10.09: Chelsea, Wien, Dear Reader und Ramona Falls
11.10.09: Kiff, Aarau, Dear Reader und Ramona Falls

Setlist Dear Reader, KFZ, Marburg:

01: Never goes
02: Dearheart
03: Bend
04:
What we wanted
05: Way of the world
06: The same
07: Everything is caving
08: Out out out
09: Heavy
10: Release me
11: Better than this (Harris Tweed "Cover")

12:
Great white bear (Z)

Unser Jubiläumsgewinn zum Konzert:























Links:

- Interview mit Dear Reader
- aus unserem Archiv:
- Dear Reader & Ramona Falls, Düsseldorf, 28.09.09
- Dear Reader, Haldern, 15.08.09
- Dear Reader, Berlin, 07.08.09
- Dear Reader, Paris, 06.05.09
- Dear Reader, Nijmegen, 25.04.09
- Dear Reader, Köln, 18.04.09
- Dear Reader, Paris, 19.02.09
- Dear Reader, Köln, 12.02.09

- ein paar Fotos vorab


* in Ermangelung von Ahnung von Musikinstrumenten

Fotos folgen!


Dienstag, 29. September 2009

Dear Reader & Ramona Falls, Düsseldorf, 28.09.09

1 Kommentare

Konzert: Dear Reader & Ramona Falls
Ort: zakk, Düsseldorf
Datum: 28.09.2009
Zuschauer: etwa 150
Dauer: Dear Reader 60 min, Ramona Falls 45 min


Als wir vor dem Konzert mit Brent Knopf, dem Sänger von Menomena und Ramona Falls sprachen, wollte er noch nicht damit rausrücken, wer ihn als Band auf seiner Tour durch Europa begleiten würde. Die ersten allerersten Konzerte seines neuen Soloprojekts Ramona Falls hatte Brent in den USA gemeinsam mit drei Freunden bestritten und dabei unter anderem Los Campesinos! supportet. Jaja, die Welt ist klein. Und die kleiner werdende Welt ist auch ein gutes Stichwort, denn ein wenig hatte ich schon damit spekuliert, daß Dear Reader aus Südafrika - der Hauptact des Abends - auch Brents Band sein könnten, weil das zum einen pragmatisch wäre, zum anderen aber auch eben ganz wunderbar zur gemeinsamen Geschichte von Brent und Dear Reader passen würde.

Dear Reader hatten - damals noch zu zweit - Songs geschrieben für ein erstes Album unter diesem Namen. Vorher hatten Darryl Torr und Cherilyn MacNeil bereits als Harris Tweed musiziert. Ein Streit mit dem Rechtebesitzer des Namens führte zu
Dear Reader; es entstanden neue Songs, die einen Produzenten erforderten. Cherilyn machte das, was auf der Hand liegt. Sie schrieb ihre Lieblingsband Menomena an und fragte, ob die das nicht machen wollten. Brent, auch das die natürlichste Sache der Welt, stieg ins Flugzeug, um 16.600 km zurückzulegen und die Platte zu machen.

Daraus wurde ein wundervolles Album und höchster gegenseitiger Respekt der Künstler. So entstand die Idee, Ramona Falls als Support auf die Dear Reader Herbsttour mitzunehmen. Und weil sich (fast) alle musikalisch so gut kennen, bildeten die Südafrikaner dann auch Brents Tourband, Michael setzte sich an sein Schlagzeug, Darryl nahm sich einen Bass, Neumitglied Jean-Louise ihre Viola und Cherilyn ihre Gitarre. Und obwohl sie in dieser Konstellation nur drei Tage geprobt hatten und die Songs von Ramona Falls alles andere als einfach gestrickt sind, klang es sofort fabelhaft!

Ich hatte ehrlich gesagt keine Gelegenheit, auf Unterschiede zwischen Album und Liveversionen zu achten, dafür kenne ich Intuit noch nicht gut genug. Ich hatte aber
auch keine Lust, irgendwie analytisch an den Auftritt ranzugehen, wollte vielmehr die wundervollen Arrangements auf mich wirken lassen. Und das taten sie! Wichtige (Gast-) Rollen spielten vor allem Jean-Louises Viola und Cherilyns Background Gesang. Oft war der zwar bloß textlos, er gab den Stücken aber einen ganz gehörigen Pfiff!

Die einzigen Anzeichen dafür, daß man so noch nicht häufig miteinander gespielt hat, waren Brents häufige Blicke zu seinen Mitstreitern und einige kleine Lachausbrüche von Cherilyn, wenn irgendetwas offenbar nicht geklappt hatte. Gehört habe ich diese Vielleicht-Pannen allerdings nie. Kurzum, den
fünf Musikern mit diesen grandiosen Liedern zuzuhören, war ein echtes Vergnügen!

Beste Stücke waren für mich The darkest day, Russia und Melectric. Aber mit hauchdünnem Vorsprung. Ein ganz vorzüglicher Auftakt, der wie selten etwas zuvor den Namen Co-Headliner verdient! Und der sicher für mich nicht einmalig bleibt; das will ich noch einmal sehen.

Setlist Ramona Falls, zakk, Düsseldorf:

01: Salt sack
02: Clover
03: The darkest day
04: Bellyfulla
05: Russia
06: Always right
07: I say fever
08: Going once, going twice
09: Melectric

Eine halbe Stunde nachdem Brent Knopf und Dear Reader verschwunden waren, kamen Dear Reader und ... Brent Knopf zurück. Die vier Südafrikaner hatten ihrem Produzenten eine Gitarre gegeben, er kannte schließlich die Stücke!

Cherilyn und die anderen hatten sich ein wenig umgestylt. Sie trugen jetzt 1a Schnauzbärte. Vergangene Woche in der Schweiz habe ich viele dieser Modelle in natura erlebt, der Sängerin aus Johannesburg stand der Haarschmuck aber auch außerordentlich gut!

Musikalisch begann es weniger außergewöhnlich; die ersten Lieder scheinen für den Start gesetzt zu sein. Allerdings klangen sie alle ein wenig anders. Das zusätzliche
Bandmitglied war auch hier eine hörbare Bereicherung. Bei Bend, dem phänomenalen Folksong, steuerte der amerikanische Gast zum Beispiel tolle "badada" Gesänge bei. Wenn er wie da auch Keyboard-Parts übernahm, mußte Brent natürlich nach vorne. Ansonsten stand der Menomena Mann allerding links in der Ecke, ganz oft sogar mit dem Rücken zum Publikum, ohne sich irgendwie in den Mittelpunkt zu spielen.

Wie toll diese Konzerte gemeinsam mit ihrem Lieblingsmusiker für die Sängerin sein müssen! So als würde Lukas Podolski sonntags zum Kick unter Freunden dazukommen.

Auch The same erschien mir ein wenig abgewandelt. Die Mitte des Lieds hörte sich ungewohnt an.

Der Rest des Sets bestand aus Liedern des Albums, u.a. dem bei Festivals nicht gespielten
Everything is caving, Heavy, dem iTunes-Bonustrack und ihrem in letzter Zeit immer gespielten Better than this aus Harris Tweed Zeiten. Und auch wenn ich die meisten Lieder mittlerweile mitsingen könnte, wenn ich singen könnte, habe ich mich keine Sekunde gelangweilt. Dieser Band zuzusehen, macht einfach großen Spaß! Wenn die Sängerin lacht, was sie oft tut, ist das herrlich ansteckend. Wenn es Pannen gibt (selten), sind die hochunterhaltsam. Schlagzeuger Michael, der sich in Haldern den Ruf erarbeitet hat, einen guten Wortschatz an schmutzigen deutschen Begriffen zu haben, verpatzte den Einsatz bei Out out out. Während Cherilyn lachte, setzte Brent zu einem fabelhaften Sweet Home Alabama Gitarrensolo an, laut und mit Rockstarposen! Meine Lieblingsszene!

Köstlich auch ein kleiner Dialog. Cherilyn hatte gefragt, ob wir alle aus Düsseldorf seien. Irgendjemand rief Cologne, was Brent zu einem Cologne-Wortwitz brachte, der in einer Cologne / Eau de toilette Diskussion endete.
Die Sängerin wies ihn darauf hin "girls don't wear Cologne", was Brent mit "mustaches neither" beantwortete.

Nach dem Zugabeklatschen kam die Supergroup zurück. "You did your job, now we'll do our's." What we wanted spielten sie als Bonustitel. Aber auch danach wurden sie sichtbar verlegen zurückgeklatscht. "Wir haben aber leider nichts mehr!" Das machte nichts, es war auch so wieder großartig! Toll diese Band, und toll dieser Abend!

Setlist Dear Reader, zakk, Düsseldorf:

01: Never goes
02: Dearheart
03: Bend
04: Way of the world
05: The same
06: Everything is caving
07: Out out out
08: Heavy
09: Release me
10: Great white bear
11: Better than this (Harris Tweed "Cover")

12: What we wanted (Z)

Links:

- Interview mit Dear Reader
- aus unserem Archiv:
- Dear Reader, Haldern, 15.08.09
- Dear Reader, Berlin, 07.08.09
- Dear Reader, Paris, 06.05.09
- Dear Reader, Nijmegen, 25.04.09
- Dear Reader, Köln, 18.04.09
- Dear Reader, Paris, 19.02.09
- Dear Reader, Köln, 12.02.09

- mehr Fotos

Konzerttermine:

29.09.09: Café Zapata, Berlin (nur Ramona Falls!)
30.09.09: Scheune, Dresden,
Dear Reader und Ramona Falls
01.10.09: Lagerhaus, Bremen, Dear Reader und Ramona Falls
02.10.09: Café Glocksee, Hannover, Dear Reader und Ramona Falls
03.10.09: Schaubühne, Leipzig, Dear Reader und Ramona Falls
04.10.09: Café Zentral, Weinheim, Dear Reader und Ramona Falls
05.10.09: Kamikaze, Freiburg, Dear Reader und Ramona Falls
06.10.09: KFZ, Marburg, Dear Reader und Ramona Falls
08.10.09: Chelsea, Wien, Dear Reader und Ramona Falls
11.10.09: Kiff, Aarau, Dear Reader und Ramona Falls









 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates