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Freitag, 9. August 2019

Camera Obscura, Glasgow, 05.08.19

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Konzert: Camera Obscura
Ort: Saint Luke's & The Winged Ox
Datum: 05.08.2019
Dauer: Camera Obscura 85 min, Carla J. Easton 35 min
Zuschauer: 600 (ausverkauft)




Nach dem Tod ihrer Keyboarderin Carey Lander im Oktober 2015 spielten Camera Obscura keine Konzerte mehr. Ein wenig erinnerte die Situation an Lush nach dem Tod von Drummer Chris. Lush stellte alle Aktivitäten ein und verkündete Jahre später die Auflösung. Ich war sehr sicher, daß das die Band aus Glasgow auch irgendwann machen würde. Tracyanne Campbell hatte mit Tracyanne & Danny eine neue Band, nichts deutete darauf hin, daß CamObs zurück kämen.

Als vor einigen Monaten das Lineup der Belle & Sebastian Indiepop-Kreuzfahrt bekanntgegeben wurde, tauchte aber neben Tracyanne & Danny auch Camera Obscura im Programm auf, kurz danach wurde eine Warmup-Show in Glasgow angekündigt. Eine Woche nach dem Indietracks, wie praktisch! Vor dem Konzert ihres neuen Projekts in Köln sprach ich die Sängerin auf die Bootstour an. Sie sagte damals, daß sie nicht einschätzen könne, wie es für die Band sein werde, wieder als Camera Obscura auf der Bühne zu stehen. Man werde abwarten müssen, was passiere.

Da meine bisherigen Camera-Obscura-Konzerte immer einen faden Beigeschmack hatten und die Band auf der Bühne mißgelaunt wirkte, hatte sie bei mir nicht den Ruf einer gute Liveband. Das - und das Risiko, daß die Situation die Musiker vielleicht emotional überfordern könnte - war eigentlich keine gute Voraussetzung für zu viel Vorfreude. Erstaunlicherweise stiegt die aber in Schottland von Tag zu Tag. Trotz so großer Konzerte wie dem der Primitives oder der Vaselines, war ich restlost überzeugt, daß es eine gute Idee war, nach Glasgow zu fahren.


Das Saint Luke's ist eine im 19. Jahrhundert gebaute Kirche im Glasgower East End. Das schlichte Gebäude hat eine Empore, eine Orgel, zwei Kirchenfenster und bietet wohl 600 Menschen Platz. Da das Konzert seit vielen Wochen ausverkauft war, waren wir früh da. Gottseidank! Denn so sahen wir den spannenden Support, der 30 min nach Einlass begann. "Das ist doch die Keyboarderin von den Vaselines!" Die schottische Indiepop-Szene ist wirklich nicht klein, die Frau hinter dem Keyboard hatten wir aber zwei Tage vorher bereits in Aberdeen als Bandmitglied der Vaselines gesehen. Diesmal durfte Carla J. Easton mit ihrer eigenen Musik auftreten.



Carla wurde von zwei Musikern begleitet, Callum ("guitar") und Paul ("acoustic guitar and glitter"). Carlas aktuelle Platte Impossible stuff ist als Scottish Album of the Year nominiert, obwohl es in allen Glasgower Plattenläden prominent vertreten war, kannte ich ihre Musik vor dem Konzert noch nicht. Der Auftritt gefiel mir sehr gut. Carlas Stimme erinnert mich an Kate Bush, stilistisch kann ich das nicht richtig greifen. Der Auftritt war aber spannend und damit der erste gute Support der kleinen Indiepop-Reise. Richtig toll wurde es auch zwischen den Liedern. Nach dem Vaselines-Konzert hatten wir die Sängerin für sehr schüchtern (oder von Frances' Humor eingeschüchtert eingeschätzt. Als Band-Leaderin taute sie kräftig auf und redete viel mit einem wunderschönen schottischen Akzent. Sie saß auf ihrem linken Bein hinter dem Keyboard. So sitze sie immer. Eine Frau habe sie einmal mitleidig darauf angesprochen, ob sie nur ein Bein habe. Als Carla ein neues Lied ankündigte, tat sie das mit "jetzt kommen die beiden schlimmsten Worte bei jedem Konzert: 'new song!'" Wir sollten nach Camera Obscura noch zum Merch-Tisch kommen. "I'm not a horrible person! No, I think I'm not a horrible person." Ihr Ex-Freund sei aber vielleicht anderer Meinung.

Als die Bühne für Camera Obscura bereitet wurde, fragten wir uns, ob Carla vielleicht auch bei der Hauptband am Keyboard spielen würde. Das erschien eine pragmatische Lösung zu sein, weil sie ja schließlich durch den Job bei den Vaselines ohnehin auf dem Schiff sein würde.

Nachdem er alles vorbereitet hatte, schrieb der Roadie Gitarrist Kenny McKeeve noch "smash it!" auf die Setlist. Ein normaler Konzerttag war das nicht.


Camera Obscura kamen zu sechst auf die Bühne. Tracyanne, Kenny, Bassist Gavin, Schlagzeuger Lee, Percussionist und Trompeter Nigel (denke ich) und Keyboarderin Donna Maciocia, die uns Tracyanne sehr früh vorstellte. Wenn die Band Zweifel hatte, waren die spätestens nach dem ersten Lied weg. Auf Let's get out of this country folgte minutenlanger Applaus, der den Grundton für den Abend festlegte. Das Heimspiel und das Publikum, das zum großen Teil aus Freunden und Familien-Mitgliedern zu bestehen schien, waren sicher eine große Hilfe. Daß die Band sich musikalisch nichts beweisen musste, wurde bei jedem der zahllosen Hits deutlich. Aber hier ging es nicht ums Eingerostetsein, es ging darum, mit den Gedanken zurechtzukommen, die ganz sicher bei jedem Blick zum Keyboard in den Köpfen der Band arbeiteten. Nach außen gingen Tracyanne und die anderen damit sehr stilvoll um. Die Sängerin erzählte irgendwann, daß alle Erlöse rund um die Konzerte an das The Prince & Princess of Wales Hospice in Glasgow gingen, den Ort, an dem Carey ihre letzten Tage verbracht habe. Auch wenn man ihr da den Kloß im Hals anmerkte, hatte der Abend einen enorm fröhlichen Grundton. Gerade Tracyanne wirkte gut gelaunt, sie lachte oft und schien es zu genießen, mit ihrer Band zurückzusein. Der Eindruck, den ich bei meinen früheren Camera-Obscura-Konzerten immer wieder hatte, daß es der Band keinen Spaß mache, aufzutreten, wäre ja vielleicht an diesem besonderen Abend berechtigt gewesen, davon war aber so gar nichts zu spüren! Es war ein Konzert mit viel Lachen, mit glücklichen Gesichtern auf und vor der Bühne.


Nicht zuletzt war es ein Abend mit fantastischen Liedern! Hätten wir vorher eine Wunschliste abgeben dürfen, sie wäre nah an der echten Setlist gewesen. Camera Obscura spielten alle Hits, hätte ich fast geschrieben, die Band hat aber so viele davon, daß ich heute noch im Saint Luke's stehen würde, wenn sie das getan hätte. Trotz alter Kirche klang das Konzert glasklar, jeder Keyboard-, Gitarren- oder Trompeten-Ton.

Es war unbedingt eine gute Idee, den Urlaub so zu verlängern, daß das Konzert noch reinpasste. Ein perfekter Ort, grandiose Lieder, ein Publikum, das nach mehreren tausend Leuten klang und eine überaus sympathische Band. Ich wüsste nicht, was verhindern sollte, daß das das beste Konzert des Jahres war! Höchstens vielleicht doch noch eine Teilnahme an dieser verdammten Kreuzfahrt im Mittelmeer, auf der Camera Obscura noch zweimal auftreten.

Setlist Camera Obscura, Saint Luke's, Glasgow:

01: Let's get out of this country
02: Do it again
03: Teenager
04: Tears for affairs
05: Swans
06: Desire lines
07: The sweetest thing
08: This is love (feels alright)
09: Forests and sands
10: James
11: French Navy
12: Come back Margaret
13: Troublemaker
14: Lloyd, I'm ready to be heartbroken
15: If looks could kill

16: Cri du coeur (Z)
17: Honey in the sun (Z)
18: Razzle dazzle Rose (Z)




Sonntag, 10. März 2013

My Bloody Valentine, Glasgow, 09.03.13

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Konzert: My Bloody Valentine
Ort: Barrowland Ballroom, Glasgow
Datum: 09.03.2013
Zuschauer: 2.000 (ausverkauft)
Dauer: My Bloody Valentine knapp 95 min,  Le Volume Courbe 30 min 



"The Valentine bring it to another dimension!" gab mir der bärtige Plattenverkäufer im Monorail, dem Laden der Pastels, mit auf den Weg. Unter meinen Einkäufen war eine Raritäten-Sammlung von My Bloody Valentine, die uns ins Gespräch brachte. "Gehst du heute abend hin?" - "Ja, sicher" - "Denk an Ohrhörer!" - "Habe ich dabei, ich weiß, daß es laut wird." - "Das wird sogar sehr laut!" - "Ich habe mit den Ohrhörern schon Dinosaur Jr. geschafft." - "The Valentine bring it to another dimension!"

Als My Bloody Valentine ihre kurze Clubtour zur legendären dritte Platte mbv angekündigt hatten, dauerte es nicht lange, bis ein mail kam. "9. März, Glasgow?" Ja, natürlich. Ich hatte My Bloody Valentine nie live gesehen und hatte die Hoffung fast schon aufgegeben. Dummerweise hatte ich aber mein Budget an UK-Reisen für 2013 schon großzügig verteilt: im April wollte ich zu James, im März zum London Popfest, beides war fest eingeplant. Außerdem war das Indietracks im Sommer gesetzt. Innerhalb weniger Tage kamen dann aber My Bloody Valentine und Suede im Alexandra Palace dazu - und ich war langsam überfordert. Das Popfest und James wurden gestrichen, My Bloody Valentine und Suede gebucht, immer noch irre, aber anders irre.

Und dann erschien am 2. Februar wirklich das Nachfolgealbum von Loveless und beendete damit den Running Gag des Wartens auf die Platte. Am nächsten Morgen hatte ich meine Version von mbv und war begeistert. Fresh as a daisy, wie meine aus dem Konzertkalender gestrichenen Lieblinge James sagen!

Erstaunlicherweise war der erste Ansturm auf die Karten nicht sehr groß. Obwohl schon ein Vorabverkauf stattgefunden hatte, hatten wir keine Probleme, zum regulären Vorverkaufsstart Tickets zu kaufen. Mit 27 Pfund waren die auch nicht schrecklich teuer (wobei fünf mehr oder weniger strenggenommen egal wären für ein Konzert, zu dem man mit dem Flugzeug anreist).


Als wir vor dem Barrowlands ankamen, war es bitterkalt und der Einlaß hatte sich verzögert. Es gab noch eine Schlange, die einmal um die Hausecke ging. Mit Öffnen der Türen ging es im Prinzip flott rein, allerdings hatte ich das Glück, daß ich nach Durchqueren des Metalldetektors noch zur Taschenkontrolle durfte und an einen Ordner geriet, der auch verlangte, mein Portemonnaie nach versteckten Drogen und Waffen zu durchsuchen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob Waffen ein Problem bei schottischen Konzerten sind oder waren, und ob diese Kontrollen also ein lästiges Übel sind, ich empfand es jedenfalls als extrem unangenehm, das Portmonnaie incl. des Kleingeldfachs vollkommen selbstverständlich durchsucht zu bekommen und hatte eine Stinklaune.


Oben im Saal war noch nicht viel los. Der Barrowland Ballroom besteht aus drei Stockwerken. Im Erdgeschoß ist der Einlaß, im ersten Stock Toiletten, fester Merchstand und Bar und im zweiten Stock der Konzertsaal mit Bar und Bierstand am Rand. Der Bierstand ist extrem pragmatisch organisiert: wer keine Lust hat, sich für ein gezapftes Gesöff an der Bar anzustellen, kann an einen Tisch gehen, hinter dem drei Verkäufer Bierdosen in Plastikbecher kippten. Eindrucksvolle Mengen Bierdosen!


Um acht begann das Vorprogramm mit Le Volume Courbe, einer Band um die Französin Charlotte Marionneau. Zu ihr gesellten sich allerhand Musiker in komischen Outfits, einer mit Poncho, einer mit lustigem Hut, eine Westerngeigerin, die dauernd in die Knie ging (grausam affig, solche Bewegungen auf der Bühne). Musikalisch hätte Le Volume Courbe mit seinem Weltmusik-Einschlag besser zu Blur gepasst, den Platz im My Bloody Valentine Vorprogramm hatte die Band ihrer Beziehung zur Hauptgruppe zu verdanken. Auf dem 2005er Debüt der Französin hatten Kevin Shields und Colm Ó Cíosóig mitgespielt, gemeinsam mit dem MBV Frontmann betreibt Charlotte ein Label. Das 30minütige Vorprogramm war nicht schlecht, stellenweise gut, passte aber überhaupt nicht. Aber weil Charlottes Gesang ganz wundervoll ist (und ein wenig an Soko erinnert), fühlte ich mich gut unterhalten.


Es war deutlich, daß MBV um neun beginnen sollten, der Start verzögerte sich aber um fast eine Viertelstunde. Allerdings war wenig Hektik zu spüren, vielleicht mussten nur ein paar Sicherungen ausgetauscht werden, um die immense Menge an Verstärkern verkraften zu können. Freitag hatten My Bloody Valentine das erste Konzert ihrer Tour in Birmingham gespielt, vielleicht dauert es ein paar Auftritte, bis alles wieder flutscht.

Als es dann losging, war es irgendwie wie die Veröffentlichung der Platte. Erst wartete jeder sehnsüchtig, als es dann soweit war, präsentierte die Band sich ziemlich unspektakulär. Auf alle dramatischen Effekte wie Dunkelheit, einen Vorhang oder eine Intro-Musik verzichtete man, die vier Indiehelden schlufften auf die Bühne und schnappten sich ihre Instrumente. So wie sie im Februar das lange erwartete Album einfach online gestellt hatten. So, da isses. Und so, da sind wir.

Es blieb gerade genug Zeit, die Ohrstöpsel mit den dicksten Filtern reinzustopfen, bevor I only said und When you sleep von Loveless startete. Auch wenn es (zu diesem Zeitpunkt) weniger schlimm laut als befürchtet war (aber ein Verzicht auf Ohrhörer trotzdem zu sofortigem Tinnitus geführt hätte!), war ansonsten alles wie erwartet. Der Gesang, vor allem von Gitarristin Bilinda Butcher war allenfalls als gehauchte Andeutung zu hören. Kevin Shields bewegte seinen Mund oft vor dem Mikro. Ob er sang oder nur Druck auf den Ohren hatte, war für mich nicht auszumachen. Zu hören war stattdessen der wundervoll melodische Krach, der die Lieder der Band in großer Lautstärke sind. Die Frage, ob solch ein Konzert in so viel leiser, daß man es ohne Ohrenschutz verfolgen kann, nicht besser wäre, stellte sich mir während des Auftritts aber überhaupt nicht. Leiser wäre weniger spannend gewesen.



Vom neuen Album spielten die vier lediglich drei Stücke, das hatte ich anders vermutet. Ich hätte mir einige Lieder von mbv live gut vorstellen können. Da die aber nur für uns Fans wirklich neu sind und für Shields und Co. vermutlich gleichalt wie die wirklich frühen Stücke wirken, überrascht mich dies jetzt nicht mehr.

Die dritte Platte ist in drei Teile aufgeteilt, habe ich irgendwo gelesen - und kann dies absolut nachvollziehen. Drei Lieder, die klingen, als stammten sie von Loveless, dann drei ein wenig popigere, dann dreimal experimentell-noisig. Aus jedem Drittel spielten MBV ein Stück. Only tomorrow, New you und Wonder 2.

Vom restlichen Programm stammte das meiste von Loveless und von den diversen EPs. Alleine von You made me realise spielte die Gruppe vier Lieder.

Ab und zu kam eine zusätzliche Musikerin auf die Bühne und spielte Keyboard, bei New you von mbv zum Beispiel. Dann verschwand sie wieder, großa auszumachen waren die Keyboards aber eh nicht.

So weit, so gut...

Und dann wurde es am Ende doch noch so laut, wie ich erwartet hatte. Zu You made me realise drehte der Soundmann dann noch einmal richtig auf. Es war wirklich erstaunlich deutlich zu spüren, wie plötzlich eine neue Lautstärke-Stufe erreicht wurde. The Valentine bring it to another dimension, mein Plattenverkäufer hatte recht! Den fast zehnminütigen Teil, der wie Hagel auf einem Blechdach klingt, haben My Bloody Valentine 2009 mit 130 dB gespielt, das entspricht der Schmerzgrenze. Ein Flugzeugtriebwerk erzeugt 120 dB, was nach dem Bundesumweltministerium als "unerträglich bis schmerzhaft" gilt. Kein Wunder, daß alle, die sich auf die ausgeteilten einfachen Ohrstöpsel verlassen hatten, sich die Ohren zuhielten. Wow! Auf Video klingt das laut und krachig, live war es sagenhaft eindrucksvoll!

You made me realise ging in Wonder 2 über - am Ende standen alle fünf Musiker mit Gitarre auf der Bühne und schrammelten einfache Akkorde oder Töne. Der Übergang passte gut, das Konzert endete mit den fünf Gitarristen um kurz vor elf.

Mein erstes My Bloody Valentine Konzert kam meinen vorherigen Einschätzungen sehr nahe. Es war ein riesengroßes Erlebnis, ein großartiger Abend, aber kann in der Art, wie die Band ihre Konzerte spielt, nicht an einen Auftritt wie den von Blur im vergangenen Jahr heranreichen. Aber so ist es ja auch nicht gedacht. 



Setlist My Bloody Valentine, Barrowland Ballroom, Glasgow: 

01: I only said 
02: When you sleep 
03: New you 
04: You never should 
05: Honey power 
06: Cigarette in your bed 
07: Only tomorrow 
08: Come in alone 
09: Only shallow 
10: Thorn 
11: Nothing much to lose 
12: To here knows when 
13: Slow 
14: Soon 
15: Feed me with your kiss 
16: You made me realise 
17: Wonder 2 

[In der Ankündigung hatte ich großspurig versprochen, alle Ansagen von Kevin Shields wiederzugeben. Here we go...: "Good night!"]




Sonntag, 16. Dezember 2007

The Verve & Malcolm Middleton, Glasgow, 15.12.07

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Konzert: The Verve & Malcolm Middleton
Ort: SECC Glasgow
Datum: 15.12.2007
Zuschauer: ausverkauft (10.000)


Auf meinem Rückflug von Glasgow habe ich mir mal den Spaß gemacht, nachzulesen, was an einem normalen Wochenende in London an Bands auftritt. Und das ist gar nicht so schlecht: diesen Freitag spielten u.a. Bloc Party, die Cribs, Foal, Charlotte Hatherley, die Chemical Brothers, Simian Mobile Disco, The Enemy, Madness oder die Kaiser Chiefs, Samstag Kaiser Chiefs, Chemical Brothers und Bloc Party wieder, dazu die Spice Girls und CSS. Und die unzähligen tollen noch namenlosen Bands.

Daher war es auch kein großes Wunder, daß ich, als ich nur mal eben gerade nachgesehen hatte, ob vielleicht auch an meinem zweiten Abend in Glasgow etwas Interessantes spielen würde, sofort fündig wurde... Und wie! Denn es spielten The Verve und ich bekam noch ein Ticket für die zweite Runde der Wiedervereinigungstour der Band aus Wigan. Im November hatte die Gruppe um Richard Ashcroft zum ersten Mal seit ihrer (letzten) Auflösung Konzerte in Großbritannien gespielt, die ein riesiger Erfolg waren. Für Dezember wurden sechs weitere Termine angekündigt, u.a. in London und Manchester und eben im SECC in Glasgow, dem nationalen schottischen Platz für Ausstellungen und Großveranstaltungen.

Der eindrucksvolle Bau des SECC (ok, der Bau selbst ist funktional, das Schmuckstück ist das von Sir Norman Foster geplante Clyde Auditorium) liegt direkt am Fluß Clyde und ist von der Innenstadt bequem mit Gig-Busses oder Taxen erreichbar. Mit mir kamen viele sehr aufgebretzelte Frauen mittleren Alters an (ich habe Leggingfarben gesehen, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde), die allerdings (puh!) zu Mamma Mia! oder Snow White. Rechts und links des an eine Einkaufspassage erinnernden Gangs durch das SECC gehen die Säle bzw. Hallen ab,
in denen die Veranstaltungen stattfinden. "Meine" Halle war Nummer vier, mit einem Fassungsvermögen von 10.000 und vielen Tribünen ein großer und mächtig eindrucksvoller Ort für ein Konzert - angemessen also für ein großes Comeback. Die Smiths werden da sicher dann auch spielen.

Spannend war für mich zunächst einmal, wer The Verve supporten würde. Gelesen hatte ich alles Mögliche, da
waren von Annie Lennox über The Coral, Reverend and the Makers bis zu bloß einem DJ Set viele Namen genannt worden. Als dann ein DJ damit anfing, langweilige funkige Lieder aufzulegen, fürchtete ich also, den Trostpreis gezogen zu haben. Nach viel zu langer Zeit verschwand der Plattenwender aber und ein Knüller kam auf die wahnwitzig große Bühne. Es war zwar "nur", wie so oft in Köln, eine lokale Vorgruppe, im Falle von Glasgow war das aber eben Malcolm Middleton, den ich im Gebäude 9 schon gesehen hatte.

Der Ex-Arab Strap Mann hatte nur eine akustische Gitarre dabei und spielte acht Lieder. Das kam es geht so an. Mir gefiel das kurze Konzert ausgezeichnet. Der Sänger schreibt wundervoll melancholische Stücke. Sicher ist seine Musik nicht für eine gigantische Halle wie im SECC gemacht. Für mich war es aber genau das richtige Rahmenprogramm.

Neben den großen Hits "
A brighter beat" oder "Loneliness shines" spielte Malcolm auch Stücke, die ich nicht erwartet hätte, "Choir" oder "Burst noel". Weihnachten war bzw. ist bei dem Glasgower ohnehin ein großes Thema, da er versucht, sein "We're all going to die" zum Nummer eins Weihnachtshit zu machen. Als er das auch vor dem Lied noch einmal erzählte, brüllte ein angetrunkener Schotte neben mir "you'll fucking never be number one." Vermutlich ist der Song auch nicht weihnachtlich genug, ich wünschte es Malcolm allerdings sehr, Erfolg mit seinem Vorhaben zu haben, weil ich seine Musik sehr schätze!

Anfang des Jahres erscheint ein Akustikalbum. Mindestens eines der gespielten Lieder ("Blue plastic bag") wird auf dieser Platte erscheinen. Bei den anderen beiden mir unbekannten Liedern bin ich unsicher, ob sie neu sind.

Setlist Malcolm Middleton SECC Glasgow:

01: Follow Robin down

02: Choir
03: Blue plastic bag (neu)
04: We're all going to die
05: A brighter beat
06: Burst noel
07: Total belief

08: Loneliness shines

Seit ich zumindest Richard Ashroft live gesehen habe (er trat da mit Kettcar und Coldplay in Köln auf), hat sich der Sänger ziemlich verändert. Wieder-Verve-Ashcroft hat die Haare kurz und blondiert (er sieht aus wie Eminem!), trägt Sonnenbrille (weil nach seiner Aussage die Leute in Glasgow gerne mit Bier schmeißen, was ich bestätigen kann, das machen sie) und raucht weiterhin. Er war damit (also mit dem Rauchen) die Ausnahme, denn in der Halle herrschte striktes Qualmverbot. Sobald sich jemand eine Kippe ansteckte, leuchteten die Ordner teils mit riesigen Lampen auf den Raucher und drohten Hallenverbot an. Die Securities hatten den Saal perfekt im Griff, obwohl viele Besucher sehr alkoholisiert waren, unterbanden sie jeden Versuch von Prügeleien im Ansatz (die gab es reichlich). Die Stimmung war sehr ausgelassen, es war aber eben trotzdem sehr angenehm, man hielt es bequem vorne aus, ohne irgendwann flüchten zu müssen, wie mir das bei einigen Palladium Konzerten ergangen ist.

The Verve spielen in Besetzung Richard Ashcroft (Gesang und ab und an Gitarre), Nick McCabe (Gitarre), Peter Salisbury (Schlagzeug) und Simon Jones (Bass). Während natürlich Ashcroft im Mittelpunkt steht, weil er, wenn er nicht Gitarre spielt, sehr gestenreich singt (aber dabei nicht albern aussieht, wie der Sänger der Rakes) oder sich hinhockt und sitzend weitermacht, macht gerade Simon Jones eine riesige Show. Nach jedem Song streckte er die Fäuste aus, als habe er ein Tor geschossen, feuerte uns an (was unnötig war) und gab alles. Als Bittersweet Symphony verklungen war, gingen er und Nick McCabe Arm in Arm von der Bühne.
Es scheint also wirklich so zu sein, wie es die Band in einem Interview zur Wiedervereinigung gesagt hatte, sie spielen des Spaßes wegen, nicht wegen großer Gelder (die sie alle ohnehin bereits lange verdient hätten).

Der Sound anderer Konzerte der aktuellen Tour war teilweise heftig kritisiert worden. Hier klangen einige sehr laute Töne, als kippten sie weg. Das gab sich aber schnell, danach klang die Band für eine solch große Halle prima.

Auch wenn The Verve ein neues Album planen (und bereits einige neue Lieder haben), standen bekannte Stücke im Mittelpunkt. Vom neuen Material spielte die Band nur "Sit and wonder". Und obwohl sie die beiden Vor-LP Songs "Gravity graves" und ""Man called sun" im Programm hatten, kam nichts vom ersten Album "A storm
in heaven", merkwürdig... Ich weiß nicht, ob das üblich ist, es war mein erstes Verve Konzert. Ein ganz anderes Konzept verfolgen gerade die Sparks, die von 16. Mai an an 21 Tagen all ihre 21 Alben (das neue hat am letzten Abend Premiere) in London spielen werden - aber das ist ein anderes Thema.

Bei Liedern wie "Velvet morning", "Lucky man", "Drugs don't work" und "Bittersweet symphony" wurde es besonders feierlich - und ein großes Singalong. Es ist schon verflucht beeindruckend, wenn 10.000 Leute einen
(guten) Song mitsingen. Das war Stadionrock der guten Sorte und ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte!

Nach anderthalb Stunden (und B.S.S.) war Teil eins beendet. Die Vier erschienen dann nach ein paar Minuten (und sicher dem ein oder anderen Drink) wieder und spielten 15 Minuten Zugaben, die mit "Come on" endeten.

Schön, daß The Verve zurück sind! Ganz sicher demontiert die Band damit nicht den Ruf, den sie sich mit ihren drei Alben vor Jahren gemacht hat. Also ein gutes Comeback!

Setlist The Verve SECC Glasgow:

01: A new decade
02: This is music
03: Space and time
04: Gravity grave
05: Weeping willow
06: Life's an ocean
07: Sonnet
08: Sit and wonder
09: Velvet morning
10: Lucky man
11: Stormy clouds
12: On your own
13: Rolling people
14: Drugs don't work
15: Bitter sweet symphony

16: Man called sun (Z)
17: History (Z)
18: Come on (Z)

Links:

- Mehr Fotos sind hier.




Samstag, 15. Dezember 2007

Amy MacDonald, Glasgow, 14.12.07

6 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Barrowland Ballroom, Glasgow
Datum: 14.12.2007
Zuschauer: ausverkauft


"Oh the lights outside they're as bright as the sun
They're much brighter than anyone
Oh the girls in the queue yes they're waiting for you
Well they're waiting for their song to be sung
And when the night turns to day and all the people go away
It's not the same, tell me who's to blame?
And when the stars shine so bright on the cold December night
I wish that I was on the stage"

Als ich mir nach ihrem Auftritt als Support von Paul Weller in Frankfurt Amy MacDonald's Debüt-CD gekauft habe und zum ersten Mal "Barrowland Ballroom" gehört habe, habe ich mir vorgestellt, wie gut es sein müsste, das Lied in dem besungenen Konzertsaal einmal zu hören. Der schottischen Singer/Songwriterin ging es auch so, sie hatte bei einem anderen Auftritt in Glasgow den Song vor ein paar Monaten damit angesagt, dass das nächste Lied von einem Ort handele, an dem sie irgendwann mal spielen wolle. Dass das alles so schnell ging und Amy ein halbes Jahr nach ihren gefeierten Festivalauftritten den Saal ausverkaufte, in dem Bands wie Maximo Park oder Travis spielen, hatte sie dann aber wohl auch nicht erwartet. Auf ihrer Website schrieb die junge Schottin vor ein paar Tagen "I really am incredibly excited for the gig. It's such a great way to round up the year aswell. I hope it's as special as i dreamed!" Das war ich auch, denn das wollte ich mir nicht entgehen lassen...

Schon an den Strassenmusikanten merkt man, dass Glasgow mehr musikalisches Talent beheimatet als manches europäische Land insgesamt. Auf einem kurzen Gang durch die Innenstadt waren die Highlights, die ich gesehen habe, eine dreiköpfige Band mit Cello, Keyboard und Saxophon und ein Duo mit Gitarre und Schlagzeug (!).

Der Barrowland Ballroom liegt fünf Minuten zu Fuss von der Innenstadt weg, ist also prima erreichbar. Der Saal liegt im zweiten Stock, ist etwas kleiner, als ich wegen der
Menschenmassen bei Maximo Park gedacht hatte (da kam ich, als der Raum schon proppenvoll war), stinkt aber auch wie damals ekelhaft nach viel Bier auf dem Boden, sehr viel Bier.

Um sieben war Einlass und um halb acht begann die erste Vorgruppe "The Fire and I" aus Bathgate in Schottland. "The Fire and I" sind zwei Musiker, ein singender Bassist und ein punkig blondierter Schlagzeuger, der wie der Ex-Automatic Penny
haupsächlich den Background-Schrei-Part übernahm. Das hat mich nicht vom Hocker gerissen, klang weder aufregend noch neu, hat aber einige Leute so begeistert, dass die tanzten und mitsangen (und brüllten). Nach einer lauten halben Stunde waren sie fertig und machten Platz für ein ziemliches Gegenstück. Ein lockiger, holzfällerhemdtragender Mann (Jack) setzte sich an sein Keyboard und begann ein paar Lieder gemeinsam mit einem Gitarristen Chris, der auf einer Bühnenkiste sass, zu spielen. Der Stil war irgendwo zwischen (Achtung!) James Blunt, Jack Johnson und dem 90er Jahre Elton John, sprich, es war genau das, was Deutschlands meistgehörtes Radio tagaus, tagein spielt. Also liebe SWR3-Musikredaktion: ladet den Mann ganz dringend zu Eurem New Pop Festival ein! Eine Platte mit dem Titel "Either side of midnight" erscheint Anfang des Jahres.

Ich fand es schrecklich.

Setlist Jack (??? Name kommt noch)
Barrowland Ballroom Glasgow:

01: Not the hardest part
02: Milky Way
03: Either side of midnight
04: Living in a suitcase
05: Fine time
06: You think I don't care
07: Bang on the piano

Das dauerte glücklicherweise auch nur 30 Minuten, so dass um halb zehn das Licht ausging und schottische Pipes und Drums ertönten. Ganz stilgerecht tauchten auf der Bühne zwei Dudelsackbläser und zwei Trommler auf und spielten ein Intro. Unter grossem Jubel erschien dazu dann Amys Band. Im Gegensatz zu ihrem Paul Weller Support hat Amy MacDonald nämlich mittlerweile eine Band (und im Gegensatz zu Kate Nash auch eine Band, die spielen kann) - Schlagzeuger, Keyboarder, Bassist und Gitarrist.

Amy MacDonald war (britisch) festlich gekleidet, mit viel Glitzerkram im Gesicht, einem schwarzen Kleid mit schwarzen mit Glitzerzeugs verzierten Leggins und Stiefeln. Die zwanzigjährige Sängerin hat eine unfassbare Stimme, das wurde gleich beim ersten Song "This is the life" deutlich. Wow! Die Stimmung bei ihrem Heimspiel war so, wie ich es mir erhofft hatte, es war laut und
grossartig! Der ausverkaufte Saal war wegen ihr da und liess sie das von Beginn an merken. Das Publikum war bunt gemischt, hatte aber eben die Begeisterung für die Musik der jungen Sängerin gemeinsam. Also sang jeder mit, tanzte, wippte, es war herrlich! Die Stimmung war durchaus mit Gogol Bordello vergleichbar, wenn auch viel friedlicher und entspannter natürlich.

Wenn Amy MacDonald sing, macht sie das in schönstem Englisch. Wenn sie allerdings spricht, ist das eine vollkommen andere Sprache. Ich habe selten ein so schwer verständliches Schottisch gehört, unfassbar!

Das Set war anfangs nicht überraschend, bestand aus Lieder der im Sommer veröffentlichen CD, die auf Platz zwei der britischen und Platz eins der schottischen Charts (vier Wochen) war. In der Mitte des Programms kamen dann mit der B-Seite "Rock bottom" und dem Killers Cover "Mr Brightside" die ersten nicht-Album Stücke. Es folgte, falls ich Amy richtig verstanden habe, hmmm...., das offizielle Lied zur Bewerbung Glasgows für die Commonwealth Games 2014, das auf den späteren Albumversionen enthaltenen "Road to home", ein wunderschöner Titel! Dabei begleitete sie nur ihr Bassist am Schlagzeug.

Das nachfolgende "Run" war laut Amy das Lieblingslied von Paul Weller und dessen Begleiter Steve Cradock während ihres Supports. Cradock sollte wohl ursprünglich auch im Barras dabei sein, konnte aber leider nicht. Mit "Let's start a band" endete nach immerhin einer Stunde der extrem gefeierte Auftritt. Selbstverständlich war aber klar, dass das Konzert nicht ohne das Lied dazu enden würde. Daher dauerte es
auch nicht lange, bis Amy zurückkam. Sie kam aber nicht mit Band, sie kam mit ihren in Kilts gekleideten Landsleuten zurück, die sie zu "Caledonia", dem hidden track auf "This is the life" begleiteten, mit Dudelsack und Trommeln. Alleine dafür hätte sich der Abend gelohnt, einfach wundervoll!

Die zweite Zugabe, dann mit Band, war dann aber noch eine Nummer aufregender. Weil ja bald Weihnachten ist, folgte ein Weihnachtslied, "Fairytale of New York" von den Pogues, von Amys Bassisten gesungen, der den Text
auf mehreren Blättern vor sich auf dem Boden hatte. Amy übernahm dabei nur die zweite Stimme. Dazu leuchteten Lichterketten am Schlagzeug! Hach...

Während dieses Stücks legte der Tourmanager einen Blumenstrauss auf einen der Verstärker. Nach dem Pogues Cover erschien dann ein rundlicher Mann mit lustiger bunter Frisur (das musste einfach ein Radiomoderator sein), stellte sich als Joe von Radio XFM Schottland vor und berichtete, Amy habe
ihm damals Demos geschickt und heute habe er etwas für sie. Er überreichte der vollkommen verdutzten Sängerin eine Platinplatte für 300.000 verkaufte Exemplare ihrer Debüt-CD. Nach ein paar Fotos und einem "Ihr wisst, was jetzt kommt" folgte "Barrowland Ballroom" als grosser Abschluss eines fabelhaften Abends. Jeder sang mit, jeder wirkte wahnsinnig glücklich, es war wie es sein sollte und jeder ging sehr zufrieden zurück in die cold December night.

Amy hatte vorher noch gesagt, sie seien alle nicht sicher gewesen, ob sie dieses Jahr den Ballroom füllen könnte und vor ein paar Tagen habe sie bei ebay nachgesehen, ob es da Tickets gebe und es gab nicht mal da welche. Es wollte sich niemand entgehen lassen, diesen besonderen Abend dieser hochtalentierten Frau mitzuerleben. Wenn nichts dazwischen kommt, habe ich in
Glasgow den zukünftig grössten weiblichen Star aus Grossbitannien erlebt. Den Vergleich mit Amy Winehouse hatte die Schottin schon klar gewonnen, Kate Nash, die ich letzte Woche gesehen habe, ist nett, kommt aber nicht ansatzweise an Amy MacDonald ran.

Setlist Amy MacDonald Barrowland Ballroom Glasgow:

00: Intro
01: This is the life
02: Poison prince
03: Youth of today
04: L.A.
05: Wish for something more
06: Footballer's wife
07: Mr Rock 'n' Roll
08: Rock bottom
09: Mr Brightside (Killers Cover)
10: Road to home
11: Run
12: Rock 'n' Roll star
13: Let's start a band

14: Caledonia
15: Fairytale of New York (Pogues Cover)
16: Barrowland Ballroom

Links:

- Amy MacDonald, Köln, 06.03.08
- Amy MacDonald, Frankfurt, 16.09.07

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Mittwoch, 3. Oktober 2007

Maximo Park, Glasgow, 02.10.07

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Konzert: Maximo Park
Ort: Barrowland Ballroom Glasgow
Datum: 02.10.2007
Zuschauer: 1900 (ausverkauft)


Zwei begeisternde Maximo Park Konzerte hatte ich in den letzten sechs Monaten schon sehen können, den grandiosen Auftritt in Bochum und das Konzert im Rahmen der Coca Cola Soundwave Tour in Köln. Beide Abende waren trotz schrecklicher Band vorher (Ghost of Tom Joad und Ian O'Brien-Docker) fabelhaft.

In Glasgow wäre das schon einmal besser gewesen: Vorgruppen von Paul Smith und Kollegen waren die Blood Red Shoes und die Good Shoes, zwei tolle Bands, die ich gerne gesehen hätte. Leider funktionierte das nicht, weil mein Billig-Billig-Flieger eine blöde Flugzeit hat. Aber es war schon Zufall genug, daß passend zu meinem Glasgow-Ausflug ein tolles Konzert, das mich interessiert, stattfindet und ich dafür noch ein Ticket bekam. Daß es dann auch noch Maximo Park waren, die an dem Abend da spielten, war schon ein schöner Zufall, vor allem, weil ich die Band in den nächsten Wochen noch zweimal sehe.

Der Barrowland Ballroom liegt im Glasgower East End, direkt gegenüber vom wahrscheinlich ähnlich umsatzstarken Laden "News and Booze". Die Gegend ist nicht furchtbar einladend, das Gebäude von außen auch nicht, es ist allerdings eine der legendären Konzertstätten in Glasgow, so legendär, daß zum Beispiel der hochgelobte (auch hier) schottische Nachwuchsstar Amy MacDonald ihm mit ihrem "Barrowland Ballroom" ein Lied gewidmet hat.

Das erste, was mir aufgefallen ist, als ich die zwei Treppen ganz nach oben in den Saal gegangen war, war ein allgegenwärtiger Biergestank, nicht so, wie es zwischen vielen biertrinkenden Leuten sonst riecht, so, als hätte der ganze Raum in Bier gebadet. Deuten konnte ich das allerdings nicht, es sah friedlich aus. Der Ballroom ist ein ausgewachsener Tanzsaal, mit hoher vertäfelter Decke und nicht durch Säulen verbaut. Obwohl das Konzert restlos ausverkauft war, war genug Platz, sich frei zu bewegen, sehr angenehm! Kaum war ich da, ging das Licht aus, eine Lightshow auf der Bühne los und Maximo Park erschienen. Amy MacDonald singt: "
Oh nothing beats the feeling when the bands starts to play." Das trifft es perfekt. Und das Geheimnis des Biergeruchs wurde auch schnell gelöst, denn noch vor dem ersten Ton flogen reihenweise volle Bierbecher nach vorne. Die Leute vorne hatten nicht in Bier gebadet, sie hatten mit Bier geduscht und das vermutlich bei den beiden ersten Bands reichlich. Wo genau der Spaß dabei liegt, Bier nach vorne zu schmeißen, erschließt sich mir nicht, ich bekam aber auch nichts ab, daher war das gut zu verkraften...

Die 75 Minuten Konzert sind schwer zu beschreiben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß das Bochumer Konzert in irgendeinem Punkt besser gemacht werden könnte, aber er wurde - und wie. Die Stimmung war in Bochum schon toll, in Glasgow war sie einzigartig. Jeder der 1900 Zuschauer gröhlte von Anfang an mit, solch eine Atmosphäre habe ich bisher ähnlich nur bei den Kaiser Chiefs in London erlebt. Mit "The coast is always changing" spielte die Band natürlich auch gleich schon einen brillanten Startsong. Aber deutlich fiel die Stimmung auch nicht mehr während des restlichen Sets ab, bei dem wohl unbekannteren "Fear of falling" war es etwas ruhiger, vermutlich aber eben, weil nicht viele mitsingen konnten. Lieder wie "Apply some pressure" und vor allem "Our velocity" waren unfassbar!

Paul Smith hatte einen schwarzen Anzug und ein knallrotes Hemd an. Mit seinem Bowler sah er wieder mal einem Magritte Bild entsprungen aus. Mit seiner überzogenen Gestik spielt er ja ohnehin mit dem Publikum, wirkt dabei (sehr böse ausgedrückt) wie der Gotthilf Fischer der Indiemusik. Im Gegensatz zu Kollegen, deren Gestik ihrem Gesang im Weg steht, leidet Pauls Stimme unter seinem Gehüpfe überhaupt nicht. Die hohen Sprünge kommen an Stellen, an denen sie keine Schäden anrichten, die Stimme paßt perfekt und hat keine Aussetzer. Nach und nach wurden seine Ansagen zwar immer kurzatmiger, man merkte ihm die hohe körperliche Anstrengung deutlich an - aber eben nur nach den Liedern.

Der zweite Entertainer auf der Bühne ist Keyboarder Lukas Wooller, der immer wieder seinen Arm nach vorne riß, um das Publikum anzuheizen. Das Anheizen war zwar vollkommen unnötig, die Stimmung im Saal schien aber eben auch an Lukas nicht vorbeigegangen zu sein. Das jetzt alles sachlich beschreiben zu wollen, wird dem Abend nicht gerecht.

Auch das Set war anders und aufregend. Zum einen spielten Maximo Park eben "Fear of falling", dann meinen Liebling "Karaoke plays", den ich noch nicht live gesehen habe. Die größte Überraschung kam dann aber als erste Zugabe, denn das war "Acrobat", von dem ich nicht wußte, daß sie es live spielen. Dazu war die Bühne komplett grün ausgeleuchtet, ein echter Höhepunkt.

Leider war es viel zu schnell vorbei. Aber wir werden ja noch Gelegenheit haben, Paule und Freunde zu sehen. Wer die Chance hat, dies in Großbritannien zu machen, sollte sie auf alle Fälle nutzen!

Ich hoffe jedenfalls, wir können sie noch oft sehen, denn Paul Smith bedankte sich bei den Vorgruppen mit: "Thanks to the Good Books, no to the Good Shoes and to the
Blood Red Shoes, it's our shoes tour. We should change our name to Maximo Shoes. If you'll stop buying our records we should think about this. So perhaps in ten years you'll buy your shoes from Maximo Shoes!"

Setlist Maximo Park Barrowland Ballroom Glasgow:

01: The coast is always changing
02: A fortnight's time
03: Girls who play guitars
04: Your urge
05: Apply some pressure
06: By the monument
07: I want you to stay
08: Karaoke plays
09: Limassol
10: Books from boxes
11: Fear of falling
12: Going missing
13: The unshockable
14: Parisian skies
15: Our velocity

16: Acrobat (Z)
17: Russian literature (Z)
18: Grafitti (Z)

Links:

- mehr Fotos: vom Konzert im Palladium, aus Bochum und aus Köln
- Maximo Park live in: Köln (Palladium)
- Glasgow (02.10.07)
- Paris
-
Köln (bei der Soundwave Tour )
- Bochum im April 06
- Blood Red Shoes in: Paris (09.06.2007)
- Paris (08.06.2007)
- Köln (11.03.07)
- Paris (06.03.07)


Termine:

16.10.07: Köln (Palladium)
17.10.07: Hamburg (Docks)
18.10.07:
Hamburg (Docks)
19.10.07: Berlin (Columbiahalle)
21.10.07: Dresden (Schlachthof)
22.10.07: Wiesbaden (Schlachthof)
23.10.07: Stuttgart (Longhorn)
24.10.07: München (Tonhalle)
26.10.07: Wien (Gasometer)
27.10.07: Fribourg (Fri'son)
28.10.07: Zürich (Rote Fabrik)



 

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