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um
03:18
Konzert: Sea Of Bees
Ort: L'International, Paris
Datum: 01.05.12
Zuschauer: 200 oder so (der Eintritt ist frei im International)
Konzertdauer: etwa 40 Minuten
Sie singt wie ein Schlumpf. Oder: alle Melodien auf Orangefarben klingen gleich.
Abfällige Bemerkungen wie diese musste ich kürzlich zu Sea Of Bees im französischen Musikmagazin Magic und im britischen Mojo lesen und konnte nur mit dem Kopf schütteln. Schließlich ist die Stimme von Julie Ann Bee doch wirklich außergewöhnlich toll und die Melodien auf dem neuen Album orangefarben nun wirklich abwechslungsreich.Aber gut, auch negative Kritik ist zu respektieren, schließlich wäre es ja unnatürlich und suspekt, wenn jeder Künstler auschließlich positiv besprochen würde. Wir hier auf dem Konzerttagebuch kümmern uns ohnehin in erster Linie um die Livedarbietung und da kann ich Julie, ihrer Gitarristin Amber Padgett und den beiden englischen Begleitmusikern wirklich packende Shows bescheinigen.
Julie legte sich schon wie kürzlich im Rough Trade Store wahnsinnig ins Zeug, gab ihr Allerbestes, lebte ihre Lieder intensiv und rauschhaft aus und sang so unglaublich nahegehend,
daß mein Endorphinausstoß um das Zehnfache gesteigert wurde. Von wegen Schlumpf! Arschlecken ihr anderen Schreiberlinge! Auf Julie lass ich nix kommen. Und auch ihre Backgroundsängerin Amber schrie sich wieder die Seele aus dem Leib. Nebenbei erwähnt sah sie in ihrem hautengen kurzen Rock und mit der kessen Strumpfhose saumäßig sexy aus, aber lassen wir es mit dieser Anmerkung mal damit gut sein.
Leider gab es aber dennoch Haare in der Suppe. Dies hatte aber überhaupt nichts mit der Band zu tun. Übeltäter waren wieder einmal die obszön laut plaudernden Besucher im International, die in vielen Sprachen (englisch, spanisch, italienisch) palaverten, ohne Rücksicht auf die echten Fans zu nehmen. Das verstehe wer will! Die Konzerte finden im Keller statt und oben gibt es eine umgebaute Bar, in der man sich ausgiebig unterhalten kann. Warum gehen diese Ruhestörer dann runter und beeinträchtigen den Konzertgenuß?
Ein anderes Ärgernis war die Ansetzung von Sea Of Bees als erste Band des Abends. Normalerweise spielen die Headliner immer später, fangen quasi nie vor 22 Uh/22 Uhr 30 an. Heute wurden Julie und Band aber bereits um 21 Uhr 15 auf die Bühne gejagt, so daß ich 4 Lieder des ohnehin nicht sehr langen Sets verpasste.Unter dem Strich blieb mir dann nur noch ein zwanzigminütiges Konzert mit hohem Geräuschpegel. Sea Of Bees waren aber wieder so gut, daß sich die Sache trotzdem gelohnt hatte. Schließlich bekam ich ja auch noch das höllisch ohrwurmige Wizbot präsentiert und auch das von wundervollen Harmoniegesängen bestimmte Girl kam zum Vortrage. Ein super Song, der total Laune machte.
Ganz zum Schluß performte Julie dann noch einmal solo die nahegehende Ballade The Woods, die sie immer so prima gestenreich untermalt.Zu einer Zugabe kam es leider nicht mehr, aber Julie und Amber konnte man noch in dem Club antreffen und Lust zu plaudern haben die beiden immer. Sind sehr herzliche Mädchen, die jetzt noch mal noch für ein paar Konzerte nach London reisen, bevor es zurück ins heimische Kalifornien (Sacramento) geht, das sie inzwischen schwer vermissen. Welches Konzert ihnen auf der absolvierten Tour am besten gefallen hat? Das in der Haldern Pop Bar!
um
22:02
Konzert: Sea Of Bees
Ort: Rough Trade Store chez agnes b.,Paris
Datum: 20.03.12
Zuschauer: eta 40-50
Konzertdauer: etwa 40Minuten

Teil 2 meines Konzertmarathons vom vergangenen Freitag. Nach Mariee Sioux bei Fargo ging es für mich in einen anderen Teil der Stadt. Unweit der Kirche Saint Eustache gab es bei agnes b. gleich zwei kostenfreie Showcases. Zunächst hatte in meiner Abwesenheit der Engländer Gravenhurst gespielt, dann stand um 19 Uhr 30 die Amerikanerin Julie Ann "Bee" Baenzinger alias Sea Of Bees auf dem Programm.
Ich kam noch genau pünktlich und sah Julie mit ihren drei Begleitmusikern, ein Weiblein und zwei Männlein, in voller Aktion. Die vier Sympathen drückten ordentlich auf die Tube und zwar durchgängig. Zu hören gab es also keinen verhuschten Singer/Songwriter-Folk sondern reinrassigen Powerpop/Indierock. Es dröhnte mitunter verdammt laut aus den Boxen,vor allem für einen solchen Instore Gig wie heute,
wo man in der Regel oft leise akustische Musik zu hören bekommt.Sehr auffällig sofort die Stimme von Julie. Hoch, hysterisch, mit einem außerwöhnlichen Timbre versehen und einfach wunderschön und nahegehend. Das Mädel hat viel Feuer im Arsch, so viel war schnell klar. Amüsant anzusehen, welche Grimassen sie oft schnitt, wie sie den Mund verzog, die Zähen fletschte! Keine eitle Agathe, sondern ein Mädchen genau nach meinem Geschmack, ungekünstelt und wahrhaft.
Auch ihre rotblonde Gitarristin fiel mir sehr positiv auf. Die Süße lachte oft und sehr charmant, legte sich unglaublich ins Zeug und zog meine Blicke auch durch ihre knallige orangefarbene Strumpfhose und die abgewetzten braunen Herrenschuhe auf sich. Orangefarben? Aber das ist doch auch der Titel des aktuellen Albums von Sea Of Bees! Genau! Von diesem neuen Opus stammten mit Gone, Girl und Leaving aber nur drei Lieder.Reden wir doch sofort mal von Gone. Ein sehnsuchtsvolles Stück mit einer formidablen Gitarrenmelodie und einem Gesang, der mir durch Mark und Bein ging. Sensationell wie Julie es verstand, vom selbstmitleidenden Jammern zum Angriff überzugehen und hoch greinte, daß mir fast Tränen aus den Augen kullerten.Oder Girl, wo die beiden Mädels auf fast countryeske Weise zusammensangen ("you got me where you want me to be") und sich gegenseitig nach vorne peitschten.Aber auch die beiden letzten Lieder des Konzertes sollten Erwähnung finden.Wizbot stammt vom ersten Album Song Of The Ravens und hatte einen unwiderstehlichen Groove, ein fetziges Schlagzeug und einen markanten Bass zu bieten. Ein super Lied mit Hitqualitäten und einem einprägsamen Refrain ("could it be something in your eyes, could it be something in your smile...")
The Woods schließlich schloß dass schmissige Set ab. Ein Titel, der auf der ersten EP drauf ist und von Julie solo vorgetragen wurde. Er muss ihr viel bedeuten, ihre Gestik und Mimik war gerade hier besonders ausgeprägt und ihr Gesang erreichte nie höhere Frequenzen.
Danach war allerdings Schluß, aber gleichzeitig wurde die frohe Botschaft verkündet, Daß Sea Of Bees bereits am 1. Mai wieder in Paris, diesmal im International spielen werden. Und Zeit für einen sehr netten Plausch und Erinnerungsfotos gab es auch noch. Ich wurde übrigens auch noch gefragt wie man orangefarben richtig ausspreche. Lustig, oder?Setlist Sea Of Bees, Rough Trade Store chez agnes b., Paris:
01: SkinnyBone02: Gone03: Gnomes04: Strikefoot05: Girl06: Leaving07: Please08: Wizbot09: The WoodsAusgewählte Konzerttermine von Sea Of Bees:
29.04.2012: Monarch, Berlin
30.04.2012: Haldern Pop Bar
01.05.2012: l'International, Paris
- Tolle CD-Review von Orangefarben auf dem Klienicum.
um
01:51
Konzert: Wintersleep & Mona & Sea Of Bees & Rah RahOrt: La Flèche d'or, ParisDatum: 02.03.2011Zuschauer: halbleer (sagen die Pessimisten), halbvoll (die Optimisten)Och, menno! Alles ein bißchen dumm gelaufen an diesem 2. März 2011!
Weil meine Frau mich eindringlich bat, noch in in der Apotheke Insulin für unseren zuckerkranken Kater (Foto, beim Versuch Glockenspiel zu spielen) zu besorgen, verlor ich viel Zeit und trudelte recht spät in der Pariser Flèche d'or ein. Ich stand also erst gegen 21 Uhr 20 an der Kasse, drückte meine 10 Euro Eintrittspreis ab (sehr fair für 4 Bands), als ich meinen Kumpel Yves hinter mir sah, der zwei Freikarten hatte und allein gekommen war. Um seinen überschüssigen Gästelistenplatz in Anspruch zu nehmen, war es aber nun zu spät, ich hatte den Ticket-Kauf schon getätigt und das Ganze war nicht mehr rückgängig zu machen. 10 Euro in die Luft geschossen! Nun ja, ich hoffe die Knete kommt anteilig auch den Bands zu. Aber damit war mein Pechpotential noch nicht ausgeschöpft, denn als ich auf dem Nachhauseweg die Metrolinie wechseln wollte, ertönte eine Lautsprecherdurchsage, die unmissverständlich klar machte, daß der Metro- Betrieb nun zu Ende sei. Ich musste also ein Taxi nehmen und weitere 10 Euro wanderten von meinem in ein anderes Portemonnaie.Das Ärgerlichste war aber, daß ich ausgerechnet die Bands, die ich gerne hätte sehen wollen, sprich Rah Rah und Sea Of Bees, durch meinen Apothekengang, verpasst hatte. Verflucht!Rah Rah sind eine sechsköpfige (normalerweise sind sie sieben, heute aber nur zu sechst) gemischt-geschlechtliche, kanadische Indierockband , auf die mich unsere Freunde von Plattenvorgericht aufmerksam gemacht haben (klick!). I-tunes hatte sie dereinst zur "Best New Canadian Band" gewählt und Leute, die heute pünktlich da waren, sagten mir, daß sie musikalisch mit Los Campesinos! oder Arcade Fire vergleichbar seien.Sea Of Bees wiederum ist das Projekt von Julie Ann Bee, die mit einer anderen Musikerin in meiner Abwesenheit ein Set an Akustik-und E-Gitarre vorgetragen hatte, das von vielen Zuschauern als sehr schön beschrieben wurde. Um mich zu trösten, habe ich zumindest ihr Album Songs Of The Ravens für 10 Euro erworben und mich noch nett mit der natürlich wirkenden Künstlerin unterhalten.Aber ich habe nicht nur Bands verpasst, sondern auch welche gesehen:Mona aus Nashville, Tennessee hätte ich aber wirklich nicht gebraucht. Eine bombastische Poserband ohne Substanz und keinem einzigen guten Lied im Repertoire, die aber dennoch einen relativ starken Hype erfährt. Die grünschnäbeligen Burschen um Sänger Nick Brown (optisch eine Art Joe "The Clash" Strummer) ließen die Harten raushängen und klangen wie eine schlechte Kopie der Kings Of Leon (au weia! Kol sind ja schon mies!). Lasst sie einfach aus, wenn sie euch im Sommer auf Festivalbühnen vorgesetzt werden sollten. Nutzt lieber die Pause, um etwas essen zu gehen. Klarer Fall: ich mag viel lieber Mohna als Mona.Als letzte Band des Abends durften dann die Kanadier Wintersleep ran. Eine sympathische, grundsolide Indierockband, die es aber heute nur selten schaffte, Funken sprühen zu lassen. Der postpunkige Bass, das fetzige Schlagzeug und die nasale Nörgelstimme von Paul Murphy (Bob Dylan meets Paul Banks) wussten zwar zu gefallen, aber die wirklich packenden Momente waren eher rar gesät. In keiner Phase hob das Konzert so richtig ab, obwohl ein paar Songs temporeich und tight geliefert wurden. Irgend etwas fehlt dieser Band. Musikalisch liegen sie irgendwo zwischen REM, Guided By Voices und Interpol, aber so gut wie nie erreichten sie deren Charisma und Catchyness. Das Konzert war folglich gehobener Durchschnitt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.Alles in allem ein eher duchwachsener Konzertabend. Vielleicht hättte ich eher zu Peter Björn & John ins gerammelt volle International gehen sollen? War gratis, dafür sahen Leute die zu spät kamen, aber so gut wie nix. Sagt zumindest Rockerparis. Und sauheiß soll es gewesen sein. Also doch nichts verpasst? Moment, der Rockerparis redet von vielen hübschen Schwedinnen. Verflucht!Fotos folgen!Link: Das Klienicum hat einen sehr schönen Eintrag über Sea Of Bees, klick!
Aus unserem Archiv:
Wintersleep, Paris, 14.12.09
Wintersleep, Köln, 12.11.09
Wintersleep, Haldern, 13.08.09
Wintersleep, Köln, 02.05.09Sea Of Bees auf Tour:
9. März 2011: Chelsea, Wien
10. März 2011: Monarch, Berlin