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Sonntag, 10. März 2013

My Bloody Valentine, Glasgow, 09.03.13

2 Kommentare

Konzert: My Bloody Valentine
Ort: Barrowland Ballroom, Glasgow
Datum: 09.03.2013
Zuschauer: 2.000 (ausverkauft)
Dauer: My Bloody Valentine knapp 95 min,  Le Volume Courbe 30 min 



"The Valentine bring it to another dimension!" gab mir der bärtige Plattenverkäufer im Monorail, dem Laden der Pastels, mit auf den Weg. Unter meinen Einkäufen war eine Raritäten-Sammlung von My Bloody Valentine, die uns ins Gespräch brachte. "Gehst du heute abend hin?" - "Ja, sicher" - "Denk an Ohrhörer!" - "Habe ich dabei, ich weiß, daß es laut wird." - "Das wird sogar sehr laut!" - "Ich habe mit den Ohrhörern schon Dinosaur Jr. geschafft." - "The Valentine bring it to another dimension!"

Als My Bloody Valentine ihre kurze Clubtour zur legendären dritte Platte mbv angekündigt hatten, dauerte es nicht lange, bis ein mail kam. "9. März, Glasgow?" Ja, natürlich. Ich hatte My Bloody Valentine nie live gesehen und hatte die Hoffung fast schon aufgegeben. Dummerweise hatte ich aber mein Budget an UK-Reisen für 2013 schon großzügig verteilt: im April wollte ich zu James, im März zum London Popfest, beides war fest eingeplant. Außerdem war das Indietracks im Sommer gesetzt. Innerhalb weniger Tage kamen dann aber My Bloody Valentine und Suede im Alexandra Palace dazu - und ich war langsam überfordert. Das Popfest und James wurden gestrichen, My Bloody Valentine und Suede gebucht, immer noch irre, aber anders irre.

Und dann erschien am 2. Februar wirklich das Nachfolgealbum von Loveless und beendete damit den Running Gag des Wartens auf die Platte. Am nächsten Morgen hatte ich meine Version von mbv und war begeistert. Fresh as a daisy, wie meine aus dem Konzertkalender gestrichenen Lieblinge James sagen!

Erstaunlicherweise war der erste Ansturm auf die Karten nicht sehr groß. Obwohl schon ein Vorabverkauf stattgefunden hatte, hatten wir keine Probleme, zum regulären Vorverkaufsstart Tickets zu kaufen. Mit 27 Pfund waren die auch nicht schrecklich teuer (wobei fünf mehr oder weniger strenggenommen egal wären für ein Konzert, zu dem man mit dem Flugzeug anreist).


Als wir vor dem Barrowlands ankamen, war es bitterkalt und der Einlaß hatte sich verzögert. Es gab noch eine Schlange, die einmal um die Hausecke ging. Mit Öffnen der Türen ging es im Prinzip flott rein, allerdings hatte ich das Glück, daß ich nach Durchqueren des Metalldetektors noch zur Taschenkontrolle durfte und an einen Ordner geriet, der auch verlangte, mein Portemonnaie nach versteckten Drogen und Waffen zu durchsuchen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob Waffen ein Problem bei schottischen Konzerten sind oder waren, und ob diese Kontrollen also ein lästiges Übel sind, ich empfand es jedenfalls als extrem unangenehm, das Portmonnaie incl. des Kleingeldfachs vollkommen selbstverständlich durchsucht zu bekommen und hatte eine Stinklaune.


Oben im Saal war noch nicht viel los. Der Barrowland Ballroom besteht aus drei Stockwerken. Im Erdgeschoß ist der Einlaß, im ersten Stock Toiletten, fester Merchstand und Bar und im zweiten Stock der Konzertsaal mit Bar und Bierstand am Rand. Der Bierstand ist extrem pragmatisch organisiert: wer keine Lust hat, sich für ein gezapftes Gesöff an der Bar anzustellen, kann an einen Tisch gehen, hinter dem drei Verkäufer Bierdosen in Plastikbecher kippten. Eindrucksvolle Mengen Bierdosen!


Um acht begann das Vorprogramm mit Le Volume Courbe, einer Band um die Französin Charlotte Marionneau. Zu ihr gesellten sich allerhand Musiker in komischen Outfits, einer mit Poncho, einer mit lustigem Hut, eine Westerngeigerin, die dauernd in die Knie ging (grausam affig, solche Bewegungen auf der Bühne). Musikalisch hätte Le Volume Courbe mit seinem Weltmusik-Einschlag besser zu Blur gepasst, den Platz im My Bloody Valentine Vorprogramm hatte die Band ihrer Beziehung zur Hauptgruppe zu verdanken. Auf dem 2005er Debüt der Französin hatten Kevin Shields und Colm Ó Cíosóig mitgespielt, gemeinsam mit dem MBV Frontmann betreibt Charlotte ein Label. Das 30minütige Vorprogramm war nicht schlecht, stellenweise gut, passte aber überhaupt nicht. Aber weil Charlottes Gesang ganz wundervoll ist (und ein wenig an Soko erinnert), fühlte ich mich gut unterhalten.


Es war deutlich, daß MBV um neun beginnen sollten, der Start verzögerte sich aber um fast eine Viertelstunde. Allerdings war wenig Hektik zu spüren, vielleicht mussten nur ein paar Sicherungen ausgetauscht werden, um die immense Menge an Verstärkern verkraften zu können. Freitag hatten My Bloody Valentine das erste Konzert ihrer Tour in Birmingham gespielt, vielleicht dauert es ein paar Auftritte, bis alles wieder flutscht.

Als es dann losging, war es irgendwie wie die Veröffentlichung der Platte. Erst wartete jeder sehnsüchtig, als es dann soweit war, präsentierte die Band sich ziemlich unspektakulär. Auf alle dramatischen Effekte wie Dunkelheit, einen Vorhang oder eine Intro-Musik verzichtete man, die vier Indiehelden schlufften auf die Bühne und schnappten sich ihre Instrumente. So wie sie im Februar das lange erwartete Album einfach online gestellt hatten. So, da isses. Und so, da sind wir.

Es blieb gerade genug Zeit, die Ohrstöpsel mit den dicksten Filtern reinzustopfen, bevor I only said und When you sleep von Loveless startete. Auch wenn es (zu diesem Zeitpunkt) weniger schlimm laut als befürchtet war (aber ein Verzicht auf Ohrhörer trotzdem zu sofortigem Tinnitus geführt hätte!), war ansonsten alles wie erwartet. Der Gesang, vor allem von Gitarristin Bilinda Butcher war allenfalls als gehauchte Andeutung zu hören. Kevin Shields bewegte seinen Mund oft vor dem Mikro. Ob er sang oder nur Druck auf den Ohren hatte, war für mich nicht auszumachen. Zu hören war stattdessen der wundervoll melodische Krach, der die Lieder der Band in großer Lautstärke sind. Die Frage, ob solch ein Konzert in so viel leiser, daß man es ohne Ohrenschutz verfolgen kann, nicht besser wäre, stellte sich mir während des Auftritts aber überhaupt nicht. Leiser wäre weniger spannend gewesen.



Vom neuen Album spielten die vier lediglich drei Stücke, das hatte ich anders vermutet. Ich hätte mir einige Lieder von mbv live gut vorstellen können. Da die aber nur für uns Fans wirklich neu sind und für Shields und Co. vermutlich gleichalt wie die wirklich frühen Stücke wirken, überrascht mich dies jetzt nicht mehr.

Die dritte Platte ist in drei Teile aufgeteilt, habe ich irgendwo gelesen - und kann dies absolut nachvollziehen. Drei Lieder, die klingen, als stammten sie von Loveless, dann drei ein wenig popigere, dann dreimal experimentell-noisig. Aus jedem Drittel spielten MBV ein Stück. Only tomorrow, New you und Wonder 2.

Vom restlichen Programm stammte das meiste von Loveless und von den diversen EPs. Alleine von You made me realise spielte die Gruppe vier Lieder.

Ab und zu kam eine zusätzliche Musikerin auf die Bühne und spielte Keyboard, bei New you von mbv zum Beispiel. Dann verschwand sie wieder, großa auszumachen waren die Keyboards aber eh nicht.

So weit, so gut...

Und dann wurde es am Ende doch noch so laut, wie ich erwartet hatte. Zu You made me realise drehte der Soundmann dann noch einmal richtig auf. Es war wirklich erstaunlich deutlich zu spüren, wie plötzlich eine neue Lautstärke-Stufe erreicht wurde. The Valentine bring it to another dimension, mein Plattenverkäufer hatte recht! Den fast zehnminütigen Teil, der wie Hagel auf einem Blechdach klingt, haben My Bloody Valentine 2009 mit 130 dB gespielt, das entspricht der Schmerzgrenze. Ein Flugzeugtriebwerk erzeugt 120 dB, was nach dem Bundesumweltministerium als "unerträglich bis schmerzhaft" gilt. Kein Wunder, daß alle, die sich auf die ausgeteilten einfachen Ohrstöpsel verlassen hatten, sich die Ohren zuhielten. Wow! Auf Video klingt das laut und krachig, live war es sagenhaft eindrucksvoll!

You made me realise ging in Wonder 2 über - am Ende standen alle fünf Musiker mit Gitarre auf der Bühne und schrammelten einfache Akkorde oder Töne. Der Übergang passte gut, das Konzert endete mit den fünf Gitarristen um kurz vor elf.

Mein erstes My Bloody Valentine Konzert kam meinen vorherigen Einschätzungen sehr nahe. Es war ein riesengroßes Erlebnis, ein großartiger Abend, aber kann in der Art, wie die Band ihre Konzerte spielt, nicht an einen Auftritt wie den von Blur im vergangenen Jahr heranreichen. Aber so ist es ja auch nicht gedacht. 



Setlist My Bloody Valentine, Barrowland Ballroom, Glasgow: 

01: I only said 
02: When you sleep 
03: New you 
04: You never should 
05: Honey power 
06: Cigarette in your bed 
07: Only tomorrow 
08: Come in alone 
09: Only shallow 
10: Thorn 
11: Nothing much to lose 
12: To here knows when 
13: Slow 
14: Soon 
15: Feed me with your kiss 
16: You made me realise 
17: Wonder 2 

[In der Ankündigung hatte ich großspurig versprochen, alle Ansagen von Kevin Shields wiederzugeben. Here we go...: "Good night!"]




Samstag, 15. Dezember 2007

Amy MacDonald, Glasgow, 14.12.07

6 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Barrowland Ballroom, Glasgow
Datum: 14.12.2007
Zuschauer: ausverkauft


"Oh the lights outside they're as bright as the sun
They're much brighter than anyone
Oh the girls in the queue yes they're waiting for you
Well they're waiting for their song to be sung
And when the night turns to day and all the people go away
It's not the same, tell me who's to blame?
And when the stars shine so bright on the cold December night
I wish that I was on the stage"

Als ich mir nach ihrem Auftritt als Support von Paul Weller in Frankfurt Amy MacDonald's Debüt-CD gekauft habe und zum ersten Mal "Barrowland Ballroom" gehört habe, habe ich mir vorgestellt, wie gut es sein müsste, das Lied in dem besungenen Konzertsaal einmal zu hören. Der schottischen Singer/Songwriterin ging es auch so, sie hatte bei einem anderen Auftritt in Glasgow den Song vor ein paar Monaten damit angesagt, dass das nächste Lied von einem Ort handele, an dem sie irgendwann mal spielen wolle. Dass das alles so schnell ging und Amy ein halbes Jahr nach ihren gefeierten Festivalauftritten den Saal ausverkaufte, in dem Bands wie Maximo Park oder Travis spielen, hatte sie dann aber wohl auch nicht erwartet. Auf ihrer Website schrieb die junge Schottin vor ein paar Tagen "I really am incredibly excited for the gig. It's such a great way to round up the year aswell. I hope it's as special as i dreamed!" Das war ich auch, denn das wollte ich mir nicht entgehen lassen...

Schon an den Strassenmusikanten merkt man, dass Glasgow mehr musikalisches Talent beheimatet als manches europäische Land insgesamt. Auf einem kurzen Gang durch die Innenstadt waren die Highlights, die ich gesehen habe, eine dreiköpfige Band mit Cello, Keyboard und Saxophon und ein Duo mit Gitarre und Schlagzeug (!).

Der Barrowland Ballroom liegt fünf Minuten zu Fuss von der Innenstadt weg, ist also prima erreichbar. Der Saal liegt im zweiten Stock, ist etwas kleiner, als ich wegen der
Menschenmassen bei Maximo Park gedacht hatte (da kam ich, als der Raum schon proppenvoll war), stinkt aber auch wie damals ekelhaft nach viel Bier auf dem Boden, sehr viel Bier.

Um sieben war Einlass und um halb acht begann die erste Vorgruppe "The Fire and I" aus Bathgate in Schottland. "The Fire and I" sind zwei Musiker, ein singender Bassist und ein punkig blondierter Schlagzeuger, der wie der Ex-Automatic Penny
haupsächlich den Background-Schrei-Part übernahm. Das hat mich nicht vom Hocker gerissen, klang weder aufregend noch neu, hat aber einige Leute so begeistert, dass die tanzten und mitsangen (und brüllten). Nach einer lauten halben Stunde waren sie fertig und machten Platz für ein ziemliches Gegenstück. Ein lockiger, holzfällerhemdtragender Mann (Jack) setzte sich an sein Keyboard und begann ein paar Lieder gemeinsam mit einem Gitarristen Chris, der auf einer Bühnenkiste sass, zu spielen. Der Stil war irgendwo zwischen (Achtung!) James Blunt, Jack Johnson und dem 90er Jahre Elton John, sprich, es war genau das, was Deutschlands meistgehörtes Radio tagaus, tagein spielt. Also liebe SWR3-Musikredaktion: ladet den Mann ganz dringend zu Eurem New Pop Festival ein! Eine Platte mit dem Titel "Either side of midnight" erscheint Anfang des Jahres.

Ich fand es schrecklich.

Setlist Jack (??? Name kommt noch)
Barrowland Ballroom Glasgow:

01: Not the hardest part
02: Milky Way
03: Either side of midnight
04: Living in a suitcase
05: Fine time
06: You think I don't care
07: Bang on the piano

Das dauerte glücklicherweise auch nur 30 Minuten, so dass um halb zehn das Licht ausging und schottische Pipes und Drums ertönten. Ganz stilgerecht tauchten auf der Bühne zwei Dudelsackbläser und zwei Trommler auf und spielten ein Intro. Unter grossem Jubel erschien dazu dann Amys Band. Im Gegensatz zu ihrem Paul Weller Support hat Amy MacDonald nämlich mittlerweile eine Band (und im Gegensatz zu Kate Nash auch eine Band, die spielen kann) - Schlagzeuger, Keyboarder, Bassist und Gitarrist.

Amy MacDonald war (britisch) festlich gekleidet, mit viel Glitzerkram im Gesicht, einem schwarzen Kleid mit schwarzen mit Glitzerzeugs verzierten Leggins und Stiefeln. Die zwanzigjährige Sängerin hat eine unfassbare Stimme, das wurde gleich beim ersten Song "This is the life" deutlich. Wow! Die Stimmung bei ihrem Heimspiel war so, wie ich es mir erhofft hatte, es war laut und
grossartig! Der ausverkaufte Saal war wegen ihr da und liess sie das von Beginn an merken. Das Publikum war bunt gemischt, hatte aber eben die Begeisterung für die Musik der jungen Sängerin gemeinsam. Also sang jeder mit, tanzte, wippte, es war herrlich! Die Stimmung war durchaus mit Gogol Bordello vergleichbar, wenn auch viel friedlicher und entspannter natürlich.

Wenn Amy MacDonald sing, macht sie das in schönstem Englisch. Wenn sie allerdings spricht, ist das eine vollkommen andere Sprache. Ich habe selten ein so schwer verständliches Schottisch gehört, unfassbar!

Das Set war anfangs nicht überraschend, bestand aus Lieder der im Sommer veröffentlichen CD, die auf Platz zwei der britischen und Platz eins der schottischen Charts (vier Wochen) war. In der Mitte des Programms kamen dann mit der B-Seite "Rock bottom" und dem Killers Cover "Mr Brightside" die ersten nicht-Album Stücke. Es folgte, falls ich Amy richtig verstanden habe, hmmm...., das offizielle Lied zur Bewerbung Glasgows für die Commonwealth Games 2014, das auf den späteren Albumversionen enthaltenen "Road to home", ein wunderschöner Titel! Dabei begleitete sie nur ihr Bassist am Schlagzeug.

Das nachfolgende "Run" war laut Amy das Lieblingslied von Paul Weller und dessen Begleiter Steve Cradock während ihres Supports. Cradock sollte wohl ursprünglich auch im Barras dabei sein, konnte aber leider nicht. Mit "Let's start a band" endete nach immerhin einer Stunde der extrem gefeierte Auftritt. Selbstverständlich war aber klar, dass das Konzert nicht ohne das Lied dazu enden würde. Daher dauerte es
auch nicht lange, bis Amy zurückkam. Sie kam aber nicht mit Band, sie kam mit ihren in Kilts gekleideten Landsleuten zurück, die sie zu "Caledonia", dem hidden track auf "This is the life" begleiteten, mit Dudelsack und Trommeln. Alleine dafür hätte sich der Abend gelohnt, einfach wundervoll!

Die zweite Zugabe, dann mit Band, war dann aber noch eine Nummer aufregender. Weil ja bald Weihnachten ist, folgte ein Weihnachtslied, "Fairytale of New York" von den Pogues, von Amys Bassisten gesungen, der den Text
auf mehreren Blättern vor sich auf dem Boden hatte. Amy übernahm dabei nur die zweite Stimme. Dazu leuchteten Lichterketten am Schlagzeug! Hach...

Während dieses Stücks legte der Tourmanager einen Blumenstrauss auf einen der Verstärker. Nach dem Pogues Cover erschien dann ein rundlicher Mann mit lustiger bunter Frisur (das musste einfach ein Radiomoderator sein), stellte sich als Joe von Radio XFM Schottland vor und berichtete, Amy habe
ihm damals Demos geschickt und heute habe er etwas für sie. Er überreichte der vollkommen verdutzten Sängerin eine Platinplatte für 300.000 verkaufte Exemplare ihrer Debüt-CD. Nach ein paar Fotos und einem "Ihr wisst, was jetzt kommt" folgte "Barrowland Ballroom" als grosser Abschluss eines fabelhaften Abends. Jeder sang mit, jeder wirkte wahnsinnig glücklich, es war wie es sein sollte und jeder ging sehr zufrieden zurück in die cold December night.

Amy hatte vorher noch gesagt, sie seien alle nicht sicher gewesen, ob sie dieses Jahr den Ballroom füllen könnte und vor ein paar Tagen habe sie bei ebay nachgesehen, ob es da Tickets gebe und es gab nicht mal da welche. Es wollte sich niemand entgehen lassen, diesen besonderen Abend dieser hochtalentierten Frau mitzuerleben. Wenn nichts dazwischen kommt, habe ich in
Glasgow den zukünftig grössten weiblichen Star aus Grossbitannien erlebt. Den Vergleich mit Amy Winehouse hatte die Schottin schon klar gewonnen, Kate Nash, die ich letzte Woche gesehen habe, ist nett, kommt aber nicht ansatzweise an Amy MacDonald ran.

Setlist Amy MacDonald Barrowland Ballroom Glasgow:

00: Intro
01: This is the life
02: Poison prince
03: Youth of today
04: L.A.
05: Wish for something more
06: Footballer's wife
07: Mr Rock 'n' Roll
08: Rock bottom
09: Mr Brightside (Killers Cover)
10: Road to home
11: Run
12: Rock 'n' Roll star
13: Let's start a band

14: Caledonia
15: Fairytale of New York (Pogues Cover)
16: Barrowland Ballroom

Links:

- Amy MacDonald, Köln, 06.03.08
- Amy MacDonald, Frankfurt, 16.09.07

- mehr Fotos

- Amy Winehouse, Köln, 28.10.07
- Kate Nash, Köln, 06.12.07




Mittwoch, 3. Oktober 2007

Maximo Park, Glasgow, 02.10.07

1 Kommentare

Konzert: Maximo Park
Ort: Barrowland Ballroom Glasgow
Datum: 02.10.2007
Zuschauer: 1900 (ausverkauft)


Zwei begeisternde Maximo Park Konzerte hatte ich in den letzten sechs Monaten schon sehen können, den grandiosen Auftritt in Bochum und das Konzert im Rahmen der Coca Cola Soundwave Tour in Köln. Beide Abende waren trotz schrecklicher Band vorher (Ghost of Tom Joad und Ian O'Brien-Docker) fabelhaft.

In Glasgow wäre das schon einmal besser gewesen: Vorgruppen von Paul Smith und Kollegen waren die Blood Red Shoes und die Good Shoes, zwei tolle Bands, die ich gerne gesehen hätte. Leider funktionierte das nicht, weil mein Billig-Billig-Flieger eine blöde Flugzeit hat. Aber es war schon Zufall genug, daß passend zu meinem Glasgow-Ausflug ein tolles Konzert, das mich interessiert, stattfindet und ich dafür noch ein Ticket bekam. Daß es dann auch noch Maximo Park waren, die an dem Abend da spielten, war schon ein schöner Zufall, vor allem, weil ich die Band in den nächsten Wochen noch zweimal sehe.

Der Barrowland Ballroom liegt im Glasgower East End, direkt gegenüber vom wahrscheinlich ähnlich umsatzstarken Laden "News and Booze". Die Gegend ist nicht furchtbar einladend, das Gebäude von außen auch nicht, es ist allerdings eine der legendären Konzertstätten in Glasgow, so legendär, daß zum Beispiel der hochgelobte (auch hier) schottische Nachwuchsstar Amy MacDonald ihm mit ihrem "Barrowland Ballroom" ein Lied gewidmet hat.

Das erste, was mir aufgefallen ist, als ich die zwei Treppen ganz nach oben in den Saal gegangen war, war ein allgegenwärtiger Biergestank, nicht so, wie es zwischen vielen biertrinkenden Leuten sonst riecht, so, als hätte der ganze Raum in Bier gebadet. Deuten konnte ich das allerdings nicht, es sah friedlich aus. Der Ballroom ist ein ausgewachsener Tanzsaal, mit hoher vertäfelter Decke und nicht durch Säulen verbaut. Obwohl das Konzert restlos ausverkauft war, war genug Platz, sich frei zu bewegen, sehr angenehm! Kaum war ich da, ging das Licht aus, eine Lightshow auf der Bühne los und Maximo Park erschienen. Amy MacDonald singt: "
Oh nothing beats the feeling when the bands starts to play." Das trifft es perfekt. Und das Geheimnis des Biergeruchs wurde auch schnell gelöst, denn noch vor dem ersten Ton flogen reihenweise volle Bierbecher nach vorne. Die Leute vorne hatten nicht in Bier gebadet, sie hatten mit Bier geduscht und das vermutlich bei den beiden ersten Bands reichlich. Wo genau der Spaß dabei liegt, Bier nach vorne zu schmeißen, erschließt sich mir nicht, ich bekam aber auch nichts ab, daher war das gut zu verkraften...

Die 75 Minuten Konzert sind schwer zu beschreiben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß das Bochumer Konzert in irgendeinem Punkt besser gemacht werden könnte, aber er wurde - und wie. Die Stimmung war in Bochum schon toll, in Glasgow war sie einzigartig. Jeder der 1900 Zuschauer gröhlte von Anfang an mit, solch eine Atmosphäre habe ich bisher ähnlich nur bei den Kaiser Chiefs in London erlebt. Mit "The coast is always changing" spielte die Band natürlich auch gleich schon einen brillanten Startsong. Aber deutlich fiel die Stimmung auch nicht mehr während des restlichen Sets ab, bei dem wohl unbekannteren "Fear of falling" war es etwas ruhiger, vermutlich aber eben, weil nicht viele mitsingen konnten. Lieder wie "Apply some pressure" und vor allem "Our velocity" waren unfassbar!

Paul Smith hatte einen schwarzen Anzug und ein knallrotes Hemd an. Mit seinem Bowler sah er wieder mal einem Magritte Bild entsprungen aus. Mit seiner überzogenen Gestik spielt er ja ohnehin mit dem Publikum, wirkt dabei (sehr böse ausgedrückt) wie der Gotthilf Fischer der Indiemusik. Im Gegensatz zu Kollegen, deren Gestik ihrem Gesang im Weg steht, leidet Pauls Stimme unter seinem Gehüpfe überhaupt nicht. Die hohen Sprünge kommen an Stellen, an denen sie keine Schäden anrichten, die Stimme paßt perfekt und hat keine Aussetzer. Nach und nach wurden seine Ansagen zwar immer kurzatmiger, man merkte ihm die hohe körperliche Anstrengung deutlich an - aber eben nur nach den Liedern.

Der zweite Entertainer auf der Bühne ist Keyboarder Lukas Wooller, der immer wieder seinen Arm nach vorne riß, um das Publikum anzuheizen. Das Anheizen war zwar vollkommen unnötig, die Stimmung im Saal schien aber eben auch an Lukas nicht vorbeigegangen zu sein. Das jetzt alles sachlich beschreiben zu wollen, wird dem Abend nicht gerecht.

Auch das Set war anders und aufregend. Zum einen spielten Maximo Park eben "Fear of falling", dann meinen Liebling "Karaoke plays", den ich noch nicht live gesehen habe. Die größte Überraschung kam dann aber als erste Zugabe, denn das war "Acrobat", von dem ich nicht wußte, daß sie es live spielen. Dazu war die Bühne komplett grün ausgeleuchtet, ein echter Höhepunkt.

Leider war es viel zu schnell vorbei. Aber wir werden ja noch Gelegenheit haben, Paule und Freunde zu sehen. Wer die Chance hat, dies in Großbritannien zu machen, sollte sie auf alle Fälle nutzen!

Ich hoffe jedenfalls, wir können sie noch oft sehen, denn Paul Smith bedankte sich bei den Vorgruppen mit: "Thanks to the Good Books, no to the Good Shoes and to the
Blood Red Shoes, it's our shoes tour. We should change our name to Maximo Shoes. If you'll stop buying our records we should think about this. So perhaps in ten years you'll buy your shoes from Maximo Shoes!"

Setlist Maximo Park Barrowland Ballroom Glasgow:

01: The coast is always changing
02: A fortnight's time
03: Girls who play guitars
04: Your urge
05: Apply some pressure
06: By the monument
07: I want you to stay
08: Karaoke plays
09: Limassol
10: Books from boxes
11: Fear of falling
12: Going missing
13: The unshockable
14: Parisian skies
15: Our velocity

16: Acrobat (Z)
17: Russian literature (Z)
18: Grafitti (Z)

Links:

- mehr Fotos: vom Konzert im Palladium, aus Bochum und aus Köln
- Maximo Park live in: Köln (Palladium)
- Glasgow (02.10.07)
- Paris
-
Köln (bei der Soundwave Tour )
- Bochum im April 06
- Blood Red Shoes in: Paris (09.06.2007)
- Paris (08.06.2007)
- Köln (11.03.07)
- Paris (06.03.07)


Termine:

16.10.07: Köln (Palladium)
17.10.07: Hamburg (Docks)
18.10.07:
Hamburg (Docks)
19.10.07: Berlin (Columbiahalle)
21.10.07: Dresden (Schlachthof)
22.10.07: Wiesbaden (Schlachthof)
23.10.07: Stuttgart (Longhorn)
24.10.07: München (Tonhalle)
26.10.07: Wien (Gasometer)
27.10.07: Fribourg (Fri'son)
28.10.07: Zürich (Rote Fabrik)



 

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