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Donnerstag, 14. Februar 2013

Paul Banks, Paris, 12.02.13

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Konzert: Paul Banks (Darko)
Ort: L'Alhambra, Paris, 
Datum: 12.02.13
Zuschauer: geschätzte 400
Konzertdauer: 75 Minuten


"I paid for that, I paid for that and now you pay me back and now you pay me back!"

Meine Herrn! Da war ne Menge Zunder drin als Paul Banks beim Konzert in Paris mit unglaublicher Kraft diese Songzeilen in Mikro greinte. Das ging mir durch Mark und Bein.

Nimmt man noch den Song I'll Sue You hinzu, bekommt man -ohne sich  näher mit dem Fall beschäftigt zu haben-, die Vermutung, es handele sich bei den Solosongs des Interpol Sängers um eine Abrechnung. "Ich habe bezahlt (gebüßt), jetzt bist du dran!", oder "ich verklage dich", klingt nach Rache.


 
Anscheinend hat Banks aber allen Frust bereits in diesen Liedern verarbeitet, denn selten (eigentlich nie) sah ich ihn so aufgeräumt, heiter, geradezu glücklich mit sich und der Welt. In sehr korrektem französisch bedankte er sich regelmßig höflich für den eigentlich gar nicht mal sonderlich enthusiastischen Applaus, betonte immer wieder wie gerne er hier sei und lächelte ganz entspannt. Die Tatsache, daß die recht kleine Location noch nicht einmal knallvoll war, schien ihn überhaupt nicht zu stören. Im Gegenteil, er wirkte immer aufrichtig überrascht, wenn Leute die Songs mit Beifall quitierten.


Toll, wenn ein Sänger einer solch etablierten Band so bescheiden auftritt. Damit bestätigte Paul Banks den sehr guten Eindruck, den ich von ihm während einer Autogrammstunde vor zwei Jahren gewonnen hatte. Damals nahm er sich für die Fans alle Zeit der Welt, obwohl die Zeit drängte und Interpol abends ein Konzert hatten. Jedem einzelnen hörte er konzentriert zu, schaute ihn mit seinen melancholischen blauen Augen tief an und stellte selbst Fragen. "Wo hast du uns schon live gesehen?"-"Ah, da und da, toll, ja war ein schönes Konzert damals." Wirkte nicht wie auswendig gelernter Smalltalk für Promozwecke, sondern aufrichtig. Mich fragte er auch: "are you coming to our show tonight?" Und als ich sagte, ich hätte leider keine Karte, erkundigte er sich sogleich beim Tourmanager, ob noch etwas auf der Gästeliste frei sei, was allerdings nicht der Fall war (dennoch kam ich natürlich noch rein, weil ich Oliver Peel bin). So kam mir auch der Mensch hinter dieser sensationellen Stimme nahe und mein Vorurteil, er könne kühl und arrogant sein, wurde aufs Beste widerlegt.

 


Nun heute also als Solokünstler(aber freilich mit einer Liveband) unterwegs, wirkte er auf jeden Fall gelöst wie nie. Vielleicht liegt es daran, daß er weniger Druck als mit Interpol hat, die immer mit Argusaugen beobachtet werden und wenn sie mal nicht so überzeugen, gleich als beschissene Liveband dargestellt werden. Wie auch immer, seine innere Ausgeglichenheit übertrug sich auf aufs Publikum.Vielleicht sogar ein wenig zu sehr, denn die Pariser waren doch die ganzen 75 Minuten über arg statisch. Kaum einmal bewegten sich ein paar Leute und wenn, dann hielt der Schwung nicht lange. Dabei war die Kost, die uns vorgesetzt wurde keineswegs lahm, übel oder unausgegoren. Die Songs mögen zwar den Leuten weniger bekannt gewesen sein, von schlechter Qualität waren sie deshalb noch lange nicht. Natürlich kann man streiten, ob ein Titel wie I'll Sue You, der an dritter Stelle kam, bei Interpol nur eine B Seite wäre und ob man wirklich einen Instrumentaltrack wie Lisbon braucht. Hierbei würde man aber verkennen, das die meisten Solo Songs sehr subtil und dezent gestrickt sind und selbst Lisbon live alles andere als deplatziert war. Schon klar, hier ging es nicht Hit auf Hit wie bei Interpol und die Leute erkannten die Stücke auch nicht nach dem ersten markanten Basslauf oder einem Gitarrenriff. Also kein Evil, Slow Hands, Obstacle 1 oder PDA, dafür aber solch schöne Nummern wie das sanft melancholische Summertime Is Coming, das heroische Only If You Run, das wundervoll balladeske On The Esplanade oder das druckvolle und in diesem Falle definitiv stark an Interpol erinnernde  Games For Days zum krönenden Abschluss (im Übrigen dem Tourmanager gewidmet).





 

Es war in jeder Hinsicht eine runde Sache und selbst als ich im Mittelteil bei Arise Awake und Fly As You Might ein klitzeklein wenig Langweile verspürte, wurde diese umgehend beiseite gewischt und mit einem beeindruckenden Finish mehr als wettgemacht. Allein die letzte viertel Stunde war das Geld definitiv wert. Hier wurde perfekt zwischen eher dreampoppigen Songs und Indierockern gewechselt, ähnlich wie bei Interpol durch eine milimetergenau Gitarrenarbeit mit präzise herausgearbeiteten Riffs geglänzt und auch melodiös zu Werke gegangen.


Die Stimme von Banks? Sensationell und zwar durchgängig! Mal fest und durchdringend, mal brüchig und verletztlich, Banks traf immmer die richtige Note. Der Sound war ebenfalls brillant und perfekt ausgesteuert, so daß es in dieser Hinsicht überhaupt gar nichts zu meckern gab.

Einzig die im Vergleich zum Album zu schleppende Version des schönen Young Again enttäuschte etwas und auch die enorme Trägheit des Publikums irritierte mich ein wenig.

Zwei seltsame Szenen gab es zudem. Zum einen wurde ein älterer Herr nach draußen katapultiert, nachdem ein junges Mädchen einen Ordner gerufen und auf diesen gezeigt hatte. Ob dem Herrn nur schlecht war, oder ob er das Mädel unsittlich angefasst hat, ist nicht überliefert.

A propos unsichtlich anfassen (womit wir bei der zweiten seltsamen Szene wären): tapsig wie ich bin, hielt ich ein Mädchen gleich vor mir für meine Ehefrau, näherte mich ihr und legte ihr vertraut die Hand von hinten auf die Schulter (zum Glück nicht ganz woanders hin!). Ganz Charmeur flüsterte ich in ihr Ohr: "Na Liebling, gefällt es dir?" Die fälschlicherweise Angesprochene reagierte erstaunlich relaxt und meinte nur: "Comment? Was meinst du bitte?" Gut, sie schaute ein wenig angewidert, merkte aber schnell, daß es sich um einen Irrtum handelte. Meine Frau die gleich links daneben stand und die Szene mitbekommen hatte, kämpfte hingegen mit den Tränen. Nicht weil sie aus Ärger über mich weinte, sondern weil sie von heftigen Lachkrämpfen geschüttelt wurde.

Am Ende grinsten wir uns nur noch an und verließen das Konzert des doch eigentlich so melancholischen Sängers Paul Banks mit einem nicht zu unterdrückenden Glucksen.

Setlist Paul Banks, Alhambra Paris:

01: Unwind
02: Fun That We Have
93: I'll Sue You
04: Only If You Run
05: Arise, Awake
06: Fly As You Might
07: No Chance Survival
08: Young Again
09: Lisbon
10: Over my Shoulder
11: No Mistakes
12: The Base
13: Paid For That
14: Summertime Is Coming

16: Sykscraper
17: On The Esplanade
18: Games For Days




Dienstag, 29. Januar 2013

Paul Banks, Frankfurt, 28.01.13

1 Kommentare

Konzert: Paul Banks
Ort: Mousonturm, Frankfurt
Datum: 28.01.2013
Zuschauer: ca. 200
Dauer: knapp 75 min (Pascal Finkenauer 25 min)



Die schönste Szene des Abends passierte, als Paul Banks' Band zur ersten Zugabe zurück auf die Bühne kam. Der blonde Schlagzeuger beugte sich nach vorne und raunte seinem Sänger zu, daß der vergessen habe, seinen Namen zu nennen. "Habe ich euch den Drummer nicht vorgestellt? Nein? Das ist..." Dummerweise nuschelte Paul den dann so sehr, daß die Beschwerde umsonst war. Seine anderen Kollegen hatte der Interpol-Sänger zwischendurch vorgestellt, mir kam vom Sehen nur Gitarrist Damien Paris bekannt vor, er gehörte sicher schon 2009 zu Pauls Liveband, als er als Julian Plenti mit seinem ersten Solo-Album auf Tour war. Damien war mir damals als guter Musiker aber vor allem als Meister großer Rockstar-Gesten in Erinnerung geblieben.


Auch ansonsten hatte mir das Solo-Konzert vor gut drei Jahren mehr Spaß gemacht als erwartet. Wenn man die Interpol-Stimme hört, die sich mit ihrem herrlich nörgelnden Klang durch große Gitarren-Stücke singt, erwartete man - erwartete ich - auch die großartigen Melodien von Interpol, als ich Julian Plentis Debüt gekauft habe. Natürlich war das Unsinn. Mir gefiel es gut, die große Liebe war es aber nicht. Also hatte ich auch keine großen Live-Erwartungen. Das Konzert überzeugte mich restlos, deshalb war es keine Frage, daß ich mir auch die zweite Deutschland-Tour, diesmal unter Pauls echtem Namen ansehen würde.

Der umgebaute Mousonturm war noch erschreckend leer, als ich kurz vor Beginn der Vorgruppe in den Saal kam. Kurz vor neun waren gerade mal 30 Leute da. Das besserte sich bis zehn deutlich, es blieb aber auch da weit unter ausverkauft - wie vor drei Jahren übrigens auch.


Das Vorprogramm von Pascal Finkenauer und Band habe ich weitesgehend verpasst. Dabei hatte es gut angefangen, das erste Stück (Text: "auf dem Fest aller Feste") gefiel mir gut. Danach flachten der Auftritt und mein Interesse ab. 

Da der Support nach 25 min bereits durch war, hatten die Helfer der Hauptgruppe lange Zeit, alles vorzubereiten. Leider nutzte das nicht viel, denn als Paul Banks und seine drei Kollegen begannen, wurde es sehr laut, aber auch sehr dürftig ausgesteuert. Skyscraper vom Julian Plenti Album begann sehr langsam und ruhig, brach dann aber krachig aus, mit viel zu leiser Stimme des Sängers. Im Laufe des Konzerts besserte sich das ein wenig, Pauls Gesang blieb aber vorne deutlich zu leise im Vergleich zu den Instrumenten. Ich bin wahrlich kein großer Experte, mir schien aber auch Damiens Gitarre im Vergleich zu den anderen Geräten zu dominant (wobei dessen Spiel so herrlich anzuhören ist, daß es Schlimmeres gibt, als dies im Vordergrund zu hören!). Mit lauter abgemischter Stimme des Sängers wäre der Klang toll gewesen, Lautstärke ist schließlich kein Teufelszeug, wenn die Verhältnisse untereinander passen.


Es begann also mit alten Stücken, denn nach Skycraper folgte auch noch Fun that we have - und in der ersten Konzerthälfte in der Mehrzahl Lieder vom Debüt. Damals, als Paul nur dieses Album hatte, unterließ er es, Interpol-Titel zu spielen, er coverte stattdessen in Köln zum Beispiel die Pixies oder die schrecklichen America. Gestern waren nur eigene Sachen von beiden Platten und das unveröffentlichte Goodbye Toronto, das er schon 2009 gespielt hat, im Programm.

Auch wenn nicht all seine Lieder große Hits sind, waren die 75 Minuten musikalisch toll und kurzweilig. Es machte Spaß! Offenbar auch dem Sänger, denn der lachte oft und schien bestens aufgelegt zu sein, auch wenn er ganz offensichtlich andere Zuschauermengen gewohnt ist. Das macht mir Banks extrem sympathisch. Mit einem Supermodel liiert, als Sänger einer großen New Yorker Band, das legt eigentlich nahe, daß solche Stationen in halbvollen (wenn auch sehr schönen!) Sälen in Hessen nicht unbedingt die spannendsten Abende des Jahres sind. Paul schien es aufrichtig Spaß zu machen!

Sehr gut neben Goodbye Toronto, den Hits The base und Over my shoulder und dem wundervollen (an Tiger Lou erinnernden) Istrumental-Stück Lisbon gefielen mir Young again und die Jahrmarkt-Gitarren bei Arise, awake!

Mit Summertime is coming endete das reguläre Set komisch. Das Lied ist toll, es trudelt allerdings aus, ist damit vollkommen ungeeignet, am Ende eines Programms zu stehen. Die beiden Zugaben, das ruhige On the esplanade und vor allem Games for days entschädigten aber dafür locker! Es war zwar ein guter Abend, aber wegen des breiigen Gesangs leider nicht mehr. Da ich aber auch Spaß an den kleinen Sachen habe, war das letzlich nicht so schlimm, weil Paul Banks die schönste Gitarre der Welt hatte. Auf deren Oberseite ist nämlich Audrey Hepburn gedruckt!

Setlist Paul Banks, Mousonturm, Frankfurt:

01: Skyscraper
02: Fun that we have
03: I'll sue you
04: Only if you run
05: Arise, awake
06: Goodbye Toronto
07: Fly as you might
08: No chance survival
09: Young again
10: Lisbon
11: Over my shoulder
12: No mistakes
13: The base
14: Paid for that
15: Summertime is coming

16: On the esplanade (Z)
17: Games for days (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Julian Plenti, Paris, 13.12.09
- Julian Plenti, Köln, 08.12.09

- Interpol, Saint Cloud, 28.08.11
- Interpol, Barcelona, 26.05.11
- Interpol, Paris, 15.03.11
- Interpol, München, 12.03.11
- Interpol, Dortmund, 22.11.10
- Interpol, Paris, 17.09.10
- Interpol, Montreux, 16.07.08
- Interpol, Brüssel, 23.11.07
- Interpol, Paris, 21.11.07
- Interpol, Köln, 19.11.07
- Interpol, Hohenfelden, 17.08.07
- Interpol, Köln, 11.05.07
- Interpol, Paris, 10.05.07





Sonntag, 13. Dezember 2009

Julian Plenti, Paris, 13.12.09

2 Kommentare

Konzert: Julian Plenti
Ort: Theatre de l'Alhambra, Paris
Datum: 13.12.2009
Zuschauer: bei weitem nicht ausverkauft
Konzertdauer: etwa 60 Minuten



Stell Dir vor, der Interpol Sänger Paul Banks gibt unter dem Pseudonym Julian Plenti ein Konzert und keine Sau geht hin! Oder noch schlimmer: Stell Dir vor, Paul, der wohlgemerkt einer deiner Lieblingssänger ist, rauscht mit seinen Songs mindestens 30 Minuten komplett an Dir vorbei, ohne Dich in irgendeiner Weise emotional zu berühren!

Aber nun gut, wollen wir es nicht zu dramatisch darstellen. Gähnend leer war es im Pariser Alhambra nicht, wenngleich die Platzkapazität von 600 Plätzen nur zu ungefähr 2/3 ausgeschöpft wurde. Und wirklich mies war auch die erste Hälfte des Konzertes nicht. Dennoch, wenn ein bekannter Sänger einer erfolgreichen Rockband wie Interpol vor so wenigen Zuschauern spielt, ist das schon ein wenig befremdend. Wenn dann noch hinzukommt, daß die anwesenden Zuschauer durch die Bank weg durch Passivität, Ausdruckslosigkeit und Hüftsteifheit auffallen, wird es schon ein wenig gespenstisch. Ein solch maues Publikum habe ich seit langem nicht erlebt! Ob die Leute vorher Valium eingeworfen hatten? Oder steif vor Kälte waren, weil draußen frostige Temperaturen herrschten? Oder lag es doch an Julian Plenti und seiner Band? - Schwer zu sagen. Ich denke den Ami mit der Grabesstimme trift auch eine gewisse Mitschuld, denn er war gewohnt wortkarg und reserviert. Keine Frage, der Typ ist kalt wie eine Hundeschnauze, da beißt die Maus keinen Faden ab! Bloß, daß er bei Konzerten von Interpol die Chance hat, seinen Mangel an Strahlkraft und Kommunikationsvermögen durch etliche Killersongs zu kompensieren. Hier und heute aber blieben zumindest in den ersten dreißig Minuten die Stücke blass und ohne Biss. Julian Plenti, der zahnlose Tiger. Oder so. Abgesehen von einem kleinen Aufhorcher bei Fun That We Have rauschte das Programm an mir und höchstwahrscheinlich auch den meisten anderen Zuschauern vorbei. Sein Gitarrist, optisch eine Kreuzung aus dem jungen Willy Millowitsch und Charlie Chaplin, hampelte zwar unfassbar affig und theatralisch über die Bühne und sein Celllist fiedelte ebenfalls mit viel Engagement, aber Emotionen konnten sie dennoch nicht schüren. Es war enttäuschend! Da half es auch nichts, daß Julian stimmlich voll auf der Höhe war und sich kaum einen Patzer leistete. Die Sachen zogen nicht, das Konzert war lau und recht farblos.

Erst in der zweiten Hälfte schaffte es die Band, mehr zu überzeugen und den Funken wenistens ein bißchen überspringen zu lassen. Unwind hatte endlich mal mehr Bums und Only If You Run war mit seinem ausgeprägtem Streicherpart und der aggressiveren Darbietung definitiv stärker als auf dem Album. Die Ballade On The Esplanade nahm dann zwar wieder das Tempo raus, aber das Stück traf mit seiner zarten Melancholie voll in mein Herz. Gänsehaut. Endlich! So hatte ich mir das vorher eigentlich durchgängig erhofft, aber besser spät als nie. "I should have safed my energie", vielleicht hatte Julian den Text zu wörtlich genommen. Im ersten Teil Energie sparen, um dann am Ende Gas zu geben. Ganz nach dem Motto: Hinter wird die Ente fett! Und wie fett sie wurde! Fast so mastig wie die Wampe von Franck Black, dessen Pixies Song Into The White wirklich gelungen gecovert wurde. Skyscraper hielt dann den Spannungsbogen, was wenig verwunderte, da der Song auch einer der besten auf dem Album ist und das mir unbekannte Goodbye Toronto beendete äußert gelungen den offiziellen Teil.

Der Zugabenblock war schließlich absolut versöhnlich. Der psychdelische Sixties Klassiker A Horse With No Name folgte auf das instrumentale H und war deutlich besser als das Original von America. Wunderbar, wie harmonisch die Band zusammenspielte und den Oldie so richtig aufmöbelte. Nichts, aber auch gar nichts kam gegen das finale Games For Days an. Rasierklingenscharfe Gittarenriffs, ein gepeitschtes Schlagzeug und eine Stimme, die durch Mark und Bein ging, so wollte man Julian Plenti sehen! Ein veritabler Hammer zum Abschluß, der die maue erste Hälfte fast in Vergessenheit geraten ließ.

Dennoch eine Bitte an Paul: Begrab den Julian Plenti umgehend und geh' mit einem neuen, hoffentlich brillanten Interpol Album 2010 auf Tour!

Setlist Julian Plenti, Alhambra, Paris:

01: Mythsizer (J Dilla Cover)
02: Fly As You Might
03: No Chance Survival
04: Fun That We Have
05: Madrid Song
06: Girl On The Sporting News
07: Unwind
08: Only If You Run
09: On The Esplanade
10: Into The White (Pixies Cover)
11: Skyscraper
12: Goodbye Toronto

13: H
14: A horse with no name (America Cover)
15: Games for days

Fotos folgen!

Aus unserem Archiv:

Julian Plenti, Köln, 08.12.09
Interpol, Montreux, 16.07.08
Interpol, Brüssel, 23.11.07
Interpol, Paris, 21.11.07
Interpol, Köln, 19.11.07
Interpol, Hohenfelden, 17.08.07
Interpol, Köln, 11.05.07
Interpol, Paris, 10.05.07

- Die wie immer granatenhaft tollen Fotos von Julian Plenti findet man bei Konzertfotografenzar Robert Gil. Klick!




Dienstag, 8. Dezember 2009

Julian Plenti, Köln, 08.12.09

7 Kommentare

Konzert: Julian Plenti
Ort: KulturKirche Köln
Datum: 08.12.2009
Zuschauer: leider bei weitem nicht ausverkauft
Dauer: Julian Plenti gut 60 min, I'm In You 40 min


Wäre Köln heute abend von einer großen Flutwelle verschluckt worden, die amerikanische Indieszene hätte viele ihrer großen Namen verloren. In verschiedenen Clubs der schönsten Stadt Deutschlands spielten nämlich Josh Homme, Dave Grohl, Mark Lanegan und Julian Plenti, der als Paul Banks Frontmann von Interpol ist. Im Fall des jüngsten der Liste war es allerdings kein Club, sondern eine Kirche, in der das Konzert stattfand, obwohl auch Julian sich da offenbar nicht ganz sicher war ("it's nice to be at this ... venue again!").

Daß die Konkurrenz der neuen super Supergroup Them Crooked Vultures (im ausverkauften Palladium) und der Soulsavers mit Mark Lanegan im Gebäude 9 so groß sein würde, daß die KulturKirche nicht voll sein würde, hatte ich vollkommen unterschätzt. Aber vielleicht ist das Soloprojekt unseres Manns bei Interpol auch einfach nicht bekannt genug, um genügend Leute zu finden, die den sehr happigen Eintrittspreis dafür bezahlen würden. Wir jedenfalls waren wegen des erwarteten Ansturms früh da und hatten viel Zeit für Spekulationen. Dabei waren wir uns bei ein paar Sachen absolut sicher: Paul-Julian würde kurz spielen, maximal 45 Minuten, definitiv nichts von Interpol und aus Eitelkeit auch nichts von fremden Künstlern. Wir kennen doch schließlich unsere Pappenheimer.

Vor der noch sehr leeren Kirche begannen zunächst aber andere New Yorker. I'm In You hieß die fünfköpfige Band, die Julian Plenti supporten durfte. Die Band besteht
aus zwei abwechselnd singenden Gitarristen, einer Geigerin, einem Bassisten und einem Schlagzeuger. Unsere Assoziationen, wem die Musik der Amerikaner glich, waren unterschiedlich. Ich hörte Pavement, die Pixies und die Talking Heads raus, wir waren uns aber darüber einig, daß sie nicht originell und schnell langweilig waren.

Aber I'm In You waren pünktlich. Sie begannen um acht und räumten nach vierzig Minuten die Bühne.

Julian Plenti dagegen ließ uns ein paar Minuten warten. Auch das war zu erwarten. Ein divenhafter Ex-Supermodel-Freund (oder Supermodel-Exfreund?) macht das
eben so. Nachdem ihn der Gemeindepfarrer Thomas Diederichs angekündigt hatte, kamen irgendwann Julian mit Schlagzeuger, Bassist, zweitem Gitarristen und Cellisten auf die Bühne. Der Sänger trug eine große Brille und einen Kapuzenpulli, wenig divenhaft schon einmal.

Es begann ohne den großen Trumpf seiner Musik, seine überragende, immer etwas nörgelnd klingende Stimme. Stattdessen wurde ein Cover gespielt, das Julian Plenti später als Stück des verstorbenen J Dilla benannte. Erst danach kam seine eigene Musik, Stücke vom Album Julian Plenti is... Skyscraper.

Die KulturKirche gehört vermutlich zu den am schwersten zu beschallenden "Venues" in Köln. Als Julian mit Interpol vor drei (?) Jahren hier aufgetreten ist, war der Sound wohl je nach Standort alles andere als gut. Heute klang alles brillant, Julians Gesang und die Instrumente seiner Band waren sehr ordentlich aufeinander abgestimmt und waren komplett und deutlich definiert zu hören. Auch wenn ich es sehr mochte, wie der
Bass klang, wie das Cello zum Gesamteindruck beitrug, ist natürlich die Stimme das einzigartige Element seiner Musik. Auch wenn sie an ein, zwei Stellen etwas brüchig klang (bei einem Lied war mir das aufgefallen; das einzige Wimpernhaar in der Suppe), fesselte sie mich sofort wieder. Sagenhaft, wie der Musiker Zeilen wie "you must be my rival, I remember your face" singt!

Seine Soloplatte ist wegen seiner Stimme zwar klar als Paul-Banks-Interpol-Krams zu identifizieren, unterscheidet sich ansonsten aber schon deutlich von den Stücken seiner Hauptband. Auf Julian Plenti is... Skyscraper gibt es wenige Interpolmomente, Lieder, die auch da Verwendung finden könnten. Fun that we have ist einer von denen. Aber obwohl mir das Stück heute mit am besten gefiel, sind eben auch die nur stimmlich an die große Bürde erinnernden Titel durchweg überragend, da muß man nichts herausheben, wirklich nicht!

Also kümmere ich mich mehr um die musikalisch überraschenden Momente ("
und aus Eitelkeit auch nichts von fremden Künstlern"). Als nach dem wundervollen On the esplanade "and there ain't no day" genörgelt wurde, brauchte ich einen Moment, um die Pixies zu erkennen. Julian Plenti interpretierte das von Kim Deal gesungene Into the white grandios! Vor einigen Wochen hatte ich das Original in Frankfurt live gesehen, das Cover stand dem aber in nichts nach, etwas, daß bei Pixies-Titeln eigentlich nicht geht. Das nächste Cover war ein kurzes. Nächste Woche soll es kalt werden. Der in England geborene New Yorker zog das vor und stimmte ein kurzes Let it snow an, das in einem Lied namens Goodbye Toronto mündete, das ich nicht kannte, vermutlich ein neuer Song? Let it snow passte auch so gar nicht in mein Bild der Interpoldiva, ich sollte dringend an meinen Vorurteilen arbeiten! Goodbye Toronto gefiel mir übrigens sehr gut!

Das Stück beendete das reguläre Set nach etwa 45 Minuten. Recht schnell erschienen Julian und seine vier Begleiter, deren genuschelten Namen ich leider nicht verstanden habe, aber wieder. Wie schon zu Beginn wurde auch der Zugabenblock mit einem Instrumentalstück eröffnet, H vom Album. Danach
folgte schon wieder ein Cover, diesmal eines, dessen Original ich nicht mag, Horse with no name (von der Fetenhits "Oldies"). Immerhin wussten wir hinterher nicht, von wem das Original noch einmal stammte. Mein Tip "Eagles" war schnell als blödsinnig geoutet ("die hatten nur einen Hit"). Jedenfalls gut für die Credibility, daß wir uns so unsicher waren. Fies beim Original finde ich das "La la la", ein Stilelement, das ich eigentlich bei Musik liebe. Julian scheint das auch nicht zu mögen, der Refrain wurde durch Gitarren ersetzt...

Etwas Eigenes zum Abschluß (Games for days), und das Konzert war nach gut einer Stunde beendet ("
würde kurz spielen, maximal 45 Minuten"). Die einzige meiner Erwartungen, die erfüllt wurde, war die an die Güte des Auftritts. Genauso hatte ich mir das erhofft, als ich die Platte liebengelernt habe. Da nutzt jemand nicht bloß seinen guten Namen, um auch solo noch ein paar Dollar extra zu verdienen.

Nur eines war ein wenig fies: das Gepose des ansonsten ganz bestimmt hervorragenden Gitarristen. Ich vermute, er hat einen Heavyhintergrund, er ließ zumindest kaum eine Chance aus, albern durch den Altarraum zu laufen. Eigentlich fehlte nur ein theatralisches Aufdiekniefallen. Aber auch er schaffte es nicht, trotz aller Bemühungen, den tollen Gesamteindruck zu versauen! Julian Plenti is... unbedingt sehenswert!

Setlist Julian Plenti, KulturKirche, Köln:

01: Mythsizer (J Dilla Cover)
02: Fly as you might
03: No chance survival
04: Fun that we have
05: Girl on the sporting news
06: Madrid song
07: Unwind
08: Only if you run
09: On the esplanade
10: Into the white (Pixies Cover)
11: Skyscraper
12: Goodbye Toronto (mit Let it snow)

13: H (Z)
14: A horse with no name (America Cover) (Z)
15: Games for days (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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