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Montag, 20. Dezember 2010

Fest van Cleef, Bielefeld, 12.12.10

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Konzert: Fest van Cleef
Datum: 12.12.2010
Ort: Ringlokschuppen, Bielefeld


- von Johannes von HerrSalami.de -

Das sehr, sehr gute Ham­bur­ger Label „Grand Hotel van Cleef“ bat zum all­jähr­li­chen „Fest van Cleef“ (Rück­blick: 2009) und weil ich mich ein­ge­la­den ge­fühlt habe, war ich letz­ten Sonn­tag im Bie­le­fel­der Rin­glok­schup­pen kör­per­lich und geis­tig zu­ge­gen. Und Heis­sa, es war ein Fest! Es gab Glüh­wein, Brat­wurst und Heiz­pil­ze, aber nur im Drau­ßen­be­reich für Rau­cher und Frisch­luft­fe­ti­schis­ten, die ei­gent­li­che Ver­an­stal­tung fand in einer Halle statt. Mit acht Bands auf zwei Büh­nen, so dass man immer hin und her wan­dern muss­te. Wie ein rich­ti­ges Fes­ti­val fühl­te es sich also im­mer­hin be­dingt an, aber das Wich­tigs­te an sol­chen Ver­an­stal­tun­gen (Aus­nah­men: Wa­cken, Rock im Park, Rock am Ring, etc.) ist ja oh­ne­hin die Musik. Und die war prima. Ein klei­ner Ein­trag ins Kon­zert­ta­ge­buch.


Ich ar­bei­te mal chro­no­lo­gisch den Ab­lauf­plan ab: Beat!Beat!Beat! sah ich be­reits zum drit­ten Mal und ir­gend­wie werde ich mit die­ser Band nicht warm. Ja, nette Musik ma­chen sie ja be­stimmt, aber meine ehe­ma­li­ge Sitz­nach­ba­rin aus dem Che­mie­un­ter­richt ist auch nett und den­noch weiß ich ihren Nach­na­men nicht mehr. Im­mer­hin konn­te man die durch das lang­wei­li­ge erste Kon­zert ge­won­ne­ne Zeit in Al­ko­hol-​ und Fan­ar­ti­kel­kon­sum in­ves­tie­ren. Da­nach: wan­dern zur Bühne zwei, wo Tim Neu­haus auf der Bühne her­um­sound­check­te. Ich setz­te mich mit mei­ner mich be­glei­ten­den Freun­din an den Büh­nen­rand, da spa­zier­ten Nils Koppruch und Gis­bert zu Kny­phau­sen an uns vor­bei – Gis­bert hielt inne und er­in­ner­te sich: „Ihr wart doch auch in Ober­hau­sen, oder?“ Ja, waren wir – und tags zuvor auch in Müns­ter. Wir ver­ab­schie­de­ten uns wahr­heits­ge­mäß mit „Und nächs­ten Frei­tag sehen wir dich schon wie­der, in Ham­burg!“. Scheiß Grou­pies sind wir. Aber ei­gent­lich woll­te ich was zu Tim Neu­haus sagen, kann ich aber nicht, da mir von sei­nem Pro­gramm nichts im Ohr ge­blie­ben ist. War so ein Song­wri­ter-​Ge­schwur­bel mit Drum­mer. War viel­leicht gut. Viel­leicht aber auch nur so naja. Und be­stimmt was fürs Radio. Also wei­ter zu den mir vorab völ­lig un­be­kann­ten Young Rebel Set. Bri­ti­sche Hut-, Bart- und Un­ter­hem­den­trä­ger, also sehr sym­pa­thisch. Mu­si­ka­lisch ir­gend­wo zwi­schen The Po­gues, Mum­ford & Sons und den Fleet Foxes. Aber beim ers­ten Hören lei­der auch nur nett.


Da­nach be­gann für mich der Fes­ti­val­tag. Nils Koppruch war schließ­lich nicht nur zum Spa­zie­ren­ge­hen nach Bie­le­feld ge­kom­men. Ir­gend­je­mand hat mal ge­schrie­ben, dass er der deut­sche Tom Waits sei. Aber das ist eine noch grö­ße­re Lüge, als wenn ich sagen würde, dass Bir­nen und Äpfel fast das Glei­che wären. Ein ziem­li­cher Schrat ist Koppruch (siehe Bild) den­noch, denn er nennt au­ßer­ge­wöhn­lich un­schö­ne Cow­boy­stie­fel und einen Drei­ßig­ta­ge­bart sein eigen. Sein ak­tu­el­les Album „Ca­ru­so“ ist einer der bes­ten Ton­trä­ger des Jah­res, üb­ri­gens. Auch auf der Bie­le­fel­der Bühne funk­tio­nier­ten seine Stü­cke, ge­tra­gen nur von Gi­tar­re (wahl­wei­se: Banjo), Bass und Koppruchs mar­kan­ter Stim­me, ziem­lich gut. Er sang von Liebe, Zwei­feln und (ge­mein­sam mit zu Kny­phau­sen) der Aus­sicht. Ja, das war sehr gut. Und wenn wir schon bei „sehr gut“ und Gis­bert sind: Gis­bert zu Kny­phau­sen ist so­wie­so der un­an­ge­foch­te­ne Spit­zen­rei­ter in den Lie­der­ma­cher­charts. Auch wenn er sei­nen Vor­sprung bei sei­nem sonn­täg­li­chen Akus­tik­gi­tar­ren­auf­tritt nicht aus­bau­en konn­te, da er ohne Band eben deut­lich an Wucht und Gän­se­haut­mo­men­ten ver­liert. Egal, Frei­tag in Ham­burg sind die Her­ren Band­kol­le­gen ja wie­der dabei.


Es folg­ten Bier­stand­vi­si­ta­tio­nen und ver­spä­te­tes Ein­tref­fen beim Auf­tritt des aus­tra­li­schen In­die-​Rock-​Du­os An Horse. Ein Drum­mer und eine Gi­tar­ris­tin. Ich weiß zu wenig über die Band, um an die­ser Stel­le nicht (wie alle an­de­ren auch) „The White Stri­pes!“ zu rufen, Ver­zei­hung. Scheint aber gute Musik zu sein. Schön auch, dass wäh­rend des Auf­tritts Nils Koppruch aus Grün­den zu mir kam und mir nach einem klei­nen Plausch eine Zi­ga­ret­te anbot. Jetzt ist er end­gül­tig mein Lieb­lings­sch­rat. Zu An Horse ver­mag ich hin­ge­gen lei­der nichts mehr zu be­rich­ten, daher schnell wei­ter zum heim­li­chen Head­liner Thees Uhl­mann, der be­glei­tet von be­freun­de­ten Mu­si­kern zu­nächst zwei Tom­te-​Klas­si­ker („Das hier ist Fuß­ball“, „Die Schön­heit der Chan­ce“) und an­schlie­ßend Titel von sei­nem im nächs­ten Jahr er­schei­nen­den So­lo­al­bum spiel­te. Es bleibt dabei: Uhl­mann, Grün­dungs­pa­pa vom Grand Hotel van Cleef und seit Jah­ren schon der al­ber­ne Weise der deut­schen Pop­kul­tur, ist ein echt prima Kerl. Und ich möch­te pro­gnos­ti­zie­ren, dass sein So­lo­al­bum ein ech­tes Feu­er­werk wird.


Die Kri­ti­ker wer­den zwar schrei­ben, dass sich die Song­struk­tu­ren zu sehr äh­neln und dass er immer noch ein wenig nu­schelt, aber die­sen Leu­ten möch­te ich jetzt schon sagen: Fres­se. Bei Uhl­mann selbst muss ich mich al­ler­dings auch be­schwe­ren, denn mir an einem Abend der­ma­ßen viele Ohr­wür­mer ins Hirn schie­ßen, ohne dass ich zu Hause auf Ton­trä­ger­auf­nah­men zu­rück­grei­fen kann und auf YouTu­be-​Mit­schnit­te an­ge­wie­sen bin – fies und ge­mein. Trotz­dem ist Uhl­mann einer der Bes­ten unter all den Guten, al­lein schon wegen Song­ti­teln wie Zum Lai­chen und Ster­ben zie­hen die Lach­se den Fluss hin­auf“. Am Epo­chi­als­ten ist al­ler­dings der zwei Sätze zuvor ver­link­te Song na­mens „Und Jay-Z singt uns ein Lied“ (wer genau hin­hört, be­merkt zum Ende des Lie­des zwei Text­zei­len­ver­wechs­ler des mit­sin­gen­den Gi­tar­ris­ten): „Und wie häu­fig schlägt dein Herz? Wie häu­fig siehst du him­mel­wärts? Und wie häu­fig stehst du auf und freust du dich dar­auf? Und Jay-Z singt uns ein Lied“ singt Thees und wenn das Lied nach drei Mi­nu­ten so tut, als wäre es vor­bei, hauen einem die Gi­tar­ren noch ein­mal mäch­tig in die Fres­se und föh­nen einem die Gän­se­haut auf die Arme. Sap­per­lot! Groß. So viel Ap­plaus spen­de­te ich sel­ten.


Ganz wenig Klat­sche­rei be­ka­men zum Ab­schluss des Tages Kett­car spen­diert, al­ler­dings nur des­we­gen, weil letz­te Züge am Bahn­hof er­reicht wer­den woll­ten. Mit dem un­ge­wöhn­li­cher­wei­se nicht zum Kon­zer­ten­de, son­dern schon nach vier Songs ge­spiel­ten „Balu“ in den Ohren ver­lie­ßen wir fro­hen Mutes den Rin­glok­schup­pen und be­ga­ben uns in die ost­west­fä­li­sche Kälte. Feste soll man fei­ern, wie sie fal­len – sagt der Volks­mund. Aus die­sem Sprüch­lein ließe sich si­cher ein lus­ti­ges Fazit für das Fest van Cleef 2010 bas­teln, aber schlech­te Wort­spie­le hebe ich mir lie­ber für die nächs­te Kurz­ge­schich­te auf. Statt­des­sen möch­te ich die­sen klei­nen Be­richt schlie­ßen mit: bis nächs­tes Jahr, Grand Hotel van Cleef-​Men­schen!

(Danke an An­ni­ka! Auch für die Bil­der.)



Sonntag, 29. März 2009

Tomte, Mülheim, 25.03.09

5 Kommentare

Konzert: Tomte
Ort: Ringlokschuppen, Mülheim
Datum: 25.03.2009


Glaubt man einem gängigen Klischee, dann sind ein Großteil der Hörer der Hamburger Band Tomte Studenten.
Jeder schlaue Mensch weiß, dass Vorurteile keine gute Erfindung der Menschheit waren, doch ein bisschen Wahres steckt letztlich doch in den allermeisten Klischees. Der Leser stellt sich (und mir) nun einige wichtige Fragen: Waren am gestrigen Abend größtenteils Studenten im Mülheimer Ringlokschuppen beim Konzert der Truppe? Was hat Thees Uhlmann gegen Peter Fox? Und gab es nebenher auch ein bisschen Musik? Ich berichte.

Bevor Daniel und ich in den Genuss von live gespielten Instrumenten kommen konnten, mussten wir selbstverständlich erst einmal anreisen. Die Zugfahrt brachte einige underwartete Tücken mit sich, aber letztlich kamen wir nur mit einer knappen Viertelstunde Verspätung am Mülheimer Ringlokschuppen an. Die Münsteraner Vorband „Ghost of Tom Joad“ (vom Tomte-Label „Grand Hotel van Cleef“) spielte bereits, wir erkämpften uns derweil ein paar gute Plätze am linken vorderen Rand. Auf der Bühne gab es okayen Alternativ-Rock, man wippte ein bisschen mit und wartete anschließend gut zwanzig Minuten auf die Hauptakteure des Abends.

Kurz nach 21:00 Uhr begaben sich die Herren Musiker an ihre Instrumente. Bevor dann als drittes Lied die aktuelle Single Wie sieht’s aus in Hamburg? zelebriert werden durfte, wendete sich Frontmann Thees Uhlmann erstmals an das Mülheimer
Publikum. Er plauderte von seinem Paris Hilton-T-Shirt („Nur falls irgendwer fragt: ‚Paris Hilton #1′ steht drauf.“), alberte herum und hatte Spaß. Das Konzert war dank Klassikern wie So soll es sein oder Korn & Sprite längst ein Selbstläufer, doch seine Gitarre musste Herr Uhlmann trotzdem von Zeit zu Zeit stimmen. Dadurch entstanden natürlich kurze musiklose Pausen, doch auch hier wusste Thees die geschätzt 600 Fans zu unterhalten: „Das ist hier nicht wie bei Peter Fox, bei dem kommt ja auch alles vom Band. Ich werde noch ewig Gitarren stimmen, selbst wenn es gar keine Gitarren mehr gibt!“ feixte er.

Später lästerte er dann noch über die emotionslosen Zuschauer bei den Konzerten zuvor und kitzelte so noch den letzten Funken Motivation aus dem ohnehin sehr
ausgelassenen Publikum heraus. Fast jeder Song wurde mitgesungen, mitgeklatscht und gefeiert. Übrigens nicht nur von Studenten, sondern auch von jüngeren und älteren Semestern. Fast alle Altersgruppen (und beide Geschlechter!) waren vertreten: Musik, die Generationen verbindet, sozusagen.

Und im letzten Drittel kamen dann auch noch zwei Überraschungsgäste auf die kleine Bühne: zum einen Gunnar Vosgröne (Mitglied
von „Escapado“) am Cello, zum anderen Simon der Hartog (Sänger der „Kilians“). Ersterer durfte helfen, einige musikalische Höhepunkte zu setzen (persönlicher Höhepunkt: Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören), zweiter sang Ich sang die ganze Zeit von dir mit Thees im Duett und auf Nachfrage, wer der junge Herr denn sei, antwortete Herr Uhlmann, dass er sein unehelicher Sohn aus Mülheim wäre. Lustig.

Nach gut zwei Stunden, vielen Zugaben und dem abschließenden Geigen bei Wonderful World war das Konzert zu Ende, die Kräfte auch. Konzerte unter der Woche sind anstregend. Und um mir eine platte Schlusspointe zu erlauben: das sehen die Studenten sicher ähnlich, denn die sahen heute Morgen bestimmt (wie üblich) so aus. Ne, ernsthaft: Tomte sind sehr dufte. Unbedingt irgendwann mal live anschauen, bitte.


von Johannes von HerrSalami.de



 

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