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Donnerstag, 1. Januar 2015

Marissa Nadler, Karlsruhe, 23.09.14

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Konzert: Marissa Nadler und Mick Turner
Ort: Jubez in Karlsruhe
Datum: 23. September 2014
Dauer: 40 min Mick Turner und 65 min Marissa Nadler
Zuschauer: etwa 60-70

(c) Guido Engler
Lange schon war mir der Name Marissa Nadler bekannt und irgendwie verwoben mit der Musik von Emily Jane White. Obwohl das wohl mehr so ein Bauchgefühl als sachlich begründbar ist, denn von Emily Jane White stehen alle Alben vielbenutzt in meinem Regal, von Marissa Nadler hatte ich gar nichts vorrätig. Dabei veröffentlicht sie schon seit 2004 Musik und war mir zuletzt durch das klienicum (2011, u.a. auch mit Hinweis auf ein OBS Konzert 2009) bzw. durch den Hinweis von Lieinthesound im April diesen Jahres explizit wieder in mein Bewußtsein geschoben worden.
 
(c) Guido Engler
Deshalb freute ich mich, sie nun in Karlsruhe live erleben zu können und war sehr gespannt. Dass es als Doppelkonzert mit Mick Turner organisiert war, hatte ich erst nicht richtig wahrgenommen und auch am Abend selbst wurde nicht so richtig klar, inwieweit das gemeinsame Label BellaUnion eine Kombination ihrer Künstler für so angeraten hielt (die Kombination war für insgesamt drei Abende der Künstler in Europa gebucht).


(c) Guido Engler
Mick Turner ist wohlbekannt als einer der Dirty Three und war im September unterwegs durch Europa mit dem Melbourner Kollegen Ian Wadley an Drums. Er steht für kunstvolle und anspruchsvolle E-Gitarrenstücke, die sich über 10 Minuten oder länger entwickeln. Normalerweise hätte ich ein Konzert mit diesem Programm gemieden und ich hatte das Gefühl, dass auch sonst im Publikum ein klarer Bruch erkennbar war. Einige blühten bei derartiger Kunstfertigkeit auf und feuerten auch lautstark an, andere sahen sich augenverdrehend an und hatten auch in der Pause noch kein Verständnis, was das jetzt zu Musik gemacht hat. Ich selbst brauchte etwa die Hälfte des 20 minütigen Sets bis bei mir der Schalter anging und ich zwischen Gitarre und Schlagwerk überhaupt ein Zusammenspiel spürbar wurde. Dann war ich aber wirklich positiv überrascht und sehr angetan.


 

Trotzdem wartete ich natürlich wesentlich vorfreudiger auf den weiblichen Musikanteil im Konzert, der zum Glück nach relativ wenig Umbauzeit starten konnte. Marissa Nadler spielte selbst Gitarre und hatte Janel Leppin am Cello dabei. Auf der Setlist fand sich vor allem ihr Album July, das im Februar bei BellaUnion erschienen ist.

Der Gesang war sehr sphärisch und jenseitig und es gab auch keinerlei Ansagen. Marissa sagt von sich selbst, dass sie das Scheinwerferlicht lieber meiden würde und mehr Spaß daran hat, die Musik zu komponieren und aufzunehmen. Das merkte man dem Konzert an... Ich fand es einerseits sehr faszinierend, andererseits war es nach einiger Zeit auch etwas einförmig und mit einer Stunde war meine Aufnahmefähigkeit ausgeschöpft.

Alles in allem ein sehr interessanter Abend, der aber mehr Denkanstöße als einfachen Genuss geliefert hat. Schön, dass das Jubez für Karlsruher solche Angebote machen kann. Wenn man die Tourdaten durchsieht finde ich das schon bemerkenswert!

(c) Guido Engler


Setlist:
01: 1923
02: Dead City Emily
03: Firecrackers
04: Drive
05: Anyone Else
06: Was It a Dream

07: The Wrecking Ball Company (*)
08: I've Got Your Name
09: We Are Coming Back
10: Desire

11: Your Heart Is a Twisted Vine (*)
12: Fifty Five Falls (*)

13: Holiday In
(Z)
       (*) nicht vom aktuellen Album July

Europäische Tourdaten
Mick Turner:
11.09.  L’Usine, Genf   w/ Marissa Nadler
12.09.  Interzona,  Verona 
14.09.  Freakout Club, Bologna
15.09.  Cas’Aupa, Udine
17.09.  Monarch, Berlin
19.09.  Incubate Festival, Tilburg 
20.09.  King Georg, Köln
22.09.  Trix, Antwerpen   w/ Marissa Nadler
23.09.  Jubez, Karlsruhe  w/ Marissa Nadler
 

Marissa Nadler: 
02.09. London
03.09. Soup Kitchen, Manchester
04.09. Broadcast, Glasgow
05.09. Button Factory, Dublin
07.09. Deep in the Woods Festival, Heer-sur-Meuse
08.09. Bad Bonn, Dudingen
09.09. El Lokal, Zürich
10.09. Treppenhaus, Rorschach
11.09. L'Usine, Genf
21.09. Incubate Festival, Tilbur
22.09. Trix Centrum voor Muziek, Antwerpen
23.09. Jubez, Karlsruhe
24.09. King Georg, Köln
26.09. Hana–Bi, Ravenna
27.09. Palazzo Del Governatore, Parma
28.09. Anfiteatro del Venda, Padua
30.09. The Rowing Sessions, Turin
03.10. Villa Manuela, Madrid
04.10. Amplifest, Porto
05.10. ZDB, Lissabon
07.10. LA2, Barcelona
08.10. Six Dogs, Athen
11.10. BLA, Oslo
13.10. Arena, Wien  


(c) Guido Engler

Aus unserem Archiv:
Marissa Nadler, Paris, 11.05.09
Marissa Nadler, Paris, 20.05.08
Marissa Nadler, Paris, 24.04.07



Ankündigung des Jubez

Empfehlenswerte Stunde Marissa Nadler im Gespräch und Musik






Dienstag, 12. Mai 2009

Marissa Nadler, Paris, 11.05.09

2 Kommentare

Konzert: Marissa Nadler (Lisa Papineau, Peter Broderick)

Ort: Le Nouveau Casino
Datum: 11.05.2009
Zuschauer: fast ausverkauft
Konzertdauer: satte 90 Minuten (nur Marissa Nadler), die anderen beiden jeweils ca. 30 Minuten




Was für ein großartiges Konzert von der sirenenhaften Marissa Nadler! Mit diesem beeindruckenden Auftritt, den sie anfangs ganz allein, später dann mit einer ausgewachsenen Band bestritt, hat sie sich in die Top Ten meiner Lieblingsfolksängerinnen gespielt. Die Intrumentierung war perfekt, nicht zu viel und nicht zu wenig und die neuen Songs göttlich! Lediglich beim Sound gab es störende Rückkoppelungen, die allerdings nur während der Pausen zwischen den Liedern bemerkbar waren. Marissa selbst war hinterher regelrecht deprimiert über diese technischen Mängel (für die sie nichts konnte), aber nachdem ich und ein paar meiner Freunde ihr eindringlich versichert hatten: "Oh, no, this wasn't a problem at all, you sounded reallly, really great!", konnte sie fast schon wieder lächeln. Sensibel diese zarten Folksängerinnen. Aber auch so wundervoll...

Demnächst mehr Details und die Fotos! Begonnen hat Marissa das Konzert übrigens mit Diamond Heart, abgeschlossen mit den zwei famosen Zugaben Silvia (neue Instrumentierung) und ihrem rockigsten Stück River Of Dirt.

Dialog des Tages:

"I forgot to bring you flowers!" (ein männlicher Verrehrer) - "Oh, no problem I don't have the space to carry them in my suitcase and flowers are something for dead people!" (Marissa Nadler)


Ausgewählte Konzerttermine von Marissa Nadler:

12.05.2009: Bad Bonn, Dudingen, Schweiz
20.05.2009: Le Romandie, Zürich
22.05.2009: Admiralspalast 101, Berlin
23.05.2009: Studio 672, Köln (Christoph, nix wie hin!)
24.05.2009: Brotfabrik, Frankfurt
25. 05.2009: Kampnagel, Hamburg
26.05.2009: Loppen, Kopenhagen
30.05.2009: Orange Blossom Festival, Beverungen
01.06.2009: Paradiso, Amsterdam
02.06.2009: Ekko, Utrecht
03.06.2009: Botanique, Brüssel


Aus unserem Archiv:

Marissa Nadler in der Pariser Maroquinerie, am 20.05.2008 hier und ebenfalls in der Maroquinerie im Vorprogramm von Laura Veirs, 24.04.2007 hier

Setlist Lisa Papineau, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Rene Thomas
02: The Quiet Storm
03: Touch Time Out
04: Marcho Chomo
05: Ruby Road
06: White Leather
07: Non Stop Drum
08: Little Light
09: Gay Can't Wait
10: Dream Red Trees


11: LanguageorgG7




Mittwoch, 21. Mai 2008

Black Mountain & Marissa Nadler, Paris, 20.05.08

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Konzert: Black Mountain (Lofi Folk Festival)

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 20.05.2008
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft
Konzertdauer: Phosphorescent : 20-25 Minuten, Marissa Nadler : 40-45 Minuten, Jesse Sykes: 45-50 Minuten, Black Mountain: 70 Minuten


Bei mir stand heute das gefühlte erste Lofi Folk Festival in Paris auf dem Programm. Gut informierte Musikfans wussten aber zu erzählen, dass die Premiere dieser Veranstaltung im letzten Jahr stattgefunden hat. Und tatsächlich: wenn man ein wenig im weiten Ozean des World Wide Web stöbert, stösst man sogar auf eine MySpace Seite dieses Festivals mit dem Line-Up von 2007. Vor 12 Monaten waren u.a. Basia Bulat, Rosie Thomas, Do Make Say Think, The National und Gravenhurst dabei. Ich wundere mich selbst ein wenig darüber, dass ich kein einziges dieser insgesamt 4 Konzerte gesehen habe.

Aber was soll's, dann halt eben im zweiten Anlauf!

Am ersten Tag gaben sich in der Maroquinerie gleich vier Künstler/Gruppen die Ehre, das Festival dehnt sich also hinsichtlich seiner Teilnehmerzahl bereits deutlich aus. Am Start waren (in dieser Reihenfolge): Phosporescent, Marissa Nadler, Jesse Sykes und Black Mountain.

Von Phosporescent hatte ich nur am Rande mal etwas aufgeschnappt, ich vermutete hinter dem Namen eine Folk-Band. Manchmal ist das auch wohl so, aber heute hatte wohl keiner der Kumpels von Matthew Houck, der der entscheidende Mann bei Phosporescent ist, Lust oder Zeit den Bartträger zu begleiten.

Matthew erschien also alleine mit seiner Gitarre vor dem noch nicht allzu zahlreich versammelten Publikum und trug insgesamt lediglich vier balladeske Folk-Songs vor, die eine junge schwarzhaarige Frau in der ersten Reihe voller Inbrunst mitsang. Ich vermute mal, dass das seine Freundin war, denn die restlichen Besucher kannten die hübschen Lieder des Barden, dessen Stimme ziemlich stark nach Bonnie "Prince" Billy klang, noch nicht.

Zum Abschluss brachte er seinen Hit "Wolves" (ich gehe davon aus, dass es der Hit war, denn mindestens drei Leute reagierten auf die Liedankündigung mit einem Ausruf der Freude) und dieser Song war wirklich nicht von schlechten Eltern, er blieb bei mir sofort im Ohr hängen, besonders die schmachtende Stelle "they are beautiful". Diese wunderbare Ballade würde ich mir sofort (legal) runterladen, bei dem Rest bin ich mir etwas unschlüssig. Mit einer Band wäre das Ganze bestimmt wesentlich schwungvoller gebracht worden, so war es ein klitzeklein wenig zäh. Dennoch: der Mann hat eine gute Stimme. Ich werde ihn auf jeden Fall im Auge behalten.

Das gilt natürlich auch für die danach startende Marissa Nadler. Aber die Gefahr, dass ich diese schöne Fee aus dem Auge (und den Sinnen) verliere, besteht ohnehin nicht. Seitdem ich die schwarzhaarige Frau mit ihren langen Haaren und dem einfühlsamen Gitarrenspiel zum ersten Mal live gesehen habe (witzigerweise ebenfalls in der Maroquinerie im Vorprogramm von Laura Veirs), bin ich Fan. Ihr letztes Album Song III : Bird On The Water" lief in der Zwischenzeit so einige Male auf meinem i-pod rauf-und runter.

Ein Machwerk voller Schwermut und Melancholie mit dem Thema Tod und Abschied als zentrales Element. Oft wird sie deshalb als gothische Folk-Sängerin beschrieben und ihr äusseres Erscheinungsbild mit den schwarzen Haaren, der hellen Haut und den rot geschminkten Lippen bestärkt diese These. Ein blutsaugender Vampir ist sie deshalb trotzdem nicht, eher eine zerbrechlich wirkende Prinzessin. Und diese Zerbrechlichkeit und Zartheit bezieht sich hierbei nicht nur auf ihr Äusseres, sondern auch ihre Psyche. Depressiv und niedergeschlagen sei sie nach ihrem letztjährigen Konzert an gleicher Stelle gewesen. Sie denke nicht gerne daran zurück, erzählte sie mir später. Auf die Nachfrage, warum das denn so niederschmetternd für sie gewesen sei, antwortete sie, dass sie das Gefühl gehabt habe, dass das Publikum sie damals abgelehnt und nicht geliebt habe. Seltsam, ich hatte das nicht so empfunden.

Heute lief es aber viel besser für sie. Etliche Zuschauer waren nur wegen ihr gekommen und hätten mit Sicherheit gerne auch mehr von der feenhaften Erscheinung und der sirenenhaften Stimme gesehen und gehört, aber leider bekam sie nur recht dürftige 40 Minuten Auftrittszeit eingeräumt. Schade, schade, Songmaterial für ein längeres Konzert hätte sie, schliesslich stehen bereits drei Alben und ein paar EPs auf der Habenseite und ein neues Werk soll noch 2008 in den Regalen stehen, zumindest in ihrem Heimatland Amerika.

Das heutige Set beschränkte sich fast ausschliesslich auf Lieder von Song III: Bird On The Water mit den Highlights "Silvia" und der Singelauskopplung "Diamond Heart", das sie als das "traurigstes Lied, das ich je geschrieben habe" vorstellte. Ich fragte mich, wie sie da zwischen all diesen todtraurigen Liedern ein bestimmtes als das allertristeste herauspicken kann, aber nun gut, sie weiss es sicher am besten...

Ein Auszug aus dem Text mag Klarheit verschaffen:

But I look for you
In the traffic seas
And the bars I’m always frequenting
Your father died
Some months ago
And we scattered his ashes
In the snow

Holidays are the hardest hours of the year
Holidays are the hardest hours of the year
Holidays are the hardest hours of the year

And oh my lonely diamond heart
It misses you my dear

Das will ich dann mal so unkommentiert stehen lassen, möge sich jeder Leser seine Gedanken dazu machen!

Das Beste hatte sich Marissa aber für den Schluss aufgehoben und das war der Song von ihrem ersten Album "Fifty Five Falls". Traumhaft hier das Gitarrenspiel und die engelsgleiche Stimme! Das Debütwerk heisst übrigens "Ballads Of Living And Dying".

So viele Balladen über den Tod, gesungen von einer Frau, die gerade erst einmal 27 Jahre alt ist. Das verwirrt, hat aber auch eine schwer zu erklärende Anziehungskraft. Ich den 40 Minuten hat mich die zerbrechliche Prinzessin völlig in ihren Bann gezogen!

Setlist Marissa Nadler, Maroquinerie, Paris:

01: Dying Breed
02: Mexican Summer
03: Silvia
04: ? (Songzeile I'm growing older)
05: Diamond Heart
06: Fifty Five Falls


Nach Marissa Nadler kam mit Jesse Sykes erneut eine Frau zum Zuge. Die langmähnige Lady aus Seattle hatte allerdings eine männliche Begleitband dabei, ich glaube sie heissen The Sweet Hereafter. Vor allem deren Bassist fiel mir auf, er sah nämlich mit seiner Brille und dem Zauselbart meinem damaligen Geschichstlehrer verblüffend ähnlich. Der Kerl (Bill Herzog) schien davon angetan zu sein, in Paris zu spielen, dies folgere ich zumindest aus der Tatsache, dass er am Ende des Konzertes ein Foto vom Pariser Publikum schoss. Ansonsten stand aber die natürlich hübsche Jesse Sykes ganz klar im Vordergrund. Sie verfügte nicht nur über ein einnehmendes Wesen sondern auch über eine gute Stimme, die aber manchmal auf recht altbackene Kompositionen traf. Ihr Stil ist Alternative Country, allerdings mit solch klassischen Vorbildern wie Neil Young, Lee Hazlewood und The Band. Insofern durfte man hier auf keine grossen Innovationsschübe hoffen, mit dem heutzutage populären Freak-Folk, aber auch mit den komplexen und psychedelischen Kompostionen von den danach startenden Black Mountain hatte das nicht viel zu tun. Aber egal, es muss ja nicht jeder versuchen, das Genre Folk-Musik neu zu definieren.

Und die Ballade "Eisenhower Moon" war wirklich sehr schön. Sie stammt von dem aktuellen Album "Like, Love, Lust And The Open Halls Of The Soul" und verzauberte die Maroquinerie mit einer knisternde Lagerfeueratmosphäre.

Andere Höhepunkte des gut 40 minütigen Sets waren das gehauchte "The Air Is Thin" und der Titeltrack des 2007 er Albums "The Open Halls Of The Soul".

Insgesamt kam das Ganze aber nicht an die Brillianz von Marissa Nadler heran, es wurde allerdings sehr ordentliche Hausmannskost geboten. Und das ist ja manchmal auch etwas Feines...

Setlist Jesse Sykes, La Maroquinerie, Paris:

01: Hard Not To Believe
02: You Might Walk Away
03: Air Is Thin
04: LLL
05: Eisenhower Moon
06: Station Grey
07: Drinking With Strangers
08: Open Heart Of The Soul

09: Gentleness Of Nothing

Jesse Sykes hatte schon während ihres Auftritts durchblicken lassen, dass sie eine Menge von Black Mountain, den Headlinern des heutigen Abends hält. "They are fucking great" (oder so etwas in der Art) rief sie in die Menge und bereitete somit vorbildlich das Terrain für die Kanadier. Auch in der Musikpresse ist man sich einig, dass das aktuelle Album "In The Future" ein Kracher ist, die Bewertungen lagen fast überall im oberen Punkte - bzw. Sternebereich.

Somit konnte eigentlich (fast) nichts schiefgehen für die psychedelisch rockenden Nordamerikaner, oder doch? Nun, das musste man abwarten. Bei vielgelobten Bands besteht auf Grund der hohen Erwartungshaltung immer die Gefahr, dass man enttäuscht wird.

Schon der Auftakt mit der Single "Stormy High" war aber so druckvoll und begeisternd, dass die Zweifel schnell zur Seite gewischt wurden. Nach drei eher ruhigen unf folkigen Acts zuvor, war der knackige Blues-Rock, den Black Mountain bieten, genau das Richtige, um wieder wach zu werden. "Stormy High" wird überwiegend von Rauschebartträger und Bandchef Stephen McBean gesungen, aber im Mittelpunkt stand natürlich die einzige Dame des Quintetts. Amber Webber heisst die niedlich aussehende Sängerin, die auch Tambourin und Rasseln schwang. Ihr vibrierender Gesang sorgte immer wieder für eine willkommene Abwechslung und brachte eine feminine und sinnliche Note ins Spiel. Ohne sie wäre das Ganze dann vielleicht doch zu testosterongeschwängert geworden. Vier harte, zum Teil stark tätowierte Typen konnten eine Frau in ihren Reihen also gut gebrauchen und ganz gentlemenlike wurde ihr dann auch örtlich der Platz in der Mitte überlassen. Sänger und Gitarrist Stephen Mc Bean agierte derweil am äusseren rechten Bühnenrand und sorgte mit seinen heulenden Gitarrenriffs und seiner markanten Stimme für den psychedelischen und bisweilen auch metallischen Sound. Sehr wichtig für den Charakter der einzelnen Lieder war aber auch der rotgelockte Keyboard- und Orgelspieler, der mit ein paar Tastengriffen die peacig-esoterische Atmosphäre herstellte. Durch sein Spiel wurde das Ganze angenehm sphärisch und gerade bei den Balladen, die auch ihren Platz im Set hatten, setzte er Akzente.

Fast das gesamte Konzert bestand übrigens aus Liedern des aktuellen zweiten Albums,
mit "Druganaut" in der Mitte wurde aber auch einmal eine Kostprobe vom ersten, selbstbetitelten, Werk gegeben. Und diese Nummer hatte es wahrlich in sich. Tempowechsel, sich fast ins Hypnotisch steigernde experimentelle Klänge und krachende Gitarren. Besser hätten das damals Led Zeppelin nicht hinbekommen, von denen die Kanadier mit Sicherheit beeinflusst wurden. Trotz dieser offensichtlichen 70-ies Anleihen schaffen es Black Mountain insgesamt modern und auch eigenständig zu klingen. Es ist schwer sie in eine Schublade zu stecken, neben Blues-Rock gibt es auch Elemente in den Songs, die in Richtung Post-Rock gehen.

Eine spannende Gruppe also, die sich phasenweise immer mal wieder von ihrer sanfteren Seite zeigte und Tempo und Lautstärke gekonnt drosselte und dann fast nach David Bowie (oder sogar Damon Albarn) klang. Manchmal gab es zwar kleinere Hänger zu verzeichnen, aber letztlich wurde doch sehr gut die Intensität gehalten.

Und gerade der Abschluss mit Bright Lights (Lights Bright) war schlichtweg grandios.
Wenn der Song irgendwann explodiert, gibt es kein Halten mehr und dem Zuschauer fliegen die Gitarren und die wuchtigen Drums nur so um die Ohren. Ein richtiger Ohrenputzer zum Schluss, was will man eigentlich mehr nach einem solch gelungenen Abend?

Setlist Black Mountain, La Maroquinerie, Paris:

01: Stormy High
02: Bastards
03: Wucan
04: Queens Will Play
05: Druganaut
06: Tyrants
07: Stay Free
08: Evil Ways
09: Bright Lights

Ausgewählte Konzerttermine von Black Mountain:

29. Mai: Kilbi Festival, Dudingen
30.Mai: 59:1, München
31. Mai: Festsaal Kreuzberg, Berlin
01. Juni: UT Connewitz, Leipzig
02. Juni: Forum, Bielefeld
04.Juni: Melkweg, Amsterdam



Mittwoch, 25. April 2007

Laura Veirs & Marissa Nadler, Paris, 24.04.07

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Konzert: Laura Veirs & Marissa Nadler
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 24.04.2007
Zuschauer: Wahrscheinlich ausverkauft


Nachdem sich die Präsidentschaftskandidaten in Frankreich während des Wahlkampfs so rührend um Einzelschicksale gekümmert haben, werde ich mich demnächst auch mal schriftlich an den - oder die Präsidentin der Republik wenden und kürzere Taktzeiten für die Buslinie 96 einfordern! Jedes Mal, wenn ich zur Maroquinerie möchte, warte ich ewig an der Haltestation "Filles du calvaire" und verpasse deshalb regelmässig die oft guten Vorgruppen. Zum Glück bekam ich diesmal von der schüchternen Amerikanerin Marissa Nadler noch den Grossteil des Sets mit, auch wenn mir wiederum der ein oder andere frühgebrachte Song durch die Lappen ging. Was ich da so hörte, gefiel mir durchaus gut, denn die brünette Dame aus Providence/Rhode Island hat schon eine besondere Stimme. Nur mit ihrer Klampfe bewaffnet, hauchte sie ein melancholisches Lied nach dem anderen ins Mikro und liess die Temperaturen in der ohnehin brütend heissen Maroquinerie noch weiter ansteigen.

"It' so hot in here, let's go swimming after the show!" Gute Idee Marissa, aber wo finden wir nachts in Paris einen See, oder Swimming-Pool? Während mir der Schweiss von der Stirn tropfte, genoss Fräulein Nadler sichtlich ihren Auftritt in der Stadt der Liebe und gab einige Stücke von ihrem neuen Album "Song 3: Bird on the water", aber auch ältere Titel von den Vorgängeralben zum Besten. Auf ihrer MySpace-Seite kann man nachlesen, welchem Musikstil das Ganze zugeordnet werden kann. "Melodramatischer Pop-Song/ Gothic/Amerikanisch" steht da neben ihrem Bildchen. Gothic? Nun ja, schon ein bisschen, es hatte schon eine schwarze und depressive Seite, aber ihre sirenenhafte, an Hope Sandoval oder Joni Mitchell erinnernde Stimme hat mich ziemlich schnell verzaubert. Ich beschloss, mir mal ein paar Lieder von ihr zu besorgen, was ich Freunden dieser Stilrichtung auch empfehlen kann.

Laura Veirs schien dagegen fast fröhlich rüberzukommen, mit ihren Handclaps, der lustig gekleideten männlichen Band, die sie mitgebracht hatte (die Herren trugen allesamt mit unfassbaren Stickereien verzierte Anzüge, z.B. aufgenähte Schmetterlinge und Octopusse!), und ihrer witzigen runden Brille. Für den Paris-Auftritt hatte sie extra ein blau-weiss gepunktetes Kleid und rote, flache Schuhe angezogen. Wahrscheinlich stellen sich Amerikaner so die typische Pariserin vor...

Nach Paris kommt Laura Veirs eh gerne, spielte sie doch heute bereits zum dritten Male in der Maroquinerie. Beim ersten Auftritt an diesem Ort war ich auch schon dabei und bedauerte damals, dass nur so wenige Leute den Weg in den Kellerraum gefunden hatten. Heute aber war die Hütte voll! Und das hat sie verdient, denn mit dem neuen Opus "Saltbreakers" liefert Laura bereits ihr fünftes gutes Album in Folge ab. Von eben jenem "Saltbreakers" stammten dann auch gleich die ersten drei - und die meisten anderen Songs des Konzertes. Den Auftakt bildete "Pink light", gefolgt von "Saltbreakers" und der wundervollen Ballade "Nightingale". Danach bedankte sich die Blondine dann erst einmal... auf deutsch! Ja genau, auf deutsch, sie sagte "danke schön", da sie gerade von Deutschland gekommen war und sie noch Umstellunsprobleme hinsichtlich der jeweiligen Landessprache hatte. Das nahm ihr das Pariser Publikum aber natürlich nicht übel, da sie schnell auf das "Merci" umschwenkte und vor allem, weil sie mit "Parisian Dream" einen der Kapitale Frankreichs gewidmeten Titel vortrug. Besonders gut gefiel mir dann im Anschluss "Shadow Blues" das einzige Lied , das sie von dem tollen Album "Carbon glacier" brachte.

Aber auch die neuen Stücke verfehlten nicht ihre Wirkung, vor allem "Drink deep" hatte es mir angetan, mit seinem gefühlvollen Piano und seinem zarten Gitarrenspiel. Ein Lied zum "Drin-Versinken"! Auch "Black-eyed-Susan" von dem Album "The triumphs & Travels of Orphan Mae", drückte mächtig auf die Tränendrüse. Tränen flossen aber heute keine, denn das Set war deutlich rockiger als ich es von Laura Veirs gewohnt war. Die dreiköpfige männliche Band, "The Saltbreakers", liessen es phasenweise richtig krachen, so dass man auch nicht mehr ohne weiteres von Laura Veirs der "Singer/Songwriterin" reden kann. Ich finde, dass ist auch gut so, denn schliesslich muss sich ihr Sound ja weiterentwickeln und der Prozess weg von der Sängerin mit der Klampfe hin zur Indie-Rockerin ist ihr sehr ordentlich gelungen. Das sah wohl auch das Pariser Publikum so, das minutenlangen Beifall spendete und noch mit zwei Zugaben verwöhnt wurde.

See you next year, Laura, an gleicher Stelle mit neuem Album im Gepäck!

Setlist Laura Veirs:

01: Pink Light
02: Saltbreakers
03: Nightingale
04: Secret Someones
05: Parisian Dream
06: Cast a hook
07: Shadow Blues
08: Where gravity is dead
09: Ocean Night Song
10: Drink Deep
11: Galaxies
12: To the county
13: Black-eyed Susan
14: Black Butterfly
15: Don't loose yourself

16: Rialto (Z)
17: Wrecking (Z)

von Oliver



 

Konzerttagebuch © 2010

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