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Mittwoch, 16. August 2017

Haldern Pop Festival, 1. Festivaltag, 10.08.17

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Konzert: Haldern Pop Festival, erster Festivaltag mit u.a: Get Well Soon, Conor Oberst, Hurray For The Riff Raff, Lisa Hannigan 

Ort: Rees-Haldern am Niederrhein

Datum: 10.08.2017

Dauer: den ganzen Tag 

Zuschauer: 7000 




Mit dem Haldern Pop Festival (und seinen wundervollen Maisfeldern) gemeinsam alt werden. Immer wieder kam mir während dieser 34. Ausgabe des Festivals am Niederrhein dieser Satz in den Sinn. Schließlich war ich beim ersten Mal (2005) noch in den Dreissigern und jetzt bin ich inzwischen hinsichtlich der Jahreszahl meines Geburtstages der 5 näher als der 4. Ich stehe nicht alleine da. Viele Haldern-Gänger sind Wiederholungstäter und kommen Jahr für Jahr wieder. Neben diesen alten Haudegen gibt es aber auch jüngere Fans, die das Haldern jetzt erst für sich entdecken und sicherlich auch im Laufe der Zeit Stammgäste werden. Bei den auftretenden Bands verhält es sich ähnlich. Wenn sie einmal Haldern-Luft geschnuppert haben, wollen sie immer wieder dabei sein. So waren dann auch in diesem Jahr ein paar altbekannte Namen mit am Start, u.a: Conor Oberst, Kate Tempest, Afghan Whigs, Benjamin Clementine, AnnenMayKantereit und Get Well Soon. Die meisten der genannten Künstler haben mal "klein", sprich in der Haldern Pop Bar oder im Spiegelzelt angefangen, so z.B. Benjamin Clementine, Annen May Kantereit und auch Get Well Soon, um die es jetzt in der Folge gehen sollte.




Die Band um Konstantin Gropper spielte 2007, also genau vor 10 Jahren, zum ersten Mal in Haldern und begeisterte im Spiegelzelt sämtliche Anwesenden. Im Anschluss an diesen Sensationsgig verkaufte der gebürtige Mannheimer noch selbstgebrannte CDs (die erste EP und zwar in rauen Mengen!), bevor er nicht viel später bei dem renommierten Berliner Label City Slang unter Vertrag genommen wurde. Heuer sind Gropper und seine Mitmusiker bei Album Nummer vier, genannt Love, angekommen und von diesem Machwerk stammten auch die meisten Songs des leider nur vierzig Minuten langen Gigs. "Love" konnte man in roten Lettern als Bühnendeko lesen und in der Tat versprühten Get Well Soon wieder einmal viel Liebe und auch Spielfreude. Die auf dem Album recht poppigen und sogar bisweilen etwas seichten Nummern wurden live mit viel Schmiss und Rockappeal wiedergegeben und in den letzten 60 Sekunden der jeweiligen Stücke explodierte Konstantin regelrecht im wilden Gitarrenrausch.



Seine Schwester Verena Gropper war mit rotem Jacket ( Geklaut von Angela Merkel?) und rotem Nagellack auf kurzen Nägeln aufgelaufen und sang wie immer glockenklar und wunderschön. Auch alle anderen Musiker auf der Bühne machten einen super Eindruck, die Truppe ist wirklich perfekt eingespielt, hat hunderte (tausende?) Gigs auf dem Buckel und weiss genau wie sie Spannung aufbauen und sie wieder entladen kann.




Einer der Highlights im Set war Roland, I Feel You, ein typisch getwellsoonsches Drama-Stück mit viel Emphase und Melancholie aber auch einer angenehm spielerischen Leichtigkeit und einem leicht mexikanisch angehauchten Feeling. Hier spührte man gesanglich eine gewisse Nähe zu Neil Hannon von The Divine Comedy, auch so ein alter Haldern Liebling. Auch das anschliessende You Cannot Cast Out The Demons war melancholisch, aber auch warmherzig und romantisch nahegehend, fast eine Weihnachtmusik, die gegen Ende dramatisch und fast postrockig wurde. Darüber schwebte förmlich das Soprano von Verena. Den Abschluss des Sets bildeten Marienbad und It's a Frog und hinterher war man ein wenig traurig, dass es so schnell vorbei war. Ich hätte mir gewünscht, dass noch ein Song von dem Debütalbum gebracht wird, um den Bogen zu dem Konzert von 2007 zu spannen. Aber auch so war es ein guter Auftritt!

Setlist Get Well Soon

It's Love (vom Album Love)
The Last Days Of Rome (vom Album The Scarlet Beast O'Seven Heads)
It's A Catalogue (Love)
Roland, I Feel You (Scarlet)
You Cannot Cast Out The Demons (Scarlet)
Too Much Love ep (von der Love Bonus CD)
Marienbad (Love)
It's A Frog (Love)

Vor Get Well Soon hatten Hurray For The Riff Raff im Spiegelzelt gespielt und die Band um Frontlady Alyndra Segarra hatte ich vorher eigentlich fest eingeplant. Da meine Anreise von Paris nach Haldern aber etwas länger dauerte als geplant, sah ich nur noch die letzten drei Stücke auf der Leinwelt vor dem Zelt, darunter Living In The City, Pa'Lante und Dancing In The Dark. Pa'Lante war eine wundervolle Ballade, dominiert von der souligen Stimme von Alyndra und einem nahegehenden Text ("dead  porto ricans who never knew they were porto ricans who never took a coffee break form the 10th commandment, to kill, kill, kill"), am Ende schrie sie in Patti Smith Manier und das Schlagzeug und das Vintage Piano trieben zusätzlich nach vorne. Junge Damen spielten auch am Bass und am Klavier.

Der Abgang dann mit Dancing in The Dark, geschrieben von dem einzigen Boss den sie akzeptiere, so Alyndra. Bereits Living In The City hatte etwas nach der E Street Band von Bruce geklungen und so war die Auswahl des Springsteen Covers fast logisch. 

Tolle Band diese Hurray for The Riff Raff, handwerklich exquisit, textlich versiert und auch auf der Bühne packend. Das Spiegelzelt tobte.


Weniger packend, zumindest für mich waren dann die nächsten Eroberer des Magic Mirror, die Australier Parcels. Ihr funkig angehauchter Discosound mit Falsett Gesang liess mich eher kalt, aber ich konnte ja schon mit den Bee Gees in der Staying Alive Phase nichts anfangen und Tänzer bin ich auch nicht. Insofern...





Mehr mein Stil war A Blaze Of Feather, (Name von der Tochter von Micky Smith gefunden) das neue Projekt von Ben Howard und Micky Smith, welches um 20 Uhr 45 auf der Hauptbühne begann. "It's electronic, it's electronic" sagte der lustige holländische Ansager vorher, aber es war wohl eher Folktronica, die geboten wurde, sprich folkige Musik mit gewissen elektronischen Elementen und einem nach wie vor organischem Ergebnis. Die Band wurde in der Fachpresse als mysteriös beschrieben, weil man sie auf den britischen Festivals wie Citadel und Lattitude auf dem Line up finden, aber zunächst keine Musik hierzu entdecken konnte.




Das Line Up der Band lautete: Mickey Smith, Ben Howard, Nat Wason, India Bourne (Bass, Cello) Kyle Keegan, Richie Thomas. Ihre erste EP zwischen Irland und Cornwall aufgenommen und ihr Haldern Auftritt war der allererste ausserhalb Englands. Und er war gut! Das erste Stück, welches man überhaupt im Internet (auf soundcloud) finden konnte, war Carousel und das haben A Blaze Of Feather natürlich auch beim Haldern gespielt. Ein sehr sphärischer Song, schwebend, irgendwie auch an Pink Floyd erinnernd.



Das ganze Set war ähnlich hübsch und wenn eine Sache störte, dann war es lediglich der immer heftiger werdende Regen, aus musikalischer Sicht gab es keine Beanstandungen. 

Setlist A Blaze Of Feather

Soft Day
Grace

Six Years

Carousel

Behold

Valkyrie

Dust In The Wind
We Were Here

Tja und dieser elende Regen sorgte auch dafür, dass ich mich in ein Tipi Zelt zurückzog, in dem man herrlich starken Kaffee trinken konnte. Kaffe ist immer gut, aber trockenes Wetter wäre in dem Moment noch besser gewesen, denn es sollte nun gar nicht mehr aufhören zu schütten. Einen Gang rüber ins Spiegelzelt zu Giant Rooks aus Deutschland ersparte ich mir deshalb auch lieber (man sagt, es sei toll gewesen) und ich kam erst wieder zum Beginn der Show von Conor Oberst unter dem Zelt hervorgekrochen. Inzwischen war es zudem noch unangenehm kühl (zumindest für einen Augusttag) geworden und vor der Hauptbühne harrten nur noch sehr wenige Festivalbesucher aus. Die meisten hatten sich wohl in ihre Zelte zurückgezogen, obwohl Conor doch sicherlich normalerweise ein Publikumsmagnet ist.


Der Amerikaner kam dann nach netten Worten des Ansagers ("I like Connor very much") in einem Armeeparka auf die Bühne geschlurft und hatte mit den Felice Brothers auch eine tolle Band mitgebracht. Den Regengott schien das reichlich wenig zu interessieren, er liess erbarmungslos kaltes Wasser auf die Halderner herunterprasseln und irgendwann hatte auch ich die Schnauze voll bzw. die Regenjacke nass. Ich lief entnervt zum Tipi zurück und tauschte SMS en mit meinem Bloggerkollegen Dirk aus. Unserer beiden Stimmung war auf dem absoluten Tiefpunkt, Dirk erwog gar am nächsten Tage nach Hause zu fahren, wenn es so weiterginge. Ich sah die Lage ähnlich. 




Nach einer längeren Wartepause entschied ich mich aber wenigstens den Donnerstagabend positiv ausklingen zu lassen und begab mich ins Spiegelzelt zu Lisa Hannigan. Hier herinnen war es wenigstens kuschelig warm und trocken und auch die gespielten Lieder waren herzerwärmend. Die stammten überwiegend von ihrem aktuellen, von Aaron Dessner von The National produzierten Longplayer At Swim. Ganz wundervoll hiervon die Ballade Snow, bei der die stimmlich Bandbreite von Lisa schön sichtbar wurde, von rauchig und sanft hin zu glockenklar und hoch, sie traf jede Note. Wundervoll auch Fall, bei der sie phasenweise herrlich erdig und energiegeladen sang. Dei leichte Soulnote hierzu ungemein geschmacksicher und erlesen. Prayer For The Dying bestach durch schöne Harmoniegsänge und eine anziehende Schwermut, hach irgendwie war jedes Stück sublim!


Zur Verstärkung waren in der Mitte des Konzertes auch noch etliche Musiker des Cantus Domus aus Berlin hinzugestossen, die den Ohrenschmaus nur noch verstärkten.


Und weil man aufhören sollte, wenn es am schönsten ist, machte ich nach dem Ende von Lisas Konzert auf den Nachhauseweg.



Setlist Conor Oberst



Afterthought

Four Winds
Get Well Cards
Till St. Dymphna Kicks Us Out
Well Whiskey
Ten Wolan
Train Under Water (Bright Eyes)
Artifact #1
Salutations
Poison Oak (Bright Eyes)







Mittwoch, 12. April 2017

Motel Mozaique Festival, Innenstadt Rotterdam, 08.04.2017

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Konzert: Motel Mozaique
Ort: Innenstadt Rotterdam
Datum: 08.04.2017

Der zweite Tag in Rotterdam beginnt mit strahlendem Sonnenschein und ist zunächst geprägt vom gleichzeitig in der Stadt stattfindenden Marathon. 

Über den Tag verteilt begegnet man immer wieder den beiden großen Fangruppen. Die einen tragen joggend ständig eine Wasserflasche mit sich herum, während die anderen den in den Niederlanden typischen Einweg-Bierbecher in 0,2l Größe in Händen halten. Zu sagen hatten sich beide Gruppen leider wenig.

Ab 12:00 Uhr mittags finden dann fünf kurze Sessions in einer der beiden Kirchen statt, organisiert von der 3voor12 Crew, die immer schon eine gute Nase für junge Talente hatte. 

Zu meinem Erstaunen ist sogar "Lisa Hannigan", am Abend eine der beiden Headliner im Stadttheater, dabei und beginnt mit einem kurzen Set aus vier Songs ihren akustischen Reigen. Die Sonne taucht durch die bemalten Kirchenfenster tief in den Raum ein und die Stimme von Lisa Hannagin wärmt uns zusätzlich.



Begleitet von zwei Sängerinnen ihrer derzeitigen Vorband aus Irland (Saint Sisters) ergeben sich sehr gefühlvolle, intime Versionen ihrer Songs, die mit einem a capella gesungenen, irischen Poem "Anahorish" enden. 

Als nächstes ist "Novo Amor" (John Meredith-Lacey) an der Reihe. Ein junger, in sich gekehrter Sänger aus Wales, dessen hohe Stimme und todtraurigen Songs sehr an Bon Iver erinnern. Er spielt mit seiner kompletten Band und seine Single "Anchor" ist eine Hit mit Ansage. Die mutige Coverversion von Guns N`Roses (Welcome to the Jungle) ist mit dieser Stimme und der gleichzeitig totalen Entschleunigung des Songs zwar originell aber gewöhnungsbedürftig. 



Wesentlich melodischer, und anscheinend schon mittags einigermaßen beraucht, betreten die jungen und unfassbar schlanken "The Lemon Twigs" die Bühne. Zwei junge Amerikaner im Second Hand Look der Extraklasse. Am Abend sollten sie ihre komplette Glamrockshow im Rotown zeigen. Hier spielen sie, beide mit riesigen akustischen Gitarren bewaffnet, drei Songs aus ihrem Debutalbum, das passenderweise den Titel "Do Hollywood" trägt.

Das tolle "As long as we`re together" überstrahlt zunächst alles, bevor sie am Ende mit leichten Textproblemen noch eine BeeGees Coverversion zum Besten geben. Sehr unterhaltsam, für Freunde von David Bowie und Foxygen sehr zu empfehlen.



Der letze an diesem Nachmittag ist der hoffnungsvolle Singer/Songwriter "Isaac Gracie", dessen Name schon länger die Runde macht. Heute wirkt er aber im Vergleich zu den Vorgängern etwas fahrig und hat nicht seinen besten Tag. Wer Glen Hansard und/oder Jeff Buckley, ist hier aber goldrichtig.

Am späteren Abend dann wieder ab zum großen Theatersaal wo zunächst "Lisa Hannigan" ihren Auftritt hat. Diesmal mit voller "Show" und mit ihrer Begleitband aus akustischem Bass, Schlagzeug und Keyboarder im Rücken, dazu Lisa an der Gitarre und einem antiken Harmonium mit Blasebalg.   

Der Auftritt ist gelungen, auch wenn manchmal das Überschlagen der hohen Töne etwas zu oft einsetzt und für etwas Eintönigkeit sorgt. Die Songs schwanken zwischen ruhig und ganz ruhig, was bei der bestuhlten Halle zu etwa Müdigkeit führt. Trotzdem sind es gerade die neuen Songs, die mir hier besonders gut gefallen, zum Beispiel "Fall" und "Prayer for the dying" der akutellen Platte "At Swim".  

Viel schwieriger wird es aber danach. "Anna Meredith" aus England führt mit ihrer Band eine Art von Musikschulen-Abschiedsabend auf. So jedenfalls wirkt es, wenn Anna am Bühnenrand den Takt vorgibt und auf zwei riesige Becken eindrischt, während sie ansonsten den Bandmitgliedern ein Solo nach dem anderen durchgehen lässt. Anna Meredith ist gleichermaßen in der Klassik wie auch im Pop verwurzelt und konnte in England schon viel Aufmerksamkeit erlangen. 



Diese unausgegorene Mischung aus Mike Oldfield der 1970er Jahre (in schlecht) und wildem Jam ist leider überhaupt nicht mein Ding. Also genug Zeit für das nächste Shoarmapita, um trotzdem noch pünktlich um 24:00 Uhr für das Finale von "The Slow Show" zurückkehren zu können.

Die Band hat sich ja gerade in Deutschland und Benelux zwischenzeitlich sehr viele Fans erspielt. Zurecht, sind ihre Auftritte doch in ihrer Emotionalität und Musikalität immer etwas Besonders. 

Auch heute wird das Publikum nicht enttäuscht. Zwar kommen, im Vergleich zu den unvergessenen Auftritten in Haldern, hier einige Streicher und Bläser vom Band, trotzdem schafft es Band aber erneut, Nuancen ihres Sounds weiter zu entwickeln und die früher zu sehr in Moll geprägten Songs live etwas zu entzerren und das Tempo zu erhöhen.

Highlights sind, wie so oft, "Ordinary Lives" und "Bloodline". Sänger Rob Goodwin tänzelt am Bühnenrand, geht immer wieder in die Knie und beobachtet seine Band und das Publikum. Dann wieder steht er mit nackten Füssen auf dem Teppich vor seinem Mikrofonständer, gebeugt und konzentriert. 



Diese Band aus Manchester kann live wohl in jeder Halle bestehen, obwohl ihre Songs so gar nicht in ein Hitkonzept passen wollen. Selten unter fünf Minuten und mit getragenen Waldhörnern arrangiert, ist es Musik aus einer anderen Welt. 

Montag, 10. April 2017

Motel Mozaique, Innenstadt Rotterdam, 07.-08.04.2017

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Konzert: Motel Mozaique
Ort: Rotterdam
Datum: Innenstadt
Dauer: 07.-08.04.2017
Zuschauer: div.

Freitag 07.04.2017: Ein Festival im April, verteilt auf die Clubs und Kirchen der Stadt, dazu die Headliner in der großen Schouwburg (Theatersaal). Plus Kunst, Tanz, Schlafprojekte ! und über 30 (von freiwilligen, geführte Touren per Rad durch die spannendsten Ecken von Rotterdam, dass klang nach einem lohnenswerten Ausflug.

Das "Motel Mozaique Festival" sieht sich daher auch nicht als reines Musikevent. Für meinen Bericht beschränke ich mich aber darauf, da die Masse der anderen Veranstaltungen zeitlich gar nicht zu bewältigen war.

Eine entspanntere Stimmung als diese beiden tollen Tage ist kaum vorstellbar. Eine kleine Bühne, auf einem der Marktplätze Rotterdams, dient als Treffpunkt und Ruhezone für alle quer durch die überschaubare Innenstadt eilenden Festivalbesucher.

Trotzdem erlebe ich zu keinem Zeitpunkt Wartezeiten, überfüllte Locations oder sonstigen Ärger, der einem den Spaß am eigenen, engen Zeitplan vermiesen kann. Uns so beginnt der Freitag direkt in einer wunderbaren, alten Kirche mit hoher Kanzel, vor der jetzt eine Bühne aufgebaut ist. 

"Rex Orange County" eröffnet den Reigen mit seinem lässigen Soulpop, der in den besseren Songs vielleicht ein wenig an Mike Skinner von "The Streets" erinnert. Viel bleibt da allerdings nicht hängen, zu groß ist die Vorfreude auf "Haley Bonar", die im nun schon 30 Jahre alten Rotown-Club (dem Pendant zum Amsterdamer Paradiso) spielen wird.



Haleys neue CD "Impossible Dream" gefällt mir außerordentlich gut, wer auf klassischen Indiepop mit Frauenstimme steht wird hier nicht enttäuscht. Leider blieb der größere Erfolg bisher aus. Unverständlich, denn die Songs haben Größe, die Performance der vierköpfigen Band ist gelungen und der volle Saal verlangt nach einer Zugabe.

Danach müssen die deutschen "Gurr" leider wegen einer doofen Überschneidung für mich ausfallen, schließlich will man ja den Hype um "Thundercat" nicht verpassen, zumal dieser im Theatersaal angesetzt wurde. 

Ich gebe zu, die CD nicht verstanden zu haben. Zu wirr werden mir da diverse Soulanleihen und Verweise auf alte Helden nach wenigen Minuten ausgeblendet. "Thundercat" betritt die Bühne, zusammen nur mit einem Keyboarder und einem, am rechten Bühnenrand sitzenden Schlagzeuger, und beginnt unvermittelt, mit seinem riesigen Bass, ein ca. 10-minütiges Freejazz-Gekniedel.



Nun respektiere ich den umfangreichen Weg des Künstlers. Immerhin ist es ein weiter Weg vom Bassisten der Suicidal Tendencies, über Kendrick Lamar zu seinem jetzigen Soloprojekt. Warum aber in den ersten Reihen extrem junge Menschen in Fan T-Shirts "Thundercat" huldigen, statt die Originale zu hören ist mir schleierhaft. 

Einige Stücke können mich live dann doch mitreißen, das Zusammenspiel ist wirklich perfekt. Sobald die Stücke aber die auf CD kurze Spielzeit verlassen ist der Zauber dahin. Vielleicht liegt es auch daran, eine komplette Stunde füllen zu müssen. Thundercat selber hat jedenfalls viel Freude an seinem Auftritt, auch wenn der Saal am Ende halbleer gespielt ist.

Danach noch der von mir langerwartete Auftritt von Grandaddy, über den ich in den nächsten Tagen einen ausführlichen Bericht nachreichen werde, es lohnt sich. 

Leider verpasste ich dadurch auch die neuen, gehypten "Shame" aus England, die ihre T-Shirts in der ganzen Stadt verkauften. Ein schlauer Schachzug. 

Zum Ausklang dann, mitten in der Nacht nochmal zurück ins Rotown. Hier gab es noch Standardware vom SubPop-Label zu bewundern. "LVLup" aus New York spielen härteren Indierock. Für diese Uhrzeit OK, aber kein echter Geheimtipp mit Chance auf größere Taten.



Müde und begeistert von den tollen Eindrücken des ersten Tages, und froh nicht auf ein eingezäuntes Festivalgelände beschränkt zu sein, schleppe ich mich mit einer köstlichen Shoarmatasche in der Hand zum Hostel.


Donnerstag, 17. Januar 2013

Lisa Hannigan, Karlsruhe, 16.01.13

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Konzert: Lisa Hannigan mit Support John Smith
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 16. 01. 2013
Zuschauer: 250
Dauer: 35 min + 80 min  


Auf diesen Abend hatte ich mich schon lange sehr gefreut und war durch die Berichte aus Düsseldorf und Paris gespannt wie ein Flitzebogen. Die Platte Passenger von Lisa Hannigan war schon länger bei mir zu Hause. Nun würde also das Liveerlebnis  folgen - dazu noch sehr bequem für mich im Tollhaus in Karlsruhe. Bequem, weil nah, aber auch bequem weil in sehr netter Umgebung an einem freundlichen Ort.
 

Leider nicht so bequem war, dass es geschneit hatte und noch weiter schneite und ich deshalb nicht mit dem Fahrrad unterwegs sein konnte. Gern hätte ich auch den Abend mit Guido geteilt, der sich bei dem Wetter dann aber die Fahrt erspart hat. Aber bei mir klappte alles gut und ich fand beim Eintreffen noch einen Platz in der ersten Reihe. Dort saß ich schließlich genau zu Füßen von John Smith, der ganz pünktlich 20 Uhr das Vorprogramm mit einer hinreißenden Ballade begann und dann später eine der Gitarren in Lisas Band spielte. Er begeisterte mich auf verschiedenen Ebenen. Er hat eine wunderschöne Stimme, nutzte die Gitarren virtuos und zwischen den Stücken hat er für uns sein eingerostetes Schuldeutsch ausgepackt, um uns zu den Liedern einiges zu erzählen. Er mischte alte und neue Lieder und verkaufte im Anschluss schon seine neue Platte (die eigentlich erst am 25. März erscheint). Sehr amüsant war die Geschichte, dass er Deutsch mit B abgeschlossen hat und Musik nur mit D, wobei sich seine Abschlussprüfung rund um die Tomate gedreht hat. Dazu hat er uns eine sehr lustige Reihe von Sätzen mit dem Wort "Tomate" präsentiert, die tatsächlich sehr typisch für eine Sprachprüfung wirkte. Für zwei Stücke erhielt er schließlich Unterstützung vom Schlagzeug. Darauf hätte ich aber eigentlich verzichten können. Die auf Gitarre und Gesang reduzierte Version war so reichhaltig, dass mir das vollkommen erschien. 
 

Nach nur 20 min Umbau trat zunächst Lisa Hannigan ganz allein auf die Bühne für das innige "Little Bird". Ein wahnsinns-Auftakt und das Publikum - das auch schon John Smith (zurecht) sehr wohlwollend begleitet hatte - war mit enthusiastischem Applaus dabei. Danach traten die fünf Männer der Band auf die Bühne mit Trompete, Bass, Gitarren, Schlagzeug und Keyboard.
Für mich waren eindeutig die ruhigen Stücke die Trümpfe wie das Duett O Sleep (mit John Smith hervorragend besetzt), aber die temperamentvollen Seiten wurden auch in allen Varianten vorgeführt. Lisa als die erwachsen gewordene Merida mit Eigensinn und Kraft die Männer der Band eindeutig anführend. Lustig war die Situation, als Lisa etwas plötzlich von der Bühne verschwinden musste ("wardrobe malfunction") und dem Gitarristen rechts von sich das Zepter rüber warf, der zwar schon ein Lied parat hatte (inklusive der restlichen Band), aber noch schnell die Gitarre stimmen musste. Die war nämlich in "Peoples key g-false" also mal einfach leicht verstimmt. Hier merkte man banz besonders, dass die Band gut aufeinander eingestimmt ist und alle routinierte Profis sind, die ihr Handwerk bestens beherrschen.

Nach 65 min war zunächst Schluss, aber natürlich erklatschten wir uns Zugaben. Dieser Teil war dann wahrhaft der Höhepunkt des Abends für mich: ein ganz neues innigstes Solostück, danach ein so temperamentvolles Knots dass es mir schwer fiel im Sitz zu bleiben.

Ein wunderbarer Abschluss war dann schließlich die Einladung, sich dem Rundgesang "The night they drove old dixie down" anzuschließen. Jeder in der Band sang eine Strophe in minimalistischer Folkmanier. Und wir konnten so weit einstimmen, wie der Text präsent war. Was für ein stimmungsvoller Abschluss eines facettenreichen Abends!


Setlist: (vielen Dank an Pierre Béret dafür!)
Little Bird
Passenger 
Ocean
Venn Viagram
O Sleep 
Paper House, 
Nowhere To go
Flowers
A sail
Teeth
Lille
What'il I Do
Zugaben:
We the Drowned (new song)
Knots
Dixie

Aus unserem Archiv:
Lisa Hannigan in Paris am 6. und 8. April 2012
Lisa Hannigan in Paris am 25. April 2012
Lisa Hannigan in Düsseldorf am 30. April 2012


Dienstag, 1. Mai 2012

Lisa Hannigan, Düsseldorf, 30.04.12

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Konzert: Lisa Hannigan
Ort: Foyer der Tonhalle, Düsseldorf
Datum: 30.04.2012
Zuschauer: rund 150
Dauer: 67 min


Im Herbst findet in Düsseldorf das New Fall Festival statt. Bei der letzten Ausgabe dieser Veranstaltung hatte ich im vergangenen Jahr im Robert Schumann Saal Jens Lekman gesehen. Für dieses Jahr wurden heute als erste Künstler The Notwist (3.10.) und die Tindersticks (7.10.) angekündigt.* Heute fand aber vor allem ein sogenanntes Pre-Event des Festivals mit der irischen Sängerin Lisa Hannigan statt. Ich hatte die Künstlerin eigentlich schon gestern in Frankfurt sehen wollen, hatte aber wegen des wahrscheinlich schöneren Ambientes in der Tonhalle darauf verzichtet.

Lisa Hannigans Album Passenger, eine Nummer eins in ihrer Heimat, liebe ich sehr, live gesehen habe ich sie bisher noch nicht, unsere bisherigen Berichte stammten alle aus Paris. Nach diesen Berichten und nach den Eindrücken der Platte hatte ich natürlich klare Vorstellungen, wie das Konzert sein würde. Daß Lisas Gesang live genauso brillant wie auf dem Album ist, hatte ich allerdings nicht erwartet. Viele Klangbilder, die ich für Resultat der Produktion hielt, konnte die Sängerin auch auf der Bühne genauso wiedergeben. Bei Paper house beispielweise gibt es die Zeile "oh we walked in a hallowed place back then", bei der die Stimme unwirklich schön klang. Viele andere Stücke hatten ähnlich wundervolle Passagen.

Der Auftritt der Irin fand im Foyer der Tonhalle statt, direkt unter dem Konzertsaal. Die Bühne war der runde Bereich in der Mitte des Foyers, umrandet von Sitzreihen und ausgeleuchtet von einer Lampeninstallation bestehend aus weißen Glasröhren, die von Leuchten angestrahlt wurden. Die Mikros der Musiker waren im Kreis aufgebaut, schließlich saßen auch die Zuschauer rund um die Bühne. Allerdings war dabei die Blickrichtung von Lisa und ihrer Band nach innen gerichtet, was sehr ungewohnt aber nicht unangenehm war.

Das erste Lied bestritt die Sängerin noch alleine. Nach Little bird kamen ihre Begleiter von allen Seiten dazu, ein schöner kleiner Effekt!

Kleine Effekte gab es in der folgenden Stunde viele. Keiner von ihnen, keines der Instrumente, kam allerdings auch nur in die Nähe der Einzigartigkeit von Lisas Gesang. Besonders spektakulär wurde ihre Stimme aber immer dann, wenn die Irin eine ihrer wenigen Ansagen machte. Schwer vorstellbar, ihre Sprechstimme ist aber noch einige Stufen aufregender als die singende. Wäre ich mutiger, hätte ich Lisa gebeten, meinen Anrufbeantworter zu besprechen! Nächste Chance dafür am 11.05. im Gebäude 9...

Nach Little bird folgte mit Pistacchio das erste von vier Stücken von Lisas Debütalbum Sea sew. Das Gerüst des Konzerts bildeten aber natürlich die Lieder von Passenger (was mir entgegenkam, weil ich das sehr mag und das erste bisher nicht kannte). Dummerweise gehörte zu den beiden Titeln von Passenger, die Lisa Hannigan nicht spielte, ausgerechnet Home, das ich extrem mag. Ich liege bei der Platte mit meinen Vorlieben aber ohnehin vollkommen falsch, denn die Singleauskopplung Knots halte ich für eines der schwächeren Lieder, auch live mochte ich es neben What'll I do (vermutlich dann die nächste Single) am wenigsten.

Obwohl die Musiker den nahe sitzenden Zuschauern den Rücken zukehrten, etwas, das Lisa zunächst verstörte, gab es genug zu sehen. Mit Lisa standen ein Pianist, ein Schlagzeuger, ein Gitarrist, ein Bassist und ein Trompeter im Kreis. Die Namen nannte Lisa zwar, ich
war aber leider zu sehr von ihrer Stimme und ihrem Akzent abgelenkt, um sie mir zu merken. Der Bassist spielte einen hellen Kontrabass, auf dessen Rückseite sich irgendjemand mit Edding für Noten bedankt hatte. Nur gegen Ende des Sets tauschte er ihn gegen einen E-Bass (ohne Widmung) aus. Lisa spielte Gitarre, Mandoline, Banjo und Harmonium. Wenn sie das liegende Akkordeon bediente, headbangte die Irin, als sei sie in Wacken. Bei den Gitarren- bzw. Mandolinenstücken ersetzte eine lustige Kopfhaltung das Haareschmeißen, denn da sang Lisa, als hinge das Mikro einen halben Meter über ihrem Kopf. In den Momenten wirkte sie irgendwo weit weg, aber nicht in einem Konzertsaal.

Die schönsten Lieder des Abends waren Safe travels (don't die), Passenger, Little bird, Paper house (ganz großartig!) und O sleep. O sleep singt Lisa auf Platte mit Ray LaMontagne. Auf ihrer Tour übernimmt ihr Gitarrist den
Part des Amerikaners. Obwohl dessen Stimme nicht an die von Ray LaMontagne heranreicht, war das Duett hervorragend!

Nach einer knappen Stunde war vorläufig Schluß. Als die Band wiederkam, spielte sie als Zugabe ein Stück von The Band, deren Schlagzeuger Levon Helm vor zwei Wochen gestorben ist. "You'll know this song as Conny Kramer." Lisa und ihre Kollegen sangen The night they drove old Dixie down nur von einer akustischen Gitarre begleitet und abwechselnd singend. Das war sehr schön, ich hätte aber lieber Home gehört (juchuuu, ein Makel des Abends!).

Es war ein wundervolles Konzert! Ein anderer Tanz in den Mai als der, den die Leute in der Ratinger Straße feierten, aber einer, den ich immer vorziehen werde.

Setlist Lisa Hannigan, Tonhalle, Düsseldorf:

01: Little bird
02: Pistacchio
03: Passenger
04: Venn diagram
05: O sleep
06: A sail
07: Flowers
08: Paper house
09: Lille
10: Safe travels (don't die)
11: What'll I do
12: Knots (Z)

13: The night they drove old Dixie down (The Band Cover) (Z)
14: I don't know (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Lisa Hannigan, Paris, 25.04.12
- Lisa Hannigan, Paris, 06. & 08.04.12
- mehr Fotos aus Düsseldorf

Konzerttermine Lisa Hannigan:

03.05.12: Bi Nuu, Berlin
04.05.12: BeatPol, Dresden
06.05.12: Chaya Fuera, Wien
08.05.12: Bleu Lézard, Lausanne
10.05.12: abart, Zürich
11.05.12: Gebäude 9, Köln





Donnerstag, 26. April 2012

Lisa Hannigan, Paris, 25.04.12

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Konzert: Lisa Hannigan

Ort: Fnac Forum des Halles, Paris
Datum: 25.04.12
Zuschauer: etwa 60
Konzertdauer: ungefähr 25 Minuten


Vor ihrem "richtigen" Konzert in der Fléche d'or stand für die umwerfend charmante Irin Lisa Hannigan noch ein Gratis- Showcase im Kulturkaufhaus Fnac auf dem Programm. Gelegenheit für Fans mit kleinem Geldbeutel umsonst in den Genuß von insgesamt fünf Songs zu kommen, die Lisa zusammen mit zwei männlichen Begleitmusikern spielte.

Wenn man denn pünktlich war! Ich Trottel hingegen irrte mindestens 10 Minten lang in dem scheußlichen Shoppin Center des Forum des Halles umher, bevor ich endlich die verfluchte Fnac fand und gerade noch zwei Lieder geboten bekam.

Aber allein für Knots hatte es sich gelohnt. Mit ihrer verrauchten bluesigen Stimme sang sie inbrünstig diese Uptempo-Nummer, die man auch auf ihrem zweiten Album Passenger finden kann.

Wenn ihr wissen wollt, wie das ungefähr klang, bitte sehr:




Setlist Lisa Hannigan, Showcase Fnac:

01: Little Bird
02: Passenger
03: O sleep
04: Knots
05: What'll I do

Konzerttermine Lisa Hannigan:

26.04.2012: Theaterhaus, Stuttgart
28.04.2012: Ampère, München
29.04.2012: Das Bett, Frankfurt
03.05.2012: Bi Nuu, Berlin
04.05.2012: BeatPol, Dresden
06.05.2012: Chaya Fuera, Wien
08.05.2012: Bleu Lézard, Lausanne
10.05.2012: abart, Zürich
11.05.2012: Gebäude 9, Köln


Aus unserem Archiv:

Lisa Hannigan, Paris, 6 & 8.04.12




Montag, 9. April 2012

Lisa Hannigan, Paris, 6 & 8. 04.12

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Konzert: Lisa Hannigan
Ort: Fargo & Galsrock, Paris

Datum: 6 & 8.04.2012

Zuschauer: bei Fargo etwa 30, bei Galsrock mindestens 60-70

Konzertdauer: jeweils etwa 30 Minuten



An so etwas merkt man dann doch, daß Paris eine Kulturhochburg ist. Wo bekommt man schon eine solch exquiste Sängerin wie die Irin Lisa Hannigan an drei verschiedenen Tagen gratis und in einem intimen Ambiente geboten?

Freilich musste man gut informiert sein, um davon zu wisssen. Es empfahl sich, meine Konzerttipps für Paris gelesen zu haben. Aber selbst mir entging, daß Lisa am 5. April in der englischen Buchhandlung Shakespeare & Company akustisch vom Leder gezogen hatte.


Das Konzert im schönen Fargo Recordstore am 6. April hatte ich mir aber frühzeitig notiert. Es fand um 18 Uhr statt und ich kam genau pünktlich dort an. Lisa hatte es sich auf dem Tresen (halbwegs) gemütlich gemacht und spielte zunächst Mandoline. Vor ihr standen etwa 20 bis 30 Musikfans, die mucksmäuschentill das akustische Set mitverfolgten und von der wahnsinnig hübschen Stimme der Irin ziemlich geplättet schienen. Die stilvolle Dame mit den Rehaugen und den feinen Zügen performte Stücke ihres aktuellen Albums Passenger aber auch einen alten Song vom Erstling Sea Sew.


Mit würzig-rauchiger Stimme und immenser Inbrunst spielte sie auch Little Bird & Knots, zwei Lieder, die die Pariser Videoseite lehiboo in einem Baugraben (!) und vor dem Eiffelturm bei Nacht gefilmt hatte. Lisa berichtete schmunzelnd von dieser kürzlich stattgefundenen Episode.

Obwohl ihr in Paris der Duettpartner des Album, Ray Lamontagne, fehlte, spielte sie das Stück O Sleep und schaffte es auch ziemlich gut, die rauchige Männerstimme zu ersetzen.




Dann musste ich auch schon los zu meiner Meditationsstunde und ging kurz bevor bei Fargo Schluß war.

Am Ostersonntag schließlich stand Lisa Hannigan erneut auf einer improvisierten Bühne, dieses Mal im CD-Laden Galsrock im Pigalle Viertel. Hier war es aber so voll, daß man in den eigentlichen Raum gar nicht mehr rein kam und vom Eingangsbereich aus dem Konzert zuhören konnte (musste), ohne allerdings etwas zu sehen. Sehr störend und unhöflich, daß sich ausgerechnet ein 1,90 m großer Kerl mitten in den Türrahmen stellte. Hätte er sich zivil verhalten, hätten die anderen Leute zumindest noch einen Teil des Kopfes von Lisa sehen können, so aber glotzte man auf seinen Rücken.

Was man hören konnte, enstsprach dem Set von Fargo. Das war minimalistisch, gefühlvoll, warmherzig und vor allem sehr schön.

Vielleicht erlebe ich das Ganze ja noch einmal zu besseren Bedingungen als bei Gals Rock? Wer weiß...

Ausgewählte Konzerttermine Lisa Hannigan:

19.04.2012: Binnenstad, Motel Mozaique 2012, Rotterdam
22.04.2012: Paradiso, Amsterdam
23.04.2012: Doornroosje, Nijmegen
24.04.2012: Grünspan, Hamburg
25.04.2012: La Fléche d'or, Paris
27.04.2012: Theaterhaus, Stuttgart
28.04.2012: Ampere, München
29.04.2012: Das Bett, Frnakfurt
03.05.2012: Bi Nuu, Berlin
04.05.2012: BeatPol, Dresden
06.05.2012: Chaya Fuera, Wien
08.05.2012: Blue Lézard, Lausanne
10.05.2012: abart, Zürich
11.05.2012: Gebäude 9, Köln
12.05.2012: Botanique, Brüssel


 

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