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Montag, 17. April 2017

Einar Stray Orchestra, Nürnberg, 12.04.17

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Konzert: Einar Stray Orchestra mit Support Therese Aune
Ort: Club Stereo in Nürnberg
Datum: 12. April 2017
Dauer: 35 min + 80 min
Zuschauer: über 100


Will I die inside before I die? 
Diese inbrünstige Frage aus Pockets full of holes vom Einar Stray Orchestra lässt mich nicht kalt. Aber als ich es diesmal wieder aus vollem Herzen mitsang wurde mir klar: Das verhindern u.a. diese fünf jungen Menschen aus Norwegen für mich! Mit ihrer aus allen Schubladen ausbrechenden Musik, mit ihrer umwerfenden Live-Darbietung und auch mit ihren Texten - wenn das bei mir auch manchmal erst sehr viel später (an)kommt... Als bekannt wurde, dass sie nun - endlich! - mit ihrem neuen Album, von dem es ja vor einem Jahr in Frankfurt kräftig Appetit machende Kostproben gab, auf die Reise gehen, habe ich mich so gefreut, dass ich am liebsten gleich am ersten Abend im Societätstheater in Dresden dabeigewesen wäre.
 

Ich bin lange um den Plan einer Dresdenreise herumgeschlichen, aber das ging sich einfach nicht aus weder mit der Reisezeit zwischen Dresden und Karlsruhe als auch von München, wo ich die Woche dann schließlich verbrachte. Aber München hatte immerhin den Vorzug, dass Nürnberg für einen Abend in greifbare Nähe rückte. Die Zugverbindung zwischen den beiden Städten ist bis in den späten Abend hervorragend und Nürnberg - die zweite Tourstation - wurde gebucht. So würde ich auch den Club Stereo einmal kennenlernen. Zuletzt hatte ich die Band in Trio-Besetzung quasi akustisch in der Storkower Kirche gesehen und ich war neugierig, inwieweit das neue Material auch zu Neuerungen in der Band führen würde.
 

Zunächst war aber als Vorprogramm Therese Aune für etwas mehr als eine halbe Stunde am Start.  Über die Ankündigung, dass sie mit auf die Tour von Einar Stray durch deutsche Lande gehen würde, hatte ich mich sehr gefreut, denn ich wollte sie lange schon einmal live erleben. Sie hatte für sich einen Synthie aufgebaut und das Programm lebte von ihrer Stimme und vorprogrammierten Schnipseln zu ihrer sparsamen Begleitung auf den Tasten. Zu meiner Freude war das Publikum sehr aufmerksam, obwohl das doch im großen und ganzen sehr ruhig war und es auch mal einen Fehlstart zu verkraften gab.


Für den eigentlichen Beginn des Konzertes war der Saal gut gefüllt und es herrschte eine gespannte Atmosphäre für den Auftritt von

  Maja Gravoermoen Toresen: Violine & Gesang
  Ofelia Østrem Ossum: Cello & Gesang
  Einar Stray: Piano & Gesang
  Lars Fremmerlid: Schlagzeug & Gesang

  Steinar Glas: E-Bass, Gitarre & Gesang

Aus den Gesprächen ringsum hatte ich entnehmen können, dass es einige "Wiederholungstäter" gab und die Band damit nicht allen neu war. Wie zu erwarten, begannen sie mit einem Programm, das den Schwerpunkt auf die aktuellen Lieder legt. Mir kam es noch druckvoller vor als gewohnt, was aber in dem Kellerklub in Nürnberg (und bei mir) bestens ankam.


Erst dachte ich schon, es gäbe diesmal gar keine Ansagen, aber nach einigen Songs war wohl die Anspannung auf der Bühne etwas gelöst und Einar begrüßte Dresden ganz herzlich... Das war natürlich ein schöner Patzer und wurde dann für den Rest des Konzertes zum running gag umfunktioniert. Ich muss ja zugeben, dass sich für einen der deutschen Sprache nicht so kundigen Dresden wahrscheinlich einfacher als Nürnberg aussprechen läßt....


Nach einem diesmal ganz besonders tänzelnden Chiaroscuro war auch es Zeit, für Ofelia, ihre Brille abzunehmen, was wohl als Stimmungsbarometer taugt. In Dresden wäre die Brille das ganze Konzert drauf geblieben... Inzwischen schon vertraut für mich war das Lied Penny for your Thoughts mir sehr willkommen, um mich wenig später von Sommersaulting total verzaubern zu lassen. Die flimmernden Frauenstimmen waren so herrlich lautmalerisch und wurden dann von ordentlich bums dagegen abgelöst und in Musik gewordene Verwirrung gegossen.


Ein wenig verblüfft war die Band wieder darüber, dass im Publikum niemand auf den Wagentyp VW Caravelle reagierte. Ich musste zu Hause auch erst einmal googlen welches Kultauto sie in ihrem Lied zur Matrix für ein sommerlich frohes Lebensgefühl machen. Dann wurde es schon Zeit für den Anlauf zum Finale. Mein so heiß geliebtes wieder sehr hymnische Pockets full of holes und Synthesis mit einer Schlagzeugorgie. Die Band wurde über den Verlauf des Konzertes wirklich aufs Schönste gefeiert und mit Aufmerksamkeit begleitet. Und so mussten wir auch nicht zu lange um eine Zugabe bitten.


Es gab einen sehr ruhigen Song, wo sich vor meinem inneren Auge die Sonne im Meer spiegelte und schließlich zum Abschied das immer noch supertolle Lied Caressed. Ein wunderbares Konzert war damit zu Ende und am Merch sammelten sich die Leute, um sich die neuen Lieder mit nach Hause nehmen zu können.


Setlist:
01: Last lie
02: As far as I'm concerned
03: Glossolalia
04: Dear Bigotry
05: Chiaroscuro
06: Penny for your thoughts
07: 20.000 nights
08: Sommersaulting
09: Politricks
10: Thrasymachus  
11: Caravelle
12: Pockets full of holes
13: Synthesis

14: Seen you sin (Z)
15: Caressed (Z)


Tourdaten:
11.04. Dresden Societätstheater
12.04. Nürnberg Club Stereo
13.04. Wien Fluc
14.04. Aflenz Sublime
15.04. Zürich Bogen F
17.04. Freiburg Waldsee
18.04. Köln Arttheater
23.04. Bielefeld Nrzp
24.04. München Milla
25.04. Leipzig UT Connewitz
26.04. Berlin Berghain Kantine
27.04. Hamburg Nochtspeicher



Aus unserem Archiv:
Einar Stray, Storkow, 26.08.16
Einar Stray Orchestra, Frankfurt, 02.06.16  
Einar Stray Orchestra, Darmstadt, 16.05.15
Einar Stray, Berlin, 01.01.14
Einar Stray, Köln, 20.06.12



Montag, 10. Februar 2014

Therese Aune, Samaris, Festival Air d'Islande, Paris 01.02.14

2 Kommentare

Konzert: Therese Aune, Samaris und Mono Town- Festival Air d'Islande
Ort: Le Point Ephémère, Paris 
Datum: 01.02.14
Zuschauer: ausverkauft



Mit dem flotten Pagenschnitt hatte sie bei mir sofort gewonnen. Sympathie-und Schönheitspreise zumindest. Aber auch sonst wusste sich die junge Therese Aune schnell zu behaupten. Obwohl Norwegerin, trat sie beim Festival Air d'Islande auf. Sie war als erste von drei Acts in Rennen gegangen, hatte aber das Glück bereits zu recht früher Stunde vor voll besetzten Rängen zu spielen. Das recht kleine Point Ephémère platzte an jenem Samstag fast aus allen Nähten. Ich hatte massive Probleme, mich nach vorne durchzukämpfen. Aber vordrängeln können wir Deutsche ja wie keine zweite Nation, so daß ich irgendwann recht nahe dran war. Einzig der Betonpfeiler am rechten Rand der Bühne versperrte mir etwas die Sicht auf Therese, die auf ihrem Klavier klimperte und dazu kindlich, aber sehr eindringlich und langgezogen sang. Eine ganz besondere Stimme, die mich dennoch an die anderer Sängerinnen erinnerte. Welche genau, fand ich aber auch nach längerem Nachdenken nicht heraus. Sopa & Skin& Coco Rosie, Tegan & Sara, Joanna Newsom? Es gibt noch eine passendere Referenz, aber ich kam nicht drauf.

Wundervoll war  das Pianospiel Thereses, in vielen Phasen fast klassisch anmutend, so ähnlich also wie bei Agnes Obel. Anders als Agnes aber versprühte Therese viel Feuer und Temperament, ihre Stimme hatte viel Druck. Man merkte, daß da ein Mädel am Start ist, die sich Gehör verschaffen will. Dabei musste sie heute die Abwesenheit ihrer kompletten Band kompensieren. Normalerweise hat sie eine Gruppe mit vier zusätzlichen Musikerinnen an Schlagzeug, Tuba, Cello und Violine um sich. Natürlich fehlten deshalb ein paar Feinheiten udn Varianten in ihrem Set, aber auch solo beeindruckte Therese. Die Songs waren einfach gut, so herrlich dramatisch, cinematographisch, melancholisch. Von ihnen ging eine sehr spezielle, enorm warme und berührende Atmosphäre aus. In guter Erinnerung geblieben ist mir Sometimes, ein sehnsüchtig sentimentales Schmankerl mit glockenartigen Syhnties und einer großartig intonierenden Therese Aune, die eine erstaunliche stimmliche Bandbreite zeigte. Auch Myself As A Child ging unter die Haut, klang live viel roher und ungestümer als auf dem fein arrangierten Album Billowing Shadows Flickering Light.


Der Silent Song folgte noch, bevor mit einem herzerweichenden Stück am Harmonium abgeschlossen wurde. Broken Bird hieß er und diese entzückende Ballade beendet auch das Album von There. Man soll eben aufhören, wenn es am schönsten ist...






Dann kamen Samaris. Ein wohlklingender Name. Und auch das, was die dreiköpfige Band musikalisch zeigte, verdiente dieses Attribut. Die drei jungen Menschen aus Island schufen einen ungemein feinen, feenhaften, verwunschenen Elektrosound, den sie auch choregraphisch wunderbar umsetzten. Sängerin Jófríður Ákadóttir, uns Musikfans als Teil des formidablen Schwesternduos Pascal Pinon bekannt, verzückte nicht nur durch ihren sehnsüchtigen Hauchgesang im Stile von Björk, sondern auch durch ihre unschuldige Präsenz, ihren charmanten Tanzstil und ihren Look. Auf Socken agierte sie auf der Bühne und den dünnen langen Körper hatte sie in eine Art Nachthemd gehüllt. Ihren blonden Schopf krönte ein silbern glänzender Haarschmuck. Traumhaft.

Wie eine Schlafwandlerin schlich sie hin und her, sang (für mich) Unverständliches, aber wahnsinnig Schönes auf isländisch und begeistere mich auch durch ihre Gestik, z.B. durch das Verschränken der Hande und Arme hinter ihrem Kopf.




In der Mitte machte sich ein junger Bursche namnes Þórður Kári Steinþórsson hinter Synthies zu schaffen. Er kreierte einen flotten Loungesound, in dem es auch mystische Töne und spannende Geräusche zu hören gab.

Rechts außen spielte ein Mädel (Áslaug Rún Magnúsdóttir) mit güldenem Brokatmantel, weißen Nike Turnschuhen und dunkelvioletten Lippen Klarinette. Ihr Spiel bereicherte die Musik von Samaris ungemein, es gab ihr eine klassische, aber auch verwunschene Note, so als würde man in einem Wald voller Fee stehen. Es war herrlich.

Knapp vierzig Minuten dauerte das Set, das mit fabelhaften Stücken des Debütalbums gespickt war. Alles auf isländisch gesungen, aber das war nicht weiter schlimm, entscheidend war die geschaffene Atmosphäre, die meine Nachbarin beim Konzert als aus einem Film von Lars von Trier entlehnt, beschrieb. Das Spannende war der gleichzeitig entstehende Eindruck von Sinnlichkeit und Unschuld, zwei an sich gegensätzliche Dinge, die Samaris aber sehr wohl zu vermitteln wussten.

Allein der letzte Songs dauerte stolze 9 Minuten, triumphierte mit ultraflotten Tanzbeats und dem gespressten Gesang von Jófríður Ákadóttir. Sie schien in Trance zu sein, nahm ihre Umwelt nicht mehr war. Beindruckend.

Für die Füße waren allerdings dann die Jungs von Mono Town. Das klang nach britischen Softrockbands, aber in der Lightvariante. Also eine Art Coverband von Acts wie Travis, Snow Patrol, Cold Play, I Am Kloot und so weiter. Fürchterlich. Verlieren wir also keine weiteren Worte darüber.



 

Konzerttagebuch © 2010

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