Montag, 1. Oktober 2012

The KVB, Paris, 19.09.12


Konzert: The KVB
Ort: Garage MU, Paris 18
Datum: 19.09.2012
Zuschauer: etwa 100 (ausverkauft)
Konzertdauer:etwa 45 Minuten



Paris, 18. Arrondissement, la goutte d'or. Von den sogenannten "beaux quartiers", den schönen Vierteln, sind wir hier weit entfernt. Zwar nicht geografisch, aber zumindest was die Beschaffenheit der Gebäude und die soziale Struktur anbelangt. Hier an der U-Bahnstation Chateau Rouge gibt es keine Markenklammotten und auch keine Edelrestaurants. Die Einwohner sind, obgleich französische Staatsbürger, oft afrikanischer oder arabischer Herkunft. Auf den Straßen liegt überall Unrat rum, als seien alle Mülltonnen umgekippt worden. Ich habe mal gehört, die Müllabfuhr käme in den schlechteren Vierteln seltener vorbei. Die schwarzen Männer und Frauen verbringen trotzdem weite Teile des Tages auf diesen ungepflegten Straßen. Anstatt ins Café zu gehen, treffen sie sich oft direkt auf dem Bürgersteig und unterhalten sich lautstark. Manche von ihnen stehen auch einfach nur alleine rum.


In dieser Gegend soll also das Konzert der heiß gehandelten Engländer The KVB stattfinden. Es war von dem inzwischen geschlossen Club La Mécanique Ondulatoire kurzfristig in die Garage MU verlegt worden. Wo die genau war und was das überhaupt ist, weiß ich nicht. Garage MU? Nie gehört. Aber zumindest eine Straße und Hausnummer gibt es und als ich die erreiche, dröhnt schon Lärm nach draußen. Hier muss es also sein. 

Ich sehe eine unscheinbare Tür und trete ein. Nicht weit allerdings, denn der Kerl am Eingang will mich mit den schroffen Worten: "tut mir leid, ist schon voll" abweisen. Das lasse ich mir natürlich nicht gefallen und komme ihm mit der Mitleidstour. "Mein Weg war so weit, ich bin extra hierfür gekommen, habe mich so auf den Abend gefreut, blalabala..." Die Nummer zieht. Ich darf rein, muss aber jetzt acht Euro blechen. Außerdem nötigt man mich, für ein Jahr Mitglied des Kollektivs zu werden, wofür ich ein Formular ausfüllen muss. Veranstalter ist das Kollektiv MU, das hier in der Garage eigentlich seine Abstellräume hat, diese aber nun gelichtet hat und nun etwa einmal im Monat Konzerte der speziellen Art veranstalten will. Experimentell und dark werden die Gigs sein, das wird schnell klar.

Auf der Bühne spielen The KVB bereits seit einer Weile. Eine hübsche brünette Keyboarderin und ein lockenköpfiger Gitarrist, beide blutjung, mühen sich vor auf die nackte Betonwand projezierten abstrakten Videos ab, arbeiten auf Teufel komm raus mit Halleffekten und Feedback und klingen wie die frühen Joy Division. Gruselige, sehr verhuschte Musik, die aber doch ziemlich faszinierend ist und bisweilen sogar hypnotisierend wirkt. 


Die Keyboarderin scheint sich trotzdem zu langweilen, raucht während des Sets Zigarette und wirkt geistesabwesend. Schade daß ich sie nicht ganz sehen kann, denn nach dem Konzert bemerke ich, daß sie eine rattenscharfe kurze schwarze Shorts trägt, in der sie einen super Arsch hat. Ich spreche sie und ihren musikalischen Parner an und frage, ob sie CDs zu verkaufen haben. Die beiden verneinen, sagen nur etwas von einer Compilation ihres tollen Labels Clan Destine Records. Dabei haben sie immerhin schon ein Werk veröffentlicht. The Black Sun von 2012 gab es aber nur auf Kassette und ist bereits vergriffen. Immerhin können wir auf ihrer Bandcampseite reinhören und bei Vimeo gibt es auch Videos von ihnen.


Ich werde jedenfalls ihren Werdegang, der sie am 5.10.in die Death # Disco in Berlin und am 06.10. ins Golem in Hamburg führt, gespannt weiterverfolgen und auch beim Kollektiv MU bleibe ich am Ball.

Cooler Abend!


 


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